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Autor Thema: [Kult: Divinity Lost] Taroticum (voll)  (Gelesen 2130 mal)

Mr.F.Johnson

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  • 25. September 2019, 23:34:07
[Kult: Divinity Lost] Taroticum (voll)
« am: 25. September 2019, 23:34:07 »

Taroticum - Eine Kampagne für Kult: Divinity Lost

London, schmutziges, sündhaftes, magisches London. Ein Moloch auf einem Labyrinth erbaut. Zwei Leiber, wie im Liebesspiel eng verschlungen: Hier die Stadt. Und da die andere Stadt. Dazwischen nur ein dünnes Leinentuch. Leichentuch. Was als Wimmelbild erscheint, als Schmelztiegel, als unzähmbares Chaos folgt in Wirklichkeit einer ausgeklügelten Ordnung. Ein Plan, von keinem Menschen erdacht. Die Karten des Taroticum sind der Schlüssel, um diese Ordnung, die allen Dingen innewohnt aber in London ganz besonders präsent ist, zu verstehen. Und wer die geheime Ordnung der Dinge versteht, der kann sie verändern. Manipulieren. Kontrollieren. Das schwarze Auge des Terrors richtet sich begierig auf London. Sucht. Giert. Verschlingt. Etwas nähert sich. Das Leichentuch fällt...




Wir spielen die Kampagne "Taroticum" für Kult: Divinity Lost. Es handelt sich dabei um eine Neuauflage einer klassischen Kampagne aus den 1990ern, geschrieben von Gunilla Jonsson und Michael Petersén, den kreativen Köpfen hinter der 1. Edition von Kult.
Taroticum bietet den Spieler*innen die Möglichkeit, eine Entdeckungsreise in die Tiefen des Kult-Mythos anzutreten, die deren Charaktere nahe an das Erwachen führen kann. Vorausgesetzt natürlich, es gelingt ihnen am Leben und bei Verstand zu bleiben. Die ursprünglich recht lineare Kampagne wird durch das neue an PbtA angelehnte Regelwerk um einige Möglichkeiten zu intensivem Characterspiel erweitert.

Der Ausgangspunkt der Reise ist London.

Wir beginnen mit einem kurzen Vorspiel im Jahr 1892. Die Spieler*innen übernehmen die Rolle von Wärtern im Gefängnis Ihrer Majestät Sandburn. London ächzt unter der Last der Industrialisierung: Die Sonne mag zwar über dem weltumspannenden Empire Ihrer Majestät Königin Victoria niemals untergehen, doch was haben die Bewohner Londons davon. Die Sonne schafft es ohnehin nur an den wenigsten Tagen ihre Strahlen durch die aschfahle Wolkendecke über der Stadt zu pressen. Während die ländlichen Gegenden darben, sind die Städte überfüllt und verstopft von den elenden, schmutzigen Massen, die sich tagein, tagaus aus den aus dem Boden gestampften Arbeitervierteln in die Industrieanlagen und Werften schleppen, um ihre Leiber ins Getriebe des Maschinenraums dieses Empires zu werfen, an dessen Reichtum und Pracht nur die wenigsten Anteil haben. Die Überbevölkerung schlägt sich auch in den Gefängnissen nieder und Sandburn ist keine Ausnahme. Wäre da nicht der neue Gouverneur, Anthony Seymour, der ein besonders hartes und perfides Regiment eingeführt hat, wäre es längst zur Revolte gekommen, sind sich seine Protegés, die Captains der Wache, sicher.

Der Großteil der Kampagne spielt im Jahr 1992. Die britische Gesellschaft steckt in einem Interregnum. Die Ära des Thatcherismus hat die Gesellschaft tief gespalten : Auf der einen Seite die verarmte, ausgeblutete Arbeiterschicht, die sich aufgrund staatlicher Spardiktate schutzlos dem Ausverkauf der britischen Industrie ausgeliefert sieht. Auf der anderen Seite die glitzernden Wolkenkratzer Londons, wo Investmentbanker mit Währungen spekulieren und in Sekunden den Wohlstand von Nationen verbrennen. Die Eiserne Lady ist gefallen. Verraten von den Hinterbänklern der eigenen Partei. John Major, der hemdsärmelige und gutmütige Aufsteiger aus bescheidenen Verhältnissen, wurde zu ihrem Nachfolger erkoren. Er geht aus der General Election als Premierminister hervor. Aber ist er wirklich die Marionette, für die seine politische Ziehmutter ihn hielt? Manche Teufel töten mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen. Er führt die britische Gesellschaft in die Europäische Union, zugleich spielt er mit den Geistern des Patriotismus und Nationalismus, um den sozialen Kahlschlag und die Verelendung der von ihm weitergeführten marktradikalen Politik Thatchers zu übertünchen. Das Land lechzt nach Veränderung. Umbruch. Umsturz?

Vier Londoner - jede und jeder ohne deren Wissen längst von der Macht des Taroticum berührt - sehen einer ungewissen Gegenwart entgegen. Die Schädel. Die Augen. Die Stundengläser. Die Mondsicheln. Der Kreis schließt sich.



Es spielen:

Name SpielerName SC (Prolog)Name & Archetyp SC (Hauptspiel)
stuntschaf   aka   William "Bloody Bill" Tailor   aka   Todd Galwny (The Weekend Warrior)
Melora   aka   Michael Brown   aka   Tammy Lawrence (The Broken)
sicDaniel   aka   Harlan O'Connor   aka   Isaac Starkweather (The Academic)
Frostgeneral   aka   Richard "Rick" Dorsley   aka   Pater Sebastian MacDothery (The Prophet)



Software: Roll20 (Spieloberfläche), mycircle.tv (Musik) und TeamSpeak (wir sind in der Regel in Eisenkessels Irrenhaus - danke an Eisenkessel  :-*)

Die Runde wird von uns aufgezeichnet. Ob wir sie auch ausstrahlen werden, wird das Ergebnis zeigen.

Für die musikalische Untermalung bedanken wir uns insbesondere bei Cryo Chamber - Dark Ambient Music, die sich (nicht nur, aber auch) für Rollenspiele hervorragend eignet!

Desweiteren bedanke ich mich bei Red Moon Roleplaying und Anders Fager für die Prolog-Geschichte "Faraday", die ich übersetzen und nutzen darf.



Spieltermin: Circa 14-tägig montags bzw.
 dienstags; wird gruppenintern genauer abgestimmt; bei Interesse zuzuhören: bitte am jeweiligen Spielabend bei mir kurz melden, ich kläre das mit der Gruppe ab.

NÄCHSTER TERMIN: Mo, 06.01.2020, 19.30 Uhr - Taroticum - Kapitel 1: Ein Hilferuf, Teil 5

ZUKÜNFTIGE TERMINE (siehe Doodle)

TagDatumUhrzeitAnmerkungen
Di14.01.19.30

VERGANGENE TERMINE
TagDatumUhrzeitAnmerkungen
Mo30.09.19.15 UhrProlog, Teil 1
Mo01.10.19.15 UhrProlog, Teil 2
Mo14.10.19.30 UhrProlog, Teil 3
Di22.10.19.30 UhrKapitel 1, Teil 1
Di28.10.19.30 UhrKapitel 1, Teil 2
Mo25.11.19.30 UhrKapitel 1, Teil 3
Di10.12.19.30 UhrKapitel 1, Teil 4/td]
« Letzte Änderung: 19. März 2020, 12:32:47 von Mr.F.Johnson »
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  • 30. September 2019, 15:24:12
Re: [Kult: Divinity Lost] Taroticum (voll)
« Antwort #1 am: 30. September 2019, 15:24:12 »

Kapitel 1: 1854 – Der Mond / Nahemoth
Nach dem heiligen Tarot, das nur einmal im Leben ausgelegt werden kann, wurde ich im Zeichen Nahemoths geboren. Welch Segen! Welch günstiges Zeichen!
„Oh, Liebes. Rupert wurde unter der Ägide Nahemoths geboren, Göttin des perversen Freaks.“ Gepriesen sei sie, törichter Engel der Hässlichen. Ich war ein hübsches Kind. Das sagte man mir jedenfalls.
In meiner frühesten Erinnerung flitze ich über den Rasen. Meine Eltern sitzen, beide zusammen, an einem kleinen Tischlein. Sie sprechen über etwas, das ich nicht verstehe. Ich erinnere mich, damals gedacht zu haben, dass ich sie gern verstanden hätte. Ich erinnere mich, dass ich später oft an solche Szenen gedacht und mir gewünscht habe, sie hätten öfter so zusammen gesessen. Sie waren nette Leute, beide. Sie wussten nur nicht wie sie damit umgehen sollten, ein Paar zu sein, geschweige denn zu lieben. Verheiratet zu sein und Kinder zu haben war nur eine weitere lästige Pflicht, die sie erfüllten, weil man es von ihnen erwartete. So viele Jahre später wünsche ich mir immer noch, ich hätte den Mut gehabt sie zu fragen, wie sich das anfühlt. Waren sie Freunde geworden oder liebten sie sich wirklich, oder kamen sie einfach nur irgendwie miteinander aus?
Geboren im Zeichen Nahemoths. Törichter Engel der Hässlichen. Ich wuchs zu einem gutaussehenden Mann heran. Vielleicht lag die Missgestalt in meiner Seele. Oder in den abgestumpften Herzen meiner Eltern.
Aus: Das Leben und Unleben des Rupert Faraday, von Anders Fager




Wir beginnen die Kampagne am Montag, 30.09.2019, und Dienstag, 01.10.2019, mit einem Prolog, der uns ins London des ausklingenden Jahres 1892 führt, genauer nach Clapham, Burough of Lambeth, und in die Haftanstalt Ihrer Majestät Sandburn.

Darin spielen...

Frostgeneral = Richard Dorsley
sicDaniel = Harlan O'Connor
stuntschaf = William Tailor
Melora = Michael Brown



Es ist Freitag, der 22. Dezember 1892. Die vier Captains der Wache stehen in unchristlicher Frühe um ein flaches, der gefrorenen Erde abgerungenes Grab herum auf dem Friedhof des Gefängnisses Sandburn. Der Gouverneur, Anthony Seymour, hat ihnen aufgetragen den in der Nacht verstorbenen Lionel Johnson in einem namenlosen Grab zu verscharren, ehe der Rest des Gefängnisses erwacht. Fünf Monate zuvor führten Michael Brown, Richard Dorsley, Harlan O'Connor und William Tailor eine Scheinexekution durch: Statt Lionel Johnson, dem Rädelsführer des Aufstandes von '92 baumelte ein an der Ruhr krepierter Insasse vom Galgen. Johnson hingegen wurde in den tiefsten Keller gesperrt, wo er seit dem allein in der Dunkelheit und ausschließlich von den Essensresten der Captains ernährt ausharren musste und schließlich dem Wahnsinn verfiel. Kein Wunder, dass er sich irgendwann mit einer aus der Wand gerissenen gusseisernen Halterung seiner Ketten die Kehle aufschlitzte. Oder?
Nach verrichteter Tat wurden die Captains beim Gouverneur vorstellig. Dieser gab seinen treuen Untergebenen anlässlich des nahenden Weihnachtsfests eine Runde teuren Brandy aus - und einen saftigen Weihnachtsbonus. Doch der kam nicht umsonst. Seymour zog seine loyalsten Männer ins Vertrauen: In der Nacht würde eine besondere Gefangene an das Gefängnis überstellt, von der niemand sonst erfahren durfte. Eine Hexe, von einem Geheimgericht Ihrer Majestät der Mitverantwortung für den Ton ihres Enkels, Victor Albert, Herzog Clarence, für schuldig befunden. In der klaustrophobischen Enge dieses Lochs mühten sich die Captains, die Spuren des Insassen - Blut und Exkremente zu entfernen, um den Kerker für die kommende Insassin vorzubereiten.
Nichts hätte die erfahrenen Gefängniswärter auf das Kommende vorbereiten können: Als sie um Mitternacht in den Keller hinab stiegen erwartete Seymour sie bereits. Er wies sie an, in den Ecken des engen Raumes Position zu beziehen und die Ketten für die Fesselung der Hexe bereitzuhalten. Auf den klammen Boden der Zelle hatte er mit Salz einen Schutzkreis gezeichnet. Obwohl er den besorgten Captains versicherte, dass es sich um einen Schutzzauber zu ihren Gunsten handele und dass das Buch in seinen Händen eine Bibel sei, ließ das Ritual, das er vollzog, bei den gestandenen Männern einen bitteren Nachgeschmack. Aus dem Nichts erschien ein furchtsamer Schemen, den die Captains alsbald mit den vorbereiteten Ketten banden. Diese verschmolzen wie von Geisterhand nicht nur mit dem Boden sondern auch mit dem Fleisch der gebeugten, verzweifelten Frauengestalt. Seymour gelang es ihr etwas zu entreißen - ein Kartendeck - bevor er die entsetzten Männer zurückließ. Diese verschlossen die Kellertüre und postierten einen Wachposten davor, dem sie einbläuten nicht auf irgendwelche Geräusche zu reagieren, die er aus dem Kellerraum würde vernehmen können.
Nach einer unruhigen und kurzen Nacht erwachten die Captains in Stockfinsternis und Eiseskälte, als ein gewaltsames Erdbeben ihrem Schlaf ein jähes Ende bereitete. Die Wachen waren in Panik. War das Gefängnis durch das Beben kompromittiert? Außerhalb der Baracke setzte sich die bange Ahnung fort: Entsetzt blickten sie alle gen Himmel, wo eine schwarze Sonne über London aufstieg. Während Tailor, Dorsley und O'Connor versuchten, die Wachen zu organisieren und die Zellenblöcke zu sichern, stürzte Brown hinunter in den Keller. War die Hexe entkommen und hatte dieses furchterregende Schauspiel verursacht? Walsh, die aufgestellte Wache jedenfalls war tot, sein Schädel an der gegenüberliegenden Wand zerschlagen. Brown wagte sich in die undurchsichtige Dunkelheit des Lochs. Und tatsächlich: Die Gefangene war genau dort, wo sie zuvor zurückgelassen wurde, ihr Körper von den übernatürlichen Fesseln mit dem Boden verschmolzen. Sie verfluchte Brown, die anderen Handlanger und vor allem Seymour. Bevor Brown die Gefangene weiter aushorchen konnte, erschien Seymour, eine Aura der absoluten Dominanz ausstrahlend. Widerstand war zwecklos.
Der Gouverneur ließ die gesamte Wachmannschaft antreten und verkündigte die erneute Verschärfung seines ohnehin drakonischen Systems: Alle Möbel seien aus den Zellen zu entfernen und zu verbrennen, Heizungen und Lichter - außer in den Stuben der Wachen - zu entfernen und die Rationen der Insassen zu halbieren. Für viele würde das einem Todesurteil gleichkommen. Den Wachen hingegen stellte er eine Verdoppelung des Solds in Aussicht - wenn sie sich seinen Befehlen beugen würden. Nur 2 von 40 Wärtern widersetzten sich: Der junge Chapmann aus O'Connors Einheit. Und Captain Michael Brown. Es kostete sie immense Überwindung sich Seymours geradezu übermenschlicher Autorität zu widersetzen. Und tatsächlich entließ er die beiden ohne lange zu fackeln. Doch seine Großzügigkeit erwies sich als Falle: Denn außerhalb der Gefängnismauern fanden sich Brown und Chapmann in einer nebelverhangenen Ödnis wieder. Einem Leichenfeld aus Staub und Knochen. Von Kreaturen in dem Nebel beinahe zu Tode gehetzt schaffte es nur Brown zurück zum Gefängnis. Dort wurde er seines Ranges enthoben und von einem seiner Kameraden, William Tailor, auf Geheiß des Gouverneurs vor seinen eigenen Wärtern mit 50 Peitschenhieben bestraft.



