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Autor Thema: Adventskalender - Gemeinschaftswerk der Drachenzwinge Community  (Gelesen 11247 mal)

Tomira

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  • 15. Dezember 2016, 13:25:58
Re: Adventskalender - Gemeinschaftswerk der Drachenzwinge Community
« Antwort #15 am: 15. Dezember 2016, 13:25:58 »

:icon_santa:  15. :occasion1:

Was soll ich um den heißen Brei herum reden:
Weihnachten kann auch nerven, jawohl, wir kennen das alle!
Darum schenkt euch heute unser User CertusRaven
den ultimativen Ausweg- einen Ausflug in die Maschinenwelt.
Systemunabhängig, und garantiert ohne eine Spur
dieser heimelig, kuschligen, und überbewerteten Weihnacht! :D



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Tomira

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  • 16. Dezember 2016, 09:25:37
Re: Adventskalender - Gemeinschaftswerk der Drachenzwinge Community
« Antwort #16 am: 16. Dezember 2016, 09:25:37 »

:icon_santa:  16. :occasion1:


Hier beschenkt euch unsere Shadow66
mit einer schönen Sage aus Lorakis, genauer Selenia.
Ihr solltet euch unbedingt ein Heißgetränk
gönnen, und ein paar Plätzchen holen,
denn es wird eisig werden!
Viel Spaß beim Lesen :)





Der Eisprinz


Es ist ungemütlich geworden im Kaiserreich Selenia. Die Vorbereitungen zum Fest der Wintersonnenwende stehen kurz bevor. Vom Graulenkamm weht ein eisiger Wind und der Drache Giftfamg treibt dicke Wolken in Richtung der Stadt Herathis. Wegen der Kälte sind die Handelswege kaum befahren und auch auf den Straßen lässt sich so gut wie Niemand blicken.
Doch am Rande des Unreiches kämpfen fünf mutige Abenteurer gegen das aufkommende Wetter. Die Suche nach einem verlorenem Artefakt hat sie an diesen gefährlichen Ort gebracht, denn in Selenia kennt jedes Kind die Geschichte von dem Drachen Giftfang, dem wahnsinnigem Einhorn Irlisch und der Riesenschlange Risskir, die sich seit Jahrhunderten bekriegen.
Doch das ist nicht die größte Sorge der Abenteurer. Ein Waldläufer erzählte ihnen noch von einer ganz anderen, viel wahrscheinlicheren Gefahr;

Wenn der eisige Wind vom Graulenkamm weht,
wenn der Fluss Myrkan gefriert,
wenn der Schnee eure Spuren bedeckt,
dann hält der Eisprinz mit seinen weißen Wölfen in das Unreich Einzug

Einst angesehen und geachtet,
versprochen an eine junge Frau,
dann verbittert und kalt,
wie die eisigen Winde,
auf jenen er reist.

Wenn ihr die Wölfe heulen hört,
wenn ihr die Schatten näher kommen,
wenn ihr die Kälte in eurem Nacken spürt,
dann ist der Eisprinz mit seinen weißen Wölfen nahe


Der Wind macht das Gehen schwer und mit dem anfangendem Schneegestöber wird auch die Orientierung zu einem ernsten Problem. Der Alb zieht seinem Umhang fester um die Schultern und versucht in der Ferne etwas zu erkennen, was einen Hinweis darauf geben könnte, wo sie sich befinden, doch weit und breit nur Bäume und Schnee. „Ich sagte doch, wir hätten bei dem Waldläufer bleiben sollen! In seiner Hütte wäre es sicher warm und gemütlich! Aber du wolltest ja unbedingt aufbrechen.“ ärgerlich funkelt die Gnomin den selbst ernannten Anführer der Gruppe, einen hageren jungen Mann, an. „Der Meister sagte, wir sollen uns beeilen und woher sollte ich wissen, dass dieser Sturm aufzieht?“ Der Alb bleibt stehen, schüttelt den Schnee von seinem Umhang. „Weil ich dir gleich gesagt habe, das ein Unwetter naht! Und...“

Er wird unterbrochen von einer zarten Stimme. „Still, hört ihr es nicht?“  Die weißhaarige Albin steht ganz still, lauscht. „Was soll ich hören? Diesen verfluchten Wind?“ Die Gnomin will mit dem Fuß aufstampfen, hält dann aber mitten in der Bewegung inne – sie hört nun ebenfalls das Heulen.
„Sie werden kommen.“ „Wer?“ die Stimme des hageren Menschen zittert ein wenig. Die weißhaarige Albin tritt auf ihn zu, nimmt sein Gesicht in seine Hände. „Die weißen Wölfe Nereus. Die weißen Wölfe und der Eisprinz.“

„Ihr glaubt doch nicht wirklich an diese Geschichte?“ Ganz in schwarz gekleidet und mit einer weiten Kapuze tief ins Gesicht gezogen steht sie an einem Baum gelehnt und lässt ein spöttischen Lächeln über die Gruppe schweifen. „Ihr habt doch den Waldläufer gehört! Der Sturm zieht auf, der Schnee bedeckt unsere Spuren und nun haben wir sie auch heulen gehört!“ Nereus spielt nervös an dem Riemen seines Beutels herum. „Ja, und nur weil es donnert, stürmt Giftfang dennoch nicht Sarnburg.“ Der Alb tritt heran. „Entweder wir suchen uns schnellstmöglich einen Unterschlupf vor diesem Schneegestöber oder wir reisen weiter.“
Nach einigem Überlegen beschließen die Abenteurer, bis zum Sonnenuntergang einen Unterschlupf zu suchen, oder im Notfall zu bauen. Also stapfen sie weiter, schweigen in ihre Umhänge gewickelt.
Der Schnee wird immer dichter und das Heulen der Wölfe klingt näher, oder es ist nur die Einbildung.
Als es langsam anfängt, schummrig zu werden, scheinen sie immer noch keinen Schritt weiter gekommen zu sein. „Ich habe das Gefühl, wir laufen im Kreis!“ Der Alb richtet sich auf. „Wir gehen sicher nicht im Kreis! Der Wald sieht nur überall gleich aus.“ verteidigt er sich.
„Zu streiten bringt uns auch nicht weiter. Wir sollten lieber herausfinden, woher das sonderbare Licht kommt.“ Die Gnomin schaut die Sprecherin entgeistert an. „Welches Licht?!“ Die Albin deutet in eine Richtung. „Ein paar Schritte weiter befindet sich ein Licht.“ sagt sie, als sei dies eine völlig offensichtliche Tatsache. „Und wenn es nun eins dieser Irrlichter ist?“ Nereus schaut sich unsicher um. „Irrlichter gibt es nicht in Wäldern. Nur in Sümpfen.“
Eine raue, selten benutzte Stimme meldet sich zu Wort. „Wir gehen zu dem Licht.“ Keiner wagt es, dem  alten Varg zu widersprechen und so setzen sie sich in Bewegung. Doch weit komme sie nicht, den aus dem Unterholz preschen drei riesige, weiße Wölfe auf sie zu. „Ahhh! Der Eisprinz!! Er holt uns alle!!“ Nereus hebt die Hände und rennt panisch im Kreis. Bis die Schwarzgewandete in an den Schultern packt und ihn hinter sich schiebt, zwei Dolche zieht und die Wölfe herausfordernd an funkelt. Auch der Varg zieht sein Breitschwert und der Alb legt einen Pfeil auf die Sehne. Auge in Auge stehen die Abenteurer den weißen Wölfen entgegen.

Aus dem Schneegestöber tritt eine hochgewachsene Person hervor. Eis überzieht die gestreckten Klingen und der Schweiß gefriert an Ort und Stelle. Für einen Moment hört es einfach auf zu schneien und die Abenteurer haben freien Blick auf den Eisprinzen. Weißes Haar umspielt sein Gesicht und eisblaue Augen starren aus tiefen Höhlen. Eis überzieht seine Wangen und seine Kleidung. R trägt einen Umhang aus weißem Fell und eine Krone aus schimmernden Eis. In seiner Hand ein Schwert, das wie aus Eis gefertigt zu sein scheint.
Der Varg knurrt. Aus heiterem Himmel kehrt der Schnee zurück und ein Dolch bohrt sich in die Flanke eines Wolfes. Jaulend bricht er zusammen. Der Eisprinz streckt die Hand aus und ein einzelner Eissplitter bohrt sich in den Oberarm des Alben. Mit weit aufgerissenen Augen starrt er geradeaus, als sich von dem Splitter ausgehend Eis ausbreitet und ihn schockgefriert.

Der Varg stürmt vor, doch eine Stimme, so klar und weich wie eine Eisblume erklingt. „Nein, diese Abenteurer haben dir nichts getan. Sie sind nicht schuld an dem Vergehen und du hast kein Recht, ihnen etwas anzutun.“ Eine junge Frau, bekleidet in einem weißen Kleid mit einem Blumenkranz auf dem Kopf tritt barfuß auf den Eisprinzen zu und nimmt seine Hände in ihre.Sie wirkt seltsam durchscheinend und unwirklich. Die eisblauen Augen des Prinzen werden weich. „Kassandra.“ haucht er. „Dies hier muss enden. Jedes Jahr suchst du Rache an Unschuldigen. Ich bin die Einzige, die deinen Zorn verdient hat. Ich lief in das Unreich und kehrte nicht zurück. Diese Abenteuer haben keine Schuld, also lass sie gehen. Ich bitte dich.“ Ihre Gestalt flackert. Ein Windhauch erfasst sie und es scheint, als träge er sie fort. Der Kranz löst sich aus ihren Haaren und nur ein leises „Ich bitte dich“ bleibt zurück..
Der Eisprinz blick auf, eine einzelne Träne gefriert auf seiner Wange. Dann nickt er kaum merklich, zieht sein Schwert und rammt es in den Boden. Ein Lichtblitz schießt daraus hervor und alles verschwindet in einem gleißendem Licht.

