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Autor Thema: Vorstellung Stalker RPG  (Gelesen 789 mal)

Daicorion

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  • 25. Februar 2017, 03:41:48
Vorstellung Stalker RPG
« am: 25. Februar 2017, 03:41:48 »

Als Fan des Romans "Picknick am Wegesrand" habe ich mir vor einiger Zeit das finnische Indie-Rollenspiel "Stalker" von Burger Games angeschafft, das ich hier einmal vorstellen will.

http://www.burgergames.com/stalker/EN_web/

Da ich leider des Finnischen nicht mächtig bin, musste ich die englische Übersetzung nehmen (auf Deutsch leider nicht vorhanden). Obwohl es erwartungsgemäß Ungereimtheiten bei der Übersetzung gegeben hat, sind die Texte durchgehend gut geschrieben und verbreiten starken Mystery, Horror und Action-Flair. Leider hinkt es optisch hinter der Qualität der Texte stark hinterher, aber man kann im Netz ggf. passende Bilder finden.

Falls jemand den Hintergrund noch nicht kennen sollte: in der nahen Zukunft kommt es auf unserem Planeten quasi über Nacht und begleitet von katastrophenartigen atmosphärischen Erscheinungen zur Bildung mehrerer kreisrunder Areale, in denen die Naturgesetzte verrückt spielen und in denen immer wieder unerklärliche und hochgefährliche Anomalien auftauchen. Nach dem Chaos und den Flüchtlingsströmen werden diese Zonen abgeriegelt und von einem eigens gebildeten miltärisch-wissenschaftlichen Institut zum Sperrgebiet erklärt. Theorien schießen ins Kraut, vor allem natürlich über außerirdische Besucher, die jedoch weder bestätigt noch widerlegt werden können. Berühmt wird der Ausspruch eines Wissenschaflers, der auf die wilden Theorien lapidar in etwa so reagiert: "vielleicht wars ein Zwischenstopp auf der intergalaktischen Autobahn: sie sind ausgestiegen, haben sich die Füße vertreten, ein bisschen Müll hinterlassen und sind dann weitergeflogen - und die Ameisen wundern sich jetzt, was ihren Haufen zertreten hat und wo das ganze unbegreifliche Zeug herkommt."

Regelmäßig kommt es dazu, dass Zivilisten versuchen, in die Zonen einzudringen. Anfangs sind es überlebende Vertriebene, die nach vermissten Angehörigen suchen und die mitansehen müssen, wie Rettungsmissionen als zu risikobehaftet eingestuft und abgebrochen werden, ehe sie ins Zentrum der Zonen vorstoßen können. Doch schon bald sehen weniger verzweifelte und dafür umso mehr geldgierige Subjekte die Gelegenheit, sich an den in den Zonen "ungenutzt brachliegenden" Wertgegenständen, Schmuckstücken, Banksafes, teurer Technik, Fahrzeugen usw. zu bereichern.
 
Da die Zonen recht groß sind, ist eine lückenlose Überwachung ihrer Grenzen nahezu unmöglich und selbst nachdem die Wachposten angewiesen werden, auf Grenzübergänger ohne Warnung zu schießen, kommt es immer wieder zu Plünderungsversuchen. Doch wie viele offizielle Rettungs- und Wissenschaftsexpeditionen ins Innere der Zonen auch, verschwinden die meisten Grenzgänger und Möchtegern-Plünderer, die ins tiefe Innere der Zonen vordringen wollen, schließlich spurlos. Wenn doch einmal jemand von einem Vorstoß in die Tiefe der Zonen zurückkommt, ist er oft schwer gezeichnet und berichtet von unglaublichen Dingen, die ihm begegnet sind und die er gesehen hat, die für die meisten Zuhörer nur Halluzinationen oder im Fieberwahn geborene Albträume sein können.

So kommt es im Laufe der Jahre (das Stalker RPG beginnt dreizehn Jahre nach dem "Visitationsereignis") zur Bildung einer neuen Art von "beruflicher Spezialisierung": ortskundige und "zonenweise" Männer und Frauen, die gewillt sind, sich gegen Geld illegal in die Zonen zu begeben, um dort für ihre Auftraggeber nach Artefakten, Erkenntnissen, verschwundenen Personen, wichtigen Daten oder einfach materiellen Schätzen zu suchen.
 