Kapitel 2: 1863 – Der Magier – Demiurgos
Ich lernte Seymour, den Jungmagier, in der Schule kennen, als ich neun Jahre alt war. Im Kollegium seiner Hochwürden Sankt Albern der gesegneten Langeweile war er mein Partner, mein bester Freund, und hatte noch nicht viel von einem Magier. Ich glaube nicht, dass wir anders waren als die anderen verkorksten Söhne der ehrwürdigen Diener des Empire. Nicht sehr jedenfalls. Wir wurden schikaniert und wir schikanierten zurück. Wir spielten Soldaten und Entdecker und versuchten Latein und Französisch zu lernen, weil das von jungen Gentlemen so erwartet wurde. Wir verarschten und wir wurden verarscht. Weil das von jungen Gentlemen so erwartet wurde.
Meine Familie war in der Seefahrt tätig, seine im Bergbau. Wir hatten beide nützlichere ältere Brüder, die sich um das Familiengeschäft kümmern würden. Vielleicht erklärt das, warum wir beide begannen uns nach anderen Dingen im Leben umzuschauen.
Aus: Das Leben und Unleben des Rupert Faraday, von Anders Fager
« Letzte Änderung: 09. Oktober 2019, 15:59:32 von Mr.F.Johnson »
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  • 30. September 2019, 23:50:40
Re: [Kult: Divinity Lost] Taroticum (voll)
« Antwort #2 am: 30. September 2019, 23:50:40 »

Und schon morgen Dienstag, 01.10.2019, geht es um 19 Uhr weiter mit dem Prolog zu Taroticum!



Kapitel 3: 1868 – Der Einsiedler – Netzach
Ich war 14, als mein Vater in Abyssinien starb. Starb er im Kampf gegen den wahnsinnigen König Theodosius? Nein. Er starb an der Ruhr. Hat sich selbst zu Tode geschissen. Besser man munkelt etwas über den Wahnsinnigen König. Und über Ruhm und Ehre für das Empire. All diese traurigen, einsamen Tode und ich sah zu wie man sie in etwas Glorreiches und Zielgerichtetes verwandelte. Meine Mutter trug lange Zeit Schwarz. Tatsächlich kann ich mich nicht erinnern sie danach jemals in etwas anderem als Schwarz gesehen zu haben. Andererseits erinnere ich mich auch nicht daran erinnern, wann wir uns zum letzten Mal sahen.
Bisweilen sind die beiden Tarots äußerst widersprüchlich. In diesem Fall wirkt es sich sogar auf meine Grübeleien aus. Der Einsiedler steht dafür, mit seinen Gedanken allein zu sein, was damals ziemlich passend war. Aber laut Seymour sollte auf der Karte Netzach, der Krieger, abgebildet sein. Hätte ich mir darunter einen Inder oder einen chinesischen Boxer-Mönch vorstellen sollen? Ein Schwarzhemd oder einen Derwisch? All die toten Helden. An die wir uns aus absolut sinnlosen Gründen erinnern.
Aus: Das Leben und Unleben des Rupert Faraday, von Anders Fager




Nachdem Michael Brown brutal ausgepeitscht, seines Ranges enthoben und an seiner Stelle der junge Yeardley zum Captain ernannt wurde, ließ Seymour die übrigen Wachen wegtreten. Dorsley stieg zum Kellerloch hinab, vor dem er wirklich seinen Mann Walsh tot auffand - den Schädel an der gegenüberliegenden Wand zerschmettert. Schweren Herzens entschied Dorsley ein weiteres namenloses Grab ausheben zu gehen um seinen treuen und eine sinnlosen wie brutalen Tod gestorbenen Untergebenen zur Ruhe zu betten. Seltsam, dass er sich nicht mehr and Walshs Vornamen erinnern konnte. Er würde das prüfen müssen, ehe er Frau und Kinder informieren würde. Wobei. Dorsley konnte sich auch nicht erinnern, ob Walsh überhaupt Frau und Kinder hatte. Derweil brachten Tailor und O'Connor den geschundenen Brown ins Hospital. Entgegen seiner üblichen Sprechzeiten, war Dr. Peacock tatsächlich anwesend obgleich in Aufbruch begriffen - der Gouverneur hatte ihn am Abend zuvor einbestellt. Er schien verwirrt, kümmerte sich aber trotz des geäußerten Wunsches, das Gefängnis zu verlassen, um Browns Wunden. O'Connor und Tailor spekulierten dabei über die besorgniserregenden Vorkommnisse des Tages: War die Hexe der Grund für die "Sonnenfinsternis" und die geradezu unnatürliche Kälte, für die Kreaturen draußen im Nebel und Walshs Tod? Oder könnte sie der Schlüssel sein um diesen faulen Zauber zu brechen? Und wenn dem so wäre, würde das nicht bedeuten, dass das wahre Übel hier der Gouverneur sein musste?
Im Gefängnis regte sich bei einigen Gefangenen derweil Widerstand gegen die von Seymour angeordneten Maßnahmen, dem die Wärter mit harter Gewalt begegneten. Daraufhin baten die verbliebenen Captains Seymour um die Herausgabe von Revolvern - zumindest für sie selbst. Der Gouverneur, offenbar gänzlich unbesorgt ob der Vorstellung, einer der Revolver könnte in die Hände der Gefangenen geraten, gab dem statt. Außerdem unterstellte er Brown, zum gewöhnlichen Wärter degradiert, O'Connors Kommando. Die beiden erhielten von Seymour den Auftrag, die alten Isolationszellen mit neuem Material auszustatten, dass sie von Superintendent Clarke beziehen sollten.
Nachdem der nur leidlich wiederhergestellte Brown aus dem Hospital abgeholt und das Material von Superintendent Clarke empfangen und in den Keller geschleppt worden war, mussten Brown und O'Connor zu ihrer großen Bestürzung feststellen, dass es sich bei dem Material um Folterwerkzeuge handelte. Wem hatte der Gouverneur diese perfiden Werkzeuge zugedacht? Sollten sie dem Verhör der Hexe dienen? Oder der Bestrafung ungehorsamer Insassen - oder gar Wärter? Sie mussten etwas unternehmen! Nur was? O'Connor und Brown beschlossen, die Hexe selbst zu verhören, obwohl ihnen das von Seymour ausdrücklich untersagt worden war. Doch das Kellerloch war jetzt abgesperrt, den einzigen Schlüssel verwahrte Seymour in seinem Büro, wo er fast den ganzen Tag arbeitete.
Tailor und Dorsley - obgleich nicht gänzlich davon überzeugt, gegen Seymour vorzugehen - sorgten für die Ablenkung, indem sie versuchten die Inspektion, die Gouverneur Seymour zur Überprüfung der Umsetzung der von ihm angeordneten Zwangsmaßnahmen angekündigt hatte, in die Länge zu ziehen. Diese Gelegenheit nutzten O'Connor und Brown, um in Seymours Büro einzubrechen und die Schlüssel für das Kellerloch zu entwenden. Beim Kellerloch wurden sie von unnatürlicher Eiseskälte und undurchdringlicher Dunkelheit empfangen. Darin fanden sie die Hexe, wie sie sie tags zuvor zurück gelassen hatten: Die öligen, schwarzen Eisenketten waren mit ihrem Fleisch verschmolzen und pressten sie gegen den blanken Steinboden. Die "Hexe" reagierte argwöhnisch und voller Abscheu auf die Handlanger des "Magiers", der sie gerufen und gebunden hatte. Sie gab ihnen die Schuld an dem derzeitigen Zustand des Gefängnisses, das Seymour mithilfe der ihr entwendeten Tarotkarten in ein Grenzgebiet zwischen "Inferno" und "Elysium" versetzt hätte - eine Art Vorhof zur Hölle. Ohne Hoffnung sich selbst befreien zu können zeigte sie O'Connor und Brown einen Ausweg auf: Sie müssten Seymours Kontrolle über die Meisterkarte, "Demiurgos", brechen, indem sie seine Autorität herausfordern und die Karte mit deren Blut an eine andere, völlig machtlose Person binden würden. Nur so würde Seymour die Kontrolle über die anderen Karten des Taroticum verlieren, an die er die Gefangenen wie auch die Wärter gebunden hatte. Zuletzt warnte sie Brown und O'Connor, dass Seymour sie bereits suchte.
So vorgewarnt, versuchten O'Connor und Brown sich zu bewaffnen und in die Bibliothek des Gouverneurs einzudringen. Tailor und Dorsley hingegen wagten es nicht, sich gegen Seymour zu stellen. In Seymours Büro kam es zum Showdown: Der Gouverneur befahl Dorsley und Tailor die anderen beiden Captains festzunehmen, die ihr Widerstand gegen Seymours Willen fast um den Verstand brachte. Brown hielt dem nicht stand und richtete seinen Revolver gegen sich selbst. Und drückte ab. O'Connor hingegen verfiel dem Wahnsinn, als er Seymours wahres, schreckliches Antlitz erblickte: "Ich bin nicht der Teufel. Aber ich weiß mich der Mächte der Hölle zu bedienen um zu erreichen, was erreicht werden muss!" Der 23. Dezember 1892 endete mit O'Connor, der im Krankenflügel inhaftiert wurde und dessen gebrochener Verstand eine gravierende  Veränderung durchmachte, mit Brown, dessen Leichnam in einem namenlosen Grab verscharrt wurde und mit Tailor und Dorsley, die jetzt unter besonderer Beobachtung durch den Gouverneur standen.
Der 24. Dezember, Heiligabend, beginnt statt mit einer festlichen Stimmung mit Zweifeln, Zwietracht und einer Anspannung, die Sandburn jeden Moment zu zerreißen droht. Harlan O'Connor erwacht auf der Krankenstation, wo er an ein Bett gefesselt wurde, er sieht jetzt viel klarer. Michael Brown erwacht im Krankenflügel aus tiefen Traum zu neuem Leben. Und William Tailor und Rick Dorsley werden beim morgendlichen Appell der Wärter Zeugen, wie Superintendent Clarke mit dem Mut der Verzweiflung versucht, den Gouverneur festzunehmen bzw. selbst zu richten. Doch er kann es einfach nicht. Er wird zum Exekutionsplatz geschleppt, wo er schlimmer noch als Brown tags zuvor ausgepeitscht wird. Auch der Kaplan scheint seinen Glauben verloren zu haben, was Dorsley zutiefst erschüttert. Wieder versuchen Brown und O'Connor sich den Demiurgos anzueignen. Doch die Karte lässt sich nicht mit irdischen Mitteln zerstören. Und mit ihrem Blut können sie die Karte nicht neu binden - sie sind nicht machtlos genug, wie die Hexe gesagt hatte. Wieder wird Seymour durch den Diebstahl auf die beiden aufmerksam. Von der Waffenkammer aus legen sie einen Hinterhalt. Doch sie können Seymour nicht verwunden, nicht solange er die Kontrolle über Demiurgos inne hat. Dorsley erschießt O'Connor und Brown, die ihre Munition verpulvert haben. Tailor schießt nicht. Er starrt Michael Brown an. Sieht ihn sterben. Zum zweiten Mal. Dorsley legt auch auf Tailor an. Doch er hat seine Munition verpulvert. Tailor erschießt Dorsley. Dann legt er auf Seymour an. Vergebens. Seymour lässt Tailor seine wahre Gestalt, den unförmigen, monströsen Leib eines Lictors, erblicken. Er packt Tailor und erwürgt ihn. Seine süffisanten Abschiedsworte: "Fast. Guter Versuch".
Am Morgen des 25. Dezembers erwacht Richard Dorsley mit einem Druck auf der Brust in seinem Bett in den Baracken. Die anderen ehemaligen Captains der Wache erwachen zusammen, die Kleidung in Fetzen gerissen, unter immensen Schmerzen, in einem entsetzlich kalten, nach Pisse und Angst stinkenden Raum, den sie erst nicht wiedererkennen. Es ist eine Zelle. Und sie sind darin gefangen.



Kapitel 4: 1871 – Die Hohepriesterin – Astaroth
Es geht immer um eine Frau. Irgendwie. Oder wenigstens ein Ying für das Yang. Kein Succubus und keine Hure, sondern eine Hohepriesterin. Eine Lehrerin. Sie kam diesen Herbst zu mir, in meinem dritten Semester in Oxford. Die Tochter eines meiner Professoren. Sie hatte mit ihrem Vater den gesamten Mittleren Osten und Indien bereist. Eine wahre Tochter des Empire. Sehr einfallsreich. Sehr undamenhaft. Und gerade deshalb eine perfekte Göttin.
Sie war alles, wonach ich gesucht hatte. Alles, wovon ich nach der Lektüre so vieler alberner Romanzen geträumt hatte. Und mehr. Elsa Wolfe. Die Tochter des Wolfs. Das Aas. Wir gingen zusammen nach London. Schmutziges, sündiges, zauberhaftes London. Wir erzählten den Leuten, wir würden bei diesem oder jenem Onkel residieren. Aber in Wirklichkeit. London. Düsteres London. Unser erstes gemeinsames Wochenende heilte Teile von mir auf eine Weise, die mich zu einem frommen Gläubiger des Fickens bekehrte.
Aus: Das Leben und Unleben des Rupert Faraday, von Anders Fager
« Letzte Änderung: 11. Oktober 2019, 18:21:32 von Mr.F.Johnson »
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  • 11. Oktober 2019, 18:27:45
Re: [Kult: Divinity Lost] Taroticum (voll)
« Antwort #3 am: 11. Oktober 2019, 18:27:45 »

Am kommenden Montag, 14.10., gehen wir ab 19.30 Uhr (sans Melora, die im Urlaub ist) noch ein letztes Mal den Prolog an: Wird Dorsley seine Seele an Seymour verlieren oder fasst er neuen Mut und wagt den Aufstand? Wird es O'Connor, Tailor und Brown gelingen Seymours Kontrolle über das Tarot zu entreißen? Und was, wenn sie versagen? Nachtrag: Am Ende ist es wegen krankheitsbedingten Ausfalls mehr eine Erzählung als ein Spiel geworden. Nichtsdestotrotz ist dies das Finale des Prologs.



