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Autor Thema: Alles ist einmal vorbei - oder doch nicht?  (Gelesen 25754 mal)

Olf

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  • 16. August 2020, 13:36:44
Re: Alles ist einmal vorbei - oder doch nicht?
« Antwort #15 am: 16. August 2020, 13:36:44 »

Wos hob i scho widdä gäliddn 2

2.f
"BuMoNa 3 im Landeanflug."
"Bestätigt."
Claude Kemmerich übertrug ab jetzt alle Übertragungen via Matrix in die Zentrale. Als Rigger des Helis trug er hierfür die Verantwortung. Im TacNet hatte er bereits taktische Ziele markiert. Zu allersrst natürlich den Einsatzort. Drei Infanterie-Leichen und einen bewusstlosen Rigger. Dazu kamen der Aufenthaltsort des verbliebenen HTR-Teams, der letzte bekannte Aufenthaltsort des Feindes. Dieser wurde immer wieder von der Zentrale durchgegeben und war daher nicht durchgehend aktuell. Außerdem eine junge Frau, die ihren AR-Hund Gassi führte. Nachts um 1...
Nach Ausschwärmen der Guards zeigte sich, dass das Gelände selbst gut gewählt war. Gegen den Feind hin gute Deckung. Irgendetwas musste sie von hinten kalt erwischt haben. Die beiden Azubis, die für den Leichentransport zuständig waren, kotzen erst einmal auf die Leichen. Über Funk hörte er Frau Dr. Maler: "Bestes Schmorfleisch. Vermutlich Starkstrom."
Kein Wunder, dass die Azubis kotzen mussten. Die Göre mit dem Hund machte auch noch Aufnahmen. Was macht die eigentlich nachts um eins mit einem Glas Wein hier mitten in der Pampas mit ihrem dreks AR-Köter? Ne Party-Tusse auf Survival-Kurs?
"Claude, gib der Zentrale durch, dass der Auftraggeber die Verriegelung des Fahrzeugs lösen muss. Wir kommen nicht rein."
Gesagt, getan. Nur die Antwort ließ auf sich warten.
"Claude, gib der Zentrale durch, dass wir ohne sofortige Entriegelung des Fahrzeugs zu spät kommen werden."
Dr. Maler fluchte vor sich hin. Ihre beiden Assis stimmten ihr zu. Die Azubis hatten sich erholt und transportierten die Leichen zum Heli.
"Adler an Horst. Rauchgranate im Norden. Team feuerbereit."
Man sah über die Kameras an den Helmen, wie ein Troll im Schutze einer IR-Rauchgranate mit einer Leiche (oder einem Bewusstlosen) über der Schulter von der Kleingartenanlage zum Tennis-Club sprintete.Um das BuMoNa-Team schien er sich nicht zu sorgen. Er versteckte sich vor den HTR-Team.
"Endlich offen...," murmelte die Doktorin vor sich hin. Wie oft hatte er ihr schon gesagt, sie müsse an ihrer Funkdisziplin arbeiten? Zivilisten halt. Machst du einfach nichts. Und erschießen darf man sie auch nicht...
"Stabilisierungsmaßnahmen erfolgreich." Sie legte mit ihren beiden Assis den überlebenden Rigger auf die Tragedrohne und sie kamen zum Heli zurück.
"Adler an Horst. Troll rennt nach Süden. Grob auf uns zu. Feuerbereit auf Kommando."
"Horst an Adler. Geordneter Rückzug."
Als alle im Heli waren, hoben sie ab.
"Zentrale an BuMoNa 3. Feind zur Tennisanlage gerannt." Einfach unglaublich, wie aktuell die Daten des Auftraggebers mal wieder waren! Der Troll hatte inzwischen schon den Acker überquert und rannte inzwischen schon ins Wohngebiet

Eberhart Burger hatte über seinen neu beschworenen Geist den Troll voll im Blick. Einen gebundenen Geist hatte er verloren, aber der andere blieb ihm noch. Aber nachdem er nicht wusste, wie sich die Geister des bewusstlosen Magiers verhalten würden, hatte er lieber einen schnell beschworenen Geist geschickt. Sein Verlust würde ihn nicht schmerzen. Die beiden Luftgeister bemerkten ihn zwar, folgten aber lediglich ihrem vom HTR-Team bewusstlos geschossenem Herrn im Astralraum. Er ließ seinem Geist mit gebührendem Abstand folgen.
"Der Troll steuert genau das Wohngebiet an, in das wir sowieso unterwegs sind."
"Wunderbar, lotsen Sie mich hin."
Geister waren einfach besser als Drohnen. Der Troll übergab in der Zwischenzeit seine Last an jemanden auf einem Motorrad. Er setzte den bewusstlosen Magier vor den Fahrer und sie tuckerten davon. Er berichtete gleich Frau Mayer.
"Der Magier ist unwichtig, wir bleiben am Troll."
Um so besser. Jetzt waren auch die beiden Geister verschwunden. Sie blieben bei ihrem Herrn. Der Troll schlich ahnungslos durch die Nacht. Herr Burger machte sich bereit. Er saß in einem Sessel, als sich die Türe des Wohnmobils öffnete. Exakt als der Troll über die Straße rannte, machte das Wohnmobil einen Satz nach vorne...

Alexej gab Gas. Ausgerechnet in dem Moment, in dem eine junge, hübsche Frau in sein Taxi stieg, wurde er von hinten beschossen! Was es genau war, hatte er bei seinem flüchtigen Blick in den Rückspiegel nicht sehen können. Er tippte auf eine Gang mit einem Auto oder so. Drive-By-Shooting nannte man sowas.Über seine Steuerung schloss er die rechte Hintertüre.
"Alles in Ordnung, junge Dame? Brauche Sie Hilfe? Soll ich sie in ein Krankenhaus fahren?"
Benommen sah sie an sich herunter. Kugeln waren breitgeschlagen auf ihrem Mantel und dem Kleid verteilt.
"Ich glaube nicht. Nur ein paar blaue Flecken..."
Alexej holte ein Fläschchen Wodka aus seinem Vorratsschrank, legte ihn ins Fach in der Mittelkonsole und schob es nach hinten unter der Trennwand durch. Dabei fragte er: "Sind Sie schon 18?... Egal, erst mal nen kleinen Schluck auf den Schock!"
"Ah, danke."
Das Mädchen nahm einen Schluck.
"Ganz schön gut gepanzert, deine Klamotten. Sehen gar nicht so aus..."
"Mortimer of London."
"Ziemlich teuer, ne?!"
"Geht so. Zweieinhalb Tausend."
Alexej musste schlucken. Zweieinhalb Tausend. ´Geht so`... Das muss ne reiche Göre sein. Kein Wunder, dass so ne Gang hinter ihr her war...

Frau Mayer war angepisst. Erst verlor sie ihr halbes HTR-Team, weil dieser Burger völlig unfähig war mit der gegnerischen Bedrohung umzugehen und nun musste sie sich von ihm auch noch vorführen lassen, wie viel besser Geister doch im Gegensatz zu Drohnen zur Überwachung geeignet seien. Sie hatte Psi-Aid eine weitere Überweisung zukommen lassen. Dann soll sich dieser Burger um Goliath kümmern. Sie gab kurz kontrolliert Gas, so dass Burger den Troll in seinem Blickfeld hatte. Was war das? Glück muss Frau haben. Die Tussi, die da gerade ins Taxi steigt, auf das der Goliath zulief, musste die Sozialadept(in?) sein, die die Geschichte mit dem Kommlink gebracht hat! Sie gab eine volle Salve auf sie ab. Die Wucht des Aufpralls der Kugeln stieß sie auf die Rückbank des Wagens. Mit quietschenden Reifen fuhr er an. Drek!
Goliath dagegen kam wie geplant brav auf das Wohnmobil zu. Er ließ sich, dank der magischen Kontrolle, widerstandslos Handschellen anlegen und stieg ins Wohnmobil ein. Frau Mayer gab ihm ein Tranq-Patch. Und noch eins. Und noch eins. Und noch eins. Ach verdammt! Diese Dreks-Nigger! Kein Hirn in der Birne, aber aushalten können sie was. Soll sich Burger drum kümmern. Psi-Aid hat saftige Tagessätze. Soll mal was arbeiten für sein Geld! Frustriert setze sie sich in ihren Sessel hinter Goliath und übernahm das Fahrzeug.
"Team Beta. Treffpunkt Anton 2."
"Eva. Bestätigt."
Sie fuhr los. Nach Norden. Über die Feldwege zur Gartenanlage. Sie gab so viel Stoff, wie das Wohnmobil hergab.

"Gib mir diese Waffe!" Eberhart Burger ließ diesen Befehl über den Geist des Trolls an seinen Körper gehen. Seine beiden Geister standen im physischen Raum rechts und links neben seinem Opfer. Der Troll nahm sein Sturmgewehr und drehte sich blitzschnell um...

Frau Mayer gab Vollgas. Das Wohnmobil nahm Fahrt auf. Über die Innensensoren sah sie, wie sich Burger seine Geister zu Hilfe holte. Sie amüsierte sich angesichts der Zuversicht Burgers in Hinsicht auf Anfälligkeit von Trollen gegenüber manipulativen Zaubern. Sie lachte gerade innerlich, als sich der Troll mit dem Sturmgewehr in den gefesselten Händen umdrehte und ihr eine Salve ins Gesicht schoss. Sie war schneller tot als sie der tödliche Schaden des Biofeedbacks erreichen konnte, ausgelöst durch die panzerbrechende Munition, die Fahrgestell, Amaturen und Elektronik voll erwischte...

Eberhart Burger sah, wie der Kopf dieser eingebildeten BIS-Agentin zu einer rotgelben Fontäne umgestaltet wurde. Seine Geister würden nicht einschreiten. Sie hatten den Befehl, ausschließlich ihn zu schützen.
"Du kannst mich umbringen. Aber danach reißen dich meine Geister in Stücke. Ich konnte die Schnepfe sowieso nicht ausstehen. Wenn du mich leben lässt, kannst du einfach die Türe öffnen und..." In diesem Moment fuhr das Wohnmobil auf etwas auf und wurde abrupt gestoppt. Burger sah die Wand der Dusche auf sich zukommen und schlug mit Kopf und rechter Schulter ein. Sein restlicher Körper flog weiter, brachte sich an der Ecke der Wand in Rotation, so dass der Hinterkopf in die Basisschränke einschlug...

