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Autor Thema: [SR6] Fremde Welten  (Gelesen 4475 mal)

Avalia

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  • 07. April 2021, 23:34:00
Kapitel 2: Im Disseits I
« Antwort #15 am: 07. April 2021, 23:34:00 »

Stimmung

Er zog den Helm zurecht, sprühte die Ränder mit einer Blumenbrause ab und ließ die Versiegelung beide Teile verbinden. Im Spiegel prüfte er den Sitz der Elemente, ehe der junge Mann den großzügigen Kragen hochklappte und auf die große Uhr hier im Hauptraum schaute. Nur noch ein paar Minuten bis zu ihrer Ankunft. Er kniff die Augen zusammen, rieb vorsichtig über den Bereich der Panzerung, der seine rechte Niere bedeckte und verzog für Außenstehende unsichtbar das Gesicht. Nicht mehr lange.
Die ersten Schritte in der Panzerung waren wie immer ziemlich anstrengend. Er hinkte ein wenig auf dem rechten Bein und stolperte beinahe die Stufen zur Ausgangstür hinauf. Nach einer weiteren Versicherung, dass die Zeit gekommen war, öffnete er die Tür und geifernde Krallen aus schwarzgrauem Rauch kamen ihm entgegen. Hastig schloss er die Tür hinter sich und ging weiter.

Nach ein paar Schritten verließ er den Windschutz des Hauses und die immerwährenden Böen der Stadt Aeryllia umfingen ihn und versuchten ihn einfach mitzureißen. Er hatte merkliche Mühe ihm standzuhalten und stolperte in Richtung seines Ziels. Ein paar Augenblicke später, als das Gefühl jeden Moment zu fallen verging, griff er in die Tasche seiner Uniform und holte die Glovi heraus. Glovi waren technische Geräte mit der Größe eines Handballs. Sie besaßen zahlreiche Lücken und Kanäle, in denen der Druck des Windes auf die Membran zur Energieerzeugung genutzt wurde. Elektrisches Licht funktionierte in die dieser Welt nicht, aber er hatte sich schnell an sie gewöhnt und folgte dem türkisfarbenen Licht seines Wegführers durch die zahllosen Gassen der Stadt.

Als er sich der Innenstadt näherte, bemerkte er die Gestalt einer Wölfin, die schweigend neben ihm herlief. Er blieb stehen, streckte die Arme behutsam nach ihr aus und ließ Magie durch beide strömen. Ein paar Augenblicke später vernahm er ihre brummenden Gedanken: "Puan, heute ist der Tag der Abreise. Wo sind all' deine Sachen?
Er besah sie einen Augenblick nachdenklich, als würden ihm Teile ihrer Kritik erst jetzt und nicht schon damals in seiner Wohnung deutlich werden, doch die Gedankenbrücke trug lediglich ein Lachen zur Wölfin: "Im Haus. Es ist noch eine Weile gemietet und du meintest, dass sie heute ankommen. Sie sind viel zu schwer in meinem Zustand und ich kann die edle Boudicca doch nicht zu meiner Lastenträgerin machen." Ein kurzes Brummen antwortete ihm in Gedanken, ohne klare Abneigung oder Wohlwollen zu suggerieren.

"Ich bringe dich zum Tor, zur Not auf meinem Rücken, du gibst mir meine Münze und danach bist du auf dich allein gestellt." Gespielter Trotz klang in ihrer Stimme mit, doch sie ließ sich ein paar Schritte zurückfallen, damit er ihre mitleidigen Blicke nicht sehen konnte.

Das konnte doch kein gutes Ende haben.
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  • 07. April 2021, 23:34:26
Kapitel 6: The Very Last One On Earth
« Antwort #16 am: 07. April 2021, 23:34:26 »

Stimmung

Platschen, erneutes Platschen, dann eine längere Pause, dann ein weiteres Platschen. Das Wasser stand ihr bis über die Knie hinweg und sie schleppte sich mit dieser jungen Frau auf dem Rücken weiter.

Vor vier Tagen war sie aufgewacht, am Arm mit Handschellen an die Rohre eines alten Heizungskellers gefestigt, während die Frau ihr immer wieder in einer hart klingenden Sprache gut zugeredet hatte. Mittlerweile war die ukrainische Sprache wieder in ihrem Gedächtnis aufgetaucht, doch das martialische Äußere der Frau und der Anblick von drei Personen, die man scheinbar bei lebendigem Leibe auseinander gerissen hatten, hatten sich über alle Grenzen hinweg in die Bewusstlosigkeit zurückgetrieben.

Als sie das nächste Mal zu sich gekommen war, hatte die Frau sich als Tanya Petroi vorgestellt und ihr einen kurzen Überblick gegeben: Sie selbst, Larka Bielas, hatte die junge Frau aus einem Höhlensystem befreit. Ihre Erinnerungen gaben das ebenso wenig her wie andere Erinnerungen. Sie erinnerte sich einzig an eine Stadt voller Rauch und Nebel, gellende Schmerzensschreie und daran, dass sie einen mächtigen Freund hatte, der sie niemals im Stich lassen würde. Beide Frauen waren gemeinsam durch das Land gereist, auf der Flucht vor Verfolgern, deren Motivation sie nicht herausbekamen, weil sie die hiesige Sprache nicht verstanden, aber deren Zahl groß, wenigstens dreistellig zu jeder Zeit, sein musste.
Die Erinnerung vor vier Tagen, so erzählte Tanya, stammte aus der Zeit, wo sie während Tanyas Erkundungen gefunden worden war. Schlaftrunken hatten einige Betäubungsgranaten ihr das Licht ausgeknipst und Tanya hatte sich bei ihrer Rückkehr des Problems angenommen. Ihr Schädel brummte immer noch, wenn sie versuchte die verworrenen Ereignisse in irgendeine sinnvolle Reihenfolge zu bringen.

