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Autor Thema: [SR6] Fremde Welten  (Gelesen 496 mal)

Avalia

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  • 02. September 2020, 21:48:05
[SR6] Fremde Welten
« am: 02. September 2020, 21:48:05 »

Die Schritte der beiden Menschen hallten auf dem Marmorfußboden.

"Folgen Sie mir.", meinte der Ältere zum Jüngeren.

Die beiden betraten einen vollverglasten Wintergarten, der sich dem Stadtbild des erneuerten Monacos öffnete.
Seit den Erdbeben in den 2040ern hatte sich einiges getan. Die Stadt war auf den Ruinen der Vergangenheit aufgebaut worden.

Der junge, blonde Mann starrte nachdenklich. Die Führungen der letzten Tage hatten ihm gezeigt, welche Wahrheit sich dort unten verbarg. Das würde nur eines seiner Probleme sein.

Leviathan verwalten.
Mit den Reichen der Stadt jonglieren.
Die öffentliche Ordnung wieder einsetzen.


Der Ältere schob ihm in der AR einen symbolischen Schlüssel zu und verließ langsam den Raum. Schon bald war er nicht mehr zu hören.

Diese Stadt würde die Vergangenheit hinter sich lassen.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Spielsystem: Shadowrun 6
Technik: Teamspeak der Drachenzwinge, Roll20, Kanka, Genesis
Spieltermin: Mittwoch, zweimal im Monat, 19:00 - 23:30
Ingame-Datum: 21. Oktober 2081

Charaktere
Karl Magnússon (fUHUx) - Ex-Marine Maersk Inc.
Amélie Martinez (Dshiny) - Gescheiterte Eiskunstläuferin
Melody Palmer (Illirith) - Partyhexe
Logan Davis (Valpo) - Ex-Knacki und Vampirjäger

bisherige Spieltermine:
16.09.2020 - Präludium Melody
30.09.2020 - Präludium Logan
07.10.2020 - Präludium Amélie
14.10.2020 - Präludium Karl
~
21.10.2020 - 1. Spieltermin
« Letzte Änderung: 18. Oktober 2020, 18:04:18 von Avalia »
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Avalia

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  • 16. September 2020, 16:40:52
Auftakt zum Präludium: Tempest
« Antwort #1 am: 16. September 2020, 16:40:52 »

Stimmung

Ein klirrendes, metallisches Geräusch riss Yuri aus seinen Gedanken. F-43-N stand offen vor ihnen. Die Stimme im Funkgerät klang weit entfernt. Monate der Vorbereitung lagen hinter ihm, Einsätze auf drei verschiedenen Kontinenten und alles hatte auf den heutigen Tag hingearbeitet. Es lief gut. Es lief überraschend gut. Ein kaum hörbares, platschendes Geräusch ließ ihn innehalten. Er sah auf den rechten Ärmel seines Mantels und schaute verständnislos auf den dickflüssigen Tropfen, der auf der Innenseite der Armbeuge herunterlief. Blut? Ein kurzer Griff ins Gesicht, ein metallisch schimmernder Klumpen löste sich und fiel in seiner Wahrnehmung beinahe qualvoll laut zu Boden.

Er musste sich konzentrieren. Es hing von ihnen allen ab. Die Männerstimme im Funkgerät forderte erneut Handlungen seinerseits ab und er setzte sich in Bewegung. Während die Vierergruppe den Eingang von F-43-N sicherte, klang die Stimme seiner Schwester im Hinterkopf. Ihr Lieblingsgedicht, dass sie gebetsmühlenartig jeden Tag vor und nach dem Training wiederholt hatte.

She stands with royalty,
Yet, she rises as a warrior,
Spreading her wings within a breath,
Heaven's twilight with scarlet raining down.


