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Autor Thema: Gewalt im Rollenspiel  (Gelesen 1514 mal)

Frostgeneral

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  • 24. August 2020, 22:52:00
Gewalt im Rollenspiel
« am: 24. August 2020, 22:52:00 »

Hallo Freunde,

wie steht ihr selbst zu Gewalt im RPG?
Gehen wir nur von Gewalt Ingame und nicht Outgame aus.
Egal ob Psychisch oder Physisch, wie sehen eure Beschreibungen aus?

Gebt ihr No-Goes als Spielerin oder Spielleiterin aus?
Gibt es Unterschiede zwischen NPCs und PCs?

Gewalt als Werkzeug - Sind eure Leute legitim Mörderhobos oder behandelt ihr Konsequenzen und das Leiden der Besiegten?
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Iskierka

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  • 24. August 2020, 23:16:42
Re: Gewalt im Rollenspiel
« Antwort #1 am: 24. August 2020, 23:16:42 »

Nun für mich ist ein gewisses Maß an Gewalt einfach Teil eines Fantasy Rollenspiels, allerdings feiere ich sie nicht, aber man kämpft eben.
Dazu plane ich jetzt in einem Setting zu spielen, in dem zur Zeit der Gott der Tyrannei und seine Schergen herrschen, also ein von vornherein sehr gewaltbelastetes Setting. Aber ich werde es keineswegs verherrlichen, oder extrem ausspielen: ich bin ein großer Freund von Fade to black und Andeutungen. Wenn die Charaktere z.B. auf ein verlassenes Schlachtfeld kommen würde ich eher beschreiben: "Ihr seht das Grauen dessen, was das Quartett auf seinem Weg zur Macht zurückließen und hört die Schreie der Sterbenden in der Ferne. Und seht in den Schatten Plünderer, die bei eurem Anblick in den Nebelschwaden verschwinden" Aber ich werde nicht im Detail beschreiben, was die Spieler sehen. Genauso handhabe ich es mit allen sehr Gewaltbehafteten Szenen, jeder darf sich das selbst mehr oder weniger heftig vorstellen.

Ich würde niemals einen Spielercharakter Foltern oder vergewaltigen lassen. Das geht absolut nicht. Ebenso Verstümmelung. Das tue ich niemals und da wäre ich auch als Spielerin sofort weg. Das wäre für mich ohne Vorwarnung TS schließen und die Gruppe verlassen.
Das schlimmste was ich einem Spielercharakter bisher angetan habe, war ihn nach massiver Provokation von Wachen in den Kerker zu werfen und dort nicht schlafen zu lassen, während ich den Wachmann immer wieder mit einer Eisenkette auf und ab laufen ließ. Ich hab sie am nächsten Tag freikommen lassen. (Okay von Toten in Kämpfen reden wir jetzt aber nicht)

Psychospielchen spiele ich allerdings öfter: Wer einen Warlock spielt, der lädt mich praktisch ein, den Charakter mit sowas zu ärgern, wie einen Freund oder sich selbst zu schaden, Dinge zu tun, von denen der Charakter weiß, dass sie üblen Konsequenzen haben, ohne zu wissen was das ist.
Den Charakteren mal die so ganz und gar nicht schöne Zukunft zu zeigen, die eintritt, wenn sie scheitern oder nichts tun.

Der Unterschied ist für mich aber wichtig, den NPCs mal etwas antun, ist oftmals halt Setting bestimmend. Insbesondere, wenn sie der Gruppe nahestehen, kann das zu interessanten Aktionen führen: das Verlangen des Bösen Patrons eines SC den befreundeten NPC an den Kult des Patrons auszuliefern wäre für diesen das sichere Todesurteil gewesen und das wollte die Gruppe um jeden Preis verhindern. Belanglose NPCs sterben auch mal auf unschöne Weisen oder leiden unter tyrannischen Partnern usw. In der Hinsicht ist Gewalt für mich halt ein Stilmittel. Man kann übertreiben, dann wirkt es nicht mehr sondern wird zur Belanglosigkeit wenn nicht gar albern. Aber verwendet man es sparsam und gezielt ist der Effekt ein anderer, dann bringt es Bewegung in das Geschehen und setzt Stimmungsakzente.
Klingt fies, aber letztlich ist es eine Erzählung, die nicht real ist.