Vor ein paar Stunden hatten sie Tanya ausgeschalten. Es waren doch Stunden, oder? Ein halbes Dutzend Jeeps, jeweils mit Fahrer und Bordschütze, hatten sie zusammen getrieben und unter dem Sperrfeuer der Sturmgewehre war Tanya zusammengebrochen. In diesem Moment brüllte etwas primitives, beinahe urtümliches in ihr auf. Als sie wieder klare Gedanken fassen konnte, steckten Glassplitter in ihrer Kleidung und sie trug Tanya irgendeine Hauptstraße einer Stadt hinunter.

Dieselbe Straße, deren Ende sie bald erreichen würden. Große Teile der Stadt waren bei einem Luftbombardement zerstört worden. Aber vielleicht, nur vielleicht gab es irgendeine Möglichkeit hier herauszukommen.

Als ihre Beine wieder einmal nachgaben, schaute sie flehentlich zum Himmel, verwischte Tränen und Dreck in ihrem Gesicht und brüllte: "Warum lässt ihr mich schon wieder allein?"
« Letzte Änderung: 08. Mai 2022, 15:52:19 von Avalia »
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  • 14. April 2021, 22:13:20
Ausklang Kapitel 2: Im Disseits I
« Antwort #17 am: 14. April 2021, 22:13:20 »

Stimmung

Müde schleppte sich Bodvica an die Spitze der Klippe und versuchte die klaffende Wunde an ihrer Bauchseite zu bedecken. Es war nicht das erste Mal, dass sie verdrängt worden war. Aber es war das erste Mal, dass sie an einem Ort wieder aufwachte, dessen baldiges Ende sie spüren konnte. Kraftlos brachen die Beine unter ihr hinweg,  umklammerten die Arme das spitz zulaufende Gestein, glitt der Kopf über die Kante. Ein wenig Blut tropfte von ihrem Kinn, während die Augen den Kilometer durchmessenden Talkessel abmaßen, in dem sich ihre Heimatstadt, Aeryllia, befand.
Sie hasste das, was im Laufe der Jahrtausende aus dieser Stadt geworden war. Seit ihrem Tod bei Londinium, an dessen Details sie sich nicht wirklich erinnerte, waren beinahe einhunderttausend Jahre vergangen. In den ersten Jahren war ihr die Stadt wie ein Wunderwerk der Technologie vorgekommen: Sich bewegende und gar fliegende Aufbauten, eigenständig bewegende Maschinen und Körperteile aus Metall und Zahnrädern, die Versehrten ein besseres Leben ermöglichten. Doch Aeryllia hatte sich verändert. Im Laufe der Jahrtausende hatten sie immer noch Dinge entdeckt, Bodenschätze wie Kohle besser einzusetzen verstanden und heute lag die Stadt im Kessel unter einer milchig wirkenden Glocke aus schlechter Luft. Doch darum ging es heute nicht.

Darum war es nie gegangen.

In der Stadt unten stand einer der Wächter. Eine Kreatur von ihnen, beinahe zwanzig Meter groß und damit deutlich größer als die meisten Gebäude der Stadt. Regungslos hatte er seit seinem Auftauchen vor ein paar Tagen verharrt. Er war eine der ersten Dinge gewesen, die sie nach ihrer Verdrängung gesehen hatte. Sie hatte Geschichten aus den anderen Welten gehört. Sie wusste, dass es mit dieser Stadt zu Ende ging. Vielleicht sogar mit dieser Welt. Eine weitere Verbindung zwischen ihrer alten Welt und der Stadt Dis würde - vermutlich für immer - verschlossen werden.
Tränen rannen ihre Wangen herab. Sie hätte gern geholfen, doch sie konnte nicht. Sie war zu schwach. Sie war immer zu schwach gewesen. Hilflos beobachtete sie, wie erste Regung in das Wesen kam. Wie beiläufig Gebäude unter dem Druck der zwölfbeinigen Kreatur zusammenfielen. Wie es spielerisch Verteidigungsanlagen der Stadt zur Seite wischte. Wie mächtigere Geister als sie selbst, die im Dienst der Stadt standen, wieder und wieder verdrängt wurden und sich verzweifelt gegen das Monstrum warfen.

Alles war umsonst.
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  • 04. Juli 2021, 15:37:59
Kapitel 3: Nur dein Bestes
« Antwort #18 am: 04. Juli 2021, 15:37:59 »

Stimmung

Sie rückte den Stoff um ihren Kopf zurecht und das hauchfeine Netz an UV-abweisenden Stoffen folgte und bildete den erwarteten Schleier vor ihrem Gesicht. Najida sah hinab in die Straßenschluchten und schüttelte den Kopf. Sonnenuntergänge waren nur dann schön anzusehen, wenn es etwas zu sehen gab. Ein weiterer verschwendeter Morgen. Aber die Schuldigen würden ihre Rechnung bezahlen.

