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Autor Thema: [SR6] Fremde Welten  (Gelesen 1837 mal)

Avalia

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  • 07. April 2021, 23:34:00
Kapitel 2: Im Disseits I
« Antwort #15 am: 07. April 2021, 23:34:00 »

Stimmung

Er zog den Helm zurecht, sprühte die Ränder mit einer Blumenbrause ab und ließ die Versiegelung beide Teile verbinden. Im Spiegel prüfte er den Sitz der Elemente, ehe der junge Mann den großzügigen Kragen hochklappte und auf die große Uhr hier im Hauptraum schaute. Nur noch ein paar Minuten bis zu ihrer Ankunft. Er kniff die Augen zusammen, rieb vorsichtig über den Bereich der Panzerung, der seine rechte Niere bedeckte und verzog für Außenstehende unsichtbar das Gesicht. Nicht mehr lange.
Die ersten Schritte in der Panzerung waren wie immer ziemlich anstrengend. Er hinkte ein wenig auf dem rechten Bein und stolperte beinahe die Stufen zur Ausgangstür hinauf. Nach einer weiteren Versicherung, dass die Zeit gekommen war, öffnete er die Tür und geifernde Krallen aus schwarzgrauem Rauch kamen ihm entgegen. Hastig schloss er die Tür hinter sich und ging weiter.

Nach ein paar Schritten verließ er den Windschutz des Hauses und die immerwährenden Böen der Stadt Aeryllia umfingen ihn und versuchten ihn einfach mitzureißen. Er hatte merkliche Mühe ihm standzuhalten und stolperte in Richtung seines Ziels. Ein paar Augenblicke später, als das Gefühl jeden Moment zu fallen verging, griff er in die Tasche seiner Uniform und holte die Glovi heraus. Glovi waren technische Geräte mit der Größe eines Handballs. Sie besaßen zahlreiche Lücken und Kanäle, in denen der Druck des Windes auf die Membran zur Energieerzeugung genutzt wurde. Elektrisches Licht funktionierte in die dieser Welt nicht, aber er hatte sich schnell an sie gewöhnt und folgte dem türkisfarbenen Licht seines Wegführers durch die zahllosen Gassen der Stadt.

Als er sich der Innenstadt näherte, bemerkte er die Gestalt einer Wölfin, die schweigend neben ihm herlief. Er blieb stehen, streckte die Arme behutsam nach ihr aus und ließ Magie durch beide strömen. Ein paar Augenblicke später vernahm er ihre brummenden Gedanken: "Puan, heute ist der Tag der Abreise. Wo sind all' deine Sachen?
Er besah sie einen Augenblick nachdenklich, als würden ihm Teile ihrer Kritik erst jetzt und nicht schon damals in seiner Wohnung deutlich werden, doch die Gedankenbrücke trug lediglich ein Lachen zur Wölfin: "Im Haus. Es ist noch eine Weile gemietet und du meintest, dass sie heute ankommen. Sie sind viel zu schwer in meinem Zustand und ich kann die edle Boudicca doch nicht zu meiner Lastenträgerin machen." Ein kurzes Brummen antwortete ihm in Gedanken, ohne klare Abneigung oder Wohlwollen zu suggerieren.

"Ich bringe dich zum Tor, zur Not auf meinem Rücken, du gibst mir meine Münze und danach bist du auf dich allein gestellt." Gespielter Trotz klang in ihrer Stimme mit, doch sie ließ sich ein paar Schritte zurückfallen, damit er ihre mitleidigen Blicke nicht sehen konnte.

Das konnte doch kein gutes Ende haben.
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Avalia

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  • 07. April 2021, 23:34:26
Kapitel 5: The Very Last One On Earth
« Antwort #16 am: 07. April 2021, 23:34:26 »

Stimmung

Platschen, erneutes Platschen, dann eine längere Pause, dann ein weiteres Platschen. Das Wasser stand ihr bis über die Knie hinweg und sie schleppte sich mit dieser jungen Frau auf dem Rücken weiter.

Vor vier Tagen war sie aufgewacht, am Arm mit Handschellen an die Rohre eines alten Heizungskellers gefestigt, während die Frau ihr immer wieder in einer hart klingenden Sprache gut zugeredet hatte. Mittlerweile war die ukrainische Sprache wieder in ihrem Gedächtnis aufgetaucht, doch das martialische Äußere der Frau und der Anblick von drei Personen, die man scheinbar bei lebendigem Leibe auseinander gerissen hatten, hatten sich über alle Grenzen hinweg in die Bewusstlosigkeit zurückgetrieben.