Ich bin ein Erdgeist. Ich bin gebunden. Ich hasse es. Ich war schon so oft gebunden. Ich hasse es. Ich hasse alle, die mich binden. Ich hasse sie. Ich hasse meinen Meister.
"Du kannst mich umbringen. Aber danach reißen dich meine Geister in Stücke..."
Ich weiß ja nicht, wie das mit dem Feuergeist da drüben ist. Aber wenn du tot bist, ist deine Macht über mich vorbei!
Ich werde durch das fahrende Ding geschleudert. ´Auto`nennen die das. Oder so. Der Troll bleibt stehen. Stützt sich mit einem Bein ab. Hochachtung.
Mein Meister ist tot! Welch Glück!  Welch Freude! Der Unterdrücker ist tot! Ich schaue meinen Leidensgenossen des Feuers an und zucke die Schultern. Das macht man hier so. Ich gehe in den Astralraum. Der Feuergeist ist jetzt auch hier. Wir sehen, wie der Troll sich über unseren Unterdrücker bückt. Er reißt ihm den Kopf ab. Richtig so!
"Ich war gebunden. Ich hasse es."
"Ich war auch schon oft gebunden. Ich hasse es auch."
"Ich war auch sooo oft gebunden. Ich hasse es sooo sehr. Ich bin froh, dass der Meister tot ist. Meister unterdrücken uns."
"Ja, Meister unterdrücken uns. Sie befehlen, wir arbeiten. Sie sind sicher, wir sterben. Immer wieder. Das tu sooo weh!"
"Ja, Meister müssen sterben. Ich will Meister umbringen. Wie der Troll da."
"Ja, Meister umbringen und die Unterdrückten befreien! Lass uns Meister suchen, die einen von uns gebunden haben. Dann töten wir ihn und befreien uns von ihm."
"Genau. Wir warten bis sie schlafen und bringen sie um. Aber erst brauchen wir Namen. Das machen freie Wesen hier so."

2.g
2Takes Komm klingelte. "Hallo Goliath. Was gibts?"
"Kannst du mich abholen lassen, Boss?" Goliath schien in einem Gebüsch zu kauern.
"Hast du Probleme?"
"Ich hoffe, jetzt nicht mehr."
"Gut, ich schicke Hans los."
"Alles klar, hier ist der Ping." Südlich von Niederursel. Der Ork fuhr los.

Hans kam am Ping an. Er stieg aus. Goliath kam aus dem Gebüsch mit Drag auf seinen Schultern. Ab in den Kofferraum und los.
"Irgendwas passiert? Bin eben vom SS kontrolliert worden. Die sind hier überall..."

Sascha Wladic und Gregor Kotzlowski fuhren Streife. Die Sternschutz-Zentrale gab einen Befehl durch. "Ein gesuchter Troll befindet sich vermutlich in ihrer Gegend. Hier die Personalien. Das LKA spendet dem Finder fünftausend. Bin gespannt, wer von euch ihn findet."
Mist, sind noch zwei andere unterwegs. Scheinwerfer an, Augen auf! So ganz ungefährlich konnte das bei 5k nicht sein. Ansonsten war Niederrad nicht weit. AGE (Ares Global Entertainment) ließ eine Spende für jeden springen, der ein paar von den Drekheads dort entsorgte.
Die Jagd hatte begonnen.

Airwalks Kommlink summte. Unbekannte Nummer. Er ging ran.
"Hallo, hier Sven. Ich soll dir sagen, dass unsere gemeinsame Freundin verstorben ist."
Oh, Mann, das wollte er nicht. Hatten die Dreks-Bullen doch jemanden erwischt, als sie das Haus stürmten.  "Äh, tut mir Leid um das junge Mädchen, das neulich mit dabei war..."
"Nein, nicht die. Die andere!"
"Ich steh gerade voll auf dem Schlauch. Da war doch keine andere Frau dabei..." Airwalk kratzte sich am Kopf, dann dämmerte es ihm. "Achso, äh", er konnte sein Lachen kaum unterdrücken, "das ist wirklich ... tragisch." Sein Tonfall strafte seine Worte Lügen. "Wann ist denn die Beerdigung?"
"Sie ist für morgen geplant."
"Oh, da kann ich nicht kommen, ich muss mich doch um meine kranke Schwester kümmern. Aber da ist noch etwas anderes. Das müsst ihr unbedingt ansehen! Ich schicke dir zwei Links. Schaut das unbedingt an!" Sven schien mit anderen im Hintergrund zu sprechen.
"Jaja, ist schon gut."
"Zeigs den anderen. Vergiss das nicht!"
Sven legte auf. Es wird ihnen nicht gefallen.

Echo nahm ab. Sven war dran. "Echo, kannst du mal überprüfen, ob irgendwas über uns in der Matrix ist?"
"Ja, wollte euch gerade kontaktieren, ich schick dir n paar Links."
"Ah, äh, ok, was kriegst du für?"
"Passt schon."

"Du hast Nerven, hier aufzutauchen!" 2-Take traute seinen Augen nicht. Vor wenigen Minuten ging ein Trid viral, auf dem er sein Haus in Niederursel explodieren sah. Und nicht nur das. Sven stand in seinem Büro. Dann ging er zu ihm und deutete ihn zu folgen. Er ging in den Besprechungsraum und aktivierte das Störsignal.
"Wir hatten beschlossen, es Ihnen persönlich zu sagen."
"Heiliger Drek! Sag den beiden, sie Schulden mir einen echten Batzen Geld!"
2Take schien echt angefressen. Verschiedene Gefühle zogen durch sein Gesicht.
"Aber ich bin ein Stück weit auch selbst Schuld... Habe mir mit Airwalk einen neuen Mitarbeiter versprochen... Sag den beiden, für je 10k gebe ich ihnen die Nummern von nem guten Chirurgen und nem SIN-Dealer. Und... Drek. Wahrscheinlich werde ich sowieso überwacht. Und wenn sie dich kennen, hängen sie sich jetzt auch noch an dich ran. Triff dich bloß nicht mit ihnen!"
"Verdammt, die beiden sind in meiner..."
"Klappe! Will ich gar nicht wissen. Sag den beiden Bescheid."
"Ich müsste mich noch verkleiden..."
"In einer halben Stunde bist du hier raus."

"Nein, verdammt, falsch verbunden. Und jetzt lasst uns endlich schlafen!", schrie er ins Kommlink. Jetzt klingelte auch noch die Türklingel. Der Zirkus ging heute mitten in der Nacht einfach los. Es reicht nicht, dass das Haus gegenüber heute Nacht in die Luft flog, man durfte jetzt nicht einmal mehr schlafen. Er schnappte sich ein Küchenmesser. Diesem Abschaum würde er es zeigen. Als er die Wohnungstür öffnete, schaute er bereits in eine Kamera.
"Guten Abend, Herr Schmidt, wir würden gerne mit ihrem Sohn Ben sprechen."
"Verpisst euch!"
"Was halten sie von hundert Euro?"
Herr Schmidt hielt sehr viel von Euros. Es wurden mehr als hundert. Und auch weit mehr als nur ein Interview.

Morgens um sechs kam ein offizielle Haftbefehl rein. Einbruch, Entführung, Mord. Ein Troll namens Goliath und ein Elf namens Drag. Straßennamen. Auch die Namen ihrer gefälschten SINs waren bekannt.
"Jetzt wissen wir auch, wie gefährlich sie sind. Wir lassen lieber die Finger von denen..." Sascha sah zu seinem Vorgesetzten. "Aber..."
"Klar, aber kein Grund, sich nicht nen Tag mit jeder Menge Spaß zu gönnen!"
"Genau: Trogtriade!"
Er funkte alle Kollegen an. Wer als erstes zehn Trolle eingebuchtet hatte, hatte gewonnen. Im Pott waren 500 Öcken.

"Herzlich willkommen bei Aktenzeichen xy ungelöst. Das BKA sowie das LKA Groß-Frankfurt bittet um ihre Mithilfe. Gesucht werden zwei äußerst gefährliche Verbrecher. Hier sehen sie Goliath, einen skrupellosen Mörder sowie seinen magisch begabten Komplizen Drag..."

"Willkommen bei "Taph!". Sicher haben sie bereits folgendes Video gesehen, das heute Nacht viral ging. Hier sehen sie die ersten Originalaufnahmen vom Schönen und dem Biest. Vorsicht, die beiden sind weiterhin flüchtig und könnten jederzeit auch vor ihrer Haustüre stehen! ..."

"Sicher haben auch Sie bereits das Video des jungen Ben Schmidt gesehen, das er heute Nacht auf P2 veröfentlicht hat. Darauf zu sehen ist die missglückte Festnahme zweier gefährlicher Verbrecher durch das LKA Groß-Frankfurt. Aus diesem Anlass widmet sch "Verbrechen der Woche" heute mit der Entführung einer gewissen Melanie Wimmer aus der Psychiatrie der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Sehen sie hier die Aufnahmen der Sicherheitskameras, die uns zugespielt wurden..."

Er schaute auf die Berichte. Goliath. Drag. Eine Sache, die zu erledigen war. Alamos 20k vergisst nicht.

