Forum Drachenzwinge
www.drachenzwinge.de
Teamspeakserver TS 3: drachenzwinge.de:9987
Forum Drachenzwinge
Bitte loggen sie sich ein oder registrieren sie sich.

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge
Erweiterte Suche  
Seiten: 1 2 [3]   Nach unten

Autor Thema: Woher kommt eigentlich der Hass...  (Gelesen 8189 mal)

Mogelpack

  • Drache im Ei
  • *
  • Offline Offline
  • Beiträge: 25
  • 17. April 2018, 16:29:00
Re: Woher kommt eigentlich der Hass...
« Antwort #30 am: 17. April 2018, 16:29:00 »

Also, vor laaanger Zeit habe ich die Powergamer-Erfahrung auch gemacht. Das war aber im Rückblick definitiv eine schwache SL-Entscheidung von meiner Seite (zu viele Zugeständnisse, wollte nett sein), da ich dem Spieler dann im Spiel nichts mehr entgegen setzten konnte (oder nicht die passenden Ideen hatte). Das Brötchen hatte ich mir also selbst gebacken.

Allerdings, wenn man ein recht fein aufgebautes System spielt und sich zu stark an die Regeln hält (wie z.B. DSA, Splittermond, Ars Magica) wird man da immer das Problem haben, dass sich Konflikte um den einen Spieler drehen. Wie nervig, sich vorher schon Strategien zurecht legen zu müssen, da gegen die eine Disziplin (Schattenspiele wars damals) kein rechtes Kraut gewachsen ist. Da ist einfach Kreativität abseits der Regeln gefragt. Durch Systeme wie Dungeonworld, die von den Regeln viel grobmaschiger gestrickt sind, kommt es erst gar nicht so weit.

In einem bestimmten Kontext existiert der Powergamer meiner Meinung nach also doch noch.

Ich habe damals auch versucht, das ganze mit Regeln aufzufangen und mächtige Gegner zusammen gebaut. Letzten Endes will man den Spieler wegen der eigenen Fehler ja nicht aus dem Spiel werfen. So musste ich für jede Konfrontation immer was neues in Petto haben. Das war auf Dauer ganz schön nervig.

Grüße vom Mogelpack
Gespeichert

Animus

  • Drache im Ei
  • *
  • Offline Offline
  • Beiträge: 11
  • 17. April 2018, 18:53:35
Re: Woher kommt eigentlich der Hass...
« Antwort #31 am: 17. April 2018, 18:53:35 »

Es gibt im Grunde zwei Sorten von Powergamern, wobei nur die zweite Sorte generell auch als Powergamer bezeichnet wird. Die erste Sorte hat ihren Charakter einfach effektiv gebaut. ;)
Der Unterschied zwischen den beiden Sorten ist die Methodik beim Bau und die Herangehensweise ans RP.

Powergamer der ersten Sorte haben ein Konzept im Kopf und geben sich Mühe einen Char zu bauen der innerhalb der Konzepgrenzen weiterhin möglichst effektiv bleibt. Powergamer der zweiten Sorte haben nur ein einziges Konzept: Der Beste X.

Ein Beispiel:
  • Powergamer A baut einen Elementalisten der sich auf Feuer spezialisiert. Sein Char soll ebenso "flamboyant" sein wie das Element mit dem er diesen Char verbindet, deswegen optimiert er nicht nur seinen Char darauf Feuermagie möglichst effektiv nutzen zu können, sondern entscheidet sich auch dafür, dass sein Char sehr kontaktfreudig und charismatisch sein wird und seine Kleidung die schillernde Persönlichkeit wiederspiegelt, die diesen Char zu leben erweckt. Möglicherweise sorgt er dafür, dass sein Char einige der Einschränkungen umgehen kann, die aufgrund seiner Spezialisierung anfallen, aber auch die Umgehung dieser Einschränkungen ist ein passender Teil des Gesamtkonzepts.
  • Powergamer B baut ebenfalls einen Elementalisten mit Spezialisierung auf Feuer, aber sein Konzept ist nur "möglichst viel Schaden". Er ist nicht daran interessiert die Persönlichkeit in irgendeiner Form mit dem Element in Verbindung zu bringen, deswegen interessiert ihn die Wahl seiner Kleidung nicht - zumindest nicht bis er sich überlegt, dass er einen Bonus bekommen kann, wenn er mit seinen Zaubern aus dem Hinterhalt angreifen kann, weshalb er dann entscheidet, dass sein Char dunkelgraue Kleidung trägt. Mit Kaputze! Und Maske, wenn möglich! Der Charakter ist in keinster Weise gesellig, weshalb er sich auch nicht groß über soziale Werte seines Chars Gedanken macht. Er steigert aber die Werte, die seien Char sich besser verstecken und aus Hinterhalten angreifen lassen. Auch er versucht die Einschränkungen aufgrund seiner Spezialisierung zu umgehen, aber diese Umgehung ist nur Mittel zum Zweck und schlägt sich in keinster Weise in seinen Grundlegenden Überlegungen zum Konzept wieder.

