Forum Drachenzwinge

Community => Rollenspiel-Smalltalk => Thema gestartet von: Nin am 19. Januar 2019, 00:53:27

Titel: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 19. Januar 2019, 00:53:27
Wir lesen und besprechen Changeling the Lost 2nd Edition (https://www.drivethrurpg.com/product/248078/Changeling-the-Lost-Second-Edition) abschnittsweise.
Zitat
Once upon a time, they took you from your home.
They promised you a place at their side, and meaning in your life, and they surrounded you with beautiful things.
But the beautiful things were oh so sharp, and they laughed when you bled.
Day by day, they changed you. But day by day, your will grew stronger.
On the last day, you smashed your way through the beautiful things and ran, not noticing as you bled or feeling as you cried.
You fought with courage and cleverness and took yourself home.
Now the beauty and the horror are yours, to have and to hold and to live.
Welcome to once upon right fucking now.

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[Gentleman Gamer] Changeling: The Lost 2e RPG Overview (https://www.youtube.com/watch?v=TAtvDGi-Pcw)

Aus dem Archiv: [Gentleman Gamer] Changeling The Lost 1st Review (https://www.youtube.com/watch?v=hV5e_lx0n38)
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 19. Januar 2019, 01:03:44
Kurzgeschichte:
It Happend to me
Seiten 18-19, 60-61, 86-87, 166-167, 230-231, 274-275, 294-295
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Huhn am 19. Januar 2019, 22:22:56
*liest eifrig*
Ehrlich gesagt - ich hab die zweite Geschichte mit dem Blitztypen nicht verstanden... o__o
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Sandmann am 19. Januar 2019, 23:06:20
Die fand ich auch extrem verwirrend.
Ich frage mich jetzt, ob meine oder die Clarity der Hauptfigur niedriger ist. Weiß nicht, was man glauben kann und was nur Wahrnehmung der Figur ist.
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Huhn am 19. Januar 2019, 23:17:03
Hm, dafür machts die niedliche Geschichte mit den Schwanenküken wieder wett. Zu Federtieren hab ich mehr Bezug. *pluster* Ich bin noch nie vorher auf die Idee gekommen, diese Kurzgeschichten in den Regelbüchern am Stück zu lesen. Ist irgendwie spannend.
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 20. Januar 2019, 22:18:54
Fertig.

Vielleicht liegt es an meinen Englisch Kenntnissen, die möglicherweise noch schlechter sind als ich dachte. Oder es liegt am Text selber?

Wie ich das sehe:
Ein paar Personen tauchen in den verschiedenen Abschnitten (mit "Perspektiv"wechsel) mehrfach auf;
viele andere werden zwar namentlich, aber nur ein einzige mal erwähnt;
Handlungen werden nur teilweise fortgesetzt, dann aber irgendwie nebulös verknüpft;
die Sprache ist irgendwie gekünstelt abstrakt und es bleibt auch nach mehrmaligem Lesen ein verwirrter, unklarer Eindruck zurück.

Es war eine Qual den Text zu lesen und ich habe wirklich nichts aus den Geschichtsfragmenten lernen. Vielleicht geht es darum die "beautiful madness" in Worte zu fassen. Aber selbst, wenn das gelungen wäre, was sollte ich damit anfangen? Für mich ist es ein wirres Gestammel, statt eines nachvollziehbaren Beispiels für die Spielwelt.

Das war schon mal absolute Zeitverschwendung.

Was ist euer Fazit?
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Sandmann am 21. Januar 2019, 09:36:35
Ich bin da recht zwiegespalten.

Die erste Geschichte hat mich überhaupt mich verlockt weiterzulesen. Die war einfach nur verwirrend. Man hat den Eindruck, man sollte verstehen, was abgeht. Aber das kann man nicht.
Die zweite war ebenfalls enorm anstregend und unverständlich. Richtig kritisch war dann die Sache mit dem Bus und dem Pferd. Da wusste ich gar nicht mehr, was hier passiert. Was ist real und was nicht? Das kann ja gewollt sein und ich liebe solche Sachen, aber nur wenn man nicht beim Lesen am eigenen Verstand zweifelt. Es ist einfach schlecht gemacht.
Dann kam die Geschichte mit den Schwänen und wie Huhn schon sagte, die entschädigt etwas. Das es hier um eine Sterbliche geht, die die Changelingkinder adoptiert, finde ich richtig toll. Neue Perspektive, spannende Figur, großartig! Diese Geschihte kommt viel zu spät.Mit ihr versteht man deutlich besser, was davor passiert. Man hätte Wendy zur durchgehenden Protagonistin machen können, das wäre eine super Identifikationsfigur für den Leser gewesen. (Immerhin haben die realen Leser ja noch keine Clarity verloren, wie der Typ mit den Träumen.)
Seit wir Wendys Perspektive hatten, konnte ich die Ereignisse viel besser verstehen. Ich habe dann tatsächlich etwas über die Huntsmen gelernt (nicht in der Eisenwelt tötbar, früher war das der einzige Ort, an dem wahre Feen getötet werden konnten!).
Wie das Finale gehändelt wurde, war wiederum miserabel. Es tauchen auf einmal Namen auf, an die ich mich nicht erinnern konnte. Die Schwanenkinder sind auf einmal so mächtig, dass sie einen Huntsman zerlegen können. Das wird aber widerum nur angedeutet und nicht erzählt! Ganz mies. Und warum am Ende keiner sich versöhnt, ergibt einfach keinen Sinn. UND!!!! Die haben ein ganzes Haus voller Changelinge! Mir kann niemand erklären, dass die alle unfähig sind und die Kinder zu den Waffen greifen müssen!

Also Fazit: Schlecht konzipiert, die Mitte hat tolle Chancen, verwirrende Perspektiven und Schreibstile, unzufriedenstellendes Ende.
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Huhn am 21. Januar 2019, 10:32:10
Es beruhigt mich jetzt schon ein wenig, dass ihr die Story auch nicht so ganz verstanden habt.  ;D Ich wollte schon wieder an meiner Konzentrationsfähigkeit zweifeln und dachte, ich habe sie zu unaufmerksam gelesen. Tatsächlich hat mir die Geschichte, wo Wendy die Schwanenkinder findet, am besten gefallen. Und mit diesem Hintergrund erschlossen sich dann auch die anderen ein wenig. Aber so ganz öffnete sich mir die Handlung dann doch nicht. Eventuell könnte es helfen, mit dem gewonnenen Hintergrundwissen die ganze Story nochmal von vorne zu lesen - dazu war sie mir dann allerdings doch nicht spannend genug, denn soweit ich die Handlung dann in Bruchstücken verstand, ist neben all der merkwürdigen Erzählweise der eigentliche Plot recht geradlinig.

Interessant für mich: Ich hab damals bei der ersten Lektüre auch von den Kurzgeschichten der 1. Edition nicht viel verstanden. Da lag es, zumindest bei der einführenden Geschichte, aber schlicht daran, dass ich die Regeln und Hintergründe noch nicht kannte und daher gar nicht verstehen konnte, was da passiert. Hinterher empfand ich genau das als genial. Eine Geschichte so zu schreiben, dass sie erst bei der zweiten Lektüre (nämlich der, nachdem das folgende Regelbuch gelesen wurde), wirklich Sinn ergibt. Ich vermute, sie haben versucht, einen solchen Effekt auch in der 2. Edition zu erzeugen. Der Unterschied war aber, dass ich bei der ersten Edition auch ohne das Hintergrundwissen eine lesbare Story hatte - es erschloss sich mir lediglich nicht, warum die Personen so handelten wie sie das taten. Hier in der zweiten Edition habe ich das Gefühl, schon seeehr tief im Changeling-Hintergrund drinstecken zu müssen, um überhaupt ansatzweise der Handlung folgen zu können. Nun bringe ich zwar die angestaubten Kenntnisse der 1. Edition mit, aber selbst mit denen waren mir einige Szenen einfach zu nebulös.

Weder habe ich verstanden, was es mit diesem wirren Typen mit den Träumen auf sich hatte, noch habe ich verstanden, was in diesem Museums- oder Kunstshop vor sich ging (scheiße, ich hab nichtmal gerafft, was das für ein Laden sein soll, in dem es Kissen und Aquarellfarbe zu kaufen gibt) und was zur Hölle dann vor dem Laden passiert ist. Zur Klärung trug auch nicht bei, dass es so viele Personen gab, die zum Teil nur einmal auftraten. In all dem Wirrwarr hat zumindest mir auch nicht geholfen, dass eine der Figuren in zwei Geschlechtern auftrat. Obwohl ich die Idee dahinter (neben dem Anspruch, Vielfalt zu zeigen, wohl auch das Deutlichmachen dessen, dass ein Fetch ein eigenes Leben führt, das nichts mit dem des Changelings selbst zu tun haben muss) ganz cool fand, hat es mich während des Lesens einfach nur zusätzlich verwirrt. Ohne die dazugehörige Illustration hätte sich mir das Problem wohl gar nicht erschlossen. Ich hab mich einfach bloß gewundert, ob Feen so unaufmerksam sind, ein männliches Fetch zu einem weiblichen Changeling zu erstellen (und die Umgebung der/des Entführten so unaufmerksam, das nicht zu merken).

Insgesamt wirken die Geschichten völlig überfrachtet. Ein bisschen weniger hätte gutgetan.
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 21. Januar 2019, 13:20:14
Falls nicht noch jemand anderes was zur Kurzgeschichte sagen will, sind wir damit durch, oder?

Dann schlage ich vor, wir machen mit Kapitel 1 weiter ...
Chapter 1 - The Face in the Mirror - Seemings (p. 21-33)
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Tapam am 21. Januar 2019, 15:51:06
Hallo zusammen,
ich hatte vor ein paar Monaten den Kickstarter ausgedruckt, die großen Kapitel jeweils in einen - natürlich grünen - Aktendullie geheftet und die Seiten zur Kurzgeschichte außen vor gelassen, daneben gelegt, weil sie mir zu sehr nach Mosaik, Fragment und nicht in der richtigen Reihenfolge aussahen.
Die so schon ausdrucksstarken Bilder wären sicherlich mit weniger Wörtern, vor allem weniger Archaismen, die sogar George R. R. Martin nachschlagen müsste, ebenso tragfähig gewesen.



Als ich dann mit den Kapiteln durch war, die mich interessierten, dh vornehmlich  alles zum Charakterbau, Grundmechaniken, Contracts und besondere Items, habe ich mich aber nicht wieder an die Geschichte herangetraut, weil ich beim ersten Lesen nicht so gut mit der Schreibweise der TALES bei den SEEMINGS klargekommen bin. Da wartet man beim ersten Lesen auf eine Zusammenführung der Storyhappen, ist dann nur enttäuscht und muss sich wieder eingestehen, dass man kleine Geschichten in Form von Mosaik, Kaleidoskop, Stroboskop oder sonstwas für den Anfang wenig hilfreich findet, wenn man sich in einer neuen Rpg-Welt orientieren will.

Wenn man sich jedoch ein wenig an die Einteilung nach "Trailer"/Prelude, ONCE, NOW und TALES gewöhnt hat und weder unter ONCE noch TALES schmissige Umdeutungen von Märchen erwartet, ergibt sich schon eine Logik und man kann sich evtl sogar für eigene Charaktere inspirieren lassen.
Der Verweis auf Nicknames und die bevorzugte "Contract"-Art wirken ein bisschen deplatziert, weil es die storybetonte Schreibweise des Kapitels aufbricht.

Ich steige also auch mal in den kleinen Leseclub mit einem Rückblick auf die (quer gelesenen) Kurzgeschichten und einem Ausblick auf die SEEMINGS ein, die ich noch einmal lesen werde. :)




Die Biester


Spoiler
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Layout: Das Seeming-Symbol ist stimmig, das Bild zum „Beispielcharakter“ spricht mich nicht sonderlich an..wirkt eher etwas langweilig im Vergleich zur Bebilderung der Kurzgeschichten.

Vorspann: Biester leben zwischen Freiheit und Gefangensein, sind Beute oder Jäger und kümmern sich gut um ihre engen Freunde, sozusagen ihr Rudel, auch wenn sie wenig für die sonstigen Bündnisse unter Wechselbälgern übrighaben. Klingt stimmig und bietet spannende Möglichkeiten, Reibepunkte spielerisch darzustellen.

Once: Recht typische Arten der Tierhaltung. Ein Biest wird vornehmlich auf grundlegende Bedürfnisse reduziert.

Now: Sie stellen sich vollständig gegen jede Form der Unterdrückung und können sich im Kampf für das Rudel als äußerst loyal erweisen.

Tales
1) Ein Biest mit großen Connections hätte ich jetzt nicht als erste Idee gehabt. Vielleicht als eine Spinne vorstellbar?
2) Eine Todesfee/Banshee. Fände ich bei Darkling oder Fairest irgendwie passender.
3) Der Anti-Held spricht mich als Story am meisten an, weil er gut passend das Klischee vom bösen Wolf hinterfragt und die Münze mit den Seiten Held und Räuber noch einmal das ganze Seeming auf den Punkt bringt.

Fähigkeiten: Die Fähigkeiten passen gut und sind schön unter dem Kämpfen/Flucht-Reflex nachvollziehbar. Es gibt dem Seeming aber eine gewisse Melancholie, wenn es in Angstzuständen wieder in seinen anerzogenen Gehorsam, eine Wehrlosigkeit, verfällt.
Dass die Instinktbezogenheit sich als Fluch rächen kann, ist auch stimmig.

Fazit: Insgesamt ein stimmig dargestelltes Seeming, woran bestimmt viele Spieler ihre Freude hätten. Meines ist es nicht so ganz, weil ich nicht so furry-affin bin, aber mit einem Trickster-Tanuki oder einem Stachelschwein mit Distanzproblemen könnte ich mich eventuell anfreunden. :) 



/spoiler]
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Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Sandmann am 22. Januar 2019, 16:48:20
Beim Lesen ist mir vor allem aufgefallen, dass die Themen und Eigenschaften der Seemings größtenteils gleichgeblieben sind. Es gibt nur kleine Änderungen. Eine ist mir besonders aufgefallen, als ich die Oger gelesen habe. Es gab mal den Grundsatz, egal wie grausam,brutal oder anderweitig du zugerichtet wurdest, du bist ein Wesen der Feenwelt und somit hast du automatisch etwas schönes an dir. Das gilt jetzt nicht mehr.
Eine weitere Veränderung: In der 1E waren die Seemings noch sehr viel stärker mit den Umständen der Entführung verknüpft. Biester waren vorher schon einem Tier recht ähnlich, Holde haben die Feen durch ihre Anmut oder ein Talent angezogen, die Kleinen waren ein Produkt des Zufalls. Der Aspekt ist weggefallen.