Shadow66 (2016)
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Tomira

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  • 17. Dezember 2016, 18:05:02
Re: Adventskalender - Gemeinschaftswerk der Drachenzwinge Community
« Antwort #17 am: 17. Dezember 2016, 18:05:02 »

:icon_santa:  17. :occasion1:

Unser User Orok erfreut euch
heute mit einer kleinen Geschichte eines Magiers,
den jeder gerne kennen möchte! Wobei...
lest selbst, warum vielleicht besser doch nicht :D

Weihnachtseinkauf

Guten Tag. Mein Name ist Trevor Blumford der Dritte. Ich bin Magier. Nein nicht für Kindergeburtstage. Nein, ich zersäge auch keine Jungfrauen. Mal davon abgesehen, das es heutzutage sehr schwer ist eine solche im bühnenfähigen Alter zu finden, ist das sicher auch eine ziemliche Sauerei. Und ziemlich sicher tödlich. Ich bin kein Las Vegas Unterhalter. Ich bin ein Kundiger in der uralten und ehrenwerten Kunst der Thaumaturgie. Sie kennen mich vielleicht als „Der Exorzist der Stars“ aus diesem unsäglichen Artikel in der Sun im letzten Jahr? Oder dem Auftritt in der Morgensendung bei BBC-3? Nein das war kein Schwindel. Ja hinter den Spukerscheinungen in der Umkleide des FC Arsenal steckte wirklich ein Hexenzirkel. Ja, diese netten älteren Damen mit Vorliebe für Silberschmuck und Kristalle haben tatsächlich ein Ritual zur astralen Projektion benutzt, um den ein oder anderen ausgiebigen Blick zu riskieren.  Das ist eine völlig andere Geschichte, über die ich ihnen ein andermal mehr erzählen werde… Hören sie auf zu kichern und kommen sie darüber hinweg!

Unsere kleine Geschichte jedenfalls spielt im vorweihnachtlichen London. Ich war wieder besseren Wissens im typischen Londoner Winterwetter unterwegs. Kennen sie das, wenn sich der Niederschlag nicht so richtig entscheiden kann, ob er nun Schnee oder Regen sein will, und so alles mit einem halbgefrorenen Matsch überzieht? Dieser Matsch, der es schafft in die kleinste Ritze ihrer Kleidung einzudringen, nur damit sie auch ja keinen angenehmen Tag haben? Ja es war ein solches Wetter, als ich an den Holzbuden des Weihnachtsmarktes direkt an der berühmten London Bridge entlang stapfte. Tweedanzug, der schwere Lodenmantel und die abgewetzte Melone auf dem Kopf konnten mich nur unzureichend vor den Elementen schützen. Ich zog den langen bunten Schal in einer weiteren Schlaufe um meinen Hals. Nicht nur der Doktor wusste so einen Schal zu schätzen. Das mein Dackel aufgeregt immer wieder die Leine um meine Beine wickelte, tat meiner Laune ein übriges. Er machte das mit Absicht, um mich zu Ärgern. Dabei wusste er genau, dass ich die Leine benutzen musste, um nicht wieder ein Bußgeld von unserer  geliebten Staatsmacht zu kassieren.
Sie fragen sich, wieso ich meinem Hund solche kleinlichen Bösartigkeiten unterstelle?
Nun weil er es mir selbst gesagt hat!

Ich sollte vielleicht kurz ein paar erklärende Worte zu Ahtunwhiho verlieren. So heißt er nämlich. Wie sie vielleicht schon vermutet haben, ist er kein gewöhnlicher wurstförmiger Vertreter der Gattung Canis Lupus. Vielmehr ist er ein Beratergeist, geankert in der weltlichen Hülle eines gewöhnlichen braunen Kurzhaardackels. Dieser Beratergeist, in eingeweihten Kreisen sprechen wir von einem Familiar, ist schon seit Generationen Teil meiner Familie. Was genau den Geist eines Cheyenne-Schamanen in die Dienste einer Londoner Zaubererfamilie gebracht hat, will er mir leider einfach nicht verraten. Ein weiterer Beweis für seinen niederträchtigen Charakter!

Sie glauben den Geist eines machtvollen Cheyenne-Schamanen der den Körper eines Dackels bewohnt als Familiar zu haben wäre eine gute Sache? Oder irgendwie erstrebenswert? Weit gefehlt! Gilt der Dackel schon als ein eigensinniger Hund, versuchen sie es mal mit einem Medizinmann der vorgibt ihre Sprache nicht zu verstehen, wenn ihm nicht passt was sie sagen. Was ja noch widersinniger wird, wenn man bedenkt das er schon länger in England lebt als die Queen! Wobei „leben“ vielleicht das falsche Wort wäre. Länger in England verweilt. Genau!
Ach, und es mag ja sein, das ihr Hund schon einmal eine Pfütze auf dem Teppich hinterlassen hat, aber mussten sie schon einmal ihr Wohnzimmer sanieren, weil ihr Vierbeiner überprüfen wollte, ob er sich an die richtige Schrittfolge für den Regentanz noch erinnerte?
Doch ich schweife ab. Passiert mir leider häufiger.

Ich war jedenfalls an diesem grauen Wintertag, bei diesem unerfreulichen Wetter auf diesem enervierenden Weihnachtsmarkt unterwegs, um noch ein paar letzte Geschenke zu erwerben. Warum erledige ich so etwas nur immer erst bei letzter Gelegenheit? Das würde mir nächstes Jahr sicher nicht passieren. Dunkel erinnerte ich mich an ähnliche Gedanken, beim Kampf durch die Menschenmassen bei Harolds im letzten Jahr.

Wohlwollend registrierte ich, dass der Markt ziemlich leer war. Die wenigen Leute hatten sich fest in ihren Jacken und Mäntel gewickelt und die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen, um sich vor dem Wetter zu schützen. Selbst die allgegenwärtigen Touristen schienen sich heute eher auf Innenraum-Attraktionen verlegt zu haben.
Ich blickte mich nach einem Stand mit originalen Harzer Räuchermännchen um, von denen mein guter Freund und Teilzeit-Mitstreiter wieder der übernatürlichen Gefahren Cyrus so begeistert erzählt hatte. Warum auch immer man sich für solche obskuren bunten Schnitzereien überhaupt begeistern konnte, sollte mir für immer schleierhaft bleiben. Aber wenigstens machten diese Weihnachtsmärkte  nach deutschem Vorbild, die seit Jahren immer mehr um sich griffen, es relativ einfach solche Stücke zu erwerben.
Sicher werden sie jetzt einwenden, das ich sie ja auch einfach über das Internet bestellen könnte, aber da gibt es leider ein kleines Problem. Magie und moderne Technologie verstehen sich nicht besonders. Jeder Computer dem ich zu lange zu nahe kommen, verwandelt sich über kurz oder lang in sehr teures, nicht sehr wohlriechendes Räucherwerk.
Bleibt also nur die Stärkung des britischen Einzelhandels mit direkter lokaler Kapitalisierung. Sprich: aufraffen und einkaufen.

Die allgegenwärtige Weihnachtsmusik, die aus versteckten Lautsprechern dudelte, half mir auch nicht sehr dabei konzentriert zu bleiben. Ich meine, weihnachtliche Kinderchöre sind ja schlimm genug, aber wenn die dann auch noch auf deutsch singen? Verstehen sie mich nicht falsch. Ich habe nichts gegen die Deutschen. BMW, Goethe, Neuschwanstein… aber es hatte schon seinen guten Grund, warum die Vorsehung die Nordsee genau dort platziert hat, wo sie nun einmal ist. Der verlockende Duft von Bratwurst ließ meine vierbeinige Stolperfalle eine neue Richtung einschlagen, und da ich nun einmal sehr an meinen Armen hänge, in jedem Sinn dieser Aussage, stolperte ich von der straffen Leine dirigiert hinter ihm her zu einer runden Hütte, in deren Mitte ein gewaltiger runder Schwenkgrill hing, auf dem allerlei Fleisch und Fleischprodukte über glühenden Kohlen brutzelte. Das hieß dann wohl eine Wurst für den Hund, und ein Glühwein für mich. Kopfschüttelnd sah ich zu wie das Tier seine Speise verschlang. Der Kampf zwischen Gier und innewohnender Hitze des Fleischnebenproduktes entbehrte nicht einer gewissen Komik. Zumal es eine nicht zu verleugnende Ähnlichkeit zwischen Wurst und Dackel gab.

Da hielt  Ahtunwhiho plötzlich inne und versteifte sich. Die eine Hälfte der Wurst trudelte unbeachtet zu Boden.
Da bemerkte auch ich es. Die Musik war zu einem leiernden Klagen verlangsamt das die Stimmung kindlichen Gesänge von besinnlich zu „wir beschwören dunkle Götter aus der 11. Dimension“ transformierte. Lautes klirren kam aus einem der Stände weiter vorne. Ich sah wie mein Dackel die Lefzen hochzog um seine kleinen, erstaunlich weißen Zähne zu entblößen.
Also einer von diesen Tagen. Nun würde gleich das Schreien los gehen, dachte ich noch.
Und so war es.
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Tomira

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  • 18. Dezember 2016, 14:43:35
Re: Adventskalender - Gemeinschaftswerk der Drachenzwinge Community
« Antwort #18 am: 18. Dezember 2016, 14:43:35 »

:icon_santa:  18. :occasion1:

Mit einem Gruß aus
der 6. Welt erreicht euch hier eine sehr
handfeste Geschichte, die mit einer Menge Schnee
aufwartet, und der Farbe Orange auch
einen Platz unterm Weihnachtsbaum einräumt.
Unser User fUHUx schickt euch damit mit
besten Grüßen in den 4. Advent ;)

Weiße Weihnacht

„So, ich weiß immer nicht, wie ich anfangen soll, also mach ich es mir da mal einfach, und frag mal, hehe... was genau suchst du denn?“ Der schlaksige, kleine Ork war vielleicht zwölf Jahre alt, entsprach also etwa dem Bild eines jungen, ziemlich ungepflegten Erwachsenen, der für seine Spezies vergleichsweise eher mager ausgestattet war, was Muskelmasse und physische Imposanz betraf. „Antidepressiva, Beruhigungsmittel, Schlaftabletten...“ Der Ork ließ eine buschige Augenbraue in die Höhe wandern. „Ey, Opa, jetzt hör mal zu, dafür kannst du auch in die Apotheke...“ „Nicht für das verschreibungspflichtige Zeug“, entgegnete Jack mit leichten Anzeichen von Verärgerung. Wenn der vorlaute Drekhead die Manhunter in seinem Gürtelholster noch nicht bemerkt hatte, war er es auch nicht wert, dass man ihn weiter provozierte. „Außerdem eine ganze Ladung Schnee, sagen wir, für fünftausend“, ergänzte er noch und beobachtete mit wachsender Belustigung, wie ein wenig die Farbe aus dem Gesicht des Dealers wich. Nicht jedes Straßenkind griff auf derartige Mengen zurück. „Sollen wohl weiße Weihnachten werden, hm?“, meinte der Ticker scherzhaft. „Okay, gib mir einfach noch mal eine Liste und zwei Tage Zeit, ja? Hälfte im Voraus.“ „Natürlich.“ Jack griff in die Tasche seiner abgetragenen, grauen Militärjacke und reichte dem Ork einen zwischen zwei Fingern eingeklemmten länglichen Stab. „Die Liste ist auf dem Credstick, genauso wie eine Nummer, bei der du dich melden kannst, und eine Vorauszahlung von zehn Prozent. Und jetzt mach dich an die Arbeit.“ Der Dealer machte ein Gesicht, als hätte der ältere Mann ihm gerade auf die zerfledderten Skateschuhe uriniert. „Sagte ich nicht die Hälfte?“ Jack legte den Kopf schief. „Viel zu hohes Risiko bei diesen Summen. Ich kenn dich ja nicht mal.“ Die Aussage war zwar eine Lüge, aber es war seine Art, neue Kontakte zu testen. „Außerdem interessiert niemanden, was du zu sagen hast. Komm, wenn du dich beeilst, gibt es vielleicht einen Bonus für guten Service. Und jetzt Abmarsch, ich hab noch was zu erledigen.“ Er machte noch eine wedelnde Handbewegung, um dem Ork zu verstehen zu geben, dass er verschwinden sollte, und konzentrierte sich auf die Kanäle seines Neuralinterfaces, um seinen Wagen anzuweisen, ihn zum Containerhafen in Everett zu bringen.

