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Autor Thema: [SR6] Fremde Welten  (Gelesen 1117 mal)

Avalia

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  • 02. September 2020, 21:48:05
[SR6] Fremde Welten
« am: 02. September 2020, 21:48:05 »

Die Schritte der beiden Menschen hallten auf dem Marmorfußboden.

"Folgen Sie mir.", meinte der Ältere zum Jüngeren.

Die beiden betraten einen vollverglasten Wintergarten, der sich dem Stadtbild des erneuerten Monacos öffnete.
Seit den Erdbeben in den 2040ern hatte sich einiges getan. Die Stadt war auf den Ruinen der Vergangenheit aufgebaut worden.

Der junge, blonde Mann starrte nachdenklich. Die Führungen der letzten Tage hatten ihm gezeigt, welche Wahrheit sich dort unten verbarg. Das würde nur eines seiner Probleme sein.

Leviathan verwalten.
Mit den Reichen der Stadt jonglieren.
Die öffentliche Ordnung wieder einsetzen.


Der Ältere schob ihm in der AR einen symbolischen Schlüssel zu und verließ langsam den Raum. Schon bald war er nicht mehr zu hören.

Diese Stadt würde die Vergangenheit hinter sich lassen.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Spielsystem: Shadowrun 6
Technik: Teamspeak der Drachenzwinge, Roll20, Kanka, Genesis
Spieltermin: Mittwoch, wenigstens zweimal im Monat, 19:00 - 23:30
Ingame-Datum: Januar 2082

Charaktere
Karl Magnússon (fUHUx) - Ex-Marine Maersk Inc.
Amélie Martinez (Dshiny) - Gescheiterte Eiskunstläuferin
Melody Palmer (Illirith) - Partyhexe
Logan Davis (Valpo) - Ex-Knacki und Vampirjäger

bisherige Spieltermine:
Präludien
16.09.2020 - Präludium Melody
30.09.2020 - Präludium Logan
07.10.2020 - Präludium Amélie
14.10.2020 - Präludium Karl
[close]
Kapitel 1: Lose Enden
21.10.2020 - 1. Spieltermin
04.11.2020 - 2. Spieltermin
11.11.2020 - 3. Spieltermin
18.11.2020 - 4. Spieltermin
02.12.2020 - 5. Spieltermin
23.12.2020 - 6. Spieltermin
30.12.2020 - 7. Spieltermin
06.01.2021 - 8. Spieltermin
[close]
13.01.2021 - 9. Spieltermin
« Letzte Änderung: 13. Januar 2021, 12:14:53 von Avalia »
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  • 16. September 2020, 16:40:52
Auftakt zum Präludium: Tempest
« Antwort #1 am: 16. September 2020, 16:40:52 »

Stimmung

Ein klirrendes, metallisches Geräusch riss Yuri aus seinen Gedanken. F-43-N stand offen vor ihnen. Die Stimme im Funkgerät klang weit entfernt. Monate der Vorbereitung lagen hinter ihm, Einsätze auf drei verschiedenen Kontinenten und alles hatte auf den heutigen Tag hingearbeitet. Es lief gut. Es lief überraschend gut. Ein kaum hörbares, platschendes Geräusch ließ ihn innehalten. Er sah auf den rechten Ärmel seines Mantels und schaute verständnislos auf den dickflüssigen Tropfen, der auf der Innenseite der Armbeuge herunterlief. Blut? Ein kurzer Griff ins Gesicht, ein metallisch schimmernder Klumpen löste sich und fiel in seiner Wahrnehmung beinahe qualvoll laut zu Boden.

Er musste sich konzentrieren. Es hing von ihnen allen ab. Die Männerstimme im Funkgerät forderte erneut Handlungen seinerseits ab und er setzte sich in Bewegung. Während die Vierergruppe den Eingang von F-43-N sicherte, klang die Stimme seiner Schwester im Hinterkopf. Ihr Lieblingsgedicht, dass sie gebetsmühlenartig jeden Tag vor und nach dem Training wiederholt hatte.

She stands with royalty,
Yet, she rises as a warrior,
Spreading her wings within a breath,
Heaven's twilight with scarlet raining down.


Ihr Angriff hier unten hatte dank der Vorbereitungen keinen Alarm ausgelöst. Niemand bekam hier zufällig etwas mit. Sie hatten den ersten Puffer hinter sich gelassen. Zwei Wachmänner hatten sich hinter Sicherheitsglas versteckt und schienen immer noch verzweifelt Kontakt zu einem der Hauptknoten aufnehmen zu wollen - sie würden niemanden erreichen. Der bullige Osteuropäer hatte unterdessen eine pneumatische Ramme vor der Zugangstür zum zweiten Puffer-Perimeter installiert und das regelmäßige Wummern donnerte wie ein zweiter, verstörend ruhiger Herzschlag durch die hohen Tunnel. Er sah ihr Gesicht vor sich, wie sie sich in einer Umarmung von ihm verabschiedete, dieselben Worte wie jeden Morgen auf den Lippen.

To defend her kingdom, her nation,
She must stand against the confrontation,
Sounds of steel creating music in the wind,
incorruptible soul against unconquerable sin.