Kapitel 5: 1875 – Die Kraft – Yesod
Der „Pool of London“. So viele Schiffe. All der Dreck und die Menschheit und die Ratten, die über alles hinwegklettern. Ich und Elsa konnten stundenlang durch die Docks spazieren und einfach nur das Spektakel verinnerlichen. Alles, was Empire ist. Gier und Lust und Kraft. Lust und Gier und die Kraft, die sie spenden. All die kolonialen Reichtümer. Und ich war genau da, wo ich sein wollte. London. Kräftig und reich und so voll von der Lust, die ich gerade erst kennengelernt hatte. All die Macht. All die Leiber. All die Schiffe und Straßen und Geister, die hier und da aus der anderen Stadt herüber scheinen. Ich sehe römische Galeeren auf dem Fluss. Langschiffe. Einen Tempel Apollons, wo heute St. Paul's Cathedral steht. Das ganze Mysterium ist hier so offensichtlich.
Wir wagten uns sogar ins Chinesen-Viertel vor und kosteten von ihrem Opium. Wir ritten den Drachen, während ein kleines englisches Mädchen aus den Slums dastand und uns beobachtete. Die Chinesen schimpften sie „die Ratte“. Sie sagten sie könne nicht träumen und darum genieße sie es anderen beim Träumen zuzuschauen.
Aus: Das Leben und Unleben des Rupert Faraday, von Anders Fager




Die Dinge veränderten sich noch einmal zum Schlechteren, nachdem die ehemaligen Captains Tailor, O'Connor und Brown wegen ihres Aufstandes gegen Gouverneur Seymour selbst in den Isolationszellen im Keller Sandburns eingekerkert worden waren. Richard Dorsley war sich nicht einmal mehr sicher, wie viele Tage seitdem vergangen waren. Wie sollte man auch Tag und Nacht voneinander unterscheiden, wenn diese verdammte Schwarze Sonne niemals unterging und stattdessen unablässig pechschwarze Dunkelheit in den gewittergrauen Himmel blutete?! Den Takt des Alltags im Gefängnis gab jetzt der Gouverneur selbst vor: Nach seinen regelmäßigen Kontrollgängen und Appellen richtete sich die neue Routine der jetzt mit jeweils fünf Mann (abzüglich der Verluste) besetzten beiden Wachschichten. Die anderen Wärter schienen die tintenfarbene Wunde am Himmel und das Ausbleiben von Tag-und-Nacht-Wechsel jedenfalls nicht mehr länger zu kümmern. Waren sie anfangs noch irritiert und verunsichert und hatten Rick Löcher in den Bauch gefragt, wirkten sie jetzt teilnahmslos und schicksalsvergessen. Rick selbst war ratlos. Bei den Gefangenen war es das genaue Gegenteil: Sicher, viele von ihnen waren innerhalb kürzester Zeit von Hunger und Kälte ausgezehrt und schon am Morgen nach jenem vermaledeiten Weihnachtstag hatte die Tagschicht beim Morgenappell die ersten Kadaver aus den Zellen gezogen. Die abgehärteten Vollblutkriminellen und gestählten Jungs aus der Arbeiterschicht hingegen machten sich prächtig unter den neuen Bedingungen: Sie wurden aggressiver, schikanierten ihre geschwächten Mithäftlinge und pressten ihnen die wenigen Lebensmittel ab. Einige erhoben das Wort und in manchen Fällen sogar die Fäuste gegen die Wärter, was in der Regel unverzüglich mit einer zünftigen Tracht Prügel ohne Rücksicht auf gebrochene Knochen und lebensgefährliche Verletzungen geahndet wurde. Nachdem Seymour irgendwann jedem Flügel einige Gewehre aus der Waffenkammer ausgehändigt hatte, wurde aus den Prügeln rasch die standrechtliche Todesstrafe. Wozu sich zurückhalten? Wer des Tags unter der Knute der Wärter oder an Hunger, Kälte und sich ausbreitenden Krankheiten krepierte, fand sich am nächsten Morgen doch ohnehin, wie von Geisterhand, in demselben Elend wieder. In Sandburn ging es mit dem Teufel zu! Und tatsächlich entgegnete Seymour dem heillos überforderten Dorsley auf die Frage nach den wiedergehenden Toten herablassend: "Der Tod existiert nicht in Inferno. Machen Sie einfach ihren Dienst, Dorsley. Und zerbrechen Sie sich nicht den Kopf über Dinge, die ihren beschränkten Verstand überschreiten."
Abgesehen davon, dass sich jede Faser seines Wesens gegen selbst den leisesten Gedanken an Widerstand sträubte, hatte sich Ricks ohnmächtige Pflichtschuldigkeit auch noch ausgezahlt: Am Morgen, nach dem die anderen in den Isolationszellen inhaftiert worden waren, hatte Seymour ihn zum "Commander of the Guard" ernannt, dem nun die Wachmannschaften aller Blöcke unterstellt waren. Darüber hinaus gab er Rick alle Pflichten und Vollmachten, die zuvor Superintendent Clarke innehatte, und beschenkte ihn mit einem üppigen Vorrat an Brandy und Zigarren. Weihnachtsbonus. Es dämmerte "Commander" Dorsley erst einige Wachwechsel später, dass sein Posten mit keinerlei tatsächlicher Macht ausgestattet war, weil die Wärter längst nur noch blindlings den Willen Seymours ausführten. Was hatten Brown und O'Connor versucht ihm zu erklären: Dass Seymour die Wärter (und die Gefangenen, wenn wir schon dabei sind) mithilfe der seltsamen Karten kontrollierte, die er der "Hexe" abgenommen hatte? Die Scham und das schlechte Gewissen hielten Dorsley davon ab, in den Keller zu steigen und bei seinen verfemten ehemaligen Kameraden nachzuhaken.
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Das änderte sich erst an jenem Tag (oder war es Nacht?), als der neue "Doktor" in Sandburn ankam. Seymour hatte Dorsley nach dem Wachappell aufgetragen, zwei Besucher am Eingang abzuwarten, die er "irgendwann im Laufe des Tages, aber sehr, sehr bald" erwartete. Sogleich zog der Gouverneur mit zwei Wärtern im Gefolge in Richtung des Exekutionsplatzes für seine zum täglichen Ritual gewordene Auspeitschung von Matthew Clarke. Dorsley wartete eine gefühlte Ewigkeit beim Tor, starrte hinaus in das undefinierbare Nebelgrau, welches das Gefängnis seit jenem Tag wie ein fahles Leichentuch umschloss, und nahm immer wieder tiefe Züge aus der Flasche Brandy, die er neuerdings immer in der Manteltasche mit sich führte. Gerade als er sich genug Mut angesoffen hatte, um seinen Posten entnervt zu verlassen, kündigte das Wiehern von Rössern und das hölzerne Klackern einer Kutsche die Ankunft des erwarteten Besuchs an. Dorsley öffnete das Tor, ließ die Kutsche ein und nahm zwei Herren in Empfang: Einen breit gebauten Gentleman fortgeschrittenen Alters und würdevollen Auftritts und dessen Kutscher. "Sir William Whitey Gull, hocherfreut, hier um dem Gouverneur zu Diensten zu stehen", stellte sich der Gentleman vor, "Und das ist Netley, mein Assistent". Ein Blick des "Doktors" genügte, dass sich Dorsleys Eingeweide zu einem kompakten Knoten zusammenzogen. Er fühlte sich geradezu seziert von diesem eindringlichen, doch teilnahmslosen Blick. Wie ein Insekt unterm Brennglas. Wenn er ging, hörte sich Dr. Gulls Auftreten an, als würde er mit jedem Schritt in eine Pfütze treten. Eine Pfütze Blut.
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Tailor, Brown und O'Connor drängten sich in der zugigen, feucht-kalten Zelle aneinander, um sich wenigstens einigermaßen gegen den bis ins Mark dringenden Frost zu schützen. Ihr Hunger war unerträglich, sie hatten jedes Gefühl dafür verloren, wie weit ihre letzte Mahlzeit zurückliegen musste. Und das Gefühl der Isolation, des unumwundenen Ausgeliefert-Sein presste wie Blei auf ihre Seelen. Sie waren ihrem Ziel so nah gekommen. In ihrem Gefängnis waren sie so nah bei der eingekerkerten Göttin, die ihnen einen Ausweg gewiesen hatte. Tailor war lange skeptisch. Warum sollte er der Hexe den Vorzug vor dem Gouverneur geben? Schließlich musste er einsehen, dass es keinen Weg zurück mehr gab. Er hatte seine Wahl getroffen. Genau wie Brown und O'Connor. Aber wie weiter? Sie mussten irgendwie aus der Zelle heraus. Nur wie? Die Wärter würden ihnen nicht helfen. Verachtung und Abscheu sprachen aus jeder ruppigen Geste, aus jedem gebellten Kommando ihrer ehemaligen Kollegen. Irgendetwas ging mit den anderen Gefangenen vor sich: Wann immer die Wärter sich in ihre beheizte Stube zurückzogen (was sie oft taten) tuschelten sie miteinander, reichten von Zelle zu Zelle kleine Notizzettel weiter oder verständigten sich mit Morsecode, indem sie gegen die Gitterstäbe klopften. Nur in der Zelle gegenüber regte sich kein Anzeichen von Widerstand und Kampfgeist. Superintendent Matthew Clarke war ein gebrochener Mann. Für seinen Aufstand hatte er den höchsten Preis bezahlt. Jeden Morgen holten ihn die Wärter aus seiner Zelle und wenn er Stunden später wieder zurückgeschleift wurde, war sei Hemd zerrissen und blutgetränkt, die Haut aschfahl. Zumeist rührte er sich danach überhaupt nicht mehr. Wie viele Tode er wohl gestorben war? Hier unten in den Zellen dehnte sich die Zeit träge wie Molasse in Richtung Ewigkeit und nicht wenige der anderen Häftlinge schienen darüber den Verstand verloren zu haben. Einer von ihnen zählte sogar laut die Sekunden, Minuten und Stunden. Bis einem seiner Zellengenossen irgendwann der Geduldsfaden riss. Ein dumpfer Schlag oder ein qualvolles Gurgeln, dann war Ruhe. Für eine Zeit. Bis der Leichnam sich erneut zu unheiligem Leben erhob und die unselige Zählerei von vorn begann. Dorsley hatte sich nicht blicken lassen und O'Connor, Brown und Tailor waren sich nicht sicher, ob es nicht besser so war. Die Katatonie endete erst an jenem Tag, als sie kamen: Ein feister, ältlicher Gentleman und sein tumber Gefährte, die beide den metallischen, kränklich-süßen Gestank von Blut und Leichen mit sich. Sie kamen mit Gouverneur Seymour und zum ersten Mal seit einem gefühlten Äon blieb jemand vor der Zelle der ehemaligen Captains stehen und richtete das Wort an sie: "Ah, das sind sie also. Die Verräter, die es wagten, sich euch zu widersetzen, Gouverneur Seymour. Ich werde mich Ihrer annehmen, Sir. Und der König wird erfreut sein. After all, the Juwes are the men who will not be blamed for nothing." Ohne große Umschweife wurde die Tür zur Zelle aufgesperrt und fünf Wärter drangen in die Zelle, schlugen mit ihren Knüppeln auf die drei ehemaligen Captains ein und zerrten schließlich Michael Brown den Gang hinunter in Richtung der Folterkammer, die er selbst einzurichten geholfen hatte…
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Browns Schreie drangen aus dem Keller in das Gefängnis. Was auch immer dieser Doktor Gull  und sein Gehilfe Netley in der Folterkammer mit ihm anstellten, es musste unermesslich furchtbar sein, dass sein Schreien, Stöhnen und Wimmern sich durch die schweren Wände und Decken fräste und Richard Dorsley noch bis hinaus ins Freie und sogar in seine Schlafstätte verfolgte. Wer auch immer diese beiden Folterknechte waren, sie konnten einfach nicht menschlich sein. Zu grausam. Zu ausdauernd. Er musste etwas tun! Er musste das einfach beenden. Wenn nicht für Brown, dann wenigstens damit endlich wieder Ruhe wäre. Nur hatte er keine Ahnung, wie er das bewerkstelligen würde. Doch er hatte eine Ahnung wer ihm würde weiterhelfen können.
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Browns Tortur zog sich über Stunden hin, vielleicht auch Tage. Wer konnte das schon so genau wissen? Seine Schreie waren so markerschütternd tief und jämmerlich, als schnitten Dr. Gulls Skalpelle nicht nur in seinen Leib sondern auch in seine Seele, kehrten sein innerstes Wesen nach außen. Sie raubten Tailor und O'Connor auch noch die letzten kümmerlichen Reste, die von ihrem Verstand übrig geblieben waren. Als Dorsley auf seinem Weg zu der Göttin im Kellerloch an den Isolationszellen vorbeiging, warf er nur einzigen verstohlenen Blick in die Zelle seiner ehemaligen Kameraden. Als er einige Zeit später von dort zurückkehrte, war es, als erschiene den beiden ein Geist, so bleich war er. Von früheren Captains hatte er am längsten in Sandburn gedient. Doch nichts hätte ihn auf die Ereignisse dieser Weihnachtszeit vorbereiten können. Als er die Zelle aufschloss und O'Connor und Tailor die Schlüssel zu ihren Fesseln, zu den anderen Zellen und zur Waffenkammer hinwarf, hauchte er tonlos nur dies: "Ich muss es mit eigenen Augen sehen. Einmal. Nur das verlange ich von euch." Dann machte er auf dem Absatz kehrt.
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Von den Isolationszellen war es nur ein kurzer Weg über die Treppe hinauf zur Waffenkammer, den Büros der Captains und Seymours. Nachdem sie sich ihrer Fesseln entledigt und die anderen Zellen aufgeschlossen hatten, war es ein Leichtes für O'Connor, Tailor und die anderen Inhaftierten die wenigen verbliebenen Wärter zu überwältigen, aus dem Keller hinaufzuschleichen und sich zu bewaffnen. Dorsley hatte den Moment abgewartet, wo Seymour auf seinem Rundgang durch die Flügel ausgeflogen war, bevor er zu der Göttin hinabgestiegen war. Er wusste nun, was er wissen musste. Auch wenn es keinen Sinn ergab. Als der Aufstand losbrach und die ersten Schüsse fielen, kniete er in Seymours Privatbibliothek vor dem Tischchen, auf dem die Tarotkarten ausgelegt waren. Selbst für einen Skeptiker wie ihn, bestand kein Zweifel daran, dass das komplexe Muster, zu dem die mystischen Karten ausgelegt waren, Sandburn entsprach. Und dass die blutbespritzte Karte in der Mitte "Demiurgos" sein musste. "Wir müssen die Karte an jemanden binden, der keinerlei Macht besitzt. Nur so können wir Seymour besiegen". Tailor und O'Connor waren ebenfalls in die Bibliothek gekommen. "Mein neuer Titel ist jedenfalls nur ein Mummenschanz, vielleicht genügt das?" Dorsleys lakonischer Tonfall verbarg nur dürftig seine Nervosität. Würden die beiden jetzt Rache nehmen? Verdient hätten sie es ja. "Nein. Wir haben uns gegen Seymour zur Wehr gesetzt. Du auch, Dorsley. Wir dürfen den gleichen Fehler nicht noch einmal begehen. Das könnte unsere letzte Chance sein. Es ist Clarke. Es muss Clarke sein. Wo ist er, Rick?" - "Im Hof."
---
Sandburns Innenhof war übersäht mit Leichen. Zum Nordflügel hin, am Galgen, hatten sich die letzten Wärter mit Seymour verschanzt. Doch sie hatten nur eine Handvoll Gewehre und Revolver. Vom Alten Gefängnis strömten jedoch immer mehr Gefangene auf den Hof. Sie hatten die zahlenmäßige Überlegenheit, das Überraschungsmoment und sie hatten den Großteil der Gewehre aus der Waffenkammer. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der letzte Wärter fallen würde. Und doch war der Hof vor Allem übersäht mit den Leichen der Insassen. Denn Seymour fuhr auf sie herab wie des Schnitters Sense. Kein Schuss traf ihn, kein Hieb konnte ihm etwas anhaben, solange Demiurgos an ihn gebunden war. Er kämpfte wie ein Berserker, von Kopf bis Fuß im Blut seiner Feinde gebadet, zerschlug Schädel mit bloßer Faust, riss Körper entzwei und entfesselte magische Höllenfeuer, mit denen er Leiber und Seelen gleichermaßen versengte. Neben ihm entblößte der fette Dr. Gull sein wahres Antlitz, eine groteske Gestalt: halb verstümmeltes Folteropfer, halb dampfbetriebener Maschinenmann. Seine skalpellförmigen Finger schnitten durch Fleisch wie durch Butter. Im Folterkeller hatte sich Brown irgendwie losreißen und Gulls Gehilfen Netley niederringen und erdrosseln können. Jetzt stürmte er - ob der eigenen Wunden den erneuten Tod wie einen langersehnten Freund willkommen heißend -  über den Hof auf den tobenden Seymour zu. Nur einen Moment seine Konzentration stören. Das würde reichen damit einer der anderen Clarke würde erreichen können. Als Clarkes Blut endlich die Karte benetzte, war es wie ein Tropfen in einem Ozean. Bestimmt zweihundert Mann lagen Tod oder sterbend im Hof, der sich in ein blutrotes Feld aus Schlamm und Gedärmen verwandelt. Ein kakophoner Chor aus Stoßgebeten, Schmerzensschreien und Todesröcheln erschall. Es brauchte weitere fünf Dutzend Mann, um Seymour endlich zu überwältigen. Wie die Wölfe fielen sie über ihn her, rangen den Mann zu Boden, der ihnen so viel Leid zugefügt hatte, und rissen ihn bei lebendigem Leib in Stücke. Am Galgen klammerten sich O'Connor, Brown, Tailor und Dorsley an den letzten Funken Leben, der ihnen verblieben war, während um sie herum die Mauern des Gefängnisses wie Wachs zerschmolzen. Die Schwarze Sonne war zornig angeschwollen und spie pechschwarze Feuerzungen auf die Meute herab. Einer nach dem anderen wurde von ihnen erfasst und eingeäschert. Die Vier spürten, dass es diesmal keine Wiederkehr geben würde. Dies war ihr letztes Hurra - auf Nimmerwiedersehen!
Vier Schemen schälten sich aus den Schatten, glitten auf die vier ehemaligen Captains der Wache von Sandburn zu. Vier blutverschmierte Weiber mit verzerrten Fratzen. Die Huren der Apokalypse. Und eine jede zerrte einen der Männer hinab in die Hölle.
---
In einem schmucklosen Zimmer irgendwo in London, im Jahr 1992, erwacht eine junge Frau mit gebrochenem Verstand aus einem weiteren wirren Traum. Doch diesmal ergibt der nächtliche Sturm aus Bildern und Gefühlseindrücken einen Sinn. Sie weiß jetzt, wer ihr wird helfen können...


