Omega, Ork, Rigger. Liebt das Schrauben an der Technik genauso wie ihren Einsatz. Kommt günstig an Fahrzeuge ran. Hat jede Menge Piercings im Gesicht.
Neo, Norm, Ki-Adept. Bürgerlich Leon Meier. Ehemals in Ausbildung bei S-K-Prime. Nach dem Tod seiner Frau aufgrund einer Forschungsreise im Ausland verfiel er den Drogen. Ihm wurde von S-K das Sorgerecht für seine Tochter entzogen (ebenfalls magisch begabt) und er wurde aus seiner Einheit hinausgemobbt. Aus Trotz und um seine Tochter zurückzugewinnen, ging der Konzernbürger in die Schatten.
Der Dekan, ehemals Bembel und zuvor Uff - Troll, Streetsam, Rigger und Face. "Experte für multidimensionale zwischenmenschliche Interaktion". Nur noch ein Hauch von Essenz. Biegt sich über Religion und eingebildete KFS die Welt zurecht. Gefühlskalt aber loyal.
Helvetia´s Calling
Samstag, 20.04.2080, 16.30 Uhr. Omega am Komm, das Gesicht schmerzverzogen: "Das Einhornhorn glüht. Mir gehts voll dreckig und draußen waren schon zwei Unfälle!"
"Einhornhorn, wolltest du das nicht verscheuern?"
"Sorry, vergessen. Was soll ich machen, verdammt?"
"Vermutlich hat das was mit den Hexen zu tun. Ich versuche mal, die zu erreichen."
Um 17.00 Uhr erreiche ich endlich Pauli, unseren damaligen Bergführer. "Kannst du Kontakt zu unserer gemeinsamen Freundin aufbauen?"
"Ich bin gerade in Bern. Ich kümmer mich morgen drum."
"Geht das nicht schneller?"
"Nein, das dauert ein bisschen. Und unsere Freundin ist etwas ...eigen."
Um 17.10 wieder Omega. "Hey, das Glühen ist vorbei. Aber kannst du mal diesen Sepp anrufen, von dem du erzählt hast? Der ist doch Magier, vielleicht weiß der was..."
Also gut. Um 17.15 also mit Zap / Sepp am Komm: "Naja, so genau kann ichs nicht sagen, aber an Hand der Auswirkungen tippe ich auf einen magischen Kanal."
"Soll ich Omega mal deine Nummer geben? Dann hörst du alles aus erster Hand." Und ich muss nicht dauernd Sekretärin spielen...
"Ne, der ist mir zu auffällig mit seinen ganzen Piercings und Tatoos im Gesicht."
"Kannst du vielleicht vorbei kommen?"
"Ne, bin gerade in Urlaub."
Um 17.20 gebe ich Omega Bescheid. Der ist einfach nur froh, dass das Leuchten vorbei ist, hat das Horn aber eingepackt und seine Wohnung verlassen. Der Sternschutz nimmt wohl die ganzen Unfälle auf und befragt wohl die ersten Zeugen...
Ich schaue Lokalnachrichten. Nichts auffälliges. Um 23.00 Uhr klingelt das Komm. Schon wieder. "Ist da Dekan?" Ein schweizer Dialekt.
"Hm."
"Hier Hermes. Wir hätten eine Dringlichkeitslieferung in die Schweiz und Sie wurden angefragt. Sie waren schon einmal dort und sollen dasselbe Team wieder mitbringen."
"Alles klar. Ich melde mich, sobald das Team steht." Ich war sofort hellwach. Eilig. Angefordert. Das klingt nach massiv Kohle.
Gruppenanruf zu Omega, Neo und Blue. Leider waren Blue und Vex nicht erreichbar. Neo wusste wegen des Leuchtens schon Bescheid, weil Omega ihn bereits kontaktiert hatte. Tatze war leider auch nicht erreichbar, aber Diaz kam noch hinzu. Mal von Diaz, der Vex ersetzte abgesehen, die gleiche Crew. Aber irgendwer sollte Blue ersetzen...Diesmal dann doch ohne Matrix...