Als er vor der letzten Tür ankam, hatte der kräftige Deutsche bereits die unscheinbaren Verbindungstunnel zur rechten und linken Seite aufgebrochen und starrte fokussiert ins Leere. Zwei Drohnen schossen durch das Labyrinth an Gängen und transportierten die leitfähigen Elemente an Ort und Stelle, die in wenigen Augenblicken öffnen würde. Er konnte den Gedanken nicht beenden: Die Tür vor ihm öffnete sich und sie traten ein. Korrekter: Er trat ein. Nach kurzem Flackern erhellte hellgrüne Notbeleuchtung den Raum, er jedoch hatte nur Augen für die zwölf Kapseln. Ein paar Augenblicke später steuerte er zielgerichtet auf F-43-N-08 zu. Unwillkürlich begannen seine Hände zu zittern. Er konnte es nicht glauben: Nach vier Jahren der Ungewissheit würden sie endlich wieder vereint sein.

She bows to no such majesty,
No lord, no king, no deity,
To protect Earth's radiant pearl,
As she will overcome the world.


Verwirrtes Blinzeln war die erste Reaktion auf die grüne Signalleuchte an der Kapsel. Sie war entsichert, also entweder leer oder die Person darin befand sich derzeit nicht in Leviathan. Noch bevor er den übergroßen Plastiksarg öffnete, ließ ihn irgendetwas am Rande des Wahrnehmbaren bereits schaudern. Geräuschvoll zog sich der Zentralteil der Abdeckung in die dahinter liegende Wand zurück, während die geschwungenen Seiten sich in die Verschalung schoben. Die Person vor ihm war seine Schwester, doch ... sie atmete nicht? "Suba? Kleine Suba ... wach auf! Während die letzten Reste seines klaren Verstandes noch prüften, ob sie wirklich offline war, zogen seine bebenden Hände die Pistole an seinem Gürtel.

Ein Schuss in die Versorgungseinheit ihrer Kapsel. Ein Schuss auf den Stromkasten nahe des Einganges. Ein Schuss ... noch einer ... und noch einer ...
« Letzte Änderung: 01. Oktober 2020, 23:07:56 von Avalia »
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  • 01. Oktober 2020, 23:09:07
Auftakt zum Präludium: Logan
« Antwort #2 am: 01. Oktober 2020, 23:09:07 »

Stimmung

Alejandra Vascez öffnete zwei weitere AR-Fenster und füllte sie mit einer Handgeste mit Inhalten. Verfluchtes Leviathan. Es war nicht ärgerlich genug, dass die Petrois mehr und mehr Kontrolle über das Projekt bekamen. Nein, dieser Emporkömmling Kamil hatte sich in die Stadtleitung geschlichen und würde einige wichtige Projekte für Monate, wenn nicht gar Jahre blockieren. Also wieder der schmutzige Weg.

»Dima, Status?«, sprach sie in den Raum hinein. "Alle Systeme sind online und funktionieren im Rahmen der akzeptablen Parameter und Latenzen.", antwortete die Projektion der Blauhaarigen.

Die Frau nickte und ihr Blick huschte von einem AR-Bildschirm zum nächsten. Schließlich fand sie, wonach sie suchte. Den richtigen Spielstein.

»Dima, Status der Kapsel B-3-L.«, forderte sie nach wenigen Sekunden der Überlegung. "Die Kapsel von Ta...", begann sie, wurde aber von einem Zischen der Trollin unterbrochen. »Keine Namen, Dima.« Das Hologramm straffte sich ein wenig und nickte dann. "Kapsel B-3-L ist derzeit ... Fehler.", etwas unsicher hob die Projektion den Kopf und begann rasch zu blinzeln. "Kapsel B-3-L ist ... offline. Zustand der Insassin: unbekannt. Zustand der Kapsel: geöffnet."

Zwei Handgesten später rief sie jemanden an. Als die Verbindung hallte ihr Brüllen in dem geräumigen Arbeitszimmer wieder: »Holt mir die Göre! Keine Ausreden, keine Widerworte! Du hast vier Stunden Zeit und weißt, was sonst passiert.«
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  • 07. Oktober 2020, 01:33:04
Auftakt zum Präludium: Amélie
« Antwort #3 am: 07. Oktober 2020, 01:33:04 »

Stimmung

Müde betrachtete Palani die Nachricht seiner Eltern. Sie waren nicht einverstanden mit den Ausgaben. Sie waren nicht einverstanden damit, dass er sich seit Monaten ausschwieg, was seine vorgeschlagenen Verlobten anging. Sie waren mit der gesamten Welt nicht einverstanden und manchmal verstand er es.

Doch hier und jetzt gab es etwas, dass er nicht nur tun konnte, sondern auch tun wollte. Wenn sie es schaffte und seine Eltern ihn dazu getrieben hatten, konnten sie danach unmöglich Einwände haben, nicht wahr?

"Dima, setz' eine Testumgebung auf.", meinte er leicht geistesabwesend. Er verstand nicht, was all' die seltsamen Worte bedeuteten, die dort standen, weshalb er die weitere Einrichtung an Mitarbeiterin von Daming Solutions übergab. Eine Tonfolge bestätigte, dass Dima die Aufgabe abgeschlossen hatte und diese Instanz nicht mehr anwesend war.

Gleich morgen früh würde er sie anrufen. Darauf freute er sich bereits.
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  • 18. Oktober 2020, 18:02:35
Auftakt zum Präludium: Karl
« Antwort #4 am: 18. Oktober 2020, 18:02:35 »

Stimmung

Von einem Felsen aus sah Sari auf die Masse an Metamenschen unter ihr. Knapp vierzig Personen lagen wie schlafend auf dem Boden. Keine Kugel war verschossen worden, kein Blut geflossen, so mochte sie ihre Arbeit. Zufrieden wischte sie mit dem Rücken ihrer Hand über die Nasenspitze und schaute die Menschenmenge noch einmal misstrauisch an, ehe sie sich mit raschen Sprüngen den Abhang herunterbewegte.