Kapitel 6: 1881 – Der Turm – Gamichicoth
„Gamichicoth ist der Engel der falschen Hoffnung“, sagte Seymour. „Die sechzehnte Karte. In jenem profaneren Tarot wird sie 'Der Turm' genannt.“
„Der falsche Freund und Helfer“, sagte Elsa.
„Aber der Turm bezeichnet Tragödie oder Unglück“, sagte ich. „Veränderung. Wenigstens Veränderung.“
All diese Widersprüche und neuen Wahrheiten. All diese Dinge, die Du und Deine Freunde so interessant finden, Anthony. Der Golden Dawn, der die Welt zunächst in einen sehr viel spirituelleren und interessanteren Ort verwandelte. Bis dir klar wird, dass es ein Ying zu jedem Yang gibt. Und das jenseits dieses interessanten „komm auf eine Tasse Tee vorbei“ Märchenlandes Inferno liegt. Und Verrat.
Aus: Das Leben und Unleben des Rupert Faraday, von Anders Fager
« Letzte Änderung: 28. Oktober 2019, 23:37:49 von Mr.F.Johnson »
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Vorstellung

Aktuelles Projekt: Kult Divinity Lost - Taroticum

Lieblingssysteme: Kult: Divinity Lost | Degenesis Rebirth | WarhammerFRP

Möchte testen: Warhammer 4. Ed.

Mr.F.Johnson

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  • 21. Oktober 2019, 09:37:44
Re: [Kult: Divinity Lost] Taroticum (voll)
« Antwort #4 am: 21. Oktober 2019, 09:37:44 »

Vergangenen Dienstag, 22.10., sind wir in die erste Sitzung der Hauptkampagne von "Taroticum" eingestiegen. Wir haben die Spielercharaktere kennengelernt und wurden Zeuge eines schicksalsträchtigen Hilferufs. Im Folgenden fassen die Mitspielenden die Ereignisse aus der Perspektive ihrer jeweiligen Spielercharaktere zusammen.



Tammy Lawrence

Stay away from me
Just stay away from me
Stay away from me
Stay away of I'll sort you out
Shout shout shout Delilah
Shout shout shout till the kingdom comes
Treading on my dreams
Stop treading on my dreams
Stop treading on my dreams
- aus: Delilah, von: The Cranberries


Tammys Traum-Tagebuch
Als Tammy die Augen öffnete, blickte sie ein tiefschwarzes Loch, welches sich zu ihren Füßen erstreckte. Sie konnte sich nicht erinnern wie sie herkam – war es vielleicht einfach nur ein Traum? Unsicher blickte sie umher, versuchte zu erkennen wo sie war. Ihre Hände berührten kalten Stein, ihre Beine baumelten in der Luft, streckten sich dem Loch entgegen. Sie saß auf einer Mauer. Ein seltsam gedämpftes Licht umgab sie und hüllte die Szenerie in einen grauen Schleier.

Als sie sich umdrehte, blickte sie in eine schwarze Sonne. Sie schloss die Augen und versuchte ihrer inneren Stimme, ihrem Gefühl zu lauschen.
Das Loch zu ihren Füßen versprach Auflösung, Nicht-Sein. Hier endet jedes Leben. Eigentlich beängstigend… Doch diese unabdingbare, vollständige und unausweichliche Auflösung allen Seins verspricht vor allem eins: Keinen Schmerz! Würde sich Tammy diesem Gefühl hingeben, sich dem Loch nähern, wäre es endlich Still. Keine Erinnerungen mehr an das was damals war, an all das Leid, die Tränen, den Selbsthass. Es wäre einfach alles vorbei…

Ein weiterer Blick auf die schwarze Sonne offenbarte Tammy, dass hier unvorstellbare Grausamkeit, Pein und Qualen warteten. All das wäre der Preis für das Sein, für ein Weiter-Existieren.

Tammy wusste, dass sie sich entscheiden musste. Langsam stand sie auf und setze einen Fuß vor den anderen. Balancierte zwischen Auflösung und Sein, Ruhe und Schmerz, Ende und Weiter-Existieren. Diese Gefühle und Gedanken waren nicht neu für sie. Ihr ganzes Leben hatte sie sich zwischen diesen Grenzen bewegt und gehofft, dass es endlich ein Ende finden würde. Dass die Stimmen nicht mehr da wären, die Erinnerungen sie nicht mehr verfolgen würden, niemand mehr Erwartungen an sie stellen würde und sie endlich jemanden hätte, der die Leere in ihr füllen würde…

Tammy wusste, dass sie es nicht aushalten würde noch mehr Schmerz zu ertragen. Sie drehte sich der Sonne zu und ließ sich mit ausgestreckten Armen nach hinten fallen. Ein letzter Blick offenbarte ihr, dass am Horizont keine Sonne schien, sondern dort ein gewaltiges Zahnrad unaufhaltsam seine Runden drehte. Eine Maschinerie die Leiber und Seelen zerstörte. Angst keimte in ihr auf: Was würde sie in der Tiefe dieses Lochs erwarten? War es vielleicht doch nicht das Ende? Sie schloss die Augen.

Unsanft landete Tammy mit dem Rücken auf dem Boden. Was zur Hölle? Bei der Höhe hätte sie tot sein müssen! Doch nur ein Traum? Aber wo war sie dann?
Blinzelnd versuchte sie die Augen zu öffnen, hielt sich schützend den Arm vors Gesicht. Sie sah etwas rotes, eine rote Stange aus Metall. Weitere Stangen drangen in ihr Sichtfeld. Ein Klettergerüst!
Mit der freien Hand tastete sie den Untergrund ab. Sand. Weicher, kalter Sand. Langsam drückte sie sich nach oben, stöhnte kurz auf, als sie ein stechender Schmerz durchbohrte. Sie schaute an sich runter. Nichts. Schien alles okay zu sein.

Ein Gefühl von Schmerz und tiefer Traurigkeit überkam sie. Sie war noch immer gefangen in dieser Welt. Einer Welt voller Schmerz, Leid, Selbsthass und dem Wunsch nach Anerkennung und Geliebt werden.
Sie erinnerte sich nicht mehr wie sie hierhergekommen war, auf den Spielplatz auf dem sie sich immer mit Claire und den Anderen traf. Sie war allein. Neben ihr lag aufgeschlagen das randvolle Notizbuch. Sie hatte scheinbar eine neue Zeichnung angefangen. Auch daran konnte sie sich nicht erinnern. Sie zeigte ein Loch. Ein gähnend schwarzes, tiefes Loch.

Selten hatte sie sich so einsam, verlassen und wertlos gefühlt wie in diesem Moment. Was sollte sie nun tun? Wo würde sie Halt finden? Ihre Augen fielen auf die Kirche gegenüber. Vielleicht ist dieser Schwarzrock da? Er hatte ihr schon einige Male aus der Patsche geholfen, hatte sich Zeit genommen und das Gespräch gesucht, ihr etwas zu Essen besorgt und sie einfach ‚ausgehalten‘. Dieser Ort versprach Ruhe, Beständigkeit und Sicherheit.

Hastig versuchte sich Tammy wieder aufzurichten, sammelte ihr Notizbuch und die herausgefallenen Seiten wieder ein und ging schnellen Schrittes zur Kirche.
[close]



Pater Sebastian MacDothery

Kapitel 8: 1888 – Die Liebenden – Chesed
Das Neueste aus fremden Landen. In Afrika ist das Land Nywere verschwunden. Einfach so. In London ist Cheseds alte Freundin Nekemi noch am Leben und versteckt sich in einem Dachboden in Brixton, den Ich und Seymour angemietet haben. Ich fühle mich ein wenig wie das Bildnis auf der Karte. Ein weißer Mann, der einem schwarzen Mann Wasser reicht. Oder einem schwarzen Mädchen, wie in diesem Fall. Ich biete eine Kleinigkeit für das Wissen eines ganzen Kontinents.
Die Liebenden sprechen von neuen Beziehungen. Zeit, die Liebe in den Mittelpunkt eures Lebens zu stellen. Ich und Elsa hatten einen Flirt mit Donovan dem Dandy. Und inmitten dieser Ausschweifung dachte ich an meine Eltern. Wie kamen sie überhaupt zu dem Fick, der mich hervorbrachte? Besonders wenn man bedenkt, dass mein großer Bruder zu dem Zeitpunkt absolut lebendig und gesund war. War es Pflichterfüllung? Nur eine weitere Hausarbeit? Ich wüsste es wirklich zu gern.
Aus: Das Leben und Unleben des Rupert Faraday, von Anders Fager


Private Korrespondenz von Pater Sebastian MacDothery
Sehr geehrter Vater Wladzinski, lieber Karol,

ich schreibe Dir mit groszer Bestyrzung und zugleich Hoffnung und Mut im Herzen. Ich habe mich in Deiner Gemeinde eingelebt und habe sogleich das erfahren, was du schon zu mir sagtest.
Die Menschen sind nett aber verschlossen. Nur Wenige besuchen unsere schoene Kirche und obwohl der der Groesze des Einzugsgebiets bleibt der Beichtstuhl leer.
Doch es ist nicht so, dass ein jeder Steine werfen duerfe ob ihrer Reinheit. Sie meiden mich, nein, sie meiden viel mehr die Kirche.
Es ist als stuende ich vor einer Mauer aus Schweigen und Zorn.
Ich habe heute beim Aufschlieszen der Corpus Christi eine widerliche Schmierei gefunden.
Ich will dich nicht beunruhigen, doch ich muss mit Wahrheit sprechen, will ich mehr darueber ausfindig machen.
Jemand schrieb mit Blut – ich kenne mich nicht allzu gut damit aus, doch hoffe hier auf Schafsblut, den Schwein, Rind oder gar Mensch waere allzu ketzerisch –die folgenden Zeilen an unsere Front:
"Schweine bleib..."
Ich vermute, dass die Nachricht noch nicht fertig ward und ich den oder die Täter bei der Ausführung überraschte.

Ein neues Mitglied der Gemeinde hatte leider auch nichts gesehen.
Die Hure von Babylon – Tammy Lawrence – ein gestoertes Kind pilgerte zwar sogleich in die Hallen, doch hatte selbst nichts gesehen.
Als ich den Hausmeister suchte, fand ich einen Eimer mit der schaendlichen Flyssigkeit darin und Fuszspuren,
die allzu offensichtlich gen Keller fuehrten. Dort traf ich auf ein kleines Maedchen. In der Finsternis hatte sie kein Lycht dabei,
wohl aber wurde ihre Stirn gerahmt von gyldener Zier. Ein Engel lieber Karol... ich erblickte einen Engel mit Heiligenschein.
Etwas passierte, ich weisz nicht was, doch ich ward wohl niedergeschlagen von dem Ketzer und Haeretiker. Mir geschah nichts,
keine Sorge, Karol. Ich bin wohl auf, doch mein Herz ist voller Freud und Furcht zugleich.
Was haeltst du vor mir Geheim? Ich weisz doch, wie du im Schlafe sprichst und dann nicht antwortest.
Ich bin bereit fuer die Wahrheit und muss es wissen

in Liebe
im September Anno Domini 1992
Sebastian
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Todd Galwny

I'm forever blowing bubbles,
Pretty bubbles in the air,
They fly so high, nearly reach the sky,
Then like my dreams they fade and die.
Fortune's always hiding,
I've looked everywhere,
I'm forever blowing bubbles,
Pretty bubbles in the air.
- aus: I'm forever blowing bubbles, von: Cockney Rejects


Todds Prolog
Todd lebt seit einigen Wochen in Brixton. Er konnte an der angeschlossenen Schule, der Kirche Corpus Christi einen Job als Aushilfshausmeister ergattern.
Dieser Job füllt ihn zwar nicht, aus aber gibt ihm Struktur. Dieser Rahmen hält ihn in der Welt und tut ihm gut.  Auch wenn er keine Befriedigung erfährt, ängstigt ihn der Gedanke an das war er zurückgelassen hat. Er ist gefangen zwischen den Welten, den loslassen kann er auch nicht.
Aufgewachsen ist in West Ham, einem Arbeiterviertel, und auch wenn er selber nie Teil dieser körperlich Arbeitenden Gesellschaft war solidarisiert er sich sehr stark mit ihnen. Er selbst arbeitete in einer Qubicle Farm einer Versicherung als Telefonverkäufer. Dennoch wurde er von den anderen ‚Hammers‘ (Spitzname von West Ham United) akzeptiert, er hat die Schule beendet und eine Ausbildung machen können.

Dann der Schicksalshafte Tag im November. Todd war in dem kleinen Laden an der Ecke einkaufen, etwas Bier und Artikel des täglichen Bedarfs. Als die Telefonzelle an der Ecke klingelte, Todd schaute sich um aber keiner der vorbeigehenden Passanten nahm Notiz davon. Nach etwas zögern ging er ran. Erschrocken stellte er fest, der Anruf war für ihn. Es war Mickey.
An die Stelle der Leere in Todds Kopf, trat das altbekannte pochen. Mickey vergiftete wieder die Gedanken von Todd. So wie er es schon immer gemacht und Todd hinterfragte nicht. Er kann Mickey keinen Widerstand leisten.
Mickey hatte einen Job für ihn, er solle um 12 Uhr an die Waterloo Bridge kommen, in Schwarz, wie früher.
Todds letzten halbherzigen Versuch sich zu wehren wischte Mickey sofort beiseite. „Ich finde dich überall! Und es wäre doch eine Schande, wenn die Group 9 dich auch finden würde“
Todd tat wie ihm geheißen und lief nach Hause. Als er aus seiner Tasche die alten Sachen herausnahm, von denen er hoffte sie nie wieder benutzen zu müssen oder wollen, war es für Ihn als wenn er eine alte Haut überstreifte. Seine weißen Adidas Sneaker, die alte schwarze Jeans und der Hoodie.
Todd stürzte zwei Bier hinunter und ging los. An der Waterloos Bridge angekommen, wartet Mickey bereits auf Ihn. Er begrüßte Todd als ob nie etwas gewesen sei und erzählte, dass er jetzt bei Lancer Incorporated im Housing Bereich arbeiten würde und man hier für Ordnung und besseren Lebensraum sorgen müsse.
Er bedeutete Todd einen schweren Karton in das Zentrum der Zeltstadt um und unter der Brücke zu tragen. Sie enthielt Wolldecken und Whiskey für die Obdachlosen und sollte verteilt werden. Nach getaner Arbeit reichte Mickey Todd einen Flachmann, in alter Tradition nahm Todd einen Schluck und ein Feuer entfachte in ihm. Ein Feuer welches nur noch in ihm glomm, aber durch diesen Schluck mit seinem Kameraden, seinem Waffenbruder und Hauptmann wieder anfing zu lodern als ob Benzin darauf gegossen wurde. Und es fraß sich in Todds Gedanken, seine Muskeln und seinen Willen.
Plötzlich zückte Mickey einen Baseballschläger und begann mit der Hymne der West Ham Fans auf den Lippen die umstehenden einzuschlagen. Dann reichte er den Schläger Todd und alles in Todd wollte nur noch mit diesem Schläger hier aufräumen. Aber Todd zögerte, als ob er auf etwas warten würde. Willig, das zu tun was nun so offensichtlich war. Etwas hielt ihn zurück. Zweifel? Angst? Er wusste es nicht. Doch war es wie ein Donnerschlag in seinem Kopf und das Gewitter wurde entfesselt: FASS!
Und die Welt wurde Schwarz.