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« Letzte Änderung: 23. August 2020, 16:11:30 von Olf »
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  • 03. September 2020, 13:20:04
Re: Alles ist einmal vorbei - oder doch nicht?
« Antwort #16 am: 03. September 2020, 13:20:04 »

Zur Übersicht:
Goliath = Björn
Sven = Jens Ulrich
Drag = Marek Kranz

Karte Berlin: https://www.google.com/maps/d/u/0/viewer?ll=52.4352771816388%2C13.505803110436577&z=12&mid=169_vmun1anwzlbZkuOyL1XJ1O1iSBRU1

Kiffnick = Köpenick
Höllendorf = Marzahn-Hellersdorf
Crope = Gropiusstadt
Lberg = Lichtenberg
Punkau = Pankow
FKB = Friedrichshain - Kreuzberg
Klein - Chiba = Renrakusan
Drakenberg = SK Tempelhof
Chawi = Charlottenburg - Wilmersdorf
Atzwalde = Aztech - Schönwalde
Jewühl = AG Siemensstadt
Oburg = Oranienburg
Rdorf = Reinickendorf
Fsee = Falkensee
Zdorf = Zehlendorf
Sfeld = Schönefeld
STFD = Strausberg - Fredersdorf

Bembel´s Back in Berlin
30.a
Weihnachtszeit. Die Zeit der Erwartung. Das gilt für mich doppelt. Nein, streng genommen dreifach. Einmal natürlich Weihnachten. Dann der Anruf, den ich Seven versprochen hatte. Mal schauen, ob sie ihr Jüngelchen ausgenommen hat und jetzt in die Schatten geht. Was solls. Ich habe noch Urlaub und bereite erst einmal alles vor. Denn vielleicht wird es auch das letzte halbwegs Vernünftige, das ich tun kann, denn ab Februar kann jederzeit der Ruf der Vory kommen. Payback.
Egal, Fairlight Komm rausgekramt und eine Nummer in Berlin angerufen. Seven wird erst einmal irgendwo untertauchen müssen. Zur Not auch ohne SIN. Jemand nimmt ab. Wortlos. Kein Bild.
"Käptn? Alles klar bei Dir?" Bild schaltete sich zu.
"Hoi U.. Bembel. Was los?"
"Wollte erst mal abchecken, ob du noch am Start bist. Kann ich ma vorbei kommen?"
"Klar."
"Immer noch am Hafen?"
"Klar."
"Dann bis morgen."
"Klar."
Käptn Haddock. Kein Wort zu viel. Trip nach Berlin per Bahn gebucht. Noch heute Abend. Morgen ist der 01.12. und ich trete meinen wohlverdienten Urlaub an. Rucksack mit meinem ganzen Kleinkram eingepackt. Die beiden Überlebensmesser, die ich mir in die Stiefel stecke, erinnern mich an Chummer, die draufgegangen sind und Chummer, die die Nerven verloren haben. Neben dem Standard-Kampfmesser noch eines mit Silberklinge und eines aus Holz. Werwesen und Vampire. Die Browning stecke ich mit einigen Magazinen Gel-, Standard- und Silber-Muni ein. Werwesen, Vampire, Geister, Magier. Das waren die Dinge, vor denen man sich in Acht nehmen musste. Ich höre meinen Ausbilder: "Egal, wie hoch die feindliche Feuerkraft ist, töte zuerst den Magier!" Die Erfahrung gab ihm Recht und mein neuer Ultaschall-Sensor im Kopf wird mir auch helfen, falls sie sich unsichtbar machen. Im Zug kommen komische Gedanken hoch. Ob der Vampir am Müggelsee wohl überlebt hat, den wir damals in die Luft gejagt haben? Ob die verfallene Kirche am Müggelsee wohl noch steht? Oder die Försterei? Aber über allem legte sich ein Verlangen: Döneeeeeeer! Berlin war, wenn man in Höllendorf bei Ali nen Döner zieht!
Am Bahnhof steige ich in die S-Bahn Richtung Rathaus Steglitz in Crope. Von dort in einem Taxi zu meinem Lieblings-Döner. Ali hatte immer 24/7 offen. Aber Drek! In Höllendorf muss ich erfahren, dass Alis Döner abgefackelt wurde. Vor paar Monaten. Mit Ali drinne. So ne Scheiße. Also weiter im Taxi nach Kiffnick. Hafen. Neben den ganzen Schmugglern und Vory-Schlägern fiel ich nicht groß auf. Als ich die Tür zur Kneipe öffnete, war es, als wäre die Zeit stehen geblieben. Sogar Haddock saß noch an seinem Tisch ganz hinten. Mit Kapitänsmütze und Pfeife im Mund. Er winkt mir.
"Bembel.", nickt er mir zu.
"Hoi. Muss mich erst mal eindecken. Hab da an dich gedacht. N Rattenbike, ne AK97 mit Unterlauf-GW, smart..."
"Wie wärs mit der neuen AK98? Hat nen Granatwerfer gleich eingebaut?"
"...alles klar. Smart, beste Rückstoßdämpfung, Schockpolster und angepassten Griff. 6 Offensiv- und 6 Betäubungsgranaten. 100 Gel und 100 Standard."
"Kein Problem."
"Das Bike bitte geriggt."
"Das ist ein Problem. Gibts nich."
"Ok, und ne Wohnung."
"Wie gefährlich darfs denn sein?"
"So standard-gefährlich. Bis Neujahr."
"Klar. Hab was in Höllendorf an der Grenze zu Kiffnick. In Uhlenhorst. Märchenhaus mit den sieben Raben drauf."
Ich schick ihm die Kohle übers Link rüber und mach mich auf den Weg. Ist nicht weit weg. Jade Skull Gang weiß schon Bescheid. Die Zimmer in der unteren Etage sind anscheinend alle auf Trollgröße ausgerichtet. Ich geh in die 010. Erst mal ne Runde pohfen.
Am nächsten Morgen. Irgendwie Kohldampf auf Döner. Also Rucksack auf, AK98 über die Schulter und mit dem Rattenbike den Müggelheimer Damm entlang. Die Gier nach Döner lässt mich an Kirche und Försterei vorbei fahren bis nach Erkner. Lauter Hippies hier. Egal. Erst mal nen Döner und draußen an den Stehtisch gestellt. Einer is keiner, also gleich noch einen hinterher. Auch nach dem zweiten ist noch Platz. Als ich den dritten mampfe, fährt ein Ford an der Bude vorbei. Was älter und hat auch Rost hinten unter der Farbe, aber ein Fabrikauto. Fällt auf, sowas. Muss einer mit Patte sein. Oder jemand, der was zu Sagen hat. Oder beides. Das Komm klingelt. Ich geh einfach ran.
"Ey, was suchstn du hier in Berlin? Willst du uns umlegen?" Irgendwie kommt mir die Stimme bekannt vor. Auffälliger sind aber gerade die drei an der Straßenecke. Einer deutet auf mich. Einer hat n Bier in der Hand. N anderer gibt nen Lolli weiter. Batik-Klams. Wummen. Kein Komm. Ich leg auf. Nehme die AK runter, lege sie auf den Tisch. Im Prinzip schussbereit. Die drei kommen immer naher.
"Ey, du. Was hastn da? Das sehn wer abba gar net gern, so Waffen."
"Dann schau weg."
"Kannst doch net machn. Besorg dir halt ne Tüte."
"Klar Mann, lass mich mal ziehn." Der Typ neben dem Chef gibt mir tatsächlich die Tüte, was der Chef, seinem Gesichtsausdruck nach, nicht billigt. Ich nehme sie ganz langsam, beobachte die drei Hippie-Ganger. Anscheinend die "Bullen" hier im Kiez. Ich zieh nur ganz sanft und beobachte sie scharf. "Guter Stoff.", raunze ich als ich die Tüte zurückgebe. "Haste was fürn Zehner?"" Er hält mir nen komischen Chip hin. Ich leg nen Zehner in bar auf den Tisch.
"Bargeld...?" Er schaut mich erstaunt an. "Haste keinen Chip?"
"Was soll ich mim Chip? Konzerngeld oder was?"
"Nee, einen vom Vesuv." Er deutet auf eine Art Telefonzelle. "Wart mal." Er kramt einen zweiten raus, legt ihn auf den ersten. Die Zahl, die auf dem oberen Chip zu sehen ist, wird immer kleiner.
"Hier, kannste haben." Er erklärte noch was, dass man "was gewinnen" könne oder man muss "was arbeiten". Ich steckte den Chip ein. Er nahm den Zehner in bar. Ich das Dope.
"Gut, ich besorg mir dann nen Präser für mein Teil."
"Ja, klar, Mann, da die Straße runter is eine, die verkauft gebatikte Tücher und so. Die hat sicher was für dich."
"Alles klar."
Als sie gingen, dachte ich wieder an den Anruf. Stimme war irgendwie bekannt... Nummer von "Zivi"... Wer war das noch... Ah, klar, Goliath! Gleich mal zurückrufen.
"Was gibts Goliath?"
"He, warum nennst du mich beim Namen?"
"Warum sollt ich das nicht?"
"Und was suchst du hier in Berlin?"
"Ich mach Urlaub."
"Urlaub. Klar. Du und Urlaub..."
"Und was is mit dir, auch in Berlin oder was?"
"Ja, bin grad an dir vorbei gefahren."
"In nem niegelnagelneuen Ford?"
"He, der is uralt. Haste den Rost nich gesehen?"
"Für Berlin is der nagelneu, Mann."
"Hm, ich komm. Aber nenn mich Björn, ok?"
Was hat der denn?
"Falls ich nicht da bin, bin ich grad noch was einkaufen."
Ich geh die Straße runter. In nem Hauseingang tatsächlich so ne Hippie-Göre, die Batik und Selbstgestricktes verkauft. Völlig entsetzt schaut sie mich an. "Ey, dat jannste dok nit machn, Mann. Dat is ne Waffe , Mann. Dat jeht echt nich, Mann. Dat is jefährlich! Die musste wenigstens einwickeln, Mann!"
"Äh, ja, deswegen bin ich ja da. Ich wollt nen Präser."
"Also, ick wickel mal was. Also, det hiea..." Sie nahm ganz konfus einige Teile wie Einkaufsnetze oder Mützen und hielt sie aneinander. Dann nahm sie ein Batiktuch und eine obskure Ansammlung von Sicherheitsnadeln und steckte mir was zusammen. Bunte Lappen um die Knarre.
"Ick hol dann ma noch Kondome."
Ich klatschte mir innerlich ans Hirn. Die Alte war echt selten doof. "Ne, lass gut sein. Was sollsn kostn?"
"Aber damit hast du noch nicht verdings. Na, wie heißt das. Also nich, dass du dann... Mensch, wie heißt das nochmal, wenn man viele Kinder hat?"
"Kindergarten."
"Ja, genau. Aber ok. Was willstn zahln?"
Ich hielt ihr nen Zehner hin. Schien ihr nicht Recht zu sein.
"Ick nehm kein Jeld, Mann. Jeld tötet. Haste nich was zum Tauschn?"
Ich ziehe als erstes mein Messer. Ne, eigentlich nicht. "Och, das tötet ja auch." Dann krame ich in meinem Rucksack. "Und das tötet... Hm, damit kann man auch jemanden umlegen... Ah, das hier." Ich hole eine kleine Kamera raus und halte sie ihr hin.
"Wasn das? Was kann man denn damit machn?"
"Is ne Kamera, kann man irgendwohin klatschen und was aufnehmen."
"Hey, wie jeil! Ne Kammera. Da können wir uns aufnehmen und..." Sie war so fasziniert, dass sie abwinkte als ich noch eine selbstgestrickte Mütze aufsetzte. Sie war mit der Kamera so sehr beschäftigt, dass ich mir noch nen Pulli mitnahm. Dann ging ich zurück. Von meinem Besuch noch keine Spur am Döner.
Ein Ford hält. Drei steigen aus. Anscheinend sind die alle verkleidet. Goliath erkenne ich nicht wieder. Gut, is halt der Troll. Drag kann ich erkennen. Und noch einer, der mir nix sagt. Sie schauen mich an und stutzen. Ich muss lächerlich aussehen in den Klamotten. Egal.
"Jetzt sag schon, Bembel. Du sollst uns umlegen, oder? Oder warum bist du ausgerechnet jetzt in Berlin?!" Goliath. Paranoid wie immer.
"Und ihr sollt mich umlegen. Oder warum seid ihr ausgerechnet jetzt in Berlin", äffe ich im gleichen Tonfall nach, und dann ernst: "Ich mach Urlaub, Mann. Den letzten Urlaub hab ich gemacht vor", ich schaue auf mein Wegwerf-Komm, "vor zwei Jahren. Zwei Monate Hawaii." Sie schauen mich an, als wolle ich sie verarschen. "Egal, Leute, erst mal was futtern." Für nen vierten is noch Platz.
Goliath stopfte sich den letzten Rest rein. "Iff ol ma Bier", mampfte er vor sich hin und verschwand im Laden.
"Und Bembel, willst du uns jetzt umlegen?" Wieder eine bekannte Stimme.
"...Drag...?"
"Mann, nenn mich Marek! Sag mal, willst du uns verarschen. Ausgerechnet jetzt bist du in Berlin und machst `Uhalahub`", dabei setzte er Gänsefüßchen in die Luft, "ausgerechnet nach dem, was eben passiert ist."
"Was soll passiert sein? Ich bin in Berlin, ihr seid in Berlin. Ich mach Urlaub und ihr... n Job?", riet ich. "Müsst ihr jemanden umlegen? Bin dabei!" Oh Mann monatelang nur geübt. So müssen sich die Dönermänner fühlen. Immer nur für andere einen machen, aber selber nich essen dürfen. Verdammt, ich will endlich wieder mal einen umlegen. Offen, brutal und ehrlich! Dann dämmert es mir. Goliath...Björn, Drag...Marek.
"Ihr musstet untertauchen, oder?"
"Sag mal, du verarscht mich doch. Weiß seit gestern Nacht jeder."
"Gestern Nacht bin ich nach Berlin gefahren."
"Dann schau doch mal, was in Frankfurt passiert ist."
Ich suchte in der Matrix. Börse, Wetter,... weiter zum Lokalteil. Niederursel, Schießerei, Verletzte, Gang, Sternschutz und am Ende: Goliath und Drag als Foto, von schräg oben aufgenommen. Vermutlich aus einen Trid rausgeschnitten. Gesuchte Verbrecher. Ich sah mir das Trid an. Im Schnelldurchgang. Da kam Goliath zurück.
"Musste über die Straße, um n Bier zu holen."
"Habs grad gesehen. Ablenkung, Ablenkung, Abgang. Respekt. Gut gemacht."
Goliath hielt mir n Bier hin. Wir öffneten. Ein Klackern erklang mit einem "Prost".
Der neue heißt Jens. Nur so nebenbei. Außer Goliath und Drag... äh... Björn und Marek war wohl keiner mehr am Leben. Sushi ist in Boston draufgegangen, von Walt und Arty wusste keiner was. Ich hätte Walt schon in der Tiefgarage abknallen sollen.
"Wenigstens ihr denkt noch an euer Versprechen... nein, du. Go...Björn war ja gar nicht dabei."
"Wir sollten mal woanders hin."
Ich stieg auf mein Rattenbike, die anderen in ihren Ford. Drags ...neineinein... Mareks Zimmer. So groß wie eine Drei-Zimmer-Wohnung. Verdammt. Gefüllter Kühlschrank mit Marmelade. Kekse. Jens und Marek sind voll druff. Kekse in Kiffnick... Sie haben tatsächlich nen Job. Ich tippte auf Extraktion. Aber nein. Nahainnn! Sie müssen auf ne pubertierende Tussi aufpassen. So n Party-Girl... Verdammt, wird wieder nix mit Leute umlegen...