Keine Stunde später hatte sie alle Anwesenden verschnürt und brummte angesichts der aufkommenden Bezahlung wohlig. Jetzt musste sie nur noch Transportmittel beschaffen.

Etwa vier Monate später

Nach dem Festsetzen dieser Leute hatte es Ärger gegeben. Nicht vom Großen. Der Große war verschwunden. Den Ärger hatte es von jenen gegeben, die dem Großen gefolgt waren. Beim Gedanken an diese Leute schüttelte sie sich und wandte den Blick zurück zum Krankenzelt am Berg. Irgendetwas war geschehen. Die Ärzte waren aufgekratzt und ständig lief irgendwer zu dem Versorgungswagen, der im Hintergrund stand. Abgesehen von einem Namen war allerdings bisher nicht viel an ihre Ohren gedrungen: "Karl ..."

Dieser Karl war sicher ein interessantes Spielzeug.
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  • 18. Oktober 2020, 18:07:02
Ausklang der Präludien
« Antwort #5 am: 18. Oktober 2020, 18:07:02 »

Stimmung

Rotwein sog sich in dünnen Schlieren durch das schneeweiße Tischtuch. Kamil war es gleich. Er betrachtete die Datenströme, zog sich Details heran, verband sie zu neuen Konstrukten. Ein livrierter Diener hatte die Reste des Weinglases beinahe lautlos entfernt und ohne ihn saßen nur noch er und seine Assistentin Celestine am Tisch.

Ebendiese erhob das Wort und sah den älteren Elfen etwas unsicher an. Sein Wutanfall schien vorüber, doch sie kannte ihn noch nicht so gut. "Monsieur Petroi, erklären sie mir bitte, welchen Zweck diese Operation hatte. Ich verstehe, warum die Elfe nach Harquin suchen musste, doch das Zulassen des Ausbruchs ..."

Kamil schnaubte einmal und sah dann zu seiner Assistentin auf: "Es ist denkbar einfach. Wir sperren sie ein, wir versorgen sie mit Atemluft und Nährstoffen und im Gegenzug bereichern die Gefangenen uns. Das Komitee erwartet von mir allerdings, dass ich die Situation wirtschaftlicher gestalte. Und ich habe eine Idee. Celestine, Liebes, es ist eigentlich ganz einfach: Wenn sie keine Luft mehr zum Atmen haben, sterben sie. Wenn sie keine Nährstoffe mehr haben, sterben sie. Wenn sie jemals wieder freikommen, haben sie keinen Wert für uns. Doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass es durchaus möglich ist, einen metamenschlichen Körper und seinen Geist zu trennen. Ein Gefangener, der über keinen Körper mehr verfügt, verursacht uns keine Kosten. Ein Gefangener, der über keinen Körper mehr verfügt, kann nicht mehr in die Außenwelt zurückkehren. Er kann arbeiten oder aufhören zu existieren. Das ist die Zielstellung unserer Familie und wir haben sieben Jahre Zeit.

Celestine nickte unsicher und musterte ihren Vorgesetzten. Sie verstand immer noch nicht mehr, doch nach dieser - für seine Verhältnisse - langen Erklärung würde weiteres Nachfragen höchstens einen weiteren Wutanfall zur Folge haben.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Stimmung

Eine Transaktion erregte Kamils Aufmerksamkeit. Sicher, 50.000 Nuyen waren nicht viel und es gab allein in den letzten zwei Tagen mehrere Dutzend Buchungen mit deutlich höheren Beträgen. Doch dieser Buchung interessierte ihn. Er hatte vor Jahren einmal festgelegt, dass jedes Familienmitglied in einer leicht anderen Farbe dargestellt wurde. Seine Nichte hatte Geld überwiesen?

Ihn störte nicht, dass sie das Geld genommen hatte. Von diesem Gemeinschaftskonto gingen regelmäßig Buchungen aller volljährigen Familienmitglieder ab und wurden dann auf die persönlichen Konten verteilt. Aber Tanya galt seit vier Jahren als verschwunden. Die Buchung ging in die Gemeinschaft von Turkestan. Seltsam.

"Celestine, organisiere ein Außenteam. Sie sollen nach Turkestan aufbrechen. Die genaue Adresse erhältst und Ansprechpartner vor Ort organisierst du."

Sollte Tanya tatsächlich am Leben sein, würde sich einiges ändern.

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Stimmung

Ein weiterer erschöpfter, beinahe gequälter Blick nach draußen. Palani drehte sich von der Glasfront weg und ließ den Blick durch das Büro seines Vaters schweifen. Er wartete mittlerweile seit über einer Stunde hier und abgesehen von dessen Sekretärin, die zweimal hereingekommen war, um ihn nach seinen Wünschen zu fragen, war niemand aufgetaucht.

Er griff nach einem herumliegenden Controller, stellte die Anlage an und nickte beiläufig im Takt der Musik, während er seine Nachrichten prüfte. Quartalsberichte, Projektfortschritte, Einladungen zu den Veranstaltungen der besseren Gesellschaft - all' diese Dinge interessierten den jungen Mann nicht wirklich. Schließlich: der regelmäßige medizinische Bericht über den Verbleib von Amélie. Seit den Vorfällen im Riviera Marriott, die zu ihrer Inhaftierung geführt hatten, hatte er umso mehr ein Auge auf seine Liebste. Er hatte sie nach ihrem Auswurf in der Klinik besucht und sie im Schlaf beobachtet. Die Nachricht, dass sie in die Suchtbehandlung musste, hatte ihn verstört. Es bedeutete, dass sie noch Monate in Rehablitation vor sich hatte. Alles seine Schuld.

