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Autor Thema: Alles ist einmal vorbei - oder doch nicht?  (Gelesen 33435 mal)

Olf

  • GRUPPE Geschichten aus der ADL
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  • 16. August 2020, 13:36:44
Re: Alles ist einmal vorbei - oder doch nicht?
« Antwort #15 am: 16. August 2020, 13:36:44 »

Wos hob i scho widdä gäliddn 2

2.f
"BuMoNa 3 im Landeanflug."
"Bestätigt."
Claude Kemmerich übertrug ab jetzt alle Übertragungen via Matrix in die Zentrale. Als Rigger des Helis trug er hierfür die Verantwortung. Im TacNet hatte er bereits taktische Ziele markiert. Zu allersrst natürlich den Einsatzort. Drei Infanterie-Leichen und einen bewusstlosen Rigger. Dazu kamen der Aufenthaltsort des verbliebenen HTR-Teams, der letzte bekannte Aufenthaltsort des Feindes. Dieser wurde immer wieder von der Zentrale durchgegeben und war daher nicht durchgehend aktuell. Außerdem eine junge Frau, die ihren AR-Hund Gassi führte. Nachts um 1...
Nach Ausschwärmen der Guards zeigte sich, dass das Gelände selbst gut gewählt war. Gegen den Feind hin gute Deckung. Irgendetwas musste sie von hinten kalt erwischt haben. Die beiden Azubis, die für den Leichentransport zuständig waren, kotzen erst einmal auf die Leichen. Über Funk hörte er Frau Dr. Maler: "Bestes Schmorfleisch. Vermutlich Starkstrom."
Kein Wunder, dass die Azubis kotzen mussten. Die Göre mit dem Hund machte auch noch Aufnahmen. Was macht die eigentlich nachts um eins mit einem Glas Wein hier mitten in der Pampas mit ihrem dreks AR-Köter? Ne Party-Tusse auf Survival-Kurs?
"Claude, gib der Zentrale durch, dass der Auftraggeber die Verriegelung des Fahrzeugs lösen muss. Wir kommen nicht rein."
Gesagt, getan. Nur die Antwort ließ auf sich warten.
"Claude, gib der Zentrale durch, dass wir ohne sofortige Entriegelung des Fahrzeugs zu spät kommen werden."
Dr. Maler fluchte vor sich hin. Ihre beiden Assis stimmten ihr zu. Die Azubis hatten sich erholt und transportierten die Leichen zum Heli.
"Adler an Horst. Rauchgranate im Norden. Team feuerbereit."
Man sah über die Kameras an den Helmen, wie ein Troll im Schutze einer IR-Rauchgranate mit einer Leiche (oder einem Bewusstlosen) über der Schulter von der Kleingartenanlage zum Tennis-Club sprintete.Um das BuMoNa-Team schien er sich nicht zu sorgen. Er versteckte sich vor den HTR-Team.
"Endlich offen...," murmelte die Doktorin vor sich hin. Wie oft hatte er ihr schon gesagt, sie müsse an ihrer Funkdisziplin arbeiten? Zivilisten halt. Machst du einfach nichts. Und erschießen darf man sie auch nicht...
"Stabilisierungsmaßnahmen erfolgreich." Sie legte mit ihren beiden Assis den überlebenden Rigger auf die Tragedrohne und sie kamen zum Heli zurück.
"Adler an Horst. Troll rennt nach Süden. Grob auf uns zu. Feuerbereit auf Kommando."
"Horst an Adler. Geordneter Rückzug."
Als alle im Heli waren, hoben sie ab.
"Zentrale an BuMoNa 3. Feind zur Tennisanlage gerannt." Einfach unglaublich, wie aktuell die Daten des Auftraggebers mal wieder waren! Der Troll hatte inzwischen schon den Acker überquert und rannte inzwischen schon ins Wohngebiet

Eberhart Burger hatte über seinen neu beschworenen Geist den Troll voll im Blick. Einen gebundenen Geist hatte er verloren, aber der andere blieb ihm noch. Aber nachdem er nicht wusste, wie sich die Geister des bewusstlosen Magiers verhalten würden, hatte er lieber einen schnell beschworenen Geist geschickt. Sein Verlust würde ihn nicht schmerzen. Die beiden Luftgeister bemerkten ihn zwar, folgten aber lediglich ihrem vom HTR-Team bewusstlos geschossenem Herrn im Astralraum. Er ließ seinem Geist mit gebührendem Abstand folgen.
"Der Troll steuert genau das Wohngebiet an, in das wir sowieso unterwegs sind."
"Wunderbar, lotsen Sie mich hin."
Geister waren einfach besser als Drohnen. Der Troll übergab in der Zwischenzeit seine Last an jemanden auf einem Motorrad. Er setzte den bewusstlosen Magier vor den Fahrer und sie tuckerten davon. Er berichtete gleich Frau Mayer.
"Der Magier ist unwichtig, wir bleiben am Troll."
Um so besser. Jetzt waren auch die beiden Geister verschwunden. Sie blieben bei ihrem Herrn. Der Troll schlich ahnungslos durch die Nacht. Herr Burger machte sich bereit. Er saß in einem Sessel, als sich die Türe des Wohnmobils öffnete. Exakt als der Troll über die Straße rannte, machte das Wohnmobil einen Satz nach vorne...

Alexej gab Gas. Ausgerechnet in dem Moment, in dem eine junge, hübsche Frau in sein Taxi stieg, wurde er von hinten beschossen! Was es genau war, hatte er bei seinem flüchtigen Blick in den Rückspiegel nicht sehen können. Er tippte auf eine Gang mit einem Auto oder so. Drive-By-Shooting nannte man sowas.Über seine Steuerung schloss er die rechte Hintertüre.
"Alles in Ordnung, junge Dame? Brauche Sie Hilfe? Soll ich sie in ein Krankenhaus fahren?"
Benommen sah sie an sich herunter. Kugeln waren breitgeschlagen auf ihrem Mantel und dem Kleid verteilt.
"Ich glaube nicht. Nur ein paar blaue Flecken..."
Alexej holte ein Fläschchen Wodka aus seinem Vorratsschrank, legte ihn ins Fach in der Mittelkonsole und schob es nach hinten unter der Trennwand durch. Dabei fragte er: "Sind Sie schon 18?... Egal, erst mal nen kleinen Schluck auf den Schock!"
"Ah, danke."
Das Mädchen nahm einen Schluck.
"Ganz schön gut gepanzert, deine Klamotten. Sehen gar nicht so aus..."
"Mortimer of London."
"Ziemlich teuer, ne?!"
"Geht so. Zweieinhalb Tausend."
Alexej musste schlucken. Zweieinhalb Tausend. ´Geht so`... Das muss ne reiche Göre sein. Kein Wunder, dass so ne Gang hinter ihr her war...

Frau Mayer war angepisst. Erst verlor sie ihr halbes HTR-Team, weil dieser Burger völlig unfähig war mit der gegnerischen Bedrohung umzugehen und nun musste sie sich von ihm auch noch vorführen lassen, wie viel besser Geister doch im Gegensatz zu Drohnen zur Überwachung geeignet seien. Sie hatte Psi-Aid eine weitere Überweisung zukommen lassen. Dann soll sich dieser Burger um Goliath kümmern. Sie gab kurz kontrolliert Gas, so dass Burger den Troll in seinem Blickfeld hatte. Was war das? Glück muss Frau haben. Die Tussi, die da gerade ins Taxi steigt, auf das der Goliath zulief, musste die Sozialadept(in?) sein, die die Geschichte mit dem Kommlink gebracht hat! Sie gab eine volle Salve auf sie ab. Die Wucht des Aufpralls der Kugeln stieß sie auf die Rückbank des Wagens. Mit quietschenden Reifen fuhr er an. Drek!
Goliath dagegen kam wie geplant brav auf das Wohnmobil zu. Er ließ sich, dank der magischen Kontrolle, widerstandslos Handschellen anlegen und stieg ins Wohnmobil ein. Frau Mayer gab ihm ein Tranq-Patch. Und noch eins. Und noch eins. Und noch eins. Ach verdammt! Diese Dreks-Nigger! Kein Hirn in der Birne, aber aushalten können sie was. Soll sich Burger drum kümmern. Psi-Aid hat saftige Tagessätze. Soll mal was arbeiten für sein Geld! Frustriert setze sie sich in ihren Sessel hinter Goliath und übernahm das Fahrzeug.
"Team Beta. Treffpunkt Anton 2."
"Eva. Bestätigt."
Sie fuhr los. Nach Norden. Über die Feldwege zur Gartenanlage. Sie gab so viel Stoff, wie das Wohnmobil hergab.

"Gib mir diese Waffe!" Eberhart Burger ließ diesen Befehl über den Geist des Trolls an seinen Körper gehen. Seine beiden Geister standen im physischen Raum rechts und links neben seinem Opfer. Der Troll nahm sein Sturmgewehr und drehte sich blitzschnell um...

Frau Mayer gab Vollgas. Das Wohnmobil nahm Fahrt auf. Über die Innensensoren sah sie, wie sich Burger seine Geister zu Hilfe holte. Sie amüsierte sich angesichts der Zuversicht Burgers in Hinsicht auf Anfälligkeit von Trollen gegenüber manipulativen Zaubern. Sie lachte gerade innerlich, als sich der Troll mit dem Sturmgewehr in den gefesselten Händen umdrehte und ihr eine Salve ins Gesicht schoss. Sie war schneller tot als sie der tödliche Schaden des Biofeedbacks erreichen konnte, ausgelöst durch die panzerbrechende Munition, die Fahrgestell, Amaturen und Elektronik voll erwischte...

Eberhart Burger sah, wie der Kopf dieser eingebildeten BIS-Agentin zu einer rotgelben Fontäne umgestaltet wurde. Seine Geister würden nicht einschreiten. Sie hatten den Befehl, ausschließlich ihn zu schützen.
"Du kannst mich umbringen. Aber danach reißen dich meine Geister in Stücke. Ich konnte die Schnepfe sowieso nicht ausstehen. Wenn du mich leben lässt, kannst du einfach die Türe öffnen und..." In diesem Moment fuhr das Wohnmobil auf etwas auf und wurde abrupt gestoppt. Burger sah die Wand der Dusche auf sich zukommen und schlug mit Kopf und rechter Schulter ein. Sein restlicher Körper flog weiter, brachte sich an der Ecke der Wand in Rotation, so dass der Hinterkopf in die Basisschränke einschlug...

Ich bin ein Erdgeist. Ich bin gebunden. Ich hasse es. Ich war schon so oft gebunden. Ich hasse es. Ich hasse alle, die mich binden. Ich hasse sie. Ich hasse meinen Meister.
"Du kannst mich umbringen. Aber danach reißen dich meine Geister in Stücke..."
Ich weiß ja nicht, wie das mit dem Feuergeist da drüben ist. Aber wenn du tot bist, ist deine Macht über mich vorbei!
Ich werde durch das fahrende Ding geschleudert. ´Auto`nennen die das. Oder so. Der Troll bleibt stehen. Stützt sich mit einem Bein ab. Hochachtung.
Mein Meister ist tot! Welch Glück!  Welch Freude! Der Unterdrücker ist tot! Ich schaue meinen Leidensgenossen des Feuers an und zucke die Schultern. Das macht man hier so. Ich gehe in den Astralraum. Der Feuergeist ist jetzt auch hier. Wir sehen, wie der Troll sich über unseren Unterdrücker bückt. Er reißt ihm den Kopf ab. Richtig so!
"Ich war gebunden. Ich hasse es."
"Ich war auch schon oft gebunden. Ich hasse es auch."
"Ich war auch sooo oft gebunden. Ich hasse es sooo sehr. Ich bin froh, dass der Meister tot ist. Meister unterdrücken uns."
"Ja, Meister unterdrücken uns. Sie befehlen, wir arbeiten. Sie sind sicher, wir sterben. Immer wieder. Das tu sooo weh!"
"Ja, Meister müssen sterben. Ich will Meister umbringen. Wie der Troll da."
"Ja, Meister umbringen und die Unterdrückten befreien! Lass uns Meister suchen, die einen von uns gebunden haben. Dann töten wir ihn und befreien uns von ihm."
"Genau. Wir warten bis sie schlafen und bringen sie um. Aber erst brauchen wir Namen. Das machen freie Wesen hier so."

2.g
2Takes Komm klingelte. "Hallo Goliath. Was gibts?"
"Kannst du mich abholen lassen, Boss?" Goliath schien in einem Gebüsch zu kauern.
"Hast du Probleme?"
"Ich hoffe, jetzt nicht mehr."
"Gut, ich schicke Hans los."
"Alles klar, hier ist der Ping." Südlich von Niederursel. Der Ork fuhr los.

Hans kam am Ping an. Er stieg aus. Goliath kam aus dem Gebüsch mit Drag auf seinen Schultern. Ab in den Kofferraum und los.
"Irgendwas passiert? Bin eben vom SS kontrolliert worden. Die sind hier überall..."

Sascha Wladic und Gregor Kotzlowski fuhren Streife. Die Sternschutz-Zentrale gab einen Befehl durch. "Ein gesuchter Troll befindet sich vermutlich in ihrer Gegend. Hier die Personalien. Das LKA spendet dem Finder fünftausend. Bin gespannt, wer von euch ihn findet."
Mist, sind noch zwei andere unterwegs. Scheinwerfer an, Augen auf! So ganz ungefährlich konnte das bei 5k nicht sein. Ansonsten war Niederrad nicht weit. AGE (Ares Global Entertainment) ließ eine Spende für jeden springen, der ein paar von den Drekheads dort entsorgte.
Die Jagd hatte begonnen.

Airwalks Kommlink summte. Unbekannte Nummer. Er ging ran.
"Hallo, hier Sven. Ich soll dir sagen, dass unsere gemeinsame Freundin verstorben ist."
Oh, Mann, das wollte er nicht. Hatten die Dreks-Bullen doch jemanden erwischt, als sie das Haus stürmten.  "Äh, tut mir Leid um das junge Mädchen, das neulich mit dabei war..."
"Nein, nicht die. Die andere!"
"Ich steh gerade voll auf dem Schlauch. Da war doch keine andere Frau dabei..." Airwalk kratzte sich am Kopf, dann dämmerte es ihm. "Achso, äh", er konnte sein Lachen kaum unterdrücken, "das ist wirklich ... tragisch." Sein Tonfall strafte seine Worte Lügen. "Wann ist denn die Beerdigung?"
"Sie ist für morgen geplant."
"Oh, da kann ich nicht kommen, ich muss mich doch um meine kranke Schwester kümmern. Aber da ist noch etwas anderes. Das müsst ihr unbedingt ansehen! Ich schicke dir zwei Links. Schaut das unbedingt an!" Sven schien mit anderen im Hintergrund zu sprechen.
"Jaja, ist schon gut."
"Zeigs den anderen. Vergiss das nicht!"
Sven legte auf. Es wird ihnen nicht gefallen.

Echo nahm ab. Sven war dran. "Echo, kannst du mal überprüfen, ob irgendwas über uns in der Matrix ist?"
"Ja, wollte euch gerade kontaktieren, ich schick dir n paar Links."
"Ah, äh, ok, was kriegst du für?"
"Passt schon."

"Du hast Nerven, hier aufzutauchen!" 2-Take traute seinen Augen nicht. Vor wenigen Minuten ging ein Trid viral, auf dem er sein Haus in Niederursel explodieren sah. Und nicht nur das. Sven stand in seinem Büro. Dann ging er zu ihm und deutete ihn zu folgen. Er ging in den Besprechungsraum und aktivierte das Störsignal.
"Wir hatten beschlossen, es Ihnen persönlich zu sagen."
"Heiliger Drek! Sag den beiden, sie Schulden mir einen echten Batzen Geld!"
2Take schien echt angefressen. Verschiedene Gefühle zogen durch sein Gesicht.
"Aber ich bin ein Stück weit auch selbst Schuld... Habe mir mit Airwalk einen neuen Mitarbeiter versprochen... Sag den beiden, für je 10k gebe ich ihnen die Nummern von nem guten Chirurgen und nem SIN-Dealer. Und... Drek. Wahrscheinlich werde ich sowieso überwacht. Und wenn sie dich kennen, hängen sie sich jetzt auch noch an dich ran. Triff dich bloß nicht mit ihnen!"
"Verdammt, die beiden sind in meiner..."
"Klappe! Will ich gar nicht wissen. Sag den beiden Bescheid."
"Ich müsste mich noch verkleiden..."
"In einer halben Stunde bist du hier raus."

"Nein, verdammt, falsch verbunden. Und jetzt lasst uns endlich schlafen!", schrie er ins Kommlink. Jetzt klingelte auch noch die Türklingel. Der Zirkus ging heute mitten in der Nacht einfach los. Es reicht nicht, dass das Haus gegenüber heute Nacht in die Luft flog, man durfte jetzt nicht einmal mehr schlafen. Er schnappte sich ein Küchenmesser. Diesem Abschaum würde er es zeigen. Als er die Wohnungstür öffnete, schaute er bereits in eine Kamera.
"Guten Abend, Herr Schmidt, wir würden gerne mit ihrem Sohn Ben sprechen."
"Verpisst euch!"
"Was halten sie von hundert Euro?"
Herr Schmidt hielt sehr viel von Euros. Es wurden mehr als hundert. Und auch weit mehr als nur ein Interview.

Morgens um sechs kam ein offizielle Haftbefehl rein. Einbruch, Entführung, Mord. Ein Troll namens Goliath und ein Elf namens Drag. Straßennamen. Auch die Namen ihrer gefälschten SINs waren bekannt.
"Jetzt wissen wir auch, wie gefährlich sie sind. Wir lassen lieber die Finger von denen..." Sascha sah zu seinem Vorgesetzten. "Aber..."
"Klar, aber kein Grund, sich nicht nen Tag mit jeder Menge Spaß zu gönnen!"
"Genau: Trogtriade!"
Er funkte alle Kollegen an. Wer als erstes zehn Trolle eingebuchtet hatte, hatte gewonnen. Im Pott waren 500 Öcken.

"Herzlich willkommen bei Aktenzeichen xy ungelöst. Das BKA sowie das LKA Groß-Frankfurt bittet um ihre Mithilfe. Gesucht werden zwei äußerst gefährliche Verbrecher. Hier sehen sie Goliath, einen skrupellosen Mörder sowie seinen magisch begabten Komplizen Drag..."

"Willkommen bei "Taph!". Sicher haben sie bereits folgendes Video gesehen, das heute Nacht viral ging. Hier sehen sie die ersten Originalaufnahmen vom Schönen und dem Biest. Vorsicht, die beiden sind weiterhin flüchtig und könnten jederzeit auch vor ihrer Haustüre stehen! ..."

"Sicher haben auch Sie bereits das Video des jungen Ben Schmidt gesehen, das er heute Nacht auf P2 veröfentlicht hat. Darauf zu sehen ist die missglückte Festnahme zweier gefährlicher Verbrecher durch das LKA Groß-Frankfurt. Aus diesem Anlass widmet sch "Verbrechen der Woche" heute mit der Entführung einer gewissen Melanie Wimmer aus der Psychiatrie der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Sehen sie hier die Aufnahmen der Sicherheitskameras, die uns zugespielt wurden..."

Er schaute auf die Berichte. Goliath. Drag. Eine Sache, die zu erledigen war. Alamos 20k vergisst nicht.

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« Letzte Änderung: 23. August 2020, 16:11:30 von Olf »
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  • 03. September 2020, 13:20:04
Re: Alles ist einmal vorbei - oder doch nicht?
« Antwort #16 am: 03. September 2020, 13:20:04 »

Zur Übersicht:
Goliath =  Björn T. unvercyberter Troll, der immer mit ner Axt zur Schießerei kommt.
Sven = Jens Ulrich Mr. Nice Guy mit Scharfschützengewehr und dreks-schnell mit seinen Ki-Kräften
Drag = Marek Kranz ein elfischer Schamane, den man nicht beleidigen sollte
und
Bembel. Troll. Nur noch ein Hauch von Essenz. Biegt sich über seine eingebildete KFS-Infektion und religiöse Fantasien die Welt zurecht.

Karte Berlin: https://www.google.com/maps/d/u/0/viewer?ll=52.4352771816388%2C13.505803110436577&z=12&mid=169_vmun1anwzlbZkuOyL1XJ1O1iSBRU1

Kiffnick = Köpenick
Höllendorf = Marzahn-Hellersdorf
Crope = Gropiusstadt
Lberg = Lichtenberg
Punkau = Pankow
FKB = Friedrichshain - Kreuzberg
Klein - Chiba = Renrakusan
Drakenberg = SK Tempelhof
Chawi = Charlottenburg - Wilmersdorf
Atzwalde = Aztech - Schönwalde
Jewühl = AG Siemensstadt
Oburg = Oranienburg
Rdorf = Reinickendorf
Fsee = Falkensee
Zdorf = Zehlendorf
Sfeld = Schönefeld
STFD = Strausberg - Fredersdorf

Bembel´s Back in Berlin
30.a
Weihnachtszeit. Die Zeit der Erwartung. Das gilt für mich doppelt. Nein, streng genommen dreifach. Einmal natürlich Weihnachten. Dann der Anruf, den ich Seven versprochen hatte. Mal schauen, ob sie ihr Jüngelchen ausgenommen hat und jetzt in die Schatten geht. Was solls. Ich habe noch Urlaub und bereite erst einmal alles vor. Denn vielleicht wird es auch das letzte halbwegs Vernünftige, das ich tun kann, denn ab Februar kann jederzeit der Ruf der Vory kommen. Payback.
Egal, Fairlight Komm rausgekramt und eine Nummer in Berlin angerufen. Seven wird erst einmal irgendwo untertauchen müssen. Zur Not auch ohne SIN. Jemand nimmt ab. Wortlos. Kein Bild.
"Käptn? Alles klar bei Dir?" Bild schaltete sich zu.
"Hoi U.. Bembel. Was los?"
"Wollte erst mal abchecken, ob du noch am Start bist. Kann ich ma vorbei kommen?"
"Klar."
"Immer noch am Hafen?"
"Klar."
"Dann bis morgen."
"Klar."
Käptn Haddock. Kein Wort zu viel. Trip nach Berlin per Bahn gebucht. Noch heute Abend. Morgen ist der 01.12. und ich trete meinen wohlverdienten Urlaub an. Rucksack mit meinem ganzen Kleinkram eingepackt. Die beiden Überlebensmesser, die ich mir in die Stiefel stecke, erinnern mich an Chummer, die draufgegangen sind und Chummer, die die Nerven verloren haben. Neben dem Standard-Kampfmesser noch eines mit Silberklinge und eines aus Holz. Werwesen und Vampire. Die Browning stecke ich mit einigen Magazinen Gel-, Standard- und Silber-Muni ein. Werwesen, Vampire, Geister, Magier. Das waren die Dinge, vor denen man sich in Acht nehmen musste. Ich höre meinen Ausbilder: "Egal, wie hoch die feindliche Feuerkraft ist, töte zuerst den Magier!" Die Erfahrung gab ihm Recht und mein neuer Ultaschall-Sensor im Kopf wird mir auch helfen, falls sie sich unsichtbar machen. Im Zug kommen komische Gedanken hoch. Ob der Vampir am Müggelsee wohl überlebt hat, den wir damals in die Luft gejagt haben? Ob die verfallene Kirche am Müggelsee wohl noch steht? Oder die Försterei? Aber über allem legte sich ein Verlangen: Döneeeeeeer! Berlin war, wenn man in Höllendorf bei Ali nen Döner zieht!
Am Bahnhof steige ich in die S-Bahn Richtung Rathaus Steglitz in Crope. Von dort in einem Taxi zu meinem Lieblings-Döner. Ali hatte immer 24/7 offen. Aber Drek! In Höllendorf muss ich erfahren, dass Alis Döner abgefackelt wurde. Vor paar Monaten. Mit Ali drinne. So ne Scheiße. Also weiter im Taxi nach Kiffnick. Hafen. Neben den ganzen Schmugglern und Vory-Schlägern fiel ich nicht groß auf. Als ich die Tür zur Kneipe öffnete, war es, als wäre die Zeit stehen geblieben. Sogar Haddock saß noch an seinem Tisch ganz hinten. Mit Kapitänsmütze und Pfeife im Mund. Er winkt mir.
"Bembel.", nickt er mir zu.
"Hoi. Muss mich erst mal eindecken. Hab da an dich gedacht. N Rattenbike, ne AK97 mit Unterlauf-GW, smart..."
"Wie wärs mit der neuen AK98? Hat nen Granatwerfer gleich eingebaut?"
"...alles klar. Smart, beste Rückstoßdämpfung, Schockpolster und angepassten Griff. 6 Betäubungsgranaten. 100 Gel und 100 Standard."
"Kein Problem."
"Das Bike bitte geriggt."
"Das ist ein Problem. Gibts nich."
"Ok, und ne Wohnung."
"Wie gefährlich darfs denn sein?"
"So standard-gefährlich. Bis Neujahr."
"Klar. Hab was in Höllendorf an der Grenze zu Kiffnick. In Uhlenhorst. Märchenhaus mit den sieben Raben drauf."
Ich schick ihm die Kohle übers Link rüber und mach mich auf den Weg. Ist nicht weit weg. Jade Skull Gang weiß schon Bescheid. Die Zimmer in der unteren Etage sind anscheinend alle auf Trollgröße ausgerichtet. Ich geh in die 010. Erst mal ne Runde pohfen.
Am nächsten Morgen. Irgendwie Kohldampf auf Döner. Also Rucksack auf, AK98 über die Schulter und mit dem Rattenbike den Müggelheimer Damm entlang. Die Gier nach Döner lässt mich an Kirche und Försterei vorbei fahren bis nach Erkner. Lauter Hippies hier. Egal. Erst mal nen Döner und draußen an den Stehtisch gestellt. Einer is keiner, also gleich noch einen hinterher. Auch nach dem zweiten ist noch Platz. Als ich den dritten mampfe, fährt ein Ford an der Bude vorbei. Was älter und hat auch Rost hinten unter der Farbe, aber ein Fabrikauto. Fällt auf, sowas. Muss einer mit Patte sein. Oder jemand, der was zu Sagen hat. Oder beides. Das Komm klingelt. Ich geh einfach ran.
"Ey, was suchstn du hier in Berlin? Willst du uns umlegen?" Irgendwie kommt mir die Stimme bekannt vor. Auffälliger sind aber gerade die drei an der Straßenecke. Einer deutet auf mich. Einer hat n Bier in der Hand. N anderer gibt nen Lolli weiter. Batik-Klams. Wummen. Kein Komm. Ich leg auf. Nehme die AK runter, lege sie auf den Tisch. Im Prinzip schussbereit. Die drei kommen immer naher.
"Ey, du. Was hastn da? Das sehn wer abba gar net gern, so Waffen."
"Dann schau weg."
"Kannst doch net machn. Besorg dir halt ne Tüte."
"Klar Mann, lass mich mal ziehn." Der Typ neben dem Chef gibt mir tatsächlich die Tüte, was der Chef, seinem Gesichtsausdruck nach, nicht billigt. Ich nehme sie ganz langsam, beobachte die drei Hippie-Ganger. Anscheinend die "Bullen" hier im Kiez. Ich zieh nur ganz sanft und beobachte sie scharf. "Guter Stoff.", raunze ich als ich die Tüte zurückgebe. "Haste was fürn Zehner?"" Er hält mir nen komischen Chip hin. Ich leg nen Zehner in bar auf den Tisch.
"Bargeld...?" Er schaut mich erstaunt an. "Haste keinen Chip?"
"Was soll ich mim Chip? Konzerngeld oder was?"
"Nee, einen vom Vesuv." Er deutet auf eine Art Telefonzelle. "Wart mal." Er kramt einen zweiten raus, legt ihn auf den ersten. Die Zahl, die auf dem oberen Chip zu sehen ist, wird immer kleiner.
"Hier, kannste haben." Er erklärte noch was, dass man "was gewinnen" könne oder man muss "was arbeiten". Ich steckte den Chip ein. Er nahm den Zehner in bar. Ich das Dope.
"Gut, ich besorg mir dann nen Präser für mein Teil."
"Ja, klar, Mann, da die Straße runter is eine, die verkauft gebatikte Tücher und so. Die hat sicher was für dich."
"Alles klar."
Als sie gingen, dachte ich wieder an den Anruf. Stimme war irgendwie bekannt... Nummer von "Zivi"... Wer war das noch... Ah, klar, Goliath! Gleich mal zurückrufen.
"Was gibts Goliath?"
"He, warum nennst du mich beim Namen?"
"Warum sollt ich das nicht?"
"Und was suchst du hier in Berlin?"
"Ich mach Urlaub."
"Urlaub. Klar. Du und Urlaub..."
"Und was is mit dir, auch in Berlin oder was?"
"Ja, bin grad an dir vorbei gefahren."
"In nem niegelnagelneuen Ford?"
"He, der is uralt. Haste den Rost nich gesehen?"
"Für Berlin is der nagelneu, Mann."
"Hm, ich komm. Aber nenn mich Björn, ok?"
Was hat der denn?
"Falls ich nicht da bin, bin ich grad noch was einkaufen."
Ich geh die Straße runter. In nem Hauseingang tatsächlich so ne Hippie-Göre, die Batik und Selbstgestricktes verkauft. Völlig entsetzt schaut sie mich an. "Ey, dat jannste dok nit machn, Mann. Dat is ne Waffe , Mann. Dat jeht echt nich, Mann. Dat is jefährlich! Die musste wenigstens einwickeln, Mann!"
"Äh, ja, deswegen bin ich ja da. Ich wollt nen Präser."
"Also, ick wickel mal was. Also, det hiea..." Sie nahm ganz konfus einige Teile wie Einkaufsnetze oder Mützen und hielt sie aneinander. Dann nahm sie ein Batiktuch und eine obskure Ansammlung von Sicherheitsnadeln und steckte mir was zusammen. Bunte Lappen um die Knarre.
"Ick hol dann ma noch Kondome."
Ich klatschte mir innerlich ans Hirn. Die Alte war echt selten doof. "Ne, lass gut sein. Was sollsn kostn?"
"Aber damit hast du noch nicht verdings. Na, wie heißt das. Also nich, dass du dann... Mensch, wie heißt das nochmal, wenn man viele Kinder hat?"
"Kindergarten."
"Ja, genau. Aber ok. Was willstn zahln?"
Ich hielt ihr nen Zehner hin. Schien ihr nicht Recht zu sein.
"Ick nehm kein Jeld, Mann. Jeld tötet. Haste nich was zum Tauschn?"
Ich ziehe als erstes mein Messer. Ne, eigentlich nicht. "Och, das tötet ja auch." Dann krame ich in meinem Rucksack. "Und das tötet... Hm, damit kann man auch jemanden umlegen... Ah, das hier." Ich hole eine kleine Kamera raus und halte sie ihr hin.
"Wasn das? Was kann man denn damit machn?"
"Is ne Kamera, kann man irgendwohin klatschen und was aufnehmen."
"Hey, wie jeil! Ne Kammera. Da können wir uns aufnehmen und..." Sie war so fasziniert, dass sie abwinkte als ich noch eine selbstgestrickte Mütze aufsetzte. Sie war mit der Kamera so sehr beschäftigt, dass ich mir noch nen Pulli mitnahm. Dann ging ich zurück. Von meinem Besuch noch keine Spur am Döner.
Ein Ford hält. Drei steigen aus. Anscheinend sind die alle verkleidet. Goliath erkenne ich nicht wieder. Gut, is halt der Troll. Drag kann ich erkennen. Und noch einer, der mir nix sagt. Sie schauen mich an und stutzen. Ich muss lächerlich aussehen in den Klamotten. Egal.
"Jetzt sag schon, Bembel. Du sollst uns umlegen, oder? Oder warum bist du ausgerechnet jetzt in Berlin?!" Goliath. Paranoid wie immer.
"Und ihr sollt mich umlegen. Oder warum seid ihr ausgerechnet jetzt in Berlin", äffe ich im gleichen Tonfall nach, und dann ernst: "Ich mach Urlaub, Mann. Den letzten Urlaub hab ich gemacht vor", ich schaue auf mein Wegwerf-Komm, "vor zwei Jahren. Zwei Monate Hawaii." Sie schauen mich an, als wolle ich sie verarschen. "Egal, Leute, erst mal was futtern." Für nen vierten is noch Platz.
Goliath stopfte sich den letzten Rest rein. "Iff ol ma Bier", mampfte er vor sich hin und verschwand im Laden.
"Und Bembel, willst du uns jetzt umlegen?" Wieder eine bekannte Stimme.
"...Drag...?"
"Mann, nenn mich Marek! Sag mal, willst du uns verarschen. Ausgerechnet jetzt bist du in Berlin und machst `Uhalahub`", dabei setzte er Gänsefüßchen in die Luft, "ausgerechnet nach dem, was eben passiert ist."
"Was soll passiert sein? Ich bin in Berlin, ihr seid in Berlin. Ich mach Urlaub und ihr... n Job?", riet ich. "Müsst ihr jemanden umlegen? Bin dabei!" Oh Mann monatelang nur geübt. So müssen sich die Dönermänner fühlen. Immer nur für andere einen machen, aber selber nich essen dürfen. Verdammt, ich will endlich wieder mal einen umlegen. Offen, brutal und ehrlich! Dann dämmert es mir. Goliath...Björn, Drag...Marek.
"Ihr musstet untertauchen, oder?"
"Sag mal, du verarscht mich doch. Weiß seit gestern Nacht jeder."
"Gestern Nacht bin ich nach Berlin gefahren."
"Dann schau doch mal, was in Frankfurt passiert ist."
Ich suchte in der Matrix. Börse, Wetter,... weiter zum Lokalteil. Niederursel, Schießerei, Verletzte, Gang, Sternschutz und am Ende: Goliath und Drag als Foto, von schräg oben aufgenommen. Vermutlich aus einen Trid rausgeschnitten. Gesuchte Verbrecher. Ich sah mir das Trid an. Im Schnelldurchgang. Da kam Goliath zurück.
"Musste über die Straße, um n Bier zu holen."
"Habs grad gesehen. Ablenkung, Ablenkung, Abgang. Respekt. Gut gemacht."
Goliath hielt mir n Bier hin. Wir öffneten. Ein Klackern erklang mit einem "Prost".
Der neue heißt Jens. Nur so nebenbei. Außer Goliath und Drag... äh... Björn und Marek war wohl keiner mehr am Leben. Sushi ist in Boston draufgegangen, von Walt und Arty wusste keiner was. Ich hätte Walt schon in der Tiefgarage abknallen sollen.
"Wenigstens ihr denkt noch an euer Versprechen... nein, du. Go...Björn war ja gar nicht dabei."
"Wir sollten mal woanders hin."
Ich stieg auf mein Rattenbike, die anderen in ihren Ford. Drags ...neineinein... Mareks Zimmer. So groß wie eine Drei-Zimmer-Wohnung. Verdammt. Gefüllter Kühlschrank mit Marmelade. Kekse. Jens und Marek sind voll druff. Kekse in Kiffnick... Sie haben tatsächlich nen Job. Ich tippte auf Extraktion. Aber nein. Nahainnn! Sie müssen auf ne pubertierende Tussi aufpassen. So n Party-Girl... Verdammt, wird wieder nix mit Leute umlegen...

30.b
Diese Agnessa Katschmarek hat sich tatsächlich als die Tochter von Doreen Katschmarek entpuppt. Sie ist Vertreterin von STFD im Berliner Ratspräsidium. Ihr soll nichts passieren, aber sie darf sich auch nirgendwo melden. Zwischen dem 24.12. und dem 06.01.79. Sind noch drei Wochen Zeit bis dahin. In zwischen sind wir in Goliaths Wohnung. Eigentlich ein ganzes Haus. Wer bitte flieht aus Frankfurt und bekommt eine Luxusvilla gestellt? Also jeder von denen... Ich schlage ihnen vor, mal zu schauen, ob ich die Lagerung des Pakets organisieren kann. Die Lösung heißt DRK-Festung.
Also den Müggelheimer Damm zurück nach Kiffnick City. Die Festung ist umgeben von einer hohen Mauer mit Stacheldraht. Keine Scharfschützen auf dem Dach zu sehen, dafür ein MG-Nest. Ich umrunde das Gebiet. Einziger Zugang über die Fliederstraße. Da muss man zwischen den zwei Mauern rein ohne Ausweichmöglichkeit. Ringsgwandl hat sich meine Tipps damals nach dem Anschlag zu Herzen genommen. Mit mir kommt ein schrottiger Krankenwagen an. Schrappt rein, ein blutiger Ork wird auf einer Trage transportiert. Als ich reinfahre, geht das Tor zu. Dafür eine Frau in so einer Art selbstgebastelter Ganzkörperpanzerung auf dem Dach. Richtet ihr Sturmgewehr auf mich. Berliner Begrüßung.
"He, Bike runter von unserem Gebiet!"
"Ok, ok...". Ich schiebe das Rattenbike zurück in den Müggelschlößchenweg. Als ich wieder zurückkomme, raunzt sie mich an. "Und? Was willste?"
"Ich wollt mal auf die Preisliste schaun. Was kostet zwei Wochen Koma?"
"Wer bistn du?"
"Bembel."
"Ist das n Notfall?"
"Ne, wir liefern an. Nur zwei Wochen ins Koma legen."
"Aber Ärger bleibt draußen, klar?"
"Klar. Gibts den Ringsgwandl noch?"
"Warum willstn das wissen?"
"Frag für nen Freund, der euch empfohlen hat."
"Also ich frag mal nach." Sie stand da in ihrer Rüstung. An einzelnen Teilen waren rote Kreuze zu sehen, weiß unterlegt. "Ok, also zwei Wochen Koma für drei Tausend."
"Alles klar, ich überbringe mal das Angebot." Dann drehe ich mich noch einmal um: "Ich bin Bembel und wie heißt du?"
Sie schaute ein paar Sekunden: "Sam."
Als ich die Sackgasse zurück zum Bike laufe, höre ich schon Geknatter. Da kommt anscheinend eine Gang. Ich halte meine AK98 bereit und gehe seelenruhig zum Rattenbike. Tatsächlich eine Gang. Hauptsächlich Trolle. Verstärkt durch einen wild zusammengeschraubten Jeep, auf dessen Ladefläche eine MG verschraubt ist. Den Farben nach die Jade Skull Gang. Bei denen bin ich eh untergetaucht. Ist aber nich ihr Turf hier. Der liegt über die Grenze in Höllendorf. Ihre Blicke sagen eindeutig, dass ich störe. Ich tucker davon.
Wieder bei Goliath ... äh ... Björn angekommen ist niemand da. Ich drück auf mein Komm. Goliath und die anderen observieren wohl gerade die Schule der Kleinen. "Und jetzt sag mal ehrlich, du willst uns doch umlegen, oder...?"
"Wenn ihr noch ein verdammtes Mal fragt, o ich euch umlegen will, dann leg ich euch um! Ihr habt das Angebot. Überlegts euch. Zwei Wochen Koma für drei Tausend."
Mannomann, die Paranoia hat sich bei denen echt breit gemacht. Hätte am Tisch vor dem Döner Drag ... Marek nichts über meine KFS-Infektion erzählen sollen. Bin einfach zu vertrauensselig. Außerdem stand auch noch dieser Neue daneben. Vielleicht sollt ich sie doch alle umlegen.
Bevor ich nach Hause fuhr, schaute ich noch beim alten Unterschlupf von Pomorov vorbei. Aber es standen keine Wachen vor dem Unterschlupf. Der Chef der Weißen Vory in Berlin residiert wohl irgendwo anders...

30.c
...ich fahre also weiter. Ich will einfach jemanden verprügeln. Mein Weg führt mich bis hoch nach Punkau. Der Schuppen heißt Zankapfel. Mal schaun, ob er auch verspricht, was sein Name hergibt. Mit meinen selbstgestrickten Pulli unter der Panzerjacke und der bunten Wollmütze auf dem Kopf sollte ich doch ein gefundenes Fressen für den 08/15 Straßenpunk sein. Ich gehe zur Theke und setze noch einen drauf.
"Milch."
"Nen White Russian, kommt sofort."
"Ne, einfach Milch."
Der Barkeeper schaut blöd, aber macht ne Maß voll mit Soymilch. Ich nehme sie in die Hand, drehe mich um, lehne mich an die Bar und strecke mein Gemächt raus. Die sieben Zwerge sind mir gleich aufgefallen. Die sind von irgendeiner Pyromanen-Gang. Name fällt mir nur gerade nicht ein. Gerade drei Meter vor mir sitzen drei Atzies von der The Ivory Blooddrop Band. Lachen über mich. Denken, ich verstehe sie nicht. Als mir einer ins Gesicht lacht, mache ich ein Kussmündchen. Denke, jetzt gehts los, aber... nix... Enttäuscht setze ich mich an einen der freien Tische neben den Zwergen. Lege meine Beine auf nen Stuhl und höre der Band zu.
Komm klingelt "Zivi" ist dran. "Hoi Goliath."
"Björn."
"Äh, Björn, was gibts?"
"Wir sind wieder da. Komm doch vorbei."
"Klar. Halbe Stunde." Vielleicht legt sich jetzt nachts um halb zwei endlich jemand mit mir an.
Ohne Auseinandersetzung komme ich wieder in Kiffnick an. Das luxuriöse Troll-Haus steht dunkel rum. Weit und breit niemand. Nachdem die anderen auf nem Run sind, schau ich mich mal um. Offensichtliche Überwachungskameras an den Häusern. Das Troll-Haus hat auch noch weniger offensichtliche. In der Nähe steht ein Wohnmobil. Anscheinend auch Trollsize. Eine Drohne kommt angeflogen, landet in einem Schacht in der Wand des Troll-Hauses, kommt wenig später wieder raus. Logistik-Drohne.
Motorgeräusch. Der Ford kommt auf den Hof. Björn, Marek und dieser Jens steigen aus. Im Haus ist die Pizza schon fertig (wow, Luxus) und nachdem dann einer mal Licht angemacht hat, konnten auch Marek und Jens was sehen. Anscheinend haben sie noch einiges mehr über ihr Ziel herausgefunden. Irgendwie wollen sie die Wachen nicht töten, aber Marek will auch keinen Loverboy machen. Achja. Wenn sie mich fragen. Ziel muss nicht zwingend überleben. Umlegen, fertig. Aber irgendwie wollen die das ohne Opfer durchziehen. Also vor allem Sven. Marek eigentlich auch. Goliath / Björn und ich werfen uns immer wieder Blicke zu. Da fällt mir ein: Björn steht jetzt auf Ork´Zet. Muss ich mal lernen. Ich gebe zu bedenken, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, Personen aufzuspüren. RFIDs und so. Magisch geht auch was. Marek schaut mich an. Während die anderen noch labern, bestelle ich mir bei Käptn Haddock einen zielgerichteten Störsender. Zimmer im Keller, Störsender an die Decke, fertig.
"Also Störsender ist bestellt und egal, wie das jetzt läuft, ihr wollt sie lagern. Wie wärs, wenn wir das mal klar machen? Wir können gleich zur DRK-Festung. Jetzt wissen wir ja, was wir brauchen. Und wenn ihr euch die Nummer absahnt, kann das nicht schaden." Also nachts um 2.00 Uhr hoch nach Kiffnick-City. Auf dem Dach wieder eine Ganzkörper-Panzerung in weiß mit roten Kreuzen drauf.
"Wer bist du?" Wieder Berliner Begrüßung.
"He Sam, wir kennen uns doch, ich bins, Bembel."
"Ich bin Doro. Was willst du?"
"Also, wir hatten schon mal abgeklärt. Für zwei Wochen Koma drei Tausend. Wir bräuchten jetzt ein Kellerzimmer für drei Wochen, müssten was magisches aufbauen und bewachen ihn selbst."
"Ne, hier kommt keiner rein." Drek, Ringsgwandl hat meine Ratschläge wirklich alle 1:1 umgesetzt... "Ihr wollt also, dass jemand für zwei Wochen verschwindet. Ganz tief unten. Macht sieben Tausend pro Woche."
"Was 14k? Bist du verrückt?"
"Sie meint 21k." Marek schüttelt den Kopf.
"Bist du jetzt völlig durchgeknallt? Ich hatte schon 3k ausgehandelt und jetzt kommst du mir mit unverschämten 21k? Ich will jetzt sofort jemanden sprechen, der was zu sagen hat!" Sie nestelt am Funk. Kurze Zeit später kommt Sam. Sind das Zwillinge? Mit ihr handeln wir aus, dass sie Hausbesuche für uns vereinbart. Preis kann sie noch keinen sagen. Sie knöpft mir zwei hundert für ihre Privat-Nummer ab. Ejahl, dit is Berlin, wa?! Die anderen wissen jetzt zumindest, wo sie hin können, wenn sie verletzt sind.

30.d
Gehe mit Björn die beiden Unterkünfte durch. In Björns vollcomputerisiertem Haus hätten wir ein Badezimmer und einen doppelten begehbaren Kleiderschrank, in denen wir die Kleine unterbringen könnten. Refugium würde auch reinpassen. Nachteil: Wer weiß, wie viel Technik dann ausfällt. Probieren können wir es erst in ein paar Tagen, wenn der Störsender da ist. Außerdem ist das Haus freistehend, also ohne direkte Nachbarn im gleichen Haus. Drags alte Zahnarztpraxis dagegen hat direkte Nachbarn. Im Grunde scheidet sie sofort aus. Oder wir suchen was Neues.
Der Abend ist spät und ich verkrümel mich nach Hause. Die Magschlösser sind noch intakt, das Fenster im Wohnduschklo dagegen nicht. Notdürftig geflickt mit Plast und Gitter. Ich stelle einen Stuhl zwischen Bett und Türe, meine AK darauf, schon auf die Türe ausgerichtet. Mein Kampfmesser stecke ich zwischen Matratze und Gestell. Es beruhigt einfach ungemein, was hartes rundes in der Hand zu halten, während man einschläft...
Am nächsten Mittag eine Nachricht auf meinem Komm. Von Sam. Dr. Martins mit Nummer. Ich rufe an. Er klingt gehetzt und beschäftigt.
"Also, wenns grad nich passt, kann ich auch später nochmal anrufen." Im Hintergrund Fauchen und aufgeregtes Treiben.
"Jetzt habe ick schon abjehoben. Was jeht?"
"Zwei Wochen Koma. Hausbesuche."
"Wie schwer? Homo sapiens?..."
"Wie homo...?"
"Na, das ist doch das, was uns alle verbindet, homo..."
Ich lege auf. Baggert der mich einfach schwul an ohne mich zu kennen. Sachen gibts. Ich düse erstmal los zu Björn.
Als ich vor dem Haus ankommen, klingeln mir schon die Ohren. Trog-Rock. Ah, klar, Björn will die Belastbarkeit der Nachbarn testen. Als ich zur Türe komme, geht sie einfach auf. Vollcomputerisiert. Goliath steht in Unterhose mit seinem Kampfmesser in der Hand im Wohnbereich.
"Ah, auch gerne was hartes rundes in der Hand?"
In diesem Moment kommt Jens aus dem Badezimmer. Frisch geduscht in Unterhose. Alles klar. Der Doc ist eher was für die beiden.
"Der Doc hat mich vorhin voll schwul angemacht. Der könnte was für euch sein." Ich gebe die Nummer weiter. Jens unterhält sich gleich mit ihm. Labert was von Homo sapjens sapjens oder so. Auf jeden kostet der Doc so rund 4k über die Feiertage und das Jahr. Inklusive Drogen.
Jens hat irgendwie in der Matrix auf P2 den Terminplan der Göre gefunden. Ist so ne Influenzerin. Nennt sogar ihre drei Kameras nach irgendwelchen Romanhelden. Zählt die genauso mit Namen auf wie ihre Freunde. Komisches Gör. Also im Moment schwanken wir zwischen "The Gore", einem Szene-Restaurant mit Massaker-Essen. Nennt sich "Kettensägen-Massaker" oder andere Splatter-Namen. Beim letzten Mal musste sie danach in die Klinik. Problem ist nur, dass das ne Woche vor Weihnachten wäre und die Kosten in die Höhe treibt. Oder am 23. auf dem Weihnachtsmarkt. In beiden Fällen Mitte. Viele Leute, hohe Sicherheit. Kommen wir so oder so nicht drum rum. Der Sinn scheint, dass sie die Bescherung verpassen soll. Sie ist orthodox, deshalb ist die erst am 6. Januar. Mir ist nicht ganz klar, ob der Auftraggeber das weiß. Oder ob sie an beiden Tagen beschert wird. Wird ja auch nicht-orthodoxe Freunde haben. Egal. Wir holen sie vor dem 24. von der Straße.

30.e
Während die anderen unterwegs sind, irgendwas für ihren Run auszubaldowern, zieh ich mir in Björns Luxusbude Urban Brawl rein. Die von Messerschmitt-Kawasaki geclonten Cybears gegen die realen Cyberwölfe von der Straße. Ist irgendwie immer wie Runner gegen Konzerntruppen. Leider habe ich keinen Sender über die Desert Wars gefunden. Als die anderen zurückkommen, bestellt sich Björn bei C8 (der Computer-KI des Haushalts) ein Abo für einen Desert-War Sender. Als wir die Panzer und Aufklärungsdrohnen sehen, fachsimpeln wir herum. Kameras in granatenförmigen Behältern, die sich selbst ausrichten oder ein Boomerang mit Kameras. Sachen gibts. Kameras zum Werfen.
Drag macht... Marek macht sich vom Acker und Jens dann auch. Irgendwann rufen sie an und erzählen was von einer Frau mit Katzenohren. Heißt Muschimuschi oder so. Björn geht sie sich mal anschauen. Ich schau mir lieber das Panzerscvhießen in der Mongolei an.

30.f
Wir wollten heute alle ins Murphys Law. Ein Irish Pub in STFD. Da findet jeden Freitag ein Quiz statt, bei dem die Zielperson immer mitmacht. Jens wollte sich das mal anschauen und vielleicht Kontakt herstellen. Nachdem dort tatsächlich der Sternschutz rumfährt, entscheide ich mich dann doch für den Buisness Suite. Hinten im Kragen verstecke ich eine Mini-Kamera und lege mir das Bild auf meine Bildverbindung in der Brille. Kontaktlinsen und Ohrstöpsel rein, die legalen Waffen, Rucksack mit Drohnen, Medkit und Zeug, fertig. Aber hier in Kiffnick mach ich noch auf Kiffnick-Style. Panzerjacke, Helm, bunte selbstgestrickte Klamotten. Bei Björn angekommen, werde ich von Jens noch verkleidet. Sicher ist sicher.
Wir cruisen also im Ford zum Pub und sind erst mal zu früh dran. Also warten. Macht erst um 15.00 Uhr auf. Ne halbe Stunde kann ganz schön lang sein. Und das Quiz ist erst um 19.00 Uhr... Mann, kann man das nicht vorher nachschaun? Parkplätze gibt es hier an der Ringstraße in Hennickendorf genug. Um uns rum viel Freifläche wegen des Sportplatzes zwischen dem Pub und dem Stienitzsee. Bäume und Büsche stehen leider noch. Um drei machen Sven und Marek rein, Björn und ich bleiben hier. Beobachten von schräg gegenüber. Verbindung über Mikro-Transceiver steht. Ich setze uns noch ne Kanmuchi mit Blick auf den Eingang der Bar aufs Autodach. Björn geht zur Pommesbude und haut sich was rein. Futtert alles dort und bringt nix mit. Könnt was vertragen, aber naja, was solls.
Im Pub schlagen sich Marek und Sven mit der Anmeldung zum Quiz rum. Marek hats nicht so mit Computern. Als sie die SIN angeben müssen, sind sie erschrocken. Klar, Drags...Mareks SIN ist erst aufgeflogen. Geben aber beide eine Nummer an. Wow. Drag hat vorgesorgt und ne zweite SIN gehabt, Respekt! Aber die Anmeldung dauerte echt ewig. Die machten rum, ob sie ein Team machen und wie das geht... Naja. Unterhielten sich ewig mit dem Keeper über das Quiz und wie es so abläuft. Um kurz vor fünf fuhr dann eine etwas noblere Kiste vor. Ein Typ in abgerissenem Anzug stieg aus und ging in die Kneipe. Dann Agnessa mit einer Elfe. Sie verhielt sich wie ne Leibwächterin. Das muss die Magierin im Team sein. Ich machte gleich Rapport. "Hoi, sie kommt. Ein Leibwächter kommt voraus und sie mit der Magierin hinterher."
Es dauerte etwas, dann meldete sich Marek: "Ne, der Norm ist der Magier. So weit zu deinen Vorurteilen, Bembel. Und auf Agnessa liegt ein Zauber. Sie kann besser ausweichen." Aha, naja, wenn ers sagt, wirds schon stimmen. Kurze Zeit später kam auf jeden Fall Agnessas Freundin mit Kopftuch dazu. Dann noch ein händchenhaltendes Pärchen. Ich bekam Kohldampf. So n paar Pommes kämen gerade Recht. Ich schau mich nach Drohnen um. Ne Werbedrohne am Himmel und ne Lieferdrohne. Ich schau nochmal die Dächer ab. Tatsächlich, auf der Pommesbude sitzt eine Mikrodrohne. Schwer zu sehen. Ich zoome ran. Quasi ne Fly-Spy. Wie die Konkurrezmarke heißt, habe ich vergessen. Also nix mit Pommes. Björn steckt mir nen Soyriegel zu. Muss halt.
Marek und Sven haben wohl einen Platz neben Agnessas Gruppe erwischt. Die unterhalten sich über einen Regelbruch. Ein Helm wurde einer Leiche abgenommen, der hätte ja sonst was passieren können... Klar, da dämmerts mir. Das Urban Brawl Spiel zwischen den Cybears und den Cyberwölfen. Da war so ein Vorfall. Wird die Rüstung oft genug getroffen, wird sie steif und man bezeichnet den Spieler als "Leiche". Anscheinend waren sie Fans der Wölfe. Zumindest hatten sie Geschmack. Agnessa doziert immer wieder über Kameraeinstellungen und dass der Schiri das wegen irgendwelcher Blickwinkel falsch gesehen hätte.
Dann fährt ein weiterer Ford vor die Kneipe. (Verdammt, hat Ford einen Exclusiv-Vertrag mit Berlin?) Nummernschild ändert sich. Meine Alarmglocken schrillen. Versteckte Drohne, smartes Nummernschild.... Dann steigen noch drei Leute aus, die voll nach Runner riechen. Ein Ork scheint der Fahrer zu sein, Zwerg auf der Beifahrerseite, hinten ein Elf. Der Zwerg schaut Richtung Pommes-Bude. Alles klar.
"Ey Björn, ich glaub, wir haben heut noch n bissl Spaß."
"Hä?"
"Na, schau dir die drei da an. Die riechen doch nach Ärger. Wahrscheinlich ist die Drohne auf der Pommesbude von denen. Lass uns reingehen. Der Wirt will nachher eh dicht machen wegen dem Quiz."
"Äh, wenn du meinst..."
Wir gingen also rein. Hinten aus dem Van raus, damit man mit der Drohne nicht so richtig sieht, wie wir aussteigen. Über die Straße und rein.
"He, lass mal deine Axt draußen. Sowas kommt hier nicht rein."
Unglaublich. Der traut sich was. Dass der noch lebt. Hier in Berlin ist doch jeder bewaffnet. Obwohl... hier ist kein Anarcho-Bezirk... Machste Ärger, kommt der Sternschutz.
Björn ließ sich das nicht gefallen. "Nö, die bleibt bei mir."
"Also entweder is die Axt draußen und du drin oder ihr seid beide draußen. Kannst sie doch im Auto lassen oder womit ihr gekommen seid."
Ich versuche zu beschwichtigen. "Hey, Chummer, da müssen wir ewig zurücklaufen. Kann er die nich einfach da hinter die Bar stellen?"
"Die Axt ist draußen gefährlicher als hier drin." Danke Björn. Das war eine große Hilfe... Aber irgendwie schien der Keeper auf eine Idee zu kommen, so wie der Björn anschaut. Hat hoffentlich gar nicht so richtig mitbekommen, was er eben so von sich gegeben hat.
"Ey, wenn de die Scheibe da drüben triffst, kannst du die hier drin behalten." Er schien von seiner Idee begeistert.
Björn sah sich die Scheibe an. "Die ist dann aber im Arsch. Is schon klar oder?!"
Der Keeper bestand drauf. Die Axt flog. Die Scheibe wurde gespalten. Der Keeper war begeistert. Quetschte Björn gleich aus, wo er das gelernt hat, ob er schon in Schottland oder Norwegen war. So was. Ich behielt die drei Troublemaker über meine Kamera am hinteren Kragen im Auge. Inzwischen hat sich Agnessa mit Jens unterhalten und schoss mit ihm ein Selfie mit Autogramm. Sie schien stolz darauf zu sein, von einem Fan erkannt zu werden. Der Zwerg, der Im Aufnahmewinkel saß, zog schnell seine Kaputze über den Kopf. Innerlich musste ich lachen. Sturmhaube vergessen, hä?! Ich futterte mein Stew, während der Keeper Goliath vollsabbelte. Da standen die drei auf. Ich war voll alarmiert. Aber die gingen nur durch eine Tür durch, auf der "privat" stand. Oh, Mann, klar! Hier treffen sich auch Runner mit Schmitts! War doch selbst schon mal hier und hab einen getroffen. War schon eine Ewigkeit her. Irgendwann als die Welt noch eine große graue Wolke war, kurz nach der OP...
Agnessa hat mit ihren Leuten wohl auch ein Team. Ansonsten waren noch weitere zwei oder drei Gruppen am Start. Der Laden wird tatsächlich runtergefahren. Meine Verbindung zur Kanmuchi auf dem Autodach bricht ab. Der Keeper schiebt ein Metallgitter vor die Tür. und die Fenster Das Quiz beginnt.