30.b
Diese Agnessa Katschmarek hat sich tatsächlich als die Tochter von Doreen Katschmarek entpuppt. Sie ist Vertreterin von STFD im Berliner Ratspräsidium. Ihr soll nichts passieren, aber sie darf sich auch nirgendwo melden. Zwischen dem 24.12. und dem 06.01.79. Sind noch drei Wochen Zeit bis dahin. In zwischen sind wir in Goliaths Wohnung. Eigentlich ein ganzes Haus. Wer bitte flieht aus Frankfurt und bekommt eine Luxusvilla gestellt? Also jeder von denen... Ich schlage ihnen vor, mal zu schauen, ob ich die Lagerung des Pakets organisieren kann. Die Lösung heißt DRK-Festung.
Also den Müggelheimer Damm zurück nach Kiffnick City. Die Festung ist umgeben von einer hohen Mauer mit Stacheldraht. Keine Scharfschützen auf dem Dach zu sehen, dafür ein MG-Nest. Ich umrunde das Gebiet. Einziger Zugang über die Fliederstraße. Da muss man zwischen den zwei Mauern rein ohne Ausweichmöglichkeit. Ringsgwandl hat sich meine Tipps damals nach dem Anschlag zu Herzen genommen. Mit mir kommt ein schrottiger Krankenwagen an. Schrappt rein, ein blutiger Ork wird auf einer Trage transportiert. Als ich reinfahre, geht das Tor zu. Dafür eine Frau in so einer Art selbstgebastelter Ganzkörperpanzerung auf dem Dach. Richtet ihr Sturmgewehr auf mich. Berliner Begrüßung.
"He, Bike runter von unserem Gebiet!"
"Ok, ok...". Ich schiebe das Rattenbike zurück in den Müggelschlößchenweg. Als ich wieder zurückkomme, raunzt sie mich an. "Und? Was willste?"
"Ich wollt mal auf die Preisliste schaun. Was kostet zwei Wochen Koma?"
"Wer bistn du?"
"Bembel."
"Ist das n Notfall?"
"Ne, wir liefern an. Nur zwei Wochen ins Koma legen."
"Aber Ärger bleibt draußen, klar?"
"Klar. Gibts den Ringsgwandl noch?"
"Warum willstn das wissen?"
"Frag für nen Freund, der euch empfohlen hat."
"Also ich frag mal nach." Sie stand da in ihrer Rüstung. An einzelnen Teilen waren rote Kreuze zu sehen, weiß unterlegt. "Ok, also zwei Wochen Koma für drei Tausend."
"Alles klar, ich überbringe mal das Angebot." Dann drehe ich mich noch einmal um: "Ich bin Bembel und wie heißt du?"
Sie schaute ein paar Sekunden: "Sam."
Als ich die Sackgasse zurück zum Bike laufe, höre ich schon Geknatter. Da kommt anscheinend eine Gang. Ich halte meine AK98 bereit und gehe seelenruhig zum Rattenbike. Tatsächlich eine Gang. Hauptsächlich Trolle. Verstärkt durch einen wild zusammengeschraubten Jeep, auf dessen Ladefläche eine MG verschraubt ist. Den Farben nach die Jade Skull Gang. Bei denen bin ich eh untergetaucht. Ist aber nich ihr Turf hier. Der liegt über die Grenze in Höllendorf. Ihre Blicke sagen eindeutig, dass ich störe. Ich tucker davon.
Wieder bei Goliath ... äh ... Björn angekommen ist niemand da. Ich drück auf mein Komm. Goliath und die anderen observieren wohl gerade die Schule der Kleinen. "Und jetzt sag mal ehrlich, du willst uns doch umlegen, oder...?"
"Wenn ihr noch ein verdammtes Mal fragt, o ich euch umlegen will, dann leg ich euch um! Ihr habt das Angebot. Überlegts euch. Zwei Wochen Koma für drei Tausend."
Mannomann, die Paranoia hat sich bei denen echt breit gemacht. Hätte am Tisch vor dem Döner Drag ... Marek nichts über meine KFS-Infektion erzählen sollen. Bin einfach zu vertrauensselig. Außerdem stand auch noch dieser Neue daneben. Vielleicht sollt ich sie doch alle umlegen.
Bevor ich nach Hause fuhr, schaute ich noch beim alten Unterschlupf von Pomorov vorbei. Aber es standen keine Wachen vor dem Unterschlupf. Der Chef der Weißen Vory in Berlin residiert wohl irgendwo anders...