Was auch zunehmend witziger wird: Bei jedem Seeming wird beschrieben, dass die anderen Seemings dieses ein besonders schief anschauen (immer mit einem gutem Grund). Die Gemeinschaft (Freehold) mag die Beasts nicht so gerne, weil sie unberechenbar und animalisch sind, sie mag die Darklings nicht, weil diese zwielichtige Gestalten sind, sie mag die Elementals nicht, weil das Starrköpfe sind und gelegentlich vergessen, dass die Personen um sie herum zerbrechlich sind. Fairest sind einfach zu ähnlich den Feen und haben einen gewaltigen Selbstverehrungskomplex, Oger sind einfach nur brutal und die Wizzend nimmt niemand ernst. Herzlichen Glückwunsch! Wer gehört jetzt noch zur Gemeinschaft, die irgendjemanden komisch findet? Am ehesten besteht diese aus den Fairest (Holden) und den Wizzend (die Kleinen), aber der Rest kann ja nicht auf der Reservebank sitzenbleiben... Nicht ganz durchdacht... (War auch in der ersten Edition schon ähnlich...)

Die Dunklen (Darkest)

Spoiler

Layout:
Großer Fan, die Changeling-Ikonographie hat sich nicht verändert und ich finde das noch immer passend.

Vorspann:
Der Teasertext ist cool, passt gut zu dem, was Dunkle für mich ausmachen. Spione, Assassinen, Hexen, das sind die Dunklen und dahingehend passt die ganze Beschreibung schon sehr gut.

Once:
Dunkle sammeln und jagen Wissen und Schätze in den Schatten. Sie neigen zu Einmannaktionen (nehmte mal einen Oger mit zum Spionageauftrag) und sind in etwa das, wenn Indiana Jones für den Geheimdienst in der Hölle arbeiten würde.

Now: Dunkle leben, wie alle Changelinge. mit der Angst, wieder zurück zu müssen. Dafür bereiten sie sich mit Wissen und vor allem ihren neuen Fähigkeiten vor und nutzen ihre gewonnenen Talente dafür, das zu schützen, was ihnen wichtig ist.

Nicknames:
Was ist ein Mountebank?

Segen:
+1 auf Wits, Dexterity oder Manipulation, für 1 Willpower kann man etwas substanzloses wie Wasser oder Rauch berühren und ein Teil davon werden. Es kostet 1 GLamour, wenn man dabei direkt angeschaut wird.

Fluch:
Clarity-Breakingpoint wenn ein Geheimnis oder ein Wissen sich als falsch herausstellt.

Tales:
1) Eine eingebildete Freundin, die Kindern hilft und ihnen Schutzamulette schenkt. (Ist okay, als Aufhänger für Abenteuer gibt es dunklere Dinge.)
2) Der Identitätsdieb ist großartig, gibt viele Plothooks und ist vielseitig zu spielen.
3) Die Bettlerin, die Gutes mit Gutem und Böses mit Bösem belohnt, okay aber nicht ultraorginell

Fazit:
Wenn die Dunklen jetzt Kontrakte bekommen, die nicht total kacke sind, sind sie eine valide Option. Ich finde es schade, dass rausgenommen wurde, dass sie deshalb entführt wurden, weil sie ein Verbot übertreten haben. Das hat prima gepasst und das würde ich auch in Zukunft einfordern. Ansonsten sehr stimmungsvoll. Die Seeming-Kraft erscheint mir hilfreich und cool.
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Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Tapam am 22. Januar 2019, 18:12:55
Die Düsterlinge

Spoiler
Layout: Das Symbol ist innovativ und passend gruselig, die Zeichnung des „Beispielchars“ ist gut gelungen, weil sie umso mysteriöser wird, desto länger man sie betrachtet.

Vorspann: Sehr guter Auftakt. Perfekter Märchenanklang, der Stück für Stück klarmacht, was Düsterlinge sind. Sie sind von Neugier getrieben, obwohl sie sich selbst nicht mehr kennen und sind die „fleisch“gewordene Angst. Man stellt sie als Diener für die Höfe dar, die für ein größeres, gemeinsames Ziel zu kämpfen scheinen, aber im Grunde genommen scheinen sie die Spione zu sein, die vollkommen in der „Drecksarbeit“ aufgehen. Ihr immenses Wissen ist für das soziale Miteinander ein zweischneidiges Schwert.

Once: Die Gefangenschaft ist geprägt von Dunkelheit auf der optischen Ebene, aber akustisch gibt es viele Geheimnisse, Gerüchte und Mysterien aufzuschnappen. Im Gegensatz zur animalischen Gewalt der Biester gelingt hier die Flucht durch Gerissenheit.

Now: Die inneren Schwächen und Dunkelheiten werden gegen andere angewendet und man ist durch keine Grenzen mehr zu halten. Leichte Ansätze des Größenwahns sind erkennbar, aber bei jahrelanger Gefangenschaft in Dunkelheit und Unwissenheit ist der übermäßige Wissensdrang und -schatz reine therapeutische Maßnahme.

Tales:  1) Guter Ansatz, der mit der Erwartungshaltung spielt, dass ein Düsterling auch böse sein muss.
2) Identitätsverlust passt gut zum nebulösen Charakter dieses Seemings. Als Hintergrund für einen Charakter aber sicherlich etwas zu leicht gemacht… :D
3) Für meinen Geschmack zu selbstgefällig und zu kleingeistiger Charakter, der nichts wirklich Besonderes hat. Klingt ein bisschen wie das Heinzelmännchen aus AMERICAN GODS…

Fähigkeiten: Stimmungsvolle Kraft, die man sicherlich kreativ umsetzen kann. Man schließt sich einer Giftgaswolke an, anstatt zu sterben, man verfolgt einen Wagen als Teil von dessen Abgasen und kommt einfach überall hin, wo man möchte.
Der Fluch macht einiges an Vorarbeit in puncto Geheimnissammelei und ähnlichem erforderlich, aber passt auf jeden Fall zum ewigen Kampf um Wissen.

Fazit: Ich glaub, zu den Düsterlingen kann ich mich kaum objektiv äußern. Das Seeming war für mich vor gut zehn Jahren schon das spannendste überhaupt und ich finde, dass es in dieser Edition vollkommen würdig dargestellt ist. Keine Ahnung, warum ich noch kein Charakterkonzept dafür mental durchgegangen bin. :)
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Elementale


Spoiler
Layout: Das Symbol passt gut, weil es auf mehrere Grundelemente verweist. Das Charakterbild hat leichte Anklänge an Gaiman und ist mal etwas anderes.

Vorspann: Sie sind auf den Zweck ausgerichtete Naturgewalten. Die Einstiegsgeschichte gefällt mir gut, aber ich sehe wenige Reibepunkte im Charakter selbst, vielmehr in der Auseinandersetzung mit anderen.

Once: Sie haben einen Grundzweck und können ausbrechen, indem sie diesen Grundzweck…übermäßig ausdehnen.

Now: Sie sind mächtig, finden überall Einflüsse von sich, respektive ihrem Element, und können gewaltige Zerstörung anrichten. 

Tales:  1) Klingt nach einem netten Auftakt für ein kleines Abenteuer im „Blumenladen des Horrors“.
2) Verweis auf die Icon-Mechanik, die ich sehr mag; aber hier hilft mir das überhaupt nicht weiter.
3) Der personifizierte Wind mit eisigkalten, schneidenden Zügen und nahezu sanftmütigen. Darunter kann ich mir wenigstens ein bisschen etwas vorstellen.

Fähigkeiten: Je nach Element kann das sehr nützlich sein, auch wenn mir irgendwie kampfbezogene Aktionen als erstes in den Sinn kommen. Grundsätzlich ist das aber ganz ähnlich wie bei den Düsterlingen – ich hätte mir auch noch einen kleinen Stat-Bonus vorstellen können.
Der Fluch bei jeder Form von Unterdrückung passt gut.

Fazit: Grundsätzlich weiß ich, was Elementarwesen sind und dass man die nicht erfassen kann, wenn man nicht alle möglichen Elemente aufzählen wollte, aber ich fühle mich irgendwie nach dem Lesen nicht wirklich schlauer und muss bei diesem SEEMING sozusagen passen. Würde es sogar für mich auf den letzten Platz der Seemings setzen…
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Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 22. Januar 2019, 23:27:12
Struktur
Eine märchenartiger Einstieg, eine kurze Beschreibung des Seemings, wie Arcadia den Menschen verändert hat, Einstellung und Verhalten seit der Rückkehr, Spitzname, Vor- und Nachteil, Regalia, Beispiele für den Hintergrund.

Inhalt
Mir geht's wie Sandmann, ich verstehe nicht, warum die unterschiedlichen Seemings per Definition ein Problem miteinander haben müssen. Alle (außer den Oger) haben so einen unsozialen Touch. Eigentlich müsste das eher dazu führen, dass die Seemings eigene Freeholds bilden. Eine SC Gruppe aus unterschiedlichen Seemings müsste eigentlich etwas äußerst zerbrechliches sein. Etwas in dem erst mal vor allem Misstrauen herrscht. Vielleicht ist das Absicht und folgt der Logik, dass hier nur Pakte Stabilität und Sicherheit bieten. Ich finde es mehr als unglücklich.
Ein paar Seemings gehen für mich in Ordnung z.B. Darklings, Wizened. Bei anderen finde ich unglückliche Dopplung: Beast und Elements sind beide nur an extrem kurzfristigen, spontanen Dingen interessiert. Richtig störend finde ich beispielsweise, dass Beasts nur auf ein egomanes "Fressen und Gefressen werden" reduziert werden. Nachdem dies anfangs als Alleinstellungsmerkmal definiert wird, wird das im "Now" Abschnitt wieder ein bisschen relativiert und um soziale Nuancen ergänzt.

Vergleich zu CtL1stEd
Die Seemings werden in der ersten Edition in meinen Augen besser und klarer beschrieben. Nach dem märchenhaften Intro, kommt eine Beschreiben des möglichen Aussehens (das fehlt in der 2ndEd), dazu am Ende auch noch mehrere Bilder als Beispiele, die Zeit in Arcadia wird eher nur angerissen, die Vorteile erscheinen mir etwas weniger flexibel, die Nachteile unabhängig von Clarity, die Beispiele sind knackige Konzepte, statt längeren Textabschnitten.
Gerade, wenn ich die Beasts miteinander vergleiche, sehe ich in der 1stEd viel mehr Optionen: Da gibt es eben nicht nur Jäger und Gejagt, sondern auch Nutztiere, Haustiere, Herdentiere etc. Da darf ein Beast auch faul und verschlafen sein oder einfach nur niedlich (vielleicht wäre das in der 2ndEd dann eher ein tierischer Fairest).

Fazit
Bei den Seemings ziehe ich die erste Edition der zweiten vor.
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Tapam am 23. Januar 2019, 07:07:07
Ich wollte lustigerweise eh danach fragen und finde es auch wichtig, dass man die Editionen miteinander vergleicht, aber - auch wenn die Kiths nicht so zahlreich sind - würde ich die Seemings nur in Kombination mit den Kiths bewerten. Beide haben ja quasi ihre Rollen getauscht und es wurde im Onyx Path Forum auch deutlich, dass die scheinbar optionalen Kiths in dieser Edition nahezu verpflichtend geworden seien, da praktisch jeder in der ersten Edition eines für den Charakterbau verwendet habe.
Die "verschmusteren Biester" kann man sicherlich über dieses Spielzeug/Spielgefährte-Kith darstellen.

Ich bin mir aber teilweise nicht sicher, ob das Regelwerk eher für Neukunden oder Stammkunden in Changeling sein soll. Die Stammkunden kann man ja immer leicht verprellen, aber als Neukunde fehlt mir echt an manchen Ecken der Input, vor allem visuell.

Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 23. Januar 2019, 14:31:15
(...) würde ich die Seemings nur in Kombination mit den Kiths bewerten. (...)
Okay, dann schlage ich vor am Ende der Kapitel jedes mal noch ein Gesamtfazit zu ziehen.
Vielleicht im Rahmen einer gemeinsamen Diskussion. Das fände ich cool.
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Sandmann am 23. Januar 2019, 18:30:55
Spoiler
Ich weiß, wir sind noch nicht da, aber als Storyteller regt mich gerade etwas total auf: ES GIBT KEINE BEISPIEL HUNTSMAN-WERTE ODER WAHRE FEEN-WERTE!!!! WIE KANN MAN SOWAS MACHEN????
Fall ich die nur übersehen habe... Ich brauche das dringend!  Sagt mir bitte, wo das steht.
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Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 23. Januar 2019, 21:21:46
Spoiler
Ich weiß, wir sind noch nicht da, aber als Storyteller regt mich gerade etwas total auf: ES GIBT KEINE BEISPIEL HUNTSMAN-WERTE ODER WAHRE FEEN-WERTE!!!! WIE KANN MAN SOWAS MACHEN????
Fall ich die nur übersehen habe... Ich brauche das dringend!  Sagt mir bitte, wo das steht.
Konkrete Beispiele wie bei den Hobgoblins? Das habe ich auch nicht gefunden.
Im Forum von OOP gibt es ein paar Beispiele z.B. http://forum.theonyxpath.com/forum/main-category/main-forum/the-new-world-of-darkness/changeling-the-lost/1164036-a-hodgepodge-of-hobs-2nd-ed?p=1173859#post1173859
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Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Sandmann am 24. Januar 2019, 05:52:18
Spoiler
Ich weiß, wir sind noch nicht da, aber als Storyteller regt mich gerade etwas total auf: ES GIBT KEINE BEISPIEL HUNTSMAN-WERTE ODER WAHRE FEEN-WERTE!!!! WIE KANN MAN SOWAS MACHEN????
Fall ich die nur übersehen habe... Ich brauche das dringend!  Sagt mir bitte, wo das steht.
Konkrete Beispiele wie bei den Hobgoblins? Das habe ich auch nicht gefunden.
Im Forum von OOP gibt es ein paar Beispiele z.B. http://forum.theonyxpath.com/forum/main-category/main-forum/the-new-world-of-darkness/changeling-the-lost/1164036-a-hodgepodge-of-hobs-2nd-ed?p=1173859#post1173859
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Hobgoblins gibt es. Die werden auch direkt im Jumpstarter-Abenteuer verwendet.
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Tapam am 24. Januar 2019, 22:44:05
Die Schönsten <im ganzen Land>

Spoiler
Layout: Das Symbol, die leicht bedrohliche Pfauenfeder, ist stimmungsvoll und das Bild vom rotzigen Gör ist (wie das Seeming selbst) ein Spiel mit Erwartungen und auf Äußerlichkeiten beschränkten Vorurteilen.

Vorspann: Schöne Neuinterpretation von des „Kaisers neue Kleider“. Der innere Konflikt von denen, die scheinbar alles haben, was man haben kann, und die – auch gegen ihren Willen und ihr Bestreben – immer im Mittelpunkt stehen müssen, ist überzeugend dargestellt. Den Ansatz von den Schönsten als Triebfeder der Höfe finde ich auch spannend. Ebenso das Streben, in ihrem Umfeld eine..nettere..Version von Arkadia zu schaffen.

Once: Eine Reduktion auf ein Ding, ein Spielzeug, das letztendlich egal ist und durch Entdeckung des eigenen Selbst, ein wortwörtliches Aus-dem-Rahmen-Fallen, entfliehen kann. 

Now: Bei den Schönsten geht es darum, wahre Verbindungen zu knüpfen, das wahre Ich zu entdecken und stets wie ein Dynamo alle anderen auf einem ähnlichen Weg anzutreiben.

