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Autor Thema: Safety Tools - Eine Anleitung für Einsteiger  (Gelesen 4321 mal)

Salandrion

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  • 24. November 2021, 18:11:18
Re: Safety Tools - Eine Anleitung für Einsteiger
« Antwort #15 am: 24. November 2021, 18:11:18 »

Für mich ist es oft so:
Manche Szenen sind irgendwie komisch, aber ich kann nicht wirklich greifen was das Problem ist. (Zumindest in dem Moment)
Ich fühle mich unwohl und merke kaum, wie ich mit den Gedanken abdrifte, im nachhinein in der Reflektion vermutlich ein Schutzinstinkt vor bestimmten Themen.

Mich in dem Fall zu artikulieren, die Spielebene zu durchbrechen, das Spiel zu unterbrechen und in den Raum zu sprechen, fällt selbst mir "Rampensau" ziemlich schwer. Insbesondere, wenn ich garnicht so 100%ig genau weiß, was es jetzt ist.
Eine X-Karte auf den Tisch zu werfen oder einen Knopf im Roll20 zu drücken um klar zu machen: HEY, gerade stimmt was nicht und ich will hier gerade so nicht mehr sein fällt da viel leichter.

Am Spieltisch würden die MitspielerInnen vielleicht bemerken, das was nicht stimmt. Zumindest, wenn man sich gut kennt und es "schon krass" ist, aber auch da gibt es Menschen, die sehr gut gelernt haben, sowas zu verstecken.
Online fehlt die Gestik & Mimik, der Fokus liegt in meiner Erfahrung viel mehr auf dem Spiel und "Im Spiel". Das hat viele Vorteile, aber eben auch Nachteile. (Ich hab zb. online mehr Bleed als offline am Tisch)

Tools helfen dabei, auch um überhaupt klar zu haben: ICH DARF DAS.
Viele Rollenspieler haben in meiner Wahrnehmung ähnlich Erfahrungen mit Speziellen Themen, seien es nun Folterszenen, Spinnen, Seekrankheit oder Sexualität, aber "beißen sich durch".
Auch weil es ihnen peinlich ist oder das "männliche" - "Mann kennt keine Gefühle" und schon garnicht welche, die mich beeinflussen. Oder, weil sie nicht ihre tiefsten Ängste teilen wollen. Verständlich!

Die Tools machen das Thema auf, machen klar: es gibt Themen, die wir unterschiedlich sehen und mit den wir vorsichtiger sind oder sie aus unserem Spiel rauslassen.
Und sie zeigen uns auch auf, woran wir viel Spaß haben und wo wir öfter mal den Fokus drauf legen wollen!

Klar ersetzt das nicht die Kommunikation, aber es macht es einfacher, überhaupt darüber zu reden und selbst wenn die Worte fehlen, es ansatzweise auszudrücken und anzusprechen.
Und es bietet einfach Sicherheit. Selbst wenn man es niemals braucht, ich fühle mich mit den Tools viel wohler und sicherer.

Persöhnliche Erfahrungen:
Ich hab mich in diesem Jahr viel mit dem Thema beschäftigen müssen, sowohl als Spieler und auch als Spielleiter. Kommunikation ist schön, aber mir haben Worte und Tools gefehlt. Jetzt geht es besser.

Meine persönlichen NoGos sind Gewalt gegen Kinder und sexuelle Gewalt. Doch auch wenn ich das so klar sage, ist es nicht immer klar, was damit gemeint ist.
Ist die Hintergrundgeschichte, in ich meinen Vater nicht kenne und meine Mutter nie über ihn redet, sondern meistens traurig oder wütend wird, schon zuviel? (für mich oft ja.)
Ist der Witz, "ich mag ja Kinder, besonders mit Ketchup" zuviel? Ja.

Aber so versteht es nicht jede MitspielerIn. Einmal ansprechen ist nach zwei Monaten wieder vergessen. Und die Themen kommen in meinen Runden auch nicht oft auf. Da hilft die X-Card oder ein ähnliches Zeichen.
Auch wird dann hoffentlich nicht dikutiert, sondern ehrlich "Sorry" gesagt. Dann kann es auch ohne mieses gefühl im Bauch weiter gehen. Sonst war es das für mich für den Spielabend.
So bin ich beispielsweise für den Rest eines Abenteuers pausieren gegangen, weil ich wusste: In der Story geht es ganz am Rande um einen Adeligen, der "junge Frauen in sein Zimmer bringen lässt".
Nein will ich nicht. Dann bin ich raus. Auch wenn es überhaupt nicht Thema wird, es beeinflusst mich und zerstört mir den Spielspaß. Nach zwei Spielabenden bin ich dann für das nächste Abenteuer wieder eingestriegen.

Auch kann eine SpielleiterIn auf mich zukommen und sagen: Hey, heute geht es vielleicht etwas in die Richtung, ist das für dich heute okay? Die SL weiß darum Bescheid und wird es vorsichtig zu machen.
Und ich kann meine heutige Energie und mein Empfinden checken und mich darauf vorbereiten.
So ist zb. in einer Szene vom Bösewicht ein "Kuss gestohlen worden", durchaus mit Gewalt, Macht und der klaren Komponente von Belästigung. Doch ich wusste, die SpielleiterIn ist damit "aware" und vorsichtig, so war kein Problem für mich. Coole Szene! Ich hab mich sicher gefühlt.


Vielleicht wird es jetzt klarer für dich?  :thumbsup:
« Letzte Änderung: 25. November 2021, 18:40:02 von Salandrion »
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Jan Jansen

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  • 25. November 2021, 12:38:10
Re: Safety Tools - Eine Anleitung für Einsteiger
« Antwort #16 am: 25. November 2021, 12:38:10 »

Besten Dank für eine sehr einblickreiche Antwort! @Salandrion   :)
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