„Guten Tag Sir, verzeihen Sie die Störung. Jack Anderson, ZQ Logistics. Ich soll hier eine Sonderlieferung in Empfang nehmen.“ Jack strich sich den schlicht sitzenden Anzug glatt. Die sich langsam aber sicher an seinem einstig trainierten Körper bildenden Notfallrationsschichten forderten, vehement an Gürtel und Nähten pressend, mal wieder ein wenig mehr sportliche Abwechslung und seltenere Mittagspausen bei McHugh's. Der Vorarbeiter des Docks, ein fleischiger Zwerg mit einem halben Dutzend Kabeln, die an verschiedenen Stellen seines kahlrasierten, im kalten Licht einer einzelnen Glühbirne glänzenden Kopfes endeten, verlangsamte seine Kaubewegungen auf ein Maß, bei dem selbst normale Menschen Aggressionen entwickeln würden, überlegte kurz und nickte dann, ohne dass sich seine wahnwitzig in der Augmented Reality hin und her flitzenden Augen ein einziges Mal auf Jack gerichtet hätten. „Kennung des Containers?“, fragte er, und Jack ärgerte sich ein weiteres Mal, dass nicht nur er, sondern auch sein Chrom verdammt alt für den Job waren. Nichts von dem neumodischen Zeug, das man mit einem kleinen Fokus der Gedanken einfach abschaltet, damit man die Welt in der Geschwindigkeit von ungeboosteten Normalos wahrnehmen konnte. Nein, Jack beobachtete mit nervenaufreibendem Detailgrad, wie die Lippen des Pumilionis bei jedem Laut, der seiner soybiergespülten Kehle entschallte, an den Reihen schmutzverkrusteter Zähne entlang schwabbelten und einen Nebel feinen Speichels in der Luft und auf dessen schmutzigem Bart verteilten.
„Ist hier drauf, zusammen mit dem üblichen Honorar“, meinte Jack zerknirscht, langte mit einer flinken Bewegung in sein Jackett und reichte dem Vorarbeiter einen Credstick. Dieser wiederum gab ihm einen kleinen Chip.
„Folgen Sie dem Wegweiser in der AR. Verlassen Sie das Gelände danach über den Wartungszugang in Abschnitt B32. Ich hab Sie nie gesehen, wenn jemand fragt.“
„Vielen Dank, einen angenehmen Tag noch.“
„Jo, Ihnen auch.“
Jack folgte dem leuchtenden Hinweismarker, der sich in der virtuellen Überlagerung der Realität vor ihm abzeichnete, die drohnenbetriebenen Verladestationen der einlaufenden Frachter entlang. Einige äußerst kältebeständige Möwen, die sich beharrlich weigerten, an der Smogwolke zu ersticken, die regelmäßig aus den nahegelegenen Industriegebieten quoll, kreischten vielstimmig erbost und kreisten über der arbeitsamen Szenerie, begierig und doch vergeblich, zwischen dem all dem Stahl etwas Essbares zu erspähen. Er hielt auf einen etwas abseits stehenden, von Salzkrusten und Rost bedeckten Container zu, dessen allmählich abblätternde Farbe man wohl am ehesten mit giftigem Abfall vergleichen würde. „Endlich frische Luft!“, rief das Mädchen darin erleichtert, als Jack den Zahlencode auf dem Magschloss eingab und die Tür öffnete. Innen hatte der Container eine spartanische Einrichtung, die an ein Sarghotel erinnerte. Die kombinierten Geruchsnoten menschlicher Ausdünstungen der letzten zwei Wochen wehten ihm entgegen. Die Kleine sah verlottert aus, aber er wusste, dass sie da, wo sie herkam, weit schlimmere Konditionen überstanden hatte. „Willkommen in Seattle, Alice, hattest du eine gute Fahrt?“ „Sehr witzig“, antwortete sie missmutig, griff sich ihren Rucksack und trat aus der stählernen Reisekapsel. Jack hob gleichgültig die Schultern. „Die meisten Schmuggler haben eben keine Business Class. Na komm, sehen wir zu, dass du unter eine Dusche kommst, die auch Wasser und keinen Steriliumnebel hat, damit du diesen Drek loswirst.“

Alice' mitternachtsfarbene Augen hatten die Größe von Golfbällen, als sie ein Frühstück beim Soybucks und eine Dusche später von Everett aus südwärts nach Downtown fuhren und ihr Blick sich auf die vom orange-abgasgrau dämmernden Morgenlicht erhellte Skyline richtete, hinter der majestätische, weiß glasierte Gipfel des Mount Rainier aufragte, eingefangen in dichtem Schneetreiben. Die penetranten Werbeüberlagerungen der Augmented Reality intensivierten sich zu wuchernden Kaskaden virtuellen Feuerwerks, die konsumbesessene Psyche ihrer im fiebrigen Kaufrausch gefangenen Nutzer anfachend, je näher sie dem Zentrum der Stadt kamen. „Also, die Besprechung findet gleich statt, wir haben alles nötige Informationsmaterial bekommen. Es gibt einen Kontakt in Übersee, der möchte, dass ich deine Vorgehens- und Verhaltensweise evaluiere, also...“, Jack brach den Satz ab, als er bemerkte, dass sein junger Schützling ihm in etwa so viel zuhörte wie einem Trideowerbespot. „Diese Stadt lebt“, kommentierte Alice geistesabwesend das emsige Geschehen auf der anderen Seite der leicht beschlagenen Fensterscheibe des Ford Americar, an dem sie sich gerade ihre Stupsnase platt drückte. „Ja, das Geschwür metastasiert bereits“, brummte Jack nur teilnahmslos und wich einem Sonntagsfahrer aus, dessen Gridlink offenbar Probleme machte. „Und man kauft das Essen einfach in diesen Märkten? Oder in... Restaurants? Keine Tauschgeschäfte? Keine rationierte Ausgabe?“ „Hör mal, Alice, wenn du etwas wissen willst, solltest du auch in einer Geschwindigkeit fragen, in der man dir eine sinnvolle Antwort geben kann. Darüberhinaus kann ich zwar verstehen, dass du es furchtbar faszinierend findest, wie leicht man hier an verschiedene Ressourcen kommt, aber du hast erstens auch noch nicht den östlichen Teil der Stadt und die Slums in Puyallup im Süden gesehen, und zweitens gibt es ein paar wichtigere Dinge, die du wissen solltest, wenn wir das hier angehen, bevor ich dir beibringe, wie man Energydrinks oder hässliche, in Nanofabrikation aus alten Plastiktüten gefertigte Overalls aus Automaten zieht.“ Jacks Stimmlage hatte sich ein wenig geändert. Er hatte sie nicht durch die halben UCAS und zwei Indianerstaaten herbringen lassen, um ihr die „Zivilisation“ der konzerndiktierten Regionen nahe zu bringen, wie es sie in ihrer Heimatstadt nicht mehr gab. Alice schwieg. „Also, es ist kurz vor Weihnachten, die Leute kaufen wie bescheuert, um in letzter Minute noch Geschenke für das Jahrestreffen mit der Verwandtschaft zu haben. Natürlich sind die Kons vorbereitet, immerhin ist das hier ihre Party, aber in all dem Konsumwahn werden häufiger Mal Dinge übersehen. Zum Beispiel eine Lkw-Lieferung mit High Tech Optronik, die in zwei Tagen in Tacoma angeliefert wird.“ „Die wir stehlen werden?“, fragte Alice monoton und wandte ihren Blick vom Seitenfenster zu ihm. Jack nickte und setzte seine Erläuterungen fort: „Was ich bereits sagen wollte, wir fahren jetzt noch einen weiteren netten Herren abholen und treffen uns dann mit dem letzten Teammitglied zur Besprechung in Milton, in der Nähe unseres Zielpunktes. Dafür müssen wir allerdings durch einige Gebiete in Downtown, in denen die Wände Augen haben, wortwörtlich, und Knight Errant ziemlich aufmerksam ist.“ Sie sah ihn fragend an. „Knight Errant?“ „Der lokale Sicherheitsdienst. Wie bei uns damals in der Arkologie, der Verein, bei dem ich gearbeitet habe. Nur fieser, rassistischer und besser bewaffnet. Du bist gewissermaßen illegal hier. Daher hab ich was vorbereitet...“ Er langte wieder in seine Anzugjacke und warf ihr ein kleines Gerät zu, das sie behände auffing. „Auf dem Kommlink ist eine Systemidentifikationsnummer, mit der du dich ausweisen kannst. Solang du hier bist, vorausgesetzt, du gehst bei der Aktion nicht drauf, ist dein Name Lily Mayflower, und du bist Kopfjägerin auf freischaffender Basis im Dienste dieser großartigen Nation, der United Canadian and American States.“ Seine Stimme troff derart vor Sarkasmus, dass man ihn in Flaschen abzapfen und an mittelmäßige Alleinunterhalter verkaufen könnte. „Kopfjägerin?“, fragte Alice verwirrt. „Eine der Berufungen, die sich bestens eignen, um den Besitz und das öffentliche und offene Tragen von registrierungspflichtigen Waffen und Augmentationen glaubhaft zu machen. Oder wärst du mit deinem Chromarm und dem Cyberdeck lieber eine Tänzerin gewesen?“ Er schnaubte und lachte leise über seinen eigenen Spruch. „Denk dran, den Mist immer auszustrahlen, sobald wir in Downtown sind. Wir wollen keine unnötigen Fragen.“