Ihr Angriff hier unten hatte dank der Vorbereitungen keinen Alarm ausgelöst. Niemand bekam hier zufällig etwas mit. Sie hatten den ersten Puffer hinter sich gelassen. Zwei Wachmänner hatten sich hinter Sicherheitsglas versteckt und schienen immer noch verzweifelt Kontakt zu einem der Hauptknoten aufnehmen zu wollen - sie würden niemanden erreichen. Der bullige Osteuropäer hatte unterdessen eine pneumatische Ramme vor der Zugangstür zum zweiten Puffer-Perimeter installiert und das regelmäßige Wummern donnerte wie ein zweiter, verstörend ruhiger Herzschlag durch die hohen Tunnel. Er sah ihr Gesicht vor sich, wie sie sich in einer Umarmung von ihm verabschiedete, dieselben Worte wie jeden Morgen auf den Lippen.

To defend her kingdom, her nation,
She must stand against the confrontation,
Sounds of steel creating music in the wind,
incorruptible soul against unconquerable sin.


Als er vor der letzten Tür ankam, hatte der kräftige Deutsche bereits die unscheinbaren Verbindungstunnel zur rechten und linken Seite aufgebrochen und starrte fokussiert ins Leere. Zwei Drohnen schossen durch das Labyrinth an Gängen und transportierten die leitfähigen Elemente an Ort und Stelle, die in wenigen Augenblicken öffnen würde. Er konnte den Gedanken nicht beenden: Die Tür vor ihm öffnete sich und sie traten ein. Korrekter: Er trat ein. Nach kurzem Flackern erhellte hellgrüne Notbeleuchtung den Raum, er jedoch hatte nur Augen für die zwölf Kapseln. Ein paar Augenblicke später steuerte er zielgerichtet auf F-43-N-08 zu. Unwillkürlich begannen seine Hände zu zittern. Er konnte es nicht glauben: Nach vier Jahren der Ungewissheit würden sie endlich wieder vereint sein.

She bows to no such majesty,
No lord, no king, no deity,
To protect Earth's radiant pearl,
As she will overcome the world.


Verwirrtes Blinzeln war die erste Reaktion auf die grüne Signalleuchte an der Kapsel. Sie war entsichert, also entweder leer oder die Person darin befand sich derzeit nicht in Leviathan. Noch bevor er den übergroßen Plastiksarg öffnete, ließ ihn irgendetwas am Rande des Wahrnehmbaren bereits schaudern. Geräuschvoll zog sich der Zentralteil der Abdeckung in die dahinter liegende Wand zurück, während die geschwungenen Seiten sich in die Verschalung schoben. Die Person vor ihm war seine Schwester, doch ... sie atmete nicht? "Suba? Kleine Suba ... wach auf! Während die letzten Reste seines klaren Verstandes noch prüften, ob sie wirklich offline war, zogen seine bebenden Hände die Pistole an seinem Gürtel.

Ein Schuss in die Versorgungseinheit ihrer Kapsel. Ein Schuss auf den Stromkasten nahe des Einganges. Ein Schuss ... noch einer ... und noch einer ...
« Letzte Änderung: 01. Oktober 2020, 23:07:56 von Avalia »
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  • 01. Oktober 2020, 23:09:07
Auftakt zum Präludium: Logan
« Antwort #2 am: 01. Oktober 2020, 23:09:07 »

Stimmung

Alejandra Vascez öffnete zwei weitere AR-Fenster und füllte sie mit einer Handgeste mit Inhalten. Verfluchtes Leviathan. Es war nicht ärgerlich genug, dass die Petrois mehr und mehr Kontrolle über das Projekt bekamen. Nein, dieser Emporkömmling Kamil hatte sich in die Stadtleitung geschlichen und würde einige wichtige Projekte für Monate, wenn nicht gar Jahre blockieren. Also wieder der schmutzige Weg.

»Dima, Status?«, sprach sie in den Raum hinein. "Alle Systeme sind online und funktionieren im Rahmen der akzeptablen Parameter und Latenzen.", antwortete die Projektion der Blauhaarigen.