Was er las, ließ ihn in seiner Bewegung erstarren. Das teure Markenkommlink fiel auf den Tisch. Verständnislos blickte er auf die Worte des vorletzten Satzes, ehe sich die Mundwinkel hoben.

Seine Amélie würde freikommen. Und um den Rest kümmerte er sich.

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Stimmung

Müde hob Sari den Blick. Sie hatte die Stadt im Blick. Die Stadt inmitten des Rauchs. Eine einzelne Gestalt löste aus der Schwärze. Er kam zurück. Es war soweit. Unwillkürlich hoben sich ihre Mundwinkel und sie stürzte ihm entgegen. Sie würde ihn in der Mitte der Schlucht erreichen, würde seine Wärme spüren und es würde sie in ihrem Willen bestärken, das hier weiter zu machen. Es geschah unregelmäßig, doch nach all' der Zeit, die sie gemeinsam verbracht hatten, konnte sie es nicht ignorieren.

Schließ erreichte sie ihn, schloss die Arme um die muskulösen Schultern des Skandinaviers und lehnte sich gegen seine Brust, ehe sie hinauf in seine Augen sah. Der dünne schwarze Nebel in seinen Augen jagte ihr jedes Mal eine Gänsehaut über Arme und Rücken, doch sie hatte sich an den Anblick gewöhnt. Der Mann hob die Mundwinkel zu einem wiedererkennenden Lächeln, legte die Arme um sie und drehte sie, als wöge die Frau nicht mehr als ein Blatt im Wind, um sich herum. Während ihrer Umarmung ging er ein paar Schritte weiter und begann zu schwarzem Rauch zu zerfasern.
Sie nickte nur resigniert und bereitete sich darauf vor sich abzufangen. Augenblicke später fiel sie den halben Meter, ein gewohntes Schauspiel. Der umarmte Mann löste sich unterdessen mehr und mehr auf. Der Rauch strömte in der Schlucht zurück gen der dunklen Stadt. Doch etwas anderes ließ sie stutzen. Dort kamen noch mehr Schattenbilder.

Den Tränen nahe beobachtete sie zwei weitere der schattenhaften Abbilder und stürzte auf den nächsten von ihnen zu. Wo sie ihn erreichte, war er noch nicht materiell genug. Sie stolperte durch ihn hindurch, während die Asche einen schwarzen Film auf ihrem Gesicht hinterließ und die verdorbene Luft in Mund und Rachen brannte. Er ging einfach durch sie hindurch und warf ihnen mitleidigen Blick über die Schulter zu ihr zurück. Sie drückte sich durch, rannte ihm nach und erreichte ihn erst, als er wieder zu zerfasern begann.

Tränen rannen über ihre Wangen, während das dritte Abbild zu Asche zerfiel. Weitere kamen ihr entgehen, jedes einzelne trug sein Gesicht, ein perfektes und doch nicht reales Abbild.

Anklagend hob sie den Blick zum Himmel und wimmerte: "Karl, du bist zurück. Lass' das. Es muss aufhören ..."
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  • 01. November 2020, 14:25:28
Kapitel 1: Lose Enden
« Antwort #6 am: 01. November 2020, 14:25:28 »

Stimmung

Ein kurzes Piepen. Yuri nickte in Richtung des AR-Fensters, das ihn darauf hinwies, dass er noch 17 Minuten bis zum Treffen hatte. Hier im nördlichen Teil von Grenoble war in den Morgenstunden dieses Oktobertages beinahe nichts los. Er hörte die Autobahn in der Ferne und selten das Wummern eines LKWs, wenn er über die Dehnungsnaht der nahe gelegenen Brücke fuhr. Er hatte keine Streifen oder Drohnen irgendeines Sicherheitsdienstleisters entdecken können, was die von Bekannten festgehaltene Sicherheitsklassifikation 'C' bestätigte.

Ein weiteres Mal piepte sein Kommlink für die minütliche Erinnerung. Nach der Entführung und dieser Elfe in der Kapsel hatten die Spuren zum Dunstkreis eines gewissen Kamil Petroi geführt. Petroi war kein Unbekannter und hatte den größeren Teil der Operation über Marseille abgewickelt. Eine Ausländerin eingeladen, die vor Ort die Drecksarbeit erledigte, während er seine kleine Schwester an irgendeine Chinesin weiterverkaufte.

Ein weiteres Piepen. Es war soweit. Zur üblichen Zeit begab er sich in die Lagerhalle eines Möbelhauses. Der Blick schweifte aufmerksam durch die Dunkelheit und suchte reflektierende Augen oder das sanfte Schimmern von Drähten. Er vertraute seinen Kontakten, er ging nicht davon aus, aber sie waren mitunter nicht die Einzigen, die seinen Bewegungen folgen konnten. Die Kisten hier waren in bis zur Decke reichenden Regalen gestapelt und die Spuren am Boden verrieten, dass hier regelmäßig eine Hubdrohne unterwegs war. Er sah sich im aktuellen Gang und durch die zahlreichen Lücken auch in den benachbarten Gängen um. Endlich sah er etwas: Eine sitzende Gestalt mit dem Rücken an eines der Regale gelehnt, eine schwach schimmernde tiefrote Lache unter ihr.
Reflexartig zog er eine Taschenlampe hervor und beleuchtete die Gestalt. Ein hauchfeines Geräusch irgendwo zwischen Sirren und Ticken verriet, dass die Photoplatten, die dieser Mannequin anstelle von Augen hatte, einen Mechanik ausgelöst hatten. Entfernt hörte er etwas: Ein langgezogenes Zischen und Pfeifen. Instinktiv warf er sich in den schmalen Spalt zwischen zwei Regalen, als eine Druckwelle, kurz gefolgt von ohrenbetäubendem Dröhnen, seine Welt in einen Dunst aus Staub, Holz und Holzsplittern tauchte.