Orange beobachtete geduldig, wie die Schweinefleischklumpen langsam im Wasser des Aquariums herabsanken und einen hauchfeinen, roten Schleier darin verteilten. Blitzartig schnellte etwas heran und verwandelte die Überreste in einem blasenwerfenden Spektakel in winzige blutige Fetzen. „Wusstet ihr, das Schweinefleisch in Geschmack und Konsistenz dem von Metamenschen am ähnlichsten ist?“, fragte sie halblaut, den von einer ballistischen Schutzbrille abgeschirmten Blick nach wie vor nicht vom blutrünstigen Geschehen im gläsernen Wassertank abwendend. „Hört man so, ich frag mich nur viel mehr, warum man sich ein ganzes Zooaquarium voll mit erwachten, fleischfressenden Amazonasfischen halten sollte. Die Kosten für Frischfutter und das künstliche Klima sind wahrscheinlich immens. Nur damit man ihnen bei etwas zusehen kann, was man auch täglich bei den Jagdrudeln der Ghule in Redmond sieht.“, meinte Jack in einem Tonfall, mit dem er das eigentümliche künstliche Habitat direkt hätte trocken legen können. Die Frau davor wirbelte auf ihrem Fersenabsatz zur mit Plastahl verstärkten Eingangstür, die gerade Jack in Begleitung von einer Jugendlichen und einem unauffälligen, mit der typischen Bohnenstangenstatur seines Metatyps ausgestatteten Elfen betrat, dessen Kleidung der modernen Variante klassischer Stammesbekleidung der Salish entsprach.
„Jack. Das ist Alice, von der du erzählt hast, nehme ich an?“ Die Waffenhändlerin dehnte ihre Worte auf seltsame Weise zum Ende hin und zeigte zwei Reihen verchromter, spitzer Zähne. Jack nickte. „Und das ist... äh, Waches Wiesel, ähm... Prey war nicht anzutreffen, obwohl ich ihm klar gemacht hatte, dass ich ihn für den Job haben will. Den hier haben wir unterwegs kurzfristig von einer dieser Indigenen-Gangs aufgesammelt. Er hat schon das eine oder andere Ding durchgezogen und hat als Schamane zumindest keinen schlechten Ruf.“ Waches Wiesel schien von dem abfälligen Gerede nicht sonderlich beeindruckt und lächelte Orange stattdessen freundlich an, die ihn mit einem Seitenblick und einem hastigen Nicken zur Kenntnis nahm. „Alice... man sagt, du seist unerfahren in diesem Geschäft, aber talentiert.“, sagte sie, machte einige Schritte auf das Mädchen zu und packte sie am Kinn. „Hey, was zum...!“ „Ein bisschen jung vielleicht, aber ich habe den ersten Mann auch mit zwölf getötet.“ Jack schob sanft, aber bestimmt ihre Hand wieder weg. „Das spielt keine Rolle. Sie hat mehr durch als die meisten anderen Konzernkids in ihrem Alter, und es wird ein leichter Job. Also reg dich ab, Orange.“ Alice legte den Kopf schief, in ihrem bleichen Gesicht eine Mischung aus Verärgerung und Belustigung. „Ich kann für mich selbst sprechen, danke, Jack. Und ich kann auch auf mich selbst aufpassen.“ „Na, wenn du meinst...“ Die Frau lachte, und die Schattierungen ihrer sich dabei bildenden Grübchen ließen ihr Gesicht ein wenig wie einen Totenschädel anmuten. „Warum nennt man dich Orange?“
Die Angesprochene kicherte und ging wieder zu ihren aquatischen und gefräßigen Haustieren. „Ich habe, als ich ein paar Jahre älter war als du, im Gefängnis drüben in Hollywood Süßigkeiten reingeschmuggelt.“ Alice sah sie ungläubig an. „Süßigkeiten?“ „Ja, es gab dort im Frauentrakt einen Gangboss, die war ganz versessen auf Süßkram. Ich hab sie ihr beschafft, dafür haben ihre Schlägerinnen die Finger von mir gelassen. Als ich mir ihr Vertrauen erarbeitet hatte, schnitt ich ihr die Pulsadern auf und ließ sie an einigen verknoteten Bettlaken von einem Gitter in den Innenhof baumeln, wo sie vor ihren Freundinnen ausblutete. Danach übernahm ich ihre Gang und schmuggelte weiter Süßigkeiten, nur enthielten sie diesmal Bliss, Jazz, Novacoke und das ganze Zeug. Halluzinogene sind besonders beliebt, weißt du, weil ihre Benutzung medizinisch schwer nachweisbar ist“, erzählte sie, als wäre sie bei einem Kaffeekränzchen am Sonntagnachmittag und plaudere über ihren Alltag. Alice sah aus, als bereute sie die Neugier, die sie zu ihrer Frage veranlasst hatte. „Aber... was hat das mit der Farbe zu tun?“ „Orange sind die Overalls, die man im Knast trägt“, schaltete Jack sich ungehalten ein, „alte Geschichten können wir später erzählen. Lasst uns den Plan ausarbeiten. Wir haben einen Job durchzuziehen!“

„In Chicago kann man nachts fast immer die Sterne sehen, wenn keine Smogwolken aus dem Osten herüber ziehen“, murmelte Alice. „Hier sind die Lichtverschmutzung und die Überlagerungen der Augmented Reality zu stark“, erklärte Jack und saugte mit zusammengekniffenen Lippen an der aufglimmenden Ares Black Label. Ein feiner Rauchfaden kräuselte sich seine Lippen entlang und verschwand im diffusen Schleier des nächtlichen Zwielichts. Sie standen in einer schmalen Gasse, in der ihnen eine beeindruckend fette Teufelsratte von der Größe eines kleinen Hundes und einige Müllcontainer, deren stinkenden Inhalt vorige Angehörige der heimischen urbanen Fauna über den ganzen, schneebedeckten Pflasterstein verteilt hatten, als einzige Gesellschaft leisteten. Die olfaktorischen Aromen von Metall und metamenschlichem Dreck waren allgegenwärtig, und die Luft schmeckte nach Angst, Abgasen und dem nächsten sauren Schneefall. „Wie kommt es, dass du wieder hier arbeitest? In den Schatten?“, zerbrach Alice unverblümt die eintretende Stille. „Soweit ich weiß, hat es deine SIN beim Crash nicht erwischt. Du bist immer noch im System. Solang, wie du für Yamate... ich meine, Evo gearbeitet hast, hättest du sicherlich andere Optionen gehabt.“ Sie sah ihn erwartungsvoll an und lehnte sich an die graffitiverschmierte Wand. „Diese Straßen sind mein Zuhause. Wir können uns nicht aussuchen, wer wir sind, nur das Beste draus machen. Das weißt du wahrscheinlich besser als ich.“ Er inhalierte ein weiteres Mal heftig und pustete den Rauch gegen eine fallende Schneeflocke. „Wir können uns aber aussuchen, ob wir diese Welt zu einem besseren Ort machen wollen, als wir ihn vorgefunden haben“, meinte Alice mit fast schon naiver Zuversicht. Jack lachte nur, und eine Nuance seines trockenen Sarkasmus war zu hören. „Geh den Plan noch mal durch. Was ist deine Aufgabe?“ Die Nachwuchsrunnerin seufzte entnervt. „Ich greife den Fahrer des Lkw matrixseitig an und übernehme Kontrolle über den Transporter. Orange und die bezahlte Gang beschäftigen die Konvoifahrzeuge, du schaltest die physische Begleitsicherheit aus.“ Sie memorierte für einen Sekundenbruchteil. „Dieser... Waches Wiesel erledigt den Wachgeist. Wir aktivieren den Störsender, bringen den Lkw zur Garage, laden dort die Fracht in einen anderen Transporter und löschen alle RFIDs, die wir finden. Danach geht es weiter zum Übergabepunkt.“
Jack nickte bestätigend. „Sehr gut. Was ist mit der Polizei?“
„Die Reaktionszeit von Knight Errant beträgt im Schnitt zehn Minuten, Orange wird sie weglocken, sobald die Cops auf den Plan treten.“
Nicken.
„Planmäßig geht es los in... fünf Minuten und... zwanzig Sekunden. Kommunikation eine Minute vor Beginn.“
Der ehemalige Konzernoffizier zeigte ihr den gereckten Daumen.
Sie schwiegen einige Minuten, bis sich in ihren Neuralinterfaces ein Kommunikationsfenster öffnete. „Wir starten nun die Ablenkung, der Truck ist gleich bei euch“, knisterte Orange' gedanklich übertragene Stimme in der Matrix. Jack gab Alice ein Zeichen, die sich hinter eine Mülltonne kauerte. Ein Glasfaserkabel verschwand in einer ihrer Datenbuchsen, von ihrem schwarzen Haar verdeckt, und ihre Lider begannen zu flattern, als ihr Geist in die virtuelle Realität eintauchte und sich vollständig den pulsierenden Datenströmen der Matrix hingab. Jack entsicherte sein Sturmgewehr. Initialeinblendungen der intelligenten Zielerfassung, Munitionszähler und Hitzemonitore tauchten in seinem Sichtfeld auf. Es war länger her, dass er selbst im Einsatz gewesen war und nicht einfach Aufgaben delegierte, aber der raue gummierte Griff und das Gewicht der Waffe waren wie alte Freunde, zu denen auch nach langen Jahren kein Vertrauen gebrochen war. Er postierte sich hinter einem weiteren Container, legte an und wartete, aufmerksam durch das holografische Visier spähend.