Wegen ihrer stets vorsichtigen, oft paranoiden Art, die an einen Jäger erinnert, der sich im bestienerfüllten Dschungel an seine Beute heranpirscht und sich dabei nie sicher sein kann, dass er nicht selbst dabei ist, zur Beute zu werden, nennt man diese Zonenspezialisten auch "Pirscher" (engl. Stalker). Und sie haben ein Sprichwort, das auf den ersten Blick einfach erscheint: "Wen die Zone einmal hat, den lässt sie nicht wieder los."



Den meisten wird dieser Hintergrund wenn überhaupt, dann wahrscheinlich von der S.T.A.L.K.E.R - Spieleserie für den PC bekannt sein. Das Stalker-RPG hat damit jedoch wenig zu tun, sondern richtet sich eher nach dem Roman der Strugatzky-Brüder (der allerdings auch die Grundlage des Spiels war, sodass einzelne Elemente also gleich oder sehr ähnlich sind).

Vielleicht sollte ich also erstmal aufzeigen, was das Stalker RPG nicht ist (obwohl man es ggf. als "Quellenband" für derartige Projekte nehmen kann):

- keine Pen&Paper-Version des PC-Shooters "S.T.A.L.K.E.R": die Zonen (Mehrzahl, im Spiel gab es nur eine) sind fast völlig von Menschen verlassen (was natürlich nicht heißt, dass sie unbewohnt sind) und es kommt in ihnen nicht andauernd zu Schießereien zwischen verfeindeten Stalkerfraktionen, Militärs usw. Das Sperrgebiet um den Tschernobyl-Reaktor, im PC-Spiel Handlungsort, spielt im Stalker RPG keine Rolle (es gibt eine Zone in Russland, diese umfasst aber nicht das Gebiet um den verunglückten Reaktor).
Im weitgehend gesetzfreien, von Flüchtlingen überlaufenen Niemandsland um die militärischen Absperrungen kommt es zwar immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen zwielichtigen Geschäftemachern, Militärpolizei, Stalkern und sonstigen Interessengruppen, aber die Zonen selbst dienen nicht als "Schlachtfeld" dafür. Stalker müssen deshalb keine schwer bewaffneten Kampfmaschinen sein.

- keine Postapokalypse: die kataklysmischen  Ereignisse, die der Bildung der "Zonen" vorausgingen, waren örtlich begrenzt und die Zonen selbst sind (zur Zeit) "nur" etwa 70 bis 120 km im Durchmesser. Zehntausende Menschen wurden durch die "Visitation" obdachlos oder flohen, als die Anomalien sich auszubreiten begannen, und die Zahl der Todesopfer kann nur geschätzt werden, aber es handelte sich keineswegs um eine weltweite Apokalypse oder ein Beinahe-Aussterben der Menschheit, ergo kann es auch keine Postapokalypse geben. Außerhalb der Zonen und ihren "Ringen" aus Absperrung, Niemandsland und Flüchtlingsslums geht das Leben weiter, als wäre nichts geschehen.
Natürlich können Chemiewerke, Biolabors, Atomreaktoren etc. durch die Visitation zerstört worden sein, allgemein sind Strahlenverseuchung, Gefahren durch Biowaffen oder toxischen Chemieabfall aber kein allgegenwärtiges Problem. Besonders auf die Zonen zugeschnittene Schutzkleidung sowie Atemmasken sind allerdings für manche Anomalieformen trotzdem unerlässlich und bei Stalkern immer sehr gefragt (allerdings tragen sie keine Strahlungsanzüge).

- die Atmosphäre des Spiels hat viel mit dem Geheimnis (und dem Horror) der Zonen, ihren Anomalien und Artefakten und mit Erkundung und Erforschung zu tun, weniger mit Kampf und Action. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine neue Entdeckung in den Zonen die gerade von der Öffentlichkeit bevorzugte Theorie zu ihrer Entstehung über den Haufen wirft, neue Theorien verursacht oder längst vergessene und als abwegig geltende Erklärungsversuche plötzlich wieder ins Licht rückt. Und was die Zone mit den Menschen macht, die sie berührt (Bewusstseinsveränderung, Mutationen usw.), ist ein deutlicher Hinweis, dass es hier auch nicht nur um Monstermetzeln und gruselige Anomalien geht.