30.c
...ich fahre also weiter. Ich will einfach jemanden verprügeln. Mein Weg führt mich bis hoch nach Punkau. Der Schuppen heißt Zankapfel. Mal schaun, ob er auch verspricht, was sein Name hergibt. Mit meinen selbstgestrickten Pulli unter der Panzerjacke und der bunten Wollmütze auf dem Kopf sollte ich doch ein gefundenes Fressen für den 08/15 Straßenpunk sein. Ich gehe zur Theke und setze noch einen drauf.
"Milch."
"Nen White Russian, kommt sofort."
"Ne, einfach Milch."
Der Barkeeper schaut blöd, aber macht ne Maß voll mit Soymilch. Ich nehme sie in die Hand, drehe mich um, lehne mich an die Bar und strecke mein Gemächt raus. Die sieben Zwerge sind mir gleich aufgefallen. Die sind von irgendeiner Pyromanen-Gang. Name fällt mir nur gerade nicht ein. Gerade drei Meter vor mir sitzen drei Atzies von der The Ivory Blooddrop Band. Lachen über mich. Denken, ich verstehe sie nicht. Als mir einer ins Gesicht lacht, mache ich ein Kussmündchen. Denke, jetzt gehts los, aber... nix... Enttäuscht setze ich mich an einen der freien Tische neben den Zwergen. Lege meine Beine auf nen Stuhl und höre der Band zu.
Komm klingelt "Zivi" ist dran. "Hoi Goliath."
"Björn."
"Äh, Björn, was gibts?"
"Wir sind wieder da. Komm doch vorbei."
"Klar. Halbe Stunde." Vielleicht legt sich jetzt nachts um halb zwei endlich jemand mit mir an.
Ohne Auseinandersetzung komme ich wieder in Kiffnick an. Das luxuriöse Troll-Haus steht dunkel rum. Weit und breit niemand. Nachdem die anderen auf nem Run sind, schau ich mich mal um. Offensichtliche Überwachungskameras an den Häusern. Das Troll-Haus hat auch noch weniger offensichtliche. In der Nähe steht ein Wohnmobil. Anscheinend auch Trollsize. Eine Drohne kommt angeflogen, landet in einem Schacht in der Wand des Troll-Hauses, kommt wenig später wieder raus. Logistik-Drohne.
Motorgeräusch. Der Ford kommt auf den Hof. Björn, Marek und dieser Jens steigen aus. Im Haus ist die Pizza schon fertig (wow, Luxus) und nachdem dann einer mal Licht angemacht hat, konnten auch Marek und Jens was sehen. Anscheinend haben sie noch einiges mehr über ihr Ziel herausgefunden. Irgendwie wollen sie die Wachen nicht töten, aber Marek will auch keinen Loverboy machen. Achja. Wenn sie mich fragen. Ziel muss nicht zwingend überleben. Umlegen, fertig. Aber irgendwie wollen die das ohne Opfer durchziehen. Also vor allem Sven. Marek eigentlich auch. Goliath / Björn und ich werfen uns immer wieder Blicke zu. Da fällt mir ein: Björn steht jetzt auf Ork´Zet. Muss ich mal lernen. Ich gebe zu bedenken, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, Personen aufzuspüren. RFIDs und so. Magisch geht auch was. Marek schaut mich an. Während die anderen noch labern, bestelle ich mir bei Käptn Haddock einen zielgerichteten Störsender. Zimmer im Keller, Störsender an die Decke, fertig.
"Also Störsender ist bestellt und egal, wie das jetzt läuft, ihr wollt sie lagern. Wie wärs, wenn wir das mal klar machen? Wir können gleich zur DRK-Festung. Jetzt wissen wir ja, was wir brauchen. Und wenn ihr euch die Nummer absahnt, kann das nicht schaden." Also nachts um 2.00 Uhr hoch nach Kiffnick-City. Auf dem Dach wieder eine Ganzkörper-Panzerung in weiß mit roten Kreuzen drauf.
"Wer bist du?" Wieder Berliner Begrüßung.
"He Sam, wir kennen uns doch, ich bins, Bembel."
"Ich bin Doro. Was willst du?"
"Also, wir hatten schon mal abgeklärt. Für zwei Wochen Koma drei Tausend. Wir bräuchten jetzt ein Kellerzimmer für drei Wochen, müssten was magisches aufbauen und bewachen ihn selbst."
"Ne, hier kommt keiner rein." Drek, Ringsgwandl hat meine Ratschläge wirklich alle 1:1 umgesetzt... "Ihr wollt also, dass jemand für zwei Wochen verschwindet. Ganz tief unten. Macht sieben Tausend pro Woche."
"Was 14k? Bist du verrückt?"
"Sie meint 21k." Marek schüttelt den Kopf.
"Bist du jetzt völlig durchgeknallt? Ich hatte schon 3k ausgehandelt und jetzt kommst du mir mit unverschämten 21k? Ich will jetzt sofort jemanden sprechen, der was zu sagen hat!" Sie nestelt am Funk. Kurze Zeit später kommt Sam. Sind das Zwillinge? Mit ihr handeln wir aus, dass sie Hausbesuche für uns vereinbart. Preis kann sie noch keinen sagen. Sie knöpft mir zwei hundert für ihre Privat-Nummer ab. Ejahl, dit is Berlin, wa?! Die anderen wissen jetzt zumindest, wo sie hin können, wenn sie verletzt sind.

30.d
Gehe mit Björn die beiden Unterkünfte durch. In Björns vollcomputerisiertem Haus hätten wir ein Badezimmer und einen doppelten begehbaren Kleiderschrank, in denen wir die Kleine unterbringen könnten. Refugium würde auch reinpassen. Nachteil: Wer weiß, wie viel Technik dann ausfällt. Probieren können wir es erst in ein paar Tagen, wenn der Störsender da ist. Außerdem ist das Haus freistehend, also ohne direkte Nachbarn im gleichen Haus. Drags alte Zahnarztpraxis dagegen hat direkte Nachbarn. Im Grunde scheidet sie sofort aus. Oder wir suchen was Neues.
Der Abend ist spät und ich verkrümel mich nach Hause. Die Magschlösser sind noch intakt, das Fenster im Wohnduschklo dagegen nicht. Notdürftig geflickt mit Plast und Gitter. Ich stelle einen Stuhl zwischen Bett und Türe, meine AK darauf, schon auf die Türe ausgerichtet. Mein Kampfmesser stecke ich zwischen Matratze und Gestell. Es beruhigt einfach ungemein, was hartes rundes in der Hand zu halten, während man einschläft...
Am nächsten Mittag eine Nachricht auf meinem Komm. Von Sam. Dr. Martins mit Nummer. Ich rufe an. Er klingt gehetzt und beschäftigt.
"Also, wenns grad nich passt, kann ich auch später nochmal anrufen." Im Hintergrund Fauchen und aufgeregtes Treiben.
"Jetzt habe ick schon abjehoben. Was jeht?"
"Zwei Wochen Koma. Hausbesuche."
"Wie schwer? Homo sapiens?..."
"Wie homo...?"
"Na, das ist doch das, was uns alle verbindet, homo..."
Ich lege auf. Baggert der mich einfach schwul an ohne mich zu kennen. Sachen gibts. Ich düse erstmal los zu Björn.
Als ich vor dem Haus ankommen, klingeln mir schon die Ohren. Trog-Rock. Ah, klar, Björn will die Belastbarkeit der Nachbarn testen. Als ich zur Türe komme, geht sie einfach auf. Vollcomputerisiert. Goliath steht in Unterhose mit seinem Kampfmesser in der Hand im Wohnbereich.
"Ah, auch gerne was hartes rundes in der Hand?"
In diesem Moment kommt Jens aus dem Badezimmer. Frisch geduscht in Unterhose. Alles klar. Der Doc ist eher was für die beiden.
"Der Doc hat mich vorhin voll schwul angemacht. Der könnte was für euch sein." Ich gebe die Nummer weiter. Jens unterhält sich gleich mit ihm. Labert was von Homo sapjens sapjens oder so. Auf jeden kostet der Doc so rund 4k über die Feiertage und das Jahr. Inklusive Drogen.
Jens hat irgendwie in der Matrix auf P2 den Terminplan der Göre gefunden. Ist so ne Influenzerin. Nennt sogar ihre drei Kameras nach irgendwelchen Romanhelden. Zählt die genauso mit Namen auf wie ihre Freunde. Komisches Gör. Also im Moment schwanken wir zwischen "The Gore", einem Szene-Restaurant mit Massaker-Essen. Nennt sich "Kettensägen-Massaker" oder andere Splatter-Namen. Beim letzten Mal musste sie danach in die Klinik. Problem ist nur, dass das ne Woche vor Weihnachten wäre und die Kosten in die Höhe treibt. Oder am 23. auf dem Weihnachtsmarkt. In beiden Fällen Mitte. Viele Leute, hohe Sicherheit. Kommen wir so oder so nicht drum rum. Der Sinn scheint, dass sie die Bescherung verpassen soll. Sie ist orthodox, deshalb ist die erst am 6. Januar. Mir ist nicht ganz klar, ob der Auftraggeber das weiß. Oder ob sie an beiden Tagen beschert wird. Wird ja auch nicht-orthodoxe Freunde haben. Egal. Wir holen sie vor dem 24. von der Straße.

30.e
Während die anderen unterwegs sind, irgendwas für ihren Run auszubaldowern, zieh ich mir in Björns Luxusbude Urban Brawl rein. Die von Messerschmitt-Kawasaki geclonten Cybears gegen die realen Cyberwölfe von der Straße. Ist irgendwie immer wie Runner gegen Konzerntruppen. Leider habe ich keinen Sender über die Desert Wars gefunden. Als die anderen zurückkommen, bestellt sich Björn bei C8 (der Computer-KI des Haushalts) ein Abo für einen Desert-War Sender. Als wir die Panzer und Aufklärungsdrohnen sehen, fachsimpeln wir herum. Kameras in granatenförmigen Behältern, die sich selbst ausrichten oder ein Boomerang mit Kameras. Sachen gibts. Kameras zum Werfen.
Drag macht... Marek macht sich vom Acker und Jens dann auch. Irgendwann rufen sie an und erzählen was von einer Frau mit Katzenohren. Heißt Muschimuschi oder so. Björn geht sie sich mal anschauen. Ich schau mir lieber das Panzerscvhießen in der Mongolei an.