Die Welt wurde zu einem grauen, dumpfen Sumpf. Emotionen wandelten sich zu Farben, als reflektiere die Erde ihr Bewusstsein an den Häuserfassaden, dem Asphalt der Straße und all den Metamenschen und anderen Wesen, die sie mit Leben anreicherten. Er war ganz leicht, und doch spürte er eine gewichtige Kraft, mit der all diese Verbindungen an ihm zerrten und ihm zuflüsterten, kreischten, sich an ihn schmiegten und ihn mit dem Willen aller Seelen, die durch diesen Raum mit ihm interagierten, ein wisperndes Band schufen, ein unausgesprochenes Einverständnis, das denjenigen, die ihren Stimmen lauschten, ihre Macht verlieh. Waches Wiesel öffnete seine astralen Augen und richtete sie auf den großen, grauen Klumpen, der in den zähflüssigen, farblosen Schlieren der toten Straße entlangkroch. Eine hell lodernde Präsenz, ein Donnervogel mit Gefieder von der Farbe frisch gefallenen Schnees und dem Temperament brodelnder Sturmwolken, glitt mit lautloser Anmut über den Lkw hinweg und spannte von seinen gewaltigen Schwingen ausgehend ein feines Netz um diesen, um ihn vor plötzlichem Pech und Unglück, herbeigeführt durch den Widerwillen anderer Geister, zu bewahren. Ein Wesen der Luft. Einer derart mächtigen Kreatur war Waches Wiesel bisher noch nicht begegnet. Er sammelte seine Willenskraft und tastete nach der mystischen Verbindung zur Geisterwelt; hier im Astralraum brauchte er nur noch metaphorisch als auch wortwörtlich seine Augen zu öffnen, um sie zu wahrzunehmen, und bat eine Tierseele aus der Nachbarschaft, ihm zu helfen. Dieser Feind würde all seine Kraft einfordern.

„Jack? Jack? Hörst du mich!?“, dachte Orange, und ihr Neuralinterface übertrug es in eine Nachricht, die durch den offenen Kanal in der Matrix zur angesprochenen Person geschickt und ausgegeben wurde. „Was ist los?“, antwortete dieser ihr auf der anderen Seite. Eine Salve verteilte kleine Asphaltsplitter auf der Frontschürze des martialisch anmutenden Fahrzeugs, in dem sie saß. Dicke Platten aus Plastahl waren an die Kotflügel, Heck und das Dach des kaum noch als solches erkennbaren Muscle Cars geschweißt und gehämmert worden, aus den Felgen sprossen wirbelnde, stählerne Zacken und über der abgefrästen Dachhaube thronte ein montiertes Maschinengewehr, das mit dunklem, lautem Stampfen fortwährend großkalibrige Kugeln ausspuckte. Die Gangerin neben ihr, die es hielt, lachte manisch und grinste, als würde ihr der Fahrtwind die Haut vom Kiefer schälen. „Etwas stimmt mit der Spruchschleuder nicht, kurz nachdem er vorhin abgetaucht ist, hat er angefangen zu zucken, und letzt läuft ihm Blut aus allen Öffnungen und er rührt sich nicht mehr. Kann sein, dass ihr Geisterprobleme bekommt“, teilte Orange monoton mit, einen raschen Blick in den Rückspiegel werfend, um den Zustand des Schamanen zu bestätigen, und raste mit kreischenden, kettenbewehrten Reifen eine scharfe Rechtskurve entlang. „Drek!“, fluchte Jack. „Okay, alles klar. Ihr bleibt beim Plan. Komm mir ja nicht auf die Idee, mir jetzt helfen zu wollen, und die Cops herzuführen. Die physische Sicherheit ist betäubt. Versucht mir bitte, niemanden zu töten.“ Etwas krachte, und die Frau neben ihr sackte schlaff auf ihren Sitz. Orange wendete den Kopf und warf ihr einen schnellen, gleichgültigen Blick zu. „Ja, wir werden sehen... Wer von uns beiden ist hier der Profi, und wer war fünfzehn Jahre nicht im Geschäft, hm?“, entgegnete sie provokant. „Lass die mal meine Sorge sein. Ihr schaukelt das schon.“

Alice tauchte aus der VR auf. Klamme, kalte Flecken hatten sich überall auf ihrer Kleidung gebildet, wo Schneeflocken auf ihr gelandet waren, als sie bewegungslos an den Container da gesessen hatte. „Wir haben Kontrolle über den Lkw, kurzfristig“, sagte sie digital, und richtete sich auf, dabei rasch die herrschende Situation erfassend. „Keine Zeit“, rief Jack ihr zu, der neben dem Lkw stand, über dem sich gerade etwas verdichtete, was aussah wie die Miniaturausgabe eines grollenden Gewitterhimmels. „In den Lkw, ich übernehme das da“, befahl er ihr, diesmal tatsächlich und nicht über ihren Kommkanal, und Alice lies sich die Anweisung kein zweites Mal verlauten. „Halt dich an den Plan!“ Lichtblitze und elektrische Entladungen stoben aus der Wolkenfront und tanzten am Metall der nahen Straßenlaternen entlang, die daraufhin stroboskopartig zu flackern und flimmern begannen. Das Kreischen eines Tieres war zu hören, als wäre es weit weg und doch nahe, wie aus einer fremden, verzerrten Realität, begleitet von Brausen eines Windes, der den Schnee in einem zylindrischen Gebilde wie ein wütender Blizzard emporschraubte. Der mit Frost und Reif bedeckte Flügel eines riesigen Vogels schälte sich aus den Wolken, auf die Jack stakkatoartig feuerte. Alice hechtete zur Tür des Transporters und riss sie auf. Ihr künstlich verstärktes Herz raste in einer absurden Geschwindigkeit, als wolle es jeden Moment aus ihrer Brust brechen. Sie zerrte den Rigger aus seinem Sitz, ließ sich selbst darin fallen und fummelte hastig ihr eigenes Kabel in den Datenport des Fahrzeugs. Jack fluchte draußen beinahe ebenso ununterbrochen wie die Salven seines Gewehrs hämmerten, mit dem widernatürlichen Kreischen des Geistervogels zu einem gewalttätigen Nachtkonzert abgemischt. Sie wagte nicht, in den Spiegel zu sehen, als sie den noch laufenden Motor auf Hochtouren brachte die schneebedeckte Straße herab sauste.
Auch wenn es nur wenige Minuten waren, ehe die Kampfgeräusche in der Ferne verklangen, kam es ihr wie eine Ewigkeit vor, bis sie das vereinbarte Lagerhaus erreichte. Es war absolut still, und sie war die einzig Anwesende, als sich das Garagentor ratternd hinter ihr schloss. „Dann wollen wir mal sehen“, murmelte sie geistesabwesend zu sich selbst, öffnete den Verschlag und machte sich an einer der Kisten zu schaffen. So, wie es gelaufen war, hatte sie alle mal das Recht, ein klein wenig mehr über den Inhalt der entwendeten Kisten zu erfahren. Sie entfernte geübt die Abdeckung des magnetischen Verriegelungsmechanismus und nestelte einige Augenblicke an den Kabeln, ehe die Anzeige auf grün sprang. Vorsichtig ließ sie die Verschlüsse aufschnappen und hob den Deckel. Ein Stoffschwein grinste ihr entgegen. Daneben ein Papagei, und daneben ein grimmiger Adler. „Stofftiere... was zum?“ Langsam dämmerte es ihr. „Natürlich... High Tech Optronik. Intelligente Spielzeugdrohnen.“ Sie spürte, wie ihre Atemfrequenz wieder anstieg, als Wut in ihr hochkroch. „Scheiß doch auf die Nuyen, ich hab eine bessere Idee“, murmelte sie und verfasste eine kurze Nachricht auf einem Datenchip, die sie für Jack und Orange hier ließ, falls diese hier später eintrafen.
Sie beeilte sich mit der Verladung der Ware in das andere Fahrzeug, aber dies ungeplanterweise allein zu bewerkstelligen dauerte doch bedenklich lange. Sie besah sich die eingespeicherte Karte von Seattle, gab eine Adresse an der offiziellen Stadtgrenze ein, stellte das Fahrzeug auf Autopilot und machte sich an das Löschen verfolgbarer Marker, während sie bereits ihre Fahrt in Richtung Osten antrat.

„Sie hat was!?“, fragte Jack entgeistert. „Halten Sie bitte still, während ich die synthetische Haut appliziere“, wies ihn der Straßendoktor an. Orange lachte, und es klang für ihre Verhältnismäßigkeit beinahe herzlich. „Sie ist mit der Beute geradewegs nach Redmond, hat eine komplette Tour durch die Barrens gemacht und jedem Kind unterwegs eines der Spielzeuge geschenkt. Nenn es weihnachtliches Glück, aber sie und der Wagen kamen sogar in einem Stück zurück.“ Sie räumte unachtsam medizinisches Gerät von einer Ablage und setzte sich. Die Lage schien sie ungemein zu belustigen. „Ihr Reflexbooster hat einige Schäden abbekommen, das kann in Zukunft hin und wieder zu motorischen Störungen führen. Ich kann ihnen etwas verabreichen, was das wieder normalisiert und der Gefahr epileptischen Anfällen vorbeugt.“, teilte der Doc Jack mit, ohne darauf zu achten, was die beiden besprachen. Ärztliche Schweigepflicht hatte, wenn man eine Schattenklinik betrieb und regelmäßig mit Psychopathen und Berufskriminellen in Verbindung trat, vollkommen andere Bedeutungsausmaße, und die Existenz akustischer Filterimplantate erleichterte die Arbeit in dieser Hinsicht ungemein. „Dieser Schamane ist also tot und ich wäre es fast, damit sie ihre sinnlosen Weltverbesserer-Fantasien ausleben kann?“ Jacks sonst immer so spöttisch erscheinende Stimme schienen jeden Sarkasmus verloren zu haben und klang eher wie das Ticken einer Bombe. Orange hob beschwichtigend die Hände. „Es kommt noch viel besser. Sie hat den Lkw zu einem Fahrzeugdealer gebracht, den sie ohne jegliche Hilfe aufgespürt hat, den Computer und die Besitzer-ID umgeschrieben, den Wagen verkauft und das Geld in einem Schließfach hinterlegt. Der Code lässt sich aus den Anfangsbuchstaben der in ihrer Nachricht enthaltenen Worte ablesen, ich hab es schon ausprobiert.“ Die Frau schwenkte grinsend einen Credstick. „Wir gehen also nicht leer aus, sie kann ihr Gewissen beruhigen, und, nun ja, du weißt, für was für Leute ich arbeite. Die mögen ihren moralischen Anspruch.“ Jack brummte unzufrieden, aber in seinen Augen zeichnete sich leichtes Erstaunen ab. „Ja, du arbeitest für Terroristen.“ Orange hob nur die Schultern. „Nenn es wie du willst. Leute kämpfen besser, wenn es ihnen um etwas geht, was ihnen was bedeutet, und nicht nur um Geld, das kannst selbst du nicht abstreiten.“ Jack nickte, langsam nachdenklich werdend. „Sie sollte trotzdem aus der Stadt verschwinden. Der Käufer, Mr. Johnson, ist vorsichtig ausgedrückt nur leidlich zufrieden mit unserer geleistet Arbeit. Aber zum Glück haben wir dahingehend ja bereits Arrangements getroffen.“
„Ja, das haben wir...“, meinte sie, „aber du solltest dich erstmal ausspannen. Ich hörte, du hast eine Menge Schnee für deine Feier bestellt...“
Sie warf ihm den Credstick zu, der auf seiner Brust landete.
„Frohe Weihnachten.“
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Iona

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  • 19. Dezember 2016, 18:21:00
Re: Adventskalender - Gemeinschaftswerk der Drachenzwinge Community
« Antwort #19 am: 19. Dezember 2016, 18:21:00 »

:icon_santa:  19. :occasion1:

Da Online Rollenspieler scheinbar
einen Sinn fürs Musische haben,
hier noch ein paar Schmankerl für die Ohren.
Unser Helfer uhu79 verpaßt euch damit
den richtigen Schwung zum Endspurt in
die letzte Vorweihnachtswoche! :D

3 Weihnachtslieder für Drachenzwingler

Melodie: Ihr Kinderlein kommet

Ihr Spielerlein kommet,
so kommet doch all
erhöht auf der Zwinge
die Useranzahl.