Hier eine Review des Stalker RPGs durch den Gentleman Gamer, die der Atmosphäre und der Darbietung des Settings mMn sehr gerecht wird: https://www.youtube.com/watch?v=qi4m1Nijy1c

Diese Verfilmung eines anderen Strugatzky-Romans (der aber inhaltlich und atmosphärisch sehr nahe am "Picknick" ist), bringt das meiner Meinung nach gut rüber (um sicherzugehen verlinke ich hier nur den Trailer, aber es könnte durchaus sein, dass man mehr findet):
https://www.youtube.com/watch?v=OpVAFXle0BQ

Es gibt natürlich auch den Tarkovsky-Film "Stalker", der zwar als Verfilmung der Idee gilt, aber eigentlich eher ein Kunstfilm ist, der die Vision des Regisseurs des Hintergrunds darstellt (sehenswert aber auf jeden Fall)
https://www.youtube.com/watch?v=GM_GOpfEQUw

Es soll wohl dieses Jahr auch den Start einer Fernsehserie geben, die auf "Picknick am Wegesrand" beruht, allerdings hört sich das hier erstmal nicht sehr vielversprechend an:
http://www.filmstarts.de/serien/20394.html



"Stalker RPG" benutzt ein eigens entworfenes, würfel- und kartenloses Regelwerk namens "Flow", das der Entwickler spezifisch mit dem Hintergedanken der universellen Einsetzbarkeit entwickelt hat. Man soll damit am Lagerfeuer, im Zugabteil oder spontan in der Mittagspause Rollenspiel betreiben können.

Im Grunde geht es darum, dass die Spieler versuchen müssen, durch gute Ideen, Darstellung und Rollenspiel einen vorher festgelegten Schwierigkeitsgrad zu überwinden. Für Teamspeak ist es daher meiner Meinung nach weniger geeignet, und es stellt sich natürlich die Frage, ob ein solches Beurteilen von Rollenspiel nicht sehr problematisch, weil subjektiv, ist. Eine Umsetzung im Cypher-System oder mit FATE würde sich da durchaus anbieten (in der Poolgruppe für das Cypher-System habe ich deshalb schonmal eine Interessensanfrage gestellt).

Der Hintergrund im Stalker RPG spielt standardmäßig in und in der Nähe der "Zone Toulouse". Es gibt aber weitere Zonen, die sich durchaus voneinander unterscheiden. Alle Zonen liegen auf dem gleichen Breitengrad, neben den oben genannten in Frankreich und Russland gibt es Zonen in China, Japan, Kanada und den USA, die man ggf. "besuchen" könnte.

Der Zeitraum ist eine nicht näher ausgewiesene "nahe Zukunft", sodass man den heutigen Technologiestand annehmen kann, ggf. mit einigen Fortschritten, die uns im Moment noch als Zukunftsmusik gelten. In dieser Hinsicht sind v.a. technisch begabte SCs interessant, die mit Drohnen und Robotern das Umfeld sondieren können. Außerdem existieren seit dem "Visitationsererignis" Mutationen, die unter anderem auch Psi-Fähigkeiten umfassen. Es scheint, dass die Zonen diese verstärken, sodass es "von der Zone berührte" Charaktere geben kann, die über solche Fähigkeiten verfügen (allerdings nicht im Superhelden-Stil sondern eher subtil). Weitere Charaktere wären besonders kampfbetonte, verstohlene, wissenschaftliche oder verbrecherische Stalker. Zu Beginn sind auch Nicht-Stalker-Charaktere denkbar, die sich aus individuellen Gründen auf eine Expedition in die Zone einlassen (müssen).

Meiner Einschätzung nach ist das Stalker RPG vielleicht nicht so sehr für lange Kampagnen geeignet, kann aber sicher für One- oder Fewshots herhalten und sollte Rollenspieler interessieren, die sich im Mystery- oder Horror-Umfeld mit etwas SciFi wohlfühlen.
« Letzte Änderung: 25. Februar 2017, 10:33:44 von Daicorion »
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