Am nächsten Morgen wachte Todd in seinem Zimmer auf, neben dem Bett lehnte an der Wand ein blutverschmierter Baseballschläger.
Seine Hände waren voller Kratzer und Wunden, sein Schädel hämmerte. Er schleppte sich zu dem alten Waschbecken an der Wand und übergab sich.
All die Anspannung, die Erregung und die Gier in seinem Körper waren aus seinem Körper verschwunden und er zitterte. Es war wie ein Kater nach einer sehr durchzechten Nacht.
Todd schämte sich für das Gesicht im Spiegel und brach weinend aber tränenlos zusammen. Der Rausch forderte wie so oft Tribut und wie so oft verzweifelte Todd ans ich selbst.
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Prof. Isaac Starkweather

"Wisst ihr, Gull, das ruft mir einige Theorien in den Sinn, die mir mein Sohn Howard vorgetragen hat. Sie legen nahe, dass Zeit eine menschliche Illusion ist… dass alle Zeit im gewaltigen Ganzen der Ewigkeit koexistiert. Eines Tages möchte er eine Abhandlung darüber verfassen."
- "Tatsächlich? Und wie soll der Titel lauten"
"'Was ist die vierte Dimension?' Vierdimensionale Muster im Block der Ewigkeit würden, meint er, dreidimensional Wahrnehmenden als reine Zufallsereignisse erscheinen… Ereignisse die unvermeidlich auf Annäherung hinstreben wie die Linien eines Bogengangs. Sagen wir, etwas eigentümliches geschieht 1788… ein Jahrhundert später findet etwas Ähnliches statt. 50 Jahre später noch einmal. Dann 25 Jahre. Dann 12. Ein unsichtbarer Bogen spannt sich durch die Jahrhunderte."
- "Könnte man also sagen, die Geschichte hat eine Architektur, Hinton? Diese Vorstellung ist höchst majestätisch und furchtbar zugleich."
- Aus: From Hell, Kapitel 2, von Alan Morre und Eddie Campbell


Isaacs Erinnerungen
Es ist irgendein Tag im November 1992, Isaac ist es egal, welcher Wochentag es ist und dass er nicht früh aufsteht wie alle anderen, all diese unausgereiften Regeln und Systeme sind Abfallprodukte einer Gesellschaft, zu der er längst nicht mehr gehört. Seine Familie hat ihn verlassen und seine akademische Karriere war in jener schicksalhaften Nacht kreischend zum erliegen gekommen. Nur die Notizen, die seinen Schreibtisch übersäten, geben ihm noch einen Sinn, ein Ziel, sie rufen ihn zu sich, er muss die Formel finden, das Rätsel lösen, den Schlüssel finden und das Tor, um wieder dorthin zurückzukehren, wo er in jener Nacht alles verloren hat. Miller's Court. Da, auf einem Zettel, der Name des Mädchens, das ihm den Weg dorthin gezeigt hatte. Ash. Nur ein Straßenname. Ihren wirklichen Namen kennt er nicht. Sie war mit Claire befreundet. Sie wusste sicherlich, wohin Claire verschwunden war. Aber wie sollte er an sie rankommen?

Eine weitere Notiz. "Atlantis - 11 PM". Der Atlantis Bookshop. Bücher. Eine Erinnerung: Ein bedeutendes, okkultes Werk, längst verschollen und vermisst, von allen akademischen Zirkeln längst aufgegeben. Doch nun wurden Gerüchte laut, es sei wieder aufgetaucht. Hier in London. Aber der Atlantis Bookshop? Diese Touristenfalle, voller Traumfänger, Duftkerzen und kindischen Pseudoritualen für frustrierte Hausfrauen? Er erinnert sich nicht an diese Notiz, und doch liegt sie da. Isaac entscheidet sich, der Spur nachzugehen.

Stunden später hockt er in einem Pub gegenüber des Atlantis Bookshop und starrt aus dem Fenster, beobachtet das rege Kommen und Gehen der Menschen, die er verachtet, weil sie blind sind und keine Erkenntnisse gewinnen und sich ausnutzen lassen und ihm im Weg stehen. Die Sonne ist längst untergegangen, als der Laden geschlossen wird. Es vergeht eine gute Stunde, bis die ersten Personen die Straße hinabschlendern, schließlich vor dem Buchladen halten und an die Tür klopfen. Die Tür öffnet sich jedes Mal, und die Person tritt ein. Eine der Personen ist besonders. Sie steigt aus einer Limousine, die vor dem Laden hält. In Smoking gekleidet, mit Lederhandschuhen, Gehstock und Hut. Ein wahrer Gentleman. Isaac trifft eine weitere Entscheidung. Er überquert die Straße und klopft an der Tür. Er kannte sogar das richtige Klopfzeichen. Woher? Das fragte er sich nicht. Er beantwortete die Frage, die ihm durch den Türspalt gestellt wurde. "Wer bist du?" - "Ein Sucher der Wahrheit."

Am Ende des langen Ganges betrat Isaac einen Raum, in dessen Zentrum eine kleine Bühne stand. Um diese Bühne herum haben all die Personen Platz genommen, die er hat eintreten sehen. Auch der Gentleman ist da. Auf dieser Bühne: Das okkulte, wertvolle, plötzlich gar nicht mehr verschollene Buch. Isaac erkennt bald, was hier vor sich geht: Es ist eine Versteigerung.

Einhunderttausend Pfund.
Einhundertundfünfzigtausend Pfund.
Zweihunderttausend Pfund und ein Ritual zur Verjüngung des Körpers.


Wahnwitzige Geldbeträge wurden in den Raum hineingerufen. Hat Isaac das gerade richtig verstanden? Magische Rituale?

Zweihundertundfünfzigtausend Pfund und ein Opferritual zur Anrufung dunkler Mächte, hörte Isaac sich selbst rufen.

Opferritual. Miller's Court. Was war geschehen? Hatte nicht Claire ihm das Messer aus der Hand genommen, den kleinen Hund zu verschonen, den sie auf der Straße eingefangen hatten, zum Zwecke einer Opfergabe? So war es immer wieder vor seinen Augen abgelaufen. Doch nun verschwimmt die Erinnerung. Er war es, der ihr das Messer aus der Hand nahm. Er war es, der sie harsch anwies, sich auf die Pritsche zu legen, genau da hin, wo Mary Jane Kelly 1888 von Jack the Ripper ausgeweidet wurde. Er war es, der über sie gebeugt... Oder doch nicht? Miller's Court existierte überhaupt nicht mehr. Welche Stufen waren sie hinaufgegangen, welche Tür hatten sie geöffnet, die sie in das kleine Zimmer führte, in dem noch der Duft von Blut in der Luft lag? Oder war es lediglich eine kleine Rampe, die hinaufführte in den Lagerraum im hinteren Teil eines Gemüseladens, der heute dort steht? Wo hatte Ash ihn hingeführt? Und wo ist Claire?

Als Isaac aus seiner Trance erwacht, ist es still, und er ist allein. Er verlässt fluchtartig das Gebäude und findet sich vor dem Buchladen wieder, dessen Tür fest verschlossen und vergittert ist. Auf keinen Fall kann er gerade aus dieser Tür gekommen sein, aber wo war er dann gewesen?

***

Am nächsten Tag erhält Isaac einen Brief. Ein teuer anmutender Umschlag, feine Handschrift auf edlem, schweren Papier. Es ist die Handschrift des Gentleman. Isaacs gestriges Abenteuer hat Aufsehen erregt, hat Interesse geweckt. Der Gentleman gibt ihm einen Hinweis.

Ash. Tammy Lawrence. Finde sie in der Corpus Christi Church. R.F.
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« Letzte Änderung: 28. Oktober 2019, 23:37:22 von Mr.F.Johnson »
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Vorstellung

Aktuelles Projekt: Kult Divinity Lost - Taroticum

Lieblingssysteme: Kult: Divinity Lost | Degenesis Rebirth | WarhammerFRP

Möchte testen: Warhammer 4. Ed.

Mr.F.Johnson

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  • 28. Oktober 2019, 23:48:25
Re: [Kult: Divinity Lost] Taroticum (voll)
« Antwort #5 am: 28. Oktober 2019, 23:48:25 »

Am 28.19 folgte Teil 2 von Kapitel 1 der Kampagne Taroticum - die Zusammenfassung wieder aus Sicht der Spielercharaktere



Private Korrespondenz von Pater Sebastinan MacDothery
Sehr geehrter Vater Wladzinski, lieber Karol,

ich musste am gestrigen Tage leider meinen woechentliche Stuhlkreis abbrechen.
Ein Professor aus der Innenstadt hat unsere Gemeinde besucht und wollte nicht so sehr zu mir, sondern viel mehr mit Tammy sprechen.
Die Hure von Babylon hat ihn verfuehrt und seine Schritte in die Kirche gefuehrt, allerdings nur in boeser Absicht.
Sie schlug ihn in den heiligen Hallen und stuermte dann nach drauszen. Eine Frechheit sondergleichen.
Ihr Gespraech dauerte wohl etwas laenger, ich schickte die Glaeubigen aber dann nach Hause.
Die Stimmung war vergiftet und eine wohlige Atmosphaere wollte sich nicht mehr Einstellen.

Ein Gentleman in einer Limousine gab mir vor der Kirche ein kleines Paeckchen, ein Buch mit Umschlag, eingewickelt.
Er sagte, ich wuesste schon fuer wen dies sei und fuhr dann weiter.

Ich werde seit geraumer Zeit von Alptraeumen heimgesucht, die mir eine Synderin zeigen.
Sie ist mit Dummheit geschlagen und sagt, dass jemand ihr Kinde toeten wolle.
Da mir diese Traeume eher als Vision oder Gesichte erscheinen, habe ich Nachforschungen angestellt und herausgefunden,
dass diese Dame wohl verbunden sein muss mit einem ehemaligen Gefaengnis, nur ein paar hundert Meter Luftlinie von uns entfernt.
Vielleicht kennst du diesen Orte ja? Mittlerweile wird Sandburn als Sanatorium fuer Geistesschwache genutzt.

Dorthin werden mich meine Schritte morgen tragen.
Allerdings hatte ich wieder eine Begegnung mit dem goldenen Maedchen, die wohl so viel mehr ist.
Sie zeigte mir meine Begleiter auf und so werde ich wohl mit dem ekelhaften Hausmeister und der Hure dort hin reisen.
Auch der Professor soll wohl dabei sein. Er sucht wohl eine Freundin von Tammy, ich vermute aber viel eher, dass er Unzucht mit ihr trieb.

Karol, diese Zeiten sind Gottlos ohne dich,
ich versuche mein Bestes,
In Liebe,
Sebastian
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Tammys Tagebuch
Dieser Traum beschäftigte mich noch immer. Wer war diese Frau? Und warum brauchte sie meine Hilfe? Sie sprach von ‘euch’ - wer waren die anderen?
Ihr Gesicht hatte sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt…
Statt dem Schwarzrock bei seinen selbstgefälligen Schwafeleien zuzuhören, schnappte ich mir mein Buch und fing an diese Frau zu zeichnen. Ich wollte diesen durchdringenden Blick unbedingt einfangen und hatte die Hoffnung sie so endlich aus meinem Kopf zu bekommen.
Scheinbar hatte sich jemand neben mich gesetzt, denn ich bemerkte, wie sich jemand zu mir rüber beugte und mich fragte wen ich da malen würde. Diese Stimme hatte nichts Gutes an sich! Mir schossen sofort wieder die Bilder aus der Nacht, in der ich Claire verlor, in den Kopf. Wegen ihm bin ich zusammengebrochen, wegen ihm ist Claire überhaupt auf die Idee gekommen in dieses Haus zu gehen… Er ist schuld, dass sie weg ist!
Ich blickte hoch, sah in das Gesicht des Fremde und wusste: Er ist es! Dieser verdammte Wichser! Wie konnte er es wagen hierher zu kommen und mich aufzusuchen?!
Meine Gefühle fuhren Achterbahn und ich wollte nur eins: Klarheit und Genugtuung!
Ich vergaß wo ich mich gerade befand und ging auf ihn los. Meine Wut bahnte sich ihren Weg. Ich sprang auf, ließ mein Buch und meinen Stift fallen, ging auf dieses Arschloch zu und schrie ihn an. “Was hast du mit Claire gemacht? Wo ist sie? Wehe du hast ihr was angetan du dummes Arschloch!” Die Antworten die er mir gab waren ungenau. Er gab vor, nicht mehr zu wissen was passiert sei. Eine Lüge! Ich hatte ihn gesehen als ich wieder zu Bewusstsein kam. Er lief blutverschmiert auf die Straße, ließ mich einfach liegen. Der Bastard log!!! Ich stieß ihn nach hinten, er fiel über seinen Stuhl und stolperte nach draußen. So nicht mein Freundchen! Nicht mit Ash! Ich werde es zur Not aus dir herausprügeln!
Ich lief hinterher, folgte ihm unter neugierigen Blicken auf den Spielplatz. Ich schrie weiter auf ihn ein, wollte endlich Klarheit. Er faselte, er habe keine Ahnung, würde sich an nichts erinnern und erdreistete sich meine Hilfe einzufordern. Als er von der Frau aus meinem Traum sprach hielt ich kurz inne. Woher wusste er davon? Was für ein Mensch war er wirklich? Vielleicht gab es doch eine andere Erklärung? Nein! All das Blut, sein aggressives und dominantes Auftreten, seine Verachtung gegenüber mir. Er musste schuld sein!
Als ich auf ihn losging, schubste er mich nach hinten. Ich fiel in den Sand, wurde noch wütender.
Dann kam dieser Todd. Noch so ein erbärmlicher, widerlicher Typ. Ich dachte schon er würde jetzt mitmachen wollen und sich daran ergötzen wie das Straßenmädchen fertig gemacht wird. Stattdessen stellte er sich zwischen uns und redete auf diesen arroganten Schnösel ein. Der Feigling machte kehrt und ging zurück in die Kirche.
Ich brauchte ein paar Minuten um wieder runterzukommen. Was sollte ich jetzt tun? Die einzige Möglichkeit herauszufinden was mit Claire passiert ist, war dieser Typ. Wenn ich mir jetzt nicht was einfallen lassen würde, wäre er über alle Berge.
Todd erzählte mir auch von dieser Frau. Er hat wohl den selben Traum gehabt wie ich. Dann hat dieser Typ gelogen und konnte nicht “hellsehen”, sondern hatte auch nur denselben Traum gehabt. Was ein verfickter Arsch! Der soll sich verdammt warm anziehen.
Gemeinsam mit Todd überlegte ich, wie man ihn drankriegen könnte. Wir werden ihm einfach einen Sack über den Kopf ziehen und auf ihn einschlagen. Das hatte er sowas von verdient!
Als wir da so saßen verhielt sich Todd irgendwie seltsam. Er starrte die halbstarken Jungs auf dem Karussell an. Sie soffen Bier und schienen Lust auf Stress zu haben. Ich kannte sie und wusste, dass sie nur dumme Sprüche machten und allenfalls mal jemanden um ein paar Euro erleichterten. Sie würden es nicht wagen herzukommen, waren sie doch auf mich angewiesen um sich mit Stoff einzudecken… Die Lage schien sich dann aber von allein wieder zu entspannen und wir beobachteten wie dieser Prof sich mit dem Schwarzrock unterhielt und dann wegging.
Kurz darauf hielt eine Limousine vor der Kirche. Keine Ahnung was das für eine Aktion war, aber es dauerte nur ein paar Sekunden ehe sie wieder im Nebel der Stadt verschwand…
Gemeinsam mit Todd überfielen wir also wie geplant den arroganten Hurensohn und verprügelten ihn ordentlich. Verdammt tat das gut! Jeder Schlag war eine innere Befriedigung für meinen Verlust und meine Angst um Claire.
Er erzählte von dem Traum und dass er sich wirklich an nichts mehr erinnern konnte. Er war überrascht, dass ich das Tier in dem Sack gesehen hatte und ihn blutverschmiert habe rausrennen sehen. Er schien verdammt nochmal die Wahrheit zu sagen… Um mehr herausfinden zu können, musste ich wohl tatsächlich mit ihm gemeinsame Sache machen.
Gemeinsam gingen wir in die Hausmeisterwohnung von diesem Todd. Man, was hatten wir diesen Typen zugerichtet! Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich ihm trauen kann oder trauen will. Die Story ist einfach zu abstrus… Da fällt mir ein, dass ich nicht mal seinen Namen weiß. Hmmm. Vielleicht nenne ich ihn einfach Ripper oder so. Ob es sich so zugetragen hat? Vielleicht überkam ihn irgendwas und er hat dasselbe getan was Jack the Ripper damals getan hat…? Oh Gott! Ich denke lieber nicht drüber nach.
Irgendwann kam der Pfaffe dazu und ging mir tierisch auf den Sack. Scheinbar provozierte ich ihn an den richtigen Stellen und er wurde zum ersten Mal seit ich ihm begegnet bin abfällig mir gegenüber. Er beleidigte mich und Frauen im Allgemeinen und war schneller wieder verschwunden als ich gucken konnte. Recht so! Soll er sich doch mit der strickenden Lady und dem schwarzen Hansel beglücken. Vielleicht findet er ja noch ein paar kleine Jungs mit denen er sich die Zeit vertreiben kann… Der glaubt wohl nur weil er mich zweimal nett angelächelt hat, dass ich ihn jetzt vergöttere…
Als wir wieder nach draußen gingen, kam so eine schräge Alte mit nem Einkaufswagen und zig Taschen vorbei. Ich habe ja schon echt viel in den Straßen Londons gesehen und bin auch vieles gewöhnt, aber die war schon ziemlich abstoßend! Vor allem hatte sie eine Puppe dabei und faselte die ganze Zeit was von ihrem Kind und man müsse ihm helfen und was weiß ich. Mir ging das irgendwann zu weit und ich machte mir den Spaß daraus, ihr das Ding wegzunehmen und durch die Gegend zu schmeißen. Alter! Was ging die auf einmal ab…
Irgendwer hatte Mitleid mit ihr und gab ihr das Drecksding wieder. Dann zog die Alte von dannen.
Ich glaube wir sollten tatsächlich mal in diesem Asylum oder was das war vorbeischauen. Sandburn… Auch die Alte sprach davon.
[close]