Die Worte des gestrigen Meetings waren ihr noch sehr lebendig im Kopf. Jemand hatte viel Geld in die Hand genommen, um sein persönliches Glück zu realisieren. Eine halbe Million Budget für ihre Operationen sprach von wahrscheinlich dem Zehnfachen für ihre Organisation. Wochen der Nachforschung waren vergangen und sie konnte guten Gewissens davon sprechen, dass sie auf ihre Ziele gut vorbereitet war. Nicht jedes ihrer Ziele gefiel ihr, aber das spielte keine Rolle.

Für den Anfang würden Kleinkriminelle reichen müssen.

Außer für den Japaner.

Da sollten Profis ran.
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  • 04. Juli 2021, 15:38:20
Kapitel 3: Nur dein Bestes
« Antwort #19 am: 04. Juli 2021, 15:38:20 »

Stimmung

Willkommen, Weberin.
Außergewöhnliche Motivationsparameter festgestellt.
Circe-Matrix wird gefestigt.
Divergenzen im Aeryllia-Modul normalisiert.
Odysseus-Navigationsmodul wird initialisiert ... ... ... ... Fehler.


Kichernd strich Iris sich einige ihrer goldenen Strähnen aus dem Gesicht. Die Maschine! Sie hat einen Fehler! Darauf wartete sie seit Jahrtausenden. Ihr Plan schien zu funktionieren. Hastig tanzten ihre Finger über das Gewebe auf der Suche nach einer Entdeckung, die schon Jahre zurücklag. Ihre Finger betasteten das winzige Loch im Gewebe. Es war so anders als die anderen Stellen. Schob sie selbst Fäden zur Seite, so entstand zwar auch ein Loch, eine Leerstelle, aber es war nicht wirklich ein Loch. Hier jedoch war es anders. Überquellende Dunkelheit, ihre Dunkelheit hatte hier ihren Anfang genommen.

Sie lehnte sich vorsichtig gen Loches und erschrak angesichts des Lichtes und der Farbenpracht. Der Feldzug ihrer Partner in den vergangenen Wochen und Monaten hatte sie davon entwöhnt. Die triste und trübe Stadt Dis war nie sonderlich farbenfroh gewesen, aber seit jenen Tagen war kaum noch mehr als grauer Stein in grauen Aschenwolken zu sehen. Mehrfach blinzelnd schaute sie erneut durch das Loch und grinste unverhohlen. Das war keine der Nachbarwelten der Ersten Stadt. Doch sie besaß eine längst vergangene Erinnerung. Fünfhundert Jahre mochten vergangen sein. Wie war es noch gewesen? Die Bewohner dieser Welt hatten die Erste und Letzte Stadt aus ihrer Welt getilgt. Sie hatten das Zeitalter der Magie ihrer Welt beendet.
Diese Dummheit hatte sie jedoch nicht davon abgehalten in den kommenden Jahrhunderten wieder und wieder jemanden in diese Welt zu verlieren. Ein jeder von ihnen ein Faden im Gewebe, im Vlies vor ihr. Einen Augenblick tasteten ihre Sinne durch den Spalt in diese Welt. Sie fühlte sie Bewohner, durchdrang jeden Einzelnen für den Bruchteil eines Augenblicks. Sie litt und lachte mit ihnen. Sie spürte durchlebte ihre Vergangenheit und erlebte ihre Zukunft. Nichts davon rührte sie auch nur im Geringsten.

Was waren sieben oder acht Milliarden Opfer, wenn so viel mehr auf der anderen Seite stand.

Sie lehnte sich zurück in ihren Schaukelstuhl und nickte zufrieden. Ihre Finger erschufen Realität, die sich mit längst getroffenen Entscheidungen verband und sinistre Kinder gebar.

Nyx-Anomalie festgestellt.
Hekate-Würfel wird entfaltet.
Odysseus-Navigationsmodul wird initialisiert ... ... ... ... Fehler.


Siegesgewiss hatte sie den erneuten Systemfehler abgewartet, sprang nun auf und drückte das schleimige, schwarzgoldene Gebilde in ihrer linken Hand in das Gewebe hinein. Wie lebendig schlangen sich schleimige Ärmchen um einen einzigen Faden, während sie den Großteil der verbleibenden Masse in Richtung des wieder entdeckten Loches zog. Ihre Schöpfung schien mit jedem Ruck schwerer und widerspenstiger zu werden. Schließlich schloss sie die Augen, um sich gegen die grellweißen Buchstaben in ihren Sichtfeld abzuschirmen:

Eris-Protokoll fehlgeschlagen.
Vorhang der Ewigen Nacht wird aufgefächert.
Start der Chaos-Kerne wird vorbereitet.
Tartaros-Ankerpunkt wieder wiederhergestellt.
Rücksetzung der Gaiasphäre wird eingeleitet.