Und seht was in jeder
sonst langweil’gen Nacht
das Rollenspiel-Hobby
für Freude uns macht.



Melodie: Lasst uns froh und munter sein

Lasst uns heute Online geh’n
und gemeinsam fremde Welten sehn.
Lustig, lustig, trallalalala
Bald ist Rollenspiel-Abend da – bald ist Rollenspiel-Abend da.

Dann klapp ich den Laptop auf
spiel noch schnell das neue MapTool drauf,
loading, loading, trallalala
Bald ist Rollenspiel-Abend da – bald ist Rollenspiel-Abend da.

(Und eine 3. Strophe geht noch – sponsored by Iona)
Endlich ist das Headset aufgesetzt,
Warte ich auf meine Runde jetzt!
Lustig, lustig, trallalala
Bald ist Rollenspiel-Abend da – bald ist Rollenspiel-Abend da.



Melodie: Kling Glöckchen

Ping, Teamspeak, pingping pingping ping
Ping, Teamspeak, ping
Ich hass meinen Provider
heut geht nichts mehr weiter
Ich kann nicht mit euch spielen
kann wer mit mir fühlen?
Ping, Teamspeak, pingping pingping ping
Ping, Teamspeak, ping

(uhu79, 2016)
« Letzte Änderung: 19. Dezember 2016, 18:22:54 von Iona »
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Tomira

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  • 20. Dezember 2016, 14:00:02
Re: Adventskalender - Gemeinschaftswerk der Drachenzwinge Community
« Antwort #20 am: 20. Dezember 2016, 14:00:02 »

:icon_santa:  20. :occasion1:

Wer statt der herkömmlichen
Weihnacht lieber eine zusammen würfeln will, der kann sich
hier mit der ultimativen Weihnachtszufallstabelle seinen Wunsch erfüllen.
Vorbei die Zeiten, wo man sich zeitraubend selbst über Geschenke
Gedanken machte- einfach würfeln, und schon ist klar, was ihr verschenken werdet!
Los, kramt die Würfel raus, oder werft euer Würfeltool an!
Mit den besten Grüßen von unserer Niniane ;)



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Tomira

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  • 21. Dezember 2016, 15:58:53
Re: Adventskalender - Gemeinschaftswerk der Drachenzwinge Community
« Antwort #21 am: 21. Dezember 2016, 15:58:53 »

:icon_santa:  21. :occasion1:

Mit lieblichen Grüßen von unserer Helferin Beo,
hier eine Legende aus der Splittermond Welt für euch
und eure Spieler.
Sie wird regional in der Gegend um Wintholt erzählt:



Die Legende vom Winterkönig

Einmal im Jahr, wenn der Winter am tiefsten und am eisigsten ist, feiert man in einem kleinen Dörfchen in Wintholt das Fest des Winterkönigs.
Das Dorf wird festlich geschmückt, Leckereien und Fresspakete werden vorbereitet und auf dem Dorfplatz wird eine große Spirale aus Tannenzweigen gelegt, dessen Mitte ein großer Lagerfeuerhaufen bildet.

Die Kinder sind in freudiger Erwartung auf die süßen Schleckereien, die es geben wird, wenn man gemeinschaftlich am Rande der Spirale steht und darauf wartet, dass das große Feuer endlich angezündet wird. Ungeduldig fragen sie immer wieder nach „Wann ist es denn endlich soweit?“ und um ihnen die Zeit bis zum Anzünden zu vertreiben, erzählen die Erwachsenen ihnen Geschichten von Heldenmut und Abenteuern. Und jedes Jahr wieder, wird auch die Geschichte vom Winterkönig erzählt, dessen Brauch seit langer Zeit so innig gepflegt wird.


                                                                                                               ~*~*~*~

Ein Räuspern geht durch die Kehle des Gelehrten Brander, der in dicken, warmen Kleidern mitten unter den anderen Dorfbewohnern steht.
„So dann – lasst mich an der Reihe sein und ich will euch erzählen, wie sich die Geschichte vom Winterkönig zutrug.“
Er lächelt in die Runde und wartet ab, bis auch die letzten Schwätzer ihm ihre Aufmerksamkeit widmen, als er mit lauter, klarer Stimme zu erzählen beginnt.


„Einst begab es sich, das Isageir, der strenge Herr des Winters, arg verstimmt war ob der Menschen. Er zürnte ihnen, da sie ihn nicht achteten und immer über den Winter jammerten. Sie zollten ihm keinen Respekt und verspotteten ihn gar, das er von niederem Range sei als andere Götter.
Aus Wut und Groll schickte er Stürme und grimmig Kälte, um den Menschen ihr Verhalten zu strafen.
Den Menschen erging es schlecht in dieser Zeit. Die Felder verkümmerten unter dem dicken Schneeteppich, die Tiere und Menschen erfroren in den eisigen Nächten. Dann begannen sie Isageir anzuflehen, er möge ihnen doch endlich den Frühling wieder schicken und baten um Vergebung für ihr Fehlverhalten, doch Isageir blieb unerbittlich.

Doch die Bitten und die Flehungen ließen dem strengen Herrn dann doch nicht gänzlich unberührt und er stellte den Menschen eine Bedingung.
        „Derjenige unter den Menschen,der meine Prüfungen besteht und mir am höchsten Punkt unter den Sternen gegenüber tritt, derjenige soll soll den Menschen Erlösung bringen und den Winter bezwingen!“

Viele versuchten sich so dann an den strengen Prüfungen Isageirs, aber sie alle scheiterten.
Doch einst, da erreichte ein fremder Jägersmann die Region. Halb verhungert und ziemlich zerschlissenen, kam er aus den Wäldern, klopfte an viele Tore und bat um Brot und Obdach. Doch viele verschlossen ihm wieder die Türen, waren ihre Vorräte doch aufgrund des langen Winters  knapp geworden oder gänzlich aufgebraucht.
Eine junge Frau allerdings erbarmte sich seiner und lud ihn in ihre Hütte ein. Sie teilte ihr letztes Brot mit ihm und bot ihm einen Platz zum Schlafen an. Auf die Frage des Jägermannes, wo denn ihre Familie sei, wandte sie sich von ihm in Tränen ab. Sie klagte voll Trauer vom langen Winter und von der Kälte und dass ihre Eltern dem strengen Herren erlegen seien und sie nichts weiter habe, als diese Hütte und das letzte Brot. Doch auch dieses war ja jetzt aufgebraucht und sie begegnete dem Blick des Jägers mit verzweifelter Hoffnungslosigkeit.
Die Trauer und Verzweiflung der Frau rührte den Jägersmann am Herzen und er fühlte sich verpflichtet, ihr das Versprechen zu geben, Isageirs Prüfungen auf sich zu nehmen und zu versuchen der Hoffnungslosigkeit ein Ende zu setzen.

So zog er am nächsten Tage los, den höchsten Berg zu erklimmen und Isageir gegenüber zu treten. Tapfer kämpfte er sich durch einen Sturm, den ihn der grimmig Gott entgegen schleuderte. Er durchschwamm einen eisigen See, der den Weg zum Gipfel kreuzte. Er stellte sich wilden Tieren und kämpfte gegen sie und immer wenn er es geschafft hatte, eine Hürde zu bewältigen, betete er zu Isageir und dankte ihm, dass er noch am Leben war. Und aller Unbill zum Trotz, schaffte es der Jägersmann den höchsten Punkt zu erreichen. Dort angekommen entfachte er ein Feuer und rief Isageir an, er möge den Winter doch endlich beenden.

Abermals verdunkelte sich der Himmel und ein weiterer Sturm zog auf, doch so nahe am Ziel blieb der Jägersmann standhaft und rief immer weiter gegen den lauter werdenden Wind an.
Der Sturm riss an ihn, ließ ihn taumeln und warf ihn hin und her. Seine Kräfte wurden ihm regelrecht aus dem Körper gezogen und als das Tosen um ihn seinen Höhepunkt erreichte, entsprangen aus dem Feuer Rauchgestalten – wilde Tierbestien, die den Jägersmann umkreisten und bedrohliche Laute ausstießen.

Mit zitternden, tauben Händen fasste er seinen Bogen und stellte sich schon darauf ein, am Ende seiner Reserven ebenfalls ein Opfer des Zorns Isageirs zu werden.
Der Wind wirbelte den losen Schnee auf und aus dem Schneegestöber trat plötzlich eine Gestalt auf den Jägersmann zu.

Grimmig war das Gesicht des Fremden und eiskalt sein Blick. Er musterte den Jäger wortlos und dem Mann wurde klar, wem er da gegenüber stand – Isageir persönlich!
Mit blau gefrorenen Lippen und steif gefrorenen Gliedern, ließ sich der Jäger auf sein Knie fallen und senkte das Haupt. Gefasst wartete er darauf, dass der eisige Herr ihn nun richtete und sein Leben nahm. Isageir aber, statt den Mann zu töten, setzte ihm eine Krone aus Eis aufs Haupt, fasste ihn bei den Schultern und richtete den Mann auf.