Todds Erinnerungen
Todds Leben nahm langsam wieder Gestalt an. Er arrangierte sich mit der Arbeit und den wöchentlichen Treffen bei dieser 'Sabbelgruppe für Gestörte' wie er es nannte. Es wurde langsam ein Zuhause für ihn und der Vandalismus an der Kirchentür und die kaputte Fensterscheibe ärgerten ihn. Er wollte sein Zuhause schützen . Dieser Pseudo-Gutmensch von Pastor mit seiner ,erzählt mir all euren Kummer'-Gruppe am Donnerstag, aber das war wohl der Preis, den er zahlen musste. In West Ham war auch nicht alles perfekt. Apropos Donnerstag, es war mal wieder soweit. Todd räumte die Stühle zurecht und kochte Tee und Kaffee. Er wusste, dass die Hälfte wieder weggegossen werden würde. Wer würde denn schon kommen? Der Afghane von der Ecke, der jeden für einen Neonazi hält, die alte Katzenfrau mit ihrem Strickzeug und diese verhaltensauffällige 'ich rede nicht, ich male nur in mein Buch eieiei'-Tussi. Wie hieß sie noch? Amber? Egal. Und natürlich 'erzählt mir euren Schmerz, damit ich mir darauf einen runterholen kann' Pater MacDothery. Aber heute kam jemand Neues, ein etepetete Professor oder so. Und ab da wurde es für Todd spannend. Der Neue und unsere Kaputte sprangen sich fast an die Kehle, Todd fand das irgendwie geil. Worum ging es da? Er hat sie geknattert? Oder ihre Freundin? Oder beide???  Egal, gleich knallt es. Todd wurde erst raus gerissen als Pater Mac Dothery ihn anfuhr. "Hinterher! Bringen Sie Tammy bitte zurück." Todd realisierte, dass die beiden raus gelaufen waren. Draußen auf dem kleinen Spielplatz stritten die beiden weiter. Es ging wohl immer noch um die Freundin. Und dann - "Sandburn'? Was hatten die gesagt? Sandburn?! Wie in seinem Traum, den er die Nacht davor hatte?! Das kann kein Zufall sein. Als der Fremde Tammy körperlich bedrängt, entscheidet sich Todd einzugreifen.
Die ganze Szenerie wurde von drei Halbstarken beobachtet, die mit einer (wahrscheinlich geklauten) Flasche Vodka Einen auf dicke Hose machen wollten. Todd verspürte nach der Nacht an der Waterloo Bridge aber kein Verlangen und schob alle Gedanken daran, die drei in ihre Schranken zu weisen ,beiseite.
Er blieb mit Tammy weiter draußen sitzen und sprach sie schlussendlich auf seinen Traum an. Sie hatte den gleichen oder zumindest einen ähnlichen Traum gehabt. Beide entschieden sich, Prof. Starkweather, der wohl der Boss von Tammys Freundin war, zur Rede zu stellen. Mit einem Sack, wollten sie ihm in einer Gasse auflauern.  Als sie aufbrechen wollten, sah Todd Mickey in einem der Jugendlichen hämisch grinsen und nicken.  Oder bildete er sich das nur ein? Ihnen gelang es den Professor zu überwältigen und mit etwas körperlicher Gewalt zum Reden zu bewegen.  Als der Professor anfing, etwas über den Traum zu erzählen, dass er ihn auch hatte und welche Bedeutung er ihm zusprach, begann es wieder in Todds Kopf zu hämmern.  In seiner kleine  Wohnung wollten sie alles weitere besprechen. Plötzlich stand der Pater vor der Tür, drängte in die Wohnung und fing an mit den dreien zu streiten. Dieser Streit eskalierte darin, dass der Pater Tammy ohrfeigte, in Todds Wohnung.
Dennoch konnten sie sich darauf einigen, gemeinsam nach Sandburn zu fahren. Denn auch der Pater hatte einen Traum, oder Vision bzw. Erscheinung wie er es nannte.

Als sich die Gruppe aufzulösen begann, aufgrund der voran geschrittenen Stunde, kam es noch zu einer Begegnung  mit einer Bag Lady. Sie brabbelte wirres Zeug und hielt eine Puppe in die Luft und schrie, sie sollen das Neugeborene schützen. Genau die gleichen Worte wie in dem komischen Traum! Tammy wurde der Frau gegenüber gewalttätig und auch der Pater sah keine Veranlassung der Dame zu helfen. Er gab sogar Todd die Schuld am auftauchen der alten Frau.
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  • 22. November 2019, 17:58:00
Re: [Kult: Divinity Lost] Taroticum (voll)
« Antwort #6 am: 22. November 2019, 17:58:00 »

Und weiter ging es am Montag, 25.11., mit einer Art Doppelepisode. Ab 18.30 Uhr folgten wir Tammy Lawrence und Isaac Starkweather auf den Spuren Jack the Rippers nach Spitalfields, London, wo sie versuchen wollten, die verlorenen Erinnerungen des Professors an jene Nacht wiederzuerlangen, in der Tammy's beste Freundin verschwand. Und ab 19.30 Uhr ging es für die gesamte Gruppe an den Ort, an den sie von der schwangeren Frau in ihren Träumen gerufen werden: Sandburn Asylum.



Scenes from my childhood arise before my gaze
In the meadow where I would lay
Father and Mother have passed away
Sister and Brother lie beneath the clay

But while life does remain
To cheer me I'll retain
A small violet that I plucked from Mother's grave

I remember my dear old Mother's smile
When I was still the Apple of her eye
And how Father would sit when the sun had died
To read aloud to us children for a while

But while life does remain
To cheer me I'll retain
A small violet that I plucked from Mother's grave
A small violet that I plucked from Mother's grave
- A Violet plucked from Mother's Grave, by Cornish Wreckers, Copyright 1881 by J. W. Pepper.




Prof. Isaac Starkweather und Tammy Lawrence gehen angespannt nebeneinander durch die Straßen von Spitalfields. Wo einstmals Jack the Ripper Jagd auf Huren machte, hat die Gentrifizierung Einzug gehalten und den ehemaligen Slum in eine Heimat für hippe Studenten und den Mittelstand verwandelt. Was geblieben ist: Die bedrückende Silhouette der Christ Church, ein Omen des Übernatürlichen und Verhängnisvollen. Dorsett Street, die einstmals "schlimmste Straße Londons" existiert heute nicht mehr. Wo sich zu Viktorias Zeiten die gefallenen Mädchen in schmutzige Absteigen und Stundenhotels zurückzogen, liegt jetzt eine namenlose Gasse. In der Gasse befindet sich der Wareneingang eines kleinen Lebensmittelgeschäfts. Genau hier kam es vor einigen Monaten zu dem ersten, schicksalhaften Aufeinandertreffen zwischen dem Mädchen von der Straße und dem Professor aus der Oberschicht. Am Ende war Claire Devereaux, Assistentin des Professors und Tammys beste Freundin, verschwunden - zusammen mit Teilen von Isaacs Gedächtnis. Nun sind die beiden zurück, um ihre damaligen Schritte zurückzuverfolgen, einen Hinweis auf Claires Verbleib zu finden und die Erinnerungen des Professors wiederherzustellen.
Nachdem ein kleines Bestechungsgeld ihnen die Türen geöffnet und ihnen eine halbe Stunde Zeit allein erkauft hat, sehen sich die beiden in dem unscheinbaren Warenlager um. Nichts Auffälliges auf den ersten Blick. Doch so war es auch beim ersten Mal. Tammy ist sofort klar, dass es ihr aufgewühlter emotionaler Zustand war, der ihr damals den Weg in den Miller's Court offenbarte. Also provoziert sie den Professor, stichelt ihn an, bringt ihn in Rage. Und tatsächlich: Als dem Professor endlich der Kragen platzt und er Tammy gewaltsam angeht, gelingt es Tammy durch die Illusion zu blicken und die Tür eines Kühlraums verwandelt sich in jenen Torbogen, an dessen Ende einst das Zimmer der unglückseligen Mary Jane Kelly, Jack the Rippers letztes Opfer lag. Der schäbige Raum ist spärlich eingerichtet, erleuchtet nur von der Glut der Kochstelle - und verlassen.
Als sie eintreten in diesen unmöglichen, aus der Zeit gefallenen Raum, hört Isaac ein Echo der Vergangenheit, eine Frauenstimme die vergnügt vor sich hinsingt, von dem kleinen Veilchen von Mutters Grab. Erinnerungen, Vergangenheit und Wahnvorstellungen vermischen sich zu einem betäubenden Gemälde. Darin verwandelt sich Isaac in Dr. William Whitey Gull und Tammy gibt die Mary Jane. Der Raum verlangt etwas von ihm. Ein Reenactment einer historischen Bluttat oder auch nur das Ausagieren einer potentiellen Antwort auf die Frage: Wer verbarg sich hinter der Maske Jack the Rippers. Isaac/Gull geraten in Wut, weil wieder getan werden muss, was bereits zuvor getan war: Ein Opfer muss gebracht, die Hure muss bestraft werden. Also macht er sich erneut ans Wert mit Skalpell und Säge zerstückelt er den Körper vor sich. Wahnvorstellung/Erinnerung vermischen sich immer weiter - bis zum blutigen Höhepunkt: Zwiegespräche mit Kollegen über die Natur der gefallenen Frauen, Vorlesungen vor Studenten, ein liebevoller Nachruf auf Mary Jane Kelly. Was Isaac bleibt, ist nur ein Name von jenseits der Zeit den Isaac schon einmal gehört hatte, als er noch ein anderer als Isaac Starkweather war - "Dr. Gull".
Auch Tammy hat eine außerkörperliche Erfahrung, einen Traum wie damals, als sie auf dem schmalen Grat zwischen Leben und Tod wandelte. Als sie durch unzählige Träume vor dem einen ganz am Anfang floh: Zahnräder unter einer schwarzen Sonne. Seelenpein. Inferno. Sie ist gefangen im Körper einer anderen. Einer, die gerade von einem feisten, verschwitzten, wahnsinnigen Mörder aufgeschlitzt wird. Wieder reißt der Schleier, wieder steht Tammy an der Schwelle zwischen den Rettung verheißenden Traumlanden und den feurigen Gruben Infernos. Und sie sieht etwas. Sie sieht etwas was Isaac nicht sehen kann in seinem Wahn und das auch Dr. Gull damals vor etwas über 100 Jahren in seinem Wahn nicht sehen konnte: Eine dritte Person, ein Wesen aus Blut und Schatten, eine Hand auf der Schulter des Mörders. Es steuert Jack the Ripper! Und für einen Moment bricht eine unbrechbare Barriere. Und Tammy erinnert sich an eine Person, der sie in einem früheren Leben begegnet war: Hoch aufragend, athletisch, aufrechte Haltung. Zerzauste Haare auf einem skalpierten Schädel. Gesicht und Körper vernarbt und zerrissen. Ein buschiger Bart, der nicht verbergen kann, dass die Lippen abgetrennt wurden. Und statt Augen nur zwei schwarze, schwärende Löcher, die tief in ihre Seele eindringen. Was Tammy bleibt, als sie wieder in die Realität zurückkehrt, ist das Grußwort des Mannes mit den schwarzen Augen: "Oh, Mister Brown, wie sehr es mich danach verlangt, euch wiederzusehen. Bald. Sehr bald."
Aus einem schwarzen Strudel tritt der Verstand der beiden wieder in die Realität, in der Isaac Tammy beinahe zu Tode gewürgt hat. Was ist geschehen? Gibt es den Raum wirklich, in dem sie gerade waren? Oder war es eine Wahnvorstellung? Und hat die beiden dieses Erlebnis wirklich weitergebracht?



Die Nacht zum 18. Dezember 1992 bringt Todd Galwny, Tammy Lawrence, Vater MacDothery und Prof. Starkweather den selben Traum wie schon in der Nacht zuvor: Die junge Frau aus dem Sandburn Asylum ruft die vier zu sich, um eine alte Schuld zu begleichen und ihr ungeborenes Kind vor dem Mann mit den schwarzen Augen zu beschützen.
Vor der Kirche Corpus Christi hat sich eine Kongregation der Verzweifelten eingefunden, Obdachlose, die ebenfalls um Vater MacDotherys Beistand für das ungeborene Kind flehen. Doch MacDothery, in Sorge um das Engelskind, verscheucht die Obdachlosen gewaltsam, wird dabei aber verwundet. Der Engel ist erzürnt! Mana für die Schwachen ist sein Gebot, nicht Dominanz und Eigennutz. Todd verschläft diese Episode absichtlich. Man ruft sich ein Taxi, um sich zum Sandburn Asylum aufzumachen.
Isaac Starkweather erwacht in seiner Schreibstube über einem Stück Papier, das über und über mit zwei Namen vollgekritzelt ist: "Dr. William Whitey Gull" und "Sandburn". Träume und Erlebnisse der vergangen Nacht sind seltsam verschwommen. Entschlossen macht er sich auf den Weg zur Kirche Corpus Christi. Als er seinen Mantel überstreift, fährt ein Schmerz durch seine Schulter: Ein Bluterguss, doch von unnatürlicher schwarzer Farbe, ein feines Geäst - das langsam wächst! Gerade noch rechtzeitig erwischt er das Taxi, in dem MacDothery und Galwny schon sitzen. Gemeinsam fahren sie zum nahe gelegenen Asylum.
Tammy Lawrence fährt aus demselben Traum hoch, gezeichnet von den Torturen der Nacht mit Isaac. Sie war jenem bösen Ort so nahe, vor dem sie sich einst in die Traumlande geflüchtet hatte: Zahnräder und eine Schwarze Sonne, verlorene Seelen und zermalmte Körper. Wer war der Mann mit den schwarzen Augen? Sie wird der Tatsache gewahr, dass sie auf einer Bank vor dem Sandburn Asylum zu sich gekommen ist. Wie ist sie hier her gekommen? In gehörigem Abstand folgt sie den Männern, als diese das Gelände der Nervenheilanstalt betreten.
Die Nervenheilanstalt Sandburn Asylum befindet sich im rechten, renovierten Teil des ehemaligen Gefängnisses, während der Rest des Gebäudes sowie der Garten in Verfall und Überwucherung begriffen sind. Todd halluziniert Peitschenschläge, die aus dem verfallenen Gebäude dringen, doch kann er sie nicht genau einordnen und das schwere Gelände versperrt ihm den Weg. Auch Tammy ereilen Halluzinationen - schnaubende Dampfmaschinen, klickende Zahnräder - oder sind es Erinnerungen? Und dann wieder: Eine Schwarze Sonne, die Dunkelheit statt Licht ausstrahlt. Tammy und Isaac haben ein angespanntes Wiedersehen.
Man begibt sich zur Rezeption des Asylums und gibt an eine Patientin - eine schwangere Patientin - sprechen zu wollen. Es dauert eine Weile, bis der Leiter der Anstalt, Dr. Langley, die Gruppe empfängt. Er versucht sie abzuwimmeln: Er gibt zwar den Namen der Gesuchten preis - Mary Langsbury - und kann sie auch anhand Tammys Zeichnung identifizieren, bestreitet aber vehement deren Schwangerschaft und verweigert selbst Vater MacDothery ein Gespräch, weil niemand von ihnen auf der Besucherliste steht. Erst auf Druck des Priesters rückt er damit heraus, dass sich Mary Langsbury, die an paranoider Schizophrenie leidet, nicht mehr in seiner Obhut befindet - sie ist weggelaufen! Daraufhin bricht er das Gespräch ab.
Beim Verlassen der Klinik machen sie Bekanntschaft mit einem jungen Insassen, Timothy, der sie zum Tee einlädt. Auch er scheint seltsame Träume zu haben, die seine Schritte lenken. Tammy zeigt ihm das Bild von Mary, aber er scheint sich nicht an sie erinnern zu können. Sandburn macht dich Dinge vergessen, verstehst du? Er fragt sie, ob sie schon einmal in Sandburn waren und schimpft sie Lügner, als sie verneinen. Kann ja nicht sein, weil Anthony hat ihm doch gesagt, dass sie schon mal hier waren! Wer ist Anthony? Ein unsichtbarer Freund, eine Stimme in Timmys Kopf. Timmy kann Anthony nicht sehen, aber Anthony kann Timmy sehen - obwohl Anthony blind ist! Ob Anthony auch in Sandburn wohnt? Ja. Und nein. Er hat hier mal gewohnt. Blut rinnt aus Timothys Nase. Anthony hat hier mal gewohnt. Timothy spricht wie im Wahn. Er war lange weg. Und jetzt will er zurück kommen. Er wird zurückkommen.
"Und er wird euch holen! Er wird euch holen für das, was ihr ihm angetan habt!"