Wut und Widerwille brandeten auf. Das war nicht ihr Ziel gewesen! Panisch blinzelnd riss sie die Masse von den Fäden fort. Jener eine Faden folgte der Masse und riss mit einem kaum hörbaren Laut, um sich aus eigenem Antrieb wieder mit der Gesamtheit zu verbinden. Handgesten machten die Teile der Realität ungeschehen, die einen zunehmend kleineren Knoten in ihrer Hand formten. Die Fortschrittsbalken der Prozesse hörten nicht auf zu wandern. Nach einigen sinnlosen Versuchen kam ihr schließlich die rettende Idee. Sie riss sich den Helm vom Kopf, verließ den Schaukelstuhl und hastete in Richtung der Eingangstür. Unwillkürlich kauerte sie sich ein wenig zusammen und wartete einen Augenblick mit angehaltenem Atem.

Nichts passierte.

Unsicher hob sie den Blick. Dann hörte sie schwere Schritte die Stufen herunterkommen. Tief schluckend setzte sie sich den Helm auf, während sie in den Schaukelstuhl fallen ließ. Sie begann das Nachrichtenprotokoll zu bereinigen, strich die Unordnung der Fäden ein wenig glatt, beruhigte ihre Atmung und hinterließ alles in bester Ordnung.

Der schwarze Tropfen, der über den Rand des Loches in jene Welt entkam, übersah sie jedoch.
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Kapitel 4: Im Disseits II
« Antwort #20 am: 04. Juli 2021, 15:38:49 »

Stimmung

Die Tür schloss sich beinahe geräuschlos hinter ihm und Andrei strich die Falten seiner Anzughose glatt. Der Außenflur dieser Konzerneinheit war nicht einmal drei Meter breit und er blickte auf den Moloch herab, der seit dem sechsten Lebensjahr seine Heimat war. Amsterdam, die größte und verkommenste Vergnügungsmeile der Welt, breitete sich unter ihm bis zur toxischen Nordsee in alle Richtungen aus. Einzelne Bojen auf dem, was früher das Eiselmeer gewesen war, lockerten die endlose Schwärze des Horizonts auf und langsam beruhigte er sich wieder.

Seine Tante hatte ihn herausgeschickt. Ein einziger, kurzer Blick in seine Richtung, offensichtliche Abscheu und sie hatte ihm klar gemacht, dass er dem Gespräch nicht weiter beiwohnen solle. Was konnte er dafür, dass diese Schlange so ... gut aussah? Ihre Kleidungsstil war exotisch, ihre Rundungen gefielen ihm und warum dachte er darüber überhaupt nach? Frustriert strich er ein weiteres Mal seine Anzughose glatt und begann seinen Sicherheitscode einzugeben.

Als die Tür sich öffnete, war seine Tante allein im Büro. Antonia lächelte ihrem Neffen zu und deutete auf dem Platz vor ihrem Schreibtisch. Er zog sich einen Stuhl heran und wartete, was sie zu sagen hatte. Sie sprach über den Erfolg der Verhandlung, ließ sich beiläufig darüber aus, wie wenig hilfreich er wäre, gab ihm ein paar weitere Aufgaben zu erledigen und beschrieb die Leute, die er dafür anheuern sollte.

Er nahm es stoisch und gelassen hin. Man erlebte nicht jeden Tag die Geburtsgeschichte einer Landmasse mit.
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  • 11. Juli 2021, 22:52:19
Kapitel 6: The Very Last One On Earth
« Antwort #21 am: 11. Juli 2021, 22:52:19 »

Stimmung

Rufus Harding blickte auf fünfzehn Jahre Dienstzeit zurück. Er hatte seinem Mutterland, dem Vereinigten Königreich Großbritannien, einige Jahre gedient und war Mitte der 2070er zu Leviathan Inc. in der Hoffnung dort durch ein paar Freunde ein wenig Karriere zu machen und irgendwann die Feldeinsätze im Ausland gegen familiäre und repräsentative Pflichten einzutauschen. Wenige Jahre später, 2077, hatte man ihm zwar nicht die erhoffte Beförderung, aber zumindest eine Tätigkeit im Umfeld der Stadt Monaco angeboten. Er sollte eine kleine Einheit führen, die sich um wertvolle Assets des Konzerns kümmerte. Rückblickend hätte er damals misstrauisch werden sollen, aber er nahm an und er wähnte sich glücklich, bis er Asset 08X4 kennen lernte.

Damals war Asset 08X4, bürgerlicher Name Aneta Bielas, das lebendige Aushängeschild des Konzerns, dass das Spielen ihres Kernproduktes Leviathan tatsächlich Menschen reich machen konnte. Der Weltöffentlichkeit unbekannt litt diese Frau allerdings auch an mehr als einem Dutzend unterschiedlicher Krankheiten, die zwei Gemeinsamkeiten hatten: Sie waren nicht ansteckend und bis zum heutigen Tage unheilbar. Rufus hielt sie bis zum heutigen Tag für den Fleisch gewordenen Alptraum eines jeden Personenschützers und verwendete gefühlte achtzig Prozent seiner Arbeitszeit nur auf Organisationsmaßnahmen, die 08X4 betrafen.
Ihr Transport erfolgte normalerweise in einer Biokapsel, die in einem Stepvan wenig Raum für weitere Personen ließ und gemäß Konzernanweisungen war sicher zu stellen, dass der Katalog an lebensnotwendigen Medikamenten minutengenau verabreicht wurde und ihre Matrixverbindung zu keinem Zeitpunkt auch nur für Sekunden abriss. Dank dieser Aufgabe waren Rufus' einziger Lichtblick im Leben jene Tage im Jahr geworden, die 08X4 tatsächlich offline zu ausführlichen Untersuchungen verbringen musste.