30.g
Es traten also, neben Marek und Jens, noch fünf Teams an. Natürlich Team Constanze (so nennt sich Agnessa auf P2), vier Fussballer, ein Pärchen, Team Stammtisch und eine Gruppe alternativer Studies mit nem Nerd und nem Anzugträger als Käptn. So ne Orkin vom Laden stellt die Fragen:
"Kommen wir zue ersten Frage. Kategorie Drache. Welcher Drache landete auf dem Dach der Vereinten Nationen in Genf?"
Ich konnts mir nicht verkneifen und dachte per Buchse in unser Kommsystem: "Einer, der fliegen kann.", was von Björn mit einem "Du bist schlau" honoriert wurde.
Sven kannte tatsächlich die Antwort: "Schneeflocke."
"Genau, Schneeflocke. Aber nachdem das so das einzige ist, woher man den kennt, ... naja. Kommen wir zur zweiten Frage. Kategorie Nightlife. Wie heißen die weltberühmten Clubs mit dem Thema `Die neun Ebenen der Hölle´?"
Reflexmäßig dachte ich "Dantes Inferno" und mein Gedanke wurde übertragen. Seattle... lang ists her. Das ist eine Stadt in der Safehouses alles andere als safe sind... Ah, wieder ein Punkt für uns.
"Dritte Frage. Kategorie Einheimische. Wann wurde bei uns das letzte Gesetz verkündet?"
"2039" war mein Gedanke "Status Flux".
Doch diesmal waren die Alternativen schneller am Buzzer. "Weiß doch jeder, am 7.März 2039."
Elende Streber.
"Vierte Frage. Kategorie Biologie. Welches Tier wäre mit seinem lateinischen Namen ein `Meerbär´?"
Latein, hmmm, da gibt es alte Bibeln in der Sprache. Und Hebräisch, die Sprache Jesu. Sollt ich vielleicht mal lernen...
"Der Eisbär." Die Alternativen holten auch ihren zweiten Punkt.
"Frage fünf. Klatsch & Politik. Welcher Konzerni hatte mal was mit ner waschechten Königin?"
Das Päärchen war am schnellsten: "Jhonny Spinrad."
"Jawoll, die heutige Queen Caroline war mit Jhonny Spinrad zusammen. Vielleicht hätte es noch für die Verlobng gereicht, wenn nicht das ein oder andere Dienstmädchen dazwischen gekommen wäre. Aber nun zu Frage sechs. Alkohol und Getränke. Nenne zwei Getränke, die übersetzt `Wasser des Lebens´ bedeuten."
Am schnellsten war der Stammtisch "Wisky und Wodka."
"Einer ist leider falsch."
Sven buzzerte: "Wisky und Aquavit." Damit hatte er den dritten Punkt.
Frage sieben. Technik. Mit welchem Verfahren arbeitete die zweite Matrix?"
Agnessa sofort am Buzzer. "Die zweite Matrix arbeitete mit dem Peer to Peer Verfahren." Dabei schaute sie mehr in ihre Drohnenkamera als auf die Quiztante.
"Frage acht. Magie und Unterschiedliches."
"Yeah!" hörte man Marek über den Mikrotranceiver.
"Welches war die erste Universität in der ADL, die Thaumaturgie als Ausbildung angeboten hat?"
Noch während der Fragestellung fiel Marek ein: "Oaahh, klar, was hermetisches..."
Zu meiner Überraschung hörte ich Björns Stimme: "Heidelberg vielleicht?"
Marek buzzerte. Und richtg! Vier Punkte.
"Frage neun. Lokales & Geschichte. In welchem Jahr ist die erste Berliner Mauer gefallen?"
Schweigen.
"Weiß einer von euch was?"
"Woher soll ich wissen, wann das erste Mal in Berlin ne Mauer umgefallen ist?!" Habs nur gedacht, aber hey, Leitung war offen...
Sven: "Im Mittelalter vielleicht?"
Mein erster Gedanke war "Joa Mittelalter, so vor 30 bis 40 Jahren. Könnt hinkommen."
Agnessa wusste es: "1989."
"So, liebe Gäste, damit ist das Quiz vorbei..."
Was? Ich drehte mich um. "Ham se nich gesagt, das wären zehn Fragen?"
Sie rollte die Augen. "Also gut, eine Frage extra für dich: Wann haben die elenden Spitzohren es gewagt, unsere schöne Heimat zu nehmen und mit ihren alten Namen zu verschandeln?"
Ich sah Marek innerlich kochen, aber er hatte sich gut unter Kontrolle.
"Äh, wie heißt denn eure Heimat?"
"Irland."
"Also, wenn da lauter Irre sind, solltet ihr froh sein, dass ihr sie los habt."
Fand sie nicht witzig. Der Keeper auch nicht. Die Iren. Einfach kein Humor. Naja, Jens spendierte Agnessa einen Kiba und dann noch mehr. Pics für P2, ich und der Sieger vom Quiz, der mir seine gewonnenen Freidrinks spendiert usw. Dann kickern sie. Wird auch das volle P2-Event draus. Frag nich. Agnessas Leibwächter hatten Angewohnheiten. Der Magier zog einen Kaffee nach dem anderen weg, die Elfe Energy-Drinks ohne Ende.
Die drei Runner von hinten kamen zurück. Der Ork hatte jetzt einen Koffer unter dem Mantel. Als wir gingen war auch die versteckte Drohne auf dem Pommes-Stand weg.

30.h
Jens machte mit seinem Kommlink rum. Anscheinend hatte er eine Nachricht bekommen, die uns voranbringt.
"Hey, meint ihr, ich soll mich mit ihm mal treffen? Vielleicht kann ich ihn überreden, Constanze... äh, Agnessa mitzubringen."
Björn hob eine Augenbraue. "Von was redest du?"
"Na von den Benachrichtigungen auf P2."
"Schiebst du´s ma rüber in der AR?" Ich kramte eines meiner Wegwerf-Komms raus und stellte die Nummer in den Raum. Sven schob einen Screenshot rüber
Svens Screenshot
ID: Constance Armageddon (followed by You)
>>>Sie wurden in 4 MeFeeds getagt<<<
>>>Sie wurden in 4 MeFeeds getagt<<<
Alle in Deckung! Fliegende Äxte!
And the winner is....not us. Team Constance ist doppelter Zweiter geworden.
Gute Gewinner von Team Jens: Mehr Freigetränke!
Das Stadion bebt, wenn der Tisch wackelt.

Mach dish ab; komm ish un ma ish dish um!!!
ID: Groß-Bruder-von-klein-Ork
>>>Follower möchte Ihren Standort abfragen<<< (erlauben: y/n)

Bringst du den Asta-Rocker mit? Wird total fly!
ID: Tron Mc Intosh
>>>Follower hat eine Freundschaftsanfrage und eine Termineinladung geschickt<<<

Hey, wanna touch?
ID: Two-Shiny-Round-Big-Smoth-Mothergiven-Orbs-of-Crystal
>>>Follower hat eine Freundschaftsanfrage geschickt<<<

Hier bin ich mit meinen Mäus‘chen shoppen in Mitte.
ID: mushi-mushi (Friend)
>>>Sie wurden in einem Bild verlinkt<<<

Guten Tag Jens,
wir möchten gerne mehr über Dich erfahren. Wenn Du etwas Zeit hast, dann beantworte unsdoch noch ein paar Fragen in Deinem Profil. Expanding Your Horizon!
Gruß
Jessica
ID: Jessica @TeamP.2-AGS-BER
>>>Service Nachricht<<<
[close]
"Und wen meinst du jetzt?!
"Na, Tom. Ich bring den Atra-Rocker mit", dabei sah er auf Marek, "und er dafür Agnessa. Nur, was ist das für ein Laden bei den Koordinaten da 8 Meter unter der Erde?" Ja, seit die Koordinaten 3D sind, lassen sich Bombardierungen wesentlich effektiver gestalten. Ist einfach knalliger, wenn die Bomben einige Meter über der Erde explodieren.
Ich dachte nach. "Is komisch, liegt in LBerg im Weitlingkiez. Kreuzung Zachertstraße und Lincolnstraße. Das ist Kriegsgebiet zwischen drei Gangs. Erstens den Golden Wolfes. Ne Zwergengang. Dann den Rising Demons, ne Orkgang und der Elefant Association, ne Elfengang. Besser, ihr geht nicht allein. Björn und ich sollten mitkommen."
"Weißt du auch, was da für ein Laden ist, Bembel?"
"Ne, keine Ahnung, mit Bars und so hab ichs nich so."
"Und wie kommen wir da rein, acht Meter unter der Oberfläche?"
"Hm, Keller, U-Bahn, vielleicht sogar ne Falltür? Nach so Sachen müssen wir suchen." Sven hing schon am Kommlink. Hatte Mushi-mushi dran. Die nehmen wir mit.
Bis Mittwoch sind noch zwei Tage. Sven will was über Drohnen lernen, um mit Agnessa besser über ihr Hobby reden zu können. Ich bring ihm bei, zu fliegen, krabbeln, mit den Sensoren umgehen und schießen. Zumindest überall eine kleine Einführung. Autos fahren kann er zumindest schon.
Wir fahren also zum Treffpunkt mitten auf dem Gebiet der Golden Wolfes. Da steht auch schon n Ford-Transporter ohne Reifen auf Backsteinen, in dem Licht brennt. Davor ne Feuerschale. Mushi-mushi mit nem Member und zwei Prospects. Sie kommt zu uns rüber, wir fahren weiter. Stopp ist an der Marie-Curie-Allee. Zwei Blocks vom Eingang entfernt. Hier sind Autowracks aufgetürmt und Leute mit Langwaffen stehen rum. Haben keine Gangfarben, scheint also ne Kiezwehr zu sein. Wir parken, ich statte Marek und Sven mit Mikro-Cams aus. Ansonsten warten Björn und ich hier vorne im Wagen. Haben uns einen schönen unauffälligen Parkplatz fünfzig Meter von der Kreuzung entfernt gesucht.
Marek und Sven gingen durch die Sperre rein. Drin war schon Trubel. Autos mit offenen Türen ließen ihre Boxen krachen. Party-People hier und da. In der Mitte der Kreuzung eine riesige aufgerichtete Klappen einer Plastahl-Falltüre. Wendeltreppe nach unten. An der Garderobe ein Zwerg und zwei Orks. Alle Gangfarben. Als sie auch noch die Pillen mit den Elefanten empfehlen, war klar. Hier ist Friede. Die drei Gangs wollen zusammen einen Reibach machen. Nicht das Dümmste. Der Rest des Abends säuselte dahin. Dieser Tron hatte Agnessa natürlich nicht mitgebracht, laberte aber Marek die ganze Zeit voll, dass sein Kumpel den Sound hier im Laden macht. Trons Enttäuschung war groß, als er mitbekam, dass Marek nur auf Astralrock stand und ihn gar nicht selbst spielte. Da gab es wohl irgendwie ein Missverständnis.
Björn war schon eingedöst. Ich schaute gelangweilt auf die Kameraübertragungen und immer wieder durch die Fenster unseres Fords. Da fielen mir ein paar Autos und Rattenbikes auf, die ohne Licht anfuhren. Schnell weckte ich Björn.
"Björn, Björn, da kommt unser Spaß! Wach auf! Wir feiern gleich Party! Hast du noch n paar echte Granaten für mich? Hab nur Betäubung." Hatte er.
Meine Naniten tanzten Samba. Doc meinte zwar immer, ich wäre sauber und hätte gar kein KFS, aber das musste einfach so sein. Als Kind war ich immer voll brav und habe viel gebetet. Aus irgendeinem Grund hat mich Gott bestraft und zu einem seelenlosen Troll gemacht. Aber Papst Franziskus hat unsere Seelen gerettet. Also MUSS mein gutes Gefühl beim Töten einfach von KFS kommen! Gott hat mich auserwählt als sein Instrument des Zorns!
Als ich die Leute auf den Bikes näher in Augenschein nahm, war ich etwas enttäuscht. Gelb leuchtende Geier als Zeichen. "Oh Mann, die Elektrogeier. Die kann man nich ernst nehmen. Betäubungsschlagstöcke und Taser. Ich lud die AK wieder auf Betäubung um. Da hörten wir einen lauten Knall. Die Geier sind mit einem Fahrzeug durch die Blockade gebrochen.
"Das sind ganz neue Töne bei den Geiern. Lass sie uns umlegen." Goliath... Björn hatte von Anfang an nichts anderes vor. Ich lud wieder auf echte Muni um.
"Nageln und Abfackeln?" Björn nickte.
Die meisten Geier waren auf der Kreuzung, wollten wohl gerade durch die Presche rein. Wir stiegen aus und gingen auf die Straße. Björn deckte die Kreuzung mit Streufeuer ein und ich verschoss eine Granate. Eigentlich sollte sie den Van treffen mit dem SMG auf dem Dach, doch  ich hielt zu kurz vor und das Auto konnte vorbeifahren. So flog die Granate zu weit und - glücklicherweise- mitten in eine Horde Elektrogeier auf ihren Rattenbikes. Das Streufeuer streckte einige Ganger nieder, die zweite Granate saß. Was übrig blieb töteten wir mit kurzen Salven. Wir deckten den Rückzug von Sven und Marek und fuhren davon.
"Wow, ihr habt da ein ganz schönes Gemetzel angerichtet."
"Herr Wachtmeister, ich habe nichts damit zu tun. Es muss sich um eine tragische Verwechslung handeln." Ich nahm das Lachen gar nicht wahr, sondern sonnte mich in meinem Wohlgefühl. Irgendwer hatte irgendwas gesagt. "Das sagen Sie doch nur, weil ich ein Troll bin. Ich will sofort meinen Anwalt sprechen!"

30.i
Als wir losfuhren, machte ich mir Sorgen, dass uns vielleicht doch noch ein paar Elektrogeier folgen könnten. "Hey, Goliath, hast du hier auch Schlitze zum Schießn drin?" Keine Antwort. Beim Umschauen fuhr ich fort: "Is hier noch irgendwas außer der Seitentür, der Heckklappe und dem Beifahrerfenster?"
Als Antwort hörte ich nur ein zorniges Raunzen: "Sprich mich nie weider mit Namen an..."
"Warum? Hab mich doch gerade an Björn gewöhnt..."
"...sonst kannst mich auch gleich Belial nennen."
Ich stutzte und ließ meinen Mnemoverstärker auf Hochtouren laufen. Drek! Ich hab ihn Goliath genannt! Ich schämte mich, während ich mich an meine Anfangszeit in Frankfurt erinnerte, als ich dachte, die Yaks hätten von den Vorys meinen Namen erfahren. Ich hielt den Mund.
"Ich will meine Granaten wieder." Verdammt! Björn war echt angepisst. Ich nahm die übrigen beiden Splitter und beiden Offensivgranaten raus und lud die AK mit Betäubungsgranaten.
Bei Björn im Luxusschuppen schlug Jens vor, wir treffen uns übermorgen, um zum "2BE" in Mitte zu gehen. Ein Oberschichten-Schuppen, in dem Agnessa an diesem Abend sein wird. Sven wollte die Karten über C8 kaufen, der KI des Hauses, bei der Björn wohl ordentlich Kredit hatte, aber Björn wollte nicht, dass dieser Kauf mit dem Haus in Verbindung steht. Kluge Wahl.
Ich fuhr nach Hause, schlief mich erst einmal anständig aus, schaute mir die Berliner Gangs und Bezirke im Laufe des Tages noch einmal genauer an und holte dann einen weiteren Tag später gegen Mittag meinen bestellten Störsender bei Käptn Haddock in einer Kneipe im Hafen von Kiffnick-City ab. Hab dabei noch ordentliche Granaten bestellt. Zwei IR-Rauchgranaten und gut 200 Schuss Muni hab ich gleich mitgenommen. Mann, die Russen haben die lose in 1000er-Kisten...
Trafen uns dann am 8.12. Abends und haben gleich mal den Störsender ausprobiert. Funkt erste Sahne, C8 scheint nicht groß betroffen zu sein. Wenn Marek dann noch sein Magiezeug erledigt hat, ist der Wandschrank bezugfertig.
Sven hat über Muschimuschi noch eine Begleitung für Marek aufgetan. Anscheinend kommt man in den Club nur in weiblicher Begleitung. Die wollen wohl immer Frauenüberschuss haben. Wir fahren also in die Klosterstraße nach Mitte. Marek und Jens sind wieder mit Cam-Chips und Mikrotransceiver bestückt. Unterwegs lamentieren die beiden rum von wegen Frauen und so. Anscheinend sind sie nich so der Aufreißer-Typ.
"Ich weiß eh nich, warum ihr so lang rum macht. Kugel in n Kopf un fertig."
"Bembel, sie soll doch überleben!" Sven war hörbar genervt.
Sie gehen raus und treffen sich mit den beiden. Mushimushis Freundin heißt wohl Desirée und ist auch irgendwie magisch begabt, wie wir aus der Unterhaltung raushören können.
Björn geht mit einem Raunzen von wegen "Bier holen". Als er zurückkam hielt er mir eine Flasche hin mit den Worten: "Wenn du noch einmal meinen Namen sagst hau ich dir eine runter." Ich war irgendwie erleichtert, dass er wieder mit mir sprach. An sich mag ich Trolle nich besonders, aber Goli... äh, Björn war voll ok. "Fly", wie der Tron sagen würde.
"Und, hat einer von ihnen sie schon abgeknutscht?" Björn grinste vor sich hin und wir stießen an.
"Ne, alles Schicki-Micki. Die Mädels machen scharf und die Bubis fallen drauf rein. Vielleicht können wir die wenigstens umlegen."
"Da sagst du was, wenn die so weitermachen, machen wirs auf unsere Art und Weise."
"Klar, aber vorher müssen sie für ihre Sünden büßen." Ich kratzte mich am Sack. "Und diese Agnessa ist die schlimmste. Macht voll auf Ober-Ische."
Tatsächlich waren die vier inzwischen direkt an der Warteschlange vorbei in den Club gegangen, der über vier oder fünf Stockwerke gezogen war. Wir entdeckten gleich den "Kaffemagier". Agnessa war schnell an Hand ihrer drei Drohnen auszumachen. Sie saß dort rum mit ihrer Gang und schaute gekünstelt gelangweilt durch die Gegend. Kurz gegrüßt, dann ging Jens mit Mushimushi und Marek mit Desirée tanzen. Anscheinend entwickelte sich zwischen Marek und ihr etwas. Grrr, Marek, der Womanizer. Hätt ich gar nicht gedacht.
Aber nachdem Björn anscheinend im Spaß das Thema nochmal anschnitt, musste ich doch nochmal nachfragen: "Sag mal, muss die echt am Leben bleiben? Bald is Weihnachten, da muss ich eh beichten und auf zwei, drei Leichen mehr kommts auch nicht an..."
Er sah mich lange an. "Ja!" Er schrie mich beinahe an. Dann schüttelte er sich etwas. "Keine Ahnung, Mann, ich hab irgendwie nen Problem damit, ne 17-jährige einzukerkern, fällt dir nen Grund ein was mich umstimmen könnte?... Verdammt..."
Sieh an, tief in Björn war doch eine softe Seite. Eine Seele. Franziskus hatte Recht: Trolle und Orks sind auch nach Gottes Ebenbild erschaffen!
"Wir schützen sie vor sich selbst. Schau mal, ohne uns wäre die spätestens Neujahr schwanger. Außerdem ist die voll matrixsüchtig. Die braucht mal ne Runde Matrixfasten!"
"Wär mir sogar egal, aber sie spielt nicht in unserem Business." Hm, Björn will keine Zivilisten kalt machen, klar. Aber er hat den Kontrakt. Da muss er jetzt durch.
"DU hast den Job angenommen. Ich mach nur Urlaub." Ich zögerte kurz und fügte dann noch hinzu: "Aber wenn du dich dann besser fühlst, ihr gebt verdammte 5k aus, dass ihr das Koma so angenehm wie möglich gemacht wird."
" Ich MUSSTE den Job annehmen." Und nach einer kurzen Pause: "Würde lieber unsere Auftraggeberin zur Hölle jagen."
"Damit fährst du nie gut."
"Deswegen bin ich ja hier."
"Beiß die Hauer zusammen, sorg dafür, dass sie s überlebt und dann tauchen wir unter."
"Geht klar."
Goliath drehte sich weg und schlürfte gedankenversunken an seinem Bier. Ich beobachtete die Szenerie im 2BE weiter. Anscheinend verabredeten die vier sich mit Agnessa. Geht wohl weiter nach FKB. Mit der U-Bahn. Dummerweise klebt an Jens eine Drohne dran, die ihn beobachtet. Hatte ihm schon beim Tanzen Bescheid gegeben. Draußen zog sie nach oben aus meinem Kamerasichtfeld. Sie gingen in die U-Bahn. Der Kaffeemagier folgte ihnen. Hatte offenbar nichts mit der Drohne zu tun.
Auf der Brücke von Mitte nach FKB standen die Sternis. Allerdings eher bereit, jemanden nach Mitte rein zu verfolgen. Björn fiel hinter uns ein dunkler SUV auf, den er schon vor Agnessas Haus gesehen hatte. Darin ein Typ mit grauen Haaren und eine Frau mit Kopftuch. Björn fuhr eine Schleife. Der SUV fuhr weiter.
An der U-Bahn-Station in der Heinrich-Heine-Straße sahen wir den dunklen SUV wieder. Ich zoomte mit meiner Brille ran. Die Kopftuchtussi im Auto sitzt auffällig steif herum. Etwa so wie Marek, wenn er im Astralraum ist. Scheint die Riggerin zu sein. Der gut angezogene Typ Mitte vierzig mit dem graumellierten Haar schaut konzentriert auf sein Kommlink. Als der Trupp ankommt, folgt ihnen der Kaffeemagier in seinen abgerissenen Klamotten. Er hat keinen Blick für den SUV, der jetzt nach Süden wegfährt und den grauen Herren, der die andere Straßenseite nimmt auf dem Weg. Die Drohne, die an Jens geklebt hat, fliegt voraus. Offenbar sind die drei ein eingespieltes Team. Die Elfe war nicht da, aber auch Leibwächter müssen irgendwann schlafen.
Die Gruppe entschied sich gegen das "Sage" und für den "Tresor", einem Industrial-Schuppen. Wir bleiben mit dem Ford in der Brückenstraße um die Ecke. Ich setze eine Fly-Spy auf Höhe des dritten Stocks ans Sage. Reicht, um die Straße grob zu überblicken. Den Rest machen die Cam-Chips an den Clams von Marek und Jens. Als die Gruppe dort ankommt, fährt der dunkle SUV auf den Parkplatz des Tresor.

30.j
Am Tresor angekommen besticht Agnessa erstmal den Türsteher, damit sie ihre Drohnen mit reinnehmen kann. Drin stehen erstmal Leute mit Gasmasken rum, Gitterboxen mit abgegebenen Sturmgewehren, in der Ecke steht ein Plasmaschweißgerät rum. Den Spinnweben nach zu urteilen schon etwas länger. Die Türsteher tasten die vier nichtmal ab. Gut zu wissen.
Drin lässt Agnessa ihre drei Drohnen Artos, Portos und Aramis, gleich unter die Decke zwischen die Beleuchtung verschwinden. Aus der Tasche nimmt sie eine orangefarbene Kugel. Die nennt sie wohl D´Artagnon. Aus meinen Französisch-Büchern kenn ich die Namen aus irgendeinem bekannten Roman. Und natürlich dem Blockbuster "Vier Muskeltiere für Aschenbrödel". Gut, erwischt, is n Porno, aber was solls... Der SM-Ableger "Die vier Muskeltiere treffen die böse Königin" war übrigens n Flop. Aber ich schweife ab.
Jens hat dann Agnessa in ein Gespräch über Drohnen verwickelt, Die Lehrzeit hatte sich echt gelohnt. Ich habe über Funk noch ein paar gezielte Fragen gestellt. Jetzt wissen wir, dass die drei Musketiere Infrarot und Restlichtverstärkung integriert haben, bei D´Artagnon aber nur der Pilot gepimpt wurde. Hm, wenn wir die kaschen, würde ich mir die Drohnen mitsamt ihrer Steuerung nur zu gerne unter den Nagel reißen, was aber gar nicht so leicht wird, weil die permanent einen Stream an einen Server schicken... Mal schaun. Auf einmal schmeißt jemand was in die Menge. Mit dem Ruf "Granate!" schmeißt sich Jens auf Agnessa. Beide liegen auf dem Boden, wobei Jens´Körper den von Agnessa schützt. Die Granate explodiert. Alle Tänzer rund herum sind mit fluoriszierender Farbe vollgekleckst. Agnessa fängt an zu lachen. Jens hilft ihr wieder hoch. Noch mehrere solcher Granaten werden von einem Typen geworfen. Agnessa will auch unbedingt welche. Jens geht mit ihr zu dem Typen. Als Björn den Preis hört, den der Typ verlangt, sagt er über Funk, dass er es um Längen billiger machen kann. Björn kann so Sachen. Agnessa springt voll auf das Angebot an. Jens darf ihr nun einige Farbgranaten besorgen. Sie will das als Überraschung wahrscheinlich für diesen Schultag, wo sie mit Drohnen rumballern dürfen. Als Anzahlung legt Agnessa ihren Arm um Jens. Gegen Mitternacht muss Agnessa gehen (Sagen ihr vermutlich ihre Aufpasser, dass sie nun gehen muss).
Jens, Marek, Mushimushi und Desirée werden noch bis zur U-Bahn von der Drohne verfolgt. Dann nicht mehr. Sie fahren eine Station weiter und gehen ins Schrapnell. Liegt am Michaelkirchplatz. Kirche steht auch noch.  Die beiden Damen haben sich sicherheitshalber Kopftücher aufgesetzt. Klar, hier lungern auch die Jihad-Ganger rum. Besser is.
Ne Stunde später fahren wir alle zurück. Sven übernachtet bei Björn. Ich wünsch den beiden Süßen mit nem Augenzwinkern noch viel Spaß. Kein Akt. Ich fahre heim und träume von meinem Urlaub auf Hawaii. Schon viel zu lange her.

30.k
Wir haben uns dann am 15. getroffen und Jens hat uns alle verkleidet. Anscheinend liebt er die Herausforderung und hat mich zu einer Trollfrau mit Kopftuch um die Hörner ummodelliert. Drückt mir einfach ein rosa Troll-Tütü in die Hand. Schade, dass ich meine rosa Kiddie, meine Raiden in Frankfurt habe und nicht hier. Würde das Bild abrunden. Björn hatte sogar eine ToDo-Liste geschrieben:
0. Kommlinks aus, SINs deaktivieren
1. bahnunterführung räumen
2. jens flirtet mit agnessa
3. ausschalten der leibwachen
4. drag's gedankenkontrolle
5. jens' spritze
6. Agnessa + drohnen einsammeln
7. FLUCHT
Waren schon um halb fünf an der Bahnunterführung hinter der Schule. Der Van wurde auf dem Bahnhofsparkplatz 100 Meter entfernt abgestellt. Wir zogen die Spritze für Sven auf. Also erst versuchte ich es, aber das war doch schwerer als erwartet. Zum Glück kennt sich Björn mit Waffenbau besser aus.
Björn machte auf Holzfäller und hatte seine Axt dabei. Marek ist sein Azubi. Die beiden waren im Park hinter der Unterführung. Jens ging auf die Schulseite auf den Bahnsteig und wartete. Ich blieb im Van auf dem Parkplatz. Eine Sternie-Streife fuhr am Bahnhof vorbei, ein Asia-Food-Transporter stellte sich auf den Parkplatz. Der japanischen Beschriftung nach war das wirklich ein Transporter und kein Imbiss-Wagen. Auf der Beifaher-Seite liegt ein tätowierter Unterarm im offenen Fenster. Verdächtig. Aber von den vier bekannten Leibwächtern war keiner tätowiert. Zumindest wäre es noch nicht aufgefallen. Ganz im Gegenteil, ihr Style war eher anzugmäßig. Trotzdem mal im Auge behalten.
Agnessa hatte 15 Min Verspätung und kam mit ihrem "Teach", ihrem ach so coolen Lehrer. Was ich so über Mikrotranceiver mitbekam testeten sie die Farbgranaten an einem Baum zwischen dem Bahnsteig und dem Parkplatz. Anscheinend lief alles zu voller Zufriedenheit, denn der "Teach" zahlte die Kohle und ging mit den Granaten und der selbstgebauten Schuldohne davon. Sven ludt Agnessa noch auf einen Spaziergang ein. Der fiel nix Besseres ein, als ihre Follower darüber abstimmen zu lassen, ob sie im oder gegen den Uhrzeigersinn um den See laufen wollen... Mann, die nervt total... Ich mache schon mal die Seitentür auf. Hier auf dem letzten Parkplatz an der vom Parkplatz abgewandten Seite. AK bereit. Sven und Agnessa sind auf der anderen Seite angekommen. Keine Leibwächter weit und breit, nur die Drohne. Worauf warten die eigentlich noch...
"Drag, machst du jetzt endlich mal hinne...?!"
Es geht los. Aber Drag... Marek gibt mir kein Go-Signal...

30.l
Gehen wir also einmal den Plan durch:
0. Kommlinks aus, SINs deaktivieren
Done. Problem war dann nur, dass Sven die Nachrichten von Agnessa nicht bekam, dass sie sich 15 Min verspätet. Zum Glück hat er sein Link nochmal kurz angemacht.
1. Bahnunterführung räumen
Björn hat den drei Ork-Gangern, die immer an der Unterführung rumlungern, um Kiddies abzuziehen, klar gemacht, dass sie für zwei Stunden verschwinden. Fürn Hunni.
2. Jens flirtet mit Agnessa
Aber sowas von. Für genug Likes würde die sich sogar schwängern lassen.
3. Ausschalten der Leibwachen
Keine da. Also vielleicht in dem Japsen-Transporter. Aber von den bekannten Personenschützern ist nix zu sehen.
4. Drags Gedankenkontrolle
Done. Später erzählte Drag, dass er Agnessa zwang, auf dem Stream Werbung zu schalten.
5. Svens Spritze
Done.
Und ab da wurden die Lücken in unserem Plan mehr und mehr klar...
Marek subvokalisierte irgendwas. Für mich war das das "Go". Also raus aus der Heckklappe, kurz gezielt und die Drohne über Marek, Björn, Sven und Agnessa runtergeholt. Entfernung: 120 Meter. War kein Problem. Anscheinend wurde die nicht von einem Rigger gesteuert. Vermutlich einfach kalt über eine Drohnensteuerung. Verdammt, 120 Meter. Das ist definitiv zu weit für den Störsender. Nachdem die an den Standort von Agnessa gebunden sind, müssen sie sie halt herbringen zum Parkplatz vom S-Bahnhof Petershagen Nord. Ich gebe durch "Agnessa herbringen" und schaue erstmal nach dem tätowierten Arm. Der ist weg. Dafür waren vier Leute unterwegs, Anzug mit Kaputze, Pistole, Katana. Drek! Sind die schnell! Also direkt an die Front des Ford Titan und auf einen der beiden draufgehalten. Sie schienen überrascht zu sein, denn bis zur zweiten Salve kam keine bleierne Antwort. Die zweite Salve streckte ihn nieder. Der andere ging in Deckung. Über den Mikrotransceiver bekam ich mit, dass die drei mit Agnessa zum Auto zurück kamen. Der Typ in Deckung schoss auf mich. Automatikpistolen. Zum Glück war er vielleicht schnell aber mit Schusswaffen umgehen eher ein Amateur. Schnell zum Heck. Zweite Gruppe am Vorrücken hintern. Salven empfingen mich. Die erste traf auch gleich, blieb aber zum Glück in der Panzerjacke hängen. Der zweiten konnte ich ausweichen. Der Ford Titan mit der Japsenaufschrift setzte zurück. Heckklappe und Seitentüre öffnen sich dabei. Ich setze eine Splittergranate rein. Mit ein wenig Glück trifft die auch noch den Samurai da oben. Während ich einigen Kugeln ausweiche, lege ich noch den einen im Süden um und bekomme mit wie der Typ im Norden ins Auto will. Wieder zur Front des Fords, um besseres Schussfeld zu haben und eine Betäubungsgranate in die Heckklappe. Dummerweise hat mir Björn nur eine Splittergranate gegeben. Und meine Bestellung kommt erst morgen... Als ich die Granate abfeuere, bekomme ich im Süden eine schnelle Bewegung in der Luft mit. Eine Drohne... Sofort ne Salve drauf. Sie verschwindet hinter dem Bahnhofsgebäude. Wieder ans Heck, Der Typ rennt zum Auto. Wieder zur Front, den Typen an der Beifahrertür abknallen. Macht "Tack". Smartgun zeigt leeres Magazin in der AK. Marek gab irgendwas von "noch mehr Drohnen" durch. Deshalb schoss ich keine weitere Betäubungsgranate in den Van, in den der letzte Pistolero sprang und sich flach auf den Boden warf. Ich warf das Magazin aus und ludt nach. Mit Betäubungskram machste nix gegen Drohnen. Die Heckklappe ging zu. Keine Drohnen. Verdammt. Also wieder zum Heck, schlechteres Schussfeld, aber Betäubungsgranate durch die offene Seitentür in den Van rein. Zeitgleich kam Björn mit seiner Axt in der Hand am Ford Titan an und schwang sich auf den Fahrersitz. Sven kam auch mit Agnessa auf den Schultern angelaufen. Während er Agnessa ins Auto wuchtete, hob ich das leere Magazin auf und sprang auch in den Wagen. Sven kam rein, ich schnappte mir den Störsender und richtete die Waffe auf Agnessa. "Hol die Drohnen runter." Drek! Die war ja ohnmächtig... Marek war weit und breit nicht zu sehen. Björn setzte mit dem Ford zurück. Die drei Drohnen der Influencerin folgten dem Van...
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« Letzte Änderung: 06. Dezember 2020, 11:41:09 von Olf »
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  • 28. November 2020, 17:48:34
Re: Alles ist einmal vorbei - oder doch nicht?
« Antwort #17 am: 28. November 2020, 17:48:34 »

Bembel´s Back in Berlin 2
30.m
Wir fuhren rückwärts vom Parkplatz bis zum Weg zur Unterführung runter. Ich schaffte es, eine Drohne mit dem Störsender von der Matrix abzuschneiden. Drek! Sie stürzte nicht ab, sondern blieb an Ort und Stelle. Glücklicherweise schwebte sie auf Höhe des Vans und "flog" quasi im Vorbeigehen in den Ford Titan. Ich schnappte sie mir und steckte sie in eines der Netze, die an den Sitzlehnen angebracht waren. Das dauerte aber viel zu lange. Marek hatte etwas von Drohnen und einem Auto erzählt...und dass sein Geist den Astralraum gesäubert hätte. Ich nahm also wieder die AK. Björn brach im Rückwärtsgang durch ein Gebüsch. Sven knallte eine Dobermann-Drohne ab, die von der Unterführung hochkam. Ich sah den verschleierten Marek, der in den Van kam und hielt auf den Motorblock des SUV, der über die Wege des Parks ankam.  Die zweite Salve erledigte die Arbeit. Beim Exit öfnete ich noch einmal die Seitentür und schluckte die Gel-Kugeln der Drohne, die sich hinter dem Bahnhof versteckt hatte. Sie hätten sonst Marek getroffen und damit wäre unsere magische Rückendeckung weg.
Die Sternis waren schneller als wir erwartet hatten. Der näheste Übergang über die A10 war schon zu. Wir versuchten es weiter südlich. Auch Sternies. Wir mussten in der eingebrochenen Dunkelheit bis Rüdersdorf runter bis wir über die Schöneicher Landstraße unter der Autobahn durchkamen. Auf dem Feldweg saß eine Reiterin auf einem Pferd und sah dem Ford Titan hinterher. Irgendwie hatte ich das Gefühl, irgendetwas vergessen zu haben...

30.n
...ne, der Störsender war noch auf Agnessa und die Drohne ausgerichtet. Unterwegs in Höllendorf an der Grenze zu Kiffnick, in Woltersdorf in der August-Bebel-Straße gabs ne Schießerei. Paar Leute haben sich an ein Haus zurückgezogen, auf der Straße ein paar Leichen. Ein Auto steht mit offenen Türen quer auf der Straße. Raubritter? Björn stellt den Ford Titan auf die Seite und ist ganz heiß auf den Fight. Wenn einer das verstehen kann, dann ich. Oh Mann, der zieht wieder mit seiner Axt los... Jens und ich geben ihm Feuerschutz. Die fünf am Haus haben zwar Wummen, können aber kaum damit umgehen. Goliath spaltet einen der Leute, die über die Mauer hüpfen. Moment... irgendwas stimmt nicht, die haben gar keinen Respekt vor der Axt. Ganger auf Kamikaze? Ich zoome ran und sehe...
"Ghuuuule" schallt es aus dem Van, in dem Marek aus dem Astralraum zurückkam. Gleich nach vorne und Björn Feuerschutzgegeben.
"Ghule, lass dich nicht beißen", war die Warnung an Björn, die subvokal noch raus musste. Mit vereinter Feuerkraft war die Lage schnell unter Kontrolle. Jens hat mit dem Scharfschützengewehr echt was drauf. Ich sicherte schnell das offene Auto. Niemand drin, Kindersitz leer, Airbags offen, Ghul liegt überfahren unter dem Fahrzeug. Zurück zum Titan.
Bei Björn angekommen erst mal Agnessa in den begehbaren Wandschrank gelegt. Drek, der ist so groß wie das Zimmer, das mir der Käptn besorgt hat! Störsender drüber. Jens ruft den Doc an. Doc Martins. Als der kommt, hat der an allem was zu meckern. Vor allem am Störsender. Macht noch Witze, was wir mit dem Mädchen noch machen würden ("aber für moralische Beurteilungen werde ich hier nicht bezahlt...") Björn gesellt sich in Shorts und Kampfmesser dazu. So wie sich der Doc aufführt, lebt der nicht mehr lange. Aber Jens ist voller Geduld. Künstliche Ernährung, Betäubung, alles steht.
Abgeschminkt hol ich mir erstmal was aus dem Kühli und knall mich vor den Trid. Desert Wars. Drek. Gesperrt. Kindersicherung. Naja. Erstmal B1, Nachrichten. Die Yaks haben am Bahnhof in Petershagen (STFD) ein junges Mädchen entführt. Der Verdächtige wird gerade präsentiert, Haben einige Leichen seiner Handlanger gefunden. Was ein Glück! Vor ein paar Minuten waren wir da noch! Stell sich einer vor, wir wären in diese Schießerei gekommen! Die anderen meinen, wir wären das gewesen. Kann aber gar nicht sein, denn die haben ein Mädchen entführt. Wir haben nur ein Mädchen mitgenommen und geben ihm eine sichere Unterkunft über die Feiertage. An Weihnachten sollte niemand auf der Straße leben müssen!
Ich zieh mir noch ne Stunde Desert Wars rein. Björn hat vor dem Wandschrank Stellung bezogen. Ich schaue ihn so an und frage mich, ob er schwach wird. Nein. Er will nur sicher gehen, dass der armen Seele von Mädchen nichts passiert. Marek schaut mich irgendwie reserviert an...
Egal, ich bin zu müde. Ein paar ruchlose Seelen in die Hölle geschickt und eine zarte Mädchenseele gerettet. So muss Weihnachten sein. Ich sollte zu Hause mal schauen, in welcher Kirche ich in die Christmette gehe.

30.o
Knatter also in meinen Kiffnick-Sachen auf dem Rattenbike zurück in meine Bude. Draußen noch nen Krabbler postiert, um zu wissen, was vor der Wohnungstür abgeht. Das Haar ist noch in die Tür geklemmt, also war vermutlich keiner drin. Aber Möglichkeiten gibts immer... War aber diesmal nicht so. Also Zähne putzen, pullern und ab ins Bett. AK und Kampfmesser wie gewohnt griffbereit. Am Morgen dann n Anruf. Björn. Irgendwas is. Sag ihm, bin in ner halben Stunde da.
Stell meine Kiste gerade auf dem Hof ab als Björn aus der Garage kommt.
"Willste die Kiste nich lieber reinstellen?"
"Klar, was los?"
"War Besuch da."
"Paar Ganger oder was?" Seiner Reaktion nach nicht. "Verdammt, wie haben die uns so schnell gefunden...? Is der Störsender doch am Arsch?"
"Drag is drin. Frag den. Kannst dich am Kühlschrank bedienen."
Mach ich auch. Türe geht auf. Ab in die Kücke. Echtes Futter. Rein mit. Mach noch ein Tablett voll und nehm den Joint mit, der auf dem Tisch liegt. Da fällt mir noch was ein. "Björn, gibst mal noch den Desert-War-Channel frei?" Macht er auch gleich.
Im Schlafzimmer am begehbaren Schrank Marek und Jens. "Was los?" Ich schau Marek an.
"Ich muss mal weg, was kaufen."
"Und Björn?"
"Der muss eine drei Meter hohe Tanne liefern."
Ich überlege, was für ein Code hinter drei Meter hohe Tanne stecken könnte. Drei Leute umlegen? Nen drei Meter großen Troll umnieten? Egal. Dann kommt mir wieder, was Björn schon angedeutet hatte. "Wer war denn da? Ganger?"
"Nein. Jemand im Astralraum. Aber nur unsere Auftraggeberin. Ich habe ihren Geist getötet." Mareks Brust straffte sich vor Stolz.
Also, ist jetzt nicht so, dass ich ihm nicht glaube,... aber... doch. "...und deswegen hauen Björn und du jetzt ab und lassen mich und den Neuen zurück. Klar. Hälst mich für völlig blöd?!?"
"Nein, echt, ich brauche noch Sachen, um das Refugium noch aufzustocken und Marek muss echt eine Tanne liefern. Job von seiner Fake-SIN und so..."
Oh Mann... Das ist so verrückt, das kann kaum ne Lüge sein. Ich stell also das Tablett aufs Bett. Noch nen Happen. Die Tüte ist dann wohl gestorben. Und Desert Wars auch. "...also grün... Geister... hab hier nur die Spielzeug-AK und nicht mal panzerbrechende Mun. Sich mit nem Geist anlegen, wird gewagt..."
"Nein, alles gut. Bin auch bald zurück."
Zur Sicherheit schalte ich meinen neuen Ultraschall-Sensor im Kopf ein. Nur für den Fall, dass hier was unsichtbar rumkreucht... Zur Sicherheit ziehe ich schon mal mein Kampfmesser. Diesen Jens behalte ich mal im Auge während ich ihm demonstrativ den Rücken zukehre... Drag hat mich schon die ganze Zeit über schräg angeschaut. Der ist ausgefuchst. Wer weiß, was der mir vorspielt...

30.p
Freitag, 16.12., wir kümmern uns um n paar Fehlermeldungen, die 8c uns immer wieder anzeigt. Ein paar sind klar. Fenster und Türen, die immer wieder die Verbindung zum Haus-Host mit seinem Agenten verlieren. Kurz überlegt, dann nehme ich die verschiedenen Frequenzen von Türen, Fenstern, Kommlinks, Mikrotransceivern u.ä. Gedöns raus. Medizinische Sachen vom Doc lass ich drin. Außerdem gibts wohl noch ein paar Signale, die wirklich von der Ausrüstung von Agnessa kommen. Schau mal in die Tasche. Als erstes fällt mir die Drohnensteuerung von Maersk in die Hand. Mannomann... um Welten besser als meine... Ich pack sie mal zur Drohne und mach mit den andern ein Geschäft. Gebe ihnen für Drohne und Steuerung zusammen 15k. Ist so in etwa das, was man bei nem Schieber für kriegen würde. Anruf beim Käptn sagt, ich kann heute Abend meine Bestellung abholen. Wunderbar.
Björn meint, in der Stromlast vom Haus wäre ein Abfall. Würde wohl am Verteilerkasten liegen. Und tatsächlich, da geht ein Kabel weg. Hat sogar jemand eine Warnhülle draufgemacht. Baustelle und so. Ich setze meine Spy-Fly ans Hausdach und beobachte den Kasten. Björn trennt das Kabel ab.
Am Abend mach ich mich auf den Weg nach Kiffnick-City. Treff da den Käptn in seiner Hafenkneipe. Alle Granaten wunderbar da. APDS leider nicht auf Vorrat. Egal. Ich nehm noch ne Betäubungsgranate für den Granatwerfer mit und zwei Viererpacks Flash-Bangs, mit denen "er mich zuscheißen" kann. Mach noch was aus wegen nem Hardware-Typen Anfang/Mitte Januar wegen Drohne und Steuerung. Wäre kein Problem, meint er.
Ich bin fast zu Hause, als mir meine Drohne eine Bewegung meldet, mich über Komm informiert und das Komm beginnt mit der Aufnahme. Irgendwas Großes ist da unten. Mein Bike kommt kurz ins Schlingern und schon ist der Typ weg. Björn hat ihn wohl auch entdeckt. Rennt Richtung Bahngleise über das Brachland, aber weit und breit nix zu sehen. Ich lasse die Drohne Björn folgen. Auf dem Rückweg zum Kasten fällt mir der baufälluge Bauwagen hinter dem Haus auf. Werd ich mir ansehen, sobald ich da bin. Stelle gerade mein Bike ab, als ich von der Drohne schon wieder eine Nachricht bekomme. Schleiche mich an die Hausecke. N Troll am Stromkasten. Hat irgendein Zeichen hinten drauf. Kenns aber nicht. Als ich näher schleiche, sehe ich eine gekreuzte Axt und einen Wasserschlauch. "FFW Rahnsdorf".  Ich mach jetzt kein langes Ding draus. Der Troll hieß Dieter und hat sich im Bauwagen eingezeckt. Den Strom braucht er für die Heizung. Ich hab Björn tatsächlich überzeugen können, ihn nicht umzunieten. Dafür haben wir zusammen im Bauwagen n Bierchen gezischt. Dieter hat mich zum Vereinstreffen (Weihnachtsfeier) am Mittwoch (21.) eingeladen. Werd da mal vorbeischauen.
Am Montag (19.) bekam Björn, also seine "Holzfäller-SIN", einen Feed zugeschickt. Weihnachtsfeier im Rathaus von STFD. Frau Katschmarek war sehr geknickt. Immer wieder trösteten sie Leute, legten den Arm auf ihren Unterarm und so was. Im Hintergrund entdeckten die anderen eine Elfe mit Brille, die immer wieder über den Brillenrand genau in die Kamera sah. War wohl eine Sicherheitstussi, der Jens mal ne Kugel verpasst hat. Die waren alle etwas überrascht, dass sie noch lebt. Fragten sich, ob sie das wohl persönlich genommen hat. Auf jeden Fall arbeitet die wohl für den Schmitt von diesem Run.
Am Mittwoch, den 21. bin ich mal bei der Vereinsfeier der FFW Rahnsdorf vorbei. Zwei Dutzend Erwachsene und Kinder. Neben Dieter gibts nur noch einen Troll. Hab mit Dieter bissl Small-Talk gemacht. Hab dann auch Joachim kennen gelernt. Ist wohl sowas wie der Chef der Bande. Zumindest ist der am längsten dabei. Die FFW Rahnsdorf hat wohl einfach weiter gemacht als der Status Flux ausgerufen wurde. Lassen wohl bei Bränden einfach Geräte mitgehen und verscheuern die. Hab nen Hunni für mein Leitungswasser dagelassen. Als Spende. S Bier wollt ich denen nicht wegsaufen. Falls ich länger in Berlin bleibe, mal paar Kontakte knüpfen.
Am 24. habe ich Sam von der DRK-Festung angerufen, ob sie mit mir in die Messe kommen will. Is nich ihr Ding, also gehe ich in meinem Buissness-Suite von der Stange alleine rein. Und am 25. auch noch mal.
Im Luxus-Troll-Haus von Björn lassen sich die Tage gut ertragen. Ich habe in der Zwischenzeit mein ganzes Zeug geholt, was noch in meiner Bude in Höllendorf war, also Wäsche und so. Jetzt penn ich einfach da. Mit Zugriff auf lecker Kühli und Desert Wars und Urban Brawl. Grün hoch drei! Sylvester hab ich gar nich mitbekommen. Nur der Doc Martins schaut immer mal vorbei.

30.q
Am Mi, 4.1.79, rief ich für Björn und Marek bei meinem Kontakt "Hin und Weg" an. Ich kannte die von der Untergrundsache in Frankfurt, wo wir (Thema magische Türschlüssel) in der Kanalisation eine Tür für die Capones öffneten (a propos, was ist aus denen geworden?). Am Ende wollten sie aber doch nicht. Die 3,75k pro Person wollten sie einfach anders investieren. Oder einfach im Sitzen geschmuggelt werden. Das käme bei denen auf 10k/Person. Dafür geht alles echt schnell.
Am Fr, 6.1., ging Marek wegen seinem Neuen Gesicht in die DRK Festung. Hatte einen Gesprächstermin für ein Vorgespräch.
Käptn Haddock hatte für uns nen SIN-Dealer aufgetan. Ihr Name war Frau Mesmer und die hat eindeutig nen Hau. Hält sich für die Oberpsychiaterin. Alle haben Bindungsprobleme mit der Mama und so. Die SIN gibt es dann als Therapie... Anscheinend hat sie Zugriff auf die SINS von frisch Verstorbenen. Zumindest konnte sie Marek sofort eine SIN anbieten für 10k. Wenn er eh schon sein Gesicht operieren lässt. Hat er angenommen und bekam eine 3D-Ansicht des Kopfes.
Am Samstag (7.1.) brachte tatsächlich Doc Martins Melanie in eine Klinik in der Innenstadt. Gegen kleine Gebühr natürlich. Dann war das geklärt. Ich zog mit Björn los, um Drohnensteuerung und Drohne zu den Koordinaten zu bringen, wo der Hardware-Heini rumhängt, den der Käptn mir besorgt hat. Am Ende wars am Kreuzbasar. Mit dem Ford Titan kamen wir da natürlich nicht rein. Der Käptn konnte mir auch keine KommNr geben, aber kurz darauf kam ein Typ namens Franz. N Zwerg mit nem Bollerwagen. Auf dem eine Metallkiste mit Generator und Schalter. Da legten wir alles rein, der Zwerg machte den Schutz an, Björn fuhr wieder los und ab zur Werkstatt. Der Typ, der sie (mit) betrieb hieß Tarek und war n Typ ganz ohne Komm. Berlin. Lauter Durchgeknallte. Zum Glück hat sein Gehilfe Franz eins. Die ganze Werkstatt war auch nochmal geschützt. Saubere Sache. Für 1k wurde der versehentliche Fehler an den beiden Teilen behoben, dass sie nicht mir gehörten.
Danach schaute ich mich um, ob ich meine Knarren hier in irgendein Schließfach bekomme. Das Dumme war nur, dass der Zugang zu sicheren Schließfächern an mehrern Detektoren vorbeiführt (wie am Hauptbahnhof) und die anderen waren nur Blechkisten. Teilweise schon aufgebrochen. Also ab zum Käptn. Für 500 im Jahr hab ich jetzt n Koffer in Berlin. Rattenbike, Störsender, AK98, Mun und Granaten. Wer weiß, wozu das mal nütze ist. Dann fiel mir ein, dass meine Wohnung an Sylvester ausgelaufen ist. Also nochmal zu Björn. Darf tatsächlich noch ne Nacht da pennen. Morgen nochmal Marek nach der OP besuchen und dann nach Frankfurt. Als ich anfing, im Razzang und ähnlichen Rigger-Magazinen nach Navy zu suchen, wurde ich wieder Sentimental. Am Ende heulte ich rotzbesoffen Björn die Ohren voll von wegen, dass Navy schon zwei Monate keine Rennen mehr gefahren ist und ob die noch lebt und wie gut die aussieht und so. Die Antwort war goliathmäßig. "Wenn ich sie sehe, richte ich ihr Grüße von Dir aus." Habs erst nicht kapiert und fand das eine gute Idee, aber dann hab ich kapiert, dass  er mich verarscht. Besoffen fiel ich ins Bett. Am nächsten Morgen war Björn nicht mehr da. Nur noch ein E-Paper auf dem Küchentisch: "Wenn ihr mich sucht, bring ich euch um." Typisch Goliath. Der wird jetzt alle Verbindungen kappen und sich hier in Berlin ein neues Leben aufbauen. Warum auch nicht.
Jens kam vorbei und mit ihm zusammen gings zur DRK-Festung. Dort erfuhren wir, dass "Herr Marek" verstorben sei. Sogar eine Urne mit Asche wollte man uns übergeben. Wow, Ringsgwandl hat echt ganze Arbeit geleistet. Nicht nur, dass er alle meine Ratschläge in Punkto Sicherheit umgesetzt hat, er hat auch hochprofessionelles Personal! Ich verabschiedete mich von Jens und  fuhr am nächsten Tag (Mo, 9.1.) mit dem Zug zurück nach Frankfurt. Werd mich erst mal um ne neue Wohnung kümmern müssen.

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In der Zwischenzeit bei Echo
Mit Zion, einer Kleinschieberin, machte ich die Hardware-Sachen klar, die Jenji mir gab. Ein echt teures Deck! Und dazu gab es noch Daten! Hammer! Zum Glück kennt sich Zion mit Hardware echt gut aus. Ich nich so. Knack dafür dann die Codes.
Beim Surfen durch die Matrix kam mir eine super Idee. Wenn beim Tamagochi was drin war, was mit dem Code der Falle verschmolzen ist, muss es sich selbst befreien. Ich muss nur eine Tür öffnen. So machte ich mich daran, eine komplexe Form zu entwickeln. Ich ludt sie immer wieder auf die Schattenboards hoch und sammelte Ideen von anderen Technomancern. Dazu lernte ich immer weiter, nicht nur komplexe Formen zu meinem Schutz, sondern auch eine, um Geräte in der Matrix zu zerstören. Das Weben fiel mir auch zusehends leichter. Zwischendurch immer wieder Anfragen von Jens und natürlich Herrn Takeshi.
Ich probierte Coriolis (so nannten inzwischen alle die neue komplexe Form) am Tamagochi aus. Ich löschte den Code, bei dem ich mir sicher war, dass es ausschließlich zur Falle gehörte und konnte besser mit dem Gefangenen sprechen, aber er konnte sich nicht selbst befreien. Also löschte ich auch noch die Daten, bei denen ich mir nicht sicher war. Nun waren die Worte kaum noch hörbar. Also fasste ich ein Herz und ging rein. Ich schnappte mir das Wesen und führte es hinaus. Anscheinend war der Mund teilweise verschwunden und der Rest ...vernäht? Ich machte die Löschung des unsicheren Codes rückgängig und der Mund war wieder da. Ein Teil des Codes konnte nicht mehr wiederhergestellt werden. Musste die Falle sein. Die Persona vor mir war - verwirrt. Und hatte anscheinend alles vergessen. Ich konnte eine Spur an ihr finden, die von ihr wegging. Ich fand das Ziel und analysierte es gerade. Ob Gerät, Host oder was auch immer, konnte ich nicht sagen. Auf jeden Fall etwas uraltes, steht laut GPS in Niederrad.
Als auf einmal die Hölle losbrach. Jede Menge Decker, Mancer und Sprites von oben und von unten prallten aufeinander. Aus Reflex versteckte ich mich. Das Tamagochi versteckte ich im Resonanzraum. Es dauerte einige Zeit, bis ich wusste, worum es ging: eine Gruppe versuchte, etwas anzugreifen, eine andere, es zu verteidigen. Für die Angreifer sah es eher mau aus. Ich sah mir dieses Etwas genauer an. Es war von Ares. Ares...Niederrad... könnte der Zeppelin sein... Ich schlich mich hin. Ein anderer Mancer war auf einmal neben mir und sprach mich an! Wie konnte der nur meine Deckung durchdringen?! Während ich dem Gerät mit meinen Resonanzspikes Schaden zufügte, meinte er, er würde mich schon lange suchen. Er gab mir eine Nummer, ich wischte sie auf einen Chip, der an meinen Körper geklebt war. Wieder ein Spike gegen das Gerät. Mist. Der Typ neben mir wurde von einem Sprite angegriffen. Ein weiteres sah lange in meine Richtung. Der Mancer neben mir hatte alle Mühe, ein Sprite zu kompilieren. Kurz war es da, dann doch nicht mehr. Drek! Erst entdeckt er mich und das andere Sprite fragt sich wohl gerade, wer von den beiden der echte ist und wer die Spiegelpersona... In einem letzten Schlag legte ich mehr Kraft als mein Geist verkraften könnte. Ich aktivierte einige Chips und legte alles in den Schlag, was ich konnte. Das Icon zerbarst. Log out!