Spieler kommen bei mir übrigens nie mit ihren Aktionen einfach so davon ;) Wer wahllos jemanden tötet, der fliegt aus meinen Runden sowieso nach einmaliger Verwarnung raus. Wer jemandem auf die Füße tritt, der muss damit rechnen, dass irgendwo jemand das bemerkt und entsprechend agiert. Natürlich sind Wachen nicht überall und will auch nicht, dass die Spieler jeden nur ko schlagen, gefangen nehmen usw. das wäre albern. Die Bösen wollen sie auch töten, also darf man sich auch wehren. Und mal ehrlich: wer schlägt den bösen Drachen nur K.O.? Unbedeutende Gegner sterben bei mir sowieso immer ohne Saves. Benannte Gegner lasse ich manchmal Saves Würfeln oder bei "0 HP" geben sie auf. Kommt immer auf den Kontext an.
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Ravno

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  • 24. August 2020, 23:21:05
Re: Gewalt im Rollenspiel
« Antwort #2 am: 24. August 2020, 23:21:05 »

Stark abhängig vom Genre und ob ich eine Altersbeschränkung dran hänge oder nicht.

Ein wichtiges Hilfsmittel ist die X-Card. Wo ist die Grenze? Welchen Themen sind nicht okay? Natürlich ohne Angabe von Gründen.

Wenn ich Krieg oder Horror anbiete wird alles beschrieben , gerade die unangenehmen Sachen in allen Details. Ansonsten nutze ich Comic Gewalt oder lasse sie größtenteils weg.

Eine klare Tendenz kann ich bei meinen Spieler/innen nicht benennen. Dafür ist die Gruppe der Leute, mit denen ich spiele etwas zu groß. Häufig wird die X-Card benutzt um Gewalt gegen Kinder oder Vergewaltigung zu verbieten. Das sind Wünsche denen ich gerne nachkomme.


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Avalia

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  • 24. August 2020, 23:23:23
Re: Gewalt im Rollenspiel
« Antwort #3 am: 24. August 2020, 23:23:23 »

Die Androhung oder Umsetzung von physischer Gewalt gehört in vielen Systemen dazu.

Die detaillierte und glaubhafte Darstellung von psychischer Gewalt benötigt mehr Zeit, als ich dem Thema in meinen Runden einräumen möchte.

Grenzen gehören in einer klärenden Spielisitzung oder im Forum abgeklärt, auch wenn ich die Runde nachvollziehen kann, die dafür X-Card und wie diese Dinge heißen, anwenden.

Detaillierte Folter an NSC finde ich ermüdend bis langweilig, nicht nur weil Leute irgendwelches Halbwissen anbringen.

Folter an SC halte ich nach expliziter Absprache für akzeptabel, wenn Spieler und Gruppe darin einen rollenspielerischen Wert in Hinblick auf Immersion und/oder Charakterentwicklung sehen, das ist allerdings bisher sehr selten der Fall gewesen.

Die Einstellung meiner Charaktere variiert wie jede andere Ansicht stark. Wer in Not und Elend aufgewachsen hat, kann in beide Extreme (empathisches Mitleiden bis gleichgültige Selbstsucht) ausschlagen, die meisten meiner Charaktere liegen eher irgendwo im normalen Bereich, der meiner Meinung nach einen gewissen Respekt vor dem Leben und der Unversehrtheit anderer mit sich bringt.
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Flammraijl

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  • 25. August 2020, 07:41:16
Re: Gewalt im Rollenspiel
« Antwort #4 am: 25. August 2020, 07:41:16 »

Da ich ja ansonsten nur Tischrunden spiele, achte ich sehr auf die Gesichter meiner Spieler. Zudem kennen wir uns schon sehr lange, dass ich weiß, wann ich ich aufhören sollte.

Solche Dinge sollte m.M.n. auch vor dem Spiel in einer Gruppenvereinbarung abgeklärt sein. Grundsätzlich spiele ich aus und lasse auch die Spieler ausspielen. Wir sind erwachsen, wir können sagen, wann es uns zu viel wird, so wie wir auch bei Horrorfilmen die Hand vor die Augen halten können. Dann kann ich als Spielleiter ja auch so umsetzen in dem ich gewisse Sinne ausschalte (hier den visuellen).

Bei Folter halte ich es wie im Film 'The Prinzess Bride':
Schurke: Ich werde dich jetzt mit Vergnügen zu Tode foltern !
Held: Das Vergnügen ist ganz auf meiner Seite !
« Letzte Änderung: 25. August 2020, 11:24:20 von Flammraijl »
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Leiter einer zunächst im wöchentlichen, heute monatlichen Intervall stattfindenden Maßname zu Teambildung, deren Schwerpunkt auf Problemanalyse, taktischem Vorgehen und Kommunikation in Krisensituationen liegt.