Mit dem verzweifelten Versuch dieser Situationen einen Sinn zu geben beschäftigt, nahte ein weiteres - nein, zwei weitere dieser Pfeiltöne und schlugen in die Lagerhalle ein.

Zurück blieben nur Trümmer.
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  • 15. November 2020, 22:03:49
Kapitel 1: Lose Enden
« Antwort #7 am: 15. November 2020, 22:03:49 »

Stimmung

Unbehaglich drehte sich Iris in ihrem Bett herum und zog die Decke über den Kopf. Ein neuer Morgen. Schlaftrunken drehte sie die Beine aus dem Bett und sah zum Fenster. Es regnete Asche und düstere Wolken verhüllten hier unten den Blick in die Ferne. Beiläufig nahm sie das Glas Wasser auf ihrem Nachttisch mit zum Fenster und sah nach unten auf den Dunst, der die große Stadt verbarg. Grau in schwarz, schade. Der trübweiße Morgennebel konnte an guten Tagen ein wenig farbliche Abwechslung bringen. Aber nicht heute. Vermutlich war es später Vormittag oder gar bereits Mittagszeit.

Sie schlüpfte in ihr Lieblingskleid aus grüner Seide und strich mit einem Anflug von Genuss über den fließenden Stoff, ehe sie ihren Raum verließ. Außerhalb gab es nur die Wendeltreppe des Turmes. Sehnsüchtig betrachtete sie die nach unten führenden Stufen. Ein paar Ebenen weiter unten musste ein Fenster sein, denn sie hörte Geschrei von unten aus der Stadt. Alle hundert Jahre versuchte sie wieder einmal nach unten zu gelangen, doch alle bisherigen Versuche hatten lediglich zu einem leidigen Gefühl von Hunger gefühlt, während sie Ebene um Ebene herabstieg, ohne dass der Abstieg in die Tiefe voranging. Heute war kein Tag, an dem sie den Versuch wiederholen würde.

Widerwillig stieg sie die Treppenstufen hinauf und sah in den nächsten Raum. Wie jeden Tag stand auf dem Tisch eine Schale mit Äpfeln und allerlei andere Dinge zum Frühstück. Lustlos schmierte sie ein Brot und sah trotzig zu den Äpfeln. Ein Scherz auf ihre Kosten. Also das übliche Spiel. Zwei Äpfel in die rechte Hand, ein dritter in die linke Hand und sie warf ihn mit Schwung aus dem Fenster ihres Speisezimmers und folgte seiner Flugbahn verträumt. Der zweite flog sogar noch ein Stück weiter, ehe er im Dunst nach der Stadt nach unten verschwand. Mit einer Spur von Fröhlichkeit wechselte auch der letzte Apfel in ihre Linke und sie holte Schwung. Schmerzen durchzuckten ihre Hand, als der Apfel aus ihrer Hand auf das Fensterbrett und dann nach unten abtropfte, während ihre Finger gegen die unsichtbare Barriere im Fensterrahmen geschlagen waren. Mit gequältem Gesichtsausdruck schüttelte sie die Hand einige Male aus und holte etwas Eis, um sie zu kühlen.

Der Aufstieg ging weiter. Zwei weitere Umrundungen des Turms später - heute war kein Putztag - erreichte sie das, was in ihrem Kopf als Arbeitszimmer benannt war. Der Raum hatte einen Durchmesser von etwa fünf Metern und in seiner Mitte war ein vielleicht metriges Podest mit einem Schaukelstuhl und einem Beistelltisch, die geradewegs auf das fehlende Viertel des Turmes ausgerichtet waren. Der Wind heulte an den Randsteinen entlang und Gewebe flatterte und knallte unregelmäßig über ihr. Sie hasste diese Geräusche: Solange sie nicht am Arbeiten war, konnte sie das Gewebe nicht sehen, weshalb es ihr regelmäßig einen Schrecken einjagte. Unwirsch ließ sie in den Schaukelstuhl fallen und blickte über die Wolken hinweg in die Ferne.

Der Horizont war in endlose Schwärze gehüllt, die anders war als hier in ihrer Heimat, in Dis. Sie hatten ihr erklärt, dass dieser Ort nicht stabil war. Diese Stadt, der Knotenpunkt so vieler Welten, zerfiel seit Anbeginn der Ewigkeit. Und wenn sie nicht Teil dieses Zerfalls werden wollte, musste sie etwas dagegen tun. Mit Unmut zog sie die schweren Metallhandschuhe über die Hände und setzte den Helm mit den schillernden Augenlinsen auf.

Willkommen, Weberin.
Arachnae-Protokoll initialisiert.
Leite Chronos-Normalisierung ein.
Moira-Module werden geladen ... ... ... ... ... ... ... abgeschlossen.