Tales: 1) Abkehr vom qualvollen, verkopften Ballerinatum, und etwas Schönes im vermeintlich Hässliches gefunden. Guter Ansatz.
2) Gigolo, den innerlich die Einsamkeit quält. Eher öde.
3) Ist es eine Kung-Fu-Disney-Prinzessin? Zu kryptisch, wenig hilfreich bei der Erfassung dieses Seemings.

Fähigkeiten: Den Segen hatte ich („damals“) beim ersten Lesen nicht verstanden, aber er passt irgendwie zum „Cheerleading“-Ansatz des Seemings. Irgendwie wirkt die Fähigkeit wesentlich weniger mächtig als die von den anderen Seemings, aber dafür finde ich den Fluch im Vergelich mit den anderen vermeidbarer.

Fazit: Wäre für mich vor der ersten Lektüre die klare „rote Laterne“ der Seemings gewesen, aber die Reibungspunkte im Charakter selbst und im sozialen Miteinander machen das Seeming doch eine ganze Ecke spannender. Die Tales haben wenig geholfen und Hinweise zum Aussehen wären hier sehr hilfreich gewesen, aber irgendwie erweckt das Kapitel dennoch Interesse an diesem Seeming.
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Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Sirion am 25. Januar 2019, 17:05:54
Kapitel 1 - The Face in the Mirror

Die Einleitung finde ich gelungen und stimmungsvoll.

Die Biester

Spoiler
Einführungstext: Finde ich in Teilen schon recht spezifisch und unangenehm einschränkend. Sollte denn jedes Biest diesem Schema entsprechen? Als Beispiel hingegen kann ich damit gut leben. Immerhin wird hier noch angedeutet, dass sie gegen ihre Instinkte durchaus ankämpfen (können).

Damals: Eine Sammlung von Möglichkeiten, interessant.

Jetzt: Da geht es mir wie mit dem Einführungstext. Als Tendenzen mögen die beschriebenen Charakterzüge ja ihre Berechtigung haben, aber sie sind mir hier zu übertrieben und alternativlos dargestellt. Nicht jeder wird auf die Behandlung in Fairie auf dieselbe Weise reagieren. Den Vorteil finde ich passend, der Nachteil mag es auch sein, wenn man akzeptiert, dass Biester eben unverbesserliche Dumpfbacken sind, die sich einfach nicht beherrschen können.

Geschichten:
1. Diesen "Networker" kann ich mir gar nicht als Biest vorstellen. Dafür braucht es doch viel mehr als die eben noch festgelegte Fixierung auf Grundbedürfnisse. Und wer jedem auf die Zehen tritt und keine Hierarchien akzeptiert, wird wenig angesehene und einflussreiche Freunde finden.
2. Interessant, sagt aber wenig über den Charakter selbst aus
3. Sehr spannende Idee, gefällt mir.

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Die Dunklen

Spoiler
Einführungstext: Die Beschreibung finde ich gut gelungen, sie regt die Fantasie an und zeigt auch die für mich nachvollziehbaren Folgen eines solchen Schicksals in Faerie auf.

Damals: Die Ideensammlung wird in passendem düsterem Duktus fortgeführt, gefällt mir weiterhin.

Jetzt: Die Beschreibung kann ich viel besser nachvollziehen als die der Biester, Vor- und Nachteil empfinde ich als passend.

Geschichten:
1. Interessant. Ein Darkling mit Hang zum Gutmenschen, äh, -wechselbalg.
2. Noch so einer. Kommen denn alle geläutert aus der Feenwelt zurück?
3. Hmm, das Motiv aus 2., für "Gerechtigkeit" zu sorgen, findet sich auch hier wieder.
Alles in allem hätte ich mir hier zerrissenere und weniger selbstgerechte Identitäten gewünscht.

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Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Tapam am 27. Januar 2019, 18:11:53
Die Unholde

Spoiler
Layout: Man muss das Symbol, die gesprengten Ketten und den Schild mit dem Riss/Blitz, etwas länger betrachten, aber dann passt es. Der „Eastwood-Holzfäller“ ist nichts wirklich Besonderes, aber noch okay.

Vorspann: Sehr starker Märchenanfang, auch wenn der Twist nicht ganz neu ist („Letztens“ erst wieder in Black Mirror gesehen). Unholde kämpfen gegen sich selbst und vor allem gegen das, was andere von ihnen denken. Sie wollen mehr Beschützer als herzlose Mörder sein und werden tief in ihren Herzen von den Verlockungen der maßlosen Gewalt ständig in Versuchung geführt. Ein verbreiteter Irrglaube ist, dass sie dumm sind – nur weil sie kein Interesse an Lügen und Intrigen verspüren.

Once: Unholde sind in Arcadia durch und durch fürs Grobe zuständig und verrohen zusehends. Sobald sie aus ihrer Trance der sinnlosen Knechtschaft und Gewalt erwachen, nutzen sie ihre brachialen Kräfte, um zu entkommen.   

Now: Sie schützen die kleinen Freuden so wie ihr scheinbar hartes Herz und werden für ihre..pragmatischen Lösungsansätze von den Höfen geschätzt.

Tales
1)   Ein Unhold mit gutem Herzen versucht alle zu retten, die sich in die Hecke verirrt haben. Dabei kümmern ihn weder sein eigener miserabler Zustand noch seine bittere Einsamkeit. Klares, direktes Konzept, das zum Seeming passt. Auch wenn es nicht allzu innovativ ist.
2)   Ein Unhold, der die brutalen Seiten seines FBI-Jobs liebt und seine eigenen Gewalttendenzen fürs Profiling nutzt. Klingt nach einer guten TV-Serie, mit einer ordentlichen Prise Dexter und Grimm.
3)   Ein kritischer Blick auf die Höfe, ein Schläger, der sich bzw. die Intentionen und Methoden der Frühlingskönigin langsam zu hinterfragen beginnt.   

Fähigkeiten: Auf den ersten Blick liegt seine herausragende Stärke im Kampf, aber genaugenommen beendet er nicht nur einen Kampf möglichst schnell, sozusagen per Knockout, sondern er kann dies leichter tun, wenn er seine Kraft nicht für sich selbst einsetzt. Der Fluch passt sehr gut, weil es die Problematik anreißt, dass Unholde – meistens – vollkommen ungewollt furchteinflößend sind.

Fazit: Man mag hier als typischer „Gamer“ den DamageDealer vermuten, aber bekommt eher einen Tank, eventuell sogar einen Healer geboten. Denn Unholde sind nicht zwingend Freunde der Gewalt, sind eher Veteranen oder zumindest im Ruhestand und wollen (Shrek lässt grüßen) einfach nur ihre Ruhe haben von allen Grausamkeiten. Sie passen für mich genauso perfekt ins Setting und sind Ausdruck einer schönen Uminterpretation von Märchen.   
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Hutzelmännchen, Heinzelmännchen...

Spoiler
Layout: Ein verschnörkelter, verdrehter Zauberstab, gekreuzt von einem Hammer. Ein perfektes Symbol, das den Begriff „Kunstfertigkeit“ gelungen widerspiegelt. Beim ersten Betrachten des Beispielcharakters dachte ich (inspiriert durch die Kraft des Seemings), dass der Rollstuhl eine Art Webstuhl wäre und war dann irgendwie enttäuscht, weil man die Findigkeit des Kleinen Volkes als „schnöde Häkel-Magie“ darstellt.

Vorspann: Genialer, brillanter Aufhänger. Ich war beim ersten Lesen voll in dem Seeming drin! Sie sind ständig mit etwas beschäftigt, brauchen dringend eine Funktion und helfen gerne mit ihren schrägen, gerissenen oder genialen Ideen aus. Sie wollen sich nie wieder für sinnlose Aufgaben missbrauchen oder für ihre Leistungen veralbern lassen. Sie sind stark und doch mehr als zerbrechlich.

Once: Sie haben guten Grund, misstrauisch zu sein, aber halten sich am allerkleinsten Funken von Hoffnung fest. Ihrer unfassbaren Listigkeit allein verdanken sie ihr Entkommen.

Now: Auch die Kleinen bringen durch ihre handwerklichen Schöpfungen/Kreationen eine gute Portion Arcadia in die Menschenwelt und gewinnen an Selbstwertgefühl, weil sie viel Lob erhalten.

Tales
1)   Durch den „Traum-Ingenieur“ wird der Hof gestärkt und dessen Feind geschwächt. Klingt nach einem spannenden NPC, der die SC bei einem Auftrag in die Träume begleiten könnte.
2)   Ein sonderbarer (Internet-)Troll, der ein noch merkwürdigeres „Fetchbook“ gegründet hat, und Wechselbälger wie Fetches auf verwirrende Schnitzeljagden führt. Klingt nach einem spannenden Antagonisten (oder Auftraggeber?!).
3)   Eine mysteriöse Barbesitzerin, die sich mit „rumpstilzchen-artigen“ Händeln die Zeit vertreibt. Irgendwie gleichzeitig zu kryptisch und zu flach…

Fähigkeiten: Absolut faszinierende und sehr starke Fähigkeit, die jedoch gute Absprachen zwischen dem SL und dem Spieler erfordert. Der Nachteil passt gut, aber vielleicht hätte man diesen ganz eng mit den Dingen verknüpfen sollen, die durch den Vorteil geschaffen wurden…

Fazit: Für mich das spannendste Seeming überhaupt, weil die Fähigkeit so viel Potential für das Auslassen in puncto Kreativität birgt. Irgendwie weiß man am Ende aber leider nicht, wie nun das Aussehen dieses Seemings ist und die Charakterideen scheinen nicht wirklich mit einem Motley kompatibel zu sein...



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Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Huhn am 28. Januar 2019, 17:22:36
Kurze Zwischenfrage: Wie viel Zeit planen wir/plant ihr denn für so einen Leseabschnitt ein? Ich möchte zwar gerne mitlesen, aber auch nicht alle künstlich aufhalten.
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Tapam am 28. Januar 2019, 17:48:40
Ich fand die gut 10-15 Seiten voll in Ordnung, wobei ich letzte Woche auch sehr viel zu tun hatte.

Wenn wir als nächstes die Kiths und dann die Höfe machen und jeweils ein paar Tage mit kleineren Diskussionsplateaus einfügen, sollte man eigentlich immer wieder ganz gut aufschließen und sich zu großen Teilen beteiligen können. :)

Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 28. Januar 2019, 17:52:08
Kurze Zwischenfrage: Wie viel Zeit planen wir/plant ihr denn für so einen Leseabschnitt ein? Ich möchte zwar gerne mitlesen, aber auch nicht alle künstlich aufhalten.
Ich bin da ganz entspannt. :)
Mein persönliches Herangehen ist, dass ich den Textabschnitt lese und dann abschließend aufschreibe, was mir dazu durch den Kopf geht. Das geht natürlich schneller als z.B. zu jedem Seeming was zu schreiben.
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Sandmann am 30. Januar 2019, 06:06:29
Der verbitterte alte Mann sagt zu den Seemings:
Ich kann sie noch wiedererkennen. Diese jungen Seemings von heute wollen alle so hippy sein. Deswegen lernen sie die Lifehacks, die viel krasser sind als zu meiner Zeit. Es ist ja klar, dass die dann alle an der Wollmütze haben (Flüche! laufen jetzt alle auf Clarity hinaus. Das erinnert mich total an Vampire alte Editionen. Das war früher nur bei den Holden so, glaube ich. Das finde ich gut. Ich regte mich shcon über einige Designdummheiten bei den Dunklen auf. In 1st E war deren großer Nachteil, dass sie im Sonnenlicht shclechter zaubern, Oger hingegen waren bei emotionaler Verteidigung richtig aufgeschmissen. Der unfaire Vorteil der Dunklen wurde dann dadurch gelöst, dass die Kontrakte der Dunklen total langweilig und teilweise nutzlos waren. Also macht die 2ndE auch was richtig (zum Beispiel die Dunklen).
Dass das kleine Volk umgedeutet wurde, schmeckt mir nicht gut. Bei den Beast ist es genauso. Elemenals sind und bleiben konstant, ist gut. Die Kraft der Kleinen ist ... situativ cool? Das kommt mir wie eine Verschlechterung vor. Aus den Kleinen konnte man früher extreme PowerMunchkins machen. Jetzt werden sie einfach reich... Das hätte mir als Kontrakt besser gefallen.

Ich bin schon sehr auf die Kith gespannt. Die deuten die Seemings ja nochmal richtig krass um.
In der 1stE fand ich die Kith-Kräfte auch schon interessanter als die der Seemings.
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Sandmann am 30. Januar 2019, 06:50:03
Geht es weiter, in logischer Reihenfolge, zu den  Höfen?
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Tapam am 30. Januar 2019, 10:37:39
Ich fände die Kiths tatsächlich logischer, obwohl mich die Höfe mehr interessieren würden. :)
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 30. Januar 2019, 16:07:57
Ich würde mich gerne an die Struktur im Buch halten und zum nächsten Abschnitt gehen wollen. Am Ende des Kapitels lässt sich ja noch mal ein Resümee ziehen.
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 30. Januar 2019, 16:10:23
Dann geht es hiermit weiter...

Chapter 1 - The Face in the Mirror - Courts (p. 34-50)
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Tapam am 31. Januar 2019, 16:10:29
Also weiter mit den Höfen, und etwas weniger en détail.


Er ist’s

Spoiler
Hof des Frühlings

Wichtigste Emotion: Verlangen. Sie brauchen kein Arkadien und können ungebrochen feiern; auch wenn es manchmal gute Miene zum bösen Spiel bedeutet.

Kehrseite: Verleugnen. Sie sehen sich derselben Kritik ausgesetzt wie die Epikureer, teilweise zurecht. Insgesamt bleiben sie „Leute für gute Zeiten“, auf die man leider nicht zählen kann, wenn man keine Illusionen durchschauen muss, es keine Hoffnung mehr gibt und man roher Gewalt ausgesetzt ist.

In Ebbe und Flut: Der Frühling regiert freigebig und am Rande zur Dekadenz. Zur Regierungszeit der anderen Höfe bietet er Gesundheit und Gesellschaft, ist sozusagen Bindeglied, Schmiermittel zwischen den anderen Höfen. Wenn sie ihre Energie in Positives stecken können, werden sie ausgezeichnete Heiler, Goblinfruchtzüchter und Zeremonienmeister.

Der Pakt: Es herrscht grundsätzlich Frieden, der nur vom tiefsten Verlangen nach kriegerischer Auseinandersetzung durchdrungen werden kann. So lange ein Wechselbalg also nicht der absolute Liebling seines Halters gewesen ist, ist er außerhalb der Gefahr. Das Verlangen von anderen, auch außerhalb des Frühlingshofs, wird durchgehend anerkannt.

Legenden: Mutter Susan gab ihren größten Wunsch, den Wunsch nach einem Kind, für den Pakt des Frühlings auf. Anfangs bekriegten sich die Jahreszeiten oder schlugen sich zumindest irgendwelche Schnippchen. Durch List gelang es z.B. Rabe, dass der Frühling nach einem überlangen Winter wieder regieren konnte. Das sind mit die klarsten Legenden, während gegen Ende angedeutet wird, dass der Frühling zwar nicht selbst töten kann, aber andere dies tun können, wenn sie vollkommen vom Verlangen danach angefüllt sind.