Die Frau nickte und ihr Blick huschte von einem AR-Bildschirm zum nächsten. Schließlich fand sie, wonach sie suchte. Den richtigen Spielstein.

»Dima, Status der Kapsel B-3-L.«, forderte sie nach wenigen Sekunden der Überlegung. "Die Kapsel von Ta...", begann sie, wurde aber von einem Zischen der Trollin unterbrochen. »Keine Namen, Dima.« Das Hologramm straffte sich ein wenig und nickte dann. "Kapsel B-3-L ist derzeit ... Fehler.", etwas unsicher hob die Projektion den Kopf und begann rasch zu blinzeln. "Kapsel B-3-L ist ... offline. Zustand der Insassin: unbekannt. Zustand der Kapsel: geöffnet."

Zwei Handgesten später rief sie jemanden an. Als die Verbindung hallte ihr Brüllen in dem geräumigen Arbeitszimmer wieder: »Holt mir die Göre! Keine Ausreden, keine Widerworte! Du hast vier Stunden Zeit und weißt, was sonst passiert.«
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  • 07. Oktober 2020, 01:33:04
Auftakt zum Präludium: Amélie
« Antwort #3 am: 07. Oktober 2020, 01:33:04 »

Stimmung

Müde betrachtete Palani die Nachricht seiner Eltern. Sie waren nicht einverstanden mit den Ausgaben. Sie waren nicht einverstanden damit, dass er sich seit Monaten ausschwieg, was seine vorgeschlagenen Verlobten anging. Sie waren mit der gesamten Welt nicht einverstanden und manchmal verstand er es.

Doch hier und jetzt gab es etwas, dass er nicht nur tun konnte, sondern auch tun wollte. Wenn sie es schaffte und seine Eltern ihn dazu getrieben hatten, konnten sie danach unmöglich Einwände haben, nicht wahr?

"Dima, setz' eine Testumgebung auf.", meinte er leicht geistesabwesend. Er verstand nicht, was all' die seltsamen Worte bedeuteten, die dort standen, weshalb er die weitere Einrichtung an Mitarbeiterin von Daming Solutions übergab. Eine Tonfolge bestätigte, dass Dima die Aufgabe abgeschlossen hatte und diese Instanz nicht mehr anwesend war.

Gleich morgen früh würde er sie anrufen. Darauf freute er sich bereits.
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  • 18. Oktober 2020, 18:02:35
Auftakt zum Präludium: Karl
« Antwort #4 am: 18. Oktober 2020, 18:02:35 »

Stimmung

Von einem Felsen aus sah Sari auf die Masse an Metamenschen unter ihr. Knapp vierzig Personen lagen wie schlafend auf dem Boden. Keine Kugel war verschossen worden, kein Blut geflossen, so mochte sie ihre Arbeit. Zufrieden wischte sie mit dem Rücken ihrer Hand über die Nasenspitze und schaute die Menschenmenge noch einmal misstrauisch an, ehe sie sich mit raschen Sprüngen den Abhang herunterbewegte.

Keine Stunde später hatte sie alle Anwesenden verschnürt und brummte angesichts der aufkommenden Bezahlung wohlig. Jetzt musste sie nur noch Transportmittel beschaffen.

Etwa vier Monate später

Nach dem Festsetzen dieser Leute hatte es Ärger gegeben. Nicht vom Großen. Der Große war verschwunden. Den Ärger hatte es von jenen gegeben, die dem Großen gefolgt waren. Beim Gedanken an diese Leute schüttelte sie sich und wandte den Blick zurück zum Krankenzelt am Berg. Irgendetwas war geschehen. Die Ärzte waren aufgekratzt und ständig lief irgendwer zu dem Versorgungswagen, der im Hintergrund stand. Abgesehen von einem Namen war allerdings bisher nicht viel an ihre Ohren gedrungen: "Karl ..."