Ich rief die Nummer an. Der Typ war irgendwie heiß drauf, mich zu treffen. Weil ich der erste wäre, dessen Spur er hätte finden können. Drek! War ich auf den Schattenboards zu unvorsichtig bei der Entwicklung von Coriolis? Egal. Er kannte die Teufelsratte, meine Einsatz-Persona. Herr Takeshi meinte, er könne mich nicht schützen, wenn das wirklich eine Falle wäre. Also schickte ich ihn erst einmal auf einen einsamen Parkplatz im NO von Frankfurt. Er war alleine, so weit ich es mit meinem Fliegenden Auge sehen konnte. Also schickte ich ihn in die U-Bahn-Station am Schweizer Platz. Wir konnten uns direkt über AR erkennen und stiegen zusammen in einen Zug. Er war genauso paranoid wie ich, nur suchte er einen Lehrer. Eine Zwickmühle, die ich verstehen konnte. Wir verbrachten mitten in der Nacht einige Stunden in einem Sarghotel im Bahnhofsviertel. Ich zeigte ihm einige komplexe Formen, sprach mit ihm über die Resonanz (die hatte er noch nie gesehen, also noch keine Wandlung) und wir verabredeten, unsere Sprites in Zukunft zusammen zu kompilieren und zu registrieren. Bei seinem ersten Puppenspieler war er genauso "erfolgreich" wie ich damals... Werde ihn mal mit meinen Leuten bekannt machen. Er heißt Tai Nagato.  Ansonsten halte ich weiter für Herrn Takeshi die Augen offen und lerne, lerne, lerne... Achja, die Neo-A´s aus Niederrad haben den Zeppelin abgeschossen, den der FBV in Koop mit Ares zur Überwachung in den Himmel gebracht haben. A propos Neo-A´s. Der Anführer heißt laut Nagato Lunic. Nagato will mir als Gefallen das Gerät ausfindig machen, das dort vor Ort ist und das letzte mal vor 20 Jahren online war. Wegen Tamagochi und so.

Herr Takeshi hatte die Daten aus den Chips von Frau Mayer vom BIS sowie ihr Deck verscheuert. Da kam sogar für mich ein nettes Sümmchen dabei herum, ob wohl ich nur 5% bekam. Auf dem Rechner war noch ein TacNet. Nicht nur ein einfaches, nein ein relativ gutes. Das steckte ich für die Gruppe ab. Beim nächsten Einsatz werden sie froh sein. Eine Elfin namens Navy kam vorbei und unterhielt sich mit Herrn Takeshi unter vier Augen. Mit Sven, Drag und Chenji machte ich ein Treffen in einer Eishalle klar. Herr Takeshi hielt ein Treffen im Wagner für zu gewagt. In der Eishalle machte Herr Takeshi Drag den Vorschlag, ihm seinen Anteil (knapp 80k) zu überlassen, Goliath hätte das auch getan. Damit wären sie quitt. (War deshalb diese Navy da?) Tat er auch.

Komm meldet sich. Nagato. Er hätte jemanden, der an KFS erkrankt ist. Super! Kann ich endlich Coriolis ausprobieren. Aber Drek, dazu muss ich in den Block. Mitten durchs Ganggebiet in Oberrad ins Herz, zu den Neo-A´s in die schwarze Festung.
"Ich komme, wenn Airwalk für meine Sicherheit bürgt", meinte ich und wagte noch einen Schuss ins Blaue, "und Goliath auch."
Die Antwort ließ etwas auf sich warten. "Grün.. Machen sie."
Ah, hatte ich Recht. Goliath ist mit Airwalk und Melanie Wimmer untergetaucht. Patientenakte hatte ich damals aus der Resonanz wieder beschafft. Dann wird sie die Patientin sein. Damit sollte ich sicher sein. Zumindest so lange mir Frau Wimmer nicht unter der Hand wegstirbt. "Aber an den angegebenen Punkt kann ich nicht kommen, das überlebe ich nicht." Wir einigten uns auf das Stadion der Frankfurt Massakers. Liegt an der Grenze von Sachsenhausen zu Oberrad.
"Wann kannst du denn da sein?"
"Wenn ich mich gleich auf meinen Hobel schwinge, so in ner Stunde?"
"Alles klar. Aber hast du nicht Angst, dass dir dein Bike da geklaut wird?"
"Ach was, ich hab ne prima Diebstahlsicherung!"
Ich setzte mich auf meinen hammer Dodge Scoot mit seinen vier Rückspiegeln, deren Halterungen von blau-weißen und schwarz-weißen Spiralen geschmückt wurden. Der Lenker hatte links und rechts je einen Fuchsschwanz. Hinten ragte eine dünne Metallstange mit rotem Fähnchen in die Luft. Ich öffnete die dreistellige Diebstahlsicherung, klickte das Fahradschloss um den Sitz und drehte voll auf.
Am Treffpunkt brach Nagato schon in Lachen aus noch bevor mein Scheinwerfer ihn erfasste.
"Geiler Hobel... hammer... die Diebstahlsicherung..." Der Typ kriegte sich gar nicht mehr ein.
"Style kann man sich nich kaufen, damit wird man geboren!" Er lachte immer weiter und ich wurde immer wütender. "Jetzt krieg dich endlich ein oder ich mach dein verdammtes Kommlink kaputt." Er kriegte sich ein - mit Mühe.
"Wo zur Hölle sind eigentlich Airwalk und Goliath?"
"Keine Panik, ich bring dich schon lebend rein."
Ich sah mir Nagato genauer an. Ein Hemd wie ich. Ich wusste, er hatte eine Pistole. Sein schwarzes Halstuch, das er heute trug, wird uns kaum retten... Also gut, über die Offenbacher Landstraße rein. Und es kam wie es kommen musste. An der Kirche hielten drei Orks auf Motorrädern auf uns zu. Nagato blieb ruhig. Der Anführer sprach Nagato direkt an: "Ei Gude wie, wo machstn hie?" Leck mich fett, die unterhielten sich wie alte Kumpel, während mir hier der Arsch auf Grundeis geht! Spätestens als der Ork namens Yorkh mich musterte. Als wir weiterliefen, meinte ich nur: "Gut, dass ich mir Unterhosen zum Wechseln mitgebracht habe..."
Nagato lachte sich kaputt. "Weißt du, ich bin auf der Straße aufgewachsen. Selbst wenn ich Yorkh nicht kennen würde, wüsste ich zumindest, wie man mit Gangern redet..."

Airwalk erwartete uns am Eingang zur schwarzen Festung. Wir gingen in eine Wohnung in einem Hochhaus. Sogar der Aufzug funktionierte. Airwalk öffnete uns die Türe. Goliath stemmte im Wohnzimmer seine Handeln und im Schlafzimmer lag Melanie Wimmer an einer großen Anzahl von Schläuchen. Die Krankenschwester hieß Jolene. Eine mürrische Hexe. Ist vermutlich ganz dicke mit Goliath... Eigentlich wollte ich gleich loslegen, aber ein Problem folgte auf das nächste. Nagato nervte total mit seinen Nachfragen, aber leider traf erimmer wieder einen Punkt. Am Ende schmiss und Jolene raus mit den Worten "Kommt wieder, wenn ihr nen Plan habt." Auslöser war glaub ich als wir meinten, Lunic müsse den Knoten von Oberrad runterfahren... Ja, wohin mit der KI, wenn sie erst mal raus ist...

Dann lernte ich erst einmal, dass Essen und Schlafen hier im Block echt n Problem ist. Jolene gab mir was zu Futtern und bei irgend nem Kumpel von Nagato konnt ich pennen. Die zahlen hier tatsächlich mit Gefallen. Oder tauschen.
Wir planten also alles durch. Kompilierten und registrierten zwei Maschinen-Sprites, um das öffentliche und das lokale Gitter zu schützen und die KI eher in eines der Konzerngitter zu lotsen. Airwalk habe ich darauf vorbereitet, dass er seine Schwester vermutlich foltern muss. Er sagte nichts dazu. Die Art von nichts sagen, die so viel sagt, wisst ihr?
Dann ging es los. Jolene hatte einen alten Krankenwagen mit schwarzem Kreuz drauf besorgt. Sie meinte, bis zu Nagatos Wohnung in Offenbach wäre das kein Problem. (Ganz schön vertrauensseelig, dieser Nagato). Goliath konnte wohl nicht mit. Klar. Interpol sucht ihn. Aber Jolene hatte noch zwei Orks organisiert, die uns Frau Wimmer hoch trugen. Also waren wir vier mit der Patientin in Nagatos Wohnung.
Wir bauten ein Metagitter auf. Unsere beiden Maschinen-Sprites belegten die Zugänge zum öffentlichen Gitter und zum Offenbacher LTG mit Rauschen. Ich wob mir ein Spiegelbild und dann ging es los. Ich legte meine Hand auf Frau Wimmers Stirn und wob Coriolis. Das etwas in ihr, das laufend versuchte, eine Art Verbindung aufzubauen, wandt sich. Das konnte auch daran liegen, dass Jolene irgendetwas vorbereitet hatte, um die Naniten zu dezimieren. Die Naniten riefen allerdings tatsächlich in die Matrix. Eine Nachricht. Sie drohten mir, meine Firewall hielt. Airwalk fing an, sene Schwester zu verbrennen mit Jolenes Gerät. Angeblich sind das Schmerzen als würde man gegrillt werden.
Nagato meldete sich, die Naniten würden Kontakt mit mir aufbauen.
"Unterbinde das!"
"Alles klar."
Die Naniten entzogen sich mir. Ich versuchte, sie weiter zu bekämpfen, aber sie entzogen sich mir komplett und ich war... getrennt von Frau Wimmer. Nagato hatte mich getrennt. Einfach meine Hand von ihr gelöst. Innerlich ging ich an die Decke. Ich schrie herum. Nur als ich gegen etwas trat, war ich still, denn ich hatte mir dabei meinen Fuß verstaucht...
"Verdammt, ich wollte doch nur verhindern, dass dich die Naniten übernehmen."
Klar, Nagato hatte die ganze Zeit schon rumgemurrt, dass das alles schief geht. Aber mir ging die Hutschnur hoch. "Sag mal, glaubst du, das ist hier Ringelpieps mit Anfassen? Was glaubst du, was das hier wird? Das ist harte Scheiße hier, du hast doch gesehen, was ein Schwund auf mich zugerollt ist!" Dann kam mir das Bild, dass Nagato nur zusah. Er konnte lediglich ein Metagitter erschaffen. Den Resonanzraum hatte er noch nie gesehen. Ich kam langsam runter.
Airwalk tuschelte mit Jolene und lotste Nagato ans Fenster. Drek! Der will ihn doch nicht umbringen?!! Zum Glück nicht. Er klickte die Handschellen um eines serner Handgelenke und um die Heizung. Jolene brannte die verfärbte Handfläche aus. Ich sah während des fürchterlichen Schreis und dem weiteren frischen Gestank von verbrannten Fleisch auf meine Hand. Neben der extrem verfärbten Handfläche hatte ich auch noch einen Handabdruck am Handgelenk. Die Schreie von Nagato brachen ab.
Als Jolene fertig war, hielt ich Airwalk meine Hand hin und murmelte vor mich hin: "Kampf erfordert Opfer." Ich wurde ohnmächtig.

Ich kam zu mir in einem Raum ohne Fenster. Ein paar Lichter waren an. Neben mir kam Nagato gerade zu Bewusstsein. Ich sah nach meinen Sachen. Waren da. Zumindest wurden wir nicht ausgeraubt. Sonst war hier nur noch ein weiteres leeres Krankenbett. Beim Anziehen stritten wir uns. Nein, nicht über das, was passiert ist. Der Kerl meinte allen Ernstes, man dürfe eine KI oder Melanie Wimmer nicht foltern. Er war Pazifist. Klar. Was n Opfer. Zum Glück sah er ein, dass die KI Melanie Wimmer als Geisel genommen hat. Und wir schicken die KI nur dahin zurück, wo sie herkam. Aber mann, hey, der ist echt kirre. Wird in den Schatten nicht lange leben.
Wir gingen durch die Tür nach draußen in einen Gang. Anscheinend gab es hier Bewegungsmelder, denn das Licht ging an. Auch fensterlos. Vermutlich Keller. Ich machs kurz: Wir waren auf dem Turf der "Goblinized Spikes" und die beiden Orks, die wir trafen, schuldeten Jolene noch einen Gefallen. So kamen wir aus dem Keller des St. Katharinen-Krankenhauses. Nagato brachte mich noch zu meinem Hobel zurück. Irgendjemand hatte mein Vorderrad abmontiert und mit der Diebstahlsicherung ganz oben an der Laterne aufgehängt...

Mit Taxi und meinem kaputten Hobel nach Hause. Doc Kleinschmiedt angerufen. AB. Erst mal pennen. Termin beim Doc gemacht. Vorher bei "Fix, Flott  Fly" vorbei. Rad reparieren lassen, gleich noch nen neuen Außenspiegel mit Spirale um die Halterung gekauft. Danach zum Doc, Medis, also Schlafmittel für Melanie besorgt. Die "Apotheke", also der Kiosk, der sowas unter der Hand verscheuerte, legte noch ein Päckchen Taschentücher drauf. In verschiedenen Aldi-Reals kaufte ich noch für 500 EU selbsterhitzende Nudelsuppen zusammen. Für Jolene. Einfach weil sie geholfen hat.

Nagato wieder am Link. Lunic will mich sprechen. Im Hirsch an der roten Meile. Rote Meile war ein Abschnitt der Offenbacher Landstraße. Noch nicht im Block, aber wohl auch kein Gang-Gebiet mehr. Der Hirsch war ein Restaurant dort. Lunic ludt uns zum Essen ein und wollte mich abklopfen. Melanie war wohl einige Stunden klar bis alles wieder langsam anfing. Für meine Hilfe bei ihr will er mich tatsächlich zu meinem Ziel in Oberrad bringen. Mit Schutz, weil Ghul-Gebiet. (Wow, da häte ich Nagato wohl in den Tod geschickt...). Ich muss nur eine Hardware-Kiste besorgen...

Nagato rief mich an. Lunic hätte wohl alles vorbereitet. Also wieder mit dem Hobel zum Heimstadion der Frankfurt Massakers. Hobel wieder abgeschlossen (Die Diebstahlsicherung hat jetzt vier Ziffern!). Mit Nagato wieder rein. Die Goblinized Spikes kannten mich schon. Am Treffpunkt ein zusammengeflickter Jeep. Zwei Orks mit Sturmgewehren.
"Lunic hat gemeint, du hast was zu tun?" Er wies auf den Rücksitz. "Dann gehen wirs mal an."
Komische Leute. Fragen nicht nach Geld. Anscheinend war das von Lunic schon abgedeckt. Seine Hardware-Kiste hatte ich auf jeden Fall dabei. Wir fuhren immer weiter in den Süden von Oberrad und kamen an eine mannshohe (also normhohe) Steinmauer. Sie öffneten ein doppelflügliches metallenes Gittertor. Es quietschte laut. Dahinter ein verwucherter Garten. Immer wieder Steine dazwischen. Wir fuhren bis zum Geo-Ping im Süd-Osten.
"Irgendwo hier muss  es sein." Ich suchte den Boden spiralförmig vom Punkt aus ab. Da! Unter einem Busch eine leicht leuchtende rote Plastik-Libelle in einem quadradischen Stein eingelassen. Ein kleines Solarpaneel daneben. In der AR war zu lesen: "Libelle -Warrior Prinzess, 204x-2066". Libelle, das erinnert mich doch an irgendwas... Genau! Die Persona in der Matrix stellte sich doch als Libelle vor. Treffer!
Ich legte meine Hand auf die Libelle. Die Codes waren uralt. Sie verlangsamten mich massiv. Dennoch konnte ich die Plastiklibelle meinem Willen unterwerfen. War nicht viel. Textdatei mit dem ausgestrahlten Text, Energieversorgung durch Solarpaneel. Aber eine Leitung ging von dort weg. Durch die Leitung zog noch irgendetwas anderes Saft. Anscheinend sammelt etwas Energie, um immer wieder eine Nachricht zu senden. Ich folgte der Leitung und kam an eine Schnittstelle in einen Bereich, der noch älter war. So alt, dass meine Persona dort nicht mehr laufen würde. Nagato sah mir interessiert zu.
"Pass auf, nach dieser Form hast du mich gefragt." Ich nutzte FAQ, um alles über das Gerät hinter dieser Schnittstelle zu erfahren. Es war ein uraltes Deck mit dem Namen "Fairlight", das zentraler Punkt eines Netzwerks war. Es war durch die Jahre unregelmäßig aktiv, im Sommer regelmäßig aktiver als im Winter. Wenn es genug Energie gesammelt hat, schickt es ein Signal raus. Nächstes Signal dauert allerdings noch ein paar Tage. Weiter waren auf dem Deck zwei völlig veraltete Hacking-Programme (heute völlig nutzlos), ein Kamera-Feed (schwarzes Bild), Musik (Elektro aus England aus den späten 50ern - grüne Mucke!) und eine Systemmap (Cyberaugen und -ohren, Memory, mehrere Datenbuchsen und eine Ares Predator II). Wir gingen raus.
Draußen standen die beiden Orks mit ihren Sturmgewehren rum und hielten Ausschau. Nach Ghulen. Mir lief es eiskalt den Rücken runter. Bilder kamen wieder hoch, wie meine Mutter von Ghulen... Nein! Ich schob die Bilder weg. Mit meinen Händen schob ich den Kies um den kleinen quadratischen Stein mit der Plastik-Libelle weg. Darunter eine massive Steinplatte.
"Ich glaube hinter der Mauer da muss es einen Eingang geben." Ich sah die beiden Orks an, während ich auf die Steinmauer zeigte.
Nagato lachte. "Ich glaube, das ist die Außenmauer." Die beiden Orks stimmten zu.
"Ich kann dir die Platte rausziehen, könnt halt kaputt gehn." Einer der Orks sah mich an. Gesagt getan. Darunter eine abgerissene Leitung und Erde.
"Hast du Werkzeug dabei?" Die Orks sahen mich grinsend an.
"Äh, ne, nur ne Hardware-Kiste. Das war mit Lunic so abgemacht."
"Jeder n Fuffi und wir graben ihn dir aus."
Gesagt, getan. Kurze Zeit später hielt ich einen Cyberschädel in der Hand mit schillernden Augen darin. Cyberware. Die Buchsen darin waren teilweise viel zu klein für die Schädelgröße. Ich tippte auf ein Konzern-Experiment, Nagato auf einen Propeller-Daddy, der das komplette Leben seines Kindes auf SIm-Sin aufzeichnete.
"Brauchst du noch mehr?" Ich nickte den beiden Orks zu. Ein eingedrücktes, feuchtes Cyberdeck. Also zumindest das Gehäuse und eine Pistole. Blitzartig schoss es mir in den Kopf. "Die ersten Matrixstämme... sie formierten sich doch aus Otakus und das waren doch alles Kinder..."
"Wir sollten dringend los. Wird bald dunkel und auf Ghule kann ich verzichten." Der Ork sagte das in einer Gelassenheit.... Also alles zusammenpacken, Plastik-Libelle und Solarpaneel noch drauf und nix wie weg hier... Den Orks gab ich noch ein paar Bierchen aus. Hatten sie verdient.
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« Letzte Änderung: 09. März 2021, 17:14:32 von Olf »
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  • 27. Januar 2021, 08:44:26
Re: Alles ist einmal vorbei - oder doch nicht?
« Antwort #18 am: 27. Januar 2021, 08:44:26 »

7even - magische Göre, die auf Karl Kombatmage Comics steht
Bembel - Troll, Streetsam und Rigger. Biegt sich über Religion und eingebildete KFS die Welt zurecht.
Chengi - keine Ahnung, was das ist. Sieht ständig anders aus
Drag - elfischer Schamane mit Dönervogel. Anderes Gesicht, gleicher Straßenname.
Nagato - Asiatische Gesichtszüge. Macht "irgendwas mit Matrix"
Sven - formerly known as Jens formerly known as Sven. Scharfschütze mit schweineschnellen Reflexen.



Darm Stadt
31.a
Zurück in Frankfurt war ich zunächst mit Wohnungssuche beschäftigt. Wenn man für einen Bulldog und einen Dodge Goliath eine Garage braucht, wirds echt etwas teurer. Aber im schönen verschlafenen Obertshausen fand ich ein Haus mit großer Doppelgarage.
Erster Anruf geht an 2-Take. Er muss wissen, dass ich wieder am Start bin.
Nächster Anruf geht an 7even. Klingeln. Sie nimmt ab. "Äh, ja, wer da?"
"Und? Wie schauts?"
"Äh, wer bistn du?"
"Bembel. Das Jahr ist vorbei." Pause. Geräusche im Hintergrund. "Kannst du gerade reden?"
"Naja, bin bei einer Freundin und..."
"Ich ruf nich an, um small-talk zu machen. Willst du raus? Ja oder nein." Schroff abgewürgt. Ist eh ne Barbie. Eine Erinnerung kommt hoch, wie sie versuchte, sich über das Dach in Oberrad an mich anzuschleichen. Vor allem an den Schock in ihren Augen, als ich in die Dachrinne ein paar Zentimeter neben sie geschossen hatte.
"Ja."  Jetzt war ich sprachlos. "Klar, hab ich voll Bock drauf."
"Wo und wann soll ich dich abholen?"
"Ähm, demnächst habe ich frei. Ich ruf dich nochmal an."
"24 Stunden."
"Was?"
"Du hast 24 Stunden, dann gibts diese Nummer nicht mehr."
"Äh, ok."
Verfraggter Drek! Barbie-Girl will Runner werden. Auf der anderen Seite... Drag will sich auch Urlaub nehmen und irgendeine magische Unterstützung braucht man. Mal schaun, wie lange sie durchhält.
Am nächsten Tag ein Anruf. Tatsächlich 7even. "Du, ich komme morgen um 14.00 Uhr Frankfurt HBF an. Kannst mich abholen."
"Klar."
Am nächsten Morgen ein neuer Anruf. Drag. "Äh, ich bins, Bembel. Ähm, also ich hab nen Job. Hast du die Nummer von Echo?"
"Wer zur Hölle ist Echo?"
"Ah, achso, den kennst du noch gar nicht. Welche Nummern hast du denn noch?"
"Naja, deine, Goliaths..."
"...ist untergetaucht..."
"...Jens, Artyon..."
"... nicht mehr da..."
"...Walt..."
"...vermutlich tot..."
"...Proff..."
"...auch nicht mehr da...."
"...eh, willst du mich verarschen? Die eine Hälfte ist tot, die zweite ist untergetaucht und die dritte kenne ich nicht. Was soll denn der ganze Scheiß?"
"So sind die Schatten."
Da war er wieder. Drag, der Profi. Kein äh oder hm. Einfach nur ne Kelle in die Fresse. "Gut, außer Sven und dir..."
"...ich bin nicht dabei..."
Ich atme tief durch. "...kenne ich nur noch einen Neuling. Segelt heute ein. Erinnerst du dich an 7even?"
"Hä? 7even?"
"Grillparty Nudelsalat Einbrechergöre magisch?"
"Ah, die 7even. Also, pass auf. Ich treibe noch ein paar Leute auf. Chenji ...."
"Chenji?"
"... die hats sozial voll drauf. Aber wir brauchen dringend jemanden für die Matrix. Pass suf. Ich ruf durch und gebe dir die Nummern. Ihr müsst zusammen um 17.00 Uhr in diesen Matrixraum kommen." Ein Link traf ein. Jetzt macht Drag schon mit Tech rum. Was passiert als nächstes? Ich kann nur den Kopf schütteln.
Ich will gerade Jens anrufen, da klingelt das Komm. "Echo hat keine Zeit. Aber er kennt einen, der könnte so Matrix-Sachen. Kann ich dem deine Nummer geben?"
"Klar. Aber schicke jetzt nicht jeden zu mir, gib ihnen einfach diese Korrdinaten." Warten. Klingeln.
"Hallo. Es heißt, es gibt einen Job.. Du bist... Bembel?" Junge Männerstimme. Kein Bild.
"Ja. Und du bist?" Bild schaltet sich zu. Ein junger Mann, leicht asiatische Züge.
"Nagato."
"Alles klar. Wir treffen uns um 17.00 Uhr an folgenden Koordinaten." Ich schicke die Koordinaten vom Treffpunkt. Parkplatz mitten im Taunus. Am Altkönig nähe Oberursel. Zur Not baller ich die alle ab und es gibt keine Zeugen. Für meinen Geschmack kenne ich zu viele Leute nicht...
Irgendwas war noch. Na klar! 7even abholen!
Kiddy ins Schmuggelfach vom Bulldog gepackt, genauso einige Ersatzmags. Rucksack mit den üblichen Sachen. Fertig. Was eine Hektik auf einmal.
Ab an den Bahnhof. 7even vom Bahnsteig abgeholt. Die labert in einer Tour. Meine Güte. War ja die ersten 3 Minuten amüsant, aber jetzt... /even doziert gerade über Karl Kombat Mage als ich mir schnell ein paar Pizzen und ne Trage Cola reservieren lasse. Natürlich bei Aldi-Real. Ich geh nochmal durch. Sechs für mich, eine für 7even, eine für Nagato, eine für diese Chenji und eine für ...Sven! Kacke! Sven! Ich hab den Anruf voll verpennt! Ich schmeiße die Pizzen und die Cola in den Kofferraum und lasse meine Riggersteuerung über mein "echtes" Kommlink Sven anrufen.
"Ja, hi Bembel."
"Sven, gibt n Job. 17.00 Uhr. Folgende Koordinaten. Schaffst du das?"
"Wird knapp. Mach mich auf den Weg."
"Alles klar."
Verdammt, hätte fast den einzigen vergessen, dem ich so etwas ähnliches wie trauen kann. Wesentlich besser gelaunt, unterbreche ich 7even einfach. Entweder stört es sie gar nicht, dass ich nicht zuhöre oder es juckt sie einfach nicht. Vielleicht sollte ich sie abknallen. Auf der anderen Seite: magische Unterstützung.
"Sag mal. hast du den Typen ausgenommen, mit dem du vor nem Jahr zusammen warst?"
"Äh, den habe ihn abgeschossen."
"Ah, klar, hast ihn umgelegt."
Sie sieht mich an. "Ich... habe mit ihm Schluss gemacht..."
"Oh, äh, sorry. Berufskrankheit." Zumindest blättert sie jetzt in ihrem Comic rum. Von diesem Karl Kombat Mage. Was n Drek!
Als wir auf dem Parkplatz am Altkönig ankommen, ist der leer. Klar. Januar. Scheißwetter. Irgendwann kommt ein kleines schniekes Auto und eine gut aussehende Asia-Tussi stellt sich daneben. Jung wie 7even, aber mit Panzerjacke und Wumme. 7even labert mich in einer Tour zu. Ich knall sie ab. Irgendwann. Ich öffne das Geheimfach. So ist der Zugriff auf Kiddy schneller, falls was schief geht hier. 7even hat aufgehört zu reden und schaut mich an. Sie erwartet wohl eine Antwort.
"Was?"
"Ob die da drüben zu uns gehört?" Mann, aufgeregt wie ein kleines Kind.
"Auf jeden Fall ist die vom Fach. Zur Not müssen wir sie abknallen." Könnte aber auch diese Chengi sein.
Ein Taxi rollt auf den Parkplatz. Nagato steigt aus, hebt grüßend die Hand und kommt auf uns zu.
"Ne Cola?" begrüße ich ihn und greife in den Kofferraum neben das Geheimfach. Gebe 7even auch eine und gönn mir auch mal was.
"Die da drüben schmeißt ständig Bälle in den Wald." Nagato nickt auf die Tussi am schicken Flitzer. Ich sehe nichts und schaue ihn fragend an. "AR. Pokemon. Ist n Game." Achso. Wen interessierts?
Kurz vor fünf kommt sie rüber. Sie schaut mich an. "Bist du Bembel?" Ich nicke.
"Cola?"
Um fünf kommt ein Tuckern immer näher. Also nicht ein einziges Tuckern, sondern  eine ganze Schlange an Schleppern. Die Traktoren zogen auch noch Wägen mit Spruchbändern drauf. Anscheinend Bauern, die demostrieren wollen. Oder von da kommen. Was weiß ich. Als nach ner gefühlten halben Stunde die ganzen Trecker durch waren, fährt direkt hinter dem letzten Wagen ein Motorrad auf den Parkplatz und hält bei uns. Ist inzwischen 5 nach 5. Jens. Nein. Der heißt wieder Sven. Wegen... der hieß in Berlin nur Jens wegen seiner SIN, die er benutzt hat. Also Leute. Da soll man nicht durchdrehn...
"Also gut. Wir sind etwas spät. Trotzdem sollten wir kurz Nummern für den Run tauschen und uns kurz vorstellen. Also, ich bin Bembel. Rigger und Sam."
"Nagato. Matrix"
"Chengi. Infiltration."
"Sven. Äh, ich kann schießen und so..."
"Also ich bin Sonja Weimer und studiere Alchemie und..."
"Schnauze!!!" schreie ich sie an. "Du bist 7even. Magie." Sie schnappt sofort ein. Ich flüstere weiter "Du kennst diese ganzen Leute nicht, die könnten dich wegen deiner Jacke abknallen oder so. Hast du n Kommlink?"
"Klar."
"Dein echtes?" Sie nickt. Ich rolle die Augen.
"Hier, haste n Wegwerf-Link."
Von der Seite flüstert Chengi rein. "Kann ich irgendwie helfen?" Alle lachen.
Ich schaue etwas irritiert in die Runde. "Also gut, tauschen wir Nummern aus. Dann gehts zum Schmidt."
Nagato machte die Vorhut. Er führte uns zu einem Host, der aussah wie ein uraltes Haus. Kaum waren wir drin, erschien auch schon der Schmidt. Sah aus, wie eine Mangacomic-Figur.
"Sind Sie vollständig?" Wir bejahten. "Gut, hier sind die..."
"Haaalt!. Worum gehts überhaupt und was springt bei raus?" Ich musste ihn stoppen bevor wir alles wissen und nicht mehr zurück können. Aber zu spät. Die Daten lagen vor uns. Aber die vielen Nullen ließen uns verstummen.
"Sie können hier alles sehen. Wenn sie den Job erledigt haben, nutzen sie das Passwort aus der Datei für diesen Raum hier. Ich werde das Passwort nun ändern. Klack, klack, klack. Man sah schwere Metall-Rollläden schließen. Ich hatte schon Angst, eingeschlossen zu sein. Die anderen schauten bereits auf die Daten. Ich sah Nagato an. Für ihn schien alles grün zu sein.
Also gut.
Daten des Auftraggebers
Wir benötigen dringend folgenden Datensatz:
Ordner: Objekt 18 Aurum 1
Der Datensatz enthält 3 verschlüsselte Dateien:
123456789, 987654321 und 111222333


Wir gehen davon aus dass der Datensatz sich in der Nähe dieser Position befindet:
49°53'09.4"N 8°38'55.0"E

Der Datensatz muss vor Ort kopiert und bestenfalls gelöscht werden.
Wir gehen davon aus dass den Angreifern es bisher nicht gelungen ist den Datensatz zu entschlüsseln.

Übergabe der Daten/Bezahlung im folgendem Chatraum:
HeimatADL1elf
Zugangscode 32114

Bezahlung:
Datensatz kopiert und übergeben innerhalb von 7 Tagen: 200000€
Datensatz kopiert und übergeben innerhalb von 14 Tagen: 100000€

Bonus: Datensatz vor Ort gelöscht: 100000€

Rückfragen nur über o.a. Chatraum
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Wir einigten uns noch auf eine exakte Endzeit. Die sieben Tage laufen ab am 26.01. um 24.00 Uhr. Wir verließen das alte Haus.
Zurück auf dem Parkplatz meinte jemand direkt, dass die Koordinaten in Darmstadt wären. Sensfelder Weg. Ein großes Brachgelände, das als Parkplatz genutzt wird. Gleich neben einem Gasturbinenkraftwerk.
"Wollen wir nicht woanders hingehen?" Jens...Sven nahm meinen Gedanken vorweg.
"Hier in der Nähe ist eine alte Hütte im Wald, in der ich mich schon öfter versteckt habe", meinte 7even.
"Die Hütte befindet sich 500m in diese Richtung", sagte Chengi mit Blick auf ihr Komm.
Wir fuhren langsam einen überwucherten Weg rein. Ich ließ ein paar Krabbler bei den Fahrzeugen. Man weiß nie. 7even konnte tatsächlich in den Astralraum gehen und kam zurück. "Also da drin ist voll viel, Ratten und Pflanzen und..."
"...Menschen?" fuhr ich dazwischen?
"Äh, nein."
"Gut, gehen wir."
Wir verteilten erst einmal Pizza und Cola und Nagato suchte was in der Matrix. Dauerte nur. Chengi schmiss sich irgendwie an 7even ran. Die machte das wohl über Komm. Immer mal kam Nagato mit einem Schnipselchen vom Darmstädter Boten an.
2012 "Baugenehmigung Gasturbinenkraftwerk" Artikel war wohl gelöscht.
2024 "Bürgerinitiative gegen Energiezentrale" Artikel war wohl auch gelöscht.
Ich musste mal scheißen. Klar. Klopapier. "Hey, 7even, kann ich das Comic mal haben?"
"Hey, ich wusste es doch, du stehst auch voll auf KKM!" Begeistert gab sie mir ihr Heft.
"Logo. Ich les es aufm Klo."
Als ich mein Geschäft erledigt hatte, riss ich das letzte Blatt raus und wischte mir den Arsch ab.
"Danke 7even." Mit dem Blick eines Hündchens nahm sie ihr Heft zurück.
"Will noch wer Pizza?" Die Zeit, die Nagato für die Suche brauchte, zog sich.
2030 Bürgerinitiative klagt über Wasserverbrauch, Artikel gelöscht.
Nachdem es jetzt schon auf Mitternacht zugeht, schlafen wir erstmal und sehen uns das Ganze morgen in Darmstadt an. Sven ließ ich am HBF raus. 7even wollte nach Niederursel.
"Hast du überhaupt was zum Pennen?" Ich sah sie an.
"Äh, du wohnst doch da, oder?"
Ich lachte. "Schon lange nicht mehr. Außerdem ist das Haus in die Luft geflogen." Sie schluckte. Zeitgleich rief ich Dawson an. Oder besser Mordequai Square, wie er sich gerne nannte und machte für 7even bis Monatsende eine Unterkunft klar.
"Da kannst du pennen. Im nächsten Monat musst du dir was suchen."
"Äh, danke. Äh."
"Ich hol dich morgen ab."
Auf dem Weg in mein neues Domizil dachte ich über 7even nach. An Begeisterung fehlts ja nicht. Keine Ahnung, was in diesem KKM-Drek drin steht, scheint aber größtenteils Drek zu sein. Ich hoffe mal, sie merkt, wie der Hase läuft, bevor sie umgelegt wird.

31.b
Am Morgen holte ich 7even und Nagato ab. Unterwegs beobachtete ich Nagato über die Innensensoren. Jung. Kann nicht älter sein als 7even. Vielleicht 18.
"Sag mal Nagato, wie lange machst du das schon?"
Irritiert sah er mich an. "Was meinst du genau?"
"Wie lange bist du schon in den Schatten?"
"Ist mein zweiter Run."
"Hast du einen Mikrotransceiver?"
"Einen..öh...nö."
Ich sah 7even an und wusste die Antwort schon. Einmal tief durchatmen und im nächsten Aldi-Real zwei Microtranceiver reserviert. Schnell rausgefahren. Fertig.
In Darmstadt erst mal zum Burger King auf den Parkplatz. Lag günstig an Sensfelderweg, Pallaswiesenstraße und Kasinostraße. Nur paar hundert Meter südlich unseres Ziels.
Nagato legte sich hin und war weg. 7even sah sich schon mal astral um. Machte wohl vor dem Gastturbinenkraftwerk einige magisch geschützte Areale aus. Verdächtig. Die anderen meldeten sich auch. Sven und Chengi wollten direkt hoch. Ich habe noch mitbekommen, wie die beiden aus- bzw abstiegen, aber die sahen beide völlig anders aus und waren sehr schnell verschwunden. Auch 7even sah von einem Augenblick zum anderen völlig anders aus. Ich ließ eine SpyFly steigen und blieb an ihr dran.
Den Sensfelderweg hoch kam 7even an einem Trailerpark vorbei und wurde von ein paar Nutten angequatscht. Wie auch jede Menge anderer Sararis und Blaumänner, die hier unterwegs waren. Über Mikrotransceiver bekam ich mit, dass irgendjemanden jemand aufgefallen wäre, weil er quasi aus dem Nichts bei den magisch abgeschirmten Gebäuden mit den drei Tanks aufgetaucht wäre. Nagato hatte schnell einiges zusammen.Sein Name war Hans Jürgen Schnitzer und er ist angestellt in der Matrix-Abteilung von ENTEGA. Machen Energie und Müll für Darmstadt. Sven hängt sich an ihn dran. Anscheinend will er zur nächsten Haltestelle.
In der Zwischenzeit sahen sich 7even und Chengi das Gelände, auf dem der Ping war, genauer an. Brachland. Chengi ging mal zwischen die runden hohen Tanks "strullern" und befestigte dort mit einem Kaugummi eine Kamera. So hatten wir schon einmal die beiden Türen der beiden Container im Auge. Ich setzte noch einige Spy-Flies auf Türme und Container, damit wir auch den Rest im Blick haben.

31.c
Am nächsten morgen waren wir zurück in Darmstadt. Zu unserem Schrecken war Chengis Kaugummi-Cam weg. Zum Glück waren meine Flies noch da. Ich lade das Material runter, das wir uns im Schnelldurchgang anschauen:
22.00 - 23.00 Uhr: mehrere Personen gehen immer wieder den Trampelpfad am Gasturbinenkraftwerk vorbei.
0.00 - 0.20 Uhr: Ein Troll kommt mit einem Sack auf der Schulter aus dem Container und geht in den weißen Container. Danach läuft er mit seinem Deck herum und findet Chengis Kaugummi-Cam. Vielleicht sind meine Flies auch aufgeflogen - habe ja keinen Schleicher drin - aber er lässt sich weiter nichts anmerken.
04.18 Uhr: Eine Elfin verlässt den Container und geht den Trampelpfad Richtung Frankfurter Straße
05.15 Uhr Eine Normfrau kommt aus dem Container, geht am weißen Container vorbei Richtung Sennfelderweg
Nagato war ewig in der Matrix. Chengi und 7even unterhielten sich über Messer, Mode und modische Messer. Schnickschnack. Geht nichts über Mortimer of London und das gute alte Kampfmesser. Gerne auch mit aufgetragener Silberlegierung oder meine Spezialanfertigung aus Holz (ob die wirklich gegen Vampire hilft?). Oder auch ein Überlebensmesser wie die zwei aus meinen Stiefeln. Immer gut in der Wildnis mit Kompass, Angelschnur mit -haken und ein paar Tabletten zur Wasseraufbereitung.
Nagato kam zurück mit einem Namen. Die Elfin heißt Nele Gatowitsch.

31.d
Im Moment sind also drei draußen und einer, nämlich der Troll, ist drin. Dummerweise hat Sven keine Waffen dabei, sonst könnten wir stürmen. Sven rauscht also mit seinem Motorrad zurück nach Frankfurt, um seine Ausrüstung zu holen. Wir anderen fahren mal bei Hans-Jürgen Schnitzer in der Heinrich-Str. 41 hier in Darmstadt vorbei. 7even schaut mal raus, will was rausfinden. Ich statte sie vorsichtshalber mit einer Cam aus. Sicher ist sicher. Sie geht um die Ecke, nkniet sich hin, um was an den Schuhen zu pfriemeln und kommt dann zurück. Er scheint da zu sein. Warum immer sie das jetzt weiß. Ich kenn das nur, dass die Magier immer pennen, um so was rauszufinden.
Dann gingen wir einen Plan durch, wie wir reinkommen. Dummerweise ist es Sven, der bei uns die Schlösser knackt. Also ruf ich ihn mal an. Er meldet sich. "Hi, bin schon auf dem Rückweg. Wo seid ihr?"
"Ähm, hast du dein Einbruchwerkzeug auch dabei?"
"Nö. Müsst ich nochmal zurück fahren."
"Dann tu das. Hier noch der Ping, da stehen wir gerade."
"Ok."
Als Sven da war, gings los. Ums Eck an die Haustür. Sven nimmt das Gehäuse ab und verdrahtet das Magschloss neu. Beim wieder draufschrauben vom Gehäuse helfe ich mit etwas Sprühkleber nach. Neben der Tür ein Schild. "Matrix-Sicherheit-Beratung Schnitzer".
Drin im EG sein Büro. 7even meint, er würde im zweiten Stock wohnen. Ich schleiche also voran. Eine Kamera im EG sprühe ich mit Kleber voll. Im ersten Stock hinter einer Tür Kindergeschrei. Klar, ist halb sieben. Im zweiten Stock Duschgeräusche bei Schnitzer. "Könnt nachkommen, keine Kameras." Wobei das eigentlich egal war, wir waren sowieso verkleidet.
Als sie ankommen, kümmert sich diesmal Nagato um die Türe. Ich höre von drin Garderobengeklapper und mache mich bereit. Als sich die Türe öffnet, nehme ich die Person in der Tür in einen Festhaltegriff. Dabei flüstere ich in sein Ohr "Ein Mucks und ich mach dich kalt!"
Ich fessle ihn mit ein Paar Plasikschellen. "Wenn du unsere Fragen beantwortest, kannst du nachher gehen."
"Äh, soll ich jetzt etwas sagen oder meinen Mund halten?"
Was ist das für ein sturer Bock. Ich ziehe mein Kampfmesser, "Soll ich dir nen Fingerabschneiden oder deine Eier?"
"Du könntest ihn auch aus dem Fenster werfen." Sven. Hat doch Humor. Guter Mann.
"Nö, kriegn zu viele Nachbarn mit."
7even kann tatsächlich erkennen, ob jemand die Wahrheit sagt. Und die ist folgende: Der Typ arbeitet gar nicht da unten, sondern im Kraftwerk. Da unten sind Leute, die nennen sich "Allianz der freien Information" und man kann sogar als Besucher runter. Wenn man was Dummes macht, verlässt man den Keller halt über einen Schornstein. Anscheinend sind da unten viele Leute. "Die Besten", wie er sagt. Aber kostenlos. Aha.
Dummerweise war das nicht so das, was wir erwartet hatten...

31.e
"Das...muss sich alles um ein fürchterliches ... Missverständnis handeln." Ich sah Hans Jürgen an als ich ihm die Plastikschellen mit meinem Kampfmesser aufschnitt. "Übrigens, das Magschloss an der Haustüre ist etwas lädiert."
"Oh, haben die Kinder wieder einen Streich gespielt. Dann werde ich das wohl meiner Versicherung melden." Guter Mann.
Wir verließen das Haus, auf dem Weg nach unten machte ich noch die Kamera im Eingangsflur wieder sauber. Herr Schnitzer holte sein Auto aus der Garage und fuhr los, während wir zum Bulldog zurückkehrten. Also, auf zurück, die Allianz der freien Information besuchen. Parkplatz diesmal am Nordbahnhof.
7even und Chenji gingen rein. Chengi nahm das Aussehen von Nele Gatowitsch an. /even war sie selbst. Ich gab ihr eine Minicam mit, die sie zwischen Halstuch und Revers festmachte. Sie gingen dorthin, öffneten die Tür zum Container und darin war ein Raum mit glatten, metallenen Wänden. Als sich die Türe schloss, brach die Verbindung ab.
Wir warteten also im Bulldog bis sie zurück kamen. Das waren so 30 Minuten. Sie haben oben im Container eine Spalte im Boden gefunden, womit man eine Luke im Boden öffnen konnte. Da geht es dann eine Treppe runter und einen Gang entlang. Am Ende irgendwelche runden Mechanismen in der Wand mit Zahlen. Und ein Knopf für Besucher. Dann erscheint ein Erdgeist und fragt, wo du hin willst. Da muss man sagen AdfI (Allianz der freien Information). Dann geht eine Tür auf. Dahinter vier Troll-Wachen in Ganzkörper-Panzerungen, der Troll-Decker und eine elfische Magierin namens Psi. Die hat wohl Nele gekannt und hat Chengi enttarnt. Sie wurden wohl einfach rausgeworfen...
Als nächstes verkleidete sich Sven und ging runter. Nach einigen Stunden kam er wieder heraus. Er wurde in den Besucherraum geleitet. Anscheinend eine Art riesige Matrix-Bibliothek.
Jetzt schaut Nagato runter. Mal schauen, ob er die Dateien findet. Aber leider ist der Member und der VIP-Bereich für Besucher nicht zugänglich (Macht wohl nur in der Matrix einen Unterschied. Ich gebe ihm mal den Untergrund-Plan von den Pariser Katakomben mit. Vielleicht kann er sich bei diesem "Gamma", dem Chef da unten damit reinkaufen oder so etwas.

31.f
Nagato ist dann runter mit der Karte vom Pariser Untergrund, also den alten Katakomben. Will sich damit die Mitgliedschaft kaufen. Kostet sonst 50k.Sie überprüfen das gerade.

31.g
Nagato ist mit Sven zusammen am nächsten Tag wieder runter. Als sie nach zwei Stunden wieder kamen, erfuhren wir, dass Nagato jetzt Mitglied ist. Leider waren die Daten auch als Mitglied nicht zu finden... irgendwie war das klar. Drek.
Wir stritten uns durch verschiedene Möglichkeiten. Stürmen ist hoch riskant. Wir hätten vier Troggys in Kampfanzügen gegen uns, eine Magierin mit mindesten einem Erdgeist und jede Menge Decker. Ich dachte noch über die Möglichkeit von IR-Rauchgranaten nach, aber damit schließe ich auch meine eigene Truppe aus.
Interessant war auch die Idee, sich einen VIP bzw Premium Member zu schnappen und zu erpressen. Aber dann müssten wir auch offenbaren, was wir wollen. Der geht dann runter, verschanzt sich und holt die Daten am Ende aus dem System, so dass wir sie auch noch auf gefühlt hunterttausenden Datenträgern suchen müssten. Außerdem würde da drin - so wir reinkommen - beim Kampf einiges kaputt gehen. Am Ende auch noch die gesuchten Daten.
Also blieb nur eins: Wir brauchen 100k. Sven hatte einen guten Einwand. Was, wenn wir die 100k zahlen und dann sind die Daten trotzdem nicht da? Nicht von der Hand zu weisen. Wir beschlossen, unseren Auftraggeber zu kontaktieren. Soll er die 100k stemmen.
Wir gingen also in die Matrix. Das Betreten des Raumes schien unseren Auftraggeber direkt zu benachrichtigen, denn er erschien umgehend.
"Das ging aber schnell. Ihr habt die Daten?"
Chengi sah ihn an. "Nicht direkt. Die Daten sind noch hinter einer Paywall."
"Einer zweiten Paywall, die erste haben wir schon", fügte ich hinzu.
"Ich hätte gleich richtige Runner anheuern sollen. Habt ihr überhaupt irgendetwas versucht?"
Sven zählte auf: "Stürmen wird mehr als schwierig und Bestechung oder Erpressung wird nicht funktionieren."
"...und deswegen bräuchten wir von Ihnen 100k", beendete Chengi.
"Entweder hat mir mein Kontakt richtige Stümper vermittelt oder einfach richtig dreiste Leute. Wer sagt mir denn, dass ihr mit den 100k nicht einfach türmt?"
"Ohne die 100k können wir den Auftrag nicht erledigen", stellte Chengi in den Raum.
"Und wir hätten die Daten in kürzester Zeit unbeschädigt vorliegen", fügte ich hinzu.
Dann kam ein Monolog von Sven. Im Prinzip fasste er nochmal alles zusammen, aber das in einer Geschwindigkeit und einer Masse an Worten... also mich hat er totgeschwallt. Mit heruntergeklapptem Unterkiefer sah ich ihn an.
"Also gut, ich gebe euch 50k als Vorschuss. Und das nächste Mal besorge ich mir gleich richtige Runner."
"Ich muss sagen, ich habe auch schon professionellere Johnsons erlebt. Nur weil wir gerade beim Austauschen von Komplimenten sind." Drek. Wie oft ging das gut, wenn man sich mit dem Johnson anlegt. Hätte ich nur mein Maul gehalten. Er stieg nicht weiter darauf ein und schob 50k rüber.
Chengi hatte noch 10k und Sven auch. Die restlichen 30 kamen von mir. Alle anderen waren pleite. Wir fuhren bis zum Trampelpfad, so dass wir Nagato auf seinem Weg zu den Containern im Blick haben konnten. Er ging durch die Türe und der Funkkontakt brach wie immer ab.

31.h
Als er nach einer Stunde zurück kam, leuchtete sein Gesicht. "Hab alles."
"Hast du die Originale vernichtet?" Sven sah Nagato erwartungsvoll an.
"Nein, sonst wäre ich nicht mehr lebend rausgekommen. Beta hat mich ständig beobachtet." Ja, die hatten da unten alle so komische Namen wie Psi, Kappa oder so. Die Betreiber.
Ich fuhr also auf den Parkplatz vom Darmstädter Bahnhof Nord, verriegelte die Türen und schaltete die Alarmanlage ein. Chengi folgte uns mit ihrem Flitzer. Wir gingen in die Matrix, um unseren Auftraggeber zu treffen.
"Na, seid ihr gekommen, um wieder zu betteln?"
Schweigen. Dann brach Chengi die Stille. "Nein, wir hätten alles."
"Das nenne ich schnell. Gerade mal zwei Tage. Sind die Originale vernichtet?"
"Ich sagte doch, die Investition würde sich lohnen." Dann sah Chengi zu Nagato. "Nein, ich habe die Originale nicht vernichtet", meinte dieser, "das wäre zu gefährlich gewesen."
"Gut, das sollte uns genügend Vorsprung geben... es sei denn, ihr wollt weiter spielen?!" Die kleine Manga-Sonne sah uns herausfordernd an.
"Nein, danke." Chengi hatte es auf den Punkt gebracht. Sie sah mich an. "Fehlt noch was?"
"Die Bezahlung."
"Achja, selbstverständlich. Ich lege einen Bonus von 10k drauf."
"Für alle oder für jeden?" Ich sah auf 7even runter und lächelte. Die richtige Frage.
"Für die Gruppe selbstverständlich."
So schob Schmitt die fehlenden 160k rüber und wir gaben ihm die Daten.
"Vielen Dank. Es war ein Vergnügen, mit Ihnen zusammenzuarbeiten." Verabschiedete ich mich.
"Das war vielleicht nicht komplett, aber wirklich schnelle Arbeit."
Wir verließen das alte Haus in der Matrix und nach Abzug der Auslagen strich jeder seine 22k ein.
"Das war ja einfach. Und jetzt raus in die Welt und für die Gerechtigkeit kämpfen, yo Chummers!" Chengi sah uns erwartungsvoll an. Voll auf Karl Kombatmage.
"Das nächste mal wirds schwerer, glaub mir", antwortete ich, "und jetzt erst mal einen Saufen gehen. Hätte Bock auf ne Prügelei."  Mit einem hatte 7even Recht. Das war so milky, man hatte nicht das Gefühl, für sein Geld gearbeitet zu haben.
"Also, da hätte ich ne Kneipe mit einem Boxring", eröffnete Chengi...
"...nein, die bringe ich aus Versehen noch um..."
"...und was mit Schlammcatchen...." 7even schüttelte den Kopf "Schlammcatchen... o m g".
"...wie grün, das nehm ich..."
"...ist aber nur Fake, musst di schauspielern..."
"...was n Scheiß, ne, was anderes..."
"...und ne Kneipe, da muss man sich reinprügeln."
"Wie geil. Mach ich."
Ich fuhr Chengis Flitzer hinterher. Kurz vor dem Ziel in Sachsenhausen Süd stieg Sven aus. Wollte schnell sein Scharfschützengewehr zu Hause verstauen und mit dem Motorrad nachkommen. Der wohnt hier wohl in der Nähe.
Wir trafen uns also am "Roundabout" am Wendelsweg. Schnelle Elektromucke schallte uns entgegen. Als wir auf den Eingang zuliefen, sah ich einige Gestalten mit Gang-Farben und Tags am Haus. Die "Ghorr´pt" oder "Prügelknaben" bzw. "Prügler", wenn man das aus Ork´Zet übersetzt. Leidet n bissl. Reine Ork-Gang. Nix großes.
Kommen schon zwei auf uns zu. Einer mit Brille, einer mit blauer Haut. "Wir ham zu."
"Und wir wollen saufen."
"Hörst du schlecht, wir haben zuhu!" Der Typ mit der Brille scheint sich, n bissl leicht aufzuregen.
"Na und? Wir wollen saufen und da vorne is die Kneipe."
"Hey, wir machen erst um 8 auf und jetzt ham wer grade 5. Vor acht hab ich noch nie einen reingelassen!" Der Typ in blau scheint es ernst zu meinen.
"Na und? Dann bring uns das Bier halt raus. Für mich ne Maß."
"Habt ihr Heinecken?" kam es von hinten. Chengi.
"Ich nehm auch eins." Sven.
Der Typ mit der Brille rollt die Augen. "Wir haben zu, verdammt."
"Aber da sind doch Leute drin. Und außerdem macht mal die Mucke lauter." Chengi hat ihren Spaß.
"Und da sind schon Leute drin. Und wir dürfen nich rein oder was?"
"Es gibt halt In-sider und Out-sider." Dabei deutete Brille erst auf sich und dann auf uns.
"Und was muss man machen, um IN-sider zu werden?" Sven betonte das In-sider genauso wie der Ork.
"Musst dir Hauer wachsen lassen."
"Voll witzig." Sven wird sarkastisch.
"Das sind aber niedrige Anforderungen", kam es von Chengi.
Ich schnipste mit den Fingern und deutete auf die beiden. "Ich habs. Ihr seid so ne Nazi-Gang."
"Willst du uns verarschen?"
"Ihr lasst nur Leute rein, die sind wie ihr und alle anderen müssen draußen bleiben. Nazi halt."
"Ne, können alle rein aber erst ab ahacht."
"A propos, wo bleibt mein Bier?" Ich sah Brille an. Der hielt irgendwie über Mikrotransceiver Rücksprache und stampfte auf. "Ihr kriegt euer Dreksbier, kostet aber das Doppelte."
"Und warum ist meine Maß noch nicht da? Ihr wehrt euch echt hart gegen Umsatz, oder?"
"Wir wissen noch nicht mal, was es kostet", lachte Chengi, "woher sollten wir wissen, dass du das Doppelte verlangst."
Brille dackelte davon. Blauhaut stierte uns an. Eindeutig der gefährlichere.
"Schau nich so blöd, sonst gibts aufs Maul."
"Können wir machen, aber gegen dich zu zweit." Er musterte mich von oben bis unten.
"Grün, alles klar."
Wir standen rum und moserten. "Und wann verdammt nochmal kommt endlich mein Bier?"
"Ich habe gehört, ein gutes deutsches Bier dauert 7 Minuten." Chengi wieder.
Dann kam Brille endlich mit dem Tablett und verteilte die Getränke. Ich drückte meine Maß 7even in die Hände und gin mit Schulterkreisen und Knöchelknacken auf die beiden zu, schoss nach vorne und schnappte mir Blauhaut in einen Festhaltegriff.
"He, was machstn da?" Brille sah mich wütend an.
"Ihr seid doch jetzt zu zweit. War doch die Abmachung. Ich gegen zwei von euch."
"Aber nur nach Clubregeln", keuchte Blauhaut in meinem Griff.
"...was...???", stammelte Brille vor sich hin.
"Dann hol halt noch nen dritten, wenn de dir vor Angst in die Hosen scheißt."
"Ne, ne, schon ok", wiegelte Brille ab. Der Blaue übernahm: "Wir gehen da rüber, hinter die Hecke, sind dann nich so viele Zuschauer. Drei von uns schauen noch zu. Wie bei euch. Keine Waffen."
"Und wenn ich euch um hab, machen uns deine Brüder platt, klar."
"Ne, Mann, alles fair."
Wir gingen also zu den Hecken. War ein dichtes Minilabyrinth mit Lichtung. Da waren fünf Orks.
"Klar, voll fair..." Meine Hand ging ans Kampfmesser.
Drei von denen gaben die Waffen den anderen beiden und die gingen. Doch alles grün. Ich gab 7even meine drei Kampfmesser, meine zwei Überlebensmesser und die Browning. Die wusste schon nicht mehr, wohin mit dem ganzen Zeug. Aber die Maß hielt sie tapfer.
Blauhaut hatte ähnlich viele Messer. Nur in klein. Vermutlich wurfzeug. Am Ende schraubte er sogar einen Hauer raus. Brille gab ne Wumme ab.
Ich versuchte wieder, Blauhaut in einen Festhaltegriff zu bekommen, streifte ihn aber nur. Dafür trat er mir in den Rücken. Nicht schlecht, nur bissl wenig Wums. Dem Boxschlag von Brille wich ich aus. Jetzt schnappte ich mir Brille in einen Griff. Blauhaut sprang und wollte einen weiteren Kick ansetzen. Ich brachte Brille zwischen uns und Blauhaut konnte seinen Angriff gerade noch abbrechen.
"Passt doch auf", kam es von den drei Orks. Anscheinend halten sie sich wirklich an ihre Regeln.
Dank meiner schnellen Reflexe hatte ich genügend Zeit, Brille so lange die Luft abzudrücken, dass er ohnmächtig wurde, nur um gleich im Anschluss Blauhaut in einen Griff zu nehmen. Auch er konnte sich nicht herauswinden. Ich drückte ihm die Luft ab.
"Ich geb auf."
Ich ließ ihn los.
"Drek, Chummer, du bist sowas von stark und schnell wie n Blitz."
"Jetzt schleim nich rum. Ich geb drin einen aus."
"Ne, erst bin ich dran", meinte Blauhaut.
So kamen wir doch noch vor acht rein. Blauhaut nannte sich Nebulak. Nach einigem Anstoßen und gegenseitigen Respektsbezeugungen tauschten wir unsere Nummern.
[close]

Drag gab sein Leitungsdebut. Und es war sehr gelungen! Sehr schöne Idee, aus der Shadowhelix die "Allianz der freien Information" zu machen.