Kapitel 7: 1887 – Der Hierophant – Binah
Hinter den verschlossenen Türen der Oberschicht ging so viel vonstatten. Die Drogen und die Unzucht und die magischen Experimente. Wir weideten uns daran. Und ich war einfach begeistert, als Crowley den Golden Dawn entzwei riss. All diese prätentiösen, kleinen Blagen. Ich, Elsa und Seymour liebten ihn. Seine Fleischesmagie. Die Transformationen und Ekstasen. Die Hochwohlgeborenen verehrten ihn natürlich und hielten ihn doch auf Abstand. Wir verschrieben uns ihm ganz. Besonders Seymour.
„Wisst ihr“, knurrte er. „So wie ich das Tarot sehe, sollte „Stärke“ in „Lust“ umbenannt werden, denn das ist viel näher an der Wahrheit.“
Wir überschlugen uns förmlich in unserem Betteln um seine Wahrheit.
Aus: Das Leben und Unleben des Rupert Faraday, von Anders Fager

« Letzte Änderung: 05. Dezember 2019, 23:05:43 von Mr.F.Johnson »
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  • 06. Dezember 2019, 10:27:27
Re: [Kult: Divinity Lost] Taroticum (voll)
« Antwort #7 am: 06. Dezember 2019, 10:27:27 »

Weiter ging es am 10.12. und die Spieler/in gingen den Geheimnissen um Sandburn, Anthony und den Mann mit schwarzen Augen nach.



Kapitel 9: 1892 – Der Stern – Golab
Unter der Herrschaft des allumfassenden Empire von Königin Vicky ist der Stern eine nackte Frau, die Hoffnung und Reinheit symbolisiert. In dem Tarot, das Seymour begehrt, ist es Golab, Meister der Qual, von welchem er behauptet, es handle sich um eine Frau.
„Weil Frauen so viel grausamer sind, meinst du nicht?“ Er grinst höhnisch in Richtung Elsa. Natürlich. Darum treffen wir uns nicht mehr so häufig. All die Magie der Welt beiseite, er wird mehr und mehr zu einem eifersüchtigen Arschloch. Er kann sich nicht zwischen mich und Elsa drängen.
Ich wünschte, ich könnte ihm einfach sagen, er möge sich selbst ficken und in sein kleines Gefängnis verschwinden. Wir sind so anders geworden über die vergangenen 10 Jahre. Er hat eine richtige Anstellung. Vielleicht ist es das, was ihn mehr als einfach nur grausam macht. Und ich bin einfach ein Langeweiler, hänge mit Donovan’s Clique herum, spiele mit der Verheißung niemals alt werden zu müssen. Elsa wird alt. Fünfzig in zwei Jahren. Wir treiben auseinander.
Aus: Das Leben und Unleben des Rupert Faraday, von Anders Fager




Timothy bricht unter spastischen Zuckungen vor den anderen zusammen, schlägt wie wild um sich, schlägt sich die Gliedmaßen blutig, bis er von Todd und Prof. Starkweather zu Boden gerungen werden kann. Tammy eilt in die Anstalt um Hilfe zu holen. Die Gruppe wird des Geländes verwiesen. Nachdem sich der erste Schock gelegt hat, beschließen sie jedoch, das Gelände noch etwas weiter zu erkunden.
Während der Professor und Vater MacDothery sich durch den überwucherten Garten zu der verlassenen und verfallenen Kapelle durchschlagen, suchen Tammy und Todd unabhängig voneinander einen Weg ins Innere des Alten Gefängniskomplexes von Sandburn. Todd bahnt sich an den Außenwänden entlang einen Weg um das Gebäude herum und weicht dabei dem in Alarmbereitschaft versetzten Pflegepersonal aus. Als er jedoch versucht, den Gitterkäfig des alten Sportbereichs zu überklettern, bleibt er hängen und zieht sich eine schmerzhafte Wunde am Bein zu. Er stürzt auf den Boden, schlägt sich den Kopf auf und bleibt bewusstlos liegen. Als er zum ersten Mal wieder zu sich kommt, steht die Welt Kopf: Ein mit Leichen übersäter Innenhof, ein Schlachtfeld. Überall liegen die Erschlagenen, Erschossenen, Erdrosselten mit verrenkten Gliedern, dazwischen die verzweifelt um Gnade winselnden Verwundeten. Man hat Todd nieder gerungen, an einem Bein am Galgen hochgezogen. Die Insassen wollen ihn töten! Doch er hat noch immer seinen Revolver, seinen treuen Webley Mark II, wenn auch leer geschossen. Die letzten Patronen entgleiten seinen Finger, fallen klirrend zu Boden. Mit letzter Kraft wehrt er einen Angreifer mit dem Knauf der Waffe ab. Eine Gestalt bahnt sich seinen weg zu ihm: Ein sadistisches Grinsen verzerrt "Michaels" Visage, in den Händen wringt er die ledernen Riemen einer neunschwänzigen Katze, in die Metallplättchen und Glas eingewoben sind. Das Grinsen wird von Haken und Ketten in Position gehalten, aus offenen Wunden trieft schwarze Flüssigkeit, wie Öl. Der letzte Strang des Seils reißt. Todd fällt. Und kommt ein zweites Mal wieder zu sich, zu Füßen des Gitterkäfigs. Sandburn, 1992. Realität.
Tammy hingegen schleicht sich in die Küche und gelangt, von den beiden russischen Köchen verfolgt, durch die vergessene Tür aus Marys Traum. Tatsächlich lassen die beiden Köche sofort von ihr ab, sobald sie die Schwelle überschritten hat. Der Gang hinter der Tür ist stockdunkel, mit einer dicken Staubschicht überzogen, in der sich Spuren nackter Füße eingegraben haben und scheint wie aus einer anderen Zeit: Kein Linoleum, keine Leuchtstoffröhren, überhaupt keine Elektrizität. Sie tastet sich an den Wänden entlang den kalten, dunklen Gang hinunter. Zunächst berührt ihre Hand Backstein. Dann Gitterstäbe. Dann wieder Backstein, Gitterstäbe, in ständigem Wechsel. Wo ist sie hier? Ein vergessener Trakt der Anstalt? Ein Gefängnis? Aus der Dunkelheit dringt ein Stöhnen an Tammys Ohren. Die Zellen sind noch belegt?! Die Stimme gibt sich als "Sträfling 1714" zu erkennen, klagt verzweifelt über Kälte, Krankheit und Hunger. "Warum tun Sie uns das an?" Tammy weicht erschrocken zurück, bis ihr Rücken wiederum Gitterstäbe berührt. Hände greifen nach ihr. Tammy wehrt sich verzweifelt. Plötzlich entzündet sich eine Gaslaterne, enthüllen Tammy den entsetzlichen Anblick völlig überfüllter Zellen voller verzweifelter Männer und Frauen, halb verhungert und gezeichnet von Krankheit. Tammy versucht der Wahnvorstellung zu entkommen, aber sie kann sich einfach nicht zusammenreißen. Obwohl sie versucht, sich die Ohren mit ihren Händen zuzuhalten, setzt ihr Herz fast aus, als sie das verräterische Klicken der sich wie von Geisterhand entriegelnden Zellentüren vernimmt. Sofort strömen die Elenden aus ihren Zellen, fallen übereinander und stürzen sich auf Tammy. Hass auf ihre Peiniger treibt sie an: "Dafür machen wir dich kalt, Brown!" Die Leiber pressen auf Tammy, bis ihr schwarz vor Augen wird.
Währenddessen werden der Professor und der Priester vom Sicherheitspersonal aufgegriffen. Der Wachmann Roberts teilt ihnen mit, dass ihre junge Gefährtin in den verlassenen Gebäudeteil eingebrochen sei und fordert sie auf, sie selbst von dort zu holen. Unter keinen Umständen will er selbst die Ruine betreten, lieber duldet er die Anwesenheit der Gruppe noch etwas länger. Er führt sie in die Küche und die beiden durchschreiten die vergessene Tür. Am Ende des dunklen Ganges gelangen sie just in dem Moment in den Eingangsbereich des Alten Gefängnisses, als Todd durch das Portal eintritt. Tammy liegt dort am Boden, redet wie in Trance, zuckt spastisch. Prof. Starkweather eilt zu ihr, hält sie fest, versucht sie zu beruhigen. Langsam erschlafft ihr Körper, ihre Stimme versagt. Sie hat sich völlig verausgabt. Tammy erzählt Starkweather von dem Mann mit den Schwarzen Augen, den sie während der schizophrenen Episode im Miller's Court gesehen hatte. Auch er hatte sie "Brown" genannt. Vater MacDothery eilt davon, Hilfe holen. Doch es kommt niemand. Alle scheinen etwas Besseres zu tun zu haben, niemand will ihn begleiten. Als er unverrichteter Dinge zurück in das Alte Gefängnis kommt, entdeckt er in einer der Zellen das göttliche Licht des Himmelskinds. Es sitzt am Boden, malt mit dem Finger fremdartige Symbole und magische Formeln in den Staub, die sogleich wieder verschwinden. Es geht lächelnd zu Sebastian, legt ihm die Hand auf die Brust. Eine wohlige Wärme breitet sich in Sebastians Brustkorb aus, wandert zu seiner Hand. Und Sebastian versteht seinen Auftrag: Er geht zu Tammy, sinkt neben ihr nieder, zeichnet ein Kreuz zwischen den beiden und gibt ihr einen väterlichen Kuss auf die Platzwunde am Kopf. Und tatsächlich: Die Wunde schließt sich, das Blut versiegt, am Kopf, an den Händen, überall. Tammy bleibt völlig unverletzt zurück. Doch der Körper des Priesters erzittert plötzlich, das innere Leuchten, das er zuvor ausstrahlte, verblasst. Blut tritt ihm die Mundwinkel. Plötzlich steht der Priester auf einem Hof, inmitten von Leichen und um Gnade winselnder Verwundeter. Vor ihm steht ein Hüne, in einen schmutzigen, gestreiften Kittel gekleidet. In seinen kräftigen Händen hält er ein Gewehr. Ein Lee-Metford Gewehr der Wachen von Sandburn. Und das Bajonett des Gewehrs steckt in Sebastians Brust. Er beginnt zu beten. Mit letzter Kraft bittet er die anderen, ihn zurück zur Corpus Christi Church zu bringen.



Kapitel 11: 1901 – Der Tod – Thaumiel
Die Königin der Welt ist tot!
„Der Tod“, sagte Seymour einst und ließ eine seiner geliebten Tarot Karten aufblitzen. „Die Karte bedeutet dauerhafte Veränderung. Genau wie der Tod.“
„Also glauben wir noch immer, dass der Tod das Ende ist?“
„Oder zumindest ständige Veränderung.“
„Oder nur einen Anfang.“
Ich wünschte das hätte irgendeine Tragweite für Victoria. Ist sie gestorben? Ich denke schon? Sicherlich. Aber sterben diese Hochwohlgeborenen wie normale Leute? Zweifelhaft. Ich wäre nicht im Mindesten überrascht, wenn sie plötzlich hier bei uns auftauchen würde, bei mir und Donovon und den anderen nicht gänzlich Verstorbenen. Vielleicht war sie seit Ewigkeiten wie ich. Donovan hatte viele Geliebte im Lauf der Jahre.
Aus: Das Leben und Unleben des Rupert Faraday, von Anders Fager
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  • 03. Januar 2020, 23:23:54
Re: [Kult: Divinity Lost] Taroticum (voll)
« Antwort #8 am: 03. Januar 2020, 23:23:54 »

Weiter geht es am kommenden Montag, 06.01.2020: Vater Sebastian wurde bei der Ausübung eines Wunders verletzt! Auf seinen im Delirium geäußerten Wunsch hat die Gruppe die Expedition nach Sandburn abgebrochen und ist zur Corpus Christi Church zurückgekehrt. Doch warum bestand der Priester darauf, ausgerechnet in das Kellergewölbe unter der Kirche gebracht zu werden, statt in ein Krankenhaus?



When I was done dying, my conscience regained
So I began my struggle, a nothingness strained
Out a flash made of time, my new form blasted out
And it startled me so and I burst out a shout
At which my legs ran frantic like birds from a nest
And I ran until drained, leaving no choice but rest

So I fell asleep softly at the edge of a cave
But I should have gone in deeper but I'm not so brave

And like that I was torn out and thrown in the sky
And I said all my prayers because surely I'll die
As I crashed down and smashed into earth, into dirt
How my skin did explode, leaving only my shirt
But from shirt grew a tree and then tree grew a fruit
And I became the seed and that seed was a brute
And I clawed through the ground with my roots and my leaves
And I tore up the shirt and I ate up the sleeves
And they laughed out at me and said "what is your plan?"
But their question was foreign, I could not understand
When then suddenly I'm ripped up and placed into a mouth
And it swallowed me down at which time I head south

I said hey ya ya hey ya ya hey ya ya hey ya ya hey ya ya...

- When I was done dying, by Dan Deacon




Zurück in der Kirche Corpus Christi, erholt sich die Gruppe von den Strapazen der Expedition nach Sandburn: Vater MacDothery ist verletzt, gezeichnet von den Folgen seiner Wunderheilung. Tammy macht Bekanntschaft mit einem Kind, das anscheinend in den Katakomben unter der Kirche lebt und das sich ihr als "Nekemi" vorstellt. Das Kind scheint eine besondere Verbindung zu MacDothery zu haben, der es einen Engel nennt. Doch diese Wahrheit vermag nur ein wahrhaft Gläubiger zu erblicken. Und noch etwas lauert in der Tiefe unter Corpus Christi - etwas Finsteres, Böses. Schwarze Sphären in der Dunkelheit. Oder hat Tammy den Schatten vielleicht selbst mit an diesen Ort gebracht? Das Kind folgt Tammy aus den Katakomben und kümmert sich kindlich-liebevoll um den gemarterten Sebastian. Isaac erblickt völlig überrascht jenes Buch, auf dass er bei der mysteriösen Auktion geboten hatte: Die vergessenen Legenden von Nywere. Oder so ähnlich. Wie ist dieses schmutzige Kind an das Buch gelangt?! Er versucht es, in seinen Besitz zu bringen, doch scheitert er - wie alle anderen außer Nekemi - an dem Verschlussmechanismus.