Fazit: Der Frühling wird wohl entweder als Hofgaukler verspottet oder als die einzig wahre Methode zur Überwindung des durch die Entführung entstandenen Traumas anerkannt. Er bietet auf jeden Fall durch seinen Kontrast zur überwiegend dunklen Spielwelt immer einen spannenden Ansatz für viele düstere Charakterkonzepte, die zurück ins Leben finden müssen, und er bietet ohne Zweifel einen nachvollziehbaren Weg zurück zur Normalität, wobei es noch spannender werden kann, wenn die schier endlose Heiterkeit schal zu werden droht. 
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Und es war…


Spoiler
Hof des Sommers


Wichtigste Emotion: Zorn. Der Spieß wird wortwörtlich umgedreht. Man rächt sich für alles, was einem angetan wurde. Nie wieder Opfer sein – auch wenn man dabei das eigene Glück und Leben aufgeben muss. Zorn kann in der heutigen Zeit leicht und in großer Fülle geerntet werden, aber man muss ihn schmieden wie ein Schwert und auf das richtige Ziel richten.

Kehrseite: Wut. Diese ist als Gegenstück zum Zorn nicht zielgerichtet, spontan und kann den Leuten um einen herum und einem selbst große Erschöpfung verursachen. Nicht oft ist das Alleinsein eine Folge.

In Ebbe und Flut: Unter der Regierung durch den Sommer wird der Hof nicht zwingend militärisch, aber es werden viele Wettkämpfe abgehalten und man muss sich stetig in seinen Fähigkeiten behaupten und beweisen. In der Regel liegen Verteidigung oder Angriff im Fokus.
Regieren die anderen drei, beraten Vertreter des Sommers die Regierenden und es werden Kopfgelder für Feinde des Hofes ausgeschrieben. Was auch geschieht, der Sommer bleibt wachsam.

Der Pakt: Alle müssen bis zum letzten Mann kämpfen. Fae verwirrt diese Haltung vollkommen und sie müssen sich ihrer Unverwundbarkeit schon mehr als sicher sein, wenn sie gegen den Hof vorgehen wollen. Geradlinigkeit und Opferbereitschaft sind das A und O.

Fazit: Der bodenständige Sommer lässt sich nichts gefallen. Er ist schlichtweg der Hau-Drauf-Hof, der einfach dabei sein muss. Wer Action mag, wird den Sommer lieben.
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Schluss mit Lustig…

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Hof des Herbstes

Wichtigste Emotion: Furcht. Sie kennen die Angst genau und verwenden diese als Waffe, was jedoch eingehende Introspektion erfordert. Sie haben erkannt, dass man den Fae durch körperliche Gewalt oder Androhung von selbiger nicht beikommen kann und erforschen deshalb Zauberei und die Regeln der Fae. Furcht ist schwierig zu ernten, weil man schnell Misstrauen erwecken kann (Fun fact: Durch Filme verursachte Furcht schmeckt nicht so pralle. :) ). 

Kehrseite: Verhandeln. Man kann es auch Selbstzweifel oder „analysis paralysis“ nennen. Falls sie keinen anderen Ausweg finden, laufen sie auch zum Feind über, was beiden Seiten wohlbekannt ist.

In Ebbe und Flut: Regeln, Versprechen und Zeremonien gewinnen immens an Bedeutung. Unter der Regierung durch den Herbst erfolgt eine genaue Bestandsaufnahme in Sachen Magie und Unwissenheit in puncto Magie wird nach Möglichkeit ausgemerzt. Feinde des Hofes werden mit schmutzigen Tricks und möglichst effizient ausgelöscht.
Unter den anderen Regierungen übernehmen sie Aufgaben der Bildung und Therapie. Sie sind ebenfalls als Wärter und Henker geeignet.

Der Pakt: Fae müssen vor Angriffen ihren Absichten klar und deutlich Ausdruck verleihen. Je größer der Angriff, desto eher muss die Warnung erfolgen. Dies erfordert viele Rituale, die jedoch die Unannehmlichkeiten für die Fae vollkommen wert sind.

Fazit: Die kryptische, vielleicht sogar sinistere, Note des Hofes, der die Geheimnisse der Magie entschlüsseln und sich vor allem selbst bewahren will, klingt sehr spannend.   
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Er naht…
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Hof des Winters

Wichtigste Emotion
: Trauer. Sie sind so stark wie der Käfig, in den sie sich selbst eingesperrt haben und kaum mit den anderen Höfen vergleichbar. Ihre Taktik ist nicht zwingend rein defensiv, vielmehr ein kluges Belauern und Analysieren des Feindes. Das Ernten erfordert natürlich höchste Diskretion.

Kehrseite: Depression. Sie haben großes Verständnis für jede Form der Niedergeschlagenheit.

In Ebbe und Flut
: Diskretion ist das höchste Gebot, wenn der Winter auf den stürmischen Herbst folgt. Viele Dinge geschehen insgeheim und jeglicher Aufruhr der Menschen soll unterbunden werden.
Während der anderen drei Jahreszeiten zieht sich der Winter-Hof noch stärker zurück.

Der Pakt: Die Fae müssen ihre Opfer aus tiefstem Herzen betrauern. Sobald die Fae ihre Bestattungs- oder Trauerrituale beginnen, schlägt der Winter-Hof zu, ohne jede Rücksicht.

Fazit: Für alle, die gerne im Geheimen agieren, der perfekte Hof.
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Wir sind in Phase 4 nach Kübler-Ross angekommen und damit am Ende der Höfe angelangt.
Die Höfe sind für mich sowohl spieltechnisch als auch inhaltlich (vor allem als Bewältigung des Entführungstraumas) sehr aufregend.

Bin gespannt, wie sie im Vergleich mit der ersten Edition abschneiden werden – wahrscheinlich hat man auch hier den Wechselbälgern mehr Optionen und Macht mit auf den Weg gegeben. :)





Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Sandmann am 04. Februar 2019, 15:42:15
Das sind tolle Zusammenfassungen, ich habe was zum Herbst zu ergänzen. Bei dem Punkt verhandeln ist es auch so, dass Herbstlinge sich zu Handeln verlocken lassen und sich dabei auch übernehmen.

Insgesamt bin ich mit den Höfen sehr zufrieden. Sie haben endlich die nötige Begründung für Ihre Existenz erhalten, sie bieten tatsächliche Vorteile!
Auch spannend ist, dass alle Höfe jetzt eine Kehrseite haben. Das ist im Grundregelwerk der ersten Edition untergegangen und wurde im Sonderbuch für die Höfe dann ansatzweise nachgeliefert. Gute Arbeit!
Den Winter haben sie im 1stE Erweiterungsbuch massiv cooler gemacht, hier ist das rückgängig. Man verwechselt zwar den Winter nicht mit den Emos des ersten Entwurfs, aber viel cooler sind sie jetzt auch nicht geworden. Beim Lesen bekam ich immer mehr die Sorge, dass sogar der Wintermarkt rausgeflogen sein könnte. In der besagten Erweiterung wurde der Winter zu einem krassen Verschwörerhof mit Zellenstruktur und tödlichen Kontakten, das fehlt mir.
Beim Sommer kann man wenig falsch machen. Sehr direkt, sehr aufs Maul, passt.
Frühling ist gut geworden, dass sie nun deutlich gut Verleugnungsfraktion gehören macht Sinn. Bisher war der Frühling der Hof, der mir seelisch am gesündesten erschien. Muss mich davon lösen, aber ist okay.
uneingeschränkt der genialste Hof ist und bleibt der Herbst. Über die Erweiterung der Sache mit dem Handeln bin ich erfreut und habe direkt wieder Lust auf eine Herbstkampagne.

Einen ganz groben Gliederungsfehler haben sich die Redakteure hier aber schon geliefert. Bei den Seemings stehen die Stärken und die Schwächen als Spielwerte, bei den Kiths auch. Ob das als Bestandteil der Charaktergenerierung da hingehört, ist ein Streitthema. Aber wenn man sowas anfängt, muss man das auch durchziehen. Ich suche mehrfach nach den Mantelboni der Höfe, sprich die Spielwerte UND FINDE SIE NICHT! Das ist mega inkonsequent, weil es im Unterkapitel davor (Seemings) und im Unterkapitel danach (Kiths) halt da ist und bei den Höfen fehlt. Es gibt nichtmal einen Querverweis, oder er ist so gut versteckt, dass ich ihn nicht sehe. Das macht mich echt sauer. Solche Spinnereien findet man später noch mehr. Das Buch ist nicht gut gegliedert.
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 04. Februar 2019, 16:31:51
Struktur
Ein kurzes Vorwort, dass die Höfe auf alte Versprechen zwischen Changelings und Sonne, Mond und der sich drehenden Erde begründen.
Danach die Höfe der vier Jahreszeiten mit den individuellen Emotionen, die sie antreibt, ihrer Schattenseite, ihre Rolle der Regentschaft der anderen Höfe, ihre Regentschaft, ihr Schutz gegen die True Fae und deren Huntsmen, ihre Eigenheiten, Erscheinung, abschließend kurze Beispiele.

Inhalt
In dem relativ kurzen Abschnitt wird sehr deutlich, wie sich die vier Höfe zwar unterscheiden, aber gleichzeitig auch zusammen arbeiten. Die vier unterschiedlichen Schutzmechanismen gegen die True Fae und ihre Huntsmen finde ich einen sehr interessanten Ansatz und stelle mir das ziemlich cool vor, wenn die Spielrunde so einen kompletten (oder mehrere) Jahreszyklus erlebt.
Ich vermisst habe ich dem regel-technischen Teil, der zu den Höfen gehört. Zumindest einen Verweis auf das Mantle Merrit auf Seite 117 hätte ich an der Stelle erwartet.

Vergleich zur 1stEd
Die erste Edition hat neben dem Grundregelwerk noch einen Ergänzungsband zu den Höfen. In dieser Edition besteht der Schutz der Jahreszeiten nicht aufgrund eines alten Schwurs, sondern es wird argumentiert, dass die Veränderung der Örtlichkeit (Abbildung der Freistätte in der Hecke) durch die (regierenden) Jahreszeiten, vor den Augen einer True Fae verschleiert. Da True Fae nur ihr Konzept verstehen, fällt es ihnen schwer mit sich verändernden Dingen umzugehen.

Fazit
Was die Höfe anbelangt, finde ich das Thema in der 1stEd relativ unverständlich und teilweise auch widersprüchlich. Der Ergänzungsband zu den Höfen in der 1stEd bringt dann doch noch interessante Überlegungen.
Für mich hat die 2ndEd die Höfe aber gleich von Anfang an verständlich und schlüssig beschrieben ... und vorallem extrem spannend gemacht.
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Sirion am 04. Februar 2019, 16:56:56
Der Abschnitt zu den Höfen ist m. E. interessant gestaltet, indem sowohl die jeweiligen Charakteristika wie Verlangen - Verleugnung, Wut - Zorn, Furcht - Verhandlung und Trauer - Depression herausgestellt werden als auch die Funktion der Höfe für die Gemeinschaft daraus abgeleitet wird. Sinnvoll ist auch, dass auf das Treiben der Höfe in den Jahreszeiten eingegangen wird, in denen sie nicht regieren.
Etwas blass bleibt leider der Winter - passend zum Thema, aber damit leidet natürlich die Attraktivität für Spieler.
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 04. Februar 2019, 17:02:16
Noch was, das ich vermisse: Den Pakt der Jahreszeiten. Ich hätte es cool gefunden, diesen Pakt, auf dem die ganze Sache mit den Höfen basiert, auch im Wortlaut zu lesen.
(Oder kommt das weiter hinten im Buch?)
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Tapam am 04. Februar 2019, 17:50:22
Finde ich schön, dass die Höfe so gut weggekommen sind. :)
Beim zweiten, genauen Lesen war der Herbst mein Favorit und ich hab gehofft, dass der Winter diesen übertreffen würde. Letzterer ist aber tatsächlich etwas farblos...blass geraten.

Mit den Kapiteln hinten fürs "Hof-Bauen" und für die alternativen Höfe habe ich mich gar nicht befasst, weil ich zu dem Zeitpunkt ja schon wusste, dass es in unserer Kampagne (leider) nicht einmal die Standardhöfe wirklich geben würde...
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Sandmann am 05. Februar 2019, 06:39:42
Was wohl passieren würde, wenn jemand die Ideen und Päkte der Jahreszeiten in den Spreepark bringen würde?...

Ich denke, die Höfe sind erschlossen, oder möchte jemand was dazu sagen?
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Huhn am 05. Februar 2019, 08:56:53
Uff, ich fürchte, ich muss hier das Handtuch werfen. Ich hab aktuell keine Konzentration zum Lesen eines komplexen Regelwerks (hänge immer noch bei den Seemings) und null Inspiration, aus dem Text etwas für mich herauszuholen. Da ich derzeit auch keine Aussicht habe, das Spiel überhaupt jemals bespielen zu können, habe ich auch keinen wirklichen Anreiz, mir die Regeln durchzuackern. Ich lese das gerade wie ein Kochbuch und das macht keinen Spaß. Vielleicht steig ich später wieder ein, wenn ich wieder mehr Zeit und Muße habe. Tut mir sehr Leid.  :(
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 05. Februar 2019, 09:12:44
Vielleicht steig ich später wieder ein, wenn ich wieder mehr Zeit und Muße habe.
Immer gerne.  :)

Und hier geht's in der Zwischenzeit weiter mit...

Chapter 1 - The Face in the Mirror - Kiths (p. 51-59)
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Sandmann am 08. Februar 2019, 18:01:03
Die Künstler

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Beschreibung:
Sie sind eine Verkörperung der Kunst selbst. Feen entführen wenige etablierte Künstler sondern unvollendete Maler, Goldschmiede, Schneider usw. und wollen daraus etwas ganz besonderes nur für sich selbst formen. Die Changelinge werden zu Gefangenen ihrer eigenen Inspiration und Besessenheit, auch nehmen sie die Farben/Form ihrer Kunstobjekte oder Werkzeuge an. Sie können ihr Werk kaum aus den Händen legen, bevor es fertig ist oder es an jemand anderen weitergeben.

Beispiele:
Oger: Ein Steinmetz oder Bildhauer wird hier zu einer Säule geformt. Kann man machen, finde ich aber wenig interessant.
Kleines Volk: eine papierene Künstlerin, die Arkadia aus der Erinnerung zeichnen kann. Ist okay, muss irgendwie aufregender gehen.

Kith-Kraft:
Bei drei Erfolgen schon ein Krit, wenn es darum geht mit Socialize sich ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu bringen.
Bei Crafts oder Expression schon ein Krit bei 3. Erfolgen und bekommen auf solche Proben einen Bonus in Höhe Ihrer Wyrd bis max. 5 Punkte, wenn es zu der spezialisierten Kunstforn passt. Das kostet 1 GL und erzeugt alle nötigen Werkzeuge erscheinen spontan.