Als sie das nächste Mal zu sich gekommen war, hatte die Frau sich als Tanya Petroi vorgestellt und ihr einen kurzen Überblick gegeben: Sie selbst, Larka Bielas, hatte die junge Frau aus einem Höhlensystem befreit. Ihre Erinnerungen gaben das ebenso wenig her wie andere Erinnerungen. Sie erinnerte sich einzig an eine Stadt voller Rauch und Nebel, gellende Schmerzensschreie und daran, dass sie einen mächtigen Freund hatte, der sie niemals im Stich lassen würde. Beide Frauen waren gemeinsam durch das Land gereist, auf der Flucht vor Verfolgern, deren Motivation sie nicht herausbekamen, weil sie die hiesige Sprache nicht verstanden, aber deren Zahl groß, wenigstens dreistellig zu jeder Zeit, sein musste.
Die Erinnerung vor vier Tagen, so erzählte Tanya, stammte aus der Zeit, wo sie während Tanyas Erkundungen gefunden worden war. Schlaftrunken hatten einige Betäubungsgranaten ihr das Licht ausgeknipst und Tanya hatte sich bei ihrer Rückkehr des Problems angenommen. Ihr Schädel brummte immer noch, wenn sie versuchte die verworrenen Ereignisse in irgendeine sinnvolle Reihenfolge zu bringen.

Vor ein paar Stunden hatten sie Tanya ausgeschalten. Es waren doch Stunden, oder? Ein halbes Dutzend Jeeps, jeweils mit Fahrer und Bordschütze, hatten sie zusammen getrieben und unter dem Sperrfeuer der Sturmgewehre war Tanya zusammengebrochen. In diesem Moment brüllte etwas primitives, beinahe urtümliches in ihr auf. Als sie wieder klare Gedanken fassen konnte, steckten Glassplitter in ihrer Kleidung und sie trug Tanya irgendeine Hauptstraße einer Stadt hinunter.

Dieselbe Straße, deren Ende sie bald erreichen würden. Große Teile der Stadt waren bei einem Luftbombardement zerstört worden. Aber vielleicht, nur vielleicht gab es irgendeine Möglichkeit hier herauszukommen.

Als ihre Beine wieder einmal nachgaben, schaute sie flehentlich zum Himmel, verwischte Tränen und Dreck in ihrem Gesicht und brüllte: "Warum lässt ihr mich schon wieder allein?"
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Avalia

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  • 14. April 2021, 22:13:20
Ausklang Kapitel 2: Im Disseits I
« Antwort #17 am: 14. April 2021, 22:13:20 »

Stimmung

Müde schleppte sich Bodvica an die Spitze der Klippe und versuchte die klaffende Wunde an ihrer Bauchseite zu bedecken. Es war nicht das erste Mal, dass sie verdrängt worden war. Aber es war das erste Mal, dass sie an einem Ort wieder aufwachte, dessen baldiges Ende sie spüren konnte. Kraftlos brachen die Beine unter ihr hinweg,  umklammerten die Arme das spitz zulaufende Gestein, glitt der Kopf über die Kante. Ein wenig Blut tropfte von ihrem Kinn, während die Augen den Kilometer durchmessenden Talkessel abmaßen, in dem sich ihre Heimatstadt, Aeryllia, befand.
Sie hasste das, was im Laufe der Jahrtausende aus dieser Stadt geworden war. Seit ihrem Tod bei Londinium, an dessen Details sie sich nicht wirklich erinnerte, waren beinahe einhunderttausend Jahre vergangen. In den ersten Jahren war ihr die Stadt wie ein Wunderwerk der Technologie vorgekommen: Sich bewegende und gar fliegende Aufbauten, eigenständig bewegende Maschinen und Körperteile aus Metall und Zahnrädern, die Versehrten ein besseres Leben ermöglichten. Doch Aeryllia hatte sich verändert. Im Laufe der Jahrtausende hatten sie immer noch Dinge entdeckt, Bodenschätze wie Kohle besser einzusetzen verstanden und heute lag die Stadt im Kessel unter einer milchig wirkenden Glocke aus schlechter Luft. Doch darum ging es heute nicht.

Darum war es nie gegangen.

In der Stadt unten stand einer der Wächter. Eine Kreatur von ihnen, beinahe zwanzig Meter groß und damit deutlich größer als die meisten Gebäude der Stadt. Regungslos hatte er seit seinem Auftauchen vor ein paar Tagen verharrt. Er war eine der ersten Dinge gewesen, die sie nach ihrer Verdrängung gesehen hatte. Sie hatte Geschichten aus den anderen Welten gehört. Sie wusste, dass es mit dieser Stadt zu Ende ging. Vielleicht sogar mit dieser Welt. Eine weitere Verbindung zwischen ihrer alten Welt und der Stadt Dis würde - vermutlich für immer - verschlossen werden.
Tränen rannen ihre Wangen herab. Sie hätte gern geholfen, doch sie konnte nicht. Sie war zu schwach. Sie war immer zu schwach gewesen. Hilflos beobachtete sie, wie erste Regung in das Wesen kam. Wie beiläufig Gebäude unter dem Druck der zwölfbeinigen Kreatur zusammenfielen. Wie es spielerisch Verteidigungsanlagen der Stadt zur Seite wischte. Wie mächtigere Geister als sie selbst, die im Dienst der Stadt standen, wieder und wieder verdrängt wurden und sich verzweifelt gegen das Monstrum warfen.

Alles war umsonst.
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