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Frostgeneral

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  • 25. August 2020, 10:05:09
Re: Gewalt im Rollenspiel
« Antwort #5 am: 25. August 2020, 10:05:09 »

Ich höre ständig die X-Card von euch.
Ihr wisst aber, dass die gezogen wird, wenn es zu spät ist oder?
Wenn der Schaden angerichtet ist und die Szene nur noch gesprungen werden soll.

Wieso erfragt ihr nicht lieber im Vorfeld No-Goes von Spielerinnen und lasst sowas dann gleich weg.




Ergänzende Fragen an euch:
Behandelt ihr Gewalt bei Spielerinnen, die ihr nicht kennt anders, als bei altbekannten Spielerinnen?
Geht ihr gleich in die vollen, wenn man sich auf Splasher geeinigt hat?

Beschreibt ihr bei einem Action Adventure wie Star Wars die verbrannte Haut eines Stormtroopers nach der Laserschwertwunde oder fallen die einfach um?
« Letzte Änderung: 25. August 2020, 10:08:59 von Frostgeneral »
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  • 25. August 2020, 10:49:16
Re: Gewalt im Rollenspiel
« Antwort #6 am: 25. August 2020, 10:49:16 »

Ich werde jetzt einfach immer Fragen, ob die Spieler Probleme mit den Inhalten aus Game of Thrones Probleme haben, Gewalt, Folter und Inzest alles abgedeckt. Ich sehe mir lieber ein Auto an das explodiert als eines das einparkt.
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Re: Gewalt im Rollenspiel
« Antwort #7 am: 25. August 2020, 11:07:15 »

Ich werde jetzt einfach immer Fragen, ob die Spieler Probleme mit den Inhalten aus Game of Thrones Probleme haben, Gewalt, Folter und Inzest alles abgedeckt. Ich sehe mir lieber ein Auto an das explodiert als eines das einparkt.

xD schön gesagt.

Im Grunde bin ich Fan von Realismus. Je nach System geht bei mir eigentlich alles was irgendwo passieren kann. Die Menge an Details wird dann an die Gruppe angepasst und wenn es wirklich no-go's gibt wird das, wenn möglich, auch angepasst.
Wenn ein SC Gewalt verherrlicht... und seine Gruppe kommt aus Pazifishausen, dann wird das selten lange gut gehen. Wenn jemand OOC Gewalt verherrlicht, wird das auch nicht lange gut gehen. Ich mag Kontrast und ich mag Konflikt und Konsequenzen. Die erste Matrix hat nicht funktioniert weil alles schön und supi war, wie wir alle wissen.

Viel schlimmer als Folter am Spieltisch ist wenn die Gruppe sich anfängt OOC gegenseitig zu "foltern".
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  • 25. August 2020, 11:08:04
Re: Gewalt im Rollenspiel
« Antwort #8 am: 25. August 2020, 11:08:04 »

Gewalt ist Teil einer jeden Welt. Gehört also auch in die Rollenspielwelten.

Ich frag normalerweise lieber vorher wenn die Möglichkeit bestünde, dass da heftig Gewalt vorkommt. Das ist aber eher selten.höchstens mal in nem Horrorszenario.
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  • 25. August 2020, 11:10:08
Re: Gewalt im Rollenspiel
« Antwort #9 am: 25. August 2020, 11:10:08 »

Ich höre ständig die X-Card von euch.
Ihr wisst aber, dass die gezogen wird, wenn es zu spät ist oder?
Wenn der Schaden angerichtet ist und die Szene nur noch gesprungen werden soll.

Wieso erfragt ihr nicht lieber im Vorfeld No-Goes von Spielerinnen und lasst sowas dann gleich weg.

Ich plädiere für die X-Card statt No-Goes.

Grund 1: Die Dosierung macht das Gift. Wenn mein Charakter an einen Stuhl gefesselt wird und man ihn mit Fäusten bearbeitet, kann ich das noch ausspielen. Das würde gut in die Settings Horror, Noir etc. passen. Aber es ist technisch schon Folter und dürfte nicht passieren, wenn ich als No-Go Folter angebe. Die X-Card erlaubt Differenzierung.