Für einen Augenblick hatte sie das Gefühl nach vorn geworfen zu werden, ehe lediglich die Übelkeit zurückblieb. Langsam blinzelnd öffnete sie die Augen und besah ihr verändertes Blickfeld: Der Turm und der Dunst der Stadt unter ihr waren verschwunden, die mit riesigen Ringen versehenen Haken an den Rändern der Öffnung führten nun ein Gewebe von einer Seite ihres Sichtfeldes zur anderen. Der Stoff hätte entfaltet und entknäult sicher eine Gesamtbreite von zwei Metern gehabt, doch der böige Wind und der Durchmesser der Ringe ließen ihr immer ein verdrilltes, mehrlagiges Stück zurück. Dann wurde ihre Sicht schärfer und erreichte das gewohnte Maß. Selbst aus mehreren Metern Entfernung konnte sie mühelos jeden einzelnen Faden erkennen und mit Fingergesten ergreifen. Die stetige, aber schleichend langsame Bewegung machte ihr dabei nichts aus, sie hatte irgendwann einmal, am Anfang, gestört.

Vorsichtig entfaltete sie das Gewebe und betrachtete das Teilstück in seiner Gesamtheit: Der scheinbar gleichmäßige Stoff gliederte sich in zahllose Knäuel und Bündel und hinterließ dabei winzige Löcher. Viele Fäden waren im Wesentlichen grau, zeigten nur hier und da die schwache Nuance einer Farbe, doch das spielte keine Rolle. Die Schicksale dieser Wesen spielten im Allgemeinen keine Rolle und daran würde sie nur in den seltensten Fällen etwas ändern. Ihre Neugier weckte etwas anderes. Zwei kupferne und zwei stählerne Fäden lösten sich aus der größten Fädensammlung, die in ihrer Zylinderform vermutlich selbst für das menschliche Auge mühelos sichtbar gewesen wäre. Alle vier entfernten sich ein kaum merkliches Stück von ihrem neuen Ursprung und bewegten sich dann parallel weiter. Iris' Blick folgte ihrem Pfad und sie erschrak.

Die Anforderung war eindeutig gewesen. Das durfte nicht geschehen. Nicht jetzt, am besten niemals.

Nachdenklich strichen die klauenartigen Glieder ihrer schwarzen Metallhandschuhe über die umgebenden Fäden. Einer nach dem anderen offenbarte einen kurzen Eindruck des Metamenschen, den er darstellte. Mehrere Male schweifte sie ab, folgte dem Faden Jahre oder Jahrzehnte und schüttelte dann den Kopf. Schließlich fand sie jemanden. Ein kurzes Zupfen am Faden riss ihn an der richtigen Stelle, ehe sie ihn um den problematischen schwarzen Faden legte und das Ende um die vier metallnen Fäden knotete.
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  • 02. Dezember 2020, 02:53:14
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« Antwort #8 am: 02. Dezember 2020, 02:53:14 »

Stimmung

Immer noch leicht außer Atem ließ Dr. Grubbs sich in seinen Bürostuhl fallen und den Blick durch die Werkhalle unter sich fallen. Drohnenarme griffen die Kadaver von den Fertigungsstraßen, drehten sie in die richtige Position, während ihre Gegenspieler sie in Teilstücke zersägten und wieder ablegten. Die Begegnung in der Kirche war ernsthaft knapp gewesen. Die Operationen durften nicht mit der Universität in Verbindung gebracht werden. Aber zukünftig würden mehr Vorkehrungen getroffen werden müssen. Blieb nur noch die Frage, was aus der Komori und ihrem Schatz geworden war.
Ungeduldig tippte er mit den Fingern auf seinem Datenpad herum und wartete. Nach zwei Minuten wandte er sich dem Fortschritt anderer Projekte zu: Die Ernte weiterer Schätze stand in näherer Zukunft nicht an, weshalb er - verdammt, warum rief Florin nicht an? Klare Gedanken würde er ohnehin nicht fassen. Normalerweise vermied er es, wo er konnte, doch die Ungeduld raubte ihm den Nerv. Er wählte Florins Nummer und wartete.

Viermal, fünfmal piepte es, dann hörte er die gehetzte Stimme Florins. Eine männliche Stimme prostete im Hintergrund einer anderen zu und ein paar Sekunden später schloss sich eine Tür in seiner Nähe, ehe sein Bildschirm nun auch Videodaten empfing. "Status?", knurrte er kurz angebunden und das Zucken in Florins Gesicht bestätigte ihm den richtigen Ton getroffen zu haben. Der vermied einen direkten Blick in die Kamera und sah zu Boden. "Boss, wir haben ein Problem. Die Leute, die uns in Eglise aufgespürt haben.", fing er unsicher an zu stammeln, "Diese Leute haben die Operation beendet. Ich schicke ihnen die Aufnahmen. Beim kurzen Drüberhören habe ich die Namen Amélie, Melody und Karl aufschnappen können. Den Ork müssen wir noch identifizieren. Dazu ein Besuch bei einer Verwandten. Wegen der Zusammenfassung melde ich mich auch erst jetzt. Ich war noch einmal in der Kirche und der Priester ..." Statt weiterer Worte zieht er die Kapuze zurück und auf der ganzen Haut sind rote Flächen zu sehen. "Weihwasser, am Arsch ... alchemistische Kampfmittel, wenn sie meine Meinung hören wollen, Boss. Eglise ist auf jeden Fall verbrannt nach dem heutigen Tag."