"Ihr seid alle verfügbar?"
"Worum gehts?", fragte Diaz.
"Keine Ahnung, aber Hermes hat uns schon einmal gebucht."
"...und verdammt gut bezahlt...Ausrüstung bekamen wir auch gestellt...", fiel Omega ein.
"...oh ja, das war geil...", stimmte Neo zu.
"Außerdem wurden speziell wir angefordert und es ist eilig. Das treibt den Preis massiv nach oben."
"Preis nach oben klingt gut", murmelte Diaz zufrieden. Auch die anderen sagen zu.
Um 23.15 Uhr gab ich an Hermes die Koordinaten durch. Wir hatten uns wieder für den Parkplatz am Stadion geeinigt. Wie das letzte Mal. Mitternacht sollte das Treffen sein.
Es waren alle rechtzeitig da. Drei Hermes Transporter übernahmen unsere Fracht. Am wichtigsten war mir Monster. Mein Ruhrmetall SF20 hatte mir schon das letzte Mal in der Schweiz gute Dienste geleistet. Ansonsten meine Kletterausrüstung, Werkzeuge, Survival... was man eben so in den Alpen braucht. Wir hatten die Ausrüstung vom letzten mal parat.
"Hier haben Sie ihre Ausweise. Mit Arbeitserlaubnis. Nur für diesen Herrn hier müssen wir improvisieren." Der Fahrer deutete auf Diaz. "Wir benötigen tatsächlich nur ein Fahrzeug. Ihre Anforderung", er sah in meine Richtung, "klang nach mehr."
Ich zuckte die Schultern.
Wir fuhren zum Flughafen Frankfurt. Irgendwo in den Cargo-Bereich. Eine Maschine wartete mit offener Ladeklappe. Militärische Transportmaschine. Aha.
"Bitte bleiben Sie sitzen, bis das Fahrzeug gesichert ist", hörten wir es über Innenlautsprecher, "Danach dürfen Sie gerne aussteigen."
Um 0.45 Uhr hob die Maschine in Frankfurt ab.
Um 02.45 Uhr landeten wir auf einem kleinen Militärflughafen, das Fahrzeug wurde entsichert und wir fuhren nach Thun an die Grenze zur Alpeninterdiktszone.
An der Mauer angekommen empfing uns ein militärisches Zeltlager, gut ausgeleuchtet. In der Mauer ein großes Loch. Offenbar eine Sprengung von außen nach innen. Vermutlich eher mehrere. Schweizer Militär, Fahrräder mit Anhänger (was zur Hölle will man mit denen?), alles eher unfertig und militärisch fragwürdig.
In einem Zelt traf uns Herr Fellacci. Er war auch unser Schmidt beim letzten Auftrag von Hermes als wir zunächst ein Wettrennen von Frankfurt nach Basel gewinnen mussten. Er zeigte uns eine Trideo-Aufnahme und erläuterte dazu: "Gestern um 12.00Uhr brachen sechs gepanzerte Fahrzeuge durch die Mauer. Hinter der Mauer stoppten sie und kurz darauf sah man weißliches unnatürliches Leuchten, wie ich es noch nie gesehen hatte." Mir und meinen Mitrunnern ging es genauso. "Das schweizer Militär hat zweiundzwanzig Soldaten hier, um die sechs Fahrzeuge inklusive Insassen zu eliminieren. Allerdings...", hier stockte er kurz, "haben die Kräfte der Alpeninterdiktszone klar gemacht, dass die Soldaten nur unter eurer Führung hinein dürfen."
Die Hexen trauen uns seit der Sache mit dem Einhorn und den Monstern im Berg. "Eine Million pro Nase."
Er schluckte. "Das ist viel zu viel."
"500 Tausend."
"Nein.