Grund 2: Keiner weiß perfekt im Vorraus, was er oder sie im Spiel erträgt. Wenn man die X-Card braucht, soll man sich nicht mit Gedanken herumschlagen wie: "Das müsste ich doch ertragen, weil ich es nicht als No-Go genannt habe, als nach No-Goes gefragt wurde."
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  • 25. August 2020, 11:21:21
Re: Gewalt im Rollenspiel
« Antwort #10 am: 25. August 2020, 11:21:21 »

Im Superhelden RPG beläuft sich die Darstellung der Gewalt im wesentlichen in der Beschreibung der Konsequenzen für die Außenwelt. Wenn Götter gegeneinander kämpfen, hat das für die Umwelt Konsequenzen. Siehe bspw: Superman vs General Zod oder auch Hulk vs Hulkbuster.

Wobei ich nicht während des Kampfes die (im ersten Falle) zehntausenden thematisierte, die in dem Kampf draufgegangen sind. Das macht dann nach der Schlacht die Reporterin des Daily Freedom.


Ansonsten versuche ich mich an dem zu orientieren wie die Spieler beschreiben.


Gerade wenns in Richtung Horror/Splatter geht ists glaube ne gute Sache, wenn man vorher 1-2 Filme rausgesucht hat, an denen man sich orientieren kann. Da gibts ja schon deutliche Unterschiede in der Darstellung.

Bei Star Wars fallen die Storm Trooper getroffen um bzw. fallen mit Wilhelm scream irgendwo runter  ;D



Glaube über No Gos hab ich noch nie in einer meiner Gruppen so richtig gesprochen. Hat bisher immer ohne funktioniert. Das einzige (mir bekannte...) mal wo ich da in nen Fettnäpfchen getreten bin, ist wo die Gruppe nen Kampf gegen nen mächtigen Magier auf nem vollen Marktplatz angefangen hat und aufgrund hochstufiger Magie (PF lv15) der Marktplatz zu nem Ort geworden ist, wo kein 0815 Einwohner hat überleben können. Wo dann natürlich auch Kinder bei waren.

Mir gefällt zwar die Frage nach Game of Thrones, man sollte sich aber klar sein, dass das nen breites Spektrum ist. Eddark Stark vs Jaimie Lannister ist ziemlich vanilla im vergleich zu the Viper vs the Mountain that rides. Wie auch immer man den Horror des Hardhome Massakers einsortiert, schon alleine weil Zombie-Kinder ein Ding sind.... Und zwischen Buch und Serie ist da auch nochmal nen Unterschied. Gerade Viper vs Mountain wurde in der Serie massiv dadurch entschärft, dass die Zuschauer nur auf der Tribüne platziert wurden. Hatten wir Vergewaltigung von Hauptcharakteren schon?

Desto länger ich drüber nachdenke, desto weniger halte ich die Frage nach GoT geeignet, weil etwas sehen und "selber" Teil des ganzen zu sein doch irgendwie 2 Paar Schuhe sind.


Das einzige wo ich von mir aus aktiv über NoGos reden wollen würde, wäre wenn ich Curse of Strahd (das beste (!) mir bekannte Kaufabenteuer, trotz seiner... NoGos) bezüglich der Horror Aspekte nach Buch leiten wollen würde.

Curse of Strahd
Spätestens wenn die SCs von nem Kuchen süchtig sind, dessen wichtigste Zutat gemahlene Kinderknochen sind UND die Helden sich entscheiden müssen inwiefern sie jetzt Kinder entführen und zu den Hexen bringen wollen um ihre Entzugserscheinungen zu mildern, hört der Spass irgendwie auf....
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Rabe

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  • 25. August 2020, 15:58:10
Re: Gewalt im Rollenspiel
« Antwort #11 am: 25. August 2020, 15:58:10 »

wie steht ihr selbst zu Gewalt im RPG?
Gehen wir nur von Gewalt Ingame und nicht Outgame aus.
Egal ob Psychisch oder Physisch, wie sehen eure Beschreibungen aus?

Gebt ihr No-Goes als Spielerin oder Spielleiterin aus?
Gibt es Unterschiede zwischen NPCs und PCs?

Gewalt als Werkzeug - Sind eure Leute legitim Mörderhobos oder behandelt ihr Konsequenzen und das Leiden der Besiegten?

Gewalt, in allen möglichen Ausprägungen, ist Teil vieler Geschichten. In manchen ist sie ein zentrales Thema, in anderen ist sie nur eine Randerscheinung. Entsprechend verschieden sind die Darstellungen.