30.f
Wir wollten heute alle ins Murphys Law. Ein Irish Pub in STFD. Da findet jeden Freitag ein Quiz statt, bei dem die Zielperson immer mitmacht. Jens wollte sich das mal anschauen und vielleicht Kontakt herstellen. Nachdem dort tatsächlich der Sternschutz rumfährt, entscheide ich mich dann doch für den Buisness Suite. Hinten im Kragen verstecke ich eine Mini-Kamera und lege mir das Bild auf meine Bildverbindung in der Brille. Kontaktlinsen und Ohrstöpsel rein, die legalen Waffen, Rucksack mit Drohnen, Medkit und Zeug, fertig. Aber hier in Kiffnick mach ich noch auf Kiffnick-Style. Panzerjacke, Helm, bunte selbstgestrickte Klamotten. Bei Björn angekommen, werde ich von Jens noch verkleidet. Sicher ist sicher.
Wir cruisen also im Ford zum Pub und sind erst mal zu früh dran. Also warten. Macht erst um 15.00 Uhr auf. Ne halbe Stunde kann ganz schön lang sein. Und das Quiz ist erst um 19.00 Uhr... Mann, kann man das nicht vorher nachschaun? Parkplätze gibt es hier an der Ringstraße in Hennickendorf genug. Um uns rum viel Freifläche wegen des Sportplatzes zwischen dem Pub und dem Stienitzsee. Bäume und Büsche stehen leider noch. Um drei machen Sven und Marek rein, Björn und ich bleiben hier. Beobachten von schräg gegenüber. Verbindung über Mikro-Transceiver steht. Ich setze uns noch ne Kanmuchi mit Blick auf den Eingang der Bar aufs Autodach. Björn geht zur Pommesbude und haut sich was rein. Futtert alles dort und bringt nix mit. Könnt was vertragen, aber naja, was solls.
Im Pub schlagen sich Marek und Sven mit der Anmeldung zum Quiz rum. Marek hats nicht so mit Computern. Als sie die SIN angeben müssen, sind sie erschrocken. Klar, Drags...Mareks SIN ist erst aufgeflogen. Geben aber beide eine Nummer an. Wow. Drag hat vorgesorgt und ne zweite SIN gehabt, Respekt! Aber die Anmeldung dauerte echt ewig. Die machten rum, ob sie ein Team machen und wie das geht... Naja. Unterhielten sich ewig mit dem Keeper über das Quiz und wie es so abläuft. Um kurz vor fünf fuhr dann eine etwas noblere Kiste vor. Ein Typ in abgerissenem Anzug stieg aus und ging in die Kneipe. Dann Agnessa mit einer Elfe. Sie verhielt sich wie ne Leibwächterin. Das muss die Magierin im Team sein. Ich machte gleich Rapport. "Hoi, sie kommt. Ein Leibwächter kommt voraus und sie mit der Magierin hinterher."
Es dauerte etwas, dann meldete sich Marek: "Ne, der Norm ist der Magier. So weit zu deinen Vorurteilen, Bembel. Und auf Agnessa liegt ein Zauber. Sie kann besser ausweichen." Aha, naja, wenn ers sagt, wirds schon stimmen. Kurze Zeit später kam auf jeden Fall Agnessas Freundin mit Kopftuch dazu. Dann noch ein händchenhaltendes Pärchen. Ich bekam Kohldampf. So n paar Pommes kämen gerade Recht. Ich schau mich nach Drohnen um. Ne Werbedrohne am Himmel und ne Lieferdrohne. Ich schau nochmal die Dächer ab. Tatsächlich, auf der Pommesbude sitzt eine Mikrodrohne. Schwer zu sehen. Ich zoome ran. Quasi ne Fly-Spy. Wie die Konkurrezmarke heißt, habe ich vergessen. Also nix mit Pommes. Björn steckt mir nen Soyriegel zu. Muss halt.
Marek und Sven haben wohl einen Platz neben Agnessas Gruppe erwischt. Die unterhalten sich über einen Regelbruch. Ein Helm wurde einer Leiche abgenommen, der hätte ja sonst was passieren können... Klar, da dämmerts mir. Das Urban Brawl Spiel zwischen den Cybears und den Cyberwölfen. Da war so ein Vorfall. Wird die Rüstung oft genug getroffen, wird sie steif und man bezeichnet den Spieler als "Leiche". Anscheinend waren sie Fans der Wölfe. Zumindest hatten sie Geschmack. Agnessa doziert immer wieder über Kameraeinstellungen und dass der Schiri das wegen irgendwelcher Blickwinkel falsch gesehen hätte.
Dann fährt ein weiterer Ford vor die Kneipe. (Verdammt, hat Ford einen Exclusiv-Vertrag mit Berlin?) Nummernschild ändert sich. Meine Alarmglocken schrillen. Versteckte Drohne, smartes Nummernschild.... Dann steigen noch drei Leute aus, die voll nach Runner riechen. Ein Ork scheint der Fahrer zu sein, Zwerg auf der Beifahrerseite, hinten ein Elf. Der Zwerg schaut Richtung Pommes-Bude. Alles klar.
"Ey Björn, ich glaub, wir haben heut noch n bissl Spaß."
"Hä?"
"Na, schau dir die drei da an. Die riechen doch nach Ärger. Wahrscheinlich ist die Drohne auf der Pommesbude von denen. Lass uns reingehen. Der Wirt will nachher eh dicht machen wegen dem Quiz."
"Äh, wenn du meinst..."
Wir gingen also rein. Hinten aus dem Van raus, damit man mit der Drohne nicht so richtig sieht, wie wir aussteigen. Über die Straße und rein.
"He, lass mal deine Axt draußen. Sowas kommt hier nicht rein."
Unglaublich. Der traut sich was. Dass der noch lebt. Hier in Berlin ist doch jeder bewaffnet. Obwohl... hier ist kein Anarcho-Bezirk... Machste Ärger, kommt der Sternschutz.
Björn ließ sich das nicht gefallen. "Nö, die bleibt bei mir."
"Also entweder is die Axt draußen und du drin oder ihr seid beide draußen. Kannst sie doch im Auto lassen oder womit ihr gekommen seid."
Ich versuche zu beschwichtigen. "Hey, Chummer, da müssen wir ewig zurücklaufen. Kann er die nich einfach da hinter die Bar stellen?"
"Die Axt ist draußen gefährlicher als hier drin." Danke Björn. Das war eine große Hilfe... Aber irgendwie schien der Keeper auf eine Idee zu kommen, so wie der Björn anschaut. Hat hoffentlich gar nicht so richtig mitbekommen, was er eben so von sich gegeben hat.
"Ey, wenn de die Scheibe da drüben triffst, kannst du die hier drin behalten." Er schien von seiner Idee begeistert.
Björn sah sich die Scheibe an. "Die ist dann aber im Arsch. Is schon klar oder?!"
Der Keeper bestand drauf. Die Axt flog. Die Scheibe wurde gespalten. Der Keeper war begeistert. Quetschte Björn gleich aus, wo er das gelernt hat, ob er schon in Schottland oder Norwegen war. So was. Ich behielt die drei Troublemaker über meine Kamera am hinteren Kragen im Auge. Inzwischen hat sich Agnessa mit Jens unterhalten und schoss mit ihm ein Selfie mit Autogramm. Sie schien stolz darauf zu sein, von einem Fan erkannt zu werden. Der Zwerg, der Im Aufnahmewinkel saß, zog schnell seine Kaputze über den Kopf. Innerlich musste ich lachen. Sturmhaube vergessen, hä?! Ich futterte mein Stew, während der Keeper Goliath vollsabbelte. Da standen die drei auf. Ich war voll alarmiert. Aber die gingen nur durch eine Tür durch, auf der "privat" stand. Oh, Mann, klar! Hier treffen sich auch Runner mit Schmitts! War doch selbst schon mal hier und hab einen getroffen. War schon eine Ewigkeit her. Irgendwann als die Welt noch eine große graue Wolke war, kurz nach der OP...
Agnessa hat mit ihren Leuten wohl auch ein Team. Ansonsten waren noch weitere zwei oder drei Gruppen am Start. Der Laden wird tatsächlich runtergefahren. Meine Verbindung zur Kanmuchi auf dem Autodach bricht ab. Der Keeper schiebt ein Metallgitter vor die Tür. und die Fenster Das Quiz beginnt.