Meinung : das Kith spricht mich persönlich wenig an. Die Kraft ist so lala. Es ist cool, dass alles nötige auftaucht, aber Bleistift und Zeichenblock sind jetzt echt nicht schwer zu transportieren. Ich sehe auch nicht so die Notwendigkeit einer spontanen Goldschmiede. Koppelt man das mit dem Bonus des kleinen Volks, kann man sehr gut (weil doppelt) Materialien weiterverarbeiten.Man hätte hieraus vielleicht etwas machen können, das toll darin ist, Artefakte zu basteln.
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Die Strahlenden

Spoiler
Beschreibung:
Sie wurden wegen ihrer Passion und Hingabe entführt. Die Feen füttern die Passion immer weiter an, bis die Changeling wortwörtlich oder im übertragenen Sinne in Flammen stehen.
Beispiele:
Holde: das leuchtende Feenwesen, das spielend leicht verzaubert. Sehr passend und stimmungsvoll.
Elementar: der typische Feuerelementar, verzehrend und lodernd, absolut passend.

Kith-Kraft: Strahlende leuchten stets ein wenig, was zumindest vor Menschen durch die Maske verborgen bleibt. Sie können das Leuchten mit 1GL so stark aufdrehen, dass alle Gegner 1B Schaden bekommen und einen 2er Malus auf denken und körpern haben.

Meinung: die Strahlenden waren in der ersten Edition leuchtende Zielscheiben. Jetzt hat man das Vergnügen auf einen Flutscheinwerfer zu Zielen. Ich mag die generelle Stimmung und das Power up. Insgesamt sehr stimmig und die Strahlenden werden toll in Szene gesetzt. Good Job!
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Die Hausbediensteten

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Beschreibung :
Sie sind die sozialen überlebenskünstler, sie mussten all die Dienstbotenaufträge erledigen und sich in einem monströsen Haushalt einfügen. Wer die Hackordnung nicht schnell lernt, sich anpasst und ein Genie darin wird, wünsche zu lesen, der übersteht nicht lange. Die Dienstboten lernen Potentiale zu erkennen, zu organisieren und alle Ressourcen für sich zu nutzen.

Beispiele :
Holde: der der perfekte Organisator, gefleckt und schmeißt die besten Partys. Passt und für vorstellbar.
Dunkle: unauffällig, stets im Hintergrund, der perfekte Begleitet für alles Diskrete. Passt und ist gut vorstellbar.

Kith-Kraft:
3 Erfolge statt 5 braucht es, um einen Krit zu landen, möchte man mit Empathy die Wünsche von jemanden lesen. Außerdem kann man mittels Manipulation + Socialize ein soziales Merit eines anderen in der Szene nutzen, während der eigentliche Meritbesitzer am Ende der Szene als der gilt, der es benutzt hat.
Meinung:
Mir gefällt dieses Kith sehr gut. Es ist ein tolles Beispiel dafür, das Kith für mehrere Seemings zugänglich sein sollten. Das war in der 1stE nicht so. Die Kraft ist cool und vielseitig nutzbar. Das macht Spaß!
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Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Sirion am 10. Februar 2019, 15:18:44
Die Kiths

Dass die Kiths komplett unabhängig von den Seemings sind (vgl. S.91), bietet Flexibilität, das gefällt mir gut.
Die Beispiele bei den einzelnen Kiths reißen mich jetzt nicht vom Hocker, sie beziehen sich offensichtlich überwiegend auf das Erscheinungsbild, was mir eher unwichtig ist. Ok, darum geht es ja durchaus auch bei den Kiths, aber den Reiz sehe ich nicht so recht. Wichtiger ist mir die Prägung der Persönlichkeit. Zusammenfassend bietet sich hier ein durchwachsenes Bild: Einige Kiths finde ich eher langweilig und wenig aussagekräftig, während andere meiner Meinung nach spannende Hintergründe bieten.

Künstler

Spoiler
Beschreibung: Die Fae suchen sich eher unvollkommene Künstler, die sie dann für ihre Zwecke manipulieren. Das Erscheinungsbild der Künstler ist oft geprägt von ihrer jeweiligen Kunst. Durch ihre Hüter getrieben, streben sie pausenlos danach, perfekte Werke zu erschaffen.

Kräfte: Ein Künstler, der seine Spezialisierung im Bereich Kunst oder Ausdruck nutzt, hat schon bei drei Erfolgen einen kritischen Erfolg.
Für solche Proben kann er einen Punkt GL ausgeben, um bis zu 5 Bonuswürfel (entsprechend der Wyrd) zu erhalten. Alle benötigten Hilfsmittel stehen für eine Szene zur Verfügung.

Persönlicher Eindruck: Die Idee der Künstler als Kith finde ich nicht übermäßig interessant, die Kräfte eher schwach. Durch die Parallelen zu den Kleinen und den Nachtsängern hätte ich dieses Kith nicht unbedingt vermisst - vielleicht hätte man Nachtsänger und Künstler zu einem Kith verbinden können.
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Strahlende

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Beschreibung: Menschen mit ausgeprägten Leidenschaften, großer Begeisterungsfähigkeit werden von Feen zu Strahlenden geformt. Meist werden sie nicht gewaltsam entführt, sondern umgarnt, bis sie freiwillig mitkommen. In Arkadien treiben die Feen die Leidenschaft der Changelinge in ungeahnte Höhen, verbieten aber deren Ausdruck, bis die Changelinge mehr oder weniger explodieren. Ihre wahre Gestalt leuchtet fortan regelrecht, ihre Maske überträgt das Leuchten in ein ansprechendes Äußeres.

Kräfte: Kritischer Erfolg bei drei Erfolgen, wenn der Strahlende mittels Socialize versucht, im Mittelpunkt zu stehen.
Ein Punkt GL lässt ihn das Strahlen bis zur Blendung von Gegnern verstärken. Es durchdringt dann auch die Maske.

Persönlicher Eindruck: Interessante Idee, aber eher nichts für mich.
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Diener

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Beschreibung: Feen mit gehobenem Anspruch legen sich Changelinge als Diener in den verschiedensten Funktionen zu. Wichtig ist ihnen an den neuen Bediensteten, dass sie unverzüglich genau das liefern, was die Fee verlangt hat – ohne dafür ausgebildet worden zu sein. Neue Diener stehen ganz unten in der Hierarchie und sind bei Fehlverhalten nicht nur der Ungnade der Hüterin, sondern auch dem Zorn der restlichen Dienerschaft ausgesetzt.

Kräfte: Diener, die mit Empathie jemandes aktuelle Wünsche erkennen wollen, brauchen für einen kritischen Erfolg nur drei Erfolge.
Ein Punkt GL lässt den Diener nach erfolgreichem Würfelwurf die sozialen Errungenschaften (Merits) eines anderen nutzen.

Persönlicher Eindruck: Sind Changelinge nicht mehr oder weniger immer dazu verdammt, den Willen der Feen zu tun und damit Diener zu sein? Vor diesem Hintergrund müsste es doch den meisten ebensogut möglich sein, anderen jeden Wunsch vom Gesicht abzulesen. Die zweite Kraft irritiert mich etwas – bequatschen sie die andere Person so erfolgreich, dass diese ihre Ressourcen „freiwillig“ zur Verfügung stellt? Oder wenden sie sich direkt an die sozialen Kontakte der Person und erzählen ihnen, was sie von ihnen wollen, sei alles im Auftrag der Person? Das könnte doch auch jeder versuchen – mir fehlt hier das Alleinstellungsmerkmal.
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Knorpelknacker

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Beschreibung: Die meisten Changelinge, die Knorpelknacker werden, hatten vor ihrer Entführung das Gefühl, eine innere Leere füllen zu müssen. Viele dienten als Köche oder Wachhunde, die andere Changelinge umbrachten, kochten oder auch roh verschlangen. Nach der Zeit in Arkadien bleibt ihr Hunger bestehen, verlagert sich aber in der Regel auf andere (auch immaterielle) Dinge als Changelinge.

Kräfte: Knorpelknacker haben schon bei drei Erfolgen einen kritischen Erfolg, wenn sie versuchen jemanden zu festzuhalten, um ihn zu verschlingen.
Ihre Beissattacken machen sogar auf Entfernung tödlichen Schaden – für einen Punkt GL verlängert sich ihr Kiefer im nötigen Maß, so dass sie Opfer, die kleiner als sie selbst sind, auf einmal verschlucken können.

Persönlicher Eindruck: Krasses Kith! Sicher ein spannender Charakterhintergrund, mit dem es erst einmal klarzukommen gilt.
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Höllentaucher

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Beschreibung: Höllentaucher werden von den Feen als Spione eingesetzt, oftmals sogar in die Eisenwelt entsandt. Sie bleiben aber immer mit einem silbernen Faden mit ihrem Hüter verbunden, der sie so auch wieder zurückholen kann. Sie sind von unersättlicher Neugier getrieben.

Kräfte: Meisterhafte Diebeskunst – schon drei Erfolge zählen als kritischer Erfolg beim Diebstahl in übernatürlichen Reichen wie z.B. der Hecke oder Arkadien.
Höllentaucher können mit 1 GL und Würfelwurf für ein paar Runden körperlos und unsichtbar werden. In diesem Zustand können sie mit Geistern reden und andere Reiche betreten.

Persönlicher Eindruck: Grundsätzlich interessantes Kith, die Kräfte kann ich mir als sehr nützlich vorstellen.
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Jägerherz

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Beschreibung: Menschen, die einerseits unsicher, andererseits aber von Ambitionen getrieben sind, werden von Feen zu Jägerherzen geformt. Ihre einzige Aufgabe in Arkadien ist das Jagen und Töten.

Kräfte: Beim Verfolgen von Feenwesen mit Hilfe von Ermittlungen oder Überlebensfähigkeiten haben sie schon bei drei Erfolgen einen kritischen Erfolg.
Der Blick in die Augen eines Jägerherz-Changelings kann das Opfer vor Furcht erstarren lassen oder zu panischer Flucht verleiten. An einem solchen Opfer machen die Angriffe des Changelings tödlichen Schaden.

Persönlicher Eindruck: Ist mir etwas zu eindimensional. Das Kith hat sicher seine Berechtigung und ist bestimmt auch spannend zu spielen, aber für mich eher im One-Shot-Bereich als für was Längeres.
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Energieräuber

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Beschreibung: Der Hintergrund derer, die die Feen zu Energieräubern machen, war bestimmt vom Nehmen im weitesten Sinne. Eingesetzt werden sie in der Feenwelt als Folterer – sie stehlen ihren Opfern mit ihrer Berührung die Lebensenergie.

Kräfte: Ein Energieräuber kann beim Einsatz medizinischer Fähigkeiten den Gesundheitszustand eines Wesens feststellen.
Bei körperlichem Kontakt kann der Energieräuber seinem Kontrahenten für 1 GL pro Runde Lebenskraft entziehen und sich selbst entsprechend heilen. Changelinge nehmen den doppelten Schaden und heilen den Energieräuber auch um die doppelte Menge.

Persönlicher Eindruck: Sehr cooles Kith. Leechen hat mich in allen möglichen Spielen schon immer fasziniert. Bei der ersten Kraft ist mir nicht ganz klar, ob es bei der Diagnose des Gesundheitszustands bleibt oder ob auch Behandlungsversuche erleichtert sind.
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Spiegelnde

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Beschreibung: Menschen, die die Feen zu Spiegelnden machen, hatten das Bedürfnis, es allen recht zu machen oder wenigstens nicht negativ aufzufallen. In der Feenwelt konnten sie ihr Erscheinungsbild oder sogar ihr eigentliches Wesen extrem wandeln, wurden von ihren Hütern möglicherweise auch schmerzhaften Umwandlungsprozessen in andere Kiths unterzogen. Sie dienten als Spione, Publikumsattraktionen, Berater oder lebende Spiegel. Ihr Kampf ist der Kampf als jemand anderer zu überleben. Auch in der Eisenwelt sind Verstellung und Verkleidung ihre Stärke.

Kräfte: Verwandelt/Verkleidet können Spiegelnde sich schon bei drei Erfolgen mit kritischem Erfolg verstecken.
Spiegelnde können für 1 GL plus Würfelwurf ihr Erscheinungsbild (sowohl Maske als auch Feengestalt) komplett verändern.

Persönlicher Eindruck: Die Vorstellung, dass ein Spiegelnder seine eigene Identität in der Menge angenommener Identitäten verlieren könnte, finde ich faszinierend. Definitiv eines der Kith-Highlights für mich.
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Nachtsänger

Spoiler
Beschreibung: In der Eisenwelt hatten die künftigen Nachtsänger bereits eine kreative Ader, nicht unbedingt für das Singen, sondern auch für andere Künste. Die Feen verlieren sich in den im Gesang enthaltenen Emotionen. Im Feenreich kann dieser Gesang sogar die Realität verändern – das geht nach der Rückkehr der Changelinge in die Eisenwelt nicht mehr. Dennoch können sie ihr Publikum bezaubern.

Kräfte: Verbesserte Chance auf kritischen Erfolg beim Singen und Komponieren.
Für 1 GL und Würfelwurf schwärmt das Opfer für den Nachtsänger und ist für die Dauer des Liedes angewurzelt, außer der Changeling führt ihn weg. Der Zustand kann beendet werden durch genügend Schaden, wenn jemand seinen Willen gegen die Bezauberung durchsetzen kann oder wenn das Opfer außer Hörweite des Liedes kommt.

Persönlicher Eindruck: Weiß nicht recht, eigentlich finde ich die Idee, die Feen mit emotionalen Lieddarbietungen zu entzücken, nicht verkehrt. Schade ist aber die Einschränkung der Kunstform auf Gesang. Die Kräfte sind märchenhaft passend.
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Notar

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Beschreibung: Notare sind die Zeugen und Schwüre selbst, die die Feen mit anderen abschließen. Ihre Hüter wollen daher entkommene Notare noch dringender zurückholen als andere Changelinge. In den Höfen machen sich Notare als Berater, Anwälte und trickreiche Verhandlungsführer nützlich.

Kräfte: Ein kritischer Erfolg schon bei drei Erfolgen, wenn der Notar Verträge verhandelt, liest oder interpretiert.
Ein Vertrag, den der Notar selbst geschaffen hat, kann einmal im Kapitel ohne GL genutzt und danach im genauen Wortlaut wiedergegeben werden.

Persönlicher Eindruck: Die Verträge finde ich immer noch schwer zugänglich, daher würde ich von diesem Kith erstmal Abstand nehmen. Wenn man weiß, was man da tut, kann man damit sicherlich viel bewirken.
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Spielgefährte

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Beschreibung: Feen suchen sich gerne einsame Menschen, um sie mit dem Versprechen von Strukur, Bindung und Liebe in Spielgefährten zu verwandeln. Die meisten Spielgefährten sind nicht aus eigenem Antrieb zurück in die Eisenwelt geflohen, sondern wurden von ihren Hütern weggeworfen, als sie ihnen langweilig wurden. Spielgefährten sind besonders hilfsbereit.

Kräfte: Spielgefährten können andere schon mit drei Erfolgen kritisch davon überzeugen, sie oder ihre Gefähren zu mögen.
Für 1 GL können sie andere durch Berührung heilen, allerdings auf Kosten ihrer eigenen Claritiy.

Persönlicher Eindruck: Stimmiges Kith, auch die zugehörigen Kräfte samt Nachteil. Ich vermisse den eigenen Willen, den Widerstand – immer nur gefallen zu wollen, finde ich nicht attraktiv.
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Eisige (Snowskin)

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Beschreibung: Vor ihrer Entführung waren die Eisigen unabhängige, selbstständige Menschen und ihre Zeit in besonders kalten Gebieten Arkadiens hat diese Eigenschaften verstärkt. Sie sind danach kühl, zurückhaltend, reserviert, manche sogar asozial. Herz und Seele wie eingefroren, konnten sie ihren Hütern entkommen.