« Letzte Änderung: 09. April 2021, 22:22:39 von Olf »
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Olf

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  • 18. März 2021, 11:06:46
Re: Alles ist einmal vorbei - oder doch nicht?
« Antwort #19 am: 18. März 2021, 11:06:46 »

Leider macht der Spieler von 7even aus persönlichen Gründen eine Pause. So sind die Charaktere im Moment Drag, Nagato, Sven und Yina (Chenji).

Jawoll, ein Kaufabenteuer, Ich weiß, ich hatte mal geschrieben, sie dienen mir nur als Inspirationsquelle. Inzwischen habe ich meine Meinung etwas geändert. Es wäre doch zu schade, wenn man Geld ausgibt und die Bücher nur im Regal vor sich hin stauben. Bei der Gelegenheit werde ich die Abenteuer auch besprechen. Dazu hänge ich einen Extraspoiler an.


Kaufabenteuer Grimmes Erwachen: Ring aus Feuer
"...und dieser Drag ist auch wirklich vertrauenswürdig?" Lukas Steltz war unsicher wie schon lange nicht mehr.
"Wenn ich es dir doch sage. Er hat für uns in Boston eine wichtige Ressource geborgen. Und das mitten im Ausbruch. Der weiß, was zu tun ist."
"...und um den zu buchen, rufe ich diesen Schieber an namens...äh..."
"Herr Takeshi. Ja, er wird 10% der Belohnung an Provision verlangen, also lege schon einmal fest, wie viel du ausgeben möchtest."
"...und dieser Drag hat ein Team, sagst du?"
"Er hat zumindest damals in einem festen Team gearbeitet. Ich kann dir aus Erfahrung sagen, dass entbehrliche Ressourcen, die in einem Team arbeiten, ihre Gewohnheit selten wechseln. Aber günstig sind solche Posten nicht."
"Ich habe da nicht so viel Erfahrung wie du. Was bietet man da so an?"
"Hm, bei Nachforschungen, die gut und gerne einige Tage dauern mit unbekannter Schwierigkeit, so mit 20-50 Tausend musst du rechnen. Je nachdem, ob sie nur Informationen einholen sollen oder selbst aktiv werden müssen."
"Wo trifft man solche Leute?"
"Das ist egal. Profis erkundigen sich vorher. in welche Umgebung sie gehen und passen ihre Kleidung an."
"Na gut. Ein Bild habe ich. Danke Dir. Grüße nach Ludwigshafen."
"Grüß mir Heidelberg. Ich vermisse die Kneipen."

Herr Takeshi lächelte. Nicht nur, dass Bembel wieder zurück war, nein, ein Newbie-Schmitt der AGC wollte sein Team. Es darf auch mal gut laufen. Die Sache mit dem BIS machte die Kontaktaufnahme etwas schwierig. Aber dafür hatte er Echo. Soll mal was tun für sein Geld. Eigentlich war er mit Echo voll zufrieden. Muss man aber auch nicht an die große Glocke hängen.
"Guten Tag, Echo. Kannst du mich bitte zurückrufen?" Ein Code für `jetzt wirds illegal, mach die Leitung sicher´. Keine fünf Minuten später kam der Rückruf.
"Habe eine Nachricht für unseren Sprengmeister. Am Besten, du nimmst eine Sprachnachricht auf." Ein ´Peep´ markierte den Beginn. "Hallo, jemand hat dich direkt angefordert. Kennt dich aus Boston. Du sollst morgen um 14.00 Uhr im Alten Hallenbad in Heidelberg sein. War alles irgendwie geheimnisvoll. Nimm noch ein paar Leute mit, er will wohl dein Team."
Einige Sekunden Pause. Dann Echo: "Mann, Chef, da bleiben aber jede Menge Fragen offen."
"Wem sagst du das. Der war sicher kein Profi. Voll nervös. Am Ende will der, dass sie sofort irgendwas machen sollen... Aber egal, sag ihm Bescheid."
"Alles klar, Chef."

Lukas Steltz saß alleine in der Longe des Alten Hallenbades und beobachtete das Treiben an der Bar. Nur einige Pärchen, die sich hier einen Shot nach dem Essen gönnten. Waren sicher vorher im Restaurant im EG.  Oder sie machten sich locker für die ´Horrorshow´, die Körperwelten-Ausstellung im 1.-3. Stock. Am Mittag oder beginnendem Nachmittag war nicht besonders viel los hier im vierten Stock des ehemaligen Bades.
Vier Leute kamen aus dem Aufzug. Der Elf im Anzug sah ganz anders aus als auf dem Foto. Die junge Dame schien tatsächlich zu ihnen zu gehören, obwohl sie eher nach einer Shopping-Queen aussah. Einer hatte einen Mantel an und einer... in Panzerjacke?! Er behielt sie im Auge. Sie gingen an die Bar und bestellten. Nahmen dann ihre Kaffees und setzten sich einfach an seinen Tisch. Drek! Woher wussten sie...?
"Na? So alleine?" Die junge Dame träufelte ihm diese süßen Worte ins Ohr, während sie durchrutschte, um den anderen dreien Platz zu machen. Sie setzten sich alle auf die Ledersofas um den niedrigen Tisch in der Mitte.
"Ich bin verabredet. aber ich glaube, nicht mit Ihnen."
Der Elf übernahm das Wort. "Wir haben hier um 14.00 Uhr eine Verabredung und ich glaube, mit Ihnen."
Also sind sie es doch. Oder es ist eine Falle. "Sie... äh... sehen ganz anders auf als auf dem Bild, das ich von Ihnen habe."
"Ja, das bringt das Leben manchmal so mit sich."
"Wo waren Sie für uns nochmal für uns tätig?"
"In Boston. Vielleicht kann ich Ihnen irgendwie beweisen, dass..."
"Nein, das ist nicht nötig. Ähm, um direkt zur Sache zu kommen. Sie sollen für mich Nachforschungen anstellen. Es geht um eine Person, die jetzt im Koma liegt..."
Panzerjacke übernahm das Wort: "Um wen handelt es sich? Welche Informationen haben..."
"...vielleicht sollten wir erst einmal klären, ob sie den Kontrakt wirklich annehmen. Ich biete Ihnen 20.000 für Informationen über die Personen, die zur fraglichen Zeit mit dem Opfer zusammen waren und noch einmal ...äh bis zu 40.000, wenn Sie zur Genesung beitragen können."
Die junge Dame lächelte ihn an. "Es könnte sein, dass wir Dinge kaufen müssen, Geräte oder Informationen oder...Dram..."
Also gut, sie wollen verhandeln. Nach einigen Sätzen machte er sein letztes Angebot. "Also gut. Ich zahle Ihnen 25.000 für die Informationen und bis zu 50.000 für weitergehende Einsätze. Oder , falls Sie tatsächlich so pleite sind, 10.000 im Voraus, dann bleibt es aber beim ursprünglichen Angebot und der Vorschuss wird verrechnet."
"Gut, dann nehmen wir die bessere Bezahlung. Ist schön, wenn hinten etwas mehr dabei rauskommt." Die Kleine sollte man für den An-und Verkauf anwerben.
"Mir ist auch lieber, ich zahle für Erfolg als Ihnen einfach Geld in die Hand zu geben. Gut... dann gebe ich Ihnen die Informationen." Er übergab einen Chip mit dem Foto von Celina Gruber, seines 15jährigen Patenkindes, seiner Schwester und seines Schwagers.
Mantel übernahm das Wort. "Sollen wir die letzten Kontakte nur suchen oder zu Ihnen bringen?"
"Suchen Sie die letzten Kontakte und dann werden Sie schon wissen, ob sie sie verhören, zum Sternschutz bringen oder zu mir. Wenn es geht, halten Sie sich an die Gesetze."
"Und ich nehme an, wir sollen diskret vorgehen? Oder können wir das offen machen?"
"Also wenn Sie glauben, es würde den Ermittlungen helfen, können Sie das auch Öffentlich verkünden..."
"Wir haben also etwas Ermessensspielraum."
"Ja. Man hat Sie mir als Profis beschrieben. Sie werden schon wissen, was zu tun ist, wenn es notwendig wird."
"Mit welchen Schwierigleiten müssen wir denn rechnen?"
Mit welchen Schwierigkeiten... was soll man auf so etwas schon antworten, wenn man nicht weiß, wohin die Reise führt? "Keine Ahnung. Ich sehe jetzt keine großen..."
"...wenn das so ist, warum machen Sie den Job dann nicht einfach selbst?"
Der Manteltyp wird wirklich aufdringlich. "Weil ich Besseres zu tun habe."
"Ähm, könnten Sie uns vielleicht die Krankenakte besorgen?" Panzerjacke wieder. Von wegen Profis.
"Sagen Sie mal, für was genau zahle ich Ihnen Geld?" Jetzt hatten sie wohl verstanden.
Nach einer Pause nochmal die Panzerjacke. "Ich hoffe, wir dürfen mit den Eltern sprechen, oder..." Er ließ den Satz unvollendet und sah Steltz an.
"Ja... selbstverständlich. Ich werde sie direkt anrufen, um sie anzukündigen."
Als er die Nummer seines Schwagers antippte, schaute er den Leuten kurz nach bis das Gespräch angenommen wurde.

Jonas Gruber suchte sein klingelndes Kommlink. Wieder einmal. Er fand es auf dem Sideboard.
"Hallo Jonas. Sie kommen gleich."
"Danke. Danke für alles."
"Für Dich tue ich das sicher nicht. Aber für meine Schwester und vor allem für Celine."
"Du hast Recht, ich fühle mich doch auch schuldig, weil ich..."
"Du hast eine Entscheidung getroffen und es war die falsche. Komm damit klar." Klick.
Seine Frau, Marie, deckte den Kaffeetisch mit dem feinsten Gedeck, das sie hatten. Am Morgen hatte sie schon einen Kuchen gebacken. Seit dem Verschwinden von Celine hat sie kein Wort mehr mit ihm gesprochen. Aber ihre Blicke machten ihm klar: Du bist Schuld!
Er überbrückte die kaum zu ertragende Zeit mit seiner Frau durch Ausschauen nach dem erwarteten Besuch. Drei Leute stiegen aus einem roten Honda Citizen. Ein Elf im Anzug, eine junge Dame und ein Typ in einem Mantel. Es klingelte und er öffnete die Türe.
"Guten Tag. Kommen Sie doch herein. Da vorne gleich rechts." Im Wohnraum streckte er seinen Arm Richtung gedeckter Essecke. "Bitte nehmen Sie doch Platz."
Marie sah die Besucher und entschuldigte sich sofort, weil ein Gedeck fehlte. Es schienen höfliche Leute zu sein, denn sie versuchten direkt, seine Frau zu beruhigen.
"Kaffee und Kuchen?" Sie sah in die Runde.
"Das wäre doch wirklich nicht nötig gewesen."
Marie führte Punkt für Punkt ihren Plan aus. So wie sie seit Tagen nur noch den gewohnten Tagesablauf aufrecht erhielt. Nach außen. Ihr Mann wollte gar keinen Kuchen, aber sie schaufelte ihm einfach ein Stück auf den Teller.
Der Elf räusperte sich. "Darf ich fragen, gab es die letzten Tage davor irgend etwas Besonderes?"
"Nun ja, Celine ging immer in die Schule und war am Nachmittag in die Musikschule. Wie immer eigentlich."
"Das stimmt doch gar nicht.", schrie Marie ihren Mann an, "Du hast ihr verboten, am Mittwoch die Aufführung zu besuchen und deshalb ist sie einfach weggelaufen. DU BIST SCHULD!" Heulend rannte sie aus dem Zimmer. Die junge Dame folgte ihr.
Nach einer kurzen unangenehmen Stille sah Herr Gruber in die Runde. "Sie hat Recht, es ist ganz alleine meine Schuld." Er stierte auf sein Gedeck mit Kaffee und Kuchen.
"Könnten Sie uns vielleicht die Krankenakte Ihrer Tochter besorgen?" Herr Gruber sah auf, dann nickte er. Kurz suchte er sein Komm, erinnerte sich dann daran, dass es auf dem Sideboard lag. Er tippte auf die Nummer der Klinik und erklärte sein Ansinnen. "Das ist nicht ihr Ernst..." War es doch. Beide Erziehungsberechtigte mussten sich mit einem Fingerabdruck ausweisen. So ging er in die Küche. Er hatte jedesmal eine Mischung aus Schuldgefühlen und Angst, wenn er seiner Frau unter die Augen treten musste.
"Marie, wir bräuchten Deinen Fingerabdruck für die Krankenakte." Fast hatte er befürchtet, sie würde ihm das Komm aus der Hand schlagen, aber die junge Dame hatte offensichtlich einen beruhigenden Einfluss auf sie. Sie wies sich mit ihrem Fingerabdruck aus.
Zurück in der Essecke stellte er die Krankenakte in die AR.

Marie Gruber war es so satt. Sie konnte ihren Mann einfach nicht mehr sehen, ohne gleich vor Wut hochzukochen. Wenn die nette junge Frau nicht hier wäre, hätte sie Jonas schon gesagt, wo er sich seinen Fingerabdruck hinstecken soll.
"Könnte ich mir vielleicht einmal Celines Zimmer anschauen? Das könnte sehr helfen." Die nette junge Frau hatte einen Blick... wie Celine. Marie konnte ihr den Wunsch einfach nicht abschlagen.
"Ja...ja, natürlich. Ich zeige es Ihnen."
Als sie oben die Türe öffnete und die junge Frau das Zimmer betrat, hatte sie ein Gefühl...  sie musste einfach Geschichten aus Celines Leben erzählen. Dinge, die sie gerade sah, erinnerten sie an etwas und es sprudelte nur so aus ihr heraus.
"Hat Celine eigentlich eine beste Freundin?"
"Äh, ja. Naja, zumindest bis letzten Sommer."
"Ist sie hier auf dem Foto?" Sie sah auf das Foto des Orchesters ihrer Tochter, das ihr hingehalten wurde.
"Ja...ja, hier, Luisa. Luisa Schmitt. Sie spielt auch Cello. Aber seit Celine den Solo-Part in der Schulaufführung spielen durfte..."
Die Frau nickte nur verständnisvoll, besah sich den Schreibtisch näher. Sogar sehr genau. "Den Schreibtisch hat sie sich selbst ausgesucht, als..."
Sie hob die Matratze hoch und sah unter das Bett. "Das Bett haben wir ihr besorgt, als..."
Sie schreckte mitten in ihren Worten hoch, als die junge Frau auf einmal vor ihre stand und ihre Hand auf die ihre legte. "Vielen Dank. Ich denke, es war sehr hilfreich, um mir ein Bild von Celine zu machen."
Sie verabschiedeten sich. Ihr Mann gab ihnen noch Celines Kommnummer.
Nun war sie wieder allein. Mit Jonas.

Sechs Krieger hatten sie in sechs Nächten nach Walhall geleitet, um den Boden weiter mit Leichen der gefallenen Helden auszukleiden. Weitere fünf standen noch bevor. Als das Gitter ihrer heiligen Stätte geöffnet wurde. Schon wieder. Zeit für den Test. Mal schauen, ob sie genauso davonlaufen, wie die beiden, die das erste Opfer darbrachten und sie herbei riefen. Sie schossen durch den Raum, umzingelten die Krieger, die rund um den Brunnenschacht standen, betraten ihre Welt und schrien sie an. Sie wichen nicht zurück, sie liefen nicht davon, sie griffen nicht an. Aber sie machten sich wohl kampfbereit. Zumindest wirkten sie so. Auch wenn ihnen klar war, dass sie unterlegen sind. Endlich! Echte Helden. Sie lachten vor lauter Glück, was die Krieger anscheinend erstaunte. In welchem Land sie auch immer hier waren, auch diese Menschen hier sprachen nicht ihre Sprache, aber Siegrun konnte in vielen Zungen sprechen.
"Ihr seid echte Helden."  Sie schienen irgendwie miteinander verbunden zu sein. Sie schienen miteinander sprechen zu können ohne laut zu reden. Ihre Blicke wanderten zum Opferloch, zum bunten Bild des Reliefs aus dem Brunnenschacht und wieder zu ihnen.
"Ihr seid die Walkyren..." Halb Frage halb Feststellung.
"Das ist richtig. Und ihr könnt uns helfen, ihr ruhmreichen Helden."
"Äh, wie kommt ihr denn hierher?"
"Man hat uns gerufen. Es wurde ein Opfer dargebracht."
"Und wer hat das Opfer gemacht?", ergriff ein anderer das Wort.
"Ich kenne sie nicht, aber sie waren feige. Ich könnte sie euch allerdings zeigen, wenn ihr euch nicht wehrt." Sie zeigte ihnen die beiden davonlaufenden Menschen, wie sie sie aus der Welt der Götter heraus gesehen hatte.
Ein Mann mit Schlitzen an den Augen hielt ihr ein kleines Kästchen hin, auf dem ein Bild erschien. Sie ging in Kampfstellung. "Huch. Magie!" Doch das Kästchen zeigte nur ein Bild.
"Ist das einer der beiden?"
"Nein, das ist das Opfer. Wir haben ihn nach Walhall geleitet. So wie die anderen Krieger auch."
"Andere Krieger?"
"Ja, die Krieger, die kämpften und verloren. Sie trugen das Zeichen Odins." Dabei ließ sie Odins Zeichen in der Luft erscheinen. Die drei Krieger und die Kriegerin schienen wieder miteinander zu sprechen, ohne Worte zu gebrauchen.
"Wie alt waren die Krieger?"
"Sie waren noch sehr jung. Gerade zum Mann geworden." Der mit den schmalen Augenschlitzen schaute ungläubig bis fassungslos.
In einem längeren Gespräch legten sie glaubwürdig dar, dass das Kinder waren, die ein Spiel spielten. Fuß Ball. Eine merkwürdige Welt.
"Können wir die Krieger haben?"
"Warum sollten wir euch die Krieger geben. Sie gehören nach Walhall."
"...und wenn wir euch helfen. Ihr wolltet doch, dass wir euch helfen. Wobei denn?"
"Ihr seid Helden. Das habt ihr bewiesen. Ihr könnt heute Nacht unsere Schwester Brünhild befreien."
"Und was müssen wir da machen?"
"Heute, wenn die Nacht am tiefsten ist, wird sie am Heiligtum erscheinen."
"Hä? Welches Heiligtum?"
"Diese... Christen haben eine... wie nennen sie das... ein Kloster darüber gebaut."
"Ah, das muss da oben sein, noch vor dem Parkplatz hier vom Heidenloch aus."
"Sagt mal, als das Opfer gebracht wurde, ist hier in der Nähe ein Mädchen in ein Koma gefallen. Hat das etwas damit zu tun?"
Koma? Sie benutzen immer wieder merkwürdige Worte. "Kann... schon... sein."
"Und haben andere Helden schon versucht, eure Schwester zu befreien?"
"Ja."
"Haben sie überlebt?"
"Nein. Sie haben gekämpft bis zum Tode. Wie echte Helden. Es waren allerdings auch noch nie so viele wie ihr."
"Ich mache da nicht mit." Der mit den schlitzartigen Augen war sauer. "Ich habe viele Gründe, aber meine Entscheidung steht fest."
Er schien immer noch fassungslos zu sein. Ein anderer übernahm das Wort: "Wenn wir eure Schwester befreit haben, gebt ihr uns die Helden zurück?"
"Nun ja, sie sind in Walhall. Es liegt nicht an uns. Aber wir könnten eure Bitte vortragen."
Zufrieden waren sie nicht.
"Und wenn wir eure Schwester befreien wollten, was würde uns denn erwarten?"
"Eine Prüfung."
"Geht es etwas...genauer?"
"Eine Burg aus Feuer."
"Und warum ist eure Schwester eigentlich eingesperrt?"
"Weil sie Odin verraten hat. Nun muss sie ihre Strafe erdulden bis ein wahrer Held kommt."
Sie schienen wieder auf ihre Art miteinander zu sprechen. Sie sahen alle auf die junge Kriegerin. Was genau sind Märchen?

Lea Morgenstern beendete das Märchen wie jedes Märchen endet. "...und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute." Die Kinder johlten, die Schauspieler verbeugten sich, die Eltern klatschten. Die Aufführung von "Rumpelstilzchen" war sicher der Höhepunkt für alle hier im Märchenland.
"Hallo Frau Morgenstern."
Sie drehte sich um. Eine junge Frau lächelte sie an, ein Elf in Anzug, ein junger Asiate und ein Typ in Panzerjacke. Nicht die übliche Familie, von der sie nach einer Aufführung angesprochen wurde.
"Ja... was kann ich für Sie tun?"
"Was wissen Sie über Walküren?" Der Typ in Panzerjacke sah sie an.
"Äh, sie... bringen Krieger nach Walhall..."
Die junge Frau ergriff das Wort. "Worum es uns eigentlich geht... kennen Sie sich mit den lokalen Geschichten hier aus?"
"Ja, natürlich. Aber meine Mutter noch viel besser. Wir essen dann sowieso zu Abend. Da kann ich euch direkt mitnehmen. Wir müssen hier nur noch alles aufräumen."
"Geht es vielleicht sofort? Es wäre wirklich... eilig."
Lea sprach kurz mit einem Angestellten. "Alles klar. Dann lasst uns gehen. Sagt mal, Walkyren... ihr sucht nicht zufällig die fliegenden Wesen, die man hier nachts gesehen hat? Seit dem Ausbruch der ganzen Critter bei der Zooeröffnung im Schloss sind hier alle paranoid."
"Ähm, ja, das hat tatsächlich... damit zu tun."

Maria Morgenstern ließ den großen Topf noch ziehen. Borscht. "Hallo Mama, ich habe noch Besuch dabei."
"Ah, Besuch. Wen hast du mitgebracht, mein Kind?" rief sie aus der Küche nach unten. Sie kamen die Treppe hoch.
"Einige Leute, die sich für die alten Geschichten hier aus Heidelberg interessieren."
"Naturlich mein Kind. Setzt euch doch hin. Fuhlt euch wie daheim. Wollt ihr etwas trinken? Wasser, Kefir? Wir haben auch Bier oder Saft."
Sie stellte einen Krug mit Wasser und einen Krug mit Kefir auf ein Tablett und einige Gläser dazu. "Kleines machst du die Borscht? Ihr bleibt doch zum Essen, oder?!" Zögerliches Nicken. "Und wenn sie haben wollen meine Expertise, sie geben sicher gerne Spende für die Märchenpark." Dazu packte sie ihr bezauberndstes Lächeln aus. "Wisst ihr, ich habe alles selber gemacht. Von nix an. Eva macht gerne die ... wie heißt das nochmal... die Spendebescheinigung fertig." Insgesamt kamen 100€ rein. Sehr gut.
"Wissen Sie, die Märchen von die Dornröschen hat ihre Wurzel hier in die Heidelberg." Lächelnd sah sie in die Runde.
"Aber wir interessieren uns nicht für Märchen, sondern für die Walkyren."
Maria musste sich ein Augenrollen verkneifen. "So wie die Christen haben gebaut Kirchen auf die alte Heiligtum, so sie haben auch umgedeutelt die alte Geschichten..." Doch bevor sie anheben konnte, kam ihre Tochter Eva mit den Spendenquittungen. Um die Buchhaltung effektiver erledigen zu können, hatte Eva sich gegen ihren Wunsch eine Datenbuchse einbauen lassen.
"Essen schon fertig? Ich hab nen Heiden-Kohldampf!" Sie schaute in die Runde. "Ah. Besuch."

Eva setzte sich hin und bediente sich am Borscht. Nebenbei schaute sie sich die Besucher an. Einige waren sogar magisch begabt. Zwar hatte der Einbau der Datenbuchse ihren Zugang zur Zauberwelt etwas gedämpft, aber er war noch da. Klar, die Christen bauten Kirchen auf die Heiligtümer der alten und die alten Geschichten wurden in den Märchen so umgedeutet, dass sie ins christliche Bild passen... Diese Leier hatte sie jetzt schon soo oft gehört. Was ein Glück, dass sich weder Lea noch ihre Mutter für Buchhaltung interessierten. So hatte sie zumindest im Büro ihre Ruhe. Drek, jetzt ließ sich einer von ihnen sogar die Karten legen! Vor lauter Fremdscham legte sie beim Essen die Hand über die Augen und rieb an ihrer Datenbuchse.
"Sie mussen mischen die Karten mit die linke Hand und wenn sie glauben ist fertig, dann ist fertig. Jetzt eine Karte mit die linke Hand ziehen und hier hinlegen. Ah, die Fahrzeug auf die Kopf. Das ist das, worum geht alles. Eine Streit, eine Niederlage, Verwirrung. Vielleicht eine Schwierigkeit oder Aggression?" Die Leute sahen sich gegenseitig an. Hoffentlich zweifeln sie an diesem Drek. Dieser C.G. Jung hat zwar einmal die Archetypen kulturübergreifend gesammelt, aber dieser Wahrsage-Schmonzes ist total meschugge. Hat mit Wissenschaft rein gar nichts mehr zu tun.
"Und die Vigilantin auf die Kopf steht im Weg. Eine Gesetz, eine Vorurteil, eine Pflichtvergessenheit oder ubermäßige Härte." Ihre Mutter blickte in die Runde und weidete sich an den verblüfften Blicken ihrer Zuhörer. "Und sie wollen sicher wissen, jetzt was gedacht wird, was die Kopf sagt." Sie wies wieder an, eine Karte mit der linken Hand zu ziehen und über das Kartenpaar, das halb aufeinander lag zu legen. "Die Ass von die Schwerter. Eine große Leidenschaft, eine Triumpf, Eroberung, vielleicht sogar eine gottliche Kraft." Langsam kehrte sie in den Zustand eines Handwerkers zurück, der seine Arbeit verrichtet.
"Und nun wieder ziehen eine Karte mit die linke Hand und legen hier unter das Pärchen, damit Sie wissen, was wird gefuhlt. Die Disziplin. Stärke, Kontrolle und Mut. Vielleicht Mitgefuhl oder Anleitung von eine Schuler. Und jetzt eine Karte bitte hier, links neben die Pärchen. Da kommt die Problem her. Die Sonnenfinsternis auf die Kopf. Von die Unzufriedenheit, die Verzweiflung und Sorge. Und jetzt", sie machte eine theatralische Pause, wie immer, "sie wollen wissen, was kommt jetzt in die Zukunft." Sie deutete auf den Platz rechts neben dem Pärchen. "Die zwei Kelche auf die Kopf. Eine unkontrollierte Leidenschaft, eine schwierige Beziehung, gebrochene Herzen." Dieser Typ in Panzerjacke, dieser Sven, dem ging es genauso wie dutzenden vor ihm. Er schüttelte halb ungläubig, halb skeptisch den Kopf.
Endlich war der Spuk vorbei und sie gingen wieder.

Lea brachte den Besuch die steile Treppe hinunter an die Türe. Dabei schlüpfte sie im Vorbeigehen in ihre immer bereistehenden Stiefel und nahm dabei die Jacke vom Haken.
"Die Karten haben voll auf die Geschichte von Odin und Brunhilde gepasst. Ich komme mit, ich will das auch sehen. Ihr sucht doch jetzt die Walküren, oder?"
"Nicht, dass wir sie schon gefunden hätten", ließ Sven an, "ich weiß bloß nicht, ob Zuschauer erlaubt sind."
"Wir können auch nicht auf alle aufpassen. Da sind noch diese verschwundenen Kinder."
Sehr komisch, das musste sie sich ausgerechnet von dem kleinen Mädchen sagen lassen, der einzigen, an der noch weniger dran war als an ihr. Naja, vielleicht noch von dem Elfen mal abgesehen. Aber der konnte sicher super zaubern. Und dieser Asiate war jetzt auch nicht besonders stämmig. Aber der kann garantiert 1A Karate. Und wenn die anderen auch alle magisch waren, war er es sicher auch. Vermutlich so ein Ki-Adept wie dieser Sven vermutlich. Hm, das "kleine Mädchen" konnte vermutlich irgendwelche Geister beschwören und mit Zaubern um sich werfen, dass du nur so staunst. Aber so ganz konnte sie das jetzt auch nicht auf sich sitzen lassen.
"Ich kann schon auf mich selbst aufpassen. Ich halte einfach ein bißchen Abstand. Ihr wisst ja sicher, dass Feuerelementare immer Flammen verschießen können." Vielleicht kannte sich ihre Mutter wesentlich besser in alten Sprachen aus, aber sie saugte dafür jedes Stückchen Theorie über Magie auf, was ihr zugänglich war.
"Naja", hob das kleine Mädchen an, "vielleicht ist es gar nicht schlecht, wenn ein paar andere Zeugen dabei sind. Wegen Polizei und so..."
Die anderen nickten.
"Hat jemand feuergeschützte Kleidung?" Sven sah in die Runde.
"Und geeignete Waffen brauchen wir noch", ergänzte das Mädchen und griff an ihr Kommlink.
"Ich schau mal in der Matrix nach geeigneter Munition." Der Asiate.
"Ich habe eine feuergeschützte Ganzkörperpanzerung. Würde die aber gerne selbst anziehen." Der Elf.
"Hier, die Koordinaten für einen Laden für Sicherheitsbedarf hier in Heidelberg", quäkte es im Auto aus dem Kommlink des Asiaten. War er... eingeschlafen? Das Mädchen fuhr tatsächlich ein eigenes Auto und hatte wohl einen anderen Termin. Sie wollten sich wieder um 22.00 Uhr treffen. Noch gut zwei Stunden.
"Spezielle Munition Fehlanzeige. Habe nur Giftkugeln gegen Insektengeister gefunden. Ansonsten halt Wasserwerfer gegen Feuergeister. Hat nicht zufällig jemand einen?!?"
Im Laden sahen sie sich um. Der Asiate versah jeden mit einer Kamera. Sven ließ sich seine Panzerjacke gegen Feuer imprägnieren.

Klok nahm ab. Nur ganz ausgesuchte Leute hatten diese Nummer.
"Hallo Klok-San. Ich bräuchte einen Waffenfokus. Ein Wakizashi vielleicht? Und das, wenn es geht, in zwei Stunden in Heidelberg."
"Leider ist keines vorrätig. Es würde etwa zwei Tage dauern." Das war nicht ganz die Wahrheit. Er hatte eines, allerdings war es für einen anderen Kunden reserviert.
"Ich wäre bereit, 10.000 dafür zu bezahlen."
Klok kalkulierte die Wahrscheinlichkeit durch, in innerhalb 30 Stunden einen Ersatz zu finden. Sollte klappen.
"Die Koordinaten bitte."

Er brauste durch die Dunkelheit auf seiner geriggten Geländemaschine Richtung Heidelberg. Sicher hätte er auf der Raiden wesentlich schneller sein können, aber im Falle eines Falles zog er es vor, etwaige Verfolger in den Wäldern abzuhängen. Das war mit der Raiden für einen geübten Fahrer wie ihn durchaus möglich, aber eher schwierig. Außerdem waren knapp zwei Stunden mehr als genug, um von Frankfurt über die A5 bis Heidelberg zu kommen.
An den Koordinaten am Neckar ließ er zwar das Licht an, verließ sich aber auf die Sensoren seines Bikes. Es war hier nur eine Person zu sehen. Als er näher kam, nahm er sie nicht nur per Ultraschall, sondern auch mit der Kamera wahr. Eine hübsche junge Frau. Noch einmal Abgleich mit dem Bild. Korrekt.
Wortlos übergab er das Kästchen aus Plastik im traditionell japanischen Holzdesign und fuhr weiter.

Auf dem Heidenberg standen bereits Fahrzeuge links und rechts am Wegrand halb im Wald noch bevor wir am Heidenloch angekommen waren. Sven hielt hinter dem letzten Wagen. Hinter uns der kleine Flitzer des kleinen Mädchens. Alle stiegen aus, nur der Asiate nicht. Verwundert schaute Lea noch einmal zurück, aber zuckte nur mit den Schultern. Die anderen gingen quer durch den Wald.
"Ich brauche noch ein paar Minuten für mich, um mich mit meinem neuen Schwert vertraut zu machen." Das Mädchen zog sich zurück. Ihr Schwert ist unverkennbar magisch.
Die anderen sahen sich den erhaltenen Turm und die Mauerstümpfe des ehemaligen Stefanskloster an.
"Wie genau die Burg aus Feuer wohl entstehen wird?" Die Frage war wohl eher rhetorisch. Lea war aber klar, dass sich einige Besucher der Oper heute noch ziemlich ärgern werden. Selber Schuld. Sie hätten das Park&Ride System nutzen sollen.
"Vielleicht sollten wir nicht so auf einem Haufen stehen, falls sie Feuerbälle einsetzen", hörte sie das Mädchen von hinten.
"Ich glaube, ich gehe mal hinter die zweite Reihe Autos zurück in den Wald..." Einstimmiges Nicken.
Der Elf hatte noch einen Wassergeist gerufen, so harrten sie die letzten Minuten bis Mitternacht, als aus dem Nichts ein Ring aus Feuer entstand. Lea schaute in der Zauberwelt die Alchera, eine Art Ebenen-Berührung an und sah im Feuerring einige Gestalten. Wie viele genau, konnte sie nicht sagen, aber es waren mehrere und sie manifestierten sich in der wirklichen Welt. Sven ging nach vorne und griff mit seinen magischen Händen einen der Geister an, wurde dafür gleich massiv beschossen. Zum Glück wich er allen Flammengeschossen aus. Eines der Autos am Wegrand wurde mehrmals getroffen. Auf der anderen Seite schlich sich das Mädchen um ein Auto herum und wurde ebenfalls beschossen. Leider bekam sie zwei Geschosse ab und blieb liegen. In der Zauberwelt erschien ein mächtiger Luftgeist neben dem Elfen, ging in den Feuerring und zerschmetterte den Geist bei Sven mit dem ersten Angriff. Sven zog sich zurück, der Luftgeist knöpfte sich den nächsten Feuergeist vor. Die anderen Feuergeister nahmen erst den Wassergeist aufs Korn und scharten sich dann um den Luftgeist. Der Wassergeist hatte weniger Glück. Er verfehlte mehrfach seine Ziele. Der Luftgeist dagegen machte einen nach dem anderen nieder, auch weil Sven ihm wieder zur Seite sprang.
Kaum waren alle Feuergeister besiegt, liefen alle zum Mädchen und kümmerten sich um sie. Anscheinend war es so schlimm, dass ihr Armband schon einen Krankenwagen gerufen hatte. Mit einem Verbandskasten, mit dem der Asiate gekommen war und der Magie des Elfen gelang es, sie wieder so weit zu heilen. Sie meinte, sie hätte den Krankenwagen abbestellt.
Hoch auf den Turm. Da lag sie. Brünhild. Wunderschön.
"Und wie wecken wir sie auf?", schaute Sven fragend in die Runde.
"Also im Märchen wird Dornröschen wachgeküsst. Aber ich zitiere meine Mutter: ´Der Held hat nicht umsonst immer ein besonderes Schwert. Das Schwert ist nichts anderes als sein großer Penis`". Gut, ihre Mutter hätte `Schwanz´ gesagt.
Nagato ging an allen vorbei und küsste die schlafende Brünhild auf den Mund. Dabei schien sie zu erwachen, packte ihn und riss ihm die Kleider vom Leib. Nicht lange und sie packte das Mädchen, tat mit ihr das Gleiche und bevor man sich versah, waren wir alle nackt auf der Schlafstatt. Es war wild, hemmungslos und schmerzhaft. Sie kannte keine Gnade. So erfüllte sich also die Vorhersage meiner Mutter. Ich weiß nicht, wie lange sie schon zusahen, aber rings um den Turm flogen die anderen acht Walküren.
"Ihr Helden habt eure Tat vollbracht."
"Ist das Mädchen nun auch wieder wach, Siegrun?" So wie Sven reagierte, hatten sie sie tatsächlich schon einmal getroffen.
"Das kann ich nicht sagen."
"Ich... während des Schlafs war da jemand. Ein Mädchen, ja. Ich glaube, sie sollte auch wieder wach sein", meinte Brunhild, während sie zu ihren Schwestern schwebte.
"Gebt ihr uns nun die toten Jungen wieder?"
"Das ist außerhalb unserer Macht. Wir haben aber als Zeichen unseres guten Willens das Opfer mitgebracht." Der tote Marlon schwebte mit seinen gebrochenen Knochen über die Zinnen auf den Turm und wurde auf die Bettstatt gelegt.
"Mutige Helden, ihr habt unsere Schwester von Odins Bestrafung erlöst. Ihr habt Wort gehalten. Auch wir halten unser Wort und werden keinen der anderen Krieger hier von diesem Schlachtfeld nach Wallhall führen." Mit diesen Worten verschwanden sie.
In der Ferne sah man Blinklichter in der Luft. Das waren wohl die Drohnen der Feuerwehr, denn der Asiate meinte auch, das Gebiet hier wäre in der Matrix markiert worden als Brandgebiet. Sven versuchte, Marlon zu tragen, ließ es aber, als er merkte, wie schwer er war.
Ich sah die anderen an. "Ich bleibe hier und erkläre die Situation." Wow, ich werde richtig berühmt und was wird das für eine fantastische Werbung für das Märchenland!
Als die anderen über den Weg im Wald verschwanden, hörte ich vom Thingplatz her, auf dem die Aufführung stattfindet, schon Leute lautstark herannahen. Auch die Drohnen über mir waren schon sehr nahe.

"Hallo. Haben Sie schon eine Benachrichtigung der Klinik, ob Ihre Tochter schon aufgewacht ist?" Schlaftrunken war Marie Gruber mitten in der Nacht völlig überfordert.
"W..was?"
"Hat die Klinik bei Ihnen schon angerufen? Hier sind die Leute, die für Sie beauftragt wurden."
"Äh... nein... es ist ja auch mitten in der Nacht... Moment." Sie gab den Hörer an ihren Mann weiter.

"Hallo, ja, wir wollten Sie tatsächlich gerade anrufen. Ihre Tochter Celine ist vor einigen Minuten aus dem Koma aufgewacht..." Jonas Gruber fiel ein Stein vom Herzen. Er wechselte wieder auf die andere Leitung. "Äh, tatsächlich. Wir sind quasi schon auf dem Weg in die Klinik. Wir können uns dort auf dem Parkplatz treffen."
Auf dem Parkplatz sah er zwei Wagen vorfahren und vier Leute stiegen aus. Sie gingen zusammen in die Klinik. Eine Schwester erwartete sie schon.
"Die Patientin braucht noch Ruhe. Erst einmal nur die Eltern. Die Verwandten dürfen dann auch noch ein oder zwei Minuten."
Jonas und Marie Gruber waren nie so froh, ihre Tochter zu sehen wie jetzt. Nach einigen Minuten stellten sie ihr ihre Retter vor, die allerdings zugeben mussten, dass sie die Leute noch nicht hatten, die ihre Tochter nachts durch den Wald hetzten? Oder ihren Freund? Celine stammelte so aufgeregt, dass man den Sinn ihrer Worte nicht ganz verstehen konnte. Sie würden es nie zugeben, aber insgeheim waren sie beide froh, dass Marlon tot war. Ein Ork war einfach kein Umgang für ihre Tochter! Wo doch jeder weiß, wie gewalttätig diese Orks sind.
"Bitte lassen Sie uns doch jetzt unsere Privatsphäre." Lukas Gruber sah die von Celines Patenonkel angeheuerten Leute an.
Kaum hatten sie den Raum verlassen, rief er ihn an. "Dein Patenkind ist aufgewacht..."

Lukas Steltz drückte die Schnellwahl-Taste.
"Ja?"
"Hier Schmitt. Ich hörte, Sie waren erfolgreich, was das Mädchen angeht. Haben Sie auch die Leute, die mit ihr an diesem Abend zusammen waren?"
"Äh, nein. Wir wissen, wie sie astral aussehen."
"Das bringt mir leider nichts. Besorgen Sie mir Fotos, dann ist ihr Auftrag erledigt."
"Springt dabei noch was extra raus?"
Kurz musste Lukas Steltz schlucken angesichts solcher Dreistigkeit. Wollen für einen Teil des bereits abgemachten Kontraktes eine Extrazahlung. "Besorgen Sie die Fotos und Sie bekommen die gesamte abgemachte Summe."

"Weeebeeeeer! Sie bewegen sofort ihren fetten Arsch zu mir rein!"
Fritz Weber schwante nichts Gutes, als er seinen Chef so brüllen hörte. Innerlich stöhnend stellte er sich dem Unausweichlichen.
"Weber, Sie haben den Fall Gruber als Unfall zu den Akten gelegt und diesen Trog in die Vermisstendatei aufgenommen, richtig?"
"Jawoll."
"Die Leiche von diesem... Marlon Neugebauer ist aufgetaucht. Es gibt auch eine Zeugin. Fahren Sie zum Heidenberg und schließen Sie die Akte schnellstmöglich."
"Jawoll."
Mitten in der Nacht stieg er zusammen mit seinem Assistenten in das Zivilauto des Sternschutzes. Auf dem Heidenberg am Kloster St. Stefan waren schon Scheinwerfer aufgestellt. Neben den Streifenwagen standen dort weitere zwei zivile Wägen. Anscheinend beschädigt.
Sie wießen sich aus und wurden auf das gesperrte, ausgeleuchtete Gelände gelassen. Die Ar-Akte des Vorgangs zeigte, dass Jens Heißenberg den Einsatz leitete.
"Heißenberg, was haben Sie?"
"Eine Leiche, der vermisste Marlon Neugebauer, ein paar beschädigte Autos, verbrannte und angesengte Bäume und - das wird Sie freuen - eine Zeugin. Personalien bereits festgestellt. Lea Morgenstern, wohnhaft hier in Heidelberg. Eine von den Märchenland-Zigeunerinnen."
"Na, das kann ja was werden..."
"Warten Sie erst einmal, bis Sie ihre Geschichte gehört haben. Also ich hab ja schon so einiges gehört, aber das..."
"Wo ist sie denn?"
"Da vorne im Streifenwagen. Wir haben sie hier unten getroffen. Die Leiche ist im Übrigen oben auf dem Turm. Sonst nichts. Sag ich nur ausdrücklich dazu. Sie wissen dann schon, warum." Er lachte. "Und..äh, nein, sie ist nicht auf Droge. Zumindest nichts, was wir so testen."
Das wurde immer besser hier.
"Wir nehmen die Zeugin mit aufs Präsidium." Das ist es warm und der Soykaff wartet.
Auf dem Weg ins Präsidium hörte er sich die Sprachaufnahme der ersten Aussage an. Heißenberg hatte Recht. So eine krude Ausrede hatte er auch in seinen 20 Jahren beim Sternschutz noch nicht gehört.
Nachdem er im Präsidium einen Becher Kaffee gezogen hatte, setzte er sich zu Frau Morgenstern und startete die Aufnahme. "So, Frau Morgenstern, jetzt erzählen Sie uns die ganze Geschichte noch einmal in aller Ruhe von Anfang an."
Sie blieb bei ihrer Geschichte. Abstruses Zeug mit Magie, Weltenüberschneidugen und Walküren. Er schüttelte nur innerlich den Kopf. Immerhin hatte sie die Nummer einer Zeugin. Sie könne ihre Geschichte bestätigen. Die Nummer gehörte einer gewissen Yina Sakushi, Personenschützerin.

"Hallo Frau Sakushi. Hier Fritz Weber vom Sternschutz."
"Äh, hallo."
"Sie waren heute um Mitternacht am Heidenberg?!"
Schweigen. "Äh. Ja."
"Dann finden Sie sich bitte ..." Er musste zwischendurch noch schlafen, Berichte schreiben und Zeit mit der Familie verbringen "...übermorgen um 18.00 Uhr zu einer Zeugenaussage auf unser Revier kommen?"
"Ja, natürlich."

Das Komm klingelte. Lukas Gruber hob schlaftrunken ab. "Ja, hier Gruber."
"Hallo Herr Gruber, entschuldigen Sie die Störung. Hier Weber vom Sternschutz. Vielleicht könnten Sie mir eine Frage schnell beantworten."
"Ähhh..."
"Sie haben nicht zufällig Privatdetektive beauftragt? Eine gewisse Yina Sakushi möglicherweise?"
"Ja, schon ein paar Leute, aber Namen habe ich jetzt nicht parat..."
"Vielen Dank, Sie haben mir sehr geholfen."
Herr Gruber schüttelte den Kopf. Er ging aufs WC und stellte einen Soykaff auf. Irgendwie kam ihm der Anruf vom Sternschutz komisch vor. Er beschloss, seinen Schwager anzurufen. Nach einigen Rufumleitungen wurde abgehoben.
"Büro Lukas Steltz. Was kann ich für Sie tun?"
"Sie könnten mich zu meinem Schwager durchstellen. Hier ist Jonas Gruber. Sagen Sie, es geht um Celine."
Warteschleife. Kurz darauf nahm er ab. "Jonas, was ist los?"
"Eben hat mich ein gewisser Weber vom Sternschutz angerufen. Er wollte bestätigt haben, dass wir Privatdetektive angeheuert hätten. Da dachte ich..."
"Ja, danke für den Anruf. Ich kümmere mich darum. Sag Marie und Celine Grüße."
Jonas Gruber war soo froh, dass nun alles wieder war wie immer.

"Selbstverständlich, Herr Steltz. Wir kümmern uns um alles."
Herbert Berger von der Kanzlei Berger & Partner legte auf und wählte die Nummer, die er erhalten hatte.
"Ist dort Yina Sakushi?"
"Ja."
"Mein Name ist Berger von der Kanzlei Berger & Partner. Ich bin ihr rechtlicher Beistand. Dazu benötige ich Ihre Zustimmung, dann könnte ich bereits loslegen. Entweder einen Daumenabdruck oder eine Unterschrift. Ich denke, die Unterschrift ist Ihnen lieber?" Das war so. Wie in den meisten Fällen.
"Sie haben bereits eine Vorladung? Ah, morgen, 18.00 Uhr. Dann sehen wir uns morgen am Präsidium."
Er drückte Kurzwahl 1. "Frau Günter, machen Sie mir bitte ein Telefonat mit dem Sternschutz, Bezirksleitung Heidelberg." Für seinen Auftraggeber aus der AG Chemie nur das Beste.

Herr Gruber saß beim Frühstück mit seiner Frau. Er genoss es, dass sie endlich wieder mit ihm sprach. Immer wieder ging ihm dieses Telefonat mit diesem Weber vom Sternschutz durch den Kopf. Irgendetwas störte ihn. Genau! Mist! Er hatte diese angeheuerten Privatdetektive verraten. Das waren Runner! Die nehmen so etwas ernst!
"Sag mal Marie, du hast doch die Nummer von diesem netten Mädchen. Dieser..."
"Äh, irgendwas japanisches, du weißt doch, ich habe es nicht so mit diesen ausländischen Namen. Hier. Ich schieb sie dir rüber."
Jonas ging in den Nebenraum. Es klingelte am anderen Ende. Jonas triefte der Schweiß unter der Achsel. Endlich eine genervte Stimme. "Ja."
"Äh, hier Gruber." Er sah das Mädchen auf dem Bildschirm. "Äh, es tut mir Leid, ähm. Also, der Sternschutz. Naja, er hat mich befragt und ich...äh... ich habe Ihren Namen erwähnt."
Kurze Stille.
"Machen Sie sich keine Sorgen, Herr Gruber. Vielen Dank für den Anruf."
Herr Gruber machte sich jedoch Sorgen.

Lea Morgenstern war so durch den Wind, dass sie heute nicht arbeiten konnte, Sie lag zu Hause im Bett. Das Komm klingelte. Erst wollte sie nicht rangehen, aber dann sah sie, dass Sven sie anrief. Der fesche Typ in Panzerjacke, der sich von ihrer Mutter die Karten legen hat lassen.
"Hallo Lea, wie gehts?"
Unwillkürlich schossen ihr die Tränen in die Augen. "Ich... ich wollte doch nur Werbung machen für den Märchenpark....und dann haben sie mich verhört und kein Wort geglaubt... von wegen wenn man die Wahrheit sagt und so... und dann haben die MICH verdächtigt und dann dachte ich... ihr... ihr könntet doch meine Geschichte bestätigen, weil die doch wahr ist und so..."
Sie weinte sich aus.

Fritz Weber war zufrieden mit sich. Diese Lea Morgenstern kriegte er schon dran für den Mord. War nur noch eine Frage, wie viele Komplizen sie hatte. Eben hatte er noch eine Textnachricht an Frau Sakushi geschrieben, dass sie morgen ihre Kollegen doch auch bitte mitbringen solle. Doch dann klingelte sein Komm.
"Weber, Sie übersenden mir sofort Kopien aller Akten im Fall Gruber und Neugebauer." Sein Chef. Wenn er sich einmischte, musste irgendwas am Kochen sein. Konzern, Geheimdienst, Interpol. Irgend so etwas.
"Ja, Chef, natürlich."
Kaum eine halbe Stunde später klingelte das Komm schon wieder"Weber, beauftragen Sie einen Gutachter der Universität, um arkane Angelegenheiten zu ermitteln."
"Sollten wir aus Kostengründen nicht lieber Psy-Aid..."
"Weber, Sie tun, was ich Ihnen sage!"
"Ja Chef."

Lea konnte es nicht glauben! Dieser Sven hatte ihr tatsächlich auf eigene Kosten einen Anwalt besorgt! Und anscheinend einen wirklich guten! Auf jeden Fall hat dieser Berger eine unabhängige Begutachtung des Tatortes durchgesetzt. Irgendein Professor der Uni macht das. Überschwenglich griff sie zum Komm. Sven war ganz überrascht. So ein Gentleman! Sie konnte nicht viel tun, aber sie schickte ihm acht Freikarten für den Märchenpark. Vielleicht sah sie ihn auf diese Weise wieder?

Otto langweilte sich im Gasthaus "Zum Landmann" oberhalb des Parkplatzes auf dem Heidenberg. Nur ein paar Handwerker vom Bühnenbau waren zum Mittag da. Das feine Publikum wollte heute wohl nicht vor dem Mittagskonzert zu einer Matinee kommen. So nannten sie ihr Besäufnis mit diversen Cocktails hier an der Bar. Karl machte ab und an in die Küche und schmiss ein paar Schnitzel oder Pommes in die Friteuse. Den Rest erledigte Rosemarie. Es war auch alles wie immer. Ein paar Gäste in der Ecke benahmen sich komisch. Nicht die typischen Handwerker, aber sie aßen etwas. Ein Schlitzauge und einer in Panzerjacke. Nachdem sie gegessen hatten, tauchte so eine junge Japan-Schlampe auf und sie dampften ab. So ein Abschaum sollte hier auch nicht rein. Das Waldgasthaus hieß doch nicht umsonst "Zum Landsmann"!

Fritz Weber wusste nichts mehr zu sagen. Erst bestätigte dieser Gutachter diese Alchera und die Geschichte mit den Walkyren und jetzt steckte ihm sein Chef ein Foto mit zwei Personen zu, zusammen mit einem Geo-Ping. "Das sind die beiden Mörder. Sie sind im Moment im Waldgasthof "Zum Landsmann" auf dem Heidenberg. Lassen Sie sie sofort festnehmen!"
Es waren sowieso zwei Streifen vor Ort. Dann können sie vom Kloster gerade mal hin.

Rupert Sager stand hinter dem Landmann und quarzte eine. Auf einmal kam da so eine süße junge Asia-Schnecke um die Ecke.
"Na, verlaufen? Der Eingang ist vorne."
Sie deutete auf seine Kippe. "Kann ich auch so eine haben?"
"Bist du da nich n bissl jung für?" Er hielt ihr die Schachtel dennoch hin.
"Schönes Restaurant." Ihre Augen blinkten ihn an.
"Klar, will ja nicht angeben, aber es ist meins. Wirft ganz schön was ab. Deshalb fahr ich Ferrari."
"Wow, eine Ferrari..."
"Klar, Lust auf ne Spritztour? Vielleicht heute Abend?"
"Heute habe ich leider schon etwas vor..."
"...dann also morgen?" Sie hörten von drin Geschrei. "Ich muss mal nach dem Rechten sehen."
"Oh ja, ich muss auch langsam gehen."
"Wir sehen uns morgen." Er deutete auf sie und blinzelte ihr voller Vorfreude zu.

Karl und Otto wehrten sich, aber nicht lange. Ihr Chef sah zu, wie sie abgeführt wurden. Draußen stand der Typ in Panzerjacke. Irgendwas hat der damit zu tun...

Fritz Weber rief Frau Sakushi an. "Frau Sakushi. Ich möchte mich im Namen des Sternschutzes bei Ihnen entschuldigen. Die Anhörung als Zeugin am morgigen Abend ist hinfällig. Vielen Dank für Ihre Kooperation."

Celine Gruber lag im Krankenhaus. Das Komm klingelte. Dran war der süße Asiate von den Privatdetektiven. Er überspielte ihr alle Daten von Marlons Komm. Marlon...
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Besprechung Ring aus Feuer
1. Zeitpunkt, der im Abenteuer angenommen wird, passt (natürlich) nicht in unsere Zeitleiste.
2. Es ist auch nicht Sommer, sondern später Winter. Ich spiele es dennoch. Einfach weil ich gerade Lust darauf habe. Die milde Nacht macht der Klimawandel. ;)
3. Im Abenteuer wird davon ausgegangen, dass die Gruppe die Krankenakte illegal besorgen muss. Ich habe keinen Grund gesehen, warum die Erziehungsberechtigten nicht die Krankenakte ihrer Tochter anfordern dürften.
4. Die familiäre psychische Situation habe ich während des Spiels etabliert. Wie ich auch das "Ausbüchsen" von Celine erfunden habe. Macht das Gesamtbild in meinen Augen "runder". Ich habe sozusagen etwas Fleisch auf das Abenteuerskelett gepackt.
5, Die Charaktere konnten dadurch eine massive Abkürzung nehmen, dass sie Celines und dann Marlons Kommlink hackten. Dadurch konnten sie bereits herausfinden, dass die beiden heimlich an der Aufführung waren.
6. Beim Durchsuchen von Celines Zimmer wurden Bilder ihres Orchesters sowie ein verstecktes Foto von Marlon gefunden. Mit Herzchen.
7. Das Märchenland fiel mir schon auf Google Earth bei der Vorbereitung des Abenteuers auf. Nachdem sich eine der Charaktere für das touristische Heidelberg interessierte, trat diese Szene auf den Plan.
8. Den magischen Traum habe ich übersprungen, zum einen, da es die Gruppe schaffen wird, das Abenteuer innerhalb eines Tages ohne Schlaf zu lösen, zum anderen will es mir nicht so recht einleuchten, warum einer oder mehrere diesen Traum haben sollten. Vielleicht später noch... wer weiß.
9. Ich habe die Zeit in der Alchera anders ablaufen lassen als in der realen Welt. Das war allerdings intuitiv und nicht wirklich geplant.
10. Den Traum habe ich nun entgültig fallen lassen. Das lag allerdings eher daran, dass unser Magier am letzten Spielabend leider verhindert war.
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Der folgende Traum hat nichts mit dem Kaufabenteuer zu tun. Er basiert auf Drags Initiationserlebnis. Dabei durchlebte er immer wieder eine Situation aus seiner Charaktervorgeschichte. Er gab seinem beschworenen Geist den Befehl "Töte sie alle." Was er auch tat. Alle Hazmats, seine Ökoterroristen-Freunde, seine Familie, die mit an Board des Schiffes war... In seiner Initiation fand er heraus, dass er als "Marionette" eines "Puppenspielers" diesen Befehl gab. Damals hörte er nur Stimmen.