Die Verharmlosung oder Verschleierung von Gewalt, zum Beispiel durch euphemisierende Sprache,  "Gegner plätten" oder "ausschalten" oder Abstraktion (Trefferpunkte, etc.) finde ich schwer erträglich. Ebenso, wenn Gewaltdarstellungen nur einen Selbstzweck haben oder Gewalt im Spiel als einziges mögliches Konfliktlösungsmittel dient, oder in Form von Selbstjustiz als übliches oder statthaftes Mittel zur Durchsetzung von Recht dargestellt wird.

Gewalt, von wem auch immer ausgehend, hat Konsequenzen und die sollten IMHO Eingang in die Geschichte finden, ansonsten wäre die Gewalt(-darstellung) bloßer Selbstzweck.


Ich höre ständig die X-Card von euch.
Ihr wisst aber, dass die gezogen wird, wenn es zu spät ist oder?
Wenn der Schaden angerichtet ist und die Szene nur noch gesprungen werden soll.

Wieso erfragt ihr nicht lieber im Vorfeld No-Goes von Spielerinnen und lasst sowas dann gleich weg.

Die X-Card dient eigentlich dazu eine Szene zu stoppen, wenn jemand in der Runde befürchtet, dass durch ein Voranschreiten der Szene der Spaß am Spiel (dauerhaft) verloren geht.
Die Karte erst zu ziehen wenn das bereits vorbei ist, macht keinen Sinn.

Die Frage nach allen möglichen No-Goes vor dem Spiel ist IMHO problematisch:
- kaum jemand kann alle seine möglichen No-Goes vorab benennen
- viele No-Goes sind situativ bedingt
- No-Goes werden zu allgemein benannt
- man muss sich ohne Anlass mit seinen No-Goes auseinandersetzen und sie thematisieren
- die Abstimmung unterschiedlicher Vorstellungen kostet Zeit und kann ebenso triggern
- die Berücksichtigung einer umfangreichen Liste von No-Goes kann schnell spielverhindernd sein

Eine Vorab-Klärung von "No-Goes" in Einzelfällen kann sinnvoll sein, ersetzt IMHO jedoch nicht die Möglichkeit, das Spiel radikal zu unterbrechen und letztlich ist die X-Card vor allem dazu da: Allen am Tisch unmissverständlich deutlich machen, dass alle berechtigt und bereit sind Rücksicht auf die anderen Mitspielenden zu fordern und zu gewähren.
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Re: Gewalt im Rollenspiel
« Antwort #12 am: 25. August 2020, 16:11:43 »

Leute, ich hab echt Bauchschmerzen vom lesen der Kommentare hier!
Reden über NOGOs sollte echt standart sein, leider können viele schlecht einschätzen, was ihre NOGOs sind. Auch weil wir ja nie drüber reden... -.-  Und dann ist es shcnell zu spät und der Spielspaß eher s mäh.
Klar brauchts neben den NOGOs auch ne möglichkeit, jetzt gerade "Nein!" zu sagen, aber das ist doch klar! nur wiel ich NOGOs benenenne, ist doch nicht alles andere egal wie krass automatisch okay...


Mit einigen von euch möchte ich nach dem geschriebenen hier garnicht erst spielen, einfach weil es scheint, das ihr NoGos auch garnicht sooo ernst nehmt... ist ja nur ein Spiel... ähm...
Oder euch noch nie wirklich damit beschäftigt habt...

Ich bin hier mal raus...

Wichtiges Thema, aber gerade echt zu viel für mich...
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Re: Gewalt im Rollenspiel
« Antwort #13 am: 25. August 2020, 16:22:09 »

No-Goes, die Definition was das ist und der Umgangang mit Grenzen ist vielleicht besser ein eigenes Thema.
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Re: Gewalt im Rollenspiel
« Antwort #14 am: 25. August 2020, 19:10:15 »

Ich denke, da muss man auch nach Spiel unterscheiden.

Wenn man in die Regelwerke der gängigsten Rollenspiele schaut, wird man finden, dass ein Großteil der Regeln von Gewalt und ihrer Mechanismen in der Spielwelt handeln. So scheint es quasi selbstverständlich, dass sie auch Teil der Spielrunden ist, die diese Spiele spielen. Bsp: Welche Modifikatoren gibt es für ein gutes Argument bei Verhandlungen in DSA? Welche für einen Wuchtschlag? Ich denke, so ziemlich alle DSA-Spieler können die zweite Frage schneller beantworten.