Kräfte: Ein Eisiger kann mit drei Erfolgen schon einen kritischen Erfolg dabei erzielen, seine Gefühle vor anderen zu verbergen.
Ein Eisiger kann andere für 1 GL plus Würfelwurf vor Publikum so niedermachen oder verspotten, dass diese erschüttert sind und ihr sozialer Umgang mit anderen Changelingen erschwert wird.

Persönlicher Eindruck: Mir fehlt, wozu die Hüter die Eisigen eigentlich geschaffen haben. Was war ihre Aufgabe? Das Kith scheint allein durch die „klimatischen“ Verhältnisse geprägt zu sein, das finde ich etwas schwach. Die Kräfte scheinen mir stimmig, die zweite aber vermutlich nicht sehr häufig einsetzbar. Warum wird denn nur auf eine Zuhörerschaft aus Changelings Bezug genommen? Könnte man nicht z.B. auch menschliche Zuhörer gegen das Opfer einnehmen?
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Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Tapam am 10. Februar 2019, 20:40:16
Dann mal ran an den Bereich, der als optionales Element dargestellt wird, aber irgendwie so wie ein kostenloses Dessert ist, bei dem man so oder so zuschlagen muss.

Die vor Ausführlichkeit strotzende Tabelle, die ich Anfang der Woche begonnen hatte, spare ich mir mal, weil andere schon ausführlich gearbeitet haben. Ich sag vielleicht ein, zwei Sätze pro Kith, ob ich es thematisch oder spielerisch für interessant halte.

Spoiler
Künstler: Finde ich thematisch ganz spannend, da Künstler an sich ja häufig eh ein „Völkchen für sich“ sind. Die Fähigkeit ist jetzt nicht so verblüffend, aber ein geschickter Steinmetz kommt bestimmt überall rein und ein Maler kann sicherlich für einige alberne Verwirrung sorgen, wenn er wie Wile E. Coyote munter Tunnel an Wände malt… Für mich ein Kith im sicheren Mittelfeld.

Glänzender: Ein „Glühwürmchen“, das sich wie Gilderoy Lockhart im Zentrum der Aufmerksamkeit sonnt, findet bestimmt bei Spielern mit einer Affinität zu sozialen Charakteren Anklang. Die Fähigkeit kann praktisch sein, aber insgesamt berührt mich das Kith nicht so sehr, weil ich wenige Ideen für Charakterkonzepte hätte.

Butler (Danke für noch ein neues Fremdwort bei der Kith-Bezeichnung): Irgendwie finde ich in vielen Geschichten Butler, die allgegenwärtig und stützende Säule eines Haushalts sein können, aber dennoch im Schatten verharren, ganz neckisch. Ist sicherlich spannend, wie man aus dieser Rolle ausbrechen kann. Die Fähigkeit ist okay, sehe aber eine Überschneidung mit der Fähigkeit der Holden. Insgesamt noch ein gutes Kith, wie ich finde.

Knorpelknirscher: Ich habe keine genaue Ahnung, warum es so ist, aber ich befürchte, dass das mein Favorit unter den Kiths ist. Die psychologische Ebene des inneren Zerfressens und das Verschlingen ganzer Feinde bietet einfach so viel Spielraum, dass ich mir mittlerweile zu jedem Seeming (mindestens) mental einen Knorpelknirscher zusammengebaut habe. Man kann sie so wie Gluttony aus FMA spielen, aber richtig Spaß machen sie bestimmt dann, wenn man einen eher intelligenten oder sozialen PC spielen will.

Weltenspringer: Auch thematisch sehr interessant, dass sich diese erst buchstäblich von ihren Herren abnabeln mussten und jetzt vom Wissenshunger getrieben werden. Die Fähigkeit ist vielleicht teuer, aber sehr stark und bietet alles, was man sich von einem Heimlichkeits-PC wünschen kann. 

Jägerherz: Es muss dieses Kith geben, aber es wirkt auf mich irgendwie wie ein Vertiefen des Biest-Seemings. Interessiert mich nicht so, weil ich ja auch kein Biest-Fan bin.

Vampirfinger: Schön gruseliges Kith, das angemessen schief beäugt wird. Die Fähigkeit kann auf Dauer teuer werden und kommt bestimmt nicht allzu häufig problemlos zum Einsatz, aber insgesamt wirkt das Kith noch in Ordnung für mich.

Spiegelgesicht: Der perfekte Gestaltwandler, der sich in seinen Rollen verlieren kann. Ich hatte in meinen DSA-Zeiten viel Spaß an einem Illusionisten, der sich gerne als eine Art Con-Artist betätigte, und sehe sehr viel Potential in diesem Kith. Note: super!

Nachtsänger: Ich verstehe auch nicht, warum man den nicht mit den Künstlern zusammengelegt hat… Ende. :/

Notar: Ein „Rechtsvertreter der Wechselbälger“, der die wichtigsten Verträge seines Herren am und/oder im Körper trägt – das fand ich beim ersten Lesen schon genial. Politische Kampagnen liegen mir leider nicht so und die Fähigkeit wirkt irgendwie auch nicht so vielseitig und häufig anwendbar. Schade.

Spielgefährte: Zeichnet genau das aus, was ich an Changeling so mag. Nicht nur spieltechnisch als Gegenpol zum Vampirfinger was ganz Besonderes, sondern sowohl optisch als auch psychologisch so interessant, dass ich viele Ideen für Charakterkonzepte hätte. Ein tolles Kith.

Eisherz: Irgendwie findet man hier wenig, das man nicht eh durch einen gefühlskalten Charakter, Zugehörigkeit zum Winter-Hof oder Spiegelhaut-Kith hätte haben können. Sind irgendwie Gegenpol zu den Leuchtenden oder Nachtsängern. Kann leider nichts mit anfangen.
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Also lassen sich durch die vorgegebenen Kiths schon einige verrückte Charakterkonzepte verwirklichen. Ich bin trotzdem auf das Buch zu den Kiths gespannt, weil vielen Fans der 1ed einiges, insbesondere die Klassiker der 1ed, noch zu fehlen scheint. :)


Bonusfragen an die "alten Hasen" : Welches nagelneue Kith ist die größte Bereicherung für euch? Welches Kith aus 1ed müsste dringend noch rein?
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 11. Februar 2019, 21:47:37
Struktur
Ein kurzes Vorwort, dann die unterschiedlichen Kiths mit Beispiel Seeming und abschließend die Sonderfähigkeiten.

Inhalt
Gleich am Anfang, die Erklärung, wie ein Changeling zu einem der Kiths kommt, gefällt mir nicht. Es werden mehrere Begründungen geliefert, aber in der Folge ist es dann doch nur die True Fae, die das bewirkt hat. Es wäre nach meinem Geschmack gewesen, wenn die Veränderungen prinzipiell aufgrund von Pakten geschehen würde. Vereinbarungen, die der Changeling eingehen muss, um in Arcadia zu überleben / funktionieren ... sie verleihen Kräfte, erzwingen Nachteile, verändern das Aussehen.
Von Balancing halte ich zwar nichts, aber erwähnenswert finde ich, dass die Kiths, für mein Empfinden, sehr schlecht ausbalanciert sind. Jedem Kith ein Spotlight zu geben, könnte schwierig werden.
Von den 12 Kiths finde ich nur 2 oder 3 wirklich ansprechend.

Vergleich zur 1stEd
Die erste Edition ist eines der 36 Kiths immer eine Ausdifferenzierungen eines bestimmten Seemings. In der zweiten Edition lassen sich Kiths und Seemings frei kombinieren.

Fazit
Ehrlich gesagt, ist es mir egal, ob Kiths im Sinne der 1st benutzt werden, um einem Seeming einen bestimmten Touch zu geben oder, ob die Kombinationsvielfalt der 2nd zum Einsatz kommt. Das ist für mich beides okay.
Auf der anderen Seite finde ich die meisten Beispiel für die Kiths in der 2nd aber so gar nicht ansprechend.

Bonusfragen an die "alten Hasen" : Welches nagelneue Kith ist die größte Bereicherung für euch? Welches Kith aus 1ed müsste dringend noch rein?
Bereicherung sehe ich persönlich keine.
In meinen Augen fehlt eine ganze Menge (z.B. Changelings, die als treuer und belastbarer Gefährte das Rückgrat einer Gruppe bilden oder fliegende Changelings oder diejenigen, die die Nische Prophezeiungen/Okkultismus bedienen). Was ja bei dem Verhältnis der Kiths von 36:12 auch kein Wunder ist.

Mein Fazit aus Kapitel 1
Einen dicken Daumen hoch für die Umsetzung der Höfe in der 2nd.
Seemings und Kiths finde ich in der 1st Edition griffiger und spielfreudiger - über die unterschiedliche Mechanik und Effekte der Kith Blessings habe ich noch keine abschließende Meinung.

(Von mir aus kann es mit Kapitel 2 weiter gehen.)
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Sandmann am 13. Februar 2019, 09:03:25
Um es abzukürzen, ich bin mit mehreren Kith unzufrieden. Wie Nin schon sagte, Balancing ist ein Problem. Wenn man ein Spiel überarbeitet und dabei die Optionen verringert, sollte dieser irgendwie gleichwertig sein. Eisige sind einfach nochmal Winterhoflinge für alle... Künstler sind nur zu langweilig. Und es fehlen einfach Kiths, wo sind die Orakel, die Traumgänger und Heckenläufer?
In der 1stE gab es mehr gute Optionen, aber auch mehrere deren Kräfte ultra einfallslos waren. Ich sehe eine paar verschenkte Chancen. Stattdessen wünsche ich mir mehr Knorpelkracher, Nachtsänger etc. Selbst die Jägerherzen finde ich sehr passend und eindrucksvoll. Bevor man sich mit denen anlegt, sollte man sich echt überlegen, ob man auch tot noch regenerieren kann, oder lieber auf drölf Millionen Punkte Mörderschaden verzichtet.

Endresultat:
Seemings haben abgebaut. Auch durch die Kiths sehe ich sie jetzt wenig aufgewertet. Das kann daran liegen, dass ich noch in alten Mustern denke. Es fühlt sich aber auch komisch an, zuerst sich zu überlegen, ich möchte einen Höllentaucher spielen und dann auf Oger kommt.
Höfe sind größtenteils besser beschrieben und ausgestattet worden.
Kiths sind ein bunter Mix aus Jey und Ney!


Von mir aus kann es weitergehen. Als nächstes kommt Hintergrundwissen und es beginnt mit Arkadia (63 - 68) . Ich habe den Abschnitt bisher noch nicht gelesen und damit gearbeitet, was ich aus der ersten Edition mir erarbeitet habe. Bin sehr gespannt ob und welche Veränderungen es gibt.
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 13. Februar 2019, 10:45:18
(...) Als nächstes kommt Hintergrundwissen und es beginnt mit Arkadia (63 - 68). (...)

... und jetzt auch in Farbe.  ;)

Chapter 2 - More Things in Heaven and Earth - Arcadia (p. 63-68)
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 14. Februar 2019, 20:01:11
(( Ein kurzer Einschub für diejenigen, die hier rein schauen und nicht wissen, worüber wir hier schreiben.
Der Gentleman Gamer von OPP hat heute ein Video online gestellt, das (in Englisch) beschreibt, wie er das Setting sieht. Ich packe das mal in den ersten, eröffnenden Beitrag (https://www.drachenzwinge.de/forum/index.php?topic=137436.msg1026007#msg1026007). ))
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Sandmann am 16. Februar 2019, 18:23:14
Bevor es in das Thema geht, steht dem Kapitel ein Zitat vor, das ich tatsächlich als sehr wichtig empfinde. "Phantasie ist weniger eine Form der Realitätsflucht, als ein Weg die Realität zu verstehen." Mitte der Woche bin ich über Umwege in eine Diskussion über misshandelnde Menschen in der RPG-Industrie aufmerksam geworden und damit verbunden habe ich einiges über Strategien von solchen Tätern gelernt. Mit diesem Vorwissen bin ich in das folgende Kapitel eingestiegen und dachte mir "Wow, das ist krass, wie sich der Ton vom Spiel geändert hat. Es ist deutlich expliziter, als ich es in Erinnerung hatte." Dabei geht es weniger um die Themen oder die konkreten Erlebnisse, sondern darum, wie das Spiel sie präsentiert. Die Feen sind keine Urmächte, Märchenwesen, unbegreifliche Anderswesen mehr. Sie haben ganz konkrete Motivationen, die fürchterlich, aber doch in einem Menschen (Täter) vorstellbar sind. Die Strategien, Mechanismen, Denkweisen entspringen 1 zu 1 dem kranken Denken von Menschen, die anderen Gewalt antun. Das Zitat macht recht deutlich, dass das folgende Kapitel so gelesen werden möchte.
Das ist die Brille, die ich seit Dienstag neu habe und ich bin gespannt, was ich mit ihr so finden werde (zum Beispiel habe ich jetzt eine Idee, warum es die Huntsmen gibt...). Bin gespannt, wie ihr das Kapitel findet und wie ihr es versteht.

Das Schöne Volk / Die Feen (S. 63 - 66)
Feen werden durch ihr Verlangen regiert, das war schon immer so, das wird immer so bleiben. In Arkadia, können sie sich jeden Wunsch binnen Millisekunden erfüllen, das muss Konsequenzen für die Psyche haben... Daher ihr Intresse an Dingen, die sich widersetzen können bzw. neu sind. Spannend ist hier ein Einschub in Klammern, der suggeriert, dass Feen unter Umständen mal nicht so mächtig waren bzw. jemand anderem unterlegen.


Es war einmal...
Feen unterliegen Mustern wie Fehden, bestimmten Verhaltensweisen, Schwächen etc. Ihr Verhalten erscheint oft nicht logisch, aber es lässt sich nach genug Beobachtung vorhersagen. (Psychologisches Profiling!) Sie haben viel Auswahl was Opfer angeht, sie suchen sich aber gezielt Menschen aus, weil es vielleicht einfach schönes ist, jemandes Leben zu zerstören als etwas Neues zu erschaffen. Insgesamt sehr nett geschrieben. Man bekommt einige wichtige Antworten darauf, warum sich eine Fee so verhält, wie sie es tut. Wie gesagt, es kam mir in der ersten Edition so vor, als seien sie viel weniger menschlich.

Es folgen mehrere sehr schön geschriebene Abschnitte zu ... ja zu was eigentlich? Insbesondere der Absatz zu den Blumen verwischt die Grenzen sehr stark. Ich nehme an, dass hier Beispiele für Feen auf- /erzählt werden. Die meisten sind recht stimmungsvoll, aber ich war zuerst sehr irritert, worum es gehen soll. Die Feen werden nämlich in ihrer Interaktion mit den Changelingen beschrieben und somit ging es eigentlich auch fast immer darum, wie die Changelinge verändert wurden und wie ihr Leben in Arkadia aussah.