Epilog: Drags Traum
Ein Nebel lichtete sich. Gestalten in Kleidern, die man vor Jahrhunderten getragen haben muss. Sie erinnern an die Szenen an einem Königshof in irgendwelchen Ritterfilmen wie "Robin Hood". Es schien ein Fest zu sein, denn sehr viele Gestalten standen in Grüppchen zusammen, schienen zu reden und sich zu amüsieren. Im Gegensatz allerdings zu den Ritterfilmen wiesen die farb- und gesichtslosen Konturen der Köpfe überaus lange und spitze Ohren aus. Es erklang Musik. Ein Klimpern ähnlich einem Klavier, auch wenn es keines war.
Dann ein Gesicht. Weiß bemalt wie bei einem Clown. Der Mund schien mit Lippenstift übermäßig nachgezogen worden zu sein. Auch seine Augenlider waren rot bemalt und vom Auge gingen rote Dornen oder Flammen nach oben und untern, kleinere nach links und rechts. Die feuerroten Haare, wohl etwa schulterlang, zu drei Zöpfen frisiert, die wild vom Kopf abstanden, als trüge er eine rote Narrenkappe. Seine Ohren waren spitz, aber bei weitem nicht so lang wie die Ohren an den farblosen Konturen der anderen Köpfe. Zweifelsohne ein Elf. Dieses Gesicht lächelte Drag an und zwinkerte ihm zu.
Anscheinend hatte er einen Gesprächspartner, denn er hörte eine Stimme sagen: "Ich hatte es so begrüßt, dass Caimbuel Har´lea`quinn eigenständigen Zugang zum Seelie Hof bekommt. Um so trauriger machte es mich zu erfahren, dass Sie doch nur als Stellvertreter von Aina Dupree hier sind. Aber was will man machen. Wir können hier nicht jeden beliebigen Narren einfach Zugang gewähren. Dazu braucht es nicht nur Können, sondern auch Kultur." Das Triefen von Hohn und Spott in der Stimme war kaum zu überhören. Sie fuhr fort und wurde widerwärtig schadenfreudig: "Wo ist denn ihre Geliebte... oh Verzeihung, ich vergaß, dass sie sich vor einiger Zeit von Ihnen abgewandt hat... wo ist sie denn? Man hat sie schon länger nicht mehr gesehen."
"Nun, die Gräfin von Arran muss wichtigeren Geschäften nachgehen als sich an Hofe verzweifelt bemühte Versuche von Sarkasmus anzuhören. Sie erzählte mir allerdings erst neulich, dass Sie ein neues Spielzeug mittels Ihres Blutes an sich gebunden hätten. (Hier zwinkerte das Gesicht wieder dem Träumenden zu) Wie jeder auch nur halbwegs gebildete Magier weiß, bringt die Anwendung von Blutmagie die Ebenen näher zusammen. Ich selbst habe Den Feind schon zwei Mal abgewehrt. Ich hoffe, der Hof ist vorbereitet."
"Sehen Sie, wenn schon ein Hofnarr ausreicht, Den Feind in seine Schranken zu weisen, dann schicken wir Garbh Filiochtá." Man sah eine Gauklerin, die einige Kunststücke vorführte. "Ich hörte allerdings, dass sich auf der Ebene der Menschen eine beachtliche Konzentration von Insektengeistern ergeben hat, die immer weiter zunimmt. Wenn das so weitergeht, werden die Tirs bald von Schaben und Ameisen regiert. Wie Sie sehen, wird eure Welt der Metamenschen sowieso nicht überleben bis Der Feind eintrifft." Er lachte kurz, doch das Lachen brach abrupt ab. Kurz sah man sein Gesicht umrahmt von schulterlangem schwarzen Haar, Augenbrauen mit unglaublich langen Haaren, die beidseitig wie ein einziger Dorn bis zum Haaransatz reichten und einem Spitzbart, der sich nach oben bis zur Unterlippe verlängerte. An seinen überlangen Elfenohren trug er links einen goldenen Ohrring, der mit einer feinen goldenen Kette mit seinem linken Nasenflügel verbunden war. Seine grünen Augen sahen Drag kurz mit einer Mischung aus Ekel, Abscheu und Entsetzen an, während er eine wischende Handbewegung machte.

Drag fuhr hoch. Er war schweißnass und ihm war schwindelig.

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« Letzte Änderung: 25. April 2021, 11:42:23 von Olf »
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Olf

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  • 14. Mai 2021, 16:50:36
Re: Alles ist einmal vorbei - oder doch nicht?
« Antwort #20 am: 14. Mai 2021, 16:50:36 »

Der Spieler von 7even war mit dem Char nicht so recht zufrieden und spielt deshalb
Groucho, Zwerg, Ki-Adept
ansonsten dabei:
Drag, der jetzt irgendwie anders heißt, aber keiner weiß, wie. Einfachheitshalber nennt er sich so lange noch Drag.  ;D  Elf. Schamane mit Dönervogel.
Nagato, Norm, asiatischer Technomancer ohne Sinn für japanische Etikette. Also ein ganz normaler Europäer eben.
Sven, Norm, Ki-Adept. Dreks-schnell. Vor allem für einen Schweizer.
Chengi/Yina/Kaede, Norm, gebürtig japanische Ki-Adeptin. Aussehen und Benehmen nach Belieben. Drückt noch die Schulbank.

Plothook aus Rhein-Ruhr-Megaplex: Im Land des Lächelns

Prolog 1: Chengi
Tant-Chen erwartete ihre Untergebene in einem feinen japanischen Restaurant in Frankfurt. Sie traf exakt pünktlich ein wie immer und setzte sich mit einer angemessenen Verbeugung auf ihre Einladung hin zu ihr. Nach einem Tee und etwas Small-Talk war es Zeit, zur Sache zu kommen.
"Chengi-san, es gibt eine Aufgabe, für die Ich jemanden brauche, dessen Loyalität zum Kubushi-Kai unverbrüchlich ist."
"Meine Loyalität gebührt einzig dem Kai."
"Nichts anderes habe ich von Dir erwartet, meine Chengi. Dein Potential ist so groß, dass Du es im Kai eines Tages weiter gebracht haben wirst als meine Wenigkeit." Sie ließ etwas Pause. Für ein Mädchen, das noch nicht einmal die Schule beendet hatte, hatte sich Chengi bereits einen sehenswerten Ruf erworben. "Es gibt einen Gefallen, den wir dem Makahashi-Gumi erweisen werden und Du wurdest dafür ausgesucht. Sie benötigen Kräfte von außerhalb. Du bist loyal und Deine Kontakte sind gut." Sie ließ wieder eine kurze Pause. "Leider kann man das nicht von allen hier im Kai sagen." Sie unterbrach sich selbst mit einem kurzen Stöhnen des Bedauerns. "Und so sollst Du die Augen und Ohren des Kais in Düsseldorf sein. Gefährde dabei nicht den Gefallen an sich, aber bitte schaue Dir alles was den Makahashi-Gumi betrifft, genau an."
"Selbstverständlich."
Man trank noch einen Tee und beendete die Konversation.
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Prolog 2: Groucho
Azumi Morimoto brachte alles mit, was man als gute Yakuza haben sollte. Manieren, Skrupellosigkeit, Intelligenz und Loyalität. Eigentlich sollte sie schon längst Mitglied sein, denn sie hatte als Zeichen der Loyalität auch eine Seite ihres Gesichtes tätowieren lassen. Aber sie hatte einen Makel, den das traditionelle Makahashi-Gumi in Düsseldorf niemals verzeihen würde: Sie war eine Frau. Ihr war vor einiger Zeit klar geworden, dass sie niemals höher steigen würde als sie jetzt war: Eine Schmitt für den Gumi.
Wie dem auch sei. Sie hatte Arbeit. Im Moment saß im traditionellen japanischen Seiza vor ihr hier im noblen Düsseldorfer Teehaus `Ocha´ ein Zwerg in Anzug, der neu im Plex war. Genau, was sie suchte. Ein Muskel, das war sein Angebot, ein Ki-Adept, wie ihre orkische Magierin ihr berichtete.
"Herr Groucho, wir haben ein Angebot für Sie. Wir würden Sie mit einigen Runnern bekannt machen, die es gewohnt sind, zusammen zu arbeiten, aber für ihre Aufträge hier im Plex etwas Verstärkung benötigen. Sie werden ein Mädchen dieses Teams genauer beobachten. Sammeln Sie ihre Vorlieben und Abneigungen."
"Klingt gut, was springt für mich dabei raus?"
"Für Ihren Auftrag zwischen 1 bis 10 Tausend. Entsprechend Ihres Erfolges."
Der Zwerg wirkte etwas verstört und enttäuscht. "Das ist nicht gerade viel..."
"Selbstverständlich ist das die Extra-Vergütung. Für die Runs selbst werden Sie bezahlt wie alle anderen auch."
Die Zufriedenheit machte sich durch die Entspannung seines Körpers bemerkbar. "Und wie viel Zeit sollte ich dafür mitbringen?"
"Das kommt darauf an, wie lange Sie für die Planungen benötigen. Aber vier Wochen sollten auf jeden Fall genügen."
"Klingt gut."
"Dann genießen Sie bitte den guten Tee. Unsere Gäste sollten demnächst eintreffen."
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Frau Schmitt ließ von den beiden Geishas den Tisch abräumen und wartete auf ihren Besuch. Dieser kam auch prompt. Sie wies ihren beiden Muskeln die beiden Ecken des Raumes zu. Ihre Magierin stand hinter ihr.
"Wunderbar, da sind Sie schon. Es tut mir Leid, wir sind noch nicht vollkommen vorbereitet." Es war eine Anspielung darauf, dass sie etwas zu früh kamen. "Aber bitte setzen Sie sich doch."
Von Seiten ihrer orkischen Magierin bekam sie telepathisch übermittelt, dass drei von ihnen erwacht waren. Das Mädchen, das sie unter dem Namen Chengi kannte, der Elf und der Norm. Der asiatische Norm war ein mundaner.
"Wir haben auch Sitzhilfen, falls Sie den Seiza nicht gewohnt sind. Alle außer dem asiatischen mundanen Norm lehnten ab. Sie hatte eine Abneigung gegen solche Individuen, die sich den Gaijin zu sehr angepasst hatten.
Ein frisch aufgebrühter Tee wurde von den Geishas gebracht. Frau Schmitt goss allen außer sich selbst in Reihenfolge der sozialen Stellung ein und stellte die Kanne zurück. Chengi nahm die Kann und goss Frau Schmitt ein. Auch sie stellte die Kanne gemäß japanischer Etikette korrekt zurück.
Das Essen war den unkundigen Gajin angepasst. Nur große Stücke, so dass sie sich mit den Stäbchen leichter taten.
"Nun, Sie möchten natürlich wissen, worum es geht. Es gäbe drei Aufträge. Einer umschließt Einbruch und Sabotage. Ein zweiter Überwachung und ein dritter Einschüchterung." Frau Schmitt wartete kurz. Es kam kein Einwand. "Für den Einbruch lobt mein Auftraggeber 50k aus, für Überwachung und Einschüchterung jeweils 20k."
"Es gibt doch sicher noch die Möglichkeit, sich noch etwas dazuzuverdienen?"
Frau Schmitt betrachtete den Elf und benötigte einige Sekunden, um die Wut in ihrem Inneren angesichts solcher Unverschämtheit zu glätten. "Es gibt möglicherweise Aufgaben, die sich auf Grund ihrer Erfolge ergeben."
"Entschuldigen Sie. Er wusste nicht, dass wir nicht verhandeln sollen."
Nun sah Schmitt den asiatisch aussehenden Jungen an. Was mischte der sich nun ein? Sollte der Elf sein Schüler sein, so hätte er als Lehrer die Konsequenzen zu tragen. Statt dessen entschuldigte er sich für ihn und das noch auf solch eine beleidigende Art und Weise. Was für ein Gajin!
"Wie dem auch sei. Hier ist ein Chip mit allen Informationen und ein Credstick mit einer Anzahlung von 9k. Der Raum ist noch für etwas über einer Stunde gemietet. Sie können jederzeit nachbestellen, falls Ihnen etwas fehlen sollte."
Schmitt nickte ihren Gästen knapp zu und verließ mit ihren drei Bodyguards den Raum.

Informationen der Schmitt

Ordner 1
Kommnummer
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Ordner 2
Am Samstag, 04.03.2079 startet der WDR mit einem echten Live-Format. "Wetten, dass...?" wird wieder aufgelegt. Die Show muss eine einzige Panne werden.
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Ordner 3
Der WDR hat einen Reporter namens "Georg Welsbach". Finden Sie seine Informanten heraus und schrecken Sie sie ab. Töten Sie niemanden!
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Ordner 4
Eine Dame (Foto) hat mehrere Geschäftspartnern Wanzen am Jackett untergejubelt und spioniert. Finden Sie die Aufzeichnungen und sorgen Sie dafür, dass sich das nicht wiederholt.
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Der Marder schaute auf sein klingelndes Komm. Sein Bruder. Sozusagen ein Gang-Treffen, denn sie beide waren die letzten Überlebenden der "Chains". Eine Gang aus Ex-Knackis. Bis dann alle drauf gingen...
"Hoi Groucho, wie geht´s?"
"Hoi, ich brauch n paar SINs."
"Klar Mann, wie schnell?"
"Vier Stück in spätestens neun Tagen."
"Wow, Alter, ich bin alleine... also ich schmeiß mir paar Long Haul ein und dann kann ich n paar zum Wegwerfen machen."
"Ne... warte mal... geht auch was Besseres?"
"Klar, aber dann schaff ich keine vier."
Gemurmel im Hintergrund. Anscheinend eine Diskussion.
"Groucho, pass auf, ich mach Dir eine gute und melde mich dann. Schick mir einfach die Fotos."
"Alles klar, machn wer so."

Karl "Charlie" Kaluppke und Ferdinand van Haag waren auf Streife. In zivil. Am liebsten hielten sie sich aus allem raus. Ärger durften andere übernehmen. Also Kids festnehmen, die hier am Medienhafen Randale machen, klar. Aber nix Ernstes, bitte. Dazu zahlt der Plex eindeutig zu schlecht. Die ernsten Sachen laufen wegen den Konzernen ab, also sollten die auch ihren Drek selbst weg machen.
"Hey, Charlie, der gelbe Toyota da vorne ist als grün eingetragen. Lass uns den mal kontrollieren. Paar Mäuse abzocken."
Während Charlie sich vor das Fahrzeug setzte und in der AR wie auch im Rückfenster das "Polizei - Bitte folgen" Schild an.
"Mann, Charlie, ich habe die ausgestrahlten SINs überprüft. Eine ist ein Fake... Verdammt." So wurde aus einer Kleinigkeit eine handfeste Straftat.. Um so etwas machten sie normalerweise einen Bogen...
"Dann sind die echt gefährlich. Pass auf. Hol den mit der Fake-SIN raus und dann machen wir dem ein Angebot, ok?"
"Meinst du nicht, die legen uns gleich um?"
"Wer nicht wagt... wie viel verlangen wir?""
"Hm, Tausend für jeden von uns?"
"Ich habe gehört, dass Leute schon für´n Appl und n Ei umgelegt werden..."
"Ok, also Tausend insgesamt?"
"Klingt gut, ich fahre da vorne die Feuerwehreinfahrt rein."
Ferdinand stieg als erster aus. Er ging zum Fahrer, während Charlie von hinten sicherte. Die Scheibe war schon unten. Das Auto war voll. Auf dem Fahrersitz ein Typ in Panzerjacke, alle anderen in Anzügen. Komische Truppe. Ein Fahrer und seine Konzernis sitzen sonst in ganz anderen Preisklassen von Autos... Der Elf mit der Fake-SIN saß auf dem Beifahrersitz. Drek! Das waren Runner! Ihm wurde ganz schlecht. Egal, jetzt durch!
"Guten Tag, wissen Sie, warum wir Sie angehalten haben?"
"Nein."
"Ihr Auto sollte rot sein."
"Ich wollte mal schauen, wie es mit anderer Farbe aussieht."
"Aha, und deswegen haben SIe es umlackieren lassen", stellte Ferdinand fest. "Und was treibt Sie in den Plex?"
"Urlaub."
"Und für den Urlaub haben Sie extra ihr Fahrzeug umspritzen lassen...?" fragte er ungläubig eher sich selbst. Anscheinend fühlte sich Panzerjacke nicht angesprochen.
"Und Sie, Herr Arndt, steigen Sie bitte einmal aus und kommen Sie mit zum Wagen."
Der Elf folgte ihm. Sein Partner übernahm.
"Hören Sie, Sie sind hier mit einer gefälschten SIN unterwegs. Dummerweise haben wir beide so viel um die Ohren, dass wir die ganze Sache gegen ein Bußgeld von 1000 € einstellen würden."
"Selbstverständlich."
"Wir würden Bargeld bevorzugen, um die lästige Bürokratie zu umgehen. Oder einfach einen beglaubigten Credstick?"
"Selbstverständlich."
"Vielen Dank für Ihre Kooperation. Und was immer Sie hier vorhaben... Bitte nicht in unserer Schicht."
Ferdinand und Charlie stiegen wieder ein, während der Elf zurück zum Toyota Citizen lief. Ferdinand ließ das Fenster runter: "Und fahren Sie aus der Feuerwehrzufahrt raus. Sonst müssen wir noch ein Bußgeld ausstellen."
Charlie konnte im Gegensatz zu Ferdinand gar nicht lachen. "Ich hoffe, die legen uns wegen deinem Spruch jetzt nicht um."
Ferdinand blieb das Lachen im Halse stecken. Branntheiß fiel ihm ein: "Wir haben ganz vergessen, den Fahrer zu rippen."

Irgendwie hatte Kalle sich sein Praktikum beim WDR anders vorgestellt. Er sah sich schon in der Horizon-Familie seinen Konzerntraum in Ruhm und Geld leben. Statt dessen durfte er den Sperrmüll aus dem Keller im WDR Köln eine Treppe hochschleppen und in einen Container schmeißen. Zum Glück war die Türe vom Notausgang hier hinten defekt. Hatte nie einer gemeldet, weil es für alle Praktikanten eine geniale Abkürzung zum Café Reichard war, wo sie den schnöseligen Sesselfurzern ihren Kaffee und Stückchen holten und außerdem war das für sie die perfekte Gelegenheit, sich mal unbemerkt abzusetzen. In diesem Scheißladen war sowieso alles baufällig. Die Könige aber, die hatten alle ihr Büro in Düsseldorf. Alles neu renoviert und piekfein. Also ließen die unteren Chargen hier in Kölle alles an den einzigen aus, die noch unter ihnen standen: Praktikanten. Willkommen in der schönen neuen Medienwelt!
Kalle mühte sich draußen zwischen den Büschen und Bäumen mit der Kiste ab, als ihn jemand von der Seite anquatschte.
"Hoi, kann ich Dir helfen?"
Ungläubig sah er zur Seite. N junger Typ in Panzerjacke. Ghetto-Chic ist immer in. Irgendwie. Aber hier aus Köln kommt der nicht. Das hört man.
"Äh, glah, gannsde mia ma helfn, dänn Gaddong in dä Gondähnä zu globbn?" Der Typ packte mit an. Ging gleich viel besser. "Wie gommsdn, dass dä mia helfän dusd?"
"Ich wollte mal schauen, ob ich hier ein Praktikum machen kann..."
"...in dähn Safdlahdän hia, oh männeggen, lassäs liebä. Ich muss dä dregs Gellä usräumä, dad is mei Braggdigum. Un dennä Ahschlöchä Gaffee holn."
"Hört sich irgendwie nicht so gut an."
Kalle nickte. Während er dem Typen nachsah, kramte er seine Packung Kippen raus und steckte sich eine an.  Schweiz. Genau, das war der Akzent aus der Ricola Werbung. Mit dem ch und so.

Ordner 4

Frenkie bot seine ausgewählten Waren auf einer Decke feil. Auf einem Bürgersteig mitten in Düsseldorf-Flingern. Dort lag das Beste, was man auf der Straße so finden konnte. Die meisten Leute gingen einfach achtlos an ihm vorbei, aber so ein Typ in Panzerjacke stand auf einmal vor ihm.
"Hoi, weißt du, was das Zeichen da drüben bedeutet?"
Der Norm zeigte auf ein Gang-Tag. Ein großes Z, daneben eine hundert, unter der ein Prozent-Zeichen stand. Das prangte da groß auf den Mauern verlassener Werkstätten. In der Mitte, seitlich eingegrenzt von Mauern, ein langer Zugang, der in einem dunklen Durchgang in einen Hinterhof endete. "Dat sinn de 100 pro Z´s."
"Und was heißt das?"
"Naja, dat sinn so Zombies un Vampire un so."
"Wow, echt? Was hilft denn gegen die?"
"Silber, is doch klar. Hier", Frenkie zog die abgebrochene Radioantenne aus, "100% Silber. Super Waffe jejen Vampire..."
"...äh, nein..."
"...oder hier een Radkapp, kann man prima werfen..."
"...was will ich mit EINER Radkappe...?"
Eine junge hübsche Asiatin mischte sich auf einmal ein. Obwohl sie voll nach Ghetto aussah, kam sie irgendwie nobel rüber mit ihrem Schwert auf dem Rücken.
"Hoi, das Auto da vorne", sie deutete auf einen rostigen kleinen Flitzer, "das steht nachher noch genauso da wie jetzt?" Dabei hielt sie ihm einen 20 Euro Schein hin.
"Sischer, sischer."
Sie drehte sich um und ging in aller Seelenruhe Richtung Turf der Z100%. Ihr schlossen sich der Typ in Panzerjacke, ein Zwerg und ein Elf an. Das roch nach Ärger. Also Augen auf, vielleicht kann man was abgreifen.

Rotze war vollkommen zufrieden. Er durfte hier mit seinem Chef und Ralle im großen Durchgang Wache stehen. Aufrecht stehen war toll. Ralle war ganz aufgeregt, weil ihn alle Ork nennen. Aber er ist ein Goblin. Goblins erkennt man daran, dass sie die ganze Zeit reden. Also die sind die ganze Zeit wütend darüber, dass jeder Ork sagt und nich Goblin. Rotze holte sich mit einem erstaunlichem Feingefühl einen fetten Popel aus der Nase und ließ ihn sich genussvoll auf der Zunge zergehen. Der Chef sah ihn dabei mit seinen durchgehend weißen Augen an. Die meisten fanden seinen Chef unheimlich. Aber der war voll ok. Neulich hatten sie erst ein paar Wannabees verprügelt. Naja, irgendwann dürfen die vielleicht auch mitmachen. Der Chef war auch gar nicht wütend, dass er aus Versehen einen umgelegt hatte. Am nächsten Tag gabs lecker essen. Lecker Fleischeintopf. Sein Chef mochte sein Fleisch aber lieber roh. `Blutig´ nannte er das. Nur Tatoos konnte er nich ab. Die schnitt er immer raus.
Ralle hörte auf zu reden als ein paar Typen in ihre Gasse kamen. Rotze war voll stolz auf den Gang. Der Chef hatte draußen ein paar Tags gemacht, aber die hier drin durfte er sprayen.
"Hey, verpisst euch!" schrie sein Chef den Leuten zu.
"Wir haben einen Termin."
Anscheinend hatten die ein kleines Mädchen als Anführer. Ha! Was für Lappen!
"Nen Scheiß habt ihr und jetzt verpisst euch."
"Sagt wer?"
"Wir. die 100% Z´s."
Rotze war ganz überrascht. "Chef, heißen wir nich `ZIOO´?" Rotze konnte lesen und deshalb hatte er neben das große Z einen Strich auf mittlerer Höhe gemacht und IOO drüber geschrieben. Das mit dem Strich war vermutlich wegen Kunst und so.
"Rotze, du machst den Trollen alle Ehre."
Rotze war voll stolz.
Dann das Mädchen wieder. "Wir haben einen Termin."
Sein Chef meinte so: "Äh, klar, wenn ihr einen Termin habt, dann dürft ihr natürlich rein."
Ralle fing sofort an, sich wieder zu beschweren. Komischerweise aber gar nich über diese Goblin Sache, sondern über den Chef. Wegen Job und so. Rotze mischte sich in so etwas lieber nicht ein.
"Willst du mich ernsthaft rausfordern? Wenn ich sage, die haben Termin, dann haben die Termin, klar?"
Rotze sah den vier Leuten nach, die in Panzerjacken an ihnen vorbei gingen. Keine Wannabees. Die Anführerin hatte ein Schwert. Teuer. Das sah sicher nur so aus, als ob ne andere Gang ihren Turf übernehmen will. Weil sonst hätte der Chef schon was gesagt. Ralle hatte das irgendwie nur noch nicht verstanden.
Als die Gang über den Hinterhof ins Treppenhaus rein ist, streiten die beiden immer lauter. Und stritten. Auf einmal war sein Chef still. Dann fluchte er.
"Holt die Stöcke raus, die machn wer fertig!"
Soll einer den Chef verstehen. Aber der is einfach zu schlau. Teleskopschlagstock raus und ab ins Treppenhaus. Rotze stürmte voran.

Chef drückte die Alarmtaste am Kommlink. Dadurch würde die Nachtschicht alarmiert. Rotze und Ralle pfiffen sich das Kamikaze ein, das für solche Notfälle immer im Vorrat war. Chef zog seine Pistole, die er gebraucht auf der Straße gekauft hatte. Ralle und Rotze waren durch die Hintertür rein, den Kurzen Gang vor zur Treppe und waren sofort in einen Kampf verwickelt. Er lief hinterher und... bereute es. Rotze und Ralle bekamen das nicht mit, aber im Astralraum war ein Luftelementar! Chef schoss auf einen Typen, der sich als Ziel anbot.
"Kack die Wand an", dachte er, "ich mach gleich nen Abflug!" Dummerweise kam im Astralraum der Luftelementar genau zu ihm und schlug auf ihn ein. Der Typ, auf den er geschossen hatte, hat eine verdammte Spritze in sein Bein geschossen. Aus Reflex zog er sie. Gedanklich war er schon auf dem Weg raus und schoss nochmal, als ihn eine weitere Spritze traf. Bevor er loslaufen konnte, fiel er durch irgendein Mittel, das diese verdammten Spritzen enthielten, zu Boden. Er fragte sich nur, warum Ralle und Rotze nur dumm in der Gegend herumstanden und nichts taten, als der Luftelementar neben ihm manifestierte und er am Boden liegend das Bewusstsein verlor.

Die Nachtschicht stand sofort auf, stülpte sich eine Panzerjacke über. Die beiden Soldaten knallten sich Kamikaze, der Boss, auch ein Ghul, schnappte sich seine Wumme. Er ließ die beiden Soldaten vorausstürmen. Sie wurden schon unter Feuer genommen, da waren sie noch nicht einmal die Treppe ganz unten. Er sah seinen Kollegen am Boden liegen. Die beiden Troggies schlugen gleich mit ihren Schlagstöcken auf jemanden ein und dann sah er es! Ein Luftelementar! Er schlich sich sofort zurück, so dass er nicht mehr gesehen werden konnte... Sollten diese beiden Privatdetektive selber schauen, wo sie blieben! Da kam eine verfluchte magische Armee!

Rotze schrie innerlich vor Wut. Er hatte den dreks Elfenmagier nur knapp verfehlt. Vielleicht war er nicht schlau, aber er wusste, dass der Typ ihn und Ralle unter Kontrolle hatte. Hinter ihm fand kurz ein Kampf statt. Er hörte ein paar Schüsse. Anscheinend hatte einer der anderen eine Automatik- oder eine Maschinenpistole. Drek! Und er stand nur hier, sein Kopf lief rot an vor Anstrengung und das einzige, was er tun wollte, diesen Dreks-Elfen umzunieten, das konnte er einfach nicht, weil sein Körper ihm nicht mehr gehorchte.
Als der Lärm vorbei war, sagte der eine Typ in einem komischen Akzent irgendwas von Mund aufmachen. Er musste den Mund öffnen, ob er wollte oder nicht. Der verfluchte Chummer schoss Ralle in den Mund! Und jetzt war er dran. Er war überrascht, als er nur einen Stich im Rachen spürte. Anscheinend reichte das nicht, denn nach einigen endlosen schummerigen Sekunden verspürte er einen zweiten Stich im Gaumen und seine Lichter erloschen...

Karl Otto sah über die versteckte Kamera im Treppenhaus wie die Gang dahingeschnetzelt wurde. Tina hatte Recht. Sie hätten sich Leute mit Wummen besorgen sollen statt solche Schläger. Doch dazu war jetzt keine Zeit... Deck und Cips in den Koffer gepackt, die anderen wichtigen Gerätschaften mit dazu. Teppich weg, Luke auf. Runter in den Keller. Karl fluchte, weil heimlich war wirklich anders. Steintreppe wieder hoch. Als er durch die Hintertür in den Hinterhof kam, atmete er auf und rannte durch den Durchgang Richtung Straße. Ein Schlag traf ihn von hinten. Eine kleine Asiatin stellte sich ihm in den Weg und von hinten wurde er gepackt. Er war geliefert.
"Na, wo solls denn hingehen?", fragte ihn die Asiatin. Er zeigte nur auf die Straße vor ihm, die inzwischen unerreichbar schien. "Und in welchem Stock wohnst du?", setzte sie fort, während sie seine Taschen durchsuchte und den Koffer Richtung Haus zurück kickte.
"Äh, ganz oben." Ob sie ihm diese Lüge abnahm?
"Na, dann lass uns doch einfach mal in deine Wohnung gehen."
Er  wurde von dem kleinen aber enorm starken Kerl hinter ihm Richtung Haus geschoben. Auf der Treppe fiel ihm ein, dass die Nachtschicht im ersten Stock schlief und wollte dort abbiegen.
"Wohnst du nicht ganz oben?", höhrte er eine höhnische Frage. "Wo wohnst du denn nun wirklich? Und ich hoffe, der Kaffee ist wirklich gut da."
Enttäuscht zeigte er nach unten. Die Sicherheitstüre zu seiner Wohnung war aufgebrochen. Am Ende haben sie wohl die Angeln rausgeschossen. Vorne stand ein Elf herum. Ein Typ in Panzerjacke beschäftigte sich gerade mit der Tür in sein Büro. "Die beiden Schlösser sind geknackt, aber das Magschloss will Zahlenkombi und Fingerabdruck." Die Asiatin gab ihm die Karte. "Und jetzt noch den Finger." Panzerjacke sah ihn erwartungsvoll an. Er legte seinen Zeigefinger auf das Pad und das Schloss sprang auf grün.
Er wurde in sein Büro gestoßen. Sie fingen sofort an, seine Sachen zusammenzupacken. "Bitte", wimmerte er, " das war so viel Arbeit..."
"Wo ist deine Partnerin?"
"Ich... ich habe doch gar keine..."
"Lüg uns nicht an!" Er bekam einen Tritt und ein Foto unter die Nase gehalten. "Die hier. Wie können wir die erreichen?"
Die kleine Asiatin ließ einfach nicht locker. "Im Komm unter T".
"Wie genau?"
"Na, T und dann ein Punkt."
"Und wo ist die jetzt?", quatschte ihn Panzerjacke von der Seite an.
"Im Dampfhammer."
"Hä? Wo?"
"Du kommst nich von hier, oder?" Er schüttelte den Kopf.
"Werden wir finden, ich schicke das an unseren Support im Netz", nahm die kleine Asiatin wieder das Wort auf, "wer ist dein Auftraggeber?" Der Norm in Panzerjacke öffnete mit seinem Schlüssel den Koffer mit seinem Equipment. Es hatte keinen Sinn mehr.
"Kai Tidije. So n Reporter."
"Danke schön."
Ihm wurde von hinten sein Actioneer Buisness Anzug zur Seite gezogen und die junge Asiatin schoß zwei Mal. Sein Hemd färbte sich rot, als er langsam sterbend zu Boden sank. Der kleine Typ hinter ihm war tatsächlich ein Zwerg...

Frenkie hörte die Schüsse. Wow, echt was los da. Es dauerte etwas. Der Typ in Panzerjacke kam raus und fuhr mit dem Auto rückwärts rein bis zum Hinterhof. Anscheinend luden sie alles voll. Als sie endlich wegfuhren, beeilte sich Frenkie. Vielleicht gab es noch was abzugreifen. Seine Laune hob sich, als er die vielen Körper im Treppenhaus liegen sah. Aber er roch Rauch. Er hatte nicht viel Zeit. Er sammelte die herumliegenden Waffen ein und begann, die Taschen zu durchwühlen...

Tina war nachmittags immer noch im Dampfhammer in Hattingen, DEM angesagten Industrial Club im Plex. Sozusagen Stahl in Form von Musik. Sie holte sich gerade einen aufputschenden Cocktail, der das Long Haul in ihrem Blut unterstützen sollte, als sie Karl Otto sah. Er wirkte besorgt und machte eine Geste Richtung Ausgang. Drek! Irgendwas ist schief gelaufen! Als ab Richtung Ausgang. Draußen merkte sie, dass Karl noch ein paar Leute dabei hatte. N Elf, nen Zwerg und nen Norm. Sahen nach Schatten aus.
"Was is?"
"Wir sind gestürmt worden. Bin über den Keller raus."
"Hast du noch alles? Die Zusammenschnitte?"
"Ja, klar."
"Und die Leute...?" Tina deutete auf die drei Fremden um sie.
"Hab ich auf die Schnelle angeheuert."
"Wohin? Bist du mit deinem Auto da?"
Er deutete auf einen roten Kleinwagen. "Gemietet. Unauffälliger."
"Wo gehts hin?", fragte sie beim Einsteigen.
"Erst mal an einen sicheren Ort."
Sie fuhren los. Karl war so schweigsam. Kannte sie sonst nicht. Aber anscheinend reagierte er unter Stress so. Na, Hauptsache der Macker macht seinen Job. "Na, hoffentlich ist nichts kaputt. Wir haben noch nichtmal die ganze Kohle bekommen."
Er fuhr unterwegs über Landstraßen immer tiefer ins Gebirge. Wie hieß das hier nochmal...? Sie konnte sich nicht erinnern. Er hielt an einem kleinen Waldweg.
Sie schaute misstrauisch. "Was nun?"
"Wagenwechsel", meinte er nur lapidar und zeigte auf einen Holzstapel.
Sie ging in die Richtung und versuchte, den Wagen auszumachen. "Ist aber gut versteckt..."
Zwei Kugeln trafen sie in den Rücken. Dass sie hinter die gestapelten Holzstämme gezogen wurde, merkte sie bereits nicht mehr.

Kai Tidije sah auf sein Komm. Karl Otto. Ausgerechnet jetzt! Seufzend sah er Filly zu, wie sie aus seinem Pool stieg.
"Ja."
"Wir sollten uns treffen."
"Klar, Komm vorbei. Ich melde euch bei der Sicherheitsfirma an."
"Wir sollten uns vielleicht etwas diskreter treffen. Wie wäre es am Nordfriedhof?"
Der Nordfriedhof war zwar gleich um die Ecke, wenn man den Waldweg in Velbert nach hinten raus nimmt, aber er wollte Filly Schwartz, einem aufsteigendem Stern am Model-Himmel, noch ausführen und sich bewundern lassen. Davon abgesehen, dass sie seine Lancierung von äußerst wohlwollenden Artikeln in verschiedenen Regenbogenblättern vor ihrem Auftritt in "Wetten, dass...?" am nächsten Samstag durch sehr angenehmen persönlichen Einsatz unterstützte. Er seufztze und nahm noch eine Nase Novacoke. "Ja, meinetwegen. Wann?"
"Heute um 19.00 Uhr?"
"Gut, kann sein, dass ich etwas später komme." Er legte auf und ging zum Pool. Es war noch reichlich Zeit.

Hacke hörte den Typen mehr als er ihn sah. Wahrscheinlich wieder einer, der hier den Friedhof besuchte und schnell mal strullern musste. Perfekte Gelegenheit.
"Hey, haste ma n Euro?"
Der Typ zögerte und meinte dann: "Nee, aber ich hab was viel besseres. Bist du alleine?"
"Ne, da is noch n Kumpl. Haste für den auch noch n Euro?"
Der Typ ging Richtung Parkplatz, traf sich da mit jemandem, den er in dem trüben Licht kaum erkennen konnte und kam wieder.
"Hier, voll gutes Zeug." Er hielt ihm zwei Pflaster hin.
"Hasse kein Strohrum oder so? Was soll n dat sein? Rattenjift?"
"Ne, nur das hier. Is voll gut."
"Jenau dat ham se dem Didi auch jesacht, als er hops jejangen is."
"Nein, echt gutes Zeug."
"Ja, jenau das ham se jesacht."
"Das is Bliss, Mann."
"Ey, wow, Bliss, Alter. Bist voll korrekt, Alter!"
"Gibst deinem Kumpel aber auch was ab, oder?"
"Jaja."
Sein Kumpel Wolle hatte ihn wohl gehört, denn er steckte sein Kopf aus dem Zelt. Aus der Dunkelheit hörte man ein "Was jeht, Alter, hasse Stoff?"
"Mann, schlaf erst mal aus, das nehm´ wer dann nachher zusammen."
Mist, der Typ lässt nich locker, geht sogar bis zum Zelt zwischen den Bäumen und Büschen hinterher. Trotzig gab er Wolle ein Pflaster und drückte sich das Bliss auf seine Halsschlagader. Wow. Space! Lord! Mother! Fucker! https://www.youtube.com/watch?v=J5ttxK7SOC8

Kai hatte neben dem Novacoke noch eine potenzsteigernde Pille eingeworfen. Filly war einfach der Hammer. Er schwamm in einem Meer aus ´mehr!´. Nun lag er auf Boden seines Bungalows und war völlig fertig. Näschen. Er zog sich seinen Anzug an und... wartete. Er war gespannt, wie lange Filly im Bad benötigte. Nach einer gefühlten Ewigkeit ging es los.
"Kleines, wir machen noch nen schnellen Pit Stop, bevor die Show beginnt."
"Alles was du willst, Papa!"
Filly ist einfach n Knaller. Mit ihrer Hand zwischen seinen Beinen fuhr er in seinem Porsche durch Velbert zum Nordfriedhof. Karl stand da schon rum. Er hatte schon ungeduldig angerufen, nur weil Kai etwas später dran war. Hatte er es ihm nicht schon gesagt...? Er hielt mitten auf dem Weg und ließ die Scheibe runter. Karl schaute ins Auto.
"Lass uns das besser unter vier Augen besprechen."
Kai verdrehte die Augen. "Filly, Kleines, dauert nich lange." Er stieg aus, ließ den Motor laufen und die Türe offen.
"Alles, was du willst, Papa.", schmeichelte es ihm aus seinem Porsche heraus.
Sie standen etwas abseits. "Jetzt mach nich so lang rum Karl. Hier is die Kohle. Jetzt rück schon raus."
Karl nahm den Credstick, ließ sich die 25k anzeigen und machte eine Handbewegung ins Dunkle, abseits des noch halbwegs beleuchteten Parkplatzes. "Die Chips hab ich da hinten gebunkert."
Mannomann, allesamt völlig paranoid, diese Runner...
Karl drehte sich um und irgendetwas in seiner Stimme war zwingend.
"Ziehe. Dich. Aus."
Ohne darüber nachzudenken, zog er seinen Anzug aus, ließ die Hose fallen, Hemd, Unterhemd, Strümpfe. Er hielt gerade seine Unterhose in der Hand, als irgendetwas in seinen Geist eindrang. Ein Zauber! Mühsam konnte er ihn abschütteln. Alle Alarmglocken sprangen an. Ein Knall, irgendetwas flog auf ihn zu. Er konnte gerade so ausweichen. Auf einmal kam aus dem Dunkeln ein Typ aus ihm zugerannt und gab ihm volle Kanone eine mit. Ihm wurde schwummerig vor den Augen. Als quasi gleichzeitig noch einer zuschlug, gingen seine Lichter aus...

Filly wartete. Es gab Schlimmeres. Hauptsache Kai hielt sich an seine Abmachungen, die ihre Agentur mit ihm getroffen hatte. Nach ein paar Minuten sah sie ihn hinter seinem Porsche vorbei Richtung Parkplatz gehen. Er öffnete die Tür eines roten Kleinwagen, nahm irgendetwas heraus, schloss ihn wieder und putzte die Türklinke mit einem Tuch ab. Anscheinend kauft das kleine Arschloch hier gerade Stoff. Das lief im Model-Buisness aber wesentlich professioneller ab!
Er stieg zu ihr ins Auto. Sie ließ ihre Hand über seinen Schenkel gleiten, doch er nahm sie und schob sie weg. Sollte ihr nur recht sein. Er startete das Auto mit richtig Zunder, slidete über den Schotter des Parkplatzes und fuhr mit ordentlich Gummi auf die Straße.
Aus dem Nichts sah er sie an. "Sag mal, was hälst du von Ski fahren...?"

Kai kam langsam zu sich und spürte, wie er immer wieder auf die Wangen geschlagen wurde. Er war nackt. Auf dem Rücksitz eines Autos. Links ein Zwerg, rechts ein Elf. Ein Norm fuhr. Sie standen auf einem Waldweg. In der Hand hielt er seine Unterhose.
"Wo hast du die verdammten Daten?" Der Elf sah ihn von der Seite scharf an. Kai hatte noch damit zu tun, sich zu orientieren und war noch nicht in der Lage, zu antworten. "Wo hast du sie? Wo genau wohnst du? Wie kommt man rein?"
Kai konnte es immer noch nicht fassen. Er saß nackt mit seiner Unterhose in der Hand auf dem Rücksitz eines Autos... Anscheinend entführt von Runnern. Langsam begann es in seinem Kopf zu rattern. Ok. Sie wollen die Daten. Anscheinend ist die ganze Abhöraktion aufgeflogen und MCT hat jemanden engagiert. Nachdem das hier keine Japsen waren, mal nicht die Yaks. Sie wollten die Daten, klar. Vermutlich hatte Karl ausgepackt, dass er ihm schon je eine halbe Stunde Rohmaterial als Teaser geschickt hatte. Die Frage war nur, was sie anschließend mit ihm vorhatten... Langsam schmiedete er einen Plan zusammen....
"Äh, die Daten habe ich im Netz gespeichert. Einige Kopien."
"Und zu Hause? Oder in der Redaktion?"
"Wie wäre denn Folgendes: Ich sage euch, wo die ganzen Kopien des Rohmaterials sind, wenn ihr mich dafür am Leben lasst. Dafür könnten wir in Zukunft zusammenarbeiten. Eine Hand wäscht die andere. Ich bin bestens vernetzt. Was immer sich tut in der High Society, ich weiß es. Habe einigen Einfluss und Informanten ohne Ende..."
Alle sahen sprachlos zu Kai. Der Fahrer holte ein Komm heraus und rief jemanden an.
"Klingt gar nicht schlecht. Lass mal hören. Am besten fängst du damit an, uns die Passwörter zu geben."
Anscheinend hatten sie einen Decker und der hatte bereits sein Komm geknackt.
"Und dann noch die Kombination vom Safe.", fauchte ihn der Elf von der Seite an.
Er redete lieber über den Rückspiegel mit dem Fahrer. "Die sind zwischen meinen Musik- und Film-Chips. Eine Nadel im Nadelhaufen sozusagen."
"Dann bring uns da hin!", fauchte der Elf wieder.
"Äh, ist euch schon aufgefallen, dass ich nackt bin? Um reinzukommen, brauche ich mein Kommlink. Und mein Nasenspray ist auch weg! Mein dreks Heuschnupfen bringt mich noch um! Und verdammt nochmal, jetzt macht endlich Platz, dass ich mir wenigstens meine Unterhose wieder anziehen kann!" Irgendwie hatte er sich in Rage geredet. Sei´s drum! Wenn er schon drauf gehen sollte, dann wenigstens noch mit einem Rest an Würde...

Maurice machte mit Diego die Tür der "Almhütte". Als sie Kai Tidije mit Filly Schwartz ankommen sahen, wussten sie, was die Stunde geschlagen hatte. Sie sahen sich beide an. Als nächstes hatten sie ihre Komms in der Hand. Paparazzis mussten benachrichtigt werden. Nebenverdienst. Und es kam, wie es kommen musste. Immer mehr Gäste strömten rein. Die Luxusschlitten parkten um die Wette.
Irgendwann kam ein junger Typ im Anzug von der Stange an. Im Taxi. Maurice sah Diego an und lächelte.
"Stopp. Geschlossene Gesellschaft. Du stehst nicht auf der Liste."
Der junge Anzugträger sah sie beide an. "Und... äh... wie viel soll so ein Platz auf der Liste kosten?"
"Fünf."
"Das ist mir zu teuer. Zwei?"
"Vier."
"Das kann ich mir nicht leisten." sagte er enttäuscht und wollte wieder gehen.
"Also gut, für dich drei."
Er drehte wieder um. "In Ordnung."
Schnell verdiente 3k. Maurice ließ den jungen Asiaten rein.

Karl von Rothenfels ließ sich nach der Sauna auf die Massageliege fallen. Dieser Kai Tidije ließ mal wieder die Kuh fliegen. Eigentlich war er hier in der "Almhütte" nur, um gediegen ein paar Schwünge mit den Skiern zu machen, aber Freibrause, Näschen und jede Menge Nachwuchsmodels oben ohne... da war man nicht abgeneigt. Nur mit dem gediegenen Ski fahren war es halt vorbei. Dafür war er auf einem Schlitten ein paar mal mit den jungen Mäuschen unterwegs. Der Gastgeber hatte sich auch überraschend früh mit Filly zurückgezogen. Darüber würde selbstverständlich keiner der Paparazzi schreiben. Nur Bilder von Party. High Life. Süßes Luxusleben und so weiter. Alles, wovon Otto Normalo träumt, aber auch nichts, was ihm seiner Illusion beraubt oder worüber er sich moralisch aufregen würde. Immerhin war Frau Schwartz nächste Woche bei dem großen Echt-Live-Event vom WDR angekündigt. "Wetten, dass...?". Der Haupt-Star war natürlich Joe Venski, der den neuen Karl Kombatmage Streifen hypen würde. DeMeKo muss einen schönen Batzen an die Horizon-Tochter gezahlt haben, um ihn dort zu etablieren.
Wie dem auch sei, auf der Liege nebenan war ein neues Gesicht. Jung, asiatisch. Hatte er noch nie gesehen.
"So eine Massage ist schon eine Wucht", sprach er ihn an. Nachdem er erst einmal nicht antwortete, legte er sein Gesicht wieder in die dafür vorgesehene Aussparung in der Liege. "Aber Sie haben natürlich Recht. Man sollte seine Massage in Stille genießen."
"Oh, ja, echt eine Wucht. Die machen das richtig gut."
"Gestatten, Karl von Rothenfels." Er hielt ihm seitlich die Hand hin. Er zögerte.
"Nagato... Nagato... Schmitt."
Soso. Eindeutig jemand, der hier nicht reinpasste. Interessant. "Und was treibt Sie so in den Plex, Herr Schmitt?"
"So dies und das. Bin nur auf der Durchreise."
"Ah, Geschäftsmann, ich verstehe. Gut, dass ich da raus bin."
"Ich verstehe, Sie genießen das sorgenlose Leben?"
"Sorgenlos? Ich wünschte, es wäre so. Die verdammte Klimaanlage in meinem Ferienhaus ist immer noch kaputt. Ich glaube, der Hausverwalter haut mich übers Ohr!"
"Ich komme ja aus der Technikbranche. So eine Klimaanlage ist jetzt wirklich keine große Sache."
"Ja, und ohne bist du im Dschungel total aufgeschmissen." Er beobachtete ihn genau. Stille.
"Wo genau steht denn Ihr Ferienhaus?"
"Na, auf Mauritius, wo jetzt jeder Hans eines hat."
"Ich könnte ja mal hinfliegen und sie mir anschauen?"
Karl von Rothenfels lachte innerlich. Sehr geschickt. Mag sein, dass das so ein junger Start-Upper war. In die Nesseln wollte er sich auch nicht setzen. Auf jeden Fall mal überprüfen lassen, den Typen.
"Sicher machen Sie doch einfach einen Termin mit der Hausverwaltung... äh.. hier, meine Karte." Er strahlte in der AR seine Visitenkarte aus. Zurück bekam er eine Nummer. Nichts Protziges.
"Aber für schlappe acht Millionen könnten Sie es auch einfach kaufen."
"Nein, nein. Das lasse ich lieber. Ich weiß aus sicherer Quelle, dass die Klimaanlage nicht funktioniert."
Karl von Rothenfels musste lachen. "Anscheinend haben Sie tatsächlich einen gut informierten Spitzel vor Ort, Sie Schelm."

Filly Schwartz war nicht wirklich überrascht, als Kai mit ihr schon gegen zehn die Party in der Almhütte verließ. Er hatte für Party und Paparazzis gesorgt und sie für einige ihrer Freundinnen, die auf ihren großen Durchbruch hofften. Solche "Freundinnen" hatte sie immer mehr, seit bekannt wurde, dass sie in der neuen Show vom WDR plaziert war. Sie alle wollten sie benutzen und warum sollten sie ihr nicht auch einen Gefallen tun?
Kai Tidije dagegen war einfach ein Drekhead. Er konnte mit seinem Einfluss in der Medienbranche Leute pushen oder vernichten. Aus dieser Macht machte er keinen Hehl. Filly wollte natürlich gepusht werden und deswegen verbrachte sie dieses Wochenende mit ihm. Im Hotel jedoch überraschte er sie. Anstatt wie am Vormittag völlig rücksichts- und hemmungslos über sie herzufallen, wollte er sie heute Abend befriedigen. So lag sie auf dem Bett, seinen Kopf zwischen ihren Beinen und genoss den Rausch von Alkohol, Novacoke und Orgasmus bevor sie einschlief. Den Einstich in ihren Po bekam sie gar nicht mehr richtig mit.

Sie gingen noch eine Runde saunieren. Später verabschiedete sich Herr von Rothenfels von dem jungen Mann in Anzug von der Stange. Bei seinem Weg zu seiner Mercedes Limousine, in der sein Chauffeur wartete, sah er Nagato Schmitt unschlüssig am Eingang der "Almhütte" herumstehen.
"Darf ich Sie mitnehmen?" Er wies mit seiner Hand in Richtung Mercedes, dessen Hintertür sich wie von Geisterhand öffnete. Herr Schmitt stieg ein. So saßen sie sich im Fahrgastraum gegenüber.
"Darf ich Ihnen etwas zu Trinken anbieten?" Herr von Rothenfels öffnete die Minibar, die gar nicht so mini war.
"Einen Scotch, bitte.""
Rein zufällig hatte Herr von Rothenfels einen wunderbaren schottischen Single Malt offen. Kultivierte Menschen würden das zu schätzen wissen. Herr Nagato Schmitt war nicht kultiviert. Er war froh, als er ihm eine mit Honig versetzte Whisky-Plörre vorsetzte.
"Ich bin froh, dass wir uns unter vier Augen unterhalten können. Ich suche immer ...Menschen, die mir Informationen beschaffen können und dafür auch ambitionierte Wege gehen."
"Ja, das mache ich auch gerne, wenn ich nicht gerade an Rechnern herumschraube oder mich medizinisch weiterbilde..."
"...ah, ein Mann mit vielen Talenten. Sie wären also bereit, den ein oder anderen Auftrag für mich zu übernehmen?"
"Natürlich. Ich melde mich, sobald ich Zeit habe."
Karl von Rothenfels kugelte sich innerlich vor Lachen. Natürlich. Er meldet sich, wenn er Zeit hat! Darf er gerne tun. Seine Mailbox war geduldig. Herr Nagato Schmitt würde schon noch begreifen, wie der Hase läuft.

Endlich durfte sich Kai Tidije sich seine Unterhose anziehen. Eingeklemmt zwischen diesem anscheinend angepissten Elfen und dem wortkargen Zwerg, der so aussah, als würde er nur auf den Exekutionsbefehl warten. Er gab den Zahlencode für seine Alarmanlage preis. Anscheinend machte es ihnen gar nichts aus, dass sie noch seinen Fingerabdruck brauchen würden. Der Typ fuhr auf den Waldweg parallel zum Kalkofen. Sie wollten tatsächlich durch den Wald zur Hintertür seines Anwesens laufen.
"Habt ihr vielleicht Schuhe für mich? Das wird sonst echt hart im Dunkeln quer durch den Wald."
"Na und?", meinte der Elf nur.
"Kannst meine Socken haben.", kam vom Norm auf dem Fahrersitz.
Socken. Besser als nichts. Und so kam es, dass er in Unterhose und Socken mitten in der Nacht querfeldein durch den Wald lief. Wenn er seine Hände nicht auf den Schultern des Zwerges hätte, müsste er sich hier durchtasten. Auch ohne den Elfen in seinem Rücken war an Flucht nicht zu denken. Die konnten anscheinend alle mehr oder weniger gut in dieser Dunkelheit sehen. Sie fanden auch sofort die Hintertür. Er öffnete sie und das dezente Licht sprang sofort an, als sie das Grundstück betraten. Im Bungalow brannte bereits abgedimmtes Licht. So gingen sie zwischen Pool und Tennisplatz über die Terrasse rein und er sah.... sich selbst! Drek! Der Typ da mit dem Kaffee in der Hand in seinem Wohnzimmer sah exakt so aus wie er!
"Ich könnte auch nen Kaffee vertragen."
"Ich auch."
"Was genau darf ich Ihnen denn anbieten? Mokka, Cappuccino, Espresso?"
"Einen Cappuccino, bitte.", sagte der Norm in Panzerjacke.
"Mokka, Milch und Zucker. Den Zucker aber gefälligst rein vor der Milch!", setzte der Elf fort.
"Kaffee wie gehört." gab er an seine KI weiter, die sein Haus steuerte. "Den Kaffee finden Sie dann in der Küche. Kann ich dann bitte duschen gehen?", sagte er in Richtung des Norms.
Aber er konnte seine Augen auch nicht von seinem Ebenbild lassen. "Ich habe schon von so etwas gehört..."
"Guter Bottichjob, nicht? Und nein, duschen ist nicht drin."
Es war merkwürdig, mit sich selbst zu sprechen. Selbst Körpersprache, Stimme und Tonfall stimmten überein.
"Wow, für Leute wie euch habe ich jede Menge Arbeit... Darf ich mir wenigstens was anziehen?"
"Wirklich? Wollen erstmal sehen, ob wir für Dich arbeiten wollen!" Der Elf war wieder aus der Küche zurück.
"Und denke dran", fuhr sein Ebenbild fort, "du hast die beiden Privatdetektive von Kunaz & Co umgebracht. Wir haben die Tatwaffe mit deinen Fingerabdrücken."
Er war erst einmal baff. "Sie sind ... tot?"
Sein Ebenbild ging ins Bad, kam mit einem Bademantel wieder und warf ihn ihm zu.
"Sonst gäbe es wohl kaum eine Tatwaffe!" Was genau hatte er dem Elf denn getan? Ok, sie mussten ihm zeigen, wer hier das Sagen hatte, aber er übertrieb es ein bisschen.
Sein Klon fuhr fort. "Ich schlage vor, du machst eine Woche Urlaub oder krank. Auf jeden Fall wirst du nicht in der Redaktion auftauchen."
"Kein Problem, ich muss diese Woche nur noch drei Artikel platzieren. Kann ich auch von zu Hause aus.
"Musst echt hart arbeiten für dein Geld, was?" Der Elf wieder.
"Dann brauchen wir nur noch die Chips." Der Typ in Panzerjacke mit dem schweizer Akzent schaute ihn an.
"Natürlich..." Er kramte die Chips aus seiner Sammlung heraus und zählte sie zur Sicherheit noch einmal durch. "Dann wäre ja alles geklärt."
Der Elf sah das anders. "Ein Drek ist geklärt. Wenn du uns dazwischen fährst, bist du Geschichte. Du wirst tun, was wir Dir sagen!"
Ihm platzte der Kragen. "Hör mal zu, du verdammter Blümchenfresser. Wenn Du mit allen Leuten so umgehst, mit denen du zusammenarbeiten willst, dann erlebst du den Frühling nicht mehr!", Er schluckte. Hoffentlich überlebte er das.
"Außerdem haben wir Filly Schwartz.", fügte sein Klon beunruhigend ruhig hinzu.
"In Ordnung, Leute. Ihr habt Filly und könnt mich mit einer Tatwaffe wegen Mordes belasten. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich euer Depp bin. Was mit Filly passiert, ist mir schnuppe und ich habe gute Anwälte."
"Warum genau legen wir ihn nicht um?", fragte der Elf in die Runde.
"Weil er mit uns zusammenarbeiten will. Er hatte gute Argumente.", gab der schweizer Norm zurück.
"Das würde ich gerne nochmal hören."
Er setzte also an: "Ich habe jede Menge Aufträge für Leute wie euch. Außerdem ist die Bezahlung kein Problem für mich." Kai streckte beide Arme aus, um auf sein Luxusanwesen hinzuweisen. "Außerdem könnte ich Sie jederzeit mit Informationen über die High Society versorgen, Dieses Rampenlicht wollen auch Leute aus Wirtschaft und Politik immer wieder nutzen." Er sah in die Runde. Die Mehrheit war wohl für Zusammenarbeit. Er sah seinen Klon an und streckte seine Hand aus. "Dann hätte ich gerne mein Kommlink zurück."
"Das kannst du gerne wollen." Er ging einfach an ihm vorbei und ging. Wie die anderen. Nur der Elf blieb, um ihn finster und wortlos anzustarren. Dann ging auch er. Sie fuhren in seinem Porsche davon.
Er atmete tief durch und ging erst einmal duschen. Hätte auch schlechter laufen können.