Diese Zeit war für dieses Jahr leider um.

~~~

Seit drei Stunden hielt er mit seiner Einheit eine Videokonferenz. Anspannung im Blick und in der Körpersprache war spürbar. Es war nie ein Problem gewesen, dass sieben Personen einen Katalog von mehr als dreißig Assets beschützten, doch heute ging die Welt unter. Harding hatte um Unterstützung gebeten, doch sein direkter Vorgesetzter war über das Wochenende im Urlaub, anderweitig nicht erreichbar und Antworten von höheren Stellen ließen auf sich warten. Seine Leute waren ihren veränderten Aufgabenlage überfordert und instruierten Konzernsicherheit die einzelnen Vorfälle zu untersuchen, während sie hier in ihrer kurzfristig errichteten digitalen Kommandozentrale alle Spuren dieses offensichtlich konzertierten Angriffes zusammenwarfen.
Rufus hörte seit einigen Minuten nicht mehr wirklich zu. Ein kurzer Anruf im Komplex hatte ihm zumindest eine der vorliegenden Informationen bestätigt: Die Kapsel von 08X4 konnte derzeit nicht dorthin überführt werden. Der Transport in das nächste größere Rechenzentren von der Klinik aus würde in drei Stunden beginnen.

Sichtlich genervt stellte er die gesamte Konferenz stumm und knurrte:

»Das ist das dritte und letzte Mal, dass ich frage: Wer kümmert sich um die Sicherheit in Amsterdam?«
« Letzte Änderung: 08. Mai 2022, 15:53:14 von Avalia »
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Kapitel 4: Im Disseits II
« Antwort #22 am: 13. Oktober 2021, 17:09:31 »

Stimmung

Unruhig verlagerte sie ihr Gewicht von einer Stelle auf die andere. Irgendetwas störte sie. Nabla war es nicht gewohnt, dass sie nicht meditieren konnte. Ihre Finger glitten über den Stein, suchten nach Unebenheiten, fehlenden Elementen oder ... etwas anderem. Sie mochte Veränderung nicht und dennoch hatten sie ihre Befähigungen sie dazu ausersehen für ihre Art und ihre Siedlung nach der stetigen Änderung des Wetter zu sehen.

Bereits in den ersten Tagen vor ... langer Zeit hatte sie die Aufgabe mit einem resignierten Lächeln angenommen. Khusak besaß kein wirkliches Wetter. Nur Sand und Felsen und Hitze und manches Mal ein wenig Wind. Selten einmal kamen starke Winde auf, doch ehe sie diese spürte, hatte jemand anderes sie längst den Bewohnern ihrer Heimatstadt, Diyge verkündet.

Sie lief zwei Runden um ihren Stein, den sie normalerweise für die Meditation verwendete, setze sich erneut und versuchte zur Ruhe zu kommen: Es funktionierte einfach nicht. Jedes Mal, wenn sie ihren Geist auf die Manaströme der Umgebung einlassen wollte, war dort irgendetwas, dass sie störte. Etwas Großes, etwas Unbekanntes, etwas ... Fließendes? Sie kannte es nicht und konnte es nicht einordnen. Etwas beklommen blickte sie von Horizont zu Horizont. Hatte sie ihre Gabe verloren? Sie war doch das Einzige, was sie ausmachte. Würden die Älteren sie verstoßen? Sie wollte nicht aufhören zu sein!

Irgendetwas zwischen Angst um sich selbst und Sorge vor dem, was sie spürte, drückte sie schließlich nach oben und sie sprang über die Kante, befestigte sich mehrere Male kurz am Gestein, um ihren Fall zu bremsen und donnerte schließlich auf den kiesigen Boden. Kurze Zeit später stand sie am Tempel von Huxi. Sie war nicht die Einzige. Viele der anderen Shitou standen ebenfalls hier, ratlos und ein wenig unschlüssig, ob sie mit der Priesterschaft über ihre Wahrnehmung sprechen sollten. Nach nur wenigen Augenblicken gab sie sich einen Ruck und stieg die Tempelstufen hinauf. Zwei der massiven Wachen stellten sich ihr in den Weg und der fragende Blick war eindeutig.

»Eine Flutwelle kommt! Sie wird die Siedlung unter sich begraben!«

Lachen der beiden Wachen antwortete ihr, doch die anderen Shitou blieben still.

Der ganze Platz war still.

Ohne eine einzige Wolke am Himmel begann es zu regnen...
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  • 08. Mai 2022, 15:53:55
Kapitel 6: The Very Last One On Earth
« Antwort #23 am: 08. Mai 2022, 15:53:55 »

Stimmung

Unsicher sah Larka Bielas in die Tiefe. Vermutlich waren die vier aufgerissenen Stockwerke vor ihr einmal Kellergeschosse gewesen. Sie nickte Tanya Petroi zu und bewachte deren Abstieg gegen die Umgebung. Sie verstand nicht, was hier vor sich ging. Sie hatten in den letzten Tagen Kreaturen getroffen, die es auf der Erde nicht geben sollte. Metergroße Krabben mit schillernden Panzerstrukturen, mehrere Meter durchmessende Spinnen mit spindeldürren Gliedmaßen und mitten unter ihnen ein Mann, der sich nach der Tötung seiner Tiere als Karl Magnusson vorgestellt hatte. Sie war sich nicht sicher, was sie von dieser Aussage halten sollte. Als er von seinen Tieren sprach, hatte er wohl auch die Menschen gemeint, die teilweise von Schalen und Panzern überwuchert gewesen waren. Sie, alle, waren nun tot.

Sie hing noch ein paar Augenblicke den letzten Tagen nach, als Tanyas Ruf sie aufschrecken ließ. Sie war unten angekommen. Mit grazilen Bewegungen nahm sie Stockwerk um Stockwerk und mit dem vierten Poltern und Brechen von Beton beim Abrollen sah sie zu ihrer Weggefährtin, dann zu dem beinahe sechs Meter durchmessenden Ring aus Flammen auf dessen anderer Seite eine ausgebrannte Ebene, von roten und schwarzen Adern durchzogen, zu sehen war. Sie hob eine Münze, sah zu Tanya und hob die Mundwinkel zum schwachen Anflug eines Lächelns: "Wie versprochen, Tanya, Kopf oder Zahl?"

"Kopf."

Larka nickte, warf die Münze und hielt sie ihr hin. "Zahl. Du gehst vor." Beide, durch die Qual der letzten Zeit zu Freundinnen geworden, starrten sich einen Augenblick stillschweigend an, ehe Tanya sich zu den Flammen drehte. Ein kurzes Nicken zu sich selbst, dann sprang sie in langen Sätzen zwischen die beinahe allgegenwärtigen Flammen und zu jenem Portal. Quälend lange Augenblicke folgte Larka ihr besorgt mit dem Blick, ehe sie schließlich das Portal erreichte.

In diesem Moment schoss ein Schmerz durch ihren Körper, der sie den Nacken rückwärts überstrecken ließ und jegliche Luft aus ihren Lungen trieb. Sie verkrampfte sich und versuchte gegen das, was mit ihrem Körper geschah, anzukämpfen. Augenblicke später fühlte sie sich ... größer. Schwerer. Mächtiger. Der Blick auf ihre Krallen, ihre schuppenbewehrten Arme, die Ränder ihrer Flügel, nichts davon beunruhigte sie im Geringsten. Sie verstand nichts, aber sie wusste, dass alles seine Richtigkeit hatte.