Mit klarer, kräftiger Stimmer sprach Isageir zum Jägersmann:
        „Du, mein treuer Vasall, hast alle Prüfungen bestanden. Du allein hast den Winter und damit mich bezwungen. Trage diese Krone voll stolz, denn du hast sie verdient. Doch diese Krone ist auch deine Aufgabe! Erinnere die Menschen an ihre Pflicht mich zu ehren. Erinnere sie, was geschehen kann, wenn sie dies nicht tun! Und damit du dieser Aufgabe gerecht werden kannst, soll dir die Gunst des Lebens gewährt werden, damit du von der Natur des Winters erzählen kannst – denn du bist der Winterkönig und ab jetzt Mittler zwischen mir und den Sterblichen!“

Damit schenkte er dem Jägersmann königliche Insignien und ließ ihn, beschützt von den Tieren aus Rauch, den Berg hinab steigen und den Menschen die Lehre Isageirs bringen.“

Stille herrscht und alle Blicke sind auf Brander, den Gelehrten, gerichtet. Er schmunzelt und genießt die nachdenkliche Ruhe, als alle – Erwachsene und Kinder – noch ganz gefangen von der Geschichte sind. Da spürt er ein Zupfeln an seinem wollenden Mantel und er blickt an sich herab. Neben ihm steht die fünfjährige Esma und guckt mit großen, fragenden Augen herauf.
„Jaa!?“ lächelte Brander Esma entgegen und wartet auf die offensichtliche Frage, die ihr ins Gesicht geschrieben steht.
„Du, Onkel Brander? Was ist denn aus der Frau geworden, die den Jägersmann Unterkunft gegeben hat? Haben die beiden noch geheiratet?“
Und Branders lächeln wird breiter, als er in die Hocke geht und Esma direkt in die Augen sieht. Mit sanfter Stimme meint er zu ihr:
„Dies, liebe Esma, steht auf einem anderen Blatt und sollte von jemand anderem erzählt werden. ...“

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Tomira

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  • 22. Dezember 2016, 12:55:15
Re: Adventskalender - Gemeinschaftswerk der Drachenzwinge Community
« Antwort #22 am: 22. Dezember 2016, 12:55:15 »

:icon_santa:  22. :occasion1:

Mit lieben Weihnachtsgrüßen
und einer Schale Kekse schickt euch hier Riankan
noch einmal einen Gruß aus Aventenurien.
Unterstützt wird sie dabei von Ethions kleinem
Krümeldrachen, der für Euch schon mal
die Plätzchen vorkostet- soll ja keiner
von Bauchgrimmen geplagt werden! ;)





picture by: http://Http://i-a-grafix.ch



Feiern , glitzern, tanzen , lachen ,
Lauter schöne Dinge machen,
Punins Häuser schimmern reich,
Schnee , der macht die Kanten weich.

Firun hat die Stadt gefunden,
Ifirn aber , Mensch verbunden,
Bittet und fleht, wie sie's immer tut,
Dass Väterchens Kälte rasch wieder ruht.

So ist es denn Lachen statt Weinen,
Das hallt durch die Straßen und Gassen,
Kein  ersterbendes Klagen und Greinen,
Von erfrierenden Massen.

Also lachen die Kinder und toben umher,
Die Eltern wird's freuen,
Tsa gleich noch mehr,
Wie sie doch toben durch's Häusermeer.

Den Tag über spielen und rennen,
Abends dann Heim an den Herd.
So wird man's traviagefällig nennen,
Und was wäre daran verkehrt?

Der Travia zu Dienst ist auch jener,
welcher nimmt Bettler und Arme bei sich auf.
Sie haben es eindeutig bequemer,
Als draussen, flußab und flußauf.

Das Hause der Tsa ist bunt und ganz hell,
Wo kleine Echsen dem Winter zum Trotze,
Laufen und klettern , sehr flink und recht schnell,
Und altem Geweihten feierlich man färbet die Glatze!

Selbst im Tempel des Herren der Stille,
Der er liegt gegenüber dem Hause der fröhlichen Tsa,
Schimmern Kerzen und Lichtlein nach ruhigem Wille,
Denn dies Fest aller Menschen hat es einmal im Jahr.

So feiern sie alle,
Still wie auch laut,
Und draussen im Falle,
Firun Ifirn vertraut.



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Tomira

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  • 23. Dezember 2016, 12:38:09
Re: Adventskalender - Gemeinschaftswerk der Drachenzwinge Community
« Antwort #23 am: 23. Dezember 2016, 12:38:09 »

:icon_santa:  23. :occasion1:

Mit besten Grüßen von unserer Doom Shroom.
Ein kleines Stimmungsbild aus der Finsterland Welt.
Es geht auf den Endspurt zu werte Leser! ;)


Das düstere, feuchtkalte Regenwetter in Alexanderstadt war zur allgemeinen Überraschung letztens in Schnee übergegangen, und es war in den letzten Tagen klirrend kalt geworden. Die Behörden hatten den meisten Sandlern erlaubt, in leerstehende Häuser zu ziehen, wenn auch nur auf das drängen diverser Hilfsorganisationen. Trotzdem brannten hier und da ein paar Tonnen, an denen einzelne traurige Gestalten sich aufwärmten. Die meisten Leute, die sich das leisten konnten, stellten Lichter in die Fenster und Eingänge, um in der Nacht die Dunkelheit zu vertreiben. Das sah zwar nett aus und machte die langen Nächte erträglicher, aber wenn man unerkannt durch die Gassen schleichen wollte, reichte es nicht mehr aus, nur die Gaslaternen zu vermeiden. Wollte man dann noch jemanden verfolgen, wurde die Sache noch schwerer. Es half dabei keineswegs, dass die Zielperson selbst deutlich zu erkennen war. Da der Mann, um den es in diesem Fall ging, das Licht nicht scheute kam er deutlich schneller vorwärts als seine beiden Schatten.

Calwinia schüttelte den Schnee von ihrem Umhang und unterdrückte grade noch ein Seufzen. Die Mine ihres Begleiters verdüsterte sich zusehends. "Weshalb musstest du mich unbedingt mitschleppen?" flüsterte er und stampfte auf, um seine Füße zu wärmen.

"Nur eine Vorsichtsmaßnahme. Wenn er was bemerkt, tun wir so, als wären wir ein Liebespaar in Schneeromantik." Calwinia hastete zur nächsten Ecke und winkte ungeduldig. "Ich hoffe, er ist bald da, wo immer er auch hin will."

"Liebespaar in..." Thorsten verstummte abrupt. "Bei den Heiligen, was ist das denn?"

Vor ihnen tauchte eine langgesteckte Halle auf, die im Gegensatz zu anderen Häusern nicht erleuchtet war. Eine Sporthalle, wenn sich Calwinia recht erinnerte. Die Zielperson verschwand grade durch eine Nebentür. Das an sich wäre nicht weiter merkwürdig gewesen. Was ihre Aufmerksamkeit anzog war das Dach der Halle,welches sich langam öffnete. Es klappte einfach auf,und das sollten Hallendächer in dieser Gegend einfach nicht tun. Ausserdem erhob sich etwas aus dem Gebäude.

Thorsten stieß mit Calwinia zusammen, da er nicht gemekrt hatte, daß sie stehengeblieben war. "Ist das... ein Luftschiff?" fragte er ungläubig.

"Sieht ganz so aus." Calwinia wollte weitergehen, aber ihr künstliches rechtes Bein weigerte sich bei der Kälte, sofort zu funktionieren und so fiel sie fast hin. Thorsten stützte die Machinatorin im letzten Moment, was ihm aber nur einen grimmigen Blick einbrachte. "Ich denke, es geht um Werbung und Wirtschaftsspionage," lenkte er sie schnell ab.

"Ich verstehe es auch..." Calwinia unterbrach sich, als das Gefährt, welches sich nun bis zur kleinen Gondel aus der Halle erhoben hatte, auf einmal zu leuchten begann. Helle Schrift erschien deutlich lesbar aus dem dunklen Hintergrund in dieser eisklaren Nacht."

"Wendels Kerzenmanufaktur wünscht allen einen warmen, beschaulichen Winter. Kaufen sie Wendels Kräuterkerzen sollten sie erkältet sein. Wendels Kerzen sind bis zum Jahreswechsel um 10% reduziert!"

"Also, da soll mich doch der Erlkönig holen!" Thorsten starrte dem Luftschiff mit offenem Mund hinterher, als es in Richtung des Stadtzentrums abdriftete. "Gleich kommen die reichen Todel aus dem Theater, da sehen das dann ziemlich viele Leute."

"Das muss mehr kosten als es einbringt," meinte Calwinia und zog Thorsten mit sich, zurück auf die breiteren Straßen. "Aber es ist spektakulär. Theokant Wachs wird den Bewerb wohl verlieren. Nur fürchte ich hat die Nacht mir nicht viel eingebracht. Lass uns gehen."

Ihr Bein klickte beim Laufen leise. "Ich werde es reparieren lassen müssen."

"Immer noch besser als ein Holzbein oder so." Thorsten hob theatralisch den Arm. "Wir können froh sein, dass wir in so fortschrittlichen Zeiten leben. Wenn ich erst mal zum technischen Studium zugelassen bin, werde ich auch solche Dinge erfinden, die uns allen helfen, auch den ärmeren Leuten."

"Laß das nur deine Mutter nicht hören. Sonst hält sie dir wieder einen ewigen Vortrag über die Vorzüge der Magie."

"Kann ich ja nichts für, keinerlei magisches Talent zu haben."

So langsam wurde es still in Alexanderstadt, als die beiden schließlich zu ihrer Wohnung gingen. Das Luftschiff sahen sie nicht noch einmal. Nur ein paar verschneite Gardisten , die mit hochgezogenen Schultern auf Patroulie waren, überquerten einmal vor ihnen einen kleinen Platz. Es war alles ganz anders als sonst in dieser tiefverschneiten Nacht. Und vor allem machte das ganze Weiß die Stadt gleich viel sauberer.

Calwinia zog Thorsten mit sich in eine hell erleuchtete Kneipe Sich aus den dicken Klamotten schälend winkte Thorsten nach der Bedienung und bestellte zwei Ribiselschnaps.

"Vielleicht sollten wir ein paar dauerhafte Partner suchen," überlegte Calwinia. "Auch jemand der mit Magie kann."

"Gar keine so dumme Idee." Er prostete ihr zu.