Einen Augenblick starrte er stumm auf den Monitor und nickte wiederholt langsam. "Welche Ausprägung hat sie?", fragte er schließlich ruhig und schloss an in Erwartung des Schlimmsten die Augen. "Keine bisher, Boss. Die Ärztin war vermutlich eine Normale und zwei von ihnen verzogen mächtig das Gesicht, als sie das Ding länger betrachteten. Diese Melody und der Ork sind wohl Erwachte. Aber keiner von beiden hat eine Ahnung, was das ist." Sekundenlang starrte er einfach nur auf dem Bildschirm, dann nickte er und stieß einen kaum wahrnehmbaren Seufzer der Erleichterung aus. "Dann hetz' ihnen die Hündin auf den Leib."

Die Gesichtsfarbe des anderen wurde langsam blasser.

Er trennte die Verbindung.

Menschen waren so erbärmlich.
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  • 23. Dezember 2020, 03:08:22
Intro Kapitel 2: Im Disseits
« Antwort #9 am: 23. Dezember 2020, 03:08:22 »

Stimmung

Erschöpfung ließ Bodvica auf dem Dach eines Müllcontainers zusammensinken. Sie betrachtete die Unruhe auf der Straße, die heranrasenden Wagen mit grellblauem Licht und verstand nicht viel. Es war nicht ihre Zeit, schon lange nicht mehr. Aber war es noch ihre Welt? Konnte diese Welt eine Zuflucht für sie werden? Sie wollte nicht zurück ins Disseits. In einer fließenden Bewegung sprang sie herunter, ging die wenigen Meter zur Straße und sah zur Tür. Sie kamen nicht immer noch nicht. Als der Blick eines dieser Männer in Uniform auf sie fiel, verschwand sie einfach und entstand Augenblicke später wieder auf dem Container.

Hündin, beweg dich! Zu. Mir!

Die Worte, die durch ihren Kopf und Körper brandeten, ließen sie die Augen zusammenkneifen und als die Schmerzen langsam abklangen, sah sie das Gebäude hinauf, schüttelte kurz mit dem Kopf und verschwand aus dieser Welt. Die Stadt um sie herum begann zu verschwimmen. Sie ließ die Stadt, größer als ihr geliebtes Londinium, zurück und schoss über die Berge und Hänge, die tief unter ihr nur ein schwach lebendiger Schleier waren. Schließlich diese andere Stadt. Ein Moloch dieser Welt, aber ein Paradies im Vergleich zum Disseits. Einen Augenblick hielt sie inne, betrachtete die Stadt aus der Luft und schoss dann der größten Ansammlung aus Rauch und Dunkelheit entgegen, die sie ausmachen konnte. Es schüttelte sie kurz, als sie durch das Dach dieses Hauses flog und unten auf einem Knie materialisierte: »Meister?«, fragte sie, den Blick gen Boden gerichtet und das Grollen in der Stimme kaum unterdrückend.

Dr. Grubbs sah sie nur kopfschüttelnd an, Häme und Missgunst tanzten um seine Augen: "Eine schöne Hündin bist du. Findest sie und gibst nicht Bescheid. Du bist wertlos. Der nächste Befehl ist einfach: "Geh sofort zurück in die erste Stadt!" Die Worte hingen wie eiserne Ketten an ihr und während sie fassungslos den Blick hob und ihn mit offenem Mund ansah, spürte sie auch schon einen leichten Sog, der vom ausgesprochenen Befehl ausging. Dünne Zungen aus Rauch legten sich um ihren Hals und ein fahler Hauch des rauchigen Geschmacks ließ ihre Augen tränen. Mit wortlosem Flehen starrte sie ihn an, während sie sich Schritt für Schritt von ihm entfernte. Nachdem er sich abwandte, ohne den vorherigen Befehl zu widerrufen, verschwand sie aus dieser Welt.

Unbestimmte Zeit später

Sie hatte die Tore passiert. Die Häme der Wachen ignoriert und sich auf den Weg zum Markt gemacht. Nun stand sie wie jedes Mal vor dem Geschäft, welches ihr viel Kummer bereitete. In Gold geprägte Lettern verhießen Aitherikum über der Eingangstür, doch sie hatte nur Augen für die Auslagen. Unter Glas und von zahlreicher Magie geschützt lag dort das gut geölte Rad eines Streitswagens aus dunklem Holz. Leicht verträumt strich sie die Form eines Luftbildes dieses Rades nach, als eine Stimme sie aus ihrer Verlorenheit riss. Sie sprach von einem Mann mit enorm breitem Bau, tiefsitzenden Brauen und anderen Merkmalen, die ihr noch lebhaft in Erinnerung waren.
Verwundert drehte sie sich zu der Gestalt, die gerade sprach und meinte mit kaum mehr als einem Flüstern: »Ich weiß, wo dieser Mann ist.« Zischen und Knurrlaute von einigen Seiten erinnerten sie daran, dass in dieser Stadt unter freiem Himmel meist nur von Unerfahrenen und Fremden gesprochen wurde und der Aschefilm auf ihrer Zunge brannte diese Lektion auch in anderem Sinne ein. Die Elfe jedoch starrte sie mit unverhohlener Neugier an, griff nach einem kurzen fragenden Blick ihren Arm und führte sie unter den Blicken der Umstehenden fort.

Nach dem Gespräch starrte sie fassungslos auf den Schatz, den ihr die andere gegeben hatte: Eine Äthermünze. Es war lange Zeit vergangen, seit sie das letzte Mal eine besessen hatte. Für die letzten hatte sie ihre Freiheit gegeben, aber damit war jetzt - hoffentlich - Schluss. Nun musste sie nur noch die graue Ritterin finden. Sie verlor sich in der scheinbar endlosen Schwärze und stand irgendwann vor ihr, der grauen Leev. Die Gerüstete betrachtete sie einen Augenblick und streckte ihr dann wortlos die Hand entgegen. Widerwillig schob sie die Münze in die gepanzerte Hand und bekam den Wink ihr zu folgen.