~~~

Anderenorts ...

... fiel Iris mit Freudentränen in den Augenwinkeln aus dem Stuhl der Weberin. Sie hatte es nicht für möglich gehalten.

Aber die Menschen hatten sie von ihrem Versprechen erlöst.

Von ihrer Knechtschaft.

Von der Ewigkeit.
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  • 08. Mai 2022, 15:54:27
Ausklang Kapitel 3: Nur dein Bestes
« Antwort #24 am: 08. Mai 2022, 15:54:27 »

Stimmung

Palani Durand lächelte seinem Spiegelbild zu. Er strich mit den Fingern beinahe zärtlich über die Kamera, betrachtete die riesige spiegelnde Wand vor sich und dachte nicht über die Menschen nach, die ihm möglicherweise durch diese Wand zusahen. Er öffnete seinen Geist, entspannte sich und fokussierte sich für einen Augenblick auf das Lächeln in seinem Gesicht.

"Ich bin leicht.", begann er beinahe mantraartig, "Ich habe mich von allen Fesseln gelöst, die mich zurückhalten. Ich habe mich von allem Gewicht befreit, das mich zu Boden ziehen oder aufhalten will. Ich bin leicht." Er atmete tief ein und der verzückte Ausdruck auf seinem Gesicht machte deutlich, dass es nicht nur gewöhnliche Atemluft war, die hier den Weg in seinen Körper fand. Ruhig knöpfte er sein Hemd auf und besah für einen Augenblick das Becken im Zentrum des Raumes.

"Ich kenne mein Ziel.", setzte er fort, während er sich mit den Händen durch das Gesicht wischte, "Ich habe dem entsagt, was mich von meinem Weg abbringt. Ich bin bereit zu konfrontieren, was immer sich in meinen Weg stellt. Ich kenne mein Ziel."
Lächelnd schob er die dunkle Rasierklinge vor dem Spiegel mit den Fingerspitzen zur Seite und schüttelte innerlich den Kopf. Über solche Hilfsmittel war er lange hinaus. Das Zittern und Zucken der Schatten im Raum irritiert ihn schon länger nicht mehr.

"Ich habe den freien Willen.", intonierte er beim Öffnen der Schuhe, "Ich habe die Ziele der Anderen verstanden, doch ich allein treffe meine Entscheidungen. Ich kenne meine Wünsche und sie sind mein Wunsch allein. Ich habe den freien Willen." Dunkelheit schmiegte sich wie warmes Leder an seine Arme und er ließ sie gewähren. Er mochte das Gefühl, doch in diesem Augenblick spielte es keine Rolle. Er konnte es sich nicht leisten Gedanken daran zu verschwenden.