Die beiden nippten an ihrem Schnaps und betrachteten die Strasse. Eine einzelne Schneeflocke tanzte vor dem Fenster und landete dann auf dem Sims. In der Kneipe begannen ein paar Schichter Winterlieder zu singen. Was scherte es, wenn man morgen wieder mit Mord und Totschlag, Diebstählen, Industriespionage, Monstern und Korruption zu tun haben würde. In diesem Moment war die Welt perfekt.
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Tomira

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  • 24. Dezember 2016, 09:43:40
Re: Adventskalender - Gemeinschaftswerk der Drachenzwinge Community
« Antwort #24 am: 24. Dezember 2016, 09:43:40 »

:icon_santa:  24. :occasion1:

Für unser letztes Türchen des kreativen Adventskalenders
haben wir uns ein besonderes Schmankerl aufgehoben.
Lars Reißig, Autor für die Splittermond Welt,
schickt euch hier eine kleine Geschichte mit besten
weihnachtlichen Grüßen & Glückwünschen
zum 10 jährigen Jubiläum der Drachenzwinge.

Viel Spaß beim Lesen und FROHE WEIHNACHTEN euch allen
von eurem Drachenzwinge Team, und insbesondere
mir ,Tomira!
Danke auch an alle kreativen User, war toll, dass wir allen
Unkenrufen zum Trotze, den Kalender voll bekommen haben!
Auf ein tolles Rollenspieljahr 2017!!!

Morgen könnt ihr noch mal reinschaun, da haben wir noch
was zum Schmunzeln für euch... ;)




Schneetreiben
Von Lars Reißig


Keuchend und schnaufend ließ Alayina sich in eine Schneewehe hinter einer Tanne fallen und versuchte, wieder zu Atem zu kommen. Ihr Herz raste, die Lungen brannten. Der schneidende Wind fing die kleinen Dampfwölkchen von ihren Lippen und sandte sie als Myriaden winziger Eisgeschosse in ihr gerötetes Gesicht zurück. Die junge Albin bleckte die Zähne, kniff die Augen zusammen, spannte die verfrorenen Gesichtsmuskeln und schlug sich mit den behandschuhten Fäusten vor den Oberkörper, um gleichzeitig den lockeren Schnee aus der Pelzweste und die Eiseskälte aus den Gliedern zu vertreiben.

Aber der Wind und die Kälte waren nicht ihre größte Sorge. Hektisch schaute sie erst zur Linken, dann zur Rechten hinter dem Baumstamm hervor, der sie für den Moment vor fremden Blicken verbergen sollte. Niemand war zu sehen. Waren sie noch hinter ihr? Längst waren die Grenzen zwischen Jägern und Gejagten verschwommen. Es zählte nur noch, wer den anderen zuerst ausmachte, wer seine Gelegenheit nutzte und die Jagd beendete. Und bei Swibalga der Bogenmaid, sie hatte nicht vor, sich erwischen zu lassen! Sie würde es zuende bringen!

Das Schneetreiben tilgte bereits ihre Spuren aus der Welt um sie herum. Die tiefen Fußabdrücke füllten sich zusehends mit dicken, unablässig herabfallenden Flocken, und der Wind würde rasch dafür Sorge tragen, dass eine makellose Schneedecke jedes verräterische Zeichen ihres halsbrecherischen Spurts zum Waldrand verbergen würde.
Gut.

Für zwei, drei rasselnde Atemzüge gestattete sie sich noch, liegenzubleiben, dann raffte sie sich wieder auf. Auch wenn der Schneefall ihr helfen mochte, sich zu verbergen, waren er und seine stille Gefährtin, die Kälte, sehr zweifelhafte Verbündete. Alayina konnte nicht ausruhen und darauf hoffen, nicht entdeckt zu werden. Sie musste in Bewegung bleiben und ihre Gegner überrumpeln.
Die Albin stemmte sich hoch, noch immer im Schutz des Baumes, hinter dem sie Zuflucht gesucht hatte, konzentrierte sich, spürte den magischen Fluss um sich herum und murmelte ein paar Worte in dem, was ihr Großvater die "Andere Sprache" genannt hatte, um die Kräfte der Natur durch sich hindurchfließen zu lassen. Augenblicklich schärfte sich ihr Gehör – ein Schneeluchs hätte sich nicht mehr unbemerkt an sie heranpirschen können. Einige Herzschläge lang hörte sie nur ihr eigenes, mühsam unterdrücktes Keuchen, den Wind und das Ächzen der Bäume. Dann – das Knirschen von Schnee unter leisen Sohlen, flüsternde, vom Wind nur fast übertönte Stimmen. Sie kamen den Hügel hinauf, hatten ihre Spur nicht verloren!

Ein grimmiger Ausdruck trat in ihre Züge. Sie musste sich ihren Verfolgern stellen, auch wenn sie in der Überzahl waren. War sie eine Jägerin, oder war sie Beute, die sich hetzen ließ, bis ihre Kräfte erlahmten?

Die Schritte und Stimmen waren nun nicht mehr zu hören. Sie hatten offenbar die Hügelkuppe erklommen und wurden nun ihrerseits vorsichtiger, besannen sich auf die Tugenden des Jägers. Sie durfte ihnen keine Zeit lassen, einen Plan zu fassen, sie durfte sich nicht einkreisen oder wie ein verletztes Kitz in die Enge treiben lassen. Rasch bereitete sie ihre Wurfgeschosse vor, rief sich die andere Seite des Hügels wieder vor ihr geistiges Auge und malte sich aus, wo ihre Häscher lauern würden. Das Herz pochte ihr bis zum Hals. Sie hatte nur einen Versuch.

Zwei tiefe Atemzüge, dann sammelte sie erneut magische Kraft aus der Natur und verlieh ihr mit den Worten, die ihr Großvater sie gelehrt hatte, Zweck und Richtung. Magie prickelte durch ihre Beine, als würde sie in einen heißen Zuber steigen, und der Zauber war kaum vollendet, als sie bereits den nächsten begann. Zu allem entschlossen setzte sie sich bereits nach den ersten Silben in Bewegung, rannte los, und kraft ihres Willens war sie schneller als ein Vogel im Flug. Der eisige Wind riss ihr die Worte des nächsten Zaubers von den Lippen, atemlos, und Schneeflocken schlugen seltsam hart auf ihre Wangen, während ihre Beine sich schneller bewegten als das Auge ihnen folgen hätte können. Schnee spritzte hinter ihr auf, als sie den Schutz des Waldes verließ und in weitem Bogen und doch windgeschwind auf die Hügelkuppe zuhielt. Ihr scharfes Gehör fing den Beginn eines Rufs oder einer Frage auf. Sie war bemerkt worden. Doch sie war schnell, so schnell! Ihre Verfolger würden keine Zeit haben, sich auf ihren Angriff vorzubereiten. Ihr nächster Zauber wirkte, erneut schoss magische Kraft durch ihren Körper, in ihre Beine. Sie sprang, und es war, als schleuderte die Erde sie von sich fort. Sie schrie, schrill wie ein Falke, halb Kampfschrei, halb, weil sie die unbändige Kraft ihres Zaubers, ihren gewaltigen Satz nach dem schnellen Lauf, nicht anders zu bewältigen wusste.

Unter sich sah sie in staunende Gesichter: große Augen, offene Münder. Sie hatte sie überrascht! Als ihre Schneebälle flogen, fanden zwei ihr Ziel, noch bevor sie selbst auf dem Boden aufkam. Sie rollte sich ab, sprang auf und warf den dritten, in ihrer verkrampften Hand fast zum Eisklumpen gepresst. Halaran schrie empört auf, als das Geschoss ihn vor der Brust traf. Drei Treffer, und die Jungen hatten nicht einmal einen einzigen Schneeball nach ihr zu werfen vermocht!

Sie würden ihr das heimzahlen, früher oder später. Würden ihr Schnee in den Kragen stopfen oder mit einem kleinen Zauber den Baum schütteln, unter dem sie hindurchginge. Sie würden sich rächen, sie necken. So war es immer. Aber als die vier gemeinsam ins Dorf zurückliefen, denn es wurde nun rasch dunkel draußen, da fühlte sich Alayina wie eine waschechte Schildmaid. Sie hatte diese Jagd für sich entschieden, und das würde ihr niemals jemand nehmen können.
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Tomira

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  • 25. Dezember 2016, 12:37:27
Re: Adventskalender - Gemeinschaftswerk der Drachenzwinge Community
« Antwort #25 am: 25. Dezember 2016, 12:37:27 »

:icon_santa:  25. - Nachlese :occasion1:

Wie gestern schon angekündigt,
hier noch ein Produkt von uhu79!
Wir hoffen ihr hattet einen schönen heiligen Abend
und wünschen euch noch schöne Feiertage ;)




In der Reihe
"Weihnachtslieder für Rollenspieler"
geht's heute weiter mit dem Klassiker
"O [Spielsystem]"

O Turbo-Fate, O Turbo-Fate
dich leit’ ich, wenn’s mir dreckig geht
Denn hab ich noch so wenig Plan
ich frag einfach die Spieler dann
O Turbo-Fate, O Turbo-Fate
dich leit’ ich, wenn’s mir dreckig geht

O DSA, O DSA
was brauch ich die Tabelle da?
Ich wollt‘ doch nur den Goblin haun
und nicht in alle Bücher schaun
O DSA, O DSA
was brauch ich die Tabelle da?

O Shadowrun, O Shadowrun
wann kommt denn heut‘ die Action dran?
Ich hab den größten Würfelpool
ihn mal zu werfen, wär schon cool
O Shadowrun, O Shadowrun
wann kommt denn heut‘ die Action dran?

O Splittermond, O Splittermond
das mit den Ticks ist ungewohnt
Und auch der Rest ist so-la-la
zumindest ist’s nicht DSA
O Splittermond, O Splittermond
das mit den Ticks ist ungewohnt

U biquity, U biquity
ich glaub, dich spielte ich noch nie
Und selbst wenn doch, weiß ich’s nicht mehr
Ich bin soooo Indie, I don’t care
U biquity, U biquity
ich glaub, dich spielte ich noch nie

O Drachenzwing', O Drachenzwing'
ich höre dich schon sagen:
Das Spielsystem ist einerlei
es geht doch um den Spaß dabei
Doch Drachenzwing', O Drachenzwing'
ich kann kein' Spaß vertragen

(Und weil’s so schön war, noch ein Nachtrag - inspired by Shogoth64)
O Forentroll, O Forentroll
was trollst du mir die Ohren voll?
Du spammst nicht nur das Forum dicht
nein auch im Voicechat nervst du mich
O Forentroll, O Forentroll
was trollst du mir die Ohren voll?

(uhu79, 2016)
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