30.g
Es traten also, neben Marek und Jens, noch fünf Teams an. Natürlich Team Constanze (so nennt sich Agnessa auf P2), vier Fussballer, ein Pärchen, Team Stammtisch und eine Gruppe alternativer Studies mit nem Nerd und nem Anzugträger als Käptn. So ne Orkin vom Laden stellt die Fragen:
"Kommen wir zue ersten Frage. Kategorie Drache. Welcher Drache landete auf dem Dach der Vereinten Nationen in Genf?"
Ich konnts mir nicht verkneifen und dachte per Buchse in unser Kommsystem: "Einer, der fliegen kann.", was von Björn mit einem "Du bist schlau" honoriert wurde.
Sven kannte tatsächlich die Antwort: "Schneeflocke."
"Genau, Schneeflocke. Aber nachdem das so das einzige ist, woher man den kennt, ... naja. Kommen wir zur zweiten Frage. Kategorie Nightlife. Wie heißen die weltberühmten Clubs mit dem Thema `Die neun Ebenen der Hölle´?"
Reflexmäßig dachte ich "Dantes Inferno" und mein Gedanke wurde übertragen. Seattle... lang ists her. Das ist eine Stadt in der Safehouses alles andere als safe sind... Ah, wieder ein Punkt für uns.
"Dritte Frage. Kategorie Einheimische. Wann wurde bei uns das letzte Gesetz verkündet?"
"2039" war mein Gedanke "Status Flux".
Doch diesmal waren die Alternativen schneller am Buzzer. "Weiß doch jeder, am 7.März 2039."
Elende Streber.
"Vierte Frage. Kategorie Biologie. Welches Tier wäre mit seinem lateinischen Namen ein `Meerbär´?"
Latein, hmmm, da gibt es alte Bibeln in der Sprache. Und Hebräisch, die Sprache Jesu. Sollt ich vielleicht mal lernen...
"Der Eisbär." Die Alternativen holten auch ihren zweiten Punkt.
"Frage fünf. Klatsch & Politik. Welcher Konzerni hatte mal was mit ner waschechten Königin?"
Das Päärchen war am schnellsten: "Jhonny Spinrad."
"Jawoll, die heutige Queen Caroline war mit Jhonny Spinrad zusammen. Vielleicht hätte es noch für die Verlobng gereicht, wenn nicht das ein oder andere Dienstmädchen dazwischen gekommen wäre. Aber nun zu Frage sechs. Alkohol und Getränke. Nenne zwei Getränke, die übersetzt `Wasser des Lebens´ bedeuten."
Am schnellsten war der Stammtisch "Wisky und Wodka."
"Einer ist leider falsch."
Sven buzzerte: "Wisky und Aquavit." Damit hatte er den dritten Punkt.
Frage sieben. Technik. Mit welchem Verfahren arbeitete die zweite Matrix?"
Agnessa sofort am Buzzer. "Die zweite Matrix arbeitete mit dem Peer to Peer Verfahren." Dabei schaute sie mehr in ihre Drohnenkamera als auf die Quiztante.
"Frage acht. Magie und Unterschiedliches."
"Yeah!" hörte man Marek über den Mikrotranceiver.
"Welches war die erste Universität in der ADL, die Thaumaturgie als Ausbildung angeboten hat?"
Noch während der Fragestellung fiel Marek ein: "Oaahh, klar, was hermetisches..."
Zu meiner Überraschung hörte ich Björns Stimme: "Heidelberg vielleicht?"
Marek buzzerte. Und richtg! Vier Punkte.
"Frage neun. Lokales & Geschichte. In welchem Jahr ist die erste Berliner Mauer gefallen?"
Schweigen.
"Weiß einer von euch was?"
"Woher soll ich wissen, wann das erste Mal in Berlin ne Mauer umgefallen ist?!" Habs nur gedacht, aber hey, Leitung war offen...
Sven: "Im Mittelalter vielleicht?"
Mein erster Gedanke war "Joa Mittelalter, so vor 30 bis 40 Jahren. Könnt hinkommen."
Agnessa wusste es: "1989."
"So, liebe Gäste, damit ist das Quiz vorbei..."
Was? Ich drehte mich um. "Ham se nich gesagt, das wären zehn Fragen?"
Sie rollte die Augen. "Also gut, eine Frage extra für dich: Wann haben die elenden Spitzohren es gewagt, unsere schöne Heimat zu nehmen und mit ihren alten Namen zu verschandeln?"
Ich sah Marek innerlich kochen, aber er hatte sich gut unter Kontrolle.
"Äh, wie heißt denn eure Heimat?"
"Irland."
"Also, wenn da lauter Irre sind, solltet ihr froh sein, dass ihr sie los habt."
Fand sie nicht witzig. Der Keeper auch nicht. Die Iren. Einfach kein Humor. Naja, Jens spendierte Agnessa einen Kiba und dann noch mehr. Pics für P2, ich und der Sieger vom Quiz, der mir seine gewonnenen Freidrinks spendiert usw. Dann kickern sie. Wird auch das volle P2-Event draus. Frag nich. Agnessas Leibwächter hatten Angewohnheiten. Der Magier zog einen Kaffee nach dem anderen weg, die Elfe Energy-Drinks ohne Ende.
Die drei Runner von hinten kamen zurück. Der Ork hatte jetzt einen Koffer unter dem Mantel. Als wir gingen war auch die versteckte Drohne auf dem Pommes-Stand weg.

30.h
Jens machte mit seinem Kommlink rum. Anscheinend hatte er eine Nachricht bekommen, die uns voranbringt.
"Hey, meint ihr, ich soll mich mit ihm mal treffen? Vielleicht kann ich ihn überreden, Constanze... äh, Agnessa mitzubringen."
Björn hob eine Augenbraue. "Von was redest du?"
"Na von den Benachrichtigungen auf P2."
"Schiebst du´s ma rüber in der AR?" Ich kramte eines meiner Wegwerf-Komms raus und stellte die Nummer in den Raum. Sven schob einen Screenshot rüber
Svens Screenshot
ID: Constance Armageddon (followed by You)
>>>Sie wurden in 4 MeFeeds getagt<<<
>>>Sie wurden in 4 MeFeeds getagt<<<
Alle in Deckung! Fliegende Äxte!
And the winner is....not us. Team Constance ist doppelter Zweiter geworden.
Gute Gewinner von Team Jens: Mehr Freigetränke!
Das Stadion bebt, wenn der Tisch wackelt.

Mach dish ab; komm ish un ma ish dish um!!!
ID: Groß-Bruder-von-klein-Ork
>>>Follower möchte Ihren Standort abfragen<<< (erlauben: y/n)

Bringst du den Asta-Rocker mit? Wird total fly!
ID: Tron Mc Intosh
>>>Follower hat eine Freundschaftsanfrage und eine Termineinladung geschickt<<<

Hey, wanna touch?
ID: Two-Shiny-Round-Big-Smoth-Mothergiven-Orbs-of-Crystal
>>>Follower hat eine Freundschaftsanfrage geschickt<<<

Hier bin ich mit meinen Mäus‘chen shoppen in Mitte.
ID: mushi-mushi (Friend)
>>>Sie wurden in einem Bild verlinkt<<<

Guten Tag Jens,
wir möchten gerne mehr über Dich erfahren. Wenn Du etwas Zeit hast, dann beantworte unsdoch noch ein paar Fragen in Deinem Profil. Expanding Your Horizon!
Gruß
Jessica
ID: Jessica @TeamP.2-AGS-BER
>>>Service Nachricht<<<
[close]
"Und wen meinst du jetzt?!
"Na, Tom. Ich bring den Atra-Rocker mit", dabei sah er auf Marek, "und er dafür Agnessa. Nur, was ist das für ein Laden bei den Koordinaten da 8 Meter unter der Erde?" Ja, seit die Koordinaten 3D sind, lassen sich Bombardierungen wesentlich effektiver gestalten. Ist einfach knalliger, wenn die Bomben einige Meter über der Erde explodieren.
Ich dachte nach. "Is komisch, liegt in LBerg im Weitlingkiez. Kreuzung Zachertstraße und Lincolnstraße. Das ist Kriegsgebiet zwischen drei Gangs. Erstens den Golden Wolfes. Ne Zwergengang. Dann den Rising Demons, ne Orkgang und der Elefant Association, ne Elfengang. Besser, ihr geht nicht allein. Björn und ich sollten mitkommen."
"Weißt du auch, was da für ein Laden ist, Bembel?"
"Ne, keine Ahnung, mit Bars und so hab ichs nich so."
"Und wie kommen wir da rein, acht Meter unter der Oberfläche?"
"Hm, Keller, U-Bahn, vielleicht sogar ne Falltür? Nach so Sachen müssen wir suchen." Sven hing schon am Kommlink. Hatte Mushi-mushi dran. Die nehmen wir mit.
Bis Mittwoch sind noch zwei Tage. Sven will was über Drohnen lernen, um mit Agnessa besser über ihr Hobby reden zu können. Ich bring ihm bei, zu fliegen, krabbeln, mit den Sensoren umgehen und schießen. Zumindest überall eine kleine Einführung. Autos fahren kann er zumindest schon.
Wir fahren also zum Treffpunkt mitten auf dem Gebiet der Golden Wolfes. Da steht auch schon n Ford-Transporter ohne Reifen auf Backsteinen, in dem Licht brennt. Davor ne Feuerschale. Mushi-mushi mit nem Member und zwei Prospects. Sie kommt zu uns rüber, wir fahren weiter. Stopp ist an der Marie-Curie-Allee. Zwei Blocks vom Eingang entfernt. Hier sind Autowracks aufgetürmt und Leute mit Langwaffen stehen rum. Haben keine Gangfarben, scheint also ne Kiezwehr zu sein. Wir parken, ich statte Marek und Sven mit Mikro-Cams aus. Ansonsten warten Björn und ich hier vorne im Wagen. Haben uns einen schönen unauffälligen Parkplatz fünfzig Meter von der Kreuzung entfernt gesucht.
Marek und Sven gingen durch die Sperre rein. Drin war schon Trubel. Autos mit offenen Türen ließen ihre Boxen krachen. Party-People hier und da. In der Mitte der Kreuzung eine riesige aufgerichtete Klappen einer Plastahl-Falltüre. Wendeltreppe nach unten. An der Garderobe ein Zwerg und zwei Orks. Alle Gangfarben. Als sie auch noch die Pillen mit den Elefanten empfehlen, war klar. Hier ist Friede. Die drei Gangs wollen zusammen einen Reibach machen. Nicht das Dümmste. Der Rest des Abends säuselte dahin. Dieser Tron hatte Agnessa natürlich nicht mitgebracht, laberte aber Marek die ganze Zeit voll, dass sein Kumpel den Sound hier im Laden macht. Trons Enttäuschung war groß, als er mitbekam, dass Marek nur auf Astralrock stand und ihn gar nicht selbst spielte. Da gab es wohl irgendwie ein Missverständnis.
Björn war schon eingedöst. Ich schaute gelangweilt auf die Kameraübertragungen und immer wieder durch die Fenster unseres Fords. Da fielen mir ein paar Autos und Rattenbikes auf, die ohne Licht anfuhren. Schnell weckte ich Björn.
"Björn, Björn, da kommt unser Spaß! Wach auf! Wir feiern gleich Party! Hast du noch n paar echte Granaten für mich? Hab nur Betäubung." Hatte er.
Meine Naniten tanzten Samba. Doc meinte zwar immer, ich wäre sauber und hätte gar kein KFS, aber das musste einfach so sein. Als Kind war ich immer voll brav und habe viel gebetet. Aus irgendeinem Grund hat mich Gott bestraft und zu einem seelenlosen Troll gemacht. Aber Papst Franziskus hat unsere Seelen gerettet. Also MUSS mein gutes Gefühl beim Töten einfach von KFS kommen! Gott hat mich auserwählt als sein Instrument des Zorns!
Als ich die Leute auf den Bikes näher in Augenschein nahm, war ich etwas enttäuscht. Gelb leuchtende Geier als Zeichen. "Oh Mann, die Elektrogeier. Die kann man nich ernst nehmen. Betäubungsschlagstöcke und Taser. Ich lud die AK wieder auf Betäubung um. Da hörten wir einen lauten Knall. Die Geier sind mit einem Fahrzeug durch die Blockade gebrochen.
"Das sind ganz neue Töne bei den Geiern. Lass sie uns umlegen." Goliath... Björn hatte von Anfang an nichts anderes vor. Ich lud wieder auf echte Muni um.
"Nageln und Abfackeln?" Björn nickte.
Die meisten Geier waren auf der Kreuzung, wollten wohl gerade durch die Presche rein. Wir stiegen aus und gingen auf die Straße. Björn deckte die Kreuzung mit Streufeuer ein und ich verschoss eine Granate. Eigentlich sollte sie den Van treffen mit dem SMG auf dem Dach, doch  ich hielt zu kurz vor und das Auto konnte vorbeifahren. So flog die Granate zu weit und - glücklicherweise- mitten in eine Horde Elektrogeier auf ihren Rattenbikes. Das Streufeuer streckte einige Ganger nieder, die zweite Granate saß. Was übrig blieb töteten wir mit kurzen Salven. Wir deckten den Rückzug von Sven und Marek und fuhren davon.
"Wow, ihr habt da ein ganz schönes Gemetzel angerichtet."
"Herr Wachtmeister, ich habe nichts damit zu tun. Es muss sich um eine tragische Verwechslung handeln." Ich nahm das Lachen gar nicht wahr, sondern sonnte mich in meinem Wohlgefühl. Irgendwer hatte irgendwas gesagt. "Das sagen Sie doch nur, weil ich ein Troll bin. Ich will sofort meinen Anwalt sprechen!"