"Was ist ihr Angebot?"
"125k."
"150."
"Ich rufe jemanden an." Nach dem Telefonat eröffnete er sein letztes Angebot, wie er sagte: 130k pro Nase. Wir nahmen an. "Nebenan erwarten Sie die Soldaten und Ihre Ausrüstung, die wir Ihnen stellen können."
Im Zelt nebenan warteten vier Leute. Als sie uns sahen, war sofort klar, wie wenig sie von uns hielten. Der Wortführer, den Lappen an seiner Jacke nach ein Oberleutnant, sah uns, die Trogs in Begleitung eines Elfen von oben bis unten an. "Das Kommando habe ich, damit das mal klar ist. Ich lass mir von so... dahergelaufenen ... Trollen nichts befehlen, klar?"
Ich lächelte und nickte nur. Über die DNI-Verbindung zwischen Riggersteuerung und Kommlink gab ich an die anderen durch: "Wir haben zweiundzwanzig Minions, die für uns stürmen bis wir herausgefunden haben, was dieses weiße Leuchten bedeutet und woher die Gefahr kommt. Schlimmstenfalls erledigen die alles und wir kassieren fürs Nichts-Tun. Ich kontaktiere Pauli nochmal."
Diaz: "Wer zur Hölle ist dieser Pauli?"
Neo: "War beim letzten Mal unser Bergführer. Hat uns verraten."
Diaz: "Und der lebt noch?"
"Ja, ich wundere mich auch. Ich sag mal, Neo hat ein gutes Wort für ihn eingelegt."
"...und du hast nachgegeben? Du Weichei!"
"Nun, sie hatten ihm mit seiner Familie gedroht. Er hat seinen Teil erfüllt, wir haben sie trotzdem alle kalt gemacht. Und jetzt ist er unsere Verbindung zu den Hexen."
"Hexen? Welche Hexen?"
"Die, die in der Alpeninterdiktszone das Sagen haben."
"Oh Mann, will ich das Wissen?"
Inzwischen meldete sich Pauli. War wohl jetzt in der Nacht wieder zu Hause.
"Wie gehts der Familie, Pauli?"
"Gut. Ich weiß, warum du anrufst. Gestern 12 Uhr Mittags sind sechs Panzer durch die Mauer gebrochen. Das leuchtende Feuer ist magisch oder anti-magisch oder so, ich hab das nicht ganz verstanden. Auf jeden Fall verbrennt das alles, wo sie durchfahren. Nicht nur körperlich, sondern auch magisch. Etwa in 50 Metern Umkreis, hat man mir gesagt. Achja, das mit dem Horn. Angeblich ist der Bruder von dem Einhorn gestorben, dessen Horn ihr hattet. Hat sich in Schutt und Asche aufgelöst, hat Gundula gesagt. Sie will auch unsichtbar mit euch mitkommen, falls ihr noch Fragen habt. Ihr müsst nur abseits vom Militär gehen. Hast du ein Zeichen, bei dem sie kommen soll?"
"Wenn sie meinen nackten Arsch sieht?"
Er zuckte die Achseln und bevor ich lachen konnte, sagte er "O.k." und legte auf.
"...also nehmt euch eure verdammte Ausrüstung. Eure Bikes stehen draußen. In einer Stunde gehts los." Der Oberleutnant war die ganze Zeit in irgendeiner Tirade, die mich nicht interessierte. Aber gut, wenn man ein paar lebende Leichen als Köder voran schicken kann.
Wir stellten unsere Ausrüstung zusammen. Omega freute sich über ein Sturmgewehr. Alle waren begeistert von panzerbrechender Munition. Ich auch. Die war nicht so leicht zu bekommen. Das Limit war 50 kg pro Bike. Aus den Erfahrungen des letzten Trips legte ich zunächst Kletter- und Survival-Ausrüstung rein. Mein Ogermagen wird uns zwar helfen, aber für eine Woche sollten