Soviel zur Methodik beim Bau. Kommen wir nun zur Herangehensweise ans RP.
Powergamer der ersten Sorte gehen darin auf ihren Charakter auszuspielen. Sie lieben es die Stärken des Charakters zu demonstrieren aber sie sehen ihre eigenen Stärken im Kontrast zu den gewöhnlich vorherrschenden Werten ähnlicher Konzepte, anstatt im Kontrast zu den möglicherweise vorhandenen Stärken der Chars der Mitspieler. Sie lieben es aber auch die Schwächen ihres Chars auszuspielen, denn sie wissen, dass diese Schwächen ihre Chars zu dem machen, was sie sind.
Powergamer der zweiten Sorte hingegen gehen darin auf die Werte ihres Chars in den Vordergrund zu stellen, wann immer ihre Werte von Bedeutung sind. Sie lieben es die Stärken ihres Chars zu demonstrieren und verzweifeln, wenn die Werte, die sie so peniebel zu optimieren versucht haben, nicht mindestens genauso hoch sind wie die Werte ihrer Mitspieler. Ihre Chars haben Schwächen, aber sie haben absichtlich Schwächen gewählt, welche die Darstellung im zwischenmenschlichen RP betreffen würden, sodass sie diese auch einfach ignorieren können, solange der SL nicht darauf achtet.

Um beim oben genannten Beispiel zu bleiben:
  • P.A. ist unbestritten der Damage Dealer seiner Gruppe. Keiner seiner Mitspieler schafft es so viel Schaden an einzelnen Feinden oder Gruppen zu verursachen, wie er. Und er hat angefangen seinen Char ein klein wenig pyromanisch darzustellen, nur um ihm etwas mehr Persönlichkeit während eines Kampfes zu geben. Er weiß, dass seine Werte es nicht mit denen des Face der Gruppe aufnehmen können, aber er liebt es die zweite Geige für seinen Mitspieler zu spielen und selbst wenn er seine Werte mit schlechteren Werten vergleicht, dann tut er dies auf eine Weise, die über sein Charakterkonzept informiert: "Die anderen Magier im Turm waren immer so... steif. Man konnte einfach nie mit ihnen ausgehen und sich amüsieren." Er weiß, dass er nicht schleichen kann, selbst wenn sein Leben davon abhängt. Warum sollte er auch? Jeder sollte sich an seinem Anblick erfreuen können... besonders wenn es das letzte ist was sie in ihrem Leben sehen! Er überlässt das Schleichen daher lieber seinen Mitspielern... und falls es wirklich notwendig sein sollte einen Hinterhalt vorzubereiten, dann ist sein liebster Teil davon, seinen Char wie einen trottel darzustellen und sich von seinen Gruppenmitgliedern helfen zu lassen.
  • Auch P.B. ist der Damage Dealer seiner Gruppe, aber eigentlich ist er auch derjenige, den alle in allen wichtigen Punkten des Spiels nach Rat fragen sollten. Der Spion der Gruppe ist zwar besser darin zu schleichen, aber das liegt nur daran, dass dessen Charakterspezialisierung einen ungerechten Vorteil in diesem Bereich bietet, der entweder nicht existieren sollte, oder den er selbst ebenfalls bekommen sollte. Weil Sozialfähigkeiten nutzlos sind und keinen Vorteil im Kampf bieten, hat er diese nicht gewählt, was ihn aber nicht daran hindert trotzdem zu versuchen den besten Redner der Gruppe darzustellen. Dass der SL trotz seiner tollen Darstellung noch immer einen Wurf von ihm verlangt, liegt nur daran, dass dieser den Face-Spieler viel lieber mag. Wahrscheinlich haben die beiden was miteinander. Überhaupt ist die ganze Gruppe ziemlich doof, weil sie ihre Charaktere mit nutzlosen Werten ausgestattet haben, die sie nicht wirklich brauchen, weil der Rollenspiel aspekt ja nur darauf ausgelegt sein sollte, was man darstellen kann. Nur der Kampf-Teil des Spiels verdient es wirkliche Werte zu besitzen.

Selbstverständlich sind in Powergamer B eine ganze Menge negativer Aspekte so mancher Powergamer zusammengeflossen, und die wenigsten sind wirklich so schlimm wie in diesem Beispiel. Leider ist das Beispiel aber nur in der Quantität übertrieben - und selbst da nur leicht. Ich habe in meiner Zeit eine nicht unerhebliche Anzahl von der Sorte von Powergamer B erlebt und der eine oder andere waren sogar fast so schlimm wie in diesem Beispiel.
Ich habe glücklicherweise viel mehr von Sorte A mitbekommen und der eine oder andere dieser Sorte gehört sogar zu meinen wiederkehrenden Mitspielern.

Ich glaube dass jeder, der negative Erfahrungen mit Powergamern gemacht hat, vornehmlich die Sorte B meint und Sorte A eigentlich nicht als "Powergamer" ansieht, selbst wenn diese selbst sich so sehen würden.
Tendenziell ist es aber wie in jeder zwischenmenschlichen Situation. Die Devise ist immer: "Don't be a Wangrod."
Gespeichert
Once we are destined to live out our lives in the prison of our mind, our one duty is to furnish it well.
- Sir Peter Ustinov
Seiten: 1 2 [3]   Nach oben
 

Drachenzwinge von Arne Nax - Impressum - Datenschutz

Seite erstellt in 0.123 Sekunden mit 22 Abfragen.