30.i
Als wir losfuhren, machte ich mir Sorgen, dass uns vielleicht doch noch ein paar Elektrogeier folgen könnten. "Hey, Goliath, hast du hier auch Schlitze zum Schießn drin?" Keine Antwort. Beim Umschauen fuhr ich fort: "Is hier noch irgendwas außer der Seitentür, der Heckklappe und dem Beifahrerfenster?"
Als Antwort hörte ich nur ein zorniges Raunzen: "Sprich mich nie weider mit Namen an..."
"Warum? Hab mich doch gerade an Björn gewöhnt..."
"...sonst kannst mich auch gleich Belial nennen."
Ich stutzte und ließ meinen Mnemoverstärker auf Hochtouren laufen. Drek! Ich hab ihn Goliath genannt! Ich schämte mich, während ich mich an meine Anfangszeit in Frankfurt erinnerte, als ich dachte, die Yaks hätten von den Vorys meinen Namen erfahren. Ich hielt den Mund.
"Ich will meine Granaten wieder." Verdammt! Björn war echt angepisst. Ich nahm die übrigen beiden Splitter und beiden Offensivgranaten raus und lud die AK mit Betäubungsgranaten.
Bei Björn im Luxusschuppen schlug Jens vor, wir treffen uns übermorgen, um zum "2BE" in Mitte zu gehen. Ein Oberschichten-Schuppen, in dem Agnessa an diesem Abend sein wird. Sven wollte die Karten über C8 kaufen, der KI des Hauses, bei der Björn wohl ordentlich Kredit hatte, aber Björn wollte nicht, dass dieser Kauf mit dem Haus in Verbindung steht. Kluge Wahl.
Ich fuhr nach Hause, schlief mich erst einmal anständig aus, schaute mir die Berliner Gangs und Bezirke im Laufe des Tages noch einmal genauer an und holte dann einen weiteren Tag später gegen Mittag meinen bestellten Störsender bei Käptn Haddock in einer Kneipe im Hafen von Kiffnick-City ab. Hab dabei noch ordentliche Granaten bestellt. Zwei IR-Rauchgranaten und gut 200 Schuss Muni hab ich gleich mitgenommen. Mann, die Russen haben die lose in 1000er-Kisten...
Trafen uns dann am 8.12. Abends und haben gleich mal den Störsender ausprobiert. Funkt erste Sahne, C8 scheint nicht groß betroffen zu sein. Wenn Marek dann noch sein Magiezeug erledigt hat, ist der Wandschrank bezugfertig.
Sven hat über Muschimuschi noch eine Begleitung für Marek aufgetan. Anscheinend kommt man in den Club nur in weiblicher Begleitung. Die wollen wohl immer Frauenüberschuss haben. Wir fahren also in die Klosterstraße nach Mitte. Marek und Jens sind wieder mit Cam-Chips und Mikrotransceiver bestückt. Unterwegs lamentieren die beiden rum von wegen Frauen und so. Anscheinend sind sie nich so der Aufreißer-Typ.
"Ich weiß eh nich, warum ihr so lang rum macht. Kugel in n Kopf un fertig."
"Bembel, sie soll doch überleben!" Sven war hörbar genervt.
Sie gehen raus und treffen sich mit den beiden. Mushimushis Freundin heißt wohl Desirée und ist auch irgendwie magisch begabt, wie wir aus der Unterhaltung raushören können.
Björn geht mit einem Raunzen von wegen "Bier holen". Als er zurückkam hielt er mir eine Flasche hin mit den Worten: "Wenn du noch einmal meinen Namen sagst hau ich dir eine runter." Ich war irgendwie erleichtert, dass er wieder mit mir sprach. An sich mag ich Trolle nich besonders, aber Goli... äh, Björn war voll ok. "Fly", wie der Tron sagen würde.
"Und, hat einer von ihnen sie schon abgeknutscht?" Björn grinste vor sich hin und wir stießen an.
"Ne, alles Schicki-Micki. Die Mädels machen scharf und die Bubis fallen drauf rein. Vielleicht können wir die wenigstens umlegen."
"Da sagst du was, wenn die so weitermachen, machen wirs auf unsere Art und Weise."
"Klar, aber vorher müssen sie für ihre Sünden büßen." Ich kratzte mich am Sack. "Und diese Agnessa ist die schlimmste. Macht voll auf Ober-Ische."
Tatsächlich waren die vier inzwischen direkt an der Warteschlange vorbei in den Club gegangen, der über vier oder fünf Stockwerke gezogen war. Wir entdeckten gleich den "Kaffemagier". Agnessa war schnell an Hand ihrer drei Drohnen auszumachen. Sie saß dort rum mit ihrer Gang und schaute gekünstelt gelangweilt durch die Gegend. Kurz gegrüßt, dann ging Jens mit Mushimushi und Marek mit Desirée tanzen. Anscheinend entwickelte sich zwischen Marek und ihr etwas. Grrr, Marek, der Womanizer. Hätt ich gar nicht gedacht.
Aber nachdem Björn anscheinend im Spaß das Thema nochmal anschnitt, musste ich doch nochmal nachfragen: "Sag mal, muss die echt am Leben bleiben? Bald is Weihnachten, da muss ich eh beichten und auf zwei, drei Leichen mehr kommts auch nicht an..."
Er sah mich lange an. "Ja!" Er schrie mich beinahe an. Dann schüttelte er sich etwas. "Keine Ahnung, Mann, ich hab irgendwie nen Problem damit, ne 17-jährige einzukerkern, fällt dir nen Grund ein was mich umstimmen könnte?... Verdammt..."
Sieh an, tief in Björn war doch eine softe Seite. Eine Seele. Franziskus hatte Recht: Trolle und Orks sind auch nach Gottes Ebenbild erschaffen!
"Wir schützen sie vor sich selbst. Schau mal, ohne uns wäre die spätestens Neujahr schwanger. Außerdem ist die voll matrixsüchtig. Die braucht mal ne Runde Matrixfasten!"
"Wär mir sogar egal, aber sie spielt nicht in unserem Business." Hm, Björn will keine Zivilisten kalt machen, klar. Aber er hat den Kontrakt. Da muss er jetzt durch.
"DU hast den Job angenommen. Ich mach nur Urlaub." Ich zögerte kurz und fügte dann noch hinzu: "Aber wenn du dich dann besser fühlst, ihr gebt verdammte 5k aus, dass ihr das Koma so angenehm wie möglich gemacht wird."
" Ich MUSSTE den Job annehmen." Und nach einer kurzen Pause: "Würde lieber unsere Auftraggeberin zur Hölle jagen."
"Damit fährst du nie gut."
"Deswegen bin ich ja hier."
"Beiß die Hauer zusammen, sorg dafür, dass sie s überlebt und dann tauchen wir unter."
"Geht klar."
Goliath drehte sich weg und schlürfte gedankenversunken an seinem Bier. Ich beobachtete die Szenerie im 2BE weiter. Anscheinend verabredeten die vier sich mit Agnessa. Geht wohl weiter nach FKB. Mit der U-Bahn. Dummerweise klebt an Jens eine Drohne dran, die ihn beobachtet. Hatte ihm schon beim Tanzen Bescheid gegeben. Draußen zog sie nach oben aus meinem Kamerasichtfeld. Sie gingen in die U-Bahn. Der Kaffeemagier folgte ihnen. Hatte offenbar nichts mit der Drohne zu tun.
Auf der Brücke von Mitte nach FKB standen die Sternis. Allerdings eher bereit, jemanden nach Mitte rein zu verfolgen. Björn fiel hinter uns ein dunkler SUV auf, den er schon vor Agnessas Haus gesehen hatte. Darin ein Typ mit grauen Haaren und eine Frau mit Kopftuch. Björn fuhr eine Schleife. Der SUV fuhr weiter.
An der U-Bahn-Station in der Heinrich-Heine-Straße sahen wir den dunklen SUV wieder. Ich zoomte mit meiner Brille ran. Die Kopftuchtussi im Auto sitzt auffällig steif herum. Etwa so wie Marek, wenn er im Astralraum ist. Scheint die Riggerin zu sein. Der gut angezogene Typ Mitte vierzig mit dem graumellierten Haar schaut konzentriert auf sein Kommlink. Als der Trupp ankommt, folgt ihnen der Kaffeemagier in seinen abgerissenen Klamotten. Er hat keinen Blick für den SUV, der jetzt nach Süden wegfährt und den grauen Herren, der die andere Straßenseite nimmt auf dem Weg. Die Drohne, die an Jens geklebt hat, fliegt voraus. Offenbar sind die drei ein eingespieltes Team. Die Elfe war nicht da, aber auch Leibwächter müssen irgendwann schlafen.
Die Gruppe entschied sich gegen das "Sage" und für den "Tresor", einem Industrial-Schuppen. Wir bleiben mit dem Ford in der Brückenstraße um die Ecke. Ich setze eine Fly-Spy auf Höhe des dritten Stocks ans Sage. Reicht, um die Straße grob zu überblicken. Den Rest machen die Cam-Chips an den Clams von Marek und Jens. Als die Gruppe dort ankommt, fährt der dunkle SUV auf den Parkplatz des Tresor.
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« Letzte Änderung: 29. Oktober 2020, 16:26:00 von Olf »
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