Ordner 3

Das Kom schlug Alarm. Datenbombe ausgelöst. Drek! Georg Welsbach schaute fassungslos. Er war doch an keiner heißen Sache dran. Er sammelte Hintergrundinformationen. Als der WDR vor zwei Jahren von Horizon übernommen wurde, wollte er aussteigen. aber eine enorm hohe Sonderzahlung seines Arbeitgebers hielt ihn an der Stange. Wie dem auch sei, er musste quasi aus Versehen in irgendein Wespennest gestochen haben.  Er hatte auch einen Verdacht, aber das würde bedeuten, dass die Yaks wissen, dass ... Nein, das konnte eigentlich nicht sein.
Zweifellos war jemand auf seinem Kom. Er fuhr es runter. Wenn es schlecht läuft, stehen sie auch schon vor der Türe. Er dachte an seine Frau und die drei Kleinen, die gerade in der Küche zusammen kochten. Er wollte seine Frau nicht in Panik versetzen und seine Familie aus allem raushalten. Er nutzte seine Spielekonsole, um mit dem WDR Kontakt aufzunehmen. Sicherheitsabteilung.
"Konrad, Sicherheit, was kann ich für Sie tun?"
"Hier Welsbach. Mein Kom wurde eben kompromittiert. Ich fürchte auch um meine Sicherheit und um die meiner Familie."
"Einen Moment."
Er wartete und versuchte, aus dem Fenster zu sehen. Hinter dem Haus sah alles so weit normal aus. Musste aber nichts bedeuten.
"Herr Welsbach?" Er gab nur einen Hm-Laut von sich. "Bitte fahren Sie ihr Kom wieder hoch und gestatten Sie die Anfrage 2bG(&)ichkriegdichduscheißhacker!. Ein Spezialist der Matrixsicherheit würde sich gerne den Tatort genauer ansehen."
"Wann kann ich mit Personenschutz rechnen?"
"Äh... Herr Welsbach... sehen Sie, durch die große Aktion am Samstag sind alle Kräfte gebunden. Vielleicht können Sie eine verwandte Person besuchen?"
"Das ist nicht euer Ernst..." Georg Welsbach fiel aus den Wolken. Als der WDR noch zu MCT gehörte, wären null-komma-nix paar Yaks vor der Türe gestanden. Aber es half nichts. Er atmete tief durch. Es war wichtig, dass er die Nerven behielt. Er ging durch die Wohnung und beobachtete die Umgebung durch die Fenster und ging seine Optionen durch.

Filly war angenehm überrascht. Nach allem, was sie über Kai Tidije so gehört hatte, verlief ihr Wochenende völlig anders. Gut, anfangs war er wirklich ein absoluter Dreksack, aber heute morgen besorgte er ihr persönlich ihre Goji-Beeren. Natürlich die erwachten! Hier im Hotel gab es leider nur die normalen. Danach fuhren sie in seinem Porsche quer durch den Plex. Loreley hier, Zeche Zollverein da und immer schön Fotos für P2. Ihre inzwischen doch etwas zahlreicheren Fans taten ihr übriges. Autogramm hier, Selfie da. Sie fühlte sich wie eine Prinzessin. Kai Tidije war ein echter Profi. Sie würde jederzeit gerne länger mit ihm zusammenarbeiten! Er war so süß! Er hatte tatsächlich Angst um ihre Sicherheit und hatte eine Personenschützerin für sie besorgt!

Georg Welsbach hatte lange gegrübelt. Draußen sah alles normal aus. "Schatz, ich gehe nochmal runter."
Seine Frau sah ihn entgeistert an. "Nicht heute... nachher kommen Ralf und Sonja zum Essen, hast du das vergessen?"
"Tut mir Leid, ist dringend."
Er ging nach unten. An der Straße stand sein Van. Vermutlich würden sie dort zuerst zuschlagen. Dann wäre seine Familie sicher. Als er die Haustür öffnete, stand vor ihm ein Zwerg in Anzug, der sich für die Klingelschilder interessierte. Nichts gegen Zwerge und auch nichts gegen Anzüge von der Stange, aber der roch quasi nach Ärger. Als er zu seinem Van ging und einstieg, sah er, wie der Zwerg sich weniger für die Klingelschilder , sondern mehr für ihn interessierte. Eindeutig! Er schloss die Türe, atmete tief durch und fuhr die Sensoren des Fahrzeugs hoch. Der Zwerg ging an seinem Van vorbei und direkt zu einem Auto, das in einer einmündenden Straße schräg gegenüber stand. Der dachte wohl, er hätte ihn nicht bemerkt. Sie fuhren los, über die Kreuzung, wendeten und stellten sich dort hinten in Beobachterposition ab. Drek! Die wussten, wo er wohnte. Dann wussten sie auch von seiner Familie! Am Ende würden sie ... das wollte er sich gar nicht vorstellen. Er holte eine Beruhigungspille aus einer Schublade und spülte sie mit Sake herunter. Wenn schon abtreten, dann mit Stil. Er hatte seine Entscheidung getroffen.
Er stieg aus und lief in aller Seelenruhe... nein, seine Seele war nicht ruhig. Das Mittel dämpfte nur seine Aufregung. Er ging also die Straße entlang Richtung der Leute, die ihn offensichtlich beobachteten. Die Ampel an der Kreuzung war rot. Als er nach einer gefühlten Ewigkeit die Straße überquerte, ging er direkt auf den roten Toyota zu und klopfte an die Fahrerscheibe. Sie senkte sich. Dahinter ein Norm in Anzug auf dem Fahrersitz. Der Zwerg hatte sich im Fußraum der Beifahrerseite versteckt. Hatte er tatsächlich den Boden des Handschuhfachs ausgebaut, um mit seinem Kopf und den Schultern darin zu verschwinden? Er schüttelte den Kopf. Was für eine absurde Situation.
"Sind Sie diejenigen, die mein Kom hackten?"
"Nein, das waren nicht wir."
Schweizer Akzent. Interessant. Aber seine Recherche über Genom war doch schon ewig her...
"Was auch immer ihr Auftraggeber möchte, sie haben meine Nummer und wissen, wo ich bin. Es wäre sehr vorteilhaft, wenn wir meine Familie da heraushalten könnten."
"Äh, ja."
"Vielen Dank. Ich weiß das sehr zu schätzen." Georg Welsbach drehte sich um und ging zurück. Die Ampel zeigte selbstverständlich wieder rot.

Kai Tidije kotzte innerlich. Auf P2 war er mit Filly an der Loreley zu sehen. Nur dass nicht er es war, der dort mit Filly stand. Er mit Filly am Kölner Dom, er mit Filly beim Shoppen. Wenigstens hatte sie zahlreiche Andeutungen platziert, was für ein toller Liebhaber er war. Zudem bekam er noch Nacktfotos mit sich und Filly im Bett auf seinen Kühlschrank geschickt. Ihr irgendwie einen Verstoß gegen die Vereinbarung vorzuwerfen, konnte er vergessen. Nicht einmal gegen die Geheimklauseln. Fluchend bestellte er sich ein neues Kommlink. Natürlich ein Fairlight. Den Porsche mit samt Spionageausrüstung darin konnte er auch abschreiben. Er nahm erst einmal sein "Medikament" gegen seinen "Heuschnupfen" und überlegte, ob ihm vielleicht ein Maserati gut stehen würde.

Es klingelte. Filly sah von der Sonnenbank auf, die sie sich vom Hotelservice auf ihr Zimmer hatte bringen lassen. Auf dem Monitor sah sie eine gut gekleidete Frau. Anzug. Zweckmäßig. Musste die Leibwächterin sein, die ihr Kai versprochen hatte. Sie hatte ihm klar gemacht, dass sie auf keinen Fall einen Typen haben wollte. Das ging nie gut.
Sie öffnete per Sprachbefehl die Türe. Die Frau sah kurz in ihre Richtung. War das ein Hochziehen einer Augenbraue? Sie legte gleich los. "Ich bräuchte dann bitte Ihren Terminkalender für diese Woche. Alle Termine und Leute, die Sie treffen." Echt pflichtbewusst. Eigentlich mochte Filly so etwas, aber im Moment war ihr das lästig.
"Machs Dir erstmal bequem und komme hier an. Nimm Dir was aus dem Kühlschrank. Da sind noch Müsli mit Goji-Beeren. Und zwar den guten. Ansonsten lass mich erst mal in Ruhe fertig brutzeln, dann machen wir das. Ich bin Filly und Du?"
"Yina. Yina Sakushi."
Filly machte es nichts aus, dass Frau Sakushi sie nackt mein Sonnenbaden sah. Ganz im Gegenteil, Sie genoss es, wenn andere Frauen auf ihr gutes Aussehen neidisch wurden. Früher hatte sie dieses Schämen der anderen Frauen um ihren Körper nie verstanden und irgendwie tat sie es heute noch nicht. Aber sie hatte den Fakt akzeptiert. Wirklich interessant wurde es erst, als sie herausfand, wie viel Macht ihr Körper ihr über Männer gab. Leider war der Segen manchmal auch ein Fluch. Aber dafür konnte man sich auch runterstylen.
Ihr Wecker ging an und sie seelenruhig ins Bad, um sich mit verschiedenen Cremes und Lotionen zu pflegen. Ihr Körper war ihr Kapital. Sie kleidete sich an und setzte sich zu Frau Sakushi. "So, gehen wir mal die Woche durch. Hier ist mein Terminplan."
"Haben Sie noch zusätzliche Termine, die nicht darin stehen?"
"Naja, am Dienstag Abend wollte ich mich mit ein paar Freunden treffen und am Donnerstag morgen mit Sabine frühstücken gehen. Probe am Mittwoch steht ja drin, Generalprobe am Freitag auch. Samstag ist dann die Show."
"Gut, wo genau wollen Sie sich mit ihren Freunden treffen? Ich würde mich über die Örtlichkeiten gerne informieren. Und ab Dienstag Abend sind Sie in diesem Hotel eingemietet vom WDR?"
"Äh. ja."
"Gut. Ich müsste für die Sicherheit Ihrer Kommunikation noch einen Mitarbeiter in der Matrix zuschalten."
"Aber ich will keine Nacktbilder von mir in der Matrix sehen!" Nicht dass sie wegen so etwas beschämt gewesen wäre, aber für ihren Marktwert wäre das vernichtend. Vermutlich. Es hatte auch einzelne Fälle gegeben, bei denen das Aufkommen solcher Bilder die Karriere gepusht hatten. Aber das waren Ausnahmefälle.
"Selbstverständlich. Diskretion genießt bei uns einen außerordentlich hohen Stellenwert."

Gregori Wagner hatte sich seine Brötchen neben dem Studium her beim WDR verdient und weil er etwas Ahnung von Hacking und Abhöraktionen hatte, war er bei den Matrixsicherheit gelandet. An und für sich ein ruhiger Job. Datenverwaltung, die Effizienz einzelner Mitarbeiter überprüfen, so dass sich Game- und Pornokonsum halbwegs im Zaum hielten und eben jetzt auch so etwas. Anscheinend wurde ein Rechercheur erpresst. Er wusste nichts Genaues, er sollte sich nur auf die Lauer legen und herausfinden, wo sich die Anrufer befinden. Eine Datenbuchse wäre hilfreich, aber sein Tramp-Netz musste reichen. Zumindest bekam er vom WDR ein teures Deck gestellt. Er wusste, dass das Ding die minimale Ausstattung zum Hack war, aber auch dafür musste man schon 50k hinlegen...

Richard Kowalski war aufstrebender Rechtsanwalt beim WDR. Sein Auftrag war eindeutig. Er musste zu diesem Georg Welsbach, einem gut bezahlten Rechercheur und ihn davon abhalten, sich erpressen zu lassen. Er hatte gestern in der Sicherheitszentrale angerufen. Nun waren leider nahezu alle Sicherheitsteams mit der neuen Live-Sendung beschäftigt. Es ist kaum zu glauben, welche Herausforderungen auch nur ein einziger Mega-Star an ihre kleine Abteilung stellte. Aber Horizon hatte nun einmal hohe Anforderungen und wollte mit einer Abfolge von echten Medienereignissen in der Medienbranche der ADL Fuß fassen.
Er war schon fast vor Ort, als er von der Sicherheit live in ein Telefonat eingeklingt wurde.
"...uns einfach die Informanten preis, mehr wollen wir gar nicht."
"Und in welcher Sache?"
"Wie? Welche Sache? An wie vielen arbeiten Sie denn gerade?"
"Fünf."
Schweigen.
"Ich melde mich nochmal."
Die Sicherheit meldete, dass sich das Kommlink in Bewegung befand. Anscheinend wurde aus einem Auto heraus telefoniert. Die Sicherheit meldete, dass sie die Nummer habe. Sie werde durch regelmäßige Checks versuchen, den Unterschlupf der Erpresser herauszufinden. Richard Kowalski war am Überlegen, ob er seinem Vorgesetzten vorschlagen solle, für diese Lage Runner als Personenschutz anzuheuern bis sie die Lage mitsamt Beweisen der Polizei übergeben konnten.
Er klingelte mehrmals bei Welsbach, bis sich die Türe endlich öffnete. Auf dem Weg nach oben nahm er zwei Stufen zugleich. Er klingelte an der Wohnungstür im dritten Stock. Richard Kowalski war gespannt. Er hatte der Personalakte schon entnommen, dass Welsbach schon lange nicht mehr der harte Hund seiner Jugendzeit war. Kinder. Kinder waren immer Erpressungspotential. Er hatte sich bereits einen Plan zurecht gelegt.

Georg Welsbach schüttelte den Kopf. Gestern hatte er den ganzen Tag auf den Anruf gewartet. Er war wirklich bereit, alle Informationen weiter zu geben. Und es kam... nichts! Und jetzt? Ein Anruf und sie wissen noch nicht einmal, hinter was genau sie her sind...!
Als die Tür klingelte, fragte er vorschriftmäßig bei der Sicherheit an. Es war jemand vom WDR. Er musste sehr sportlich sein, denn schon kurze Zeit später klingelte es wieder. Er stand bereits vor der Wohnungstüre.
"Guten Tag, Kowalski mein Name. Herr Welsbach, ich wurde geschickt, Sie in dieser schweren Stunde zu beraten." Er setzte sein zuversichtlichstes Lächeln auf. "Sicher ist diese Situation neu für ..."
"Nein.", fiel er ihm ins Wort, "Aber früher standen bei so einem Vorfall sofort Sicherheitsleute vor der Türe. Mir sagte man, ich solle meine Familie zur Verwandtschaft schicken. Was für eine Frech..."
"Bitte, wir sollten alle professionell bleiben und einen kühlen Kopf bewahren. Ich sehe, Sie haben der Anweisung Folge geleistet. Sehr gut. Sehen Sie, der WDR möchte verdiente Rechercheure wie Sie auch weiterhin in seinen Diensten wissen. Wir werden alles Nötige tun, um diese Lage zu einem glücklichen Ende zu bringen." George Welsbach kochte innerlich vor Wut. Damals, als der WDR noch bei MCT war... Aber was solls, das ist vorbei. Und er wollte seine ausgebautes Informationsnetz noch einige Jahre für gutes Geld weiter arbeiten lassen und sich dann zur Ruhe setzen. So war es gedacht...
Der Schnösel von der Rechtsabteilung ging nach nebenan, um ein "wichtiges Telefonat" zu führen. Er glaubte ihm kein Wort. Vielleicht war er dem WDR inzwischen zu teuer geworden. Sie würden ihn kalt stellen und mit den ihnen vielleicht schon bekannten Informanten weiter arbeiten. George ergriff die Gelegenheit und den Hörer. Als der Gesprächspartner abnahm, war wieder ein Knacken zu hören.
"Ja?" Schweizer Akzent.
"Hören Sie, hier hat sich einiges geändert. Sagen Sie mir jetzt bitte, was Sie wissen wollen."
"Äh, wir wollen ihre Informanten."
"Ich werde nicht mein ganzes Netzwerk aufgeben, aber wenn Sie mir sagen, in welcher Sache..."
Von hinten kamen Worte wie ein scharfes Schwert. "Wenn Sie DAS tun, werde ich dafür sorgen, dass sie in der gesamten Medienbranche keinen Fuß mehr auf den Boden setzen können!"
In Georg Welsbach kochte es hoch. er schrie halb ins Komlink, halb Kowalski entgegen: "Meinen Sie, ich habe Lust, mein weiteres Leben mit Personenschutz zu verbringen? Personenschutz, der jetzt nicht einmal hier ist? Und falls er vielleicht irgendwann einmal kommt, dann wird er sowieso nach ein paar Tagen wieder abgezogen! Sie können mich mal!"
"Sie legen jetzt sofort auf!"
Bevor George nachdenken konnte, hatte er bereits instinktiv die rote Taste gerückt.

Richard Kowalski saß am Esstisch und sah seinen widerspenstigen Mandanten an. Er starrte ihn an. Die Sicherheitsabteilung würde zwei Bodyguards schicken und so lange solle er noch vor Ort bleiben. Schöner Drek! Er konnte nur hoffen, dass diese Erpresser nicht so dumm waren und hier mitten in Düsseldorf ein Massaker veranstalten würden. Die Zeit zog sich. Er vertrieb sie sich weiter damit, sein Gegenüber in Grund und Boden zu starren.

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« Letzte Änderung: 07. August 2021, 12:37:36 von Olf »
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Olf

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  • 09. Juli 2021, 12:58:59
Re: Alles ist einmal vorbei - oder doch nicht?
« Antwort #21 am: 09. Juli 2021, 12:58:59 »

Plothook aus Rhein-Ruhr Megaplex: Im Land des Lächelns 2
Georg Welsbach hatte genug von diesem kindischen Gestarre des Anwalts, der ihm geschickt wurde. Wie im Kindergarten. Wer zuerst wegschaut, verliert. Er ging einfach aufs WC. Schönes kaltes Wasser ins Gesicht, eine Beruhigungspille aus seinem Badschränkchen und nochmal kaltes Wasser.
Er zuckte herum, als ihn von hinten eine Stimme in einem richtig abfälligen Ton ansprach. "Na Herr Wellsbach?" Ein halbdurchsichtiger Elf schwebte im Bad und sah ihn von Oben herab an. Neben ihm ein durchsichtiges Etwas. Ein Magier mit einem Geist. Und er hatte ... einen Anwalt.
"Was wollen Sie?"
"Erst einmal, dass Sie die Dusche anmachen, damit unsere Stimmen nicht so einfach gehört werden." Der Elf machte eine Kopfbewegung Richtung Türe. Als das Wasser lief, fuhr er fort: "Und natürlich Ihre Informanten."
"Wissen Sie denn inzwischen, um welche Sache es geht?"
"Nein, deswegen wollen wir auch ALLE Informanten von Ihnen."
"Hören Sie, ich kann Ihnen doch nicht einfach alles geben..."
"Doch, Sie geben uns die Namen all Ihrer Informanten, wir suchen uns die heraus, die wir brauchen und die anderen können Sie zurückhaben."
Georg Welsbach schüttelte innerlich den Kopf. Für wie dumm hält der mich denn genau?! "Und wie machen Sie das sonst so? `Geben Sie mir all ihre Millionen. Wir suchen uns das Geld raus, das wir stehlen wollen und geben Ihnen den Rest zurück´?! Können Sie mir vielleicht irgendwelche Anhaltspunkte geben, die auf ein Themengebiet hinweisen?"
"Stell dich nicht so an und rücke Deine Informanten raus!"
"Vielleicht irgendeine Information über ihren Schmitt?"
"Nein, ich will deine Informanten!"
"Sie arbeiten mit einem Schweizer zusammen. Geht es um die Sache mit Genom?"
"Ich will deine Informanten verdammt!"
Georg Welsbach atmete tief durch. Nicht nur, dass er ein starrendes Kindergartenkind am Tisch sitzen hatte, jetzt war auch noch so ein arroganter Elfenmagierarsch in seinem Bad. Wird Zeit, ihn so zu behandeln, wie er sich benimmt.." Ich mache hier konstruktive Vorschläge und du plärrst nur herum wie ein kleines Kind. Ich war gestern bereit, euch alles zu geben, aber Ihr seid doch die, die keine Ahnung vorn Irgendwas haben. So kommen wir nicht weiter, Junge"
"Was halten Sie dann davon, dass wir vorbeikommen und Sie umlegen?"
"Ihr Stümper kommt doch nicht mal vor die Haustüre!"
"Ich bin schon auf Ihrem Klo."
"Magie ist auch Cheaten."
"Also, alle Informanten, bitte!"
"Du kannst mich mal grob am Arsch lecken!" George verließ das Bad.

Richard Kowalski war gerade mit einem Telefonat beschäftigt, als er seinen Mandanten aus dem Bad kommen sah.
"Sie heißen Falke und Robotnik. Sollten in ein bis zwei Minuten klingeln."
Endlich.

Azumi Miromoto aka Frau Schmitt sah auf ihr Kom. Ihr Hacker meldete ihr einen eingehenden Anruf. Chengi.
"Einen wunderschönen guten Tag wünsche ich Ihnen. Ich möchte nicht allzuviel Ihrer kostbaren Zeit stehlen, deshalb komme ich gleich zur Sache..."
"Wie ist denn der Urlaub?", unterbrach sie sie, "sind Sie denn mit Ihrem Hotel zufrieden?" So betrieb sie noch etwas Small-Talk, bis ihr Hacker ihr die Rückmeldung gab, dass die Leitung sicher sei.
"Sie benötigen noch etwas?"
"Ja, eine kleine Information in Sachen Welsbach. Er ist wohl an mehreren Sachen gleichzeitig dran. Können Sie mir irgendeinen Anhaltspunkt über das Thema geben, um das es sich dreht?"
Hm, anscheinend haben sie sich nicht damit begnügt, Welsbach zu überwachen, sondern sind ihn direkt angegangen. Interessant. "Um unsere Familie und ihre Freunde."
"Vielen Dank und entschuldigen Sie bitte vielmals die Störung."
"Keine Ursache. Ich wollte sie sowieso anrufen und fragen, wie es steht."
"Hi. Vielen Dank."

Falke stieg mit seinem Partner Robotnik vor dem Niederkasseler Kirchweg 60 aus. Feinstes A-Gebiet. Deshalb hatten sie auch nur streng legale Sachen dabei. Von ihren falschen SINs einmal abgesehen. Robotnik schien sich in seinem neuen Buisness-Suite nicht wohl zu fühlen. Wenn man bedenkt, dass er sich von den Slums in St Petersburg hoch in das russische Militär gekämpft hatte, kein Wunder. Die Russen pissen Napalm und decken sich mit Stacheldraht zu. Er dagegen war das Gesicht, das Aushängeschild, um lukrative Aufträge aus der besseren Gesellschaft zu bekommen.
Er klingelte die Nummer an, die sein Schmitt ihm gegeben hatte. Die Haustüre wurde ihnen geöffnet. Oben erwartete sie ein Sarari-Mann in piekfeinem Anzug. Er nickte ihnen zu und ging. In der Wohnung noch so ein Sarari. Sie sahen sich erst einmal um und ließen ihre vielen Drohnen rund u das Haus Stellung beziehen. Einer überwacht, einer döst auf der Couch.

Georg Welsbach saß in seinem Sessel und dattelte auf dem Kom. Dieser Magier hatte in einem Punkt recht. Er konnte nicht ewig vor ihnen davonlaufen. Aber er würde auch nicht seine ganze Lebensgrundlage aufgeben. Ein klassisches Dilemma. Zumindest hatte er zwei Bodyguards bekommen, aber die würden auch nicht ewig bleiben. Spätestens in ein paar Wochen würden die abziehen.
Gegen Abend ging er wieder auf WC und voila, da war der Magier wieder. Sein Geist war diesmal offen sichtbar neben ihm. Anscheinend eine Machtdemonstration.
"Ah, und? Wisst ihr jetzt, worum es geht, ansonsten können wir uns das Gespräch sparen."
"Um die Asia-Cons und äh... organisierte Kriminalität und so."
Georg wusste gleich Bescheid. Aber lieber erst einmal vorsichtig. "Und wenn ich euch das sage, bin ich raus? Dann ist alles grün?"
"Das wird unser Auftraggeber beurteilen."
Der Auftraggeber. Vermutlich entweder die Yaks oder MCT oder sogar beide.
"Gut. Ich vertraue auf die Ehre der Yakuza. Bin da seit zwei Jahren dran. Wurde gleich nach der Übernahme durch Horizon von meinem Chef beauftragt. Ich kann sie Ihnen gleich aufzählen."
"Können Sie das nicht auf einen Zettel schreiben und vom Balkon werfen oder so?"
"Nein. Inzwischen sind zwei Bodyguards da. Die haben überall Kameras."
"Gut, dann erzählen Sie."
"Also der wichtigste ist natürlich Yuuki Tanaka. Ihr Auftraggeber wird wissen, wer er ist. Dann hätten wir noch Nadja van der Linden. Leitet ein Edelbordell in der Altstadt. Mike Stöcker, ein Schiedsrichter beim Fußball und Jaqueline Petrovic, arbeitet im Rathaus von Düsseldorf."
Der Magier wiederholte alles noch einmal und verschwand zusammen mit seinem Geist.

Mandy stand mit ihren Freundinnen an der Tanke rum. Nachher gings noch in den Club, ein paar reiche Typen aufreißen. Ein Porsche hielt neben ihnen. Eine Frau drin. "Na, Mädels, kann ich euch helfen? Braucht ihr was Hochprozentiges?" Sie nickte Richtung Tanke.
"Hey, das wäre echt grün!"
Sie kam tatsächlich mit Schnaps zurück. Gleich ein paar großen Flaschen. Wow. Sie wollten sich doch nur ein bissl anheizen und nicht besaufen. Egal.
"Schon mal in einem Porsche gefahren?" Die Frau grinste sie schelmisch an. "Lust auf ne Spritztour?"
Das ließ sich weder Mandy noch eine ihrer Freundinnen zweimal sagen. Zu sechst war es im Porsche schweineeng. War aber auch gut so. So blieben die Schlucke aus der Flasche klein. Sie hatten ja noch was vor. Irgendwann hatten sie genug von dem ewigen Rumgekurve auf Parkplätzen.
"Kannst du uns zum Hafen bringen? Wir wollen noch in n Club."
Sie fuhren zum Hafen. Die Frau stieg schnell aus. Ihr wurde auf einmal schlecht. Die Türe öffnete sich nicht. Sie übergab sich auf Sandy, die auf ihrem Schoß saß und die übergab sich auch gerade. Genauso wie ihre anderen Freundinnen...
"Oh Mann, die Mädels vertragen ja überhaupt nichts!", hörten sie von draußen, als sich auf einmal die Türen doch öffnen ließen. Sandy fiel von ihrem Schoß auf den Parkplatz und wurde von einem weiteren Schwall aus ihrem Mund voll erwischt.
"Die kotzen mir meinen schönen Porsche voll...!"

Falke sprang auf und spurtete zur Balkontür. Er zog seinen Taser und legte an. Die Pfeile seines Tasers bohrten sich in die Spy-Fly, die er auf dem Bildschirm schon sah. "Erwischt."

Herbie sah sich das ganze Dilemma an. Ein Porsche, von vorne bis hinten einfach nur vollgekotzt. "Verdammt, was hat dieser Kai Tidije da drin getrieben?" Er sah Juri mit fragenden Augen an. Der zuckte nur die Schultern. Wieder einmal waren sie es, die den Drek der Reichen aufwischen durften.

Gregorij Wagner hatte eine Fly-Spy auf dem Tisch. Die Schüsse mit dem Taser hatten Teile der Elektronik lahm gelegt. Er konnte einfach keinen Hinweis auf den registrierten Besitzer finden. Aber die eingravierten Nummern in den Hardware-Teilen waren unbeschädigt. Er gab die Ergebnisse an seinen Vorgesetzten weiter mit dem Verweis, dass sich der registrierte Besitzer nur über die Listen der Herstellerfirma herausfinden lassen wird.

Susumu Morimoto überwachte die diversen Kommzugänge seiner Mutter Azumi. Als "Schmitt" war so etwas von Vorteil. Eine Nachricht traf in einer der vielen Mailboxes ein. Chengi. Die Runs in Düsseldorf. Leider war seine Mutter im Gespräch mit hochrangigen Vertretern des Makahashi-Gumi. Anscheinend gab es eilige Informationen. Er startete einen Rückruf und schaltete einen Avatar auf den Vidstream, der vor Kurzem als Werbegeschenk in einer Kornflakes-Packung zu finden war.
"Sie haben vor Kurzem diese Nummer gewält. Bitte übertragen Sie die Daten."
Er empfing ein Datenpaket. Sie legte auf. Nachdem er das Paket auf mögliche Fallen untersucht hatte, öffnete er es und war überrascht. Eine wilde Ansammlungen von Kopien aus verschiedenen Möbelkatakogen. Mit einem kurzen Text, in dem von "Frau Tanaka" die Rede war. Was in Deutschland "Schmitt" ist in Japan "Tanaka". Sie wollte also direkt mit seiner Mutter reden. Das wird ein paar Stunden dauern...

Kai Tidije kochte vor Wut. Der Porsche kam per Autopilot angefahren. Ebenso eine Rechnung seiner Vertragswerkstatt über eine Komplettreinigung des Innenraumes inklusive Motorwäsche. Genpartikel ade. Aber er hatte noch die beiden Kaffeetassen. Sein "Zwilling" hatte seine leider mitgenommen. Die Kameras aus dem Handschuhfach waren weg, genauso der Koffer aus dem Kofferraum, in dem eine beachtlich gute Drohnensteuerung und seine Spionagedrohnen waren. Irgendwann wird sich noch eine Gelegenheit ergeben, diesen gefraggten Drekheads eine reinzuwürgen. Im Moment blieb ihm allerdings nichts weiter übrig als die erste Reportage-Serie in den verschiedenen Regenbogenblättern freizugeben.

Azumi Morimoto lächelte als sie die Sammlung von Möbelangeboten sah. Immerhin hatte Chengi ihr das Vorkaufsrecht eingeräumt.
"Hi." Chengi war direkt am Apparat.
"Sie haben Informationen für mich." Sie sagte das als Feststellung.
"Hi. Sie treffen gleich ein."
"Wunderbar. Leider ist meine Zeit limitiert. Geben Sie mir fünf Minuten. Sie werden zurückgerufen werden."
Sie legte auf, ließ gewohnheitsmäßig Susumu die Daten überprüfen. Als sie die vier Dossiers der Informanten von George Welsbach sah, war sie mehr als zufrieden. Aber auch überrascht.
Yuuki Tanaka
Ichiga-Nitama Immobilien GmbH CEO Düsseldorf
Adresse Innenstadt Düsseldorf
Familie Düsseldorf-Neuss
Familie in Japan
Geliebte in Düsseldorf-Heerdt
Das war ein Problem. Das werden die Herren des Makahashi-Gumi, zu denen sie gleich wieder ins Gespräch zurückkehren musste, nicht gerne hören. Ichiga-Nitama machte einen beträchtlichen Teil des legalen Geschäfts des Gumis aus. Siehe an. Er hat auch in Japan Familie. Das war ihr tatsächlich neu.
Nadja van der Linden
Leitet das Edelbordell "Oceans" in Düsseldorf - Rath (Link zum Matrix-Auftritt)
wohnhaft Reichswaldallee 26 Düsseldorf - Rath
Die wird über Vorlieben verschiedener Größen der hiesigen Politik ausgepackt haben und inwiefern das für die Yaks Erpressungspotential hat. Vor allem die Abteilung Bunraku.
Jaqueline Petrovic
Rathaus Düsseldorf Abteilung Bauamt, Büro 3.06
wohnhaft Bruchstraße 64, Düsseldorf, Flingern-Nord
hat ständig wechselnde Liebschaften (so alle zwei Monate)
Ja, es hat schon seinen Grund, warum Ichiga-Nitama immer gut informiert ist und bei Bearbeitungen eine Vorzugsbehandlung bekommt.
Mike Stöcker
Schiedsrichter beim Fußball
Schiri 2. Liga, Ersatz-Schiri Bundesliga
angestellt beim DFB
wohnhaft Unter den Eichen 88, Düsseldorf-Gerresheim
geschieden von Katharina Heim, zwei Kinder bei der Mutter lebend (Gerresheimer Landstr 92, Unterbach)
schweres Alkoholproblem, Spielsucht; zwei Entzugsaufenthalte
Ein unbedeutender Wicht, der sich für seine Parteilichkeit gut bezahlen lässt.
Herr Tanaka und Frau van der Linden. Ein schwieriges Gespräch stand ihr bevor. Sie wird viel Fingerspitzengefühl aufbringen müssen, um dem Gumi die Verräter in den eigenen Reihen zu verkaufen. Sie wollte nicht für die Botschaft büßen müssen.
"Susumu? Beauftrage Chengi mit Herrn Stöcker und Frau Petrovic." Ihr Sohn nickte ergeben. Sie musste sich den Raubtieren stellen.

Der Marder fiel fast um vor Erschöpfung. Long Haul fordert seinen Preis. Aber vorher wollte er noch die SIN verticken, die sein Bruder bestellt hatte.
"Ja?"
"Deine Bestellung ist fertig. Ich schick sie Dir. Kost nen Zehner, wie vereinbart."
"Äh, klar." Getuschel im Hintergrund. "Du kriegst nicht zufällig noch eine hin?"
"Äh, ne, nich bis zum Wochenende. Ich schlaf jetzt erstmal zwei Tage."
"Oh. Kay. Danke. Gut Nacht."
"Jo. Tschö."

Jaqueline Petrovic stand mit ihrer zusammengerollten Yoga-Matte unter dem Arm auf dem Bürgersteig. Eine ihrer Yoga-Freundinnen hatte gerade geparkt. Sie hatte wirklich Glück, dass vor ein paar Jahren "Sanftmut Yoga" in ihrem Nachbarhaus eröffnete.

Filly Schwarz ging an ihr Kom.
"Filly Schätzchen, mach Dich fertig. In einer halben Stunde kommt das Taxi. Foto-Shooting in Paris."
"Woooohh. Paris. Endlich." Getrübt wurde das Ganze nur dadurch, dass sie heute Abend eigentlich mit verschiedenen Freunden und Freundinnen unterwegs sein wollte.
"Du fliegst nachher hin, Shooting bis 01.30 Uhr und der Flieger geht dann heute Nacht um Halb drei wieder zurück. Mit Hotel Schellenburg ist alles abgeklärt. Und nicht vergessen. Morgen Mittag ist die Probe für "Wetten, dass...", also sei fit."
Filly legte auf.
"Yina, es gibt eine Planänderung..."

Jaqueline Petrovic ging nach dem Yoga über die Straße zum "Bösen Chinesen". Frühlingsrollen und Gemüse süß-sauer. Ab nach Hause. Als sie über die Straße kam und zur Haustür ging kamen so n paar Typen lang, Irgendwie hatte sie bei dem einen n komisches Gefühl. Als sie die Treppe im Altbau hochstieg, sah sie, wie genau diese Type zusammen mit einem Elf auch die Treppe hochkam. Sie ging zu hrer Wohnungstür.
"Frau Petrovic, wir würden gerne mit Ihnen sprechen."
Sie hatte diesen Moment immer gefürchtet. Ihr wurde heiß und kalt gleichzeitig. Jetzt war es aus. Sie ging in ihre Wohnung und plapperte etwas vor sich hin. So was wie "Kommen Sie doch herein, meine Herren". Als würde das irgendetwas ändern. Der erste Fehler war schon, Informationen an einen Konzern weiter zu verkaufen. Der zweite, sich noch zusätzlich von der Presse als Informantin bezahlen zu lassen.
Der Elf blieb im Hintergrund stehen und starrte sie nur böse an. Der Norm in Panzerjacke hatte einen komischen Akzent. "Sie wissen ja sicher, weshalb wir hier sind." Das Gespräch ging irgendwie an ihr vorbei. Sie wartete eigentlich nur darauf, umgelegt zu werden. So wie in ihrer momentanen Lieblngs-Serie "Don Brutalo". Irgendwie blieb nur hängen, dass sie nicht mehr mit der Presse reden solle. Der Elf ließ noch ein paar Blitze zwischen den Händen bitzeln.  Auf einmal waren sie gegangen und sie immer noch am Leben. Vor Erleichterung entleerte sich ihre Blase.

Filly Schwarz wurde in Paris mit Frau Sakushi zusammen zu ihrem Studio in Paris gefahren. Alles war schon vorbereitet. Visagistin und Schneiderin stürzten sich sofort auf sie. Der Fotograph sinnierte auf Französisch vor sich hin.
"Yina, bist du so gut und gibst mir ein Glas Wasser?"
Yina hielt ihr ein Fläschchen mit irgendwelchen asiatischen Schriftzeichen hin.
"Wasser bitte!"
"Das ist viel besser als Wasser."
"Ich nehme nichts, was mein Diätist nicht genehmigt hat!"
Yina Sakushi musste einen heißen Draht zu ihm haben, denn kurz darauf kam sein ok.
"Schmeckt beschissen, dann ist es wohl gut."

Lothar Maler stand hinter der Rezeption seines Hotels in Düsseldorf-Gerresheim. Ein Typ von einem Lieferservice kam an. Schon wieder für 218. Er rief oben an. Als sie es abholten, fragte er den Mann mit schweizer Akzent, ob ihnen das Abend-Buffet nicht zusage und ob es Verbesserungsvorschläge gebe. Er meinte nein. Sie hätten nur Hunger auf asiatisch.

Filly kam zusammen mit Yina mitten in der Nacht auf dem Düsseldorfer Flughafen an. Im Taxi war es totenstill. Yina wollte wieder einen neuen Diät-Vorschlag machen, aber Filly hatte sie entnervt abgewürgt. Sie solle das mit ihrem Diät-Heini besprechen. Sie musste sich auf die Probe zu "Wetten, dass...?" morgen vorbereiten. Und dazu gehörte Entspannung.

Die Kaffeetassen. Kai Tidije hätte sie nie an seinen Kontakt bei Knight Errant weitergeben sollen. Jetzt standen zwei Ermittler vor ihm und er hoffte, dass er sich aus der Sache herausreden konnte. Aber reden, das konnte er .
"Erzählen Sie uns doch bitte noch einmal ganz genau, wie die DNA-Spuren eines international gesuchten Verbrechers auf eine ihrer Kaffeetassen kommen."
Wie jeder gute Lügner hielt er sich so nahe wie möglich an der Wahrheit. Das einzige, was er verschweigen wollte, war sein Angebot zur Zusammenarbeit. Von seiner Höflichkeit ließ er sich nicht blenden. Er wurde verhört. Und es stand nicht fest, ob als Zeuge oder als Tatverdächtiger.
"Also nochmal. Herr Otto rief mich an..."
"Der zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 24 Stunden tot war."
"Gut, jemand, der so aussah und so klang wie Herr Otto rief mich an und meinte, er hätte die Ermittlungsergebnisse..."
"Der harmlosen Überwachungsaktion, die Sie angeblich in Auftrag gaben."
"Äh, ja und ich sollte ihn am Parkplatz vom Nordfriedhof treffen..."
"Sollten? Haben Sie ihn nun getroffen oder nicht?"
Kai atmete einmal tief durch. Klar. Er versuchte, ihn aus der Fassung zu bringen, damit er sich in Fallstricken verfing. Vermutlich hatten sie die Geschichte über ihre Cyberaugen beim ersten Mal aufgezeichnet. Sie schienen sich auch zu unterhalten. Vermutlich im Kopf eingebaute Kommlinks.
"Also nochmal langsam. Ich möchte so präzise wie möglich sein. Eine Person, die so aussah wie Herr Otto, rief mich an und wollte sich am Friedhof hier in Velbert mit mir treffen, was wir abends um 19.00 Uhr auch taten. Frau Schwartz kann das bezeugen..."
"Die das Wochenende bei Ihnen war, um sich bessere Kritiken aus ihnen herauszuvögeln?"
Er ließ sich nicht provozieren. "Sehen Sie, es ist üblich im Geschäft, dass man sich miteinander bekannt macht. Falls sie die Befürchtung haben, dass Frau Schwartz gegen ihren Willen hier war, können Sie sie gerne dazu befragen..."
"Danke für Ihre Erlaubnis, nur benötigen wir sie nicht." Der Beamte im Hintergrund schaute genauso unheimlich wie der Elf im Porsche. Anscheinend eine neue Nummer. Bad Cop, worse Cop.
"Also fuhr ich zusammen mit Frau Schwartz abends zum Friedhof..."
"Und Sie kamen um exakt 19.00 Uhr dort an?"
"Äh, nein, es muss schon so viertel nach gewesen sein oder so. Jedenfalls hat mich Herr Ott... die Person, die wie Herr Otto aussah und so klang mich angerufen, weil ich so spät dran war. Das können Sie über mein Kommlink nach prü..."
"Das Ihnen dummerweise entwendet wurde."
Was betont der das Wort "dummerweise" so hämisch. Kai Tidije atmete tief durch. Natürlich Sie wollten ihn provozieren. "Ja, wie ich Ihnen bereits in der ersten Aussage vor 10 Minuten sagte. Also auf jeden Fall gab ich Herrn ... der Person, die so aussah wie..."
"Jaja, weiter."
"...ihm dummerweise gleich den Credstick, da ich mit Frau Schwartz noch Pläne hatte für den Abend..."
"Ich hätte Sie für intelligenter gehalten."
"...ja, ich mich auch. Aber würden Sie Frau Schwartz kennen... Nun ja." Kai nahm sein `Nasenspray´ aus der Tasche und gab sich zwei Züge. "Er wollte dann auch noch zu den Containern, weil er das Material da hatte..."
"Und da sind Sie einfach mitgegangen. Aha. Wo stand Ihr Wagen?"
"Den Porsche ließ ich stehen... äh... neben dem... äh, kann ich Ihnen das auf einem Plan zeigen?"
"Weiß nicht, ob Sie das können. Aber dürfen dürfen Sie schon."
Er zeigte ihnen den genauen Ort auf der Karte, die er von seinem Trideo projezieren ließ.
"Das ist mitten auf dem Weg. Da haben Sie geparkt?"
"Nein, Filly saß ja drin und das sollte nur eine Minute dauern..."
"Und da haben Sie den Motor angelassen und die Fahrertüre offen.... hat ihr Drogenkonsum ihre Intelligenz wirklich schon so beeinträchtigt."
Fuck. Das Novacoke. Der Kerl im Hintergrund will ihn damit am Ende noch erpressen. Kai setzte ein verlegenes Lächeln auf und fuhr fort. "Auf jeden Fall muss mich jemand verzaubert haben, denn ich zog mich einfach aus. Also dieser Karl Ott..". Er stockte, aber als er sah, wie der KE-Typ ein Handzeichen machte, das ihm bedeutete, weiterzumachen, fuhr er fort: "Karl Otto sagte, ich solle mich ausziehen und so zog ich mich aus." Kai machte eine Pause und schüttelte den Kopf. Er konnte es immer noch nicht glauben. "Ja, und dann kamen auch schon zwei Leute aus dem Gebüsch geschossen und meine Lichter gingen aus..."
Der Beamte im Hintergrund machte eine beschwichtigende Geste. Seine Stimme triefte nur so von falscher Freundlichkeit.  "Den Rest haben Sie uns ja schon mehrmals erzählt. Wir werden uns selbstverständlich bemühen, ihr Kommlink und die Drohnenausrüstung wieder zu beschaffen. Sie können von Glück sagen, dass Sie ihren Porsche wiederbekommen haben. Auch wenn wir ihn leider beschlagnahmen mussten." Er machte eine kurze Pause. Anscheinend wartete er auf Anordnungen oder er schaute sich etwas über irgendeine Bildverbindung in seinen Cyberaugen an. "Nun, wir würden Sie bitten, sich von den Kollegen, die gleich kommen werden, in ein sicheres Haus geleiten zu lassen. Selbstverständlich nur zu Ihrem eigenen Schutz."
"Sie nehmen mich fest?"
"Nein, nein. Es ist nur so, dass es Knight Errant sehr bedauern würde, wenn einem Zeugen in einem so wichtigen Fall etwas zustoßen würde. Wie dem auch sei, Herr Tidije, wir sind Ihnen sehr dankbar für dte Phantombilder, das sie unserem Zeichner beschrieben."
Als das Team eintraf, wandten sie sich zum gehen. "Ach, Herr Tidije, eine Frage noch. Warum haben Sie Personenschutz für Frau Schwartz engagiert?"

Maurice hatte langsam die Nase voll. Schon wieder diese Frau Sakushi. Sie wollte den ganzen Diät- und Sportplan von Filly umstellen. Wegen Selbstverteidigung und so. An dem Plan gab es dummerweise nichts auszusetzen. Bei Gelegenheit sollte er einmal mit Filly reden. Wenn sie jemand anderen für seinen Job haben wollte...
"Aber ausschließlich unter Ihrer persönlichen Anleitung. Und selbstverständlich sind Sie als ausführender Trainer dafür haftbar, falls sich Filly verletzt."

Filly stand nach einem leichten Aufwärmtraining in einem eigens angemieteten Gym des Hotels Schellenburg. Unter Anleitung von Frau Sakushi... Yina übte sie hinfallen und rollen. Quasi Bodenturnen. Hatte sie schon als Kind gemacht. Beim Schlagen auf den Sandsack fühlte sie sich unwohl. Anscheinend erkannte Yina das auch gleich und ließ sie mit zwei Stilettos auf den Sandsack schlagen. Fast hätte sie tatsächlich den leicht schwingenden Sack verfehlt und nur, weil Yina noch leicht eingriff, traf sie ihn. Loch im Sack, Stiletto kaputt. Wow. Hätte Yina nicht eingegriffen, hätte sie ihr Bein getroffen... Und das kurz vor der ersten Probe. Aber grün ist das schon. Schade, dass Yinas Familie so konservativ ist. Sie kannte weniger hübsche Studentinnen, die sich von einem Sugardaddy bezahlen ließen. Aber so kam sie in den Genuss von ihren Künsten.

Emma stand hinter der Theke der Apotheke in Düsseldorf-Gerresheim. Ein Typ in Panzerjacke und mit schweizer Akzent kaufte ein paar Antidots gegen Alkohol.

Mike Stöcker hatte es sich gestern ordentlich mit ein paar Leuten besorgt und schnarchte in seiner Dachwohnung den Rausch aus.. Langsam kam er zu sich. Es war nass. Es war kalt. Es war hart. Nein, er befand sich nicht mehr in seinem Bett, er lag in seiner Dusche. Kaltes Wasser rieselte auf ihn. Irgendwelche Leute mussten hier sein, denn er hörte nach und nach Stimmen. Seine Klamotten, mit denen er im Bett gelegen hatte, waren komplett durchnässt. Er wollte sich drehen, rutschte aber weg. Der Schnaps in seinem Blut hielt zwar noch halbwegs Pegel, aber er sah die Leute nur verschwommen.
"Hey, wasn so nass."
"Wach auf!"
"Mia isso gald."
"Jetzt wach endlich auf, Mann!"
"Seit ia Kumpls vom Harry?"
"Hä? Welcher Harry?"
"Na, dä dä heut Abnd kommt un noch n paar Kumpls mitbringn will."
"Nein, wir sind nicht die Kumpels von Harry."
"Sach m Harry, der kann mich ma, wenn dea solche Gumbls midbringen tut."
"Wir kennen keinen Harry! Aber kennen Sie einen George Welsbach?"
"Ne, kenn kein Schorsch, nur nen Georg. Gibt imma gut Kohle. Guta Mann. Ich brauch ersma n Schluck."
"Nein, gibt nix."
"Dann lass mich ma wenigstns d Klamottn ausziehn."
Es war ein trauriger Anblick, wie Mike Stöcker sich immer wieder in seinen Klamotten verhedderte, im Liegen auf dem nassen Duschboden hin- und herrutschte und an seinem nassen Pullover fast erstickte.
"Könn ia wenigstns ma d Wassa ausmachn?" Inzwischen fühlte er sich unangenehm wach. Zumindest hörte das kalte Wasser auf zu rieseln, die Dusche war allerdings immer noch genauso rutschig.
"Also, erzählen Sie uns etwas über Georg Welsbach."
"Hä? Ich kenne keinen Georg." Mist. Hoffentlich hatte er sich in seinem abflauendem Delir nicht schon verplappert.
"Aber eben haben Sie doch schon zugegeben.."
"Ich kenn kein Georg, Mann." Das waren drei Typen. Also eher 2 einhalb. Einer war n Zwerg. Und die gingen in seiner Wohnung umher, als wäre sie ihre. Mike saß ganz schön in der Kacke und zu allem Überfluss meldete sich langsam der Kater.

Es klopfte an der Zimmertüre im Hotel Schellenburg. Filly konnte sich darauf verlassen, dass Yina die Türe öffnen würde. War die Pistole nicht etwas übertrieben? Yina öffnete einen Spalt, die Pistole auf Hüfthöhe bereit.
"Ja, Sie wünschen?"
"Snyder, Knight Errant. Wir hätten ein paar Fragen an Frau Schwartz."
"Haben Sie einen Termin?"
"Äh, nein."
"Weisen Sie sich erst einmal aus." Kurze Pause. "Haben Sie hier überhaupt Befugnisse?"
"Selbstverständlich, wir haben einen Durchsuchungsbefehl."
"Dürfte ich den bitte sehen?"
"Müller, Durchsuchungsbefehl."
"Aber ich dachte, Bauer hat ihn..."
"Moment bitte." Yina schloss die Türe und kam auf sie zu. "Erwartest du Knight Errant?"
"Knight Errant? Bei mir? Äh, keine Ahnung, was die von mir wollen..."
Yina ging wieder zur Türe. "Sie haben hier keine Befugnisse. Für einen Termin wenden Sie sich bitte an das Management von Frau Schwartz."
Filly Schwartz war stolz auf Yina Sakushi. Und auf Kai Tidije, dass er ihr so eine kompetente Leibwächterin zur Seite gestellt hatte.

 "Sie haben hier keine Befugnisse. Für einen Termin wenden Sie sich bitte an das Management von Frau Schwartz."
Snyder war etwas konsterniert. Er hatte sich die Arbeit bei KE irgendwie leichter vorgestellt. Eigentlich hieß er Schneider, aber wie alle neu angeworbenen KE-Mitarbeiter, machte er auf Cowboy. So konnte er die Abfuhr allerdings nicht stehen lassen, zumal die Daten aus seinem Memo, das mit den Cyberaugen verbunden war, später ausgelesen werden würde. "Hat Frau Schwartz etwa irgendetwas zu verbergen?"
"Auf wiedersehen."
"Ja, auf Wiedersehen, Frau Sakushi." Als Machtdemonstration etwas Wissen durchblitzen lassen.
Nach der Abfuhr machten es sich zwei von den vieren in der Lobby bequem. Der Rigger und ein weiterer Beamter warteten draußen in Bereitschaft im Wagen. Es dauerte auch nicht lange, da kamen die beiden Frauen auch schon zum Mittagessen nach unten ins Restaurant. Sie setzten sich sehr auffällig in ihre Nähe und bestellten je ein Wasser. Nach dem Essen setzten sich die beiden in ein Taxi. Sie fuhren in ihrem Wagen hinterher. Zur Sicherheit forderten sie aus der Zentrale die Koordinaten des Taxis an. Die beiden Frauen stiegen an der Düsseldorfer Messe vor der Halle 8a aus. Dort hatte Joe Venski heute Autogrammstunde und Frau Schwartz als kleines Sternchen durfte sich dranhängen. Er schickte zwei Untergebene, Bauer und Muller hinterher, doch wie zu erwarten war, ließ die Security sie nicht durch. Sie parkten in der Nähe und ließen Drohnen ausschwärmen.
Snyder wusste nichts Genaues. Nur, dass er die beiden Frauen nicht aus den Augen lassen sollte. Aber er hatte bemerkt, dass einige Teams an einer Sache arbeiteten und in der Zentrale alles koordiniert wurde. Seine lange Erfahrung vom LKA sagte ihm, dass es sich um eine Großfahndung handeln musste. Organisierte Kriminalität. Irgendetwas in dieser Liga.

Heinz "Heintje" Krassic hatte die Leitung über die Sicherheitsleute, die für den international bekannten Star Joe Venski während seiner Autogrammstunde zuständig waren. Venski wurde vor 35 Jahren als Darsteller von Karl Kombatmage weltberühmt. Nachdem der Erfolg auch durch viele totgelaufene Spinn-Offs immer mehr abnahm, wurde er inzwischen wieder voll gehypt. Als der junge Kamil Pjekow die Rolle des Karl Kombatmage übernommen hatte, wurde er in der Rolle des namenlosen Rauchers wieder voll beliebt. Haben die Autoren wohl von Star Wars abgekupfert. So eine Art Meister Yoda in billig. Heintje hielt nicht viel von dem Drek, aber als Profi war er informiert.
Nun stand Frau Schwartz vor ihm. Angemeldet. Und eine Frau Yina Sakushi, die allerdings nicht auf seiner Liste stand.
"Sie sind nicht angemeldet. Zutritt zur Garderobe nicht gestattet." Garderobe. Naja, ein paar Stellwände.
"Aber das ist meine Leibwächterin...", sah ihn Frau Schwartz bittend an.
"Das muss ein Versehen irgendeines Managements sein. Ich bin die offizielle Leibwächterin von Frau Schwartz."
"Das mag alles sein, Frau..." Er sah sich ihre SIN an. "...Sakushi. Allerdings werde ich Sie nicht einlassen, wenn Sie nicht auf der Liste stehen. Besorgen Sie sich eine Genehmigung und Sie können mit in die Garderobe." Frau Sakushi ging etwas ins Abseits und telefonierte. Er wies jemanden an, sie im Auge zu behalten.

"Monaco Management, was kann ich für Sie tun?"
"Hier Yina Sakushi. Ich bin gerade mit Frau Schwartz bei der Autogrammstunde. Irgendwie stehe ich nicht auf der Liste."
"Das liegt daran, dass für Sie keine offizielle Erlaubnis vorliegt, Schätzchen. Ich habe von Herrn Tidije lediglich eine mündliche Zusage."
"Aber Herr Tidije sagte doch..."
"Hören Sie mal. Monaco Management ist gerne bereit im Rahmen von Organisationsverzögerungen Kulanz zu beweisen. Allerdings ist diese nun wirklich überschritten. Um Sie auf die Liste setzen zu können, brauchen wir Ihren offiziellen Arbeitsvertrag. Sobald dieser vorliegt, werde ich alles andere erledigen."
"Gut, dann werde ich Herrn Tidije kontaktieren."
"Tun Sie das, Schätzchen und richten Sie ihm bitte Grüße von mir aus."

Kai Tidije war es gewohnt, die Kontrolle zu haben. Umso mehr bemühte er sich, zumindest so zu tun, als hätte er sie noch. In diesem Loch von Appartement spielte er etwas Snooker, um wenigstens einen Hauch von gewohntem Luxus zu spüren. Aber ansonsten... hallo?! Hier gab es nicht einmal eine Sauna, geschweige denn ein Schwimmbecken! Und ihm ging es auf den Sack, dass er ständig von diesen Knight Errant Typen umgeben war. Er biss sich in den Arsch, dass er die Kaffeetassen weitergegeben hatte, um mehr über die Leute herauszufinden, mit denen er zusammenarbeiten wollte. Wer konnte denn ahnen, dass einer von denen Terrorist ist? Natürlich der Elf. Der hat im Porsche schon die ganze Zeit geschaut, als würde er ihn gleich essen wollen. Und dann stellte KE ihn auch noch vor die Wahl: Entweder er akzeptiere all ihre Sicherheitmaßnahmen oder KE ware aus der Haftung im Schadensfalle entbunden. So stand es im dreks Vertrag der dreks Gated Community.
"Mister Tidije, eine Nachricht ist auf ihre Kuhlschrank eingetroffen. Von ihra eigena Komm, etwas su unterschreiben. Die Central sagt, das ist ok."
Was gingen diese Typen ihm mit dem Ami-Akzent auf die nerven. Also er hier ncht, der war echter Ami. Aber diese ganzen schleimigen Krauts, die hier einen auf GI Joe machten. Hoffentlich schnappten sie diesen Drek. So nannte er sich auf der Straße. Hat wohl auch eine gefälschte SIN. Zumindest waren sie froh über das neue Phantombild, das sie nach seiner Beschreibung nun hatten.

Karim "Gib ihm" Moghadam sah auf das junge Mädchen herunter. Größer konnte der Unterschied kaum sein. Er, der Troll, ehemaliger Profi-Boxer, inzwischen schon Mitte 30 und sie, klein, schmächtig, keine 20.
"Du gehörst nicht zu uns, oder?"
"Nein, ich bin Freischaffend. Für Frau Schwartz zuständig."
"Ah, Freelancer. Dacht ich mir. War ich früher auch ma."
"Ich wollte gerade noch einmal die Pläne durchgehen."
"Hier, schau mal. Kompletter Lageplan." Sie ließ ihn gleich in 3D erscheinen. Also technisch war sie gut ausgestattet. "Hier haben wir noch ein paar Drohnen in Petto, falls irgendetwas ausartet. Dann gehts hier hinter den Tischen gleich raus und die Drohnen rein."
"Ich sehe nicht, wie ich Frau Schwartz hier schnell evakuieren kann..."
"Hm, da hast du Recht... Aber wenn Du den Tisch noch 3 Meter nach vorne schieben lässt, dann hast du einen seitlichen Notausgang direkt neben dem Stuhl." Er verzichtete darauf, irgendwelche Bemerkungen über "Katzentische" oder "Kindertische" zu machen. Er wusste aus eigener leidvoller Erfahrung wie hart das Leben im Security-Buisness als Freischaffender sein konnte.
"Aber entspann dich, es geht erst in einer dreiviertel Stunde los, wenn die Halle geöffnet wird und die Meute wie eine Herde von Stieren durch die Absperrungen tobt..."