Heute
Der Abschnitt beginnt mit einem tollen kurzen Text, einer Traumsequenz. In ihr kommt das Thema beautiful Madness total zur Geltung. Herrlich!
Es geht im Folgenden darum, dass die Erinnerungen der Changelinge an Arkadia verblasst sind und je mehr sie sich daran erinnern, um so mehr werden sie darin gestört sich wieder in ihr eigenes Leben einzufügen. Verdrängen ist auch keine Option, weil die Schrecken der Vergangenheit jederzeit wieder zurück kommen können. So wie man im realen Leben Leuten wieder begegnen kann, die einem etwas angetan haben. Hier komme vor allem die Huntsman ins Spiel, das soziale Netzwerk, dass die Misshandler um sich herum aufgebaut haben. Sie können immer unerwartet auftauchen, belauern und still drohen, bevor sie plötzlich zuschlagen.
Deshalb braucht man Hilfe von Leuten, die einen verstehen und nicht nur Strategien und Waffen bieten, sondern über Emotionen einem Halt geben, das sind die Höfe. Die alten Kontakte kann man selten einbeziehen, sie verstehen das Geschehen nicht und werden zudem durch Mitwissen oder Handeln unweigerlich in das Visier der Misshandler und ihrer Helfer, der Feen und Huntsmen geraten.

Das liest sich soweit recht schlüssig. Ich hätte hier jetzt eher erwartet etwas darüber zu erfahren, wie die Feen in der Eisenwelt agieren. Dafür, dass die Überschrift auf die Feen verweist, erfahre ich hier zu viel über Changelinge. Vor allem Dinge, die ich bei den Höfen schon gelesen habe. Immerhin kam ich stolz auf mich sein, dass ich die doppelte Lesart bzw die Metapher zu verstehen scheine.

Die Gefangenschaft

Einleitung...
Um es abzukürzen, Feen sind Arschlöcher! Sie befolgen Regeln, um Menschen zu entführen / entführen zu dürfen, aber sie tricksen an jeder Ecke, um aus der kleinsten Geste ein absolutes Recht über das Opfer zu erhalten.
Das noch perfidere an der Situation ist, dass sie die Verantwortung für das Schicksal des Opfer in dessen Hände legen. "Du hast es verdient." "du wolltest es so. "Ich bestrafen nur, deinen Fehltritt." "es war dein Handel." Gleichzeitig sind die Feen viel zu erhaben, um dafür zuständig zu sein.
Das ist eine miese Psychomasche (wieder aus dem echten Leben), um das Opfer klein zu machen und ein Machtgefühl dem Täter, der Fee zu geben.

Es war einmal...
Es werden mehrere Szenen, passend zu den Motivationen der Feen, vorgestellt, die zeigen, dass das Erleiden aus Selbstsucht der Feen passiert. Ich finde die Beispiele sehr passend und sie zeigen eine Vielzahl von möglichen Gefangenschaften. Habe ich mich bei der Einleitung noch gefragt, was das mit der Gefangenschaft zu tun hat, ist es hier deutlich. Gute Inspiration für den Charakterbau.
Mein Liebling ist bisher die "Einsamkeit", im Spreepark gibt jemanden mit einer sehr ähnlichen Geschichte.

Heute...
Weniger aussagekräftig als der vorherige Teil. Es wird betont, dass zum einen natürlich die Feen ihren Fingerabdruck auf den Changeling en hinterlassen, da gibt es keine Wahl. Aber die Veränderung bringt auch Vorteile mit sich. Man nimmt also sein Trauma aus der Gefangenschaft mit, versucht das Schädliche zu verdrängen und das Nützliche zu nähren. Das Ziel sollte es also sein, einlesen zu führen, das schließlich auch gestärkt aus der Erfahrung hervorgeht. Das nächste Arschloch soll es schwerer haben.

Hier habe ich das Gefühl, dass der Abschnitt existiert, weil man das Format einhalten wollte. Mir erscheint es so, als wiederholt der Text sich hier. Kann aber auch sein, dass das mein Vorwissen ist. Bin da auf euren Eindruck gespannt.

Mir hat das Kapitel soweit (habe irgendwie den Abschnitt Wyrd nicht dazugezählt) teilweise gut gefallen, teilweise erschien mir Inhalt doppelt. Wobei es mir definitiv geholfen hat, ist, dass ich oben beschriebene Metapher besser verstehe. Bis zu diesem Punkt ist das Thema Psyche von Täter und Opfer im Fokus gewesen und ich bin gespannt, wann all die anderen Elemente, für die ich Ctl liebe, ins Spiel kommen.

Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Tapam am 16. Februar 2019, 19:07:47
Arkadien

Arkadien ist keine Feenwelt. Hier agieren die Fae, indem sie für die Licht-, Toneffekte sorgen und nicht zuletzt über ihren eigenen Willen das Bühnenbild zusammensetzen. Die Rolle der Schauspieler obliegt vornehmlich den Wechselbälgern, was mich umso mehr Parallelen zur Traumwelt aus „Inception“ ziehen lässt.


Fae/Halter/Edle

Sie sind mehr als uralt, sie können mit einem Gedanken alles erschaffen, was sie wollen. Sie erinnern ein wenig an Kleinkinder, die vor nahezu grenzenloser Kreativität strotzen; um auf der anderen Seite wieder in absoluter Unbekümmertheit von ihren eigenen Werken begeistert und dann wieder gelangweilt zu sein. Wenn alte Menschen wieder wie kleine Kinder werden, was soll dann nach Jahrtausenden aus einem annähernd menschlichen Verstand werden?

Es war einmal
Sie kommen aus Arkadien, sind Teil von Arkadien. Manchmal kann man ihre Gelüste, Sorgen und Begehren vorausberechnen, was jedoch keineswegs heißt, dass man sie aufhalten kann (ohne "überfahren" zu werden). Obwohl sie andere Wesen einfach erschaffen oder Goblins mit Leichtigkeit aus der Hecke in ihr Reich entführen könnten, ist es für sie wesentlich reizvoller, Menschen zu entführen und buchstäblich aus ihren Leben zu reißen. Wenn sie einen Menschen zu einem Wechselbalg umformen, „weben“ sie hierbei auch einen Teil von sich selbst mit ein.

Es ist jetzt
Als Mensch muss man nolens volens gegen ein Verdrängen der eigenen Vergangenheit ankämpfen, muss dabei noch gegen die wenig zuverlässige Gegenwart ankämpfen, die ihm Arkadien bietet. Diese Paranoia übernimmt man selbst dann in seine eigene Psyche, wenn man Arkadien rein physisch längst hinter sich gelassen hat. Hinter jedem Geräusch, jeder spiegelnden Oberfläche könnten Verfolger auf einen Angriff warten. Dass der Halter einen vergessen haben könnte, ist die größte aller Hoffnungen. Die beißende Ironie hierbei ist, dass man höchstwahrscheinlich von denjenigen vergessen wurde, die einem selbst am wichtigsten sind.
In diesem Spannungsfeld, quasi als Pinpong-Ball zwischen einer Vielzahl an Traumata, kann man nur bei Leuten Halt finden, die ähnliches erlebt haben. Man erlangt also Halt, Trost und vielleicht sogar ein wenig Heilung, zumindest Linderung, bei den Höfen und in kleineren Zusammenschlüssen von Wechselbälgern. 

Fortsetzung folgt…
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 18. Februar 2019, 18:06:09
"Diskussion über misshandelnde Menschen in der RPG-Industrie"
(...) Mitte der Woche bin ich über Umwege in eine Diskussion über misshandelnde Menschen in der RPG-Industrie aufmerksam geworden und damit verbunden habe ich einiges über Strategien von solchen Tätern gelernt. Mit diesem Vorwissen bin ich in das folgende Kapitel eingestiegen und dachte mir "Wow, das ist krass, wie sich der Ton vom Spiel geändert hat. Es ist deutlich expliziter, als ich es in Erinnerung hatte." Dabei geht es weniger um die Themen oder die konkreten Erlebnisse, sondern darum, wie das Spiel sie präsentiert. Die Feen sind keine Urmächte, Märchenwesen, unbegreifliche Anderswesen mehr. Sie haben ganz konkrete Motivationen, die fürchterlich, aber doch in einem Menschen (Täter) vorstellbar sind. Die Strategien, Mechanismen, Denkweisen entspringen 1 zu 1 dem kranken Denken von Menschen, die anderen Gewalt antun.(...)

Der Text von Mandy M. über Zak S. hat mich auch beschäftigt. Mal liegen Fiktion und Realität nebeneinander ... manchmal überschneiden sie sich.  :(
Schade, dass Diskussionen über diese Problematik in Rollenspielforen nicht möglich ist (siehe z.B. Tanelorn).
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Inhalt
The Fae, The Gentry, Your Keepers als Regisseure des Missbrauchs. Harter Tobak - weil so realistisch und greifbar.
Das Verschwinden und die Zeit bei den Feen wird in The Durance mit Beispielen angerissen. Da bleiben für mich ein paar Fragezeichen (z.B. warum die Feen Doppelgänger hinterlassen, wenn Feen Changelings überdrüssig werden, warum sollten sie die dann zurück haben wollen und jagen lassen), anderes ist für mich ein bisschen konstruierte (Menschen zu entführen, statt sich z.B. an Hobgoblins zu bedienen).
Als dritter Absatz das "Naturgesetz" The Wyrd, dass Alle und Alles in Arcadia beeinflusst.

Vergleich zur 1stEd
In der 1st gibt es mehrere Bücher, die sich mit den True Fae beschäftigen. Immer sind sie gottähnliche Entitäten. Unfassbare Kräfte die als Landschaft genauso auftreten können, wie als Person oder abstrakte Botschaft. Die kurze Einführung in der 2nd beschreibt Wesen, die menschenähnliche Monster sind. Psychopathen und Soziopathen mit übermächtigen Kräften.

Fazit
Die 2nd ist dichter an der Realität und für mich daher wesentlich dichter am Horror.

((Fertig mit dem Abschnitt))
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Sirion am 18. Februar 2019, 19:07:01
Arkadien und die Feen

Die Feen sind von Launen und Begehren getriebene Kreaturen, die -innerhalb von Arkadien - in einem Augenblick ganze Welten erschaffen können. Diese Allmacht bedingt Langeweile und Empathielosigkeit.

Damals

Einerseits sind sie unergründlich, andererseits doch vorhersagbar. Sie lieben ihre Familien (!) und streiten untereinander. Am liebsten holen sie sich menschliche Diener aus der exotischen Eisenwelt - die bieten mehr Widerstand und Herausforderung als andere und es mag aus ihrer Perspektive befriedigender sein, ein Leben zu zerstören als eines zu erschaffen.
Ein Verweis auf die in Arkadien anders verlaufende Zeit und die Jäger beschließt den Abschnitt.

Jetzt

Ein Changeling, der zurück in die Eisenwelt gekehrt ist, muss zwischen Verdrängung und Erinnerung die Balance finden. Feen sind rachsüchtig, aber gelangweilt, kleinlich, aber auch nachlässig. Es bleibt immer die Angst, gefunden und zurückgeholt zu werden. Höfe bieten Halt, orientieren sich an Grundemotionen, die der einzelne aus Arkadien mitbringt. Freunde in derselben Situation sind wichtig, denn sie haben Ähnliches durchgemacht und verstehen einen.

Ich muss sagen, ich hätte mir hier konkretere und ausführlichere Infos über die Fae gewünscht. Die Hälfte der Zeit ging es doch wieder um die Changelinge selbst. Die Fae bleiben weiterhin wenig greifbar - und nicht, weil sie das eben sind, sondern weil die Beschreibung dürftig und widersprüchlich ist. Offenbar sind es nicht die Gefühle, der Eigenwille und die Kreativität der Menschen an sich, die sie so attraktiv finden, denn sie können laut Text selbst lieben und streiten, begehren und gestalten. Hier komme ich zum selben Schluss wie Sandmann, die Fae werden durchaus menschlich dargestellt - wie Menschen, die zu viel Macht über andere haben, die sie skrupellos und willkürlich ausnutzen.

Die Gefangenschaft

Die Feen ziehen alle Register, um einen Menschen nach Arkadien zu entführen, Regeln hin oder her. Den meist unwissenden Opfern wird eingeredet, die Entführung sei ihre eigene Schuld und sie hätten viel Schlimmeres verdient und könnten ihren Hütern noch für die Behandlung dankbar sein. (Ein perfides und auch wieder nur zu menschliches Vorgehen ...)

Damals

Was auch immer die Motivationen der Fae, ob nun aus Lust auf Abwechslung, Habgier, Mutwille, zur Unterhaltung, aus Begehren oder Einsamkeit, entführen sie Menschen und verwandeln sie für ihre Zwecke. (dito)

Jetzt

Du bist zurück und du bist gezeichnet von deinem Hüter und der Gefangenschaft, an Leib und Seele. Du stehst vor der Frage, was tun mit dem Doppelgänger, den sie in deinem alten Leben installiert haben? Willst du dein altes Leben überhaupt zurück? Du bist nicht mehr der Mensch von damals. Du hast dich arrangiert, vielleicht dein neues Ich sogar zu schätzen gelernt.


Auch hier bleibt die Darstellung der Feen meiner Meinung dem (ungesunden) Menschlichen sehr nahe. Keine unbegreiflichen Überwesen, sondern von grenzenlosem Machtwillen getriebene Kreaturen. Die Beispiele fand ich gut gewählt.


Die Wyrd

Die Wyrd ist die Macht hinter der Magie, dem Glanz, des Feenreichs. Durch sie werden Versprechen bindend und Changelinge an das Feenreich gebunden. Die Wyrd basiert auf Ausgleich - zum Nehmen gehört auch Geben.

Damals

In Arkadien beruht alles auf Verträgen. Wer in einem solchen Vertrag (auch unwissentlich) gebunden ist und ihn nicht einhält, kann damit rechnen dass die Wyrd an seiner statt für Ausgleich sorgen wird.

Jetzt

Die Wyrd bietet den Glanz, den begehrenswerten Stoff aus Gefühlen und Tagträumen, der dir hilft, dich lebendig zu fühlen. Es gibt Gerüchte von Leuten, die versucht haben, das System der Wyrd zu hintergehen - es ist ihnen nicht gut bekommen.

Im Zusammenhang mit dem "Ernten" von Glamour ist mir allerdings der Ausgleich nicht klar - wo ist da das Geben, wenn es nicht eine Situation ist, in der sowieso ein beiderseitiges Geben und Nehmen vorhanden ist? Womit "bezahlt" man?
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 18. Februar 2019, 19:48:03
Im Zusammenhang mit dem "Ernten" von Glamour ist mir allerdings der Ausgleich nicht klar - wo ist da das Geben, wenn es nicht eine Situation ist, in der sowieso ein beiderseitiges Geben und Nehmen vorhanden ist? Womit "bezahlt" man?
Im Text wird die Gravitation als Analogie genutzt ... ich mach mir mal den Spaß ... wenn ich der Überlegung folge (und den Würfelwurf zum Ernten ignoriere), dann hängt das gewonnene Glamour (abgeleitet aus der Arbeit und Energie) von dem Aufwand (ebenfalls Arbeit oder hier: Geben) ab, die der Changeling in Form von emotionalem Beeinflussen rein gesteckt hat.  ;)








Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Tapam am 18. Februar 2019, 22:48:05
...auch fertig...