Dieser Karl war sicher ein interessantes Spielzeug.
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  • 18. Oktober 2020, 18:07:02
Ausklang der Präludien
« Antwort #5 am: 18. Oktober 2020, 18:07:02 »

Stimmung

Rotwein sog sich in dünnen Schlieren durch das schneeweiße Tischtuch. Kamil war es gleich. Er betrachtete die Datenströme, zog sich Details heran, verband sie zu neuen Konstrukten. Ein livrierter Diener hatte die Reste des Weinglases beinahe lautlos entfernt und ohne ihn saßen nur noch er und seine Assistentin Celestine am Tisch.

Ebendiese erhob das Wort und sah den älteren Elfen etwas unsicher an. Sein Wutanfall schien vorüber, doch sie kannte ihn noch nicht so gut. "Monsieur Petroi, erklären sie mir bitte, welchen Zweck diese Operation hatte. Ich verstehe, warum die Elfe nach Harquin suchen musste, doch das Zulassen des Ausbruchs ..."

Kamil schnaubte einmal und sah dann zu seiner Assistentin auf: "Es ist denkbar einfach. Wir sperren sie ein, wir versorgen sie mit Atemluft und Nährstoffen und im Gegenzug bereichern die Gefangenen uns. Das Komitee erwartet von mir allerdings, dass ich die Situation wirtschaftlicher gestalte. Und ich habe eine Idee. Celestine, Liebes, es ist eigentlich ganz einfach: Wenn sie keine Luft mehr zum Atmen haben, sterben sie. Wenn sie keine Nährstoffe mehr haben, sterben sie. Wenn sie jemals wieder freikommen, haben sie keinen Wert für uns. Doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass es durchaus möglich ist, einen metamenschlichen Körper und seinen Geist zu trennen. Ein Gefangener, der über keinen Körper mehr verfügt, verursacht uns keine Kosten. Ein Gefangener, der über keinen Körper mehr verfügt, kann nicht mehr in die Außenwelt zurückkehren. Er kann arbeiten oder aufhören zu existieren. Das ist die Zielstellung unserer Familie und wir haben sieben Jahre Zeit.

Celestine nickte unsicher und musterte ihren Vorgesetzten. Sie verstand immer noch nicht mehr, doch nach dieser - für seine Verhältnisse - langen Erklärung würde weiteres Nachfragen höchstens einen weiteren Wutanfall zur Folge haben.

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Stimmung

Eine Transaktion erregte Kamils Aufmerksamkeit. Sicher, 50.000 Nuyen waren nicht viel und es gab allein in den letzten zwei Tagen mehrere Dutzend Buchungen mit deutlich höheren Beträgen. Doch dieser Buchung interessierte ihn. Er hatte vor Jahren einmal festgelegt, dass jedes Familienmitglied in einer leicht anderen Farbe dargestellt wurde. Seine Nichte hatte Geld überwiesen?

Ihn störte nicht, dass sie das Geld genommen hatte. Von diesem Gemeinschaftskonto gingen regelmäßig Buchungen aller volljährigen Familienmitglieder ab und wurden dann auf die persönlichen Konten verteilt. Aber Tanya galt seit vier Jahren als verschwunden. Die Buchung ging in die Gemeinschaft von Turkestan. Seltsam.

"Celestine, organisiere ein Außenteam. Sie sollen nach Turkestan aufbrechen. Die genaue Adresse erhältst und Ansprechpartner vor Ort organisierst du."

Sollte Tanya tatsächlich am Leben sein, würde sich einiges ändern.

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Stimmung

Ein weiterer erschöpfter, beinahe gequälter Blick nach draußen. Palani drehte sich von der Glasfront weg und ließ den Blick durch das Büro seines Vaters schweifen. Er wartete mittlerweile seit über einer Stunde hier und abgesehen von dessen Sekretärin, die zweimal hereingekommen war, um ihn nach seinen Wünschen zu fragen, war niemand aufgetaucht.