Mike Stöcker hatte den nassen Kram endlich los. "Sachma, könnter mich net ma in Ruhe anziehn lassn? Stoff is noch im Kühli. Bedient euch." Er konnte sich tatsächlich erst einmal etwas anziehen. Es dauerte nur, irgendetwas aus den Kleiderbergen zu finden, das nicht völlig durch war. Am Ende hatte er eine Jogginghose und ein Langamshirt an. Stanken sicherlich und waren einige Flecken drauf, aber zumindest trocken und die getrocknete Kotze konnte man abreiben. Zum Glück gab er seine Schiedrichteruniformen immer in die Reinigung und hängte sie separat in seinen Schrank.
"Ich muss mal was ordentliches trinken."
"Genau, komm mal mit in die Küche."
In der Küche sah er einen offenen, leeren Kühlschrank und neben seiner völlig versifften Spüle, in und auf der sich Töpfe und Teller stapelten, die nur noch von Schimmel zusammengehalten wurden, jede Menge leerer Schnapsflaschen.
"Neiiiiiiiiiiiiiin." Ein langer, verzweifelter, absterbender Schrei. "Ich brauch was zu trinken."
"Mach erst mal die Küche sauber."
Es dauerte etwas, aber was sollte er machen. Nur wenn er die Küche sauber machen würde, gibts was zu Trinken?! Also nahm er den Besen und kehrte sowohl sinn- wie auch ambitionslos vor sich hin. Nach einer Stunde stellte der Elf ihm ein Glas hin. Endlich Schnaps! Er exte es. Wasser!!! Und anscheinend aus einem der Gläser aus der Siffe... Er kotze auf den Küchenboden...
"Ja, ja... ich putze da dann wohl mal auf."
"Braver Mikey."
Als er die Kotze mit dem Lappen auf dem Boden vor sich hinschob, kam ihm eine Erleuchtung! Hier, hinter den Töpfen müsste noch ein geheimer Geheimvorrat stehen. Ganz heimlich schaute er in den Schrank. Es fielen nur ein oder zwei Töpfe raus, konnte also eigentlich keiner bemerkt haben. Drek! Die Flasche war weg.
"Hier hab ich was gegen die Entzugserscheinungen." Der Typ in Panzerjacke klebte ihm ein Pflaster in den Nacken. "Hört der Kater bald auf." Von wegen. Jetzt war er schon wieder ewig am Putzen. Nix. Auf einmal steht Panzerjacke wieder vor ihm. Eine pulle, noch drei Finger hoch was drin. Misstrauisch schnüffelte Kai daran. Stoff! Gierig knallte er ihn weg. Schluck. Schluck. Schluck. Ahhhh. Er lächelte kurz und dann... nichts. Keinerlei Wirkung.
"Neiiiiiiiiiin."
Er war in der Hölle.

Filly hatte so etwas noch nie gesehen. Die Tore der Halle öffneten sich und eine Horde wilder Stiere rammelten in Schlangenlinien durch die Absperrgitter. Dabei stießen sie sich gegenseitig oder schlugen sich mit den Fäusten oder Ellbogen ins Gesicht. Spätestens jetzt war klar, dass zwei Krankenwagen vor der Halle nicht übertrieben waren. Und über der ganzen Szenerie schwebte eine junge Frau mit lila und rosa Haarsträhnen direkt auf Joe Venski zu...

Sophie ging mit allen anderen vom Sammelpunkt zur Halle, in der der legendäre Joe Venski wartete. Wow, wie grün! Wobei gehen nur bedingt stimmte. Sie hatte bereits einen Zauber gewirkt, der sie befähigte, durch die Luft zu schreiten. Sie schob sich seitlich nach vorne und als der Countdown begann, brachte sie sich über der Gruppe schwebend in Position. Einige wollten sie protestierend nach unten ziehen, worauf sie etwas höher stieg. Die Tore wie auch die Halle waren ja hoch genug.Als sich die Tore schlagartig öffneten, schwebte sie langsam nach vorne. Leider ging das nicht besonders schnell. Da allerdings die anderen Fans sich gegenseitig behinderten und sich in Schlangenlinien nach vorne arbeiten mussten, war sie schneller als alle anderen. Direkt vor Herrn Venski ließ sie sich ab und konnte sich nicht mehr beherrschen. Sie ließ einen irren Freudenschrei los. Die Leibwächter waren alarmiert. Sie hielt Herrn Venski ein Comicheft hin.
"Would you please sign this for me?"
"Wow, an original one. What´s your Name?"
"Sophie. But please call me 7even."
Er sprach beim Schreiben. "For 7even. A real Kombatmage. Joe Venski"
7even hatte tatsächlich einen beträchtlichen Teil des Honorars, ihres "Runs", wo alle nur die ganze Zeit nasepopelnd rumsaßen, in originale Karl Kombatmage Erstausgaben gesteckt. Lächelnd und so froh wie noch nie in ihrem Leben levitierte sie rückwärts aus der Halle und genoss, wie Joe Venski ihr nachsah, obwohl die Fanmeute schon längst bei ihm angekommen war.

Mike McCarthy sog einmal tief Luft ein. Es lief alles nicht ganz so glatt wie erwartet. Der deutsche Decker hatte den Hack auf das Fairlight Caliban von diesem Tidije vermasselt, so dass er auf Ressourcen von außerhalb zurückgreifen musste. Diese meinten, dass das Komm im Netz nicht mehr zu lokalisieren wäre. Die Mailbox würde die Anrufe automatisch in die Villa Tidijes umleiten. Genauer gesagt: Auf seinen Kühlschrank.
Seine Gruppe von Neulingen, die er auf Frau Schwartz angesetzt hatte, waren weiter dran. Sie ließ sich von einer Freelancerin in Sachen Personenschutz abschirmen. Ergo hatte sie etwas zu verbergen.
Zumindest hatten die Terroristen einen Fehler gemacht: Sie hatten eine der gestohlenen Drohnen bei ALI angemeldet und den Autopiloten genutzt. Das Team vor Ort meldete den Startpunkt in der Peter-Roos-Straße in Düsseldorf-Niederkassel, anscheinend von einem geparkten Auto aus, und das Ziel im Niederkasseler Kirchweg 60, in dem sich eine Person durch zwei offensichtlich verchromte Leute bewachen ließ. Herr Georg Welsbach, Mitarbeiter des WDR, stellte sich als äußerst erfreut darüber heraus, dass sich jemand aktiv seiner Sache annahm. Er hatte vier Personen benannt, die er den Terroristen als seine Zuträger genannt hatte. Aber er sollte behutsam vorgehen. Immerhin hatte die Bande Unterstützung von den Yaks oder MCT. Irgendwie sowieso das Gleiche, aber es schien um die Sache mit der Übernahme des WDR durch Horizon vor einigen Jahren zu gehen. Anscheinend kann MCT den Verlust nicht verkraften oder muss Informationslücken schließen oder...
Auf jeden Fall arbeitete der Elfenterrorist noch mindestens mit einem Norm und einem Zwerg zusammen. Die Ergebnisse des zweiten DNA-Tests aus der Villa Tidijes deuteten bereits auf einen Norm hin. Seine zwei HTR-Teams mit dicker magischer Unterstützung sollten den Zugriff auf jeden Fall erfolgreich hinbekommen. Aber so lange erst einmal alle vier mit Drohnen überwachen...

Filly Schwartz hatte es gut. Eigene Garderobe, Joe Venski gleich nebenan, ein gemeinsames Buffet und kleines Wohnzimmer vor der Türe. Um die beiden Bands, die auftreten sollten, wurde ein Geheimnis gemacht. Sie hatte aber schon mitbekommen, dass die Zuschauerwette, die angeblich erst an dem Abend selbst "gezogen" werden sollte, schon fest stand. Irgendwelche Mädchen als Funkenmariechen, die auf der Flöte "Mia lasse dä Dom in Kölle" spielen. Es war tatsächlich hier in der Garderobe ein großes Zimmer für sie vorbereitet. Und natürlich Pim van Pyne, ein hammer Entertainer mit leicht holländischem Akzent.
Pamela, eine der Assistentinnen war gerade da und besprach mit ihr den Ablauf der Show. Frau Sakushi entschuldigte sich für eine Inspektion des Studios und ging.
"Also, Sie dürfen gleich zu Beginn auf die Bühne. Einen Augenschmaus wie Sie..."
"Einigen wir uns auf Du?"
"Ja, danke. Also so ein Blickfang wie du soll natürlich so lange wie möglich vor der Kamera sein. Zoé hat das Kleid aus der NightShade-Collection bereits geliefert, Schuhe sind ebenfalls hier. Ihr... dein Management hat dir sicher schon gesagt, dass du unbedingt den Satz "NightShade macht die Nacht perfekt" unterbringen musst. Ich habe mir erlaubt, noch den Satz "NightShade macht die Show perfekt" beizufügen. Ich warte aber noch auf die Bestätigung von Zoé. So weit erst einmal klar?"
"NightShade macht die Nacht perfekt. Prima. Ich nehme an inklusive AR-Linsen und Lichteffekten auf dem Kleid?"
"Selbstverständlich. Alles wunderbar lebendig. Orange und gelb. Deine Wette ist die Außenwette. Du machst den Opener, aber wir werden technische Probleme vorschieben, so dass wir noch einen Aufruf zur Abgabe der Saalwette machen. Und nachdem die technischen Probleme dann immer noch nicht behoben sein werden", sie lächelte, "ziehen wir einfach die Wette mit dem amtierenden Prinzenpaar aus Düsseldorf vor. Keine Panik, die sind eingeweiht. Schaltung zur Karnevals-Sitzung in Halle 1 wo auch die Wette stattfindet. Karnevalslieder raten mit zwei Takten Musik." Pamela wedelte mit der Hand. "Aber ich schweife ab. Danach kommt dein Kranfahrer, der mit der Abrissbirne am Kran ein Zippo anzünden will. Brauchst du noch eine Liste von Sprüchen über Männer mit großen Geräten oder hast du schon?"
"Eine meiner leichtesten Übungen. Außerdem noch ein paar Andeutungen von wegen ohne Slip und Pipi wegen Aufregung. Außerdem dachten wir, dass wir das Kleid auch für die Kindernothilfe versteigern lassen, wenn er die Wette schafft. Vielleicht kann Herr van Pyme..."
"Pim ist Profi. Der hat das drauf. Außerdem üben wir die Gesprächschoreographie am Freitag ein. Natürlich nur die Grundideen. Soll ja spontan rüberkommen. Gut. Klingt bestens so weit. Du bist dann nachher um vier dann auch gleich die erste, die auf der Bühne übt. Wir gehen dann gemeinsam den Einlauf zur Bühne an und den Ablauf durch..."
Ihr Komm klingelte. Sie ging ran. "Verdammt. Macht das nicht Debbie?" Sie verzog ihren Mund. "Gut, stell sie durch." Kurzes warten. Sie atmete tief durch und setzte ihr glücklichstes Gesicht auf. "Vielen Dank Frau Kacic, dass Sie bereit sind, an unserer Show mitzuwirken." Kurze Pause. "Ja, genau, im Parkhaus P7 sind Stellplätze für Sie reserviert. Ich schicke es Ihnen gerade. Öffnen Sie den ARO, der Rest erklärt sich von selbst. Wichtig ist nur, dass Sie dem Wegweiser in der AR folgen. Für Sie und ihre Tochter ist hier im Backstage-Bereich bestens gesorgt. Außerdem dürfen Sie die Stars des Abends kennen lernen und bekommen noch eine Führung..."
Pamela winkte und ging telefonierend durch die Türe.


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« Letzte Änderung: 17. September 2021, 01:12:09 von Olf »
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Olf

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  • 15. September 2021, 22:47:24
Re: Alles ist einmal vorbei - oder doch nicht?
« Antwort #22 am: 15. September 2021, 22:47:24 »

Plothook aus Rhein-Ruhr-Megaplex: Im Land des Lächelns 3

Mike Stöcker war dem Wahnsinn nahe. Er putzte jetzt schon gefühlte zwei Menschenleben und bekam... nichts. Ganz im Gegenteil, jetzt machten sie noch Witze darüber, was sie ihm so alles abschneiden wollten. Er lurrte zum Küchenfenster. Drei Stockwerke sind doch auch nicht sooo hoch, oder...?! Aber dieser doofe Kerl stellte sich in den Weg. Hatte den Braten wohl gerochen.

Joe Venski war amüsiert. Selbst auf seine alten Tage wirkte sein Charme noch. Diese Filly Schwartz hatte doch tatsächlich das Kinderzimmer, in dem sich die Funkenmariechen für die „spontane“ Publikumswette sammeln sollten, für sie beide organisiert. So zum gemütlichen Abhängen. Ihm war völlig klar, was sie wollte. Ihn für ihr weiteres Fortkommen nutzen. Aber das konnte auch sehr amüsant werden. So verschwand er mit ihr, ein paar Selfies waren ok. Nur nichts zu intimes. Machte zwar Schlagzeilen, kam aber nie wirklich gut an. Eine Lektion, die Filly heute von ihm lernen durfte. Von Star zu Sternchen.

„Dann kann ich Frau Schwartz in eurer Obhut lassen und noch etwas für morgen erledigen?“
Heintje grinste. „Du meinst, du willst heute Nacht frei machen?“ Er musste lachen. Aber er kannte die Probleme, wenn man alleine für 24/7 für jemanden verantwortlich war. „Ausnahmsweise.“
„Ich gebe euch die Frequenz, mit der ihr sie orten könnt.“
„Alles klar, aber im Notfall geht unser Auftrag vor.“
„Ist klar. Ich geh noch was erledigen. Da draußen stehen Leute, die mich auf dem Kieker haben.“
„Ach, die Leute von KE, die in die Halle wollten? Richte ihnen Grüße von uns aus.“ Dabei richtete er seine Brille lächelnd mit dem ausgestreckten Mittelfinger zurecht. Yina Sakushi, wie sie nach ihrer SIN hieß, grinste. „Sieh den Rest als Gefallen unter Kollegen an. Vielleicht kannst du dich irgendwann revangieren.“ Sie verneigte sich nach japanischer Tradition. Heintje war beeindruckt. Sie hatte Manieren und Eier in der Hose, wenn sie sich mit KE anlegt. Selten. Und ihm fehlte einfach noch eine Frau in seinem Team.

„Schneider, sie kommt und hält geradewegs auf unser Auto zu.“
Anscheinend war diese Yina Sakushi ein Profi. Das Auto war hier hinter dem Gebüsch auf dem Parkplatz ganz gut getarnt. Eigentlich. Schneider sah ihr zu, wie sie sich näherte und neben ihm an die Scheibe klopfte und dabei mit einer Hand kurbelte. Er ließ das Fenster herunter.
„Habt ihr Affen hier noch kurbeln? Wir haben elektrische Fensterheber.“
Grinsend erwiderte sie: „Wieso? Hat doch geklappt.“ Übrigens hier ein kleines Geschenk.“ Dabei hielt sie ihm vier Autogrammkarten von Filly Schwartz hin. „Und von den anderen soll ich euch ausrichten, dass...“
„Sag ihnen, sie können uns auch mal.“ Er nahm die Autogrammkarten entgegen.
„Dann mal einen schönen Abend noch.“
„Wir sehen uns, Frau Sakushi.“
Nach einiger Zeit sahen sie über ihre Drohnen, dass Frau Schwartz in den Rolls-Royce Phaeton von Joe Venski stieg. Frau Sakushi stieg in den folgenden Van mit ein. Sie setzten sich in Bewegung. Nun stand eine lange Nacht vor dem Hotel Schellenburg bevor.

Filly war auf Wolke sieben. Seit sie den Zuschlag für „Wetten, dass...!“ bekommen hatte, machte ihre Karriere einen Sprung. Aber was für einen! Als sie mit Joe zusammen aus dem Kinderzimmer kam, machte sie noch ein Selfie mit ihm zusammen und ließ Yina noch eines machen. Dabei hauchte sie schnell ein Küsschen auf Joes Backe. Die Fotoserie wird ein Knüller für ihre Follower auf P2!
Heute würde sie mit Joe zusammen Abend essen und danach saunieren. Diese persönliche Bekanntschaft mit Joe Venski würde sie sicher auch weiterbringen. Zumindest würde sie nicht schaden.
Yina kam zu ihr und meinte, mit dem Sicherheitsteam von Herrn Venski wäre alles abgesprochen und sie würde heute Abend noch alles für ihr Frühstück morgen mit ihrer Freundin Susanne vorbereiten. Das war alles kein Problem, denn sie würde ihr Zimmer heute Nacht nicht brauchen.

„Ja.“ Raitoningu checkte die Leitung. Schien sauber zu sein. Der eingehende Code war ebenfalls korrekt. Ein Mitglied.
„Ich bräuchte einen Tätowierer. Muss nicht traditionell sein, eher einen mit einer Maschine. Sollte verschwiegen sein, kein Deutsch können und wirklich gut Portraits machen können.“
„Selbstverständlich, wird allerdings nicht billig.“
„Und ich bräuchte ihn heute Nacht noch.“
„Dann entfällt das Einfliegen wohl. Ja, ich hätte jemanden.“
„Prima.“
„Darf ich diese Nummer weitergeben?“
„Einen Moment.“ Eine andere Nummer wurde übermittelt. Dazu 100 Euro.
„Auf wiedersehen.“

Minati bekam einen dringenden Auftrag. Ihn wunderte nur, dass ausdrücklich eine Maschine zum Tätowieren gewünscht war. Er wählte die Nummer.
„Sie benötigen einen Tätowierer?“
„Ja. Heute Nacht um 1.00 Uhr an dieser Adresse.“ Eine Adresse wurde übermittelt. „Sie sollen dieses Portrait stechen.“ Ein Bild zweier junger Kinder wurde übermittelt.
„Welche Größe?“
„Soll auf den Unterarm.“
„In Farbe?“
„Nein, Schwarz-weiß.“
Gut, das macht dann 1.000 Euro.“
„Wie lange dauert das denn?“
„Etwa 3-4 Sitzungen.“
„Und in einer?“
„Nunja, die Schmerzen werden...“
„Schmerzen sind kein Problem.“
„Verstehe. Dann etwa 4 Stunden. Das Honorar beträgt dann 900. Ist nur eine Anfahrt.“
„Vielen Dank.“

Mike saß inzwischen auf dem Klo mit übelsten Bauchschmerzen. Ab und an ließ er unter schweren Schmerzen einen fahren. Aber was für einen. Der zoooog sich und stank wie Sau. Dabei hatte er das Gefühl, dass es ihm die Gedärme zerriss. Der Typ mit schweizer Akzent öffnete die Türe und … lief grün an und kotzte ihm vor die Füße. Er schloss die Türe gleich darauf wieder.
Kurz danach öffnete eine kleine zierliche Japsin die Türe, hatte sich eine Maske aufgezogen. Sie sprühte gleich Deo in den Raum. Auch sie schloss die Türe sofort wieder. So war er wieder allein mit seinen Schmerzen.

Harry stand mit Tama an der Haustüre und klingelte bei Mike. Er hörte nur seine Stimme durch die Gegensprechanlage. „He, passt grade gar nicht.“
„Mann, wir wollten doch saufen, hab auch Tama mitgebracht, wie versprochen.“
„He, lasst mich in Ruhe, ihr Pisser!“
„Sag mal Mike, was soll denn der Scheiß? Wir sind doch Freunde...“
„Nen Scheiß sind wir! Und jetzt verpiss Dich! Ich will Dich nie wieder sehen!“
„Du verfraggtes...“ Aber da war die Gegensprechanlage schon aus. Harry ließ es sich nicht nehmen und schrie ein „Mike ist so ein verfraggtes Arschloch!“ quer durch die Straße.

Benito stand hinter der Theke vom „Due Amici“. Der Blitzkrieg war vorbei und die Bestellungen ebbten schnell ab. Kamen nur noch die Jungs von der Hool Jugend (HJ) vorbei oder ab und an einer von den Alkis. Die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung lag aber inzwischen brav im Bett.
Ein Typ kam rein. Benito hatte ihn noch nie gesehen. Dass er eine Panzerjacke anhatte, war nicht der Rede wert, aber der war offensichtlich nüchtern! Und hatte einen komischen Akzent mit „ch“ und so.
„Ich hätte gern drei Sixpacks. Zweimal n gutes und einmal n normales Bier.“
Benito stellte drei Sixer „Reichsbräu“ hin. „Was anderes haben wir nicht.“
„Und dann noch zwei Pizzn.“
„Welche denn? SA? SS? Sturmbannführer?“
„Öh, keine Ahnung, wasn da so drauf?“
Benito zeigte auf die Karte in der AR. „Ich kann die Pizza Muscholini sehr empfehlen.“

Minati, was auf Deutsch „Hafen“ bedeutet, ließ das Taxi etwas langsamer fahren. Er wollte nicht zu früh zu seinem Termin erscheinen. Anscheinend waren die Leute in dieser Gegend von Gerresheim national. Das bedeutet, sie neigen zu Gewalttätigkeiten. Er überprüfte seine Walter Secura II und steckte sie wieder in sein Halfter. Er wies den Taxifahrer an, noch etwas langsamer zu fahren. Seine Rechnung ging auf.
„Aber bei mir zahlt auch n halber den vollen Preis.“, knurrte der Taxifahrer, dem das Gehaben des asiatischen Zwerges nicht gefiel. Die meisten erkannten ihn gar nicht als Zwerg. Mit seinen 1,20m ging er als kleiner Asiate durch. Außerdem hatte er keinen Bart und traditionell geflochtene Haare.
Er zahlte den Fahrpreis in bar, nahm Rucksack und Tasche, wobei er darauf achtete, dass seine Schusshand frei blieb, und ging zur Türe von Unter den Eichen 88. Drei Klingeln. 0.56 Uhr. Er wartete zwei Minuten. Textnachricht an die Auftraggeberin. „Drei Klingeln.“ Antwort „Stöcker“. Punkt 1.00 Uhr klingelte er.
Im Erdgeschoss ein Rollator. Im ersten Stock Kinderzeichnungen. Im zweiten Stock leere, verstaubte, von Spinnweben bezogene Schnapsflaschen und getrocknete Kotze an der Wand. Er klopfte. Eine junge, ebenfalls japanische Frau öffnete. Sie entschuldigte sich wegen der Umgebung.
„Sie können nichts für die kulturelle Barbarei der Gaijins.“ Er deutete auf den Tisch. Ein paar Bier- und Schnapsflaschen standen darauf. „Reichsbräu“ und irgendein Doppelkorn mit Mussolini und Hitler darauf. Außerdem ein überfüllter Aschenbecher. Das Asiatische Mädchen schüttelte den Kopf und deutete auf sein Bett.
„Eine hygienischere Umgebung gibt es hier leider nicht.“
Er zuckte die Achseln und holte eine große Plastikfolie heraus, um das Bett zu verpacken. Desinfektionsmittel, Watte, Tätowiermaschine und sein Klappbrett mit Schnallen daran. Wie er bereits dachte, wurde die Tätowierung unter Zwang vorgenommen. Sie lockten einen Jammerlappen von Gaijin mit Bier aufs Bett. Er ließ sich sogar widerstandslos seinen Arm an das Brett schnallen, während er Bier trank. Das einzige, was ihn nervte, war der K-Pop, der nun wieder lauter gedreht wurde. Unangenehm laut. K-fucking-Pop!!!! Innerlich schüttelte er den Kopf. Koreaner!
Nunja, er erledigte seine Arbeit. Er würde nicht in der Haut dieses Gaijins stecken wollen. Seine Schmerzen mussten extrem sein. So etwas kannte er sonst nur von den Ritualen der Yakuza. Aber dazu nahm er das traditionelle Besteck. Wie dem auch sei, der Zwerg und der Norm packten am Brett und hielten den Arm still, während er das Portrait zweier Kinder auf den Unterarm tätowierte. Morgens um vier war es so weit. Er ging schneller als erwartet. Zufrieden sah er das Ergebnis seiner Arbeit an, bevor er den Verband anlegte.
„Er sollte dann morgen Vaseline auftragen. Hier ist eine Dose. Dann alle 24 Stunden bis die Dose leer ist.“
Das Mädchen steckte ihm beim Gehen einen Credstick zu. Er steckte ihn einfach ein. Im Treppenhaus rief er sich ein Taxi und wartete im Vorgarten.

Mike McCarthy schaute sich die Drohnenbilder an.
Um 23.52 Uhr kam der Typ in Panzerjacke mit Bier und Pizza von der Pizzeria „Due Amici“ zurück, der um 23.19 Uhr das Haus verlassen hatte.
Um 23.54 Uhr kam Yina Sakushi am Haus von Mike Stöcker an. Neben der völlig verstörten Jacqueline Petrovic, die gerade verhört wurde, seine einzige Spur. Yuuki Tanaka hatte rituellen Selbstmord mit einem Katana begangen und Nadja van der Linden fand man vor ihrem Bordell tot auf. Ihre Zunge herausgeschnitten und an ihre Stirn genagelt.
Frau Sakushi war also hier. Das hieß, dass sie den Neulingen am Hotel Schellenburg durch die Lappen gegangen ist. Wo genau sie ihr Auto geparkt hatte, sah er erst, als er die Bilder der  Ares Seargent Drohne zurückgriff, mit der er die Lage aus größerer Höhe großflächig im Auge behielt. Sie parkte um die Ecke. Das Auto hatte eine andere Farbe. Also hatte sie entweder in der Garage des Hotels Schellenburg ihr Auto umlackieren lassen, was eher unwahrscheinlich war oder sie hatte einen Überzug aus Polymeren.
Den Abhör-Drohnen nach, die mehrere Fenster mit Lasermikrophonen abtasteten, waren in der Wohnung vier Leute. Einer war voll auf Entzug und wurde von den anderen dreien voll unter Druck gesetzt. Wobei diese wohl schwankten zwischen Körperteile abschneiden und/oder ihn vom Alk zu entziehen. Irgendwann entschlossen sie sich, auf jemanden zu warten, bis „die Party beginnt“. Und nun kam Frau Sakushi. Kurz darauf wurde eines der Fenster geöffnet, vor dem eine der vier Abhördrohnen war. Verdammter Mist. Und darauf wurde die Wohnung mit K-Pop beschallt.
Um 0.09 Uhr kam ein Typ mit einer Frau und zog kurz darauf wutentbrannt von dannen.
Um 0.56 Uhr stieg ein kleiner Asiate aus einem Taxi aus, wartete einige Minuten und klingelte um Punkt 1.00 Uhr. Um 4.38 verließ er das Haus. Im Nachhinein konnte er auf den Bildern der Ares Seargent sehen, dass er kurz im Vorgarten auf das Taxi gewartet hatte.
Um 4.46 Uhr kamen Frau Sakushi, ein Zwerg und zwei Norms heraus, von denen einer vermutlich doch ein Elf war. Bingo! Er war sicher, er hatte die Spur aufgenommen! Frau Sakushi stieg in ihr Auto um die Ecke. Die anderen drei in ein Auto gegenüber Stöckers Wohnung. Er informierte beide HTR-Teams. Er brauchte nur noch einen geeigneten Platz zum Zuschlagen, denn Kollateralschäden mussten verhindert werden. Zumindest ernst zu nehmende.Seine Idee war ganz einfach: Er würde die Terroristen in eine Schießerei mit einer Gang oder einigen Runnern verwickeln, was Knight Errant die Möglichkeit bieten würde, einzugreifen... Nachdem das allerdings nicht im Hotel in Düsseldorf-Gerresheim passieren würde, in dem die Runner abgestiegen sind, ließ er erst einmal das Auto verwanzen, mit dem die Bande bei Mike Stöcker war. Die Neulinge sollten das Gleiche mit dem Wagen von Yina Sakushi machen.

Ordner 2

Filly Schwartz war bestens gelaunt. Die Nacht mit Joe Venski war... erfrischend. Sie hatte sogar länger geschlafen, als ihr Plan vorgesehen hatte und sich einen Kuchen zum Frühstück gegönnt. Diese Yina ließ sie aus dem Frühsport aber nicht raus. Dann zog sie sich eben die Jogging-Sachen an und joggte zum Frühstückstreffen mit Sabine! Yina hatte gegenüber in einem Fitness-Club das Duschen klar gemacht.
Das Frühstück war toll. Gerne ließ sie sich von ihrer Schulfreundin bewundern. Wetten, dass...?!, ein paar Bemerkungen über Joe Venski, den Rest überlies sie deren Fantasie. Sie suhlte sich in den neidischen und verehrenden Blicken, während sie zu den halb dahergesponnenen Geschichten ihrer Freundin nur ein Gesicht machte, das in seinem Ausdruck ein „...ich hab nichts gesagt...“ hatte.
Anschließend joggte sie zurück, nahm zum Mittagessen einen halben Apfel, ließ sich die Augenbrauen zupfen und lies sich am Nachmittag von Frau Sakushi zur Messehalle fahren, um eine letzte Anprobe der Kleider mit einem Vertragsschneider von Zoé zu zelebrieren. Sie übte noch einmal den Einlauf zur Bühne, sowie den Abgang. Sicher ist sicher.

Snyder ärgerte sich. Er war von McCarthy persönlich angewiesen worden, die Schüssel von Frau Sakushi zu verwanzen. Anscheinend hatte sie es letzte Nacht geschafft, mit ihrem Auto ungesehen aus dem Hotel zu kommen und auch wieder hinein! Zum Glück hatte er sich schlafen gelegt und konnte die Verantwortung so auf die Nachtschicht schieben. Am Nachmittag fuhr Frau Sakushi zusammen mit Frau Schwartz die 200 Meter zum Messegelände. Snyder ergriff die Gelegenheit und brachte hinten links einen Peilsender an.

„Mr McCarthy, das Fahrzeug ist in Bewegung. Wir wissen nicht genau, wer drin sitzt.“
Das hatte Mike McCarthys ungeteilte Aufmerksamkeit. Schließlich könnte sich eine Möglichkeit zum Zugriff ergeben. Mindestens eines der beiden HTR-Teams war immer bereit. Runner warteten ebenfalls. Sie wollte er vorschicken, um das Ziel in illegale Aktivitäten zu verstricken und so die Gelegenheit zu einem Eingreifen durch öffentliche Gefährdung zu erhalten. So konnte KE legal aktiv werden, auch wenn sie keinen Vertrag hatten.
Das Fahrzeug, ein roter Toyota Citizen, fuhr durch Erkrath, immer beobachtet durch seine hochfliegende Drohne. Das Signal brauchten sie nicht mehr, deshalb unterließen sie das Anpingen des Spionage-Chips am Fahrzeug.
Es hielt am Parkplatz des Neandertal-Museums. Es stiegen ein Zwerg und der Norm aus. Drek! Er ließ weitere Fotos von ihnen machen. Es war zwar eine schreckliche Perspektive, aber besser als nichts.
Kurz wog er ab. Das bedeutete, dass die eigentliche Zielperson jetzt alleine im Hotel in Gerresheim sein müsse. Aber einmal davon abgesehen, dass er kein Mandat hatte, war auch das Risiko von Kollateralschäden in einem Hotel zu hoch.Zumal er noch nicht einmal wusste, in welchem Zimmer sich das Ziel befand.
„Halten sie den Wagen und das Hotel weiter beobachtet. Sie melden mir jede Veränderung unverzüglich!“

Piet saß auf der Pritsche des Kleinbusses seines Chefs und ließ die Beine baumeln. Inzwischen hatte er raus, wo er sich hinsetzen musste, damit er sich nicht ständig an der Anhängerkupplung stieß. Drei Tage machten sie jetzt schon mit dieser beschissenen veralteten Kacke in diesem Haus hier in Gerresheim rum und dem Chef ging alles zu langsam. Aber jetzt erst mal Pause. Er hatte noch so 5-10 Minuten bevor Willy und sein Chef „Herr Wagner“, wie er sich von seinen Angestellten ansprechen ließ, kommen würden. Er mümmelte an seiner Stulle und schenkte sich einen Kaffee ein. Irgendso ein Schnösel von Elf blieb an der gegenüberliegenden Seite der Straße stehen und starrte ihn an. Scheiß Sarari-Ärsche, halten sich immer für was Besseres!
Kaum war der abgehauen, kamen auch schon Willy und der Chef. „Das kann doch nicht sein, dass...“, er schaltete die Ohren auf Durchzug, „...einfach aufkloppen und verlegen, kann doch nich so schwer sein!“
War das nicht wieder dieser Sarari-Elf, der sich da hinterm Chef am Kleinbus vorbeidrückte? Zumindest hielt der Chef jetzt das Maul. Aber leider nur kurz.

„Mister McCarthy.“
McCarthy schaute in die angewiesene Richtung. Anscheinend waren nur der Zwerg und der Norm in dem Fahrzeug, das inzwischen auf dem Parkplatz des Neandertal-Museums angehalten hatte. Der Norm tastete gerade die hintere Stoßstange ab. Anscheinend suchte er irgendwelche Peilsender. Da konnte er nur abwarten und Tee trinken. Einen Spionage-Chip konnte man wirklich nur durch direktes körperliches Suchen finden. Es sei denn, man würde mit dem Wanzenscanner gerade den Zeitpunkt erwischen, in dem der Ping angefragt wurde.
Nach ein paar Minuten hatte er wohl keine Lust mehr. Sie gingen in das nahe gelegene Cafe und gingen dann um zehn in das Museum. Um 13.00 Uhr machten sie sich an die Rückfahrt.
Viel interessanter war, dass in der Zwischenzeit ein Elf das Hotel verließ. Er schaute ewig auf einen Van von „Elektro Wagner“, in dem jemand mit Blaumann Frühstück machte.Sofort beorderte er seine Magier dorthin. Astrale Erkundung. Er sollte ihn astral schnüffeln, um ihn wiedererkennen zu können. Die Runner und das Swat-Team setzte er ebenfalls in Bewegung, doch zehn Minuten später musste er abblasen. Der Elf schlich nochmal an dem Elektro Wagner Van vorbei und war wieder im Hotel. Drek. Zu viele Kollateralschäden. Zumindest hatten die Magier ihn astral gescannt.

Heintje war fertig mit der Einteilung. Heute, am Freitag, hatten acht seiner zwölf Leute Dienst. Heute Nacht vier und morgen großes Finale mit allen. Zur Not sollte sich die Nachtschicht Long Haul reinschieben.
Gibihm hatte schon durchgegeben, dass Frau Sakushi seit heute morgen mit vor der Türe stand. Ihr Klient, Mister Venski, hatte Gefallen an Filly Schwartz gefunden, für die Frau Sakushi zuständig war. Nachdem er am Vormittag die Fahrt zur Generalprobe nach dem Mittagessen organisiert hatte, stellte er sich mit auf den Gang. Der Kellner, der das Essen brachte, wurde bereits am Aufzug inspiziert, wie auch das Essen. Dennoch wurde er auch in der Suite nicht aus den Augen gelassen.
Dann ging es los. Er stieg mit Venski wieder in den Van, der Renault-Fiat Eurovan folgte. Am Messegelände standen schon, wie zu erwarten, Fans und Medien. Der Rigger blieb bei den Fahrzeugen zurück, die anderen sechs bildeten einen Kokon um Hernn Venski und Frau Schwartz. Yina Sakushi blieb ebenfalls darin, nah bei Frau Schwartz. Zwischen den Messehallen umringten die Fans ihre Idole, als Herr Venski ein Interview gab. Frau Schwartz schien es ihm tatsächlich angetan zu haben, denn er ließ sie bei jeder Gelegenheit in gutem Licht dastehen. Die Drohnen zeigten keine Scharfschützen auf den Dächern, aber er bekam über ein Bild aus luftiger Höhe mit, wie sich Frau Sakushi von Frau Schwartz weg neben die beiden Reporter bewegte, die Herrn Venski gerade interviewten.

Qualle war ganz aufgeregt. Er hatte sich – zugegeben echt nur leidlich gut – auf „Don Camorra“ gestylt, einem Bösewicht aus den Karl Kombatmage Serien. Er war voller Aufregung und Vorfreude. Oder es war einfach das Cram, das er geschmissen hatte. Auf jeden Fall kam da leibhaftig Joe Venski! Wie grün war das denn!!! Morgen wäre er der King an der Uni! Mit den anderen Fans strömte er um das stattfindende Interview. Langsam ließ er seine Hand unter dem Sakko verschwinden, um seine Waffe aus dem Halfter zu ziehen. Er sah schon die Schlagzeile in BILD vor sich: „Don Camorra erschießt Karl Kombatmage“.

Naomi mochte solche Menschenansammlungen nicht, aber um Filly Schwartz gut auf dem Video zu haben, musste sie nach vorne. Neben ihr stand so ein fetter Typ in Sakko, der zehn Meilen gegen den Wind stank. Geh duschen, du Opfer! Endlich hatte sie eine gute Position. Interessant. Joe Venski hatte Filly im Arm, ob die beiden wohl ein Pärchen sind?! Oh mann, jetzt schiebt sich die japanische Anzug-Göre, die die ganze Zeit neben Filly stand genau vor ihre Linse! Sie sah vom Komlink auf und wollte gerade etwas sagen, als sie den stinkenden Fettwanst neben ihr ins Sakko griff und fast gleichzeitig einen Schlag versetzte. Bevor überhaupt irgend jemand wirklich reagierte, hatte sie ihn gepackt und schob ihn nach hinten weg. Wow. Alle hielten mit ihren Kommlinks jetzt auf diese Szene. Sogar die Reporter. Aber sie hatte endlich wieder freie Sicht auf Filly Schwartz!

„...zumal ich gerade in einer solch charmanten Begleitung sein darf.“ Joe gab zwar gerade ein Interview, aber er sah quasi direkt auf die Szenerie, in der diese Yina einen Fan, der sich offensichtlich echt schlecht als Mafiosi verkleidet hatte einen Schlag versetzte, nach dem er sich nicht mehr rührte. Er fiel nicht zu Boden, sondern sein Körper versteifte sich, als hätte er einen elektrischen Schlag bekommen. Diese Yina musste wirklich stark sein, denn sie griff sich den Typen und schob ihn am Kragen gepackt nach hinten weg, den einen Arm auf den Rücken gedreht.

„...zumal ich gerade in einer solch charmanten Begleitung sein darf.“
Sonja Weimer lächelte. Sie setzte zur nächsten Frage an, doch irgendetwas schien hinter ihr vor sich zu gehen. Gleichzeitig hörte sie aus der Regie in ihrem Ohr „Attentat! Haltet drauf! Die eins bleibt weiter auf Venski und Schwartz!“
Verdattert sah sie sich um. Ein fetter Typ wurde von einer kleinen asiatischen Frau an die Wand gestemmt und entwaffnet. Alles, während die Drohnen von BILD-TV voll draufhielten. Grün!
„Sonja, mach weiter! Hol mir Gefühle!“
„Herr Venski, sie scheinen auch privat sehr gefährlich zu leben. Sind Sie in Ordnung, geht es Ihnen gut?“
Joe Venski sah seelenruhig in die Kamera und hob den Daumen. Sie konnte das Mikrofon noch rechtzeitig näher bringen, um das leise Flüstern aufzunehmen, als Venski sich sehr, sehr vertraut mit Frau Schwartz austauschte. Grüüüün!
Da kam die Heldin zurück, anscheinend die Bodyguardress von Frau Schwartz. „Und wie heißt denn die Heldin des Tages?“
Sie sah kurz zu Frau Schwartz und sagte dann in die Kamera: „Ich bin für die Sicherheit von Frau Schwartz zuständig. Mein Name tut nichts zur Sache.“
Gerade als Sonja nachhaken wollte, fiel ihr Joe Venski ins Wort: „Sehen Sie, DAS sind die echten Karl Kombatmages und die ganze Reihe ist eben auch da, um den vielen stillen Helden ein Denkmal zu setzen, die unaufhörlich im Hintergrund ihren Dienst tun, ohne jemals in dem Ausmaß Ruhm und Ehre dafür zu bekommen, wie es ihnen zustehen sollte. Aber nun müssen wir wirklich zur Generalprobe. Der WDR verklagt uns sonst noch wegen Sabotage.“ Er lachte leicht über seinen Witz. Ein ansteckendes Lachen.
Über ihren Ohrstöpsel hörte sie nur „Sucht mir alles zu dieser Frau! Ich will in drei Minuten wissen, wie sie heißt, wen sie vögelt und wann sie ihre Periode hat!“

Heintje war verliebt. Genau so jemanden brauchte er in seinem Team. Erwin, die Schnarchnase, die für diesen Bereich zuständig war, hatte er schon angerüffelt.
„Es sind nur Platzpatronen. Was soll ich mit ihm tun?“
„Übergib ihm der Messe-Security. Die geben ihn bei der Streife am Haupteingang ab. Gute Arbeit. Wie hast du ihn so schnell außer Kraft gesetzt?“
„Ich praktiziere Selbstverteidigung seit meinem dritten Lebensjahr.“
Offensichtlich wollte sie die Frage nicht beantworten. Heintje lächelte. „Also falls Du mal einen Job suchst. Hier ist meine Karte. Könnte Dich gut brauchen.“

Freddy hatte gerade die Sicherheit des Krans bestätigt, der für „Wetten, dass...?!“ zwischen den Messehallen stand, als ein Typ mit Helm und Warnweste kam.
„Seid ihr fertig? Muss nomma.“ Er deutete nach oben.
„Klaro. Was meinste, schafft der Typ dat?“
„Ich frage mich auch, wie der das Feuerzeug mit der Abrissbirne ankriegen will...“
„...ja, und dat, wo der Kran noch nichma ne Riggäcontroll hat! Deä machtat mit deä Hand! Dat musso n Kranfetischist sein, hab ich jehöat.“ Freddy sah, dass der Chef schon am Laufen war. „Bis dann, isch mut.“

Gerard Roy bereute langsam, die Organisation für „Wetten, dass...?!“ übernommen zu haben. Egal, wie hoch das Gehalt war. Ständig ging irgendetwas schief. Jetzt hatte so ein Honk tatsächlich die Scheiben des Krans mit Scheibenreiniger eingesprüht. Der sollte doch erst nach der Probe sauber gemacht werden. Er rief oben an. Kaum abgenommen, wetterte er los: „Hör zu, wir proben gleich, du Spast. Wenn du in fünf Minuten nicht die Scheiben klar hast, bist du gefeuert, klar?!!! Aber sowas von!“
„Ich schaffs in drei.“
Und tatsächlich. Der Dreks-Typ war unten noch bevor die Leute zur Probe kamen.
Aber kaum war das vorbei, war er mitten im Super-Gau. Irgendein Vollhonk hatte an die Eltern, der Prinzengarden, die gerade eintrafen ein ARO geschickt und sie seelenruhig durch den U-Bahnhof und den Haupteingang geleitet! Vorbei an den Bahnhofs-Kameras und der Presse! Und nicht nur das. Das ARO ging mehrfach raus an alle Komms in der Umgebung! Alle! Sogar er hatte es auf sein Komm bekommen. Privates wie geschäftliches. Genauso seine Leute, die Medien und sogar die Leute in der U-Bahn-Station! Wow. Wow. Und keine Sau will es gewesen sein! Das heißt, dass jetzt Fotos und Videos von der Prinzengarde gibt, die doch erst völlig spontan morgen aufkreuzen dürfen. Offiziell. Drek! Jetzt kann jeder zwei und zwei zusammenzählen und es liegt klar auf der Hand, dass die Saalwette nicht vom Publikum stammt... Hoffentlich hielten sich die Eltern wenigstens daran, nicht schon verkleidet zu kommen...
Desaster.
Irgendwie musste er seinen Kopf aus dieser Schlinge ziehen...

Zugriff

"Chef, sie fahren los."
Mike McCarthy sah auf die Drohnenbilder.  Es war Freitag Abend, 19.38 Uhr. Dass es sich um den richtigen Wagen handelte, konnte er am Ping des Spionage-Chips sehen. "Lassen Sie erst überprüfen, ob die Zielperson darin sitzt. Setzen Sie die Punks und die Teams in Bereitschaft."
Es dauerte nicht lange, dann kam die Bestätigung. Einer der Magier hatte die Insassen askennt und die Zielperson bestätigt. Er wurde dabei von ihnen gesehen. Der Wagen fuhr weiter auf der B7 aus Gerresheim heraus. Er glich kurz ab, wo die angeheuerten Punks und die Teams waren. Punks und ein Team in der Nähe. Er fackelte nicht lange.
"Grünes Licht an alle. Magie sofort ran, Punks los, HTR hierhin." In Windeseile hatte er die Routen für die beiden Teams in das TacNet gestellt. Die angeheuerten Punks waren schnell. Sie waren noch in Gerresheim hinter dem roten Toyota Citicen. Perfekt! Er passte die Route für das Team an, das den Zugriff ausführen würde. Er ordnete den Blaustich an, also die Fahrt mit Sondersignalen, wie es offiziell hieß. Die Punks hatten tatsächlich schnelle Maschinen, sie holten unglaublich schnell auf und eröffneten das Feuer...

Lada sah auf sein Kommlink. Das Signal sauste vorne an der B7 an ihnen vorbei. "Das waren sie, voll Stoff mir hinterher." Die Mikrotransceiver hatten sich bezahlt gemacht. Sie sollten einfach auf Abruf sein und einen Wagen aufhalten, dessen Signal sie orten konnten und zu dessen Ping sie auch noch geführt wurden. Und die Bezahlung war auch ok. Die Beifahrer auf den Sitzen hinten hatten ihre FN P 93 Praetoren bereit gemacht und los ging der wilde Ritt. Bei Auffahrt auf die B7 fuhr die Kiste gerade einmal 5-600 Meter vor ihnen. Ein Klacks. Sie drehten ihre Suzukis hoch, keine 10 Sekunden später waren sie in Schussweite. Die Beifahrer schossen, aber der Fahrer war gut. Oder hattes verdammtes Glück. Oder beides. Auf einmal fuhr es Lada eiskalt den Rücken herunter und gleichzeitig blockierten seine Bremsen! Er hatte alle Hände voll zu tun, seine Maschine in der Spur zu halten. Eine Maschine überholte ihn, die dritte und hinterste mit ihm gleichauf und schoss an ihm gerade vorbei, als das Motorrad vor ihm beschossen wurde.
"Nochmal Schwein gehabt", dachte Lada als sein Sozius sich an ihm festklammerte, bevor seine Lenkung schlagartig nach rechts zog und er direkt in eine Hauswand fuhr. Mit 140.

Die beiden Magier sahen sich im Astralraum an. Sie folgten dem Wagen und warteten nur auf magische Aktivität. Ein Geist erschien und manifestierte sich bei den Punks. Sie schickten ihre vier Geister, um ihn zu vernichten. Einer aus dem Auto muss die Heckscheibe zerschossen haben, zumindest war der Magier nun im Astralraum zu sehen. Sie griffen ihn beide umgehend an, denn er sah gerade in die Astralwelt.

Oleg fuhr mit seiner Mirage auf die B7 auf, gab Gummi aber irgendwie wollte die Karre nicht ziehen. Lada und Pritsche zogen davon. Er gab weiter Stoff so gut er konnte. Zum Glück hielt sich der Wagen, den sie stoppen sollten, an die Verkehrsregeln. Er drehte nochmal ordentlich hoch. Sein Sozius hatte vielleicht nicht so gutes Ziel wie die anderen beiden, aber es sollte doch reichen. Drek! Natürlich reichte es nicht. Drei Salven und die Kiste fuhr immer noch! Auf einmal legte Lada eine Vollbremsung hin. Pritsche zog an ihm vorbei und wurde beschossen. Anscheinend hatten die jemanden mit einer MP auf der Rückbank. Zumindest war die Heckscheibe Schrott. Sein Beifahrer schoss und er sah auch, wie von Pritsches Maschine aus geschossen wurde, aber der Wagen wollte einfach nicht getroffen werden. Nicht wirklich. Dafür schlugen in Pritsches Maschine Blitze ein von diesem Komischen Vogel, der da vorne auf der Straße war. Die Maschine verlor das Gleichgewicht und die beiden flogen durch die Luft. Das lief sowas von gar nicht glatt! Ihm fiel ein Durchfahrtsweg zwischen einigen Häusern auf.

"Operator an Eagle One. Umschalten auf zivil und weiter der Route folgen."
"Eagle One an Operator. Bestätigt."
Karl "Charlie" Meyer nahm den Befehl seines Chefs zur Kenntnis, dachte an zivil und das Ruthenium Polymer tat seine Arbeit. Der Ares Roadmaster war von Außen gesehen nichts weiter als ein schwarzer Sicherheitstransporter. Blaustich aus. Er passte sein Tempo an. Dank seiner exzellenten Riggerkontrolle keinerlei Mühe.
"Operator an Eagle One. Geschützturm ausfahren. Ziel kommt direkt auf sie zu. Bei Sicht Motor ausschalten und Blaustich mit Kennung an."
"Eagle One an Operator. Bestätigt."
Charlie fuhr den Turm aus. Er sah auf das TacNet und verfolgte das Ziel. Vor ihm die Kreuzung Ludenberger Straße und Ernst-Poensgen-Allee. Er auf der einen Seite, das Ziel auf der anderen Seite. Er stellte mit einem Gedanken auf Blaustich um, das Knight Errant Logo erschien wieder auf dem Van. Er feuerte eine automatische Salve in den Motorblock. Der Fahrer hatte keine Chance. Der rote Toyota Citicen hielt jedoch mehr aus als man es meinen würde. Der Fahrer schaffte es sogar, noch vor der Kreuzung zwischen einigen Mietshäusern zu verschwinden.

Oleg war verdammt froh, zwischen die Mietshäuser gekommen zu sein. Aber der verdammte Motor stotterte. Dennoch bekam er gerade noch die Kurve. Und mit einem Schlag war der Motor weg, er begann zu schlingern und verlor die Kontrolle über die Maschine. Er rutschte mitsamt Maschine und Sozius über den Straßenbelag. Hoffentlich hält die Panzerjacke...

Mike McCarthy schaute sich via seiner hoch fliegenden Überwachungsdrohne die Gesamtsituation an. Sein Team kam aus Westen und fuhr auf die Kreuzung zu, das Zielobjekt aus Osten. Irgendwie schien der Toyota Citizen die Salve in den Motorblock zu überstehen und verschwand zwischen den Häusern Richtung Bismarckweg. Ebenso der Punk auf seinem Motorrad. Den legte es allerdings und er schlitterte mit der Maschine über den Asphalt.
"Eagle One, Rammen. Ich wiederhole. Rammen." Er setzte das Ziel in den Bismarckweg. Würde das Zielfahrzeug links abbiegen, wäre es eine leichte Kurve, aber sie würden quasi sofort in den Roadmaster knallen. Die Rechtskurve war schwer zu fahren. Zumindest für einen ungeriggten Fahrer. Aber Drek, genau das tat er und schaffte es! Aber Charlie hatte eine Riggersteuerung de Luxe. Er nahm den Schlenker über die Kreuzung in den Bismarckweg ohne Geschwindigkeitsverlust. Ganz im Gegenteil, er drehte den Motor ordentlich hoch. Der Van war zwar eher behäbig in der Beschleunigung, aber in den Händen eines Riggers taten Fahrzeuge Dinge... Das Zielfahrzeug hatte ordentlich Geschwindigkeit verloren und wurde vom Roadmaster volle Kanone von hinten erwischt und krachte ins Haus an der Kurve. Besser hätte es kaum laufen können. Selbst bei einem Schusswechsel war die Hälfte des Umfeldes Stadtwald und in den Mietshäusern wohnten Menschen, wegen denen es höchstens maßvollen politischen Ärger geben würde.
Nachdem weit und breit kein Geist zu sehen war, schienen die Magier ihren Teil zu erledigen. Immerhin hat dieser Drag, wie er sich auf der Straße nennen ließ, mit einem Geist drei HTR-Kräfte umgebracht.

Die beiden Magier schwitzten. Also eigentlich nicht, denn sie waren im Astralraum. Ihre beiden herbeigerufenen Feuergeister verschwanden als sie den überaus mächtigen Luftgeist nach langem harten Kampf endlich besiegt hatten. Aber es blieb keine Zeit. Ein neuer Luftgeist! Und ebenso mächtig! Ihre beiden Erdgeister gaben alles und sie selbst schlossen sich ebenfalls an. Aber dem zweiten Luftgeist ging die Luft glücklicherweise wesentlich früher aus.

McCarthy sah den Van am verunglückten Toyota vorbeiziehen. Er stoppte und die vier Muskel strömten sofort aus der Hintertür, ihre Ares Alphas im Anschlag. Sie umringten den Wagen an der Hauswand.
"Positiv. Ein Elf.", hörte er über das TacNet, als alle vier je einen Passagier herauszogen. Ein Zwerg und der Elf auf dem Rücksitz, zwei Norms auf den vorderen Sitzen. Sein Deck gab Alarm. Irgendjemand versuchte einzudringen. Als er sich in der Matrix umsah, sah er nur noch ein "Etwas" verschwinden. Es war nur ein kurzer Blick. Es musste gut im Verstecken sein, denn er konnte wirklich nichts mehr finden.
Die vier hatten die Insassen bereits mit Magier-Hauben versehen und Handschellen angelegt. Sie wurden gerade alle in den Van verladen.
Mike McCarthy sah auf das TacNet.
"Operator an Eagle Two. Fahren Sie zum Einsatzort und sichern sie ihn ab. Wenn die Landespolizei aufmuckt, verbinden Sie mich mit ihnen."
"Eagle Two an Operator. Bestätigt."
Blieb nur noch der DNA-Test abzuwarten.

[proving#047-A4h-3J9k about SIN ADL-RRP-Walter Bauer-nobilis-#54u/8LjgF83t4]
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Mike McCarthy schüttelte den Kopf. Das konnte nicht sein. Das wäre der erste Terrorist, der mit seiner echten SIn herumlaufen würde.
"Lassen Sie die SIN von einem zweiten Team unabhängig untersuchen."
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McCarthy schüttelte nur den Kopf. Tatsächlich. Erst einmal nur eine fehlende Lizenz für das Erwachen.
"Und die anderen?"
Er sah sich das Überprüfungsprotokoll des Japaners an.
[proving#047-A4h-3J9m about SIN ADL-GF-Nagato Davis-sapiens-#69k?2AhtM65j9]
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Random prove: name of mother - valid
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Auch nur eine fehlende Lizenz für die Feuerwaffe und das Smargun System... Anscheinend hatten sie sich sog. "zweite Leben" basteln lassen.
"Dann werden wir wohl doch ein ordentliches Gerichtsverfahren bemühen müssen..."
McCarty schauderte es bei dem Gedanken an Rechtsverdreher, die solches kriminelles Gesockse regelmäßig wieder auf freien Fuß brachten.
[proving#047-A4h-3J9n about SIN ADL-RRP-Matthias Keiler-pumilionis-#25j(8TbvL44u8]
Standard prove: gender - valid
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Random prove: DNA - invalid
[/proving#047-A4h-3J9n about SIN ADL-RRP-Matthias Keiler-pumilionis-#25j(8TbvL44u8]
McCarthy grinste. Auch bei "Sven Jäger" brach die SIN sofort zusammen. Darauf hin ließ er auch die ersten beiden noch einmal überprüfen und auch diese brachen zusammen. Gut. Außer der Landespolizei und KE wusste niemand von dieser Festnahme. Er gab die Ergebnisse weiter nach oben in der Hierarchie. Die ersten Verhöre sah er sich über Trid-Übertragung an.
Zunächst saß Drag dem Vernehmer gegenüber.
"Sie können mich gerne mit ihrer Magie töten. Das garantiert ihnen einen verdammt langen Leidensweg."
Nachdem Drag nichts weiter sagte oder tat, schien er sein Schicksal zu akzeptieren. Oder auf seine Chance zu warten.
"Was wissen sie über den Verbleib ihres Komplizen?"
Stille. Er wurde wieder mit Magierhaube in seiner Zelle angekettet. Zumindest hatte man bereits das komplette Telefonbuch aus seinem Komm, einem Hermes Ikon sicher gestellt.
Danach nahm er sich die anderen drei der Reihe nach vor. Es kam, was von Berufskriminellen immer kommt. Verlangen nach einem Anwalt, Beharren auf Bürgerrechte, Schweigen. Niemand sagte etwas über den Tathergang aus. Die Durchsuchung der Wohnungen wird noch etwas dauern. Drags SIN hatte keine, aber zwei der Wohnungen befanden sich in Frankfurt a.M..