Am 20.12.1992, in den Abendstunden, startet die Gruppe zu einer weiteren Expedition nach Sandburn: Noch immer sind sie auf der Suche nach Mary Langsbury, der schwangeren, jungen Frau aus ihre Träumen. Alle vier sind erschöpft und ausgelaugt von einer allzu kurzen Nacht ohne erholsamen Schlaf: Sebastian ist über seinem letzten Brief an seinen Vorgänger und Mentor, Vater Karol, eingeschlafen. Er wird ihn bald besuchen müssen. Derweil bemüht Tammy sich mit einem Cocktail aus Valium und anderen Downern vergebens um einen traumlosen Schlaf auf einem Bett aus Zeichnungen von einem geflügelten Kind mit Heiligenschein. Todd macht sich auf die Suche nach einem ahnungslosen Opfer, an dem er die angestaute Wut und Verweiflung herauslassen kann - und findet es in einem besoffenen Obdachlosen, der Todd trotz der Tracht Prügel für seine Zeitverschwendung maßregelt: Seine Schuld ist noch nicht beglichen, die vergessene Göttin ist noch nicht gerettet! Isaac brütet über seinen Aufzeichnungen auf der Suche entscheidenden Hinweis, der ihm hilft, das Geheimnis von Sandburn zu entschlüsseln. In einer alten Monographie über die magischen Geheimgesellschaften des Königreiches findet er etwas: Anthony Seymour, der letzte Gouverneur von Sandburn, war ein Mitglied des Hermetic Order of the Golden Dawn. Wieder träumen sie alle den Traum von Mary Langsbury, doch er hat sich verändert: Die Traumwelt wirkt bedrohlicher, jeder Schritt ist eine Qual, Mary fühlt sich verfolgt von bösen Mächten und die Zeit läuft ihr davon!
Am Morgen entdeckt Sebastian im Briefkasten zwei bedrohliche Nachrichten. Der eine Brief, an ihn adressiert, enthält eine einzelne dünne Seite mit einer roten Schmiererei: "Wir wissen, dass du sie hast". Der andere ist an Todd Galwny adressiert. Sebastian öffnet ihn dennoch. Wieder ein einzelnes Stück Papier mit einer kurzen, krakeligen Nachricht (in einer anderen Handschrift): "Niemals vergeben, niemals vergessen! Gruppe 9". Sebastian informiert Todd nicht über den Brief.
Wieder ist es ein Leichtes, das Gelände von Sandburn zu betreten - niemand hält sie am Haupteingang auf und auch der Weg durch die Küche gestaltet sich problemlos. Auch die Wahnvorstellungen vom letzten Besuch stellen sich nicht wieder ein. Man bahnt sich einen Weg durch den Staub des vergangenen Jahrhunderts, geht die modrige Treppe hinauf in das Obergeschoss und durch das ehemalige Büro des Gouverneurs. In der kleinen Bibliothek, die an das Büro anschließt, erwartet sie bereits die halb verhungerte, völlig paranoide Mary Langsbury. Sie faselt davon, dass die Karten ihr eingeflüstert hätten, dass "ihre Ritter" kommen würden um sie zu retten. Sie nennt die vier bei falschen Namen, auch diese hätten ihr die Karten verraten. Ihr Kind habe ihr ein Engel gemacht - ein Engel namens "Chris". Es sei ein ganz besonderes Kind, weil es noch keine Seele habe und eine ganz neue Seele bekommen würde. Und ein Mann mit schwarzen Augen würde kommen, um es ihr wegzunehmen! Die Karten gibt sie an Todd weiter, sie würden das so wollen. Und überhaupt, verlangt sie diesen Ort zu verlassen und ihre vier Ritter mögen sie zu ihrer Kutsche geleiten. Doch gleichzeitig tut sie sich schwer damit wirklich zu verschwinden, ihre schwere psychische Störung zeitigt sich in einer extremen Paranoia, sodass es ihre Begleiter einiges an Kraft und Nerven kostet sie hinaus zu bringen.
Derweil hat Isaac Starkweather einen ganz eigenen Kampf mit seiner Obsession auszufechten, um Sandburn zu verlassen. So viele Puzzleteile fehlen noch, damit das Gesamtbild Sinn ergibt. Auf der Suche nach Antworten stürzt er die vereiste Treppe in den Keller hinab. Etwas Altes zieht ihn in die Tiefe, ruft ihn zu sich, dort jenseits der vereisten, schweren Stahltür, sodass er Tammy und Sebastian, die ihm teils widerwillig zur Hilfe geeilt sind, vergrault. Aber er kann sie nicht öffnen - es fehlt ihm ein Schlüssel. Er hämmert mit der Taschenlampe gegen den Schließriegel des Sichtfensters, bis sie kaputt ist. Doch er kann einen Blick erhaschen, auf die Kälte und Dunkelheit hinter der Tür. Kälte. Dunkelheit. Und rasselnder Atem. Als Tammy und Sebastian sich zurückziehen ist auch auf Isaacs Seite nur noch Dunkelheit. Und in der Dunkelheit, auf seiner Seite der Tür, eine Präsenz: "Harlann O'Connor". Eine Stimme ruft ihn. Vergangenheit. Zukunft. Schicksal. Die Krankheit, die sich in seinem Körper ausbreitet. Seine Lebenszeit, die ihm zwischen den Fingern zerrinnt. Bald. Nur noch ein bisschen Geduld.



Kapitel 10: 1892 – Der Herrscher – Chokmah
Seymour ist weg! Der dumme Scheißkerl ist einfach verschwunden. Er und ein Teil seines Gefängnis sind in irgendein Höllenloch Infernos hinab gestürzt. Ich bin nicht hingegangen um die Sache genauer zu untersuchen. Aber ich werde bis ans Ende meines widernatürlichen Lebens sagen können: „Was habe ich dir gesagt?!“ Elsa ist auch weg. Zumindest im Geiste. Sie ist an die Küste gefahren „wegen der Lunge“, um in irgendeinem endlosen Nachmittag zu verwelken. Aber ich habe meine neuen Freunde. Ich habe mich gegen die Rebellion selbst aufgelehnt. Ich habe meine neuen Freunde. Meine neue Religion.
Ich habe nie verstanden, wie es begonnen hat. Ich habe einfach angefangen, diese Leute zu treffen, die Ficken und Blut genießen. Fein. Sie dachten nicht über Dinge nach, wie Seymour es tat. Donovan oder Chandra, die Tänzerin im wilden Beirut, waren einfach glücklich zu ficken und Blut zu trinken, ohne großartig darüber nachzudenken. Das passte mir ganz prächtig. Am Ende wollte ich wie sie sein. Weil sie so offensichtlich nicht von dieser Welt waren. Ich wollte mich ihnen anschließen. Und das tat ich auch.
Aus: Das Leben und Unleben des Rupert Faraday, von Anders Fager
« Letzte Änderung: 14. Januar 2020, 18:58:53 von Mr.F.Johnson »
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  • 14. Januar 2020, 19:07:06
Re: [Kult: Divinity Lost] Taroticum (voll)
« Antwort #9 am: 14. Januar 2020, 19:07:06 »

Early this morning - When you knocked upon my door
And I said hello Satan, ah, I believe it is time to go
Me and the devil walkin' side by side

And I'm gonna see my man - Until I get satisfied
See, see, you don't see why - And you would dog me 'round
See, don't see why - People dog me around
It must be that old evil spirit - So deep down in your ground
You may bury my body - Down by the highway side
You may bury my body - Down by the highway side
So my old evil spirit - Can Greyhound bus that ride
So my old evil spirit - Can Greyhound bus that ride
- Me and the Devil, Soap and Skin




Todd, Isaac, Sebastian und Tammy haben es endlich geschafft: Sie haben sich erneut dem Schrecken von Sandburn gestellt und konnten die schwangere junge Frau aus ihren Träumen, Mary Langsbury, retten. Mary ist mit einem besonders schwerwiegenden Fall von paranoider Schizophrenie geschlagen: Sie wirkt fast kindlich arglos, scheint immerzu zu halluzinieren und schreckt ängstlich vor dem kleinsten Schatten zurück. Sie schimpft ihre Retter "Ritter", fürchtet sich vor übel gesinnten "Briganten" und ihr Baby soll ihr angeblich ein Engel namens Chris gemacht haben. Ihr Ungeborenes sei ein ganz besonderes Kind, sagt sie: Es werde eine "neue", sprich unverbrauchte, Seele erhalten und die Karten, die wohl zu ihr sprechen, werden ihr den Weg weisen.
Zurück an der Kirche Corpus Christi erweist sich Mary's Furcht als nicht gänzlich unbegründet: Im Keller unter der Kirche finden Tammy und Todd den verletzten Gemüsehändler Abush, den sie bereits aus Vater McDotherys Seelsorgegruppe kennen. Er sei von Skinheads attackiert worden. Tatsächlich wurde auch in Todds Wohncontainer eingebrochen, seine Sachen durchwühlt und beschmutzt. An der Wand prangt der Schriftzug: "Never forgive, never forget". Die Drohung entfaltet bei Todd ihre Wirkung. Während der Priester sich mit der angerückten Polizei befasst, verstecken sich Todd, Tammy und Mary in der Sakristei der Kirche. Dort versucht Tammy aus Marys verworrenen Fantastereien schlau zu werden. Auch wenn sie nicht nachvollziehen kann, was es mit der "neuen" Seele, der Entstehung des angeblichen "Kindes der Magie" und den sprechenden Karten auf sich hat, bekommt sie doch so viel aus Mary heraus: Der sogenannte "Narrenhof" ist wohl das Ziel ihres Strebens. Die Narren wüssten angeblich, woher man eine "neue" Seele bekommen könnte. Die einzige Schilderung Marys, die Tammy nachvollziehen kann, ist ihre Beschreibung von unmöglichen Sinneseindrücken, die nur sie wahrnehmen kann: Da gibt es Türen, die einem Moment erscheinen und im nächsten wieder verschwunden sind, Stimmen, die aus den Schatten zu ihr sprechen und immer wieder ein Mann mit schwarzen Augen, der ihr nachstellt. Als Tammy die Geduld verliert und Mary hart angeht, gerät diese in Panik und läuft davon. Und dann sieht Tammy es auch: Von dem Buntglasfenster über dem Kirchenportal  starrt sie plötzlich ein lidloses, schwarzes Auge an, das zuvor ganz sicher nicht da war. Mary verliert vor Schreck das Bewusstsein.
Professor Starkweather, gezeichnet von seinen Erlebnissen in Sandburns Keller, ist derweil nach Hause gefahren. Als er im Spiegel das wuchernde schwarze Mal auf seiner Schulter beschaut, wird im klar: Es wächst. Was es auch ist, es wächst. Und mit ihm wächst das Unbehagen, in Sandburn etwas übersehen zu haben: Anthony Seymour, der 1892 einige Monate dort als Gouverneur gedient hatte, war ein Mitglied der magischen Geheimgesellschaft Hermetic Order of the Golden Dawn. Golden Dawn. Arthur Edward Waite. Pamela Colman Smith. Das Rider-Waite-Tarot. Gibt es etwa eine Verbindung zu den Tarotkarten, die Mary an Todd übergeben hatte? Im Alkohol sucht er Linderung für Schmerz und Frust. In der Nacht wird er von stürmischem Klingeln an seiner Tür rabiat geweckt. Es ist Tammy. Nach kurzem Zögern, setzen die beiden Isaacs Recherche fort. Und tatsächlich findet Tammy einen wichtigen Hinweis: Anthony Seymour ist zwar nur eine Randnotiz in der Geschichte des Golden Dawn, aber es scheint, als gehörte er zum Umfeld des berüchtigten Okkultisten Aleister Crowley, der maßgeblich für das Zerwürfnis des Golden Dawn verantwortlich war. Seymour selbst verließ den Golden Dawn etwas zur selben Zeit wie Crowley im Streit über das Rider-Waite-Tarot, das er für unzureichend befand, zusammen mit zwei weiteren Personen: Rupert Faraday und Elsa Wolffe. Rupert Faraday. Warum kommt Isaac dieser Name so bekannt vor?
Am nächsten Morgen bereitet Todd für Mary ein kleines Frühstück zu. Der Priester ist wohl schon ausgeflogen. Todd fragt sie, wie man die Karten liest, die sie ihm gegeben hat. Sie ist allzu gern bereit, es ihm zu zeigen. Die Frage, die die Antworten beantworten soll: Wer ist Sir William, der Name den Mary Todd gegeben hat? Die erste Karte, die Mary zieht zeigt ein Schlachtfeld, über der ein grausiger Totenkopf in einem Atompilz aufragt: Sir Williams Seele ist von Krieg und Konflikt geplagt. Die zweite Karte zeigt acht Schädel, sie spricht von einer Vergangenheit voller Schmerzen, grausamer Tortur. Schmerz, aus dem etwas neues geboren werden kann. Mary wird unruhig, kratzt sich die Arme wund. Auch in Todd steigt Panik auf. Die dritte Karte zeigt einen Gekrönten, vor dem schwarz gewandete Gestalten im Staub niederknien: Es giert Sir William nach Macht, um sie zu erhalten ist ihm jedes Mittel recht. Er verrät seine Freunde, ist unbarmherzig gegenüber seinen Feinden. Die vierte Karte zeigt einen reichen Mann, der sein Geld zählt, während er den Bettlern nur Krumen zuwirft. Gier ist Sir Williams Schwäche. Ungeduldig und besorgt deckt Todd selbst die letzte Karte auf: Fünf Rosen. Statt Mary sitzt er plötzlich Mickey gegenüber. Er grinst höhnisch. "Du weißt selbst, was die letzte Karte bedeutet, Toddster". Es ist der Jäger. Das unerbittliche Raubtier, das die Schwachen jagt und ausmerzt. Der unersättliche Hunger des Bluthunds. Mickey muss die Karten manipuliert haben! Aber nein, beschwichtigt Mickey, es sind die Karten, die Todd manipulieren. Das letzte Wort, das Todd hört: "Fass!". Dann versinkt Todds Welt vor einem roten Schleier.
« Letzte Änderung: 10. Februar 2020, 18:44:44 von Mr.F.Johnson »
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Re: [Kult: Divinity Lost] Taroticum (voll)
« Antwort #10 am: 10. Februar 2020, 18:44:52 »

Kapitel 12: 1909 – Der Streitwagen – Geburah
Ich habe heute ein Flugzeug gesehen. Erstaunlich. Elsa hat es nicht gesehen. Sie ist wieder abgereist. Wieder mal Zeit für die alte Jungfer-am-Meer-Nummer. Ich bezweifle, dass sie in viel besserem Zustand zurückkehren wird. Halb senil und bald wird der Tee serviert. Für immer. Ich halte sie am Leben, aber ihr Verstand hat schon zu sehr abgebaut. Sie brennt aus, aber meine Nähe hält ihren Körper einigermaßen in Schuss. Ohne mich wird sie verschwinden.
Vielleicht sollte ich das Kommando übernehmen. Den Sieg erzwingen. Der strenge und unversöhnliche Richter und Henker sein. Gnadenlos zu sein ist eine Art Erleichterung. Aber wen würde ich mit Krieg überziehen und richten? Meinen süßen Donovan? Wie dämlich von mir, einen Geliebten zu wählen, der sich vor der Dunkelheit fürchtet.
Aus: Das Leben und Unleben des Rupert Faraday, von Anders Fager
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Re: [Kult: Divinity Lost] Taroticum (voll)
« Antwort #11 am: 19. März 2020, 12:32:32 »

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