Ich persönlich lasse meinen Spielern den Raum, ihre Handlungen so detailliert zu beschreiben, wie sie wollen. Zumeist bleibt das auf einem gemäßigten Level. Sollten sie darüber hinausgehen, so passe ich auch meine Beschreibungen an. Folgendes Beispiel war ein Härtefall, daher in Spoilertags.
Spoiler
Wenn jemand einen einfachen Söldner, der sich ergeben hat, mit Lampenöl übergießt und den Feuerfinger vor seinem Gesicht hin und herwedelt, der darf sich nicht wundern, wenn der Söldner zusammengekauert unter einen Tisch kriecht und außer Winseln nichts mehr von sich gibt.
[close]
Mit dieser Situation haben sich die Spieler im Nachhinein unwohl gefühlt und beschlossen, die Grausamkeit ihrer Charaktere zurückzufahren, wenn es um hilflose Gegner geht.

Des weiteren wird der Prozess des Sterbens bei uns nicht ausgeschmückt. Ist ein No-Go eines Spielers und das respektieren alle. Wenn jemand stirbt, dann ist er tot. Punkt.
Spoiler
Kein Röcheln oder letzte Schmerzensschreie oder Beschreibungen, wie der letzte Tropfen Blut aus gerissenen Adern quillt.
[close]

Sind die Spieler Murderhobos? Nun, man ist schnell dabei, sich selbst zu verteidigen. Wenn es gegen "andere" geht, dann ist meist die Waffe als erstes gezückt - zum Selbstschutz. Wenn die Gegenüber zuerst mit dem Selbstschutz anfangen, hat man keine andere Wahl.
Spoiler
Auftrag: Holt etwas aus der Höhle. Problem: In der Höhle wohnen Goblins. Die wollen nicht, dass jemand die Höhle betritt. "Blöde Goblins!" Den folgenden Kampf überlebt kein Goblin. In einem Raum der Höhle finden die Spieler Frauen und Kinder, die sie mit großen Augen anschauen und langsam ihre kurzen, dürren Arme über den Kopf heben.
[close]
Das Beipiel war einer der größeren Horrormomente in unserer Kampagne.

Warum spielen wir mit der Gewalt? Um zu zeigen, dass es wichtig ist, zusammenzuarbeiten. Selbst, wenn man sich gut auf einem Gebiet auskennt (bester Nahkämpfer aller Zeiten), so steht man auf einem anderen meist nicht so gut da (rüstungsignorierende Schadensmagie). Wenn man dann merkt, dass der Antimagier in der eigenen Gruppe doch nicht so scheiße ist, wie man erst dachte... nunja, das zeigt, dass wir vielleicht alle verschieden sind, aber deswegen nicht weniger wertvoll. Oder um auf Konsequenzen solch endgültigen Verhaltens hinzuweisen. Der Mensch kann sich irren, und manchmal ist es gut, wenn man eine Entscheidung zurücknimmt. Man kann keinen Tod zurücknehmen.

Bevor ich jetzt ins politische abdrifte... joa, das meine Gedanken dazu. Beantwortet das die Frage? ^^

Edit: Man macht sich ja selten Gedanken darüber, was alles unter Gewalt fällt. Dazu mal ein Auszug aus unserem TS-Disclaimer, was alles so bei uns vorkommen kann:
Spoiler
Diese Runde ist als Ü18 gekennzeichnet, denn sie kann unter anderem enthalten:
- DSA5-Regeln.
Also:
- Darstellungen von Gewalt.
- Darstellungen von Gewalt gegen Kinder.
- Darstellungen von Gewalt gegen Tiere, Pflanzen, andere Lebewesen und Nicht-Lebewesen.
- Darstellungen von psychischer Gewalt.
- Darstellungen von Mobbing (besonders gegen Magier).
- Darstellungen von Folter.
- Darstellungen von Rassismus.
- Darstellungen von Sexismus.
- Darstellungen von Vandalismus
- Sprache unterhalb der Gürtellinie.
- Darstellungen von Erotik.
- Darstellungen von Feetischen und anderen Fetischen.
- Darstellungen von sexualisierter Gewalt.
- Andeutungen von sexueller Gewalt.
- Darstellungen von Drogenkonsum.
- Ukulelen und andere zu unrecht belächelte Instrumente.
- Kann Spuren von Humor, Sarkasmus, Leichtsinn, Phantasie und Rollenspiel enthalten.
Zuhören auf eigene Gefahr!
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« Letzte Änderung: 25. August 2020, 19:15:14 von Danii0206 »
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[DSA5] Mit Mantel, Schwert und Zauberstab (Gruppenleiter und Elfenspieler - Das größte Problem des Rollenspiels.)
[DSA5] Mit Umhang, Axt und Wanderstock (Co-Spielleiter)
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