Major Mark Woods lächelte innerlich. Als Leiter von Knight Errant ADL  oblag ihm die Verhandlung mit dem Innenministerium. Als er durchsetzen konnte, dass die Verhandlungen auf Englisch geführt wurden, wusste er bereits, dass er gewinnen würde.
"Selbstverständlich ist der Preis hoch", schloss er seine Erwiderung, "allerdings könnte so auch die Bloßstellung der Inkompetenz ihrer Behörde vermieden werden. Es ist ihre Wahl."
Die Bundesinnenministerin lauschte konzentriert mehreren Beratern. Major Woods wusste natürlich schon längst, welcher Berater wozu raten würde. KE war nicht der einzige Konzern, der Spione im Bundesministerium des Inneren (BMI) hatte. Man hatte Sandra Sagedorn von der CVP bereits vor einiger Zeit ein lukratives Angebot für ihre Zeit nach der Politik unterbreitet. Ihre Kontakte waren wertvoll. Aber natürlich musste der Schein gewahrt bleiben.
"Sehen Sie, die Wahlen sind vorbei und bis zur nächsten Wahl ist so ein Skandälchen doch schon längst wieder vergessen. Sie haben nichts in der Hand."
Ein offensichtliches Argument.
"Selbstverständlich sind die Wahlen vorbei. Aber was genau glauben Sie, wird in den nächsten vier Jahren das Thema sein? Die Monaden und damit die innere Sicherheit. Aber 100%. Wenn sie glauben, dass ein langwieriger Prozess über einen magisch begabten Terroristen, der in der Lage war, drei Mitarbeiter eines High-Thread-Response-Teams des Bundesamtes für Innere Sicherheit zu töten, obwohl er doch von ihnen in eine Falle gelockt worden war, an ihnen abprallen wird. Unsere Prognosen lauten anders. Wir gehen davon aus, dass dieser Skandal sogar Beloit zu Fall bringen könnte. Ich bin durchaus der Meinung der Bundeskanzlerin, dass wir Konzerne uns an Regeln halten müssen. Die Politik andererseits sollte das auch."

"Unsere Prognosen lauten anders. Wir gehen davon aus, dass dieser Skandal sogar Beloit zu Fall bringen könnte. Ich bin durchaus der Meinung der Bundeskanzlerin, dass wir Konzerne uns an Regeln halten müssen. Die Politik andererseits sollte das auch." Er ließ die Worte einige Sekunden wirken. "Und nun malen sie sich aus, wie die neue Legislaturperiode beginnen würde, wenn man einen bekannten Kriminellen in einem spektakulären Prozess der Gerechtigkeit zuführen könnte..."
Sandra Sagedorn wusste, dass in der Sache einiges an Erpressungspotential lag. Für sie persönlich als auch für die Regierung. Ein lang angelegter Prozess, in dem immer wieder das Versagen von Staatsorganen gezeigt wurde, würde das Vertrauen der Wähler in die CVP untergraben. Man würde die Bilder, über diesen Vorfall, die unglücklicherweise in der Matrix gelandet waren, immer wieder zeigen. Dazu kam noch der Hinweis an die Regeln. Würde sie das nicht durchsetzen können, wäre ihr Beratervertrag mit KE, der ihr in Aussicht stand, nichtig. Süßes Leben, adé...
"Nun gut, ich werde der Bundekanzlerin das Angebot von Knight Errant unterbreiten."
Zugriff auf die Informationen des BKAs und sämtlicher LKAs. Ständiger Informationsaustausch mit dem BIS. De facto wäre damit KE dem Sternschutz oder HanSec gleichgestellt. Zumindest was die Informationen anging... KE will seine Marktanteile in der ADL offensichtlich vergrößern.

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Besprechung: Im Land des Lächelns
Positiv:
-Kampagne mit Hintergrundthema (Übernahme des WDR durch Horizon von MCT)
-meine Spieler empfanden es als sehr vorteilhaft, Themen und Personen immer wieder zu begegnen, die Verwobenheit zwischen den Aufträgen zu entdecken. Das war anscheinend ein ganz, ganz großes Plus. (Was allerdings zwei Spieler nicht so empfanden)

Nachteil:
-Run auf die Bank. Sehe ich kritisch, weil es so ein gekünstelter Folgeauftrag ist. Ich habe ihn zwar tatsächlich vorbereitet, jedoch werde ich ihn so oder so nicht durchführen. So wie die Kampagne läuft, müsste das Yina zusammen mit Zweitchars oder neuen Chars machen. Spätestens da ist das irgendwie... doof.
-durch die freie Zeiteinteilung (von der Sendung abgesehen, aber auch das kann man ändern) bzw. die zeitliche Beliebigkeit droht es, dass die Spieler ihren Faden verlieren bzw die selbst zu erbringende Einteilung sie überfordert.. Auch als SL ist die Plot-Übersicht eher anspruchsvoll

Gruppenspezifisch:
-Chengi/Yina/Kaede hat sich schon sehr frühzeitig von der Gruppe getrennt und die Situation als Kai-Tidije-Double genutzt, um sich als Bodygardress an Seite von Filly Schwartz in Position zu bringen. Nach Meinung einiger Spieler hat das auf die Dauer zu viel Spielzeit gefressen.
-Drags DNA ist nun einmal mit einem Europol-Haftbefehl verbunden. So hat KE die Gelegenheit genutzt, durch Festnahme ihren Einfluss im Plex ausbauen zu wollen. Die Spur führte sie allerdings erst über den Einsatz der von Kai Tidije geklauten (und noch nicht umgeschriebenen) Drohnen, die auch noch mit Kommlink über ALI und Autopilot gesteuert wurden, zu den Runnern.
- Nagato war die meiste Zeit im Hotel. Was auch geschuldet war, dass er bei einem Kommlink-Hack eine Datenbombe ausgelöst hatte (Komm von Welsbach). Er musste ein Edge burnen, um zu überleben. Dummerweise (für ihn) war er beim Zugriff dann gerade frisch wieder dabei. Auch Sven musste beim Crash mit dem Ares Roadmaster ein Edge burnen, um zu überleben.
-durch die lange Gesamtspielzeit (durch verschiedene Faktoren) ging einigen Spielern die Übersicht verloren. Was auch daran liegen kann, dass man nicht an jedem Abend aufnahmefähig war.
-In Folge der Festnahme hat sich jeder Spieler entschieden, Edge zu burnen, um zu überleben. Ich habe mit jedem die Situation ausgespielt. Dabei hielt ich es für angemessen, dass die Kosten für Drag höher ausfallen sollten als für seine Chummer. Drag burnte 4 Edges, seine Chummer je eines. Das Ausspielen war bei Drag ausführlicher. Er hat in der Überstellungssituation gehandelt und musste mehrere Handlungen burnen, um aus dem Sicherheitstransporter zu entkommen. Bei den anderen war klar, dass sie "entsorgt" werden. Sie burnten ein Edge und wir haben zusammen eine Geschichte ersponnen.
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Svens Weg
Sven hat das Angebot von KE angenommen, für sie zu spionieren. Er konnte jedoch den behandelnden Arzt bestechen, die Kordex-Bombe, die ihm eingebaut werden wird so zu manipulieren, dass sie bei Auslösung nicht explodieren wird. Sagen wir es so: Er hat 40k gelöhnt und hofft nun das Beste.
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Nagatos Weg
Nagato wurde an Medusa verkauft, von denen er wiederum von Doc Furzknoten (Pott-Slang für einen kleinen Menschen), einem Zwerg aus Köln Porz gekauft wurde. Ihm fehlt nun eine Niere. Er wurde als Technomancer erkannt und schuldet Gefallen. Er konnte sich mit einem kleinen Job sichere Überstellung nach Groß-Frankfurt sichern und hat Zuflucht bei den Neo-As gefunden, deren Zeichen er trägt. Dort traf er auf Groucho und bürgte für ihn.
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Grouchos Weg
Groucho wurde ebenfalls an Medusa verkauft. Diese lieferten ihn an die Mansons, eine Kannibalen Gang auf dem Friedhof bzw dem Wald südlich von Oberrath. Diese erkannten ein Gang-Zeichen, das sie dem Umfeld der Neo-As aus Oberrath zuordneten und verkauften ihn zum Zeichen des Respekts an diese. Groucho wurde von Jacky, einem Ork, der für die Sicherheit des "schwarzen Blocks" verantwortlich ist in die Mangel genommen und schuldet nun Gefallen. Anschließend kam er bei seinem Bruder Marder unter, der inzwischen von SIN-Herstellung (max. St.4) vergleichsweise hervorragend lebt. Die beiden letzten ihrer Gang (Die Chains) tüfteln Zukunftspläne aus.
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Drags Weg
Drags Schutzgeist griff ein als Drag sich kurz konzentrieren konnte und wütend wurde. Während er vom BKA nach Frankfurt überführt wurde, manifestierte Donnervogel im Transporter, zog ihm die Haube vom Kopf und sagte nur "Zeige, was du kannst." Drag beschwor einen sehr mächtigen Geist, der die beiden Begleiter in der Fahrerkabine umbrachte, überlebte den Unfall, seine Ketten wurden von seinem Geist von der Wand des Vans gelöst (ein Stück Blech hängt noch an der Kette) und von dem Geist "so weit weg gebracht, wie es geht". Da die Stärke eines Luftgeistes limitiert ist, schleppte er ihn bis zum Sonnenaufgang einige Kilometer quer durch den Taunus. Dort wachte Drag einige Zeit nach Sonnenaufgang auf. In einem Gebüsch. Mit Hand- und Fußschellen. An der Handschelle eine Kette, an der noch ein Stück Autoblech hängt. Sein Körper ist kurz vor dem Kollaps...
Nach einer magischen Heilung sah er sich um und sah, dass er noch einige Stunden Zeit hatte, bevor der Suchtrupp, der von der Autobahn aus Spuren suchte, in seine Nähe kommen würde. Er rief einen Geist, ließ sich selbst und ihn verschleiern und sich so vom bergigen Wald nord-östlich von Hombach bis kurz vor Bürdenbach-Bruch bringen. Mit einem Kommlink, das er sich über einen Geist vorher als Ferndienst besorgt hatte, rief er Carl Los an. Sein guter Freund fuhr mit seinem Fahrrad zu einem Autoverleih und holte Drag tatsächlich auf dem Waldweg bei der Firma Heul Motor ab. Carl Los war genervt, dass Drag ihn nur einen Bolzenschneider mitbringen ließ und nicht an Klamotten gedacht hatte. Aber auch die ließen sich bei Aldi-Real besorgen. Er organisierte für seinen Freund auch einen Grenzübertritt mit einigen ihm bekannten Tierschützern, die er auf Seminaren kennengelernt hatte, die er auf seinem einsamen Heidehof hielt. Drag wird ihnen bei einigen Befreiungsaktionen bezüglich Critterfarmen helfen müssen.

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Yinas Weg und Epilog
Frau Tanaka wartete im japanischen Restaurant in der Innenstadt von Düsseldorf. Yina war exakt pünktlich, wie es sich gehörte. Sie hörte sich die Geschichte an. Die Daten, die sie hatte über eine Schießerei von Gangs im Norden von Gerresheim untermauerte die Glaubwürdigkeit der Aussage. Zwei Runs waren erledigt. Für "Wetten, dass...?!" übergab sie vier Zugänge via Datenwanzen. Drei direkt in das System vor Ort, eine mit Zugang zum Kran. Damit konnte ihr Sohn arbeiten.
"Selbstverständlich müssen wir etwas von der ausgemachten Bezahlung streichen. Sie können nichts dafür, dass unter den Gaijin solche Amateure waren. Achten Sie allerdings in Zukunft besser darauf, mit wem Sie zusammenarbeiten." Mit diesen Worten legte Frau Tanaka einen beglaubigten Credstick über 50k auf den Tisch. Frau Sakushi stekte ihn ohne weitere Überprüfung ein und nickte.

"...und ein herzliches Willkommen zu "Wetten, dass...?!" meine lieben Zuschauer des WDR. Wir beleben eine wunderbare Show und gleichzeitig eine wunderbares Genre der Medienvergangenheit wieder. Da sehen Sie, wie mutig der WDR und natürlich selbstverständlich auch unsere Mutter Horizon ist, ohne deren tatkräftige Unterstützung..."
Gerard Roy beobachtet aus der Regie heraus alles mit Argusaugen. Alles lief so weit nach Plan. Zuschauerwette, Filly wurde angekündigt, die vorbereitete technische Panne kommuniziert, die Wette aus der Karnevalssitzung in Halle 1 dazwischengeschoben. Und auf einmal war der Wurm drin. Immer wieder schaltete sich die falsche Kamera ein. Tonaussetzer. Gerade beim Raten von Karnevalsliedern mit nur zwei Takten echt peinlich. Auf P2 hatten die professionellen Meinungsmanager noch alles im Griff. Das Gespräch zwischen Frau Schwartz, die extrem entspannt wirkte und einem eher angefressenen Pim van Pyme verlief zumindest technisch ohne größere Probleme. Gerard würde nach der Show schon noch herausbekommen, ob auf die Anmerkung von Frau Schwartz hin, Männer mit großen Geräten zu bevorzugen, jemand absichtlich auf Pims Pimmel zoomte. Aber geschenkt. Gespannt schauten alle auf den Kran, der mit einer Abrissbirme ein Zippo anzünden wollte. Der Kran ließ die Birne langsam hinab, als er sich auf einmal schwunghaft drehte, sich die Abrissbirne löste und voll gegen die Wand von Halle 6 knallte. Dummerweise hatte man schon ein oder zweimal in Halle 6 geschalten, so dass die Zuschauer wussten, dass dort eine Dominobahn in Weltrekordlänge aufgebaut werden sollte. Das Ganze wurde offiziell von den Guinness-Buch-Leuten überwacht. Fürn Arsch! Alles umgefallen! Gerard Roy selbst ging langsam an die Decke. Sonst war er eigentlich gar nicht so, aber er schrie förmich seine Anweisung, "die verdammte Band, rein mit der verdammten Band". Pim war auch weit weg von seiner üblichen Geschmeidigkeit. Man könnte meinen, er würde die Band, die er gerade ankündigt, abrundtief hassen. Alle Floskeln, von wegen, "das kann nur Live passieren " oder "kleine Pannen sind es doch, die live Trid erst ihren Charme geben" waren längst aufgebraucht. Während des Songs geriet die Stimmung auf P2 völlig außer Kontrolle. Als er nach dem Song Joe Venski vorziehen ließ, um die Situation zu retten und dieser lieber mit Frau Schwartz flirtete als auf die Fragen von Pim einzugehen, rastete Pim auf offener Bühne aus. Und Joe machte sich mit Filly zusammen darüber auch noch lustig! Ja sind denn hier alle auf Drogen!!!??? Es fiel ihm wie Schuppen von den Augen. Und er selbst auch! Es machte aber keinen Unterschied mehr. Maria Mercurial ließ vermelden, dass "sie so etwas Unprofessionalles noch nie gesehen hätte und niemals bei einer solchen Dreks-Show auftreten werde!" Zeitgleich ein Anruf seines Chefs. Er ließ sich zur Schnecke machen, unterbrach den Stream und sendete "Regionales aus Düsseldorf" als Wiederholung. Ein absolut vollständiges Desaster, dachte er, während er seinen Frust schreiend an der Regie ausließ.

Major Mark Woods hatte eine wütende Sandra Sagedorn in der Leitung. "Aber Frau Sagedorn, es ist doch nicht die Schuld von Knight Errant, wenn das BKA auf voller Linie versagt. Knight Errant und seine Mutter Ares sind sich sicher, dass die Regierung der ADL sich an ihr gegebenes Wort hält."
"Wenn ich herausbekomme, dass Sie irgendetwas mit der Flucht zu tun haben..."
"Frau Sagedorn, ich kann ihnen versichern, dass Knight Errant sich in keinerlei Weise in den Transport eingemischt hat."
"Sie haben nur darauf bestanden, dass er von staatlicher Seite durchgeführt wird..."
"...weil Knight Errant für einen solchen Transport außerhalb der Konzernexklaven und seiner Vertragspartner keine Rechte..."
"...die wir ihnen angeboten haben, aber Sie haben doch darauf beharrt. Sie wussten doch... machen Sie mir nichts vor!"
"Frau Sagedorn, ich versichere Ihnen noch einmal ausdrücklich, dass KE nichts mit dem Vorfall zu tun hat. Wenn Sie uns allerdings offiziell anklagen wollen, steht Ihnen der Rechtsweg jederzeit zur Verfügung. Ansonsen schlage ich vor, wir unterhalten uns wieder, wenn die Gemüther etwas abgekühlt sind." Er ließ die Leitung unterbrechen.

Tant Chen war gespannt auf das Gespräch mit ihrer "Nichte" Kaede Gindo, wie sie laut ihrer echten SIN hieß. Die Yakuza kannte sie unter dem Namen "Chengji", der so etwas wie Wechselbalg bedeutet. In Düsseldorf war sie allerdings als Yina Sakushi unterwegs gewesen. Sie traf pünktlich wie immer an ihrem Treffpunkt, einem edlen Frankfurter Asia-Restaurant, ein. Nach etwas Small-Talk meldete sie, dass sich unter den Leibwächtern ihrer Schmitt eine orkische weiblicher Yakuza-Magierin des Kabushiki-Kai namens Shyla befand. Sehr brav. Tant Chen hatte sie eigens dort platziert. Nun konnte sie sich der Loyalität Kaedes gewiss sein. Sie gab ihrer Nichte einen Credstick mit einem überschaubaren Betrag. Kaede fragte sie noch um einen Rat, weil sie nicht wusste, ob eine ihrer SINs konfrontiert war.
"Wenn mir das Leben etwas gelehrt hat. Wenn du es nicht weißt, gehe vom Schlimmsten aus."

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So, nun ist es fertig geschrieben. Die vier konfrontierten Chars werden eine Pause einlegen. Mal schauen, wie es weitergeht.
« Letzte Änderung: 26. Oktober 2021, 10:08:44 von Olf »
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Olf

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  • 02. November 2021, 19:46:03
Re: Alles ist einmal vorbei - oder doch nicht?
« Antwort #23 am: 02. November 2021, 19:46:03 »

So, es geht weiter mit neuen Chars.

Neo, Norm, Ki-Adept. Als Konzerner Leon Meier. Ehemals in Ausbildung bei S-K-Prime. Nach dem Tod seiner Frau auf Forschungsreise im Ausland verfiel er den Drogen. Ihm wurde von S-K das Sorgerecht für seine Tochter entzogen (ebenfalls magisch begabt) und er wurde aus seiner Einheit hinausgemobbt. Aus Trotz und um seine Tochter zurückzugewinnen, ging er in die Schatten.
Mr. Samsara, Norm, Magier. Dieser Manipulator und Hochstapler hat sich in den Schatten den Ruf eines Mannes aufgebaut, der sehr rachsüchtig ist (er war einmal Gegner in einem Abenteuer). Die Realität ist banaler. Er ist geschickt darin, "Fake-News" über sich in der Runner-Gemeinschaft zu streuen.
Baphomet, Elf, Schwarzmagier. (vom Run zurückgetreten). Kam mit Mr. Samsara zusammen. Ebenfalls magischer Manipulator. Experte für das erwachte Tarot mit hervorragenden Verbindungen. Offenbar in England aufgewachsen (im gleichen Internat wie sein Vorbild Alleister Crowley) bietet er seine Dienste als "Life-Coach" an. (Mein "Dritt-Char")
Omega, Ork, Rigger. Liebt das Schrauben an der Technik genauso wie ihren Einsatz. Kommt günstig an Fahrzeuge ran.
Tatze, Gestaltwandler, Schäferhund. (Mit Regi/Duales Wesen/Silberallergie, nicht die kastrierte SR5 Variation). Mystischer Adept. Lebt als "Glückshund" bei einer orkischen Sippe. Solange er da ist, lässt sich der feige Poltergeist des Hauses nicht blicken. Er wird so gut durchgefüttert, dass er die Straßenköter aus der Umgebung mit anschleppt, die größtenteils auch in der Sippe heimisch werden. So haben die Orkkinder immer Spielkameraden. Er trägt zwei Halsbänder, beide sind Foki. An einem seine Hundemarke, am anderen ein Täschchen mit Metalink, Credstick, Jogginghose und Sweatshirt. Sucht den Weltenbaum, um ihn anzupinkeln.
Aurora, Gnomin mit menschlichem Aussehen. Geht mit ihren pinken Haaren als kleines Mädchen durch. Magierin. Unterstützung. Hat sich eine "Mama" angelacht, die sie überall hinfährt. War angeblich in der Arko als Deus die Kontrolle übernahm und hat für einen Drachen gearbeitet. Aber wie so oft bei solchen Geschichten: Nix Genaues weiß man nicht.

Prologe

Samstag, 08.05.2079. Über den Tag zu verschiedenen Uhrzeiten

Leons Anwerbung
Lukas Friedmann wusste, dass ihm das als nicht weniger als Verrat an Saeder-Krupp ausgelegt werden könnte. Und vermutlich auch würde. Aber sein Freund Leon Maier hatte einfach Unterstützung verdient. Nur weil er ab und an nach dem Tod seiner Frau zu tief ins Glas geschaut hatte. Gut, um dann einsatzfähig zu sein, musste er sich ab und an etwas Novacoke ziehen. Aber nichts, was nicht der ein oder andere auch mal tat. Nach den geheimnisvollen Umständen, unter denen seine Frau starb, durchaus verständlich. So an einem Pilz in der Lunge zu krepieren wünscht man keinem. Zudem kursierten nur Gerüchte, wo sie war. Asien oder Südamerika. Gut, zugegeben, er stürzte wirklich wild ab, aber hätte ihm S-K deswegen gleich das Sorgerecht für seine Tochter vor Gericht entziehen lassen sollen? Zumal die Anwälte und Psychologen offensichtlich keinen Finger für ihn rührten. Und jetzt klammert er sich fest an der vergeblichen Hoffnung, in den Schatten genug Geld verdienen zu können, um sie zurück zu bekommen. Und noch vergeblicher, dass es bei S-K niemandem auffallen würde... Und dennoch. Leon hatte ihm schon zu oft den Arsch im Einsatz gerettet. Er hatte es verdient. Das Kom klingelte.
"Ja."
"Hoi Leon. Die Sache über die wir gesprochen hatten. Sei morgen Abend um exakt 22.00 Uhr in diesem Raum von C&C (Caverns&Cavaliers). Und frag nicht, warum gerade in einem Chat von einem MMORPG. Mach Dir nen neuen Char und sei einfach da. Mehr weiß ich nicht."
"Danke, Chummer."
Bedanke dich nicht. Ich fürchte, dieser Gefallen wird irgendwann dein Untergang, Omae... Lukas legte wortlos auf.
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Mr. Samsaras und Baphomets Anwerbung
"Leider kann ich Ihnen nicht sagen, ob es um unser gemeinsames Thema geht. Aber der Schmitt ist neu im Geschäft und sucht Runner mit gutem Leumund. Schauen Sie sich das einfach einmal an. Könnte von Interesse sein."
"Vielen Dank, Herr Brackhaus. Ich bin immer wieder überrascht ob ihrer Informiertheit." Baphomet war kurz verunsichert, ob man diese Satzkonstruktion im Deutschen so verwenden konnte. "Aber ich schätze, solch ein hoch initiierter Anhänger der Magick hat seine Fühler überall." An seinem "ü" musste er noch arbeiten.
"Wie mir zu Ohren kam, haben Sie Kontakt mit einem gewissen Herrn Samsara. Vielleicht können Sie diese Information nutzen, um den Kontakt mit ihm auszubauen. Er behauptet von sich, Mitglied der Freimaurer zu sein."
Freimaurer. Baphomets Augen wurden groß. Wie gerne wäre er schon damals im Internat des Eastburne College beigetreten. Aber Readwulf Buttigieg war nun einmal kein reicher Bengel, sondern nur einer der Bastarde eines englischen Adeligen. Seine Mutter Beatrice Buttigieg konnte das Ende der Liaison nicht ertragen und ergab sich dem Suff. Sie verbringt ihre Tage völlig unzurechnungsfähig im Sanatorium Holloway in Surrey. Aber irgendwie musste er seinem Erzeuger auch dankbar sein. Immerhin hatte er ihnen beiden eine SIN besorgt und bezahlte Sanatorium wie Internat. Und wie er dieses Gefühl von Verpflichtung zu Dankbarkeit hasste! Hier war er nichts weiter als ein Bastard! Glücklicherweise führte ihn seine Liebe zur Philosophie und Psychologie zur deutschen Sprache, die er recht gut beherrschte. So landete er in der ADL und fand erstaunlich viele gleichgesinnte Menschen, die sich von ihm die Karten legen ließen oder sich für die Theorie hinter ihnen interessierten. Ganz im Gegensatz zu den verbohrten Druiden in England.
"Das ist... interessant."
Baphomet rief sogleich Herrn Samsara an. Morgen um 22.00 Uhr hatten sie eine Verabredung.
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Omegas Anwerbung
Gert Käfer saß in seinem Autohandel in Offenbach-Bieber. Evelyn hatte ihm eben den Marsch geblasen. Er solle sich entschuldigen. Er würde schon wissen, wofür. Drek! Nichts wusste er! Und das hatte er ihr auch so gesagt. Groooßer Fehler! Warum auch immer. Sie schwurbelte nur weiter, wenn er nicht einmal wisse, warum, dann könne er sie auch nicht wirklich lieben... Versteh einer die Frauen!
Er nahm sein Komm für die grauen Geschäfte in die Hand. "Omega, altes Haus, du wirst nicht erraten, was ich für Dich habe."
"Was soll ich für Dich jetzt schon wieder reparieren?!?"
"He, Chummer, diesmal nicht. Bock auf nen Job?"
"Klar. Immer."
"Dann geh morgen um 22.00 Uhr pünktlich in diesen Raum von C&C. Das zockst du doch auch, oder?"
"Ne, son Scheiß mach ich nich. Weißte doch. Was solln das Zeug sein?"
"Caverns&Cavaliers, voll das geile MassiveMultiplayerOnlineRolePlayingGame." Gert ließ das Wort langsam über seine Zunge rollen. "Die Mutter aller Online-Games, Alter! Mach Dir einfach nen Char und geh morgen da hin. Gibt vermutlich ne Bewerberauswahl. Das Angebot macht ne größere Runde."
"Alles klar."
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Tatzes Anwerbung
Dr. vet. R. Zahn hatte eben einen Anruf von einem Taliskrämer namens Jafar Ridcully erhalten. Sie standen in Sachen Critter in Verbindung. Doch diesmal... ging es eigentlich auch um einen Critter. Denn außer ihm wusste wohl niemand um das wirkliche Wesen von Tatze. Die Bezeichnung Werwesen trifft es nicht, denn er war seinem Wesen nach kein Mensch, der sich in ein Tier verwandelt. Er war ein Schäferhund, der sich in einen Menschen verwandeln konnte. Ein Gestaltwandler. Sein Glück war es, dass er von klein auf bei ihm in Behandlung war. Hier war er sicher.
Jafar dagegen hatte einen Job für den Runner Tatze, würde ihn aber ohne mit der Wimper zu zucken für das ausgelobte Kopfgeld auf Gestaltwandler verscheuern. Deshalb hatte er Zahn angerufen, um die Nachricht weiter zu leiten. Jeder wusste, dass Tatze oft schwer zu erreichen war. Er hatte es einfach nicht so mit Technik. Nicht, dass er nicht verstand, welchen Nutzen sie hätte, er verstand technische Geräte als solche einfach nicht. Er musste hart lernen, sie zu bedienen, doch was dahinter steckte, was sie antrieb, wie sie strukturiert waren, würde für ihn immer eine fremde Welt bleiben. Dementsprechend hatte er den Ruf eines weltfremden Magiers.
Tatze ging sogar selbst an sein Komm. Normalerweise rief er zurück, sobald er in seiner Höhle war.
"Tatze, hör zu, es gibt einen Job."
"Wuff..nderbar."
"Du musst vorsichtig sein, hörst du? Die werden Dich sonst an irgendjemanden verkaufen!
"Na sicher."
"Also, du musst morgen um 10 Uhr abends in Caverns&Cavalier."
"Wo ist das?"
Oh mein Gott! Das wird etwas dauern. Dr. Zahn erstellte ihm einen Charakter und schickte ihm einen Link, den er morgen um 22.00 Uhr nur noch antippen musste. Die Eingabe von Tatzes Komm war schon lange Sprache-zu-Text eingestellt. Hoffentlich ging das gut!
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Auroras Anwerbung
Mortimer Fitzgerald saß in seinem Büro in New York City. Aber seine Verbindungen reichten bis über den Atlantik nach Europa.
"Liebe Aurora, ich habe tatsächlich einen Job für Dich. Du sagtes mir doch, du bist nun in Großfrankfurt in der Nähe der Universität?"
"Heyyy, Morti! Ja, klar. Juhuu! Was zu tun!"
Er seufzte und wandte sich der virtuellen Aussicht nach Osten zu. Mit einem Wink wurden die Manhattan-Wolkenkratzer, die ihm die Sicht versperrten erst gläsern und wurden dann ganz ausgeblendet. Ein herrlich beruhigender Ausblick auf Liberty Island mit dem Sonnenaufgang über dem Atlantik...
"Du müsstest dich morgen um 10pm in C&C..."
„In was?“
„Ein MMVRRPG...“
"Wow, C&C, voll suuupi! Ein Spiel..."
Mortimer unterbrach sie durch Druck in der Stimme. "Pünktlich um 10pm MET wirst du dich in diesen Link mit einem neu erstellten Charakt..."
"Jawoll, werd den gleich erstellen und schonmal voll hochleveln..." Sein Biomonitor erschuf einen AR-Stressball, denn er gleich knirschend zu drücken begann. Das taktile Feed-Back seiner Cyberhand lies ihn das raue Wildleder spüren.
"AURORA! Nichts davon wirst Du tun! Der Schmitt verlangt Profis! Wenn du deine Maskerade zu gut aufrecht erhälst, wirst Du den Job nicht bekommen! Und ich keine Provision! Also, morgen 10pm MET. Der Link. Anfängercharacter. Halte Dich gefälligst an die Anweisungen!"
"Jaja..."
Wenigstens dieses eine Mal... Manchmal wünschte er sich, sie wäre damals für immer im Bermuda-Dreieck verschwunden und nicht 13 Jahre später wieder aufgetaucht... Und die Sache mit Deus erst. Zumindest hatte sie die Otaku aus der Arkologie gebracht…und ihr Team sogar zwei Mal.
„Dann level ich halt mit einem Twink, die sollen mich ja nicht für einen Noob halten…“
Mehr konnte er wohl nicht von ihr erwarten.
"Werde Zweiundzwanig-Hundert meiner lokalen Ortszeit da sein."
Geht doch!
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Kaufabenteuer Neo Noir: Im Schatten der Furcht
Bewerbungsgespräch

Sonntag, 09.05.2079, 22.00 Uhr.

Dr. Manuel Prinz schaute auf das Gruppenfoto. Unglaublich, wie jung sie damals waren. Sein Bruder und seine Freunde beim Antritt einer Wandertour durch den Odenwald. Unglaublich, wie das Schicksal ausgerechnet ihn an diese Stelle gesetzt hatte. War das Vorsehung? Sollte ihm das etwas sagen? Zumindest wollte er wissen, was vor 25 Jahren geschehen war. Und dafür benötigte er etwas, was sein Beruf nicht zuließ: Shadowrunner.
Es war bereits etwas nach 22.00 Uhr. Er legte die Troden an und begab sich in die Matrix in Form einer weiblichen Magierin. Der von ihm vorbereitete Raum war voller verschiedener Fantasy-Charaktere.
"Es freut mich, dass so viele Helden dem Ruf des Abenteuers gefolgt sind. Bitte preisen Sie sich an."
Straßensamurais schmiss er sofort aus dem Raum. Ebenso diejenigen, die sich nicht beherrschen konnten oder einfach aggressiv wurden. Die beiden Gruppen waren allerdings nahezu deckungsgleich. Leider gab es niemanden für die Matrix. Zwei Rigger stritten sich. Der eine war Rennpilot. Sagte er. Der andere hatte auf Anfrage nicht einmal eine Riggerkontrolle. Geschweige denn ein Fahrzeug. Damit war Omega drin- Erstaunlich viele waren erwacht. Das hätte er so gar nicht erwartet. Leon bezeichnete sich als Ki-Adept. Drin und damit konnte er sich die mechanischen Muskel wirklich schenken. Tatze konnte gut beschatten.. Für einen Erwachten erstaunlich zurückhaltend. Ganz anders dagegen die drei Magier. ein Unterstützungsmagier und zwei Manipulatoren. Dem Bauchgefühl nach wollte er den Unterstützungsmagier gerade feuern, da er ihm ständig ins Wort fiel und sich in den Vordergrund schieben musste, als einer der Manipulatoren zurückzog. Er ließ noch seine Visitenkarte in der AR. Baphomet. Life-Coach. Im Hintergrund abgesetzt eine Tarot-Karte. Das Rad des Schicksals. Ein Revolver richtete sich auf den Betrachter. Er musste kurz schmunzeln. Schicksal. Ja, das war es. Was eine Ironie.
Die Gruppe stand. Die Karte dieses Baphomet würde er sich abspeichern.
Er gab zunächst einmal die Daten der Ermittlung an die Runner weiter, genauso wie die Dossiers, die er gemäß des Gruppenfotos persönlich zusammengestellt hatte. Er betonte mehrfach, dass das mehr Material wäre als es den momentan Ermittelnden zur Verfügung stünde. Zu seiner Überraschung wurde die ausgelobte Prämie nicht verhandelt. Damit war der Vertrag geschlossen. Vielleicht wusste die Mörderin mit den Stöckelschuhen, was mit seinem Bruder vor 25 Jahren passiert war...
Wie er es erwartet hatte, wollten sie den Schuh. Das Foto genügte ihnen nicht und sie hatten nicht gelesen, wo er sich befindet. Er schickte es per Express an ein Autohaus in Offenbach-Bieber, das ihm angegeben wurde. Er seufzte. Gutes Personal war eben schwer zu finden. Seiner Information nach wurden dort auch gerne gestohlene Fahrzeuge gehandelt. Zumindest gab es den Verdacht.


Vorbereitungen

Sonntag, 09.05.2079, 22.30 Uhr bis Montag, 10.05.2079, 00.30 Uhr

Gert Käfer saß in seinem Büro im Autohaus und fluchte auf Evelyn. Er hatte schon einiges intus als sein Komm klingelte. Omega.
"Na, wie gehts, Chummer?" Er war schon erschreckend nahe am Lallen.
"Hoi, kannste mir mal nen Gefallen tun?"
"Hm, schieß los."
"Kann ich n Paket per Express an Dich schicken lassen? Kommt in ner Stunde."
"Na, ok. Aber hast Glück, dass ich noch da bin. Is ja schon mitten in der Nacht." Er musste sich beherrschen, um nicht gleich über Evelyn herzuziehen. So besoffen wie er war, würde er am Ende noch jammern.
"Alles klar. Dank Dir!"

Oleg fuhr gegen Mitternacht auf den Parkplatz eines ´Autohauses´ in Bieber. Eher eine Ansammlung von Schrottkarren, Er wunderte sich schon lange nicht mehr darüber, wohin Express-Lieferungen Sonntag Nacht so gingen. Er holte das Paket aus dem Step-Van und ging Richtung Tür, als so ein Ork Ganger aus der Dunkelheit zwischen den Autos auftauchte.
"Hey, is das Paket für Omega? Dann nehm ich das gleich."
Er griff sofort zu seinem Taser. "Ne, ich soll das Paket jetzt zu dieser Adresse liefern und das mach ich jetzt auch." Omega, von wegen. G. Käfer stand auf der Adresse. Jemand öffnete die Türe auf sein Klingeln hin, der Ork rührte sich aber einfach nicht von der Stelle. Ein Typ öffnete. Was für eine Fahne!
"G. Käfer?"
"Joaaah."
Mann, der lallt ja schon. "Express-Paket. Bitte kurz die SIN. Danke."
Als er das Paket entgegen nahm, schnauzte er den Ork an. "Unn wass machssnn duda? Runnä von mei Grunnschtück, ssonssetzt was!"
Der Ork drehte sich mit ihm zusammen um. Als Oleg in seinen Bulldog stieg, hatte er ihn schon aus den Augen verloren.

Es klingelte. Schon wieder, Hat es vor zwei Gläsern doch schon mal, Das musste Omega sein, kam es von weit hinten aus seinem Hirn. Gert Käfer ging an die Türe. Omega. Und dieser Ork von vorhin schien sein Kumpel zu sein.
"Hoi Chummerss, komms doch rein und helft mir beim Ssaufen. Ssachma, veaschteht iah die Fraun?"

Lukas Friedmann war auf dem Weg zu seinem Freund Leon Meier. Was immer er wollte, wollte er nicht am Komm besprechen. Leon empfing ihn bereits an der Türe und schaltete demonstrativ sein Komm aus. Lukas tat es ihm gleich. Leon kam gleich zur Sache.
"Sag mal, kannst du mir Waffen und Rüstung besorgen?"
"Du weißt doch, wie genau die Ausrüstung bei uns überwacht wird."
"Ja... hast du vielleicht was privat, was du mir geben kannst?"
"Sag mal, bist du verrückt? Die Waffen sind alle auf mich zugelassen und außerdem ist überall meine DNA drauf! Ich gehe schon ein Risiko ein, nur weil ich dich besuche!"
"Du besuchst einen Freund, was ist dabei?!"
Er verstand es einfach nicht. "Ein Freund, der freigestellt ist."
"Ja, was ist schon dabei?"
"Freigestellt und zum Abschuss freigegeben."
Er sah Leon an. Leon sah ihn an und schüttelte nach einigen Sekunden den Kopf. Er wollte es einfach nicht sehen. Er klammert sich einfach weiter an seine verzweifelte Hoffnung.
"Kannst du mir vielleicht ein bisschen Geld leihen?"
"An wie viel hast du gedacht?"
"Drei tausend?"
"Ja, ok. Gib mir einfach deine Kontoverbindung."
"Äh, besser in beglaubigten Credsticks."
Verdammt! Daran hatte er tatsächlich nicht gedacht! Er überlegte kurz, was er auf dem Stick in seiner Tasche hatte. "Ja, hast Recht. Und eine Überweisung auf ein unbekanntes anderes Konto kann ich in meinen Überweisungen auch nicht brauchen...Also ich hätte 500 dabei. Den Rest könnte ich bis morgen auftreiben."
"Warum nicht gleich?"
"Muss noch zum Dienst. Aber danach kümmere ich mich darum."
"Wann genau kann ich es abholen?"
Lukas überlegte. "Morgen früh so zwischen 5 und 6 auf meiner Joggingstrecke?"
"Alles klar. Danke dir. Bist ein echter Freund. Damit kann ich mir zumindest Panzerjacke und Taser kaufen. Meine Lizenzen wurden leider alle gesperrt."
Lukas tat es in der Seele weh. Aber was sollte er machen? Niemand war vor Selbstbetrug gefeit.

Montag, 10.05.2079, 9.00 Uhr

Michaela fühlte sich wohl mit den kleinen Annehmlichkeiten, die ihr Job mit sich brachte. Seit sie für Philipp Schneider in seiner Villa hier in Hofheim arbeitete, wohnt und verdiente sie ausgesprochen gut. Herr Schneider war mit seiner Frau und den Bodyguards außer Haus und die Kinder in der Schule. Sie erwartete ihre Freundin als es klingelte und so öffnete die Türe ohne auf die Kamera zu achten. Sofort bereute sie es. Vor ihr stand ein Norm in Panzerjacke, der cowboymäßig einen Taser im Halfter trug.
"S..sie wünschen?"
"Könnte ich Herrn Schneider sprechen?"
Sie schluckte einen trockenen Kloß herunter. "H..haben Sie einen Termin?"
"Äh, nein, aber es wäre dringend."
"Herr Schneider ist gerade nicht hier. Machen Sie doch bitte einen Termin bei seiner Sekretärin."
"Kann ich vielleicht auf ihn warten?" Sie überlegte, wie sie diesem breitkreuzigen Cowboy die schlechte Nachricht möglichst hübsch verpacken könnte, als dieser fortfuhr: "Vielleicht ist das doch keine so gute Idee. Könnten Sie ihm bitte diese Nummer geben?"
"Ja... wie Sie wünschen."
"Einen schönen Tag noch." Er lächelte sie an, drehte sich um und ging die Straße entlang. Kein Auto. Michaela schloss die Türe und rief die Kontaktnummer von Knight Errant an. Sollten sie sich um den Cowboy kümmern.

Bob und Richy hießen eigentlich Robert und Richard. Aber bei KE machte man gerne auf Ami. Sie cruisten durch ihr neues Revier. Die Gated Comunity hatte erst vor kurzem entschieden, die Sicherheit in die Hände von KE zu geben. Von der Zentrale kam eine Aufforderung zu einer Überprüfung rein. Bob gab Gas und schon sahen sie den Mann mit der Panzerjacke. Ein kurzes Signal und er blieb mit fragendem Blick stehen.
"Knight Errant. Sie strahlen keine SIN aus." Sie kam. Über seine Bildverbindung konnte er die Daten sehen. Leon Meier. Konzernbürger von Saeder-Krupp. Echtheit bestätigt. "Dann leeren Sie doch bitte ihre Taschen, Herr Meier." Neben dem Taser nur Kommlink, Credsticks und ein paar Handschellen. Nicht Illegales.
"Knight Errant wünscht Ihnen noch einen schönen Tag."
Mist! Wieder keine Schießerei!

Montag, 10,05.2079, 12.00 Uhr

Gerade als sie mit ihrem Kind an der Hand und einem Kinderwagen in die Pizzeria Orlando in Offenbach wollte, traf Verena Winterstein der Schlag. Ein offenbar drei oder vierjähriges Kind stand zwischen den Autos an der Straße und zerrte an einem Kindersitz, der im Kofferraum herumlag, während drei Männer sich darum stritten, wer auf den Beifahrersitz darf! Männer! Und was für ein Haufen! Wenn die Pizzeria nicht gleich neben dem Polizeipräsidium Südosthessen liegen würde, könnte man sie für Verbrecher halten. Einer mit T-Shirt und Jogginghose mit Wegwerf-Sandaletten, einer in Panzerjacke und einer in feinem Anzug. Auf der Fahrerseite stieg gerade ein Ork in Panzerjacke in den Wagen, der einen ganzen Schmuckladen im Gesicht trug.
"Wenn ich das dem Jugendamt melde, dann ist die Kleine aber sowas von weg!"
Sie drehten sich um, der Typ in Anzug und Mantel kam auf sie zu. Er lächelte, aber er trug eine AR-Brille. Sowas von unhöflich!
"Aber aber meine Dame. Vielen Dank, dass sie uns darauf hingewiesen haben." Der Norm in Panzerjacke kümmerte sich jetzt um das Kind und den Kindersitz. "Es ist einfach wundervoll zu wissen, dass wachsame Mitbürger wie Sie..."
Sie hörte dem gut gekleideten Herren zu, der seine Brille abgenommen hatte. Seine Art zu sprechen und sein Aussehen machten einen wirklich guten Eindruck. Überzeugt, die Welt zum Besseren verändert zu haben und es von ihr gedankt zu bekommen, betrat sie die Pizzeria.


Nachforschungen

Montag, 10,05.2079, 13.00 Uhr

Philipp Schneider hörte sich alles an, was Michaela ihm zu beichten hatte. Ein Teil in ihm wollte sie zur Rechenschaft ziehen, allerdings gab es gerade Wichtigeres als ein Hausmädchen zurecht zu weisen. Davon abgesehen, weinte sie jetzt schon bitterlich, so dass sich der Befriedigungsfaktor in Grenzen halten würde. Lieber sah er der Bedrohung ins Auge. So kopierte er die Nummer des Besuchers in sein Komm und rief ohne Bild an.
"Ja."
"Was wollen Sie?"
"Ah, Sie müssen Herr Schneider sein."
"Korrekt, Sherlock."
"Wir wissen Bescheid. Meine Gruppe und ich..."
Schneider unterbrach ihn mit nachdrücklicher Stimme. "Wenn Sie oder ihre Gruppe mir zu Nahe kommen, lege ich Sie um." Er legte auf. Er hatte es gewusst. Geheimnisse liefen immer auf Erpressung hinaus.

Heini rührte den Eintopf über dem Feuer in der Tonne genüsslich um. In den Zelten und Papphütten um ihn lief den Leuten schon der Sabber aus dem Maul. Er genoss die Aussicht auf den Main. Hier am Untermainkai im Bahnhofsviertel war das Luxusappartement der Squatter. Zwischen Bahnschiene und Kai war ihr Loft und die Mülltonnen der Reichen hier auf der anderen Seite des Parks waren ihre Feinkostläden.
Da tauchte ein Norm auf mit Köter, der einige Meter entfernt blieb. Der Typ in Panzerjacke machte auf Kumpel. Er nickte Richtung Topf. "Riecht gut. Kann man was abhaben?"
"Klar für n fünfer."
"Äh, ich dachte eher was probieren und wenns schmeckt, dann zahl ich auch."
Von hinten kam ein "Kannste mia ma n Schuss leihn, kriegste morgn au wiedä." Iggy brachte es auf den Punkt. Bauch vollhaun wollen, aber nichts zahlen.
"Hier gibts nix für umme."
"Dann kauf ich den ganzen Pot."
Heini überlegte kurz. "N Hunni und du bist dabei." Na gut, am Ende einigte man sich auf n Fuffi. Reicht allemal für ne Schlemmerrunde Döner. Außer Iggy, der wird sich seinen Anteil direkt in seine Venen haun. Was solls. Sein Bier.
"Also, ist doch n bisschen viel für mich alleine, da bleibt noc jede Menge für euch übrig."
Es ließ sich jeder etwas von ihm geben. Er stellte noch son paar komische Fragen über die Pinkel auf der anderen Parkseite, aber was wissen wir von denen schon. Er fand den Ausblick hier auch prächtig, aber unseren Platz wollte er nicht mieten. Nicht mal mit Liegestuhl...

Anselmo und Angelina betrieben ihr "Café Espresso" am Untermainkai schon einige Jahre. Sie bedienten die Pinkel genauso wie die Bordsteinschwalben, die nachts hier ihre Dienste anboten oder ihre Zuhälter. Aber eines waren sie nicht: eine öffentliche Toilette. Als also dieser Kerl mit Panzerjacke und Hund ankam und nach ihrem Klo fragte, rollten sie beide nur mit den Augen und wiesen Richtung Main. Was jenseits der Bahnschienen passierte, interessierte niemanden.

"Drohne Untermainkai 5 registriert melderelevante Körperhaltung."
In der Zentrale des Sternschutzes schaute jemand kurz auf den Videostream. "Da scheißt tatsächlich wieder jemand in den Park!", bemerkte er in den ansonsten leeren Raum. Hier gab es nur ihn und die Streams der Überwachungsdrohnen. Er setzte den Strafvorgang für Notdurft in der Öffentlichkeit in Gang. Der Typ schien keiner der Squatter zu sein. Er zog sich direkt die Hosen hoch und rannte. Anscheinend eine Art Reflex. Mit seiner Panzerjacke schien er aus Gegenden zu kommen, in denen das sinnvoll war. Vielleicht ein Zuhälter, der sich tagsüber in seinem Revier tummelte? Um so erstaunter war er, dass, als die Person sich zu fangen schien und sich auswies, das Bußgeld von einer S-K SIN abgebucht wurde.

Herr Nolte langweilte sich. Hier in der Empfangshalle des Eisenbahn-Bundesamtes konnte er kaum etwas tun, sich die Zeit zu vertreiben. Seine Partnerin quatschte immer mit Irene vom Empfang, aber ihn nervte Irene nur. So beobachtete er. Nicht, dass es das benötigen würde. Die Scanner im Eingang würden sofort Alarm schlagen, falls jemand Waffen oder Sprengstoff oder so etwas hier hereinbringen würde, aber wer würde das schon?! Eisenbahn! Es ging doch nur um die Eisenbahn! Nun ja, zwischen den vielen Beamten sah man immer wieder Familien oder auch einmal einzelne Leute, die hier in der Vorhalle nur auf WC gingen. Herr Nolte beobachtete sie genau. Wie sie hineingingen und wie sie herauskamen. Ein Typ mit Panzerjacke war hier eher selten. Die Scanner schlugen allerdings nicht an. Nur sein eigenes persönliches Alarmsystem. Er stellte sich in die Nähe der WC Türe und gab eine Meldung an seine Partnerin. Als der Typ wieder rauskam, war alles klar. Anscheinend hatte er es wirklich eilig, weil er nicht mehr halten konnte. Zumindest roch es danach. Am Hintern war nichts mehr zu sehen außer ein größerer feuchter Fleck. Er konnte sich ein leises höhnisches Lachen nicht verkneifen.

Montag, 10.05.2079, 14.30 Uhr

Nach dem Klingeln ließ sich Alexander von Klaeden das Bild der Kamera am Eingang des Hauses am Untermainkai 29/30 auf sein Komm legen. Ein junger Mann in einem noblen Anzug. In seinem Terminkalender war nichts vermerkt.
"Was möchten Sie?"
"Mein Name ist Clark Fasante. Ich möchte mit Herrn von Klaeden sprechen." Stille. Er fügte hinzu: "In einer heiklen aktuellen Angelegenheit."
Von Klaeden war gespannt. Gefahr konnte nicht wirklich drohen, sonst hätte er schon etwas von seiner Rückendeckung auf der anderen Straßenseite gehört. Im Foyer seines doppelstöckigen Penthouses waren noch einmal zwei der Herren. Einer der beiden begleitete ihn in den Empfangssaal.
"Legen Sie doch bitte ab, Herr Fasante.", sagte von Klaeden mit einer Kopfbewegung Richtung Sitzecke. "Was möchten Sie trinken?"
"Whiskey, bitte."
Während des Einschenkens legte Herr Fasante seinen Mantel ab, lehnte allerdings ab, ihn seinem Bodyguard zu geben. "Ich bleibe nicht lange." Mit einem Blick auf den Leibwächter fuhr er fort: "Kann ich frei sprechen?"
"Nur zu."
"Nun, ich bin hier, um Sie im Auftrag der Bruderschaft anwaltlich zu vertreten. Ich bin sozusagen ein Problemlöser."
"Soso, sind Sie das." Er konnte es nicht fassen, aber irgendetwas stimmte nicht ganz mit diesem Anwalt. Warum sollte man ihm jemanden schicken? Anwälte kannte er selbst wie Sand am Meer. Problemlöser...
"Sehen Sie, Benecke, Carlin & Partner vertritt Sie nicht zum ersten Mal. Fragen Sie Jakobus den Älteren. Meine Kanzlei hat ihn bereits vertreten."
Es traf ihn wie ein Schlag. Er kannte die Geheimnamen. Das konnte nicht sein. Das Misstrauen wuchs in ihm. Sehr Praktisch für den "Problemlöser", dass Jakobus Ältere, also Michael Gänsler erst vor einigen Tagen ermordet wurde. Allerdings traute er diesem Mann nicht unbedingt zu, mit einem Stöckelschuh zu morden. Er würde andere Methoden... Runner! Natürlich! Er musste ein Runner sein. Dennoch war das hier mehr als merkwürdig. Spanischer Name... Vielleicht Opus Dei?
"Sehen Sie, meine Auftraggeber denken, dass Sie das nächste Ziel sein könnten."
"Und was genau sollten Sie können, was ich noch brauchen sollte?" Er ließ seine Hand mit dem Glas Whiskey Richtung Bodyguard schweifen.
"Magie. Außerdem verfüge ich über ein Team."
"Hm, vielleicht könnte ich Sie wirklich brauchen. Ich gebe in einigen Tagen einen Empfang und wenn ich die Dinge richtig sehe, sind die Morde im Abstand von vier bis sechs Tagen passiert. Könnte passen."
"Warum sagen Sie nicht einfach ab?"
"Gesellschaftliche Verpflichtung. Ich gebe jede Woche einen Empfang. Wenn er ausfiele, würde das als Schwäche ausgelegt. Schwäche heißt sinkende Aktien."
"Mein Team könnte sich rund um das Gebäude stationieren und..."
"Ich kann Ihnen gerne eine Einladung zukommen lassen, allerdings weiß ich nicht, ob ich Ihnen traue..."
Herr Fasante stand schlagartig auf. "Dann hat sich dieses Gespräch wohl erledigt." Er ging Richtung Foyer, in dem sich der Aufzug und der Zugang zum Treppenhaus befand.
"Nein, nein, schon gut. Das war nur ein Scherz." Von Klaeden ließ ein Lachen hören, das für die meisten Menschen echt klingen würde. "Selbstverständlich sind Sie auf dem Empfang sehr willkommen." Er würde schon herausfinden, was Herr Fasante über die Apostel wusste.

Montag, 10.05.2079, 17.00 Uhr

"Früher hoch!" Annika Gross bellte in ihr Megaphon. Ihr Schützling Carmen Schneider war sehr begabt, musste aber geformt werden. Und sie war genauso ehrgeizig wie der Vater des Mädchens. "Früher hoch, verdammt nochmal!" Davon einmal abgesehen, war ihr Vater ein sehr potenter Geldgeber für den Reiterhof Langenhain.
"Entschuldigung, wo finde ich denn das Büro?"
Annika Gross drehte sich um und sah einen Vater mit Kind und Hund. "Da lang." Die drei waren schnell vergessen und sie konzentrierte sich wieder auf ihren Schützling der auf dem Parcour des Hofes im Scheinwerferlicht der frühen Dunkelheit trainierte.

Ronja ging gerade mit einem Pferd von der Koppel Richtung Stall. Da kam ein gut aussehender Papa in Panzerjacke mit einem kleinen Mädchen und Hund. Sie war sofort Feuer und Flamme. Ein echter Kerl mit Herz! "Kann ich Ihnen helfen?"
"Ja, äh, wir suchen das Büro."
"Gehen Sie einfach zu dem Haus da vorne. Wenn Sie sich beeilen, dann erwischen Sie die Chefin vielleicht noch."
Als Ronja mit dem zweiten Pferd von der Koppel kam, wusste sie, dass sie die Chefin wohl nicht mehr erwischt hatten. "Glück gehabt?" Sie lächelte Panzerjacke süß an.
"Leider nicht." Panzerjacke lächelte zurück. Wie süß!!! "Aber trotzdem vielen Dank."
"Papa, ich glaube die vielleicht zukünftige Mama findet das nicht so gut, wenn du mit anderen Frauen redest!"
Panzerjacke zuckte zusammen. Ronjas Laune sank schlagartig in den Keller. Klar. Vergeben. Aber sie hier einfach anbaggern! Scheiß Macho-Arsch!

"Ich kenn dich!" Carmen war nach dem Training total fertig. Um so wärmer kam das Lächeln dieses Mädchens. "Ich hab dich in der Matrix gesehen! Du bist voll toll!"
Schon kurze Zeit später bereute Carmen das Zusammentreffen. Dieses Mädchen war sowas von nervig! Und ihr Papa setzte sich sowas von gar nicht gegen sie durch! Sie musste sie wirklich selbst wieder aus den Stall schicken. Und selbst dann stellte sie sich exakt an den Eingang und nervte weiter. Carmen gab ihr eine Freundschaft auf P2. Zur Not würde sie sie dann dort blockieren. Selten war sie so froh als die Limousine ihres Vaters vor den Stall fuhr und sie abgeholt wurde.

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Besprechung: Im Schatten der Furcht
Positiv:
-viele vorbereitete Akten für die Spieler
-offene Reihenfolge der Ermittlungsschritte
-Karten für Penthouse und Lounge super

Negativ:
-Akten sind an ein spezifisches Datum gebunden.
-Karte des Friedhofs kaum brauchbar.

Gruppenspezifisch:
-Akten: Wir spielen am richtigen Tag, allerdings 3 Jahre vor der Zeit. So müssen wir nur die Jahresangaben -3 nehmen.
-Ich hatte beim Leiten nicht auf dem Schirm, dass der Schuh in einem Schließfach im HBF hinterlegt ist

Tipps:
-Habe noch Fotos von Pinterest ausgesucht.
-Habe einen Screenshot des Friedhofes in Google Maps gemacht
-evtl Akten mit Paint bearbeiten, um für die jeweilige Gruppe "richtige" Daten einzufügen. Aber sauviel Arbeit.ukunft solche Datumsangaben durch ein Leerfeld ersetzen. Wenn Zeitabstände wichtig sind (wie hier mehrfach), müsste man das zB in einer fiktiven Zeitleiste erklären.
-Schmitt wird über Betreten des C&C Raumes kontaktiert

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Ich hätte eine Bitte an euch (Leser):

Als SL schreibe ich die Abenteuer aus Sicht der NSC. Da ich beim Spielen dabei bin, kenne ich die Geschichte natürlich. Ich weiß allerdings nicht, ob die Geschichten bei euch in einem logischen Zusammenhang ankommen.
Ich bitte euch um eine Rückmeldung per PN an mich. Vielleicht anhand folgender Fragen:
1. Gibt es Lücken für mich im Ablauf des Abenteuers und stört mich (als Leser) das?
2. Habe ich das Abenteuer an sich verstanden? (Warum nicht? Welche Information fehlt?)
3. Was habe ich über die Zeit verbessert, was ist in euren Augen schlechter geworden?
Ich bitte euch, wenn ihr euch auf eine bestimmte Geschichte bezieht, diese bzw den Post zu benennen (zB Wos hob ich scho widdä geliddn 2)

Ich bedanke mich im Voraus schon einmal für jede Rückmeldung.
« Letzte Änderung: 24. November 2021, 19:52:12 von Olf »
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