"ich scheide Wahrheit und Trug.", schüttelte er den Kopf und setzte sich an den Rand des Beckens, "Ich habe gelernt die Wahrheit aufzunehmen und zu verinnerlichen. Ich habe gelernt die Lügen zu erkennen und sie wie Gift auszuscheiden. Ich scheide Wahrheit und Trug." Der Rest seiner Kleidung schien sich wie von selbst in dem dunkler werdenden Raum aufzulösen. Stattdessen traten dunkle, arkane Linien an ihren Platz.

"Ich durchschreite Licht und Dunkel.", schrie er gegen den dämpfenden Effekt der Dunkelheit an, "Denn es ist das Licht, das meine Seele zerreißt und die Dunkelheit, die mich wieder und wieder gebären wird." Statt die Worte zu wiederholen sprang er Kopf voran in das Becken, welches sich beinahe zur Gänze mit einer tiefroten Flüssigkeit gefüllt hatte. Im Nebenraum, hinter dem Spiegel blinzelten die anwesenden Forscher verdutzt, ehe der Älteste von ihnen eine Kurzwahltaste betätigte: "Direktorin Klein, McGordon hier, Forschungssubjekt D. Dem Subjekt ist es erfolgreich gelungen eine Verbindung nach Akasha aufzubauen."

~~~

Anderenorts ...

... erstarrte Iris in der Bewegung und wischte sich die Freudentränen aus dem Gesicht, während kalter Schweiß ihren Rücken herunterlief.

Das ... war ... unmöglich. Menschen konnten so etwas nicht tun.

Was bedeutete das?
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Kapitel 5: La Famiglia Martinez
« Antwort #25 am: 08. Mai 2022, 15:55:07 »

Stimmung

Michele kniff die Augen zusammen und sah dem Businessrock der Frau nach, die sein Arbeitszimmer verließ. Monatelange Bemühungen hatten sich ausgezahlt. Seine Pläne gingen in die nächste Phase über. Noch nicht die letzte, aber zumindest eine weitere Phase. Schmunzelnd wählte er die Nummer Sofias auf der AR-Tastatur und wartete einen Augenblick.

"Unsere Freunde aus Sizilien haben angerufen. Sie haben mein Angebot angenommen. Aber sie haben ihre Unterstützung an ein paar Bedingungen geknüpft. Zwei Bedingungen, um genau zu sein." Er wartete ihre Rückfragen ab, nickte tonlos, während ihm ein Cappuccino auf den Tisch gestellt wurde. "Ja, genau wie erwartet. Ja, Gasperi. Nein, das ist nicht absehbar, aber sie ist intelligent genug diese Entscheidung zu treffen. Und falls nicht, liefert sie dennoch einen Grund."

Um ihn herum wurde es dunkel. Das war das vierte Mal heute. "Ja, hier ist auch gerade wieder der Strom ausgefallen. Nein, das Komitee hat immer noch keine öffentliche Stellungnahme von sich gegeben. Ich habe dir ja gesagt, ich rufe sie gleich an. Und du kümmerst dich endlich um den Jungen." Ohne eine weitere Antwort abzuwarten, legte er auf, zog Cappuccino und Gebäck heran und genoss das Leben für einen Augenblick.

Dann rief er Amelie an.
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  • 08. Mai 2022, 15:55:52
Intro Kapitel 7: Im Disseits III
« Antwort #26 am: 08. Mai 2022, 15:55:52 »

Stimmung

Die Wolke aus Asche begann unmittelbar nach dem Verlassen des Portals abzukühlen und graue Flocken landeten überall. Ein Mann trat durch das Portal und pulsierende Hitzewellen begleiteten jeden seiner Schritte. Mit einem Lächeln hob er die Hand zur Stirn besah die Stellungen in wenigen hundert Metern Entfernung. Eine knarzende Stimme erklang aus einem Megaphon: "Karl Magnusson, lassen sie sofort alle Waffen fallen und stellen sie die Kampfhandlungen ein. Sie erhalten einen fairen Prozess vor einem Kriegsgericht." Düsteres Lachen antwortete, als er zwei Schritte vorwärts machte und das Sturmgewehr fallen ließ.

Unterdessen waren zwei weitere Gestalten aus dem Portal getreten: Nackte Gestalten von der Größe eines Trolls mit aschfarbener Haut und dem Körperbau von Dryaden. Eine der beiden nackten Gestalten war ein junger Mann von ebenmäßiger Statur, in dessen Händen die Ascheflocken Bogen und Köcher formten. Die Frau neben ihm schien desselben Alters zu sein und teilte seine Waffenpräferenzen hinsichtlich Bogen und Köcher. Der angesprochene Mann hingegen sah ein wenig genervt zu den Aschezwillingen und rollte mit den Augen:

"Apollon, Artemis, ihr habt mir Belagerungsgerät versprochen."

Die Zwillinge nickten und sahen einander grinsend an und schossen in unfassbarer Geschwindigkeit Pfeile in den Himmel, denen eine große Rauchfontäne folgte. Die feindlichen Kräfte eröffneten das Feuer und ... die Temperatur nahm zu. Das zuvor knöcheltiefe Wasser begann zu brodeln und der heiße Wasserdampf gesellte sich zum Rauch, bis Sicht vollkommen unmöglich wurde.