Er griff nach einem herumliegenden Controller, stellte die Anlage an und nickte beiläufig im Takt der Musik, während er seine Nachrichten prüfte. Quartalsberichte, Projektfortschritte, Einladungen zu den Veranstaltungen der besseren Gesellschaft - all' diese Dinge interessierten den jungen Mann nicht wirklich. Schließlich: der regelmäßige medizinische Bericht über den Verbleib von Amélie. Seit den Vorfällen im Riviera Marriott, die zu ihrer Inhaftierung geführt hatten, hatte er umso mehr ein Auge auf seine Liebste. Er hatte sie nach ihrem Auswurf in der Klinik besucht und sie im Schlaf beobachtet. Die Nachricht, dass sie in die Suchtbehandlung musste, hatte ihn verstört. Es bedeutete, dass sie noch Monate in Rehablitation vor sich hatte. Alles seine Schuld.

Was er las, ließ ihn in seiner Bewegung erstarren. Das teure Markenkommlink fiel auf den Tisch. Verständnislos blickte er auf die Worte des vorletzten Satzes, ehe sich die Mundwinkel hoben.

Seine Amélie würde freikommen. Und um den Rest kümmerte er sich.

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Stimmung

Müde hob Sari den Blick. Sie hatte die Stadt im Blick. Die Stadt inmitten des Rauchs. Eine einzelne Gestalt löste aus der Schwärze. Er kam zurück. Es war soweit. Unwillkürlich hoben sich ihre Mundwinkel und sie stürzte ihm entgegen. Sie würde ihn in der Mitte der Schlucht erreichen, würde seine Wärme spüren und es würde sie in ihrem Willen bestärken, das hier weiter zu machen. Es geschah unregelmäßig, doch nach all' der Zeit, die sie gemeinsam verbracht hatten, konnte sie es nicht ignorieren.

Schließ erreichte sie ihn, schloss die Arme um die muskulösen Schultern des Skandinaviers und lehnte sich gegen seine Brust, ehe sie hinauf in seine Augen sah. Der dünne schwarze Nebel in seinen Augen jagte ihr jedes Mal eine Gänsehaut über Arme und Rücken, doch sie hatte sich an den Anblick gewöhnt. Der Mann hob die Mundwinkel zu einem wiedererkennenden Lächeln, legte die Arme um sie und drehte sie, als wöge die Frau nicht mehr als ein Blatt im Wind, um sich herum. Während ihrer Umarmung ging er ein paar Schritte weiter und begann zu schwarzem Rauch zu zerfasern.
Sie nickte nur resigniert und bereitete sich darauf vor sich abzufangen. Augenblicke später fiel sie den halben Meter, ein gewohntes Schauspiel. Der umarmte Mann löste sich unterdessen mehr und mehr auf. Der Rauch strömte in der Schlucht zurück gen der dunklen Stadt. Doch etwas anderes ließ sie stutzen. Dort kamen noch mehr Schattenbilder.

Den Tränen nahe beobachtete sie zwei weitere der schattenhaften Abbilder und stürzte auf den nächsten von ihnen zu. Wo sie ihn erreichte, war er noch nicht materiell genug. Sie stolperte durch ihn hindurch, während die Asche einen schwarzen Film auf ihrem Gesicht hinterließ und die verdorbene Luft in Mund und Rachen brannte. Er ging einfach durch sie hindurch und warf ihnen mitleidigen Blick über die Schulter zu ihr zurück. Sie drückte sich durch, rannte ihm nach und erreichte ihn erst, als er wieder zu zerfasern begann.

Tränen rannen über ihre Wangen, während das dritte Abbild zu Asche zerfiel. Weitere kamen ihr entgehen, jedes einzelne trug sein Gesicht, ein perfektes und doch nicht reales Abbild.

Anklagend hob sie den Blick zum Himmel und wimmerte: "Karl, du bist zurück. Lass' das. Es muss aufhören ..."
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