Nun würde alles den richtigen Weg finden.
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Kapitel 1: Lose Enden
« Antwort #10 am: 13. Januar 2021, 11:10:10 »

Stimmung

Ruckartig drückte Flynt sich im Bett auf und sah sich um. Es gab nicht viele Geräusche, die solch eine Reaktion in ihm auslösten, das Geräusch einer durchladenden Waffe gehörte allerdings dazu. Nach ein paar Augenblicken folgte die Erkenntnis, dass niemand ihn unmittelbar bedrohte. Tomyrra neben ihm löste sich kichernd aus ihrer Bettdecke und schlüpfte in ihr Nachthemd. "Beruhige dich, Süßer. Draußen stehen mindestens sieben Leute. AKs aus dem Ostblock, das seltsame Geräusch beim Durchladen spricht dafür, dass sie so eine Waffe noch nie in der Hand hatten. Auf unser Fenster blicken wenigstens drei Schützen -"

Ihre Ausführungen wurden Geräusch einer berstenden Hotelzimmertür unterbrochen und sie hob mit dem Anflug eines Grinsens die Hände. Florin wischte mit einer Pistole durch den Raum: »Ganz ruhig. Ihr steht jetzt langsam auf und folgt uns. Dann muss niemandem etwas geschehen.« Tomyrra drückte sich wie an einem unsichtbaren Haken aufwärts und schwang sich vor das Bett, während sechs Bewaffnete mit Sturmgewehren das eher kleine Hotelzimmer nun beinahe vollständig ausfüllten. Flynt schob die Decke von sich, schlüpfte in Shorts, Hose und ein leicht ausgerissenes T-Shirt, ehe er nach einem kurzen Seitenblick den Mann mit der Sonnenbrille ansprach: "Ey!"

Den kurzen Augenblick, in dem alle Blicke auf ihm ruhten, nutzte Daze, um dem ersten Bewaffneten ihren Fuß ins Gesicht zu rammen, woraufhin der gegen den Nächsten taumelte. Der Dritte wandte unsicher den Blick zu seinen Kumpanen, während ein anderer die Tür schloss und die übrigen etwas früher als der Rest das Feuer eröffneten. Gelmunition und Schmauchgase begannen den Raum zu füllen.

~~~

Ein paar Augenblicke später war es vorbei. Drei von Florins Leuten waren verletzt. Eine gebrochene Nase, irgendetwas mit den Rippen und was der Dritte hatte, musste ein Medkit auf der Heimfahrt herausfinden.

Florin wollte sich gerade zum Gehen wenden, als das Standardgeräusch einer eingehenden Nachricht auf einem Kommlink seine Aufmerksamkeit forderte. Er las den Nachrichtenverlauf, grübelte einen Augenblick und tippte dann:

»Keine Ahnung, wenn wir hier fertig sind ...«

Dann brach er die Abdeckung auf der Unterseite auf, warf Energiezelle und Kommlink in den Müll und verließ den Raum.

Das würde sie aufhalten.

Konfrontation war unabdingbar.

Aber dieses Mal würden seine Leute die Oberhand behalten.
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Ende Kapitel 1: Lose Enden
« Antwort #11 am: 13. Januar 2021, 12:12:27 »

Stimmung

In Damons Ohren hallten die Worte Karls wieder. Dieser ... Wurm. Diese Leute hatten die Dreistigkeit besessen seine Ernte zu stehlen und nun standen sie vor ihm und erklärten, dass sie alles ruiniert hatten. Und besaßen im Gegenzug die Dreistigkeit zu fordern, was er ihnen genommen hatte. In seiner Wut hatte er sich auf die Zunge gebissen und fokussierte sich einen Augenblick auf den eisenhaltigen Geschmack.

Die Gegenseite schien sein Schweigen als Eingeständnis von Handlungsunfähigkeit zu verstehen und forderte mehr. Doch sein Fokus lag auf etwas ganz anderem. Die Luft um sein linkes Handgelenk begann sich zu verdichten und binnen Augenblicken hatte sich ein Reif aus Metall geformt, an dem er den leichten Zug einer Kette spürte. Entferntes Rauschen kündigte ihn an. Damon Grubbs stockte, als er sich erneut umsah. Rief ihnen ein paar höhnische Worte zu und wandte sich dann zum Gehen.

Du. Hast. Versagt. Wir. Müssen. Reden.

Geistesabwesend löste er sich aus dem Griff eines dieser Würmer, ehe er die Worte rezitierte, die sich in Körper und Geist gefressen hatten:

"Die Worte der Auflösung sollen meinen Körper zerfressen,
Gerechtigkeit und Hass endlosen Hunger heraufbeschwören,
das Licht Detail und Trug meiner Vergangenheit aufzeigen,
mich von allem trennen, was ich liebe und zuinnerst begehre,
mich von Leidenschaft und Lebenswille für immer befreien,
Trübsal und Hoffnungslosigkeit über alles nach mir bringen,
am Tag, an dem ich Akasha verrate.

Die Winde sollen meinen Namen auslöschen,
auf festem Boden meine Spuren verwischen,
das Feuer mir den kühlen Schatten versagen,
das Wasser die Essenz meines Seins fordern,
in der Nacht nach meiner Schande.
"

Ein letztes Mal öffnete er die Augen und besah die feste rote Kuppel, ehe er diese Welt verließ.
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