Als Rauch und Hitzedämpfe sich legten, ließen die Soldaten auf der anderen Seite fassungslos die Waffen fallen und nicht wenige hoben Augenblicke später ihre Kommlinks. Hinter dem menschlichen Hünen und den statuengleichen Aschegestalten erhob sich etwas vom Boden, das menschliche Vorstellungskraft überstieg. Der verkohlte Kadaver eines echsenartigen Wurms mit kupierten Flügeln und rotglühenden Augen regnete weitere Asche und jede Bewegung des verstörend-eleganten Wesens ließ die Wolke, die sich mittlerweile beinahe 20 Meter in die Höhe erhob, weiter an Höhe und Fläche gewinnen.

Keine Minute später war der Kampf vorbei. Karl besah das Amalgam aus Plastik, Blut, Asche und menschlichen Überresten, schüttelte leicht den Kopf und sah zu den Zwillingen:

"Das hier ist keine Stadt. Diese Petroi sprach von den glühenden Ruinen einer Stadt um das Portal, durch welches sie hierher kam. Das hier sieht nicht aus wie eine Stadt. Wir sind hier falsch. Schickt das Biest ... Sirrurg ... zurück. Wir suchen das andere Portal und machen dort weiter." Kopfschüttelnd betrachtete er das Schlachtfeld. Tausende von Leichen.

Die Menschheit war so eine Verschwendung von Zeit.
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Ausklang Kapitel 4: Im Disseits II
« Antwort #27 am: 08. Mai 2022, 15:56:12 »

Stimmung

Mila Latona biss sich auf die Unterlippe und schüttelte mit dem Kopf. Sie hatte die Reisenden in die Pyramide zurückkehren sehen und nun hatten sie - wenn die Sinne nicht täuschten - diese Welt wiederum verlassen. Sie hatten diese Welt im Stich gelassen, bedauerlich aber nicht mehr zu ändern.

Sie hob ihre Linke und betrachtete das Glas mit den Ameisen, ein paar Zweigen und honigfarben schimmernden Flüssigkeit am Boden. Jeder hatte ein Reich zu verteidigen und eine weitere  Belagerung Khuzaks stand kurz bevor. Sie ließ die Klippen oberhalb der Portalstadt hinter sich und begab sich in die Wüste. Es war ein offenes Geheimnis, wo sich die Erste Stadt in die Grenzfläche zwischen Sheol und Khuzak geschoben hatte, um einen Landepunkt für die Eroberung zu finden. Müde setzte sie das Glas auf den Boden und sah den Ameisen zu, wie sie langsam herauskletterten, während ihr Körper zusehends zu Sand zerfiel.

Bis die ersten Tiere das Glas verlassen hatten, hielt sie die Augen geschlossen und ihre Sinne streckten sich in die Ferne aus, um Leben in dieser Welt zu spüren. Aus der nahe Stadt konnte sie nicht noch mehr nehmen. Ihr Handeln hatte wenige das Leben gekostet und die Reisenden auf ihre Spur geführt. Ein oder zwei Tage noch, dann hätte sie sich offenbart. Dann hätten sie genug verstanden, um ihnen eine Motivation für diesen Krieg zu geben, die nicht mehr vergehen würde. Stattdessen waren sie geflohen und sie musste weitersuchen. Irgendwann fand sie weitestgehend unberührte Oasen im Felsenmeer, Tausende von Kilometern entfernt und seufzte erleichtert auf.

Nach ein paar Augenblicken ruhigen Atmens begann sie zu ziehen. Alles Lebende in ihrer Wahrnehmungsreichweite erstarrte für einen Herzschlag und das Meiste lebte weiter und erinnerte sich nicht einmal wirklich an den kleinen Stolperer. Nur in den entfernten Oasen brachen ein paar Tiere und vereinzelte Geister tot zusammen. Sie blinzelte eine Träne weg und ließ die Lebenskraft in Richtung ihres Körpers zusammenströmen, ehe sie das Reservoir mit den Ameisen zu verbinden begann. Augenblicke später begannen sie zu wachsen; ihr Rücken hob sich auf Zentimeterhöhe, dann einen Meter, dann zwei und drei, ehe das Wachstum langsamer wurde und sie langsam auf beinahe vier Meter Schulterhöhe heranwuchsen.

Ihr Verhalten bestätigte: Sie waren satt und das war das Wichtigste für den Moment. Telepathisch nahm sie Kontakt zur ersten Ameise und trieb jene Instinkte in den Vordergrund, die die Verteidigung eines Baus beinhalteten. Während das Tier erstarrte, formten Stahl und Stein massive Panzerung um seinen Leib. Als es schließlich die nahe Stadt als seinen Bau und die verrauchte Ebene gen Sheol als seinen Feind erkannte, begann es mit den anderen zu kommunizieren.

Es hätte so viel einfacher sein können, wären die Fremden geblieben.
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