Hallo zusammen,
ich folge dem Indie-Spieleentwickler Cezar Capacle und kratze mich, ob seines jünsgten Projekts etwas am Kopf:
Mit Triple-O läuft gerade sein bislang erfolgreichstes Crowdfunding. Dabei geht es um ein Werkzeug, das es einem erlaubt beliebige Settings und Abenteuer solo zu spielen und dabei die Rolle der Spielleitung zu übernehmen. Das Werkzeug emuliert dabei die Spielenden. Man spielt also solo als SL.
Das ist originell, aber damit hört es für mich auf. Solo spielen ist generell nicht mein Ding und gerade die Interaktion mit und der Input von Spielenden macht für mich den Reiz beim Rollenspielen aus. Aber offenbar gibt es eine Reihe von Leuten, die das Konzept interessant finden und es unterstützen.
Wie findet ihr die Idee endlich in Ruhe eure Geschichten leiten zu können wie ihr wollt, ohne dass euch ständig Spielende einen Strich durch die schönsten Plots machen? 
Ein interessanter Ansatz, aber trifft eher nicht meinen Geschmack.
Wenn ich eine Geschichte ohne reale Spielende "leiten" will, schreib ich eine Geschichte. (Dabei entwickeln die Figuren häufig schon ohne Zufallsprinzip ein gewisses Eigenleben).
Beim Solo-Spielen liegt für mich der Reiz genau im Umgekehrten: dass ich dem Charakter Leben einhauche und auf die Herausforderungen, mit denen die Spielmechanik die Figur konfrontiert, reagiere.
Solo-Spiele sind für mich kein Ersatz für Mehrspieler-Rollenspiele, sondern eine Alternative zum Schreiben von Geschichten.
Wenn ich eine Kurzgeschichte oder einen Roman schreibe, schreibe ich nicht einfach drauf los, sondern plotte ich die Handlung, um sicherzustellen, dass Handlungsablauf/Konflikteskalation/etc optimal umgesetzt sind. Dann erst wird geschrieben und wenn die Rohfassung fertiggeschrieben ist, startet der eigentliche Aufwand: das Überarbeiten, um die Geschichte "marktfähig" zu machen.
Wenn ich hingegen einfach drauf losschreiben will und mich überraschen lassen will, wie sich die Geschichte entwickelt, greife ich zu Solo-Rollenspielen. Das ist für mich die entspannteste Art zu schreiben: Kein plotten, kein überarbeiten, kein Druck, "gute Qualität" abliefern zu müssen (und als Folge keine Schreibblockade), keine Gedanken über das Schreibhandwerk, sondern einfach völlig ungezwungen drauf losschreiben und die Kontrolle über die Entwicklung der Geschichte an den Zufall (Spielmechanik) abgeben. Solo-Spiele vereinen für mich somit das beste des Schreibens (Schreibfreude, Einfluss auf die Geschehnisse, eigene Ideen völlig frei und ohne Rücksichtnahme auf andere Menschen umsetzen können) mit dem besten des Lesens (Überraschen lassen, wie sich die Geschichte entwickelt), stehen aber nicht in Konkurrenz mit klassischen Mehrspieler-Rollenspielen, da diese für mich einen völlig anderen Zweck erfüllen (soziale Interaktion, gemeinsam eine Geschichte erschaffen)