Die Gefangenschaft

Man wird entführt, stellt sich immer wieder die Frage, wer daran die Schuld trägt; sucht diese schließlich solange bei sich selbst (was der Halter natürlich unterstützt), bis man erkennt, dass eh alles gelogen ist und man wahrscheinlich zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen ist.

Es war einmal
Man wird seiner Identität beraubt, äußerlich wie innerlich. Man wird selbst zum Ausstellungsstück, ausgelaugt, bis man mit all seinen Talenten und Fähigkeiten am Ende ist. Befriedigung für sich selbst oder den Hüter erfährt man nur auf kurze Sicht.

Und jetzt
Das Reden mit Leidensgenossen hilft. Zwar ist die eigene Erfahrung auf jeden Fall einzigartig gewesen, aber man erkennt immer häufiger Schnittmengen und Muster im Gespräch mit anderen Wechselbälgern.
Ein großes Thema ist die Auseinandersetzung mit dem Doppelgänger, der das eigene Leben weitergelebt hat, eine Variante des eigenen „Was wäre, wenn“ ausgefüllt hat. Kann oder möchte man dieses Leben, das das eigene ist/war/gewesen wäre wieder an sich reißen? Ist man von sich selbst oder noch vielmehr von allen anderen aus dem eigenen Leben nicht zu sehr entfremdet?
Auch wenn man von Alpträumen verfolgt wird, denkt man bisweilen positiv an die Gefangenschaft zurück. Das ist wohl ein Teil der Trauma-Bewältigung – man muss überleben.



Wyrd

Eine launische Macht, die das Geben und Nehmen im Auge behält und der alle – selbst Fae – unterliegen.

Es war einmal
Verträge, Schulden und Unterpfände erfordern genauste Untersuchung und unterliegen (nach und nach für einen selbst erkennbaren) klaren Regeln.

Und jetzt
Schulden müssen immer bezahlt werden. Gewalt erzeug Gegengewalt.
Falls man das selbst nicht beachtet, wird Wyrd als unerbittlicher Schuldeneintreiber auftreten.
Hauptzahlungsmittel für die Kräfte der Wechselbälger ist Glamour, freie, ungekünstelte Emotionen. 


Die Atmosphäre ist auf jeden Fall sehr gruselig, weil die Entführung sowie die Darstellung der Fae schon sehr nah am Wesen von Menschen mit gestörten Persönlichkeiten ist. Man kann ihr Handeln nicht rational herleiten oder moralisch nachvollziehen; sie sind genauso verspielt und unbekümmert wie Katzen oder Kleinkinder, die ihren gerade erst errichteten Klötzchenturm mit einem irren Lachen wieder einstürzen lassen.
 
Mit Hollywood-Romantik oder Netflix-Coolness haben Bipolarität, Borderline und Schizophrenie nämlich sehr wenig am Hut... Der Begriff "Arschlöcher" trifft es an manchen Tagen dann schon eher. ;)
Aber ich verstehe auf jeden Fall, dass man nicht Geisteskrankheiten und traumatische Erfahrungen durch so etwas wie eine Entführung in die Feenwelt innerhalb eines RPG-Systems verherrlichen/verharmlosen/entschuldigen möchte/sollte, weil die Grenzen der Pietät recht schnell überschritten werden könnten. Auch wenn die Parallelen zwischen den Traumata der realen und erdachten Welt an manchen Stellen offensichtlich sind; und eine Autorin im OP-Forum das Verfassen mancher Kapitel als Aufarbeitung einer persönlichen Betroffenheit (oder sogar Katharsis) beschrieb, soweit ich mich erinnere.

Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 19. Februar 2019, 23:08:19
Dann geht es weiter mit...
Chapter 2 - More Things in Heaven and Earth - The Hedge (p. 68-76)
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Tapam am 21. Februar 2019, 08:36:07
Die Hecke

Sie ist nicht nur ein Randgebiet, sondern eine ganz eigene Welt, die jegliche Form annehmen kann. Jegliche Formen, von denen die wenigsten angenehm sind. Man kann Wunderbares in der Hecke finden, aber auf keinen Fall ohne ein erhöhtes Risiko.

Ab durch Das Durchqueren

Nicht einmal Zeit vergeht immer gleich in der Hecke; diese formt sich nach den Gefühlen und Befürchtungen, die der Reisende mitbringt, und die einzige Konstante ist, dass sie sich immer in labyrinthische Gänge ausbreitet.
Hier drohen Begegnungen mit Hobgoblins, vielleicht sogar Fae oder Jägern, und jeder Gegenstand, den man mitnimmt, passt sich der Umgebung an und entwickelt ein launisches bis zickiges Eigenleben. Eine vertraute Taschenlampe brennt als befremdlich kühles Licht in der Handfläche weiter.
Es gibt sogar verdrehte Verbindungen zur Welt der Träume und zur Spiegel-Welt.

Es war einmal

Häufig gerät, respektive stolpert, man in die Hecke, wird nach und nach von einem Ort eingefangen, der anfangs gar nicht mal so ungastlich und unvertraut wirkte. Die Hecke scheint irgendwie eine weltgewordene Venusfliegenfalle zu sein.

Und jetzt
Eines der nützlichsten Talente der Wechselbälger ist, dass sie zu einem gewissen Maß die Hecke nach ihren Wünschen formen können: das Heckenspinnen, welches jedoch die latente Gefährlichkeit der Hecke nur „übermalt“. Vielleicht so, als würde man beim Barfußgehen Papiertücher über eine Ansammlung von Legosteinen und Nägeln ausbreiten? 
Die Dornen reißen nicht nur blutende Wunden, manchmal bleiben an ihnen sogar ganze Stücke der eigenen Persönlichkeit („Ikonen“) hängen, welche dann von Goblins teuer weiterverkauft werden.
Der Rückkehr in die Hecke ist nie ein Spaziergang für den Wechselbalg, schon gar nicht emotional. Die Maske wird abgerissen, die wahre Gestalt offengelegt und alte Wunden reißen wieder auf. Wie gut sich Wechselbälger auch nach einigen Erfahrungen in der Hecke zurechtfinden werden, Hobgoblins und Jäger haben hier den klaren Heimvorteil.


Die Hecke klingt auf jeden Fall nach einem Ort, in dem sich ganze Abenteuer und Kampagnen bestehen lassen.  8)


...es folgen bald die Hobgoblins...

Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 02. März 2019, 23:21:38
So ... nur wegen der anstehenden Spielrunde soll das hier nicht so brach liegen...

Struktur
Beschreibungen, mit im Kasten eingefügten Beispielen.

Inhalt
Es geht um Hobgoblins die "Indigenen" der Hecke und um diejenigen, die in der Hecke gestorben sind und als Geist dort weiter aktiv sind.


Vergleich zur 1stEd
In der ersten Edition wurde es offen gelassen woher Hobgoblins ursprünglich stammen (es können auch Menschen sein, die sich aufgrund der Hecke in einen Hobgoblin verwandeln, statt von einer True Fae zu einen Changeling gemacht zu werden).

Fazit
Ich bin mir nicht sicher, was ich von den Ghosts der Hecke halten soll. Braucht es das? Ist das eine Bereicherung? Wir werden's ausprobieren.
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 02. März 2019, 23:23:57
Will noch jemand was zur Hecke los werden? Oder können wir zu "The Return" kommen?
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Sirion am 03. März 2019, 10:46:56
Ich hab dem hier schon Gesagten nichts hinzuzufügen, von mir aus kann's weitergehen  :)
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Tapam am 03. März 2019, 11:08:58
Von mir aus auch. Ich schließe Mitte nächster Woche wieder auf. ;)
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Sandmann am 04. März 2019, 09:28:31
Ich habe noch nicht zum Thema Hecke gesenft.
Das Labyrinth ist nun deutlich aktiver geworden. Es versucht nun mit INTENTION! Wanderer in die Dornen zu locken. Das war früher (1stE) noch anders. Auch dort war die Hecke ein psychoemotionaler Raum, aber die Hecke hat sich den Changelingen und ihren Gefühlen angepasst. Sie war mehr wie ein Filmset, dass sich der Dramaturgie und dem Ton gefügt hat. Die Mäntel der Changleinge haben dort Spuren hinterlassen. Jetzt haben wir hier ein ganz neues Raumtier, das zwar nicht gezähmt aber doch zumindest für kurze Zeit besänftigt werden kann. Bei den "chase"-Mechaniken zur Heckennavigation wird die Hecke mit jeder vrestreichenden Runde stärker und damit auch immer gefährlicher.
Bei den Hobgoblins habe ich nicht viel Neues gefunden. In meiner Phantasie waren sie schon immer eine Mischung aus eingewanderten Sterblichen und Ureinwohnern. Was mich jedoch irritiert ist diese Spiegelwelt, die hier und dort ganz kurz angerissen wird. Das ist mir zu dürftig, zu willkürlich, als dass ich mich beim aktuellen Lesestand daran gewöhnen könnte.

Eine Sache, die soweit nicht angesprochen wurde: In der Hecke ist der Clarityschaden massiv reduziert (zwei Würfel, glaube ich). Das findet hier wenig Beachtung und passt auch nur teilweise zu "das ist eine emotionale Herausforderung in der Hecke zu sein".
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 04. März 2019, 12:51:08
Chapter 2 - More Things in Heaven and Earth - The Return (p. 76-85)
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 02. Mai 2019, 15:42:29
Ich bin hier raus.

Aufgrund der im März angelaufenen CtL-Spielrunde (https://www.drachenzwinge.de/forum/index.php?topic=31952.msg1038591#msg1038591) schaffe ich es nicht (mehr) das Buch von vorne nach hinten durchzulesen. Daher habe ich auch den Rest aus Kapitel 2 nur überflogen.
Stattdessen habe ich nur noch die jeweils im Spiel auftauchenden Aspekte im GRW nachgeschlagen. Zum Beispiel Contracts, Pledges oder Oneiromancy.

Aber selbst das werde ich jetzt auf ein Minimum beschränken. Denn ich habe genug in CtL2ndEd gelesen, um mir eine Meinung gebildet zu haben. Die 2ndEd ist nichts für mich. Es gibt fast nichts, was mir an der 2ndEd besser gefällt, aber dafür unglaublich viel, was sie in meinen Augen schlechter macht als die 1stEd.

Mein Fazit ist klar: Wenn ich die Wahl habe, greife ich zu CtL1stEd.

Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Tapam am 02. Mai 2019, 22:41:17
Ich gucke - seitdem wir die Runde haben - auch nur nach Bedarf rein :/ und bin glücklich, dass wir immer weniger die Regeln berücksichtigen.

Als Kickstarter-Backer hatte ich das GRW ja schon vorab ein- bis zweimal gelesen und an manchen Stellen überhaupt nicht richtig verstanden, weil es merkwürdig, resp. ungeschickt, aufgebaut ist.
 
Es gibt Regelwerke, die ich seit meinem Wiedereinstieg (mit Freude!) mehrfach gelesen habe, aber die neue wie alte WoD reizt mich mit jedem Lesen vor allem spielmechanisch immer weniger, weil überriesige Pools, Vorgaben der Probe durch die SL, Auswürfeln von Attacke (und!) Ausweichen, endlose Conditions und das Managen von einer Handvoll "Pseudo-Manaleisten" irgendwie nicht mein Ding sind. Da habe ich mittlerweile schönere, elegantere Dinge gefunden, die nicht so sehr...altbacken oder "nolens-volens-OldSchool" riechen, aber das ist ein anderes Thema für einen anderen Tag....;) 
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Nin am 03. Mai 2019, 16:27:57
Es gibt Regelwerke, die ich seit meinem Wiedereinstieg (mit Freude!) mehrfach gelesen habe, aber die neue wie alte WoD reizt mich mit jedem Lesen vor allem spielmechanisch immer weniger, weil überriesige Pools, Vorgaben der Probe durch die SL, Auswürfeln von Attacke (und!) Ausweichen, endlose Conditions und das Managen von einer Handvoll "Pseudo-Manaleisten" irgendwie nicht mein Ding sind. Da habe ich mittlerweile schönere, elegantere Dinge gefunden, die nicht so sehr...altbacken oder "nolens-volens-OldSchool" riechen, aber das ist ein anderes Thema für einen anderen Tag....;)
Ich möchte das Thema ja eigentlich nicht in die Richtung einer allgemeine Diskussion über das Storytelling bzw. Storysteller System lenken, aber so kann ich das nicht stehen lassen. Bitte sieh es mir nach. :)

Da wird unterschiedliche (in meinen Augen teilweise sehr berechtigte) Kritik miteinander vermischt:
- Aktive Parade gibt's nur in der cWoD - Paraden in nWoD oder CofD sind passiv;
- Conditions gibt es nur in der CofD - nicht in cWoD oder nWoD;
- große Pools sind auch eher was aus der cWoD (da eine 1 einen Erfolg aufhebt).

"Vorgaben der Probe durch die SL" ... da bin ich mir nicht sicher, ob du die Ansage dass zu würfeln ist meinst oder was für ein Kombination an Attributen/Fertigkeiten zu würfeln ist. Mal die Fälle bei Seite gelassen, in denen es klare Vorgaben im Buch gibt (z.B. Initiative), ist beides in meinen Augen primär eine Frage des Spielstils. Eine ST Vorgabe zum Würfelpool widerspricht meinem Verständnis des WoD Poolsystems, da sich der Pool ja durch die Handlung der/s Spieler*in ergibt und nicht anders herum.
Titel: Re: Wir lesen Changeling the Lost 2nd Edition
Beitrag von: Tapam am 04. Mai 2019, 00:18:46
Zu Attacken/Paraden: Es kann schon sein, dass es da Unterschiede in der alten und neuen WoD gibt, aber für mich sind diejenigen Systeme wesentlich interessanter und eleganter, bei denen die SL überhaupt gar nicht würfelt. Reine Abwicklung nach dem Grundmuster "Fehlschlag | Teilerfolg | Erfolg", die Gegenangriffe abwickeln, ohne das jede NPC-Attacke einzeln erwürfelt werden muss.

Zu Conditions: Ja, die gibt's nur im ganz neuen. Ich wollte es kurzhalten und jetzt nicht minutiös zuordnen, was mich an welcher Edition stört, weil vor allem dieser Punkt hundertprozentig klar sein dürfte. ;P

Zur Vorgabe für Proben durch die SL: Ich finde Systeme besser, in denen man selbst beschreibt, was man macht und äußern darf, welche Attribute/Talente etc. man dafür nutzt. Natürlich mit einer Rückkopplung, in der man sich doch auf etwas Anderes einigt oder die Erschwernis auf die Probe entsprechend anpasst. Das verlagert meiner Meinung nach weitere Verantwortung von der SL auf die Spieler, schafft ein eher kooperativ dialogisches Miteinander und entschlackt das Ganze. Dialoge wie "Würfel mal auf Geschick und Reiten." - "Könnte ich mich auch nur festhalten? Also Stärke und Athletik?" - "Nee, das ist ganz klar Reiten." - "Gut, hab ich nicht." finde ich vollkommen unbefriedigend....

Dass überhaupt Proben abgelegt werden, finde ich aber vollkommen in Ordnung, damit Fortuna ab und an einen kleinen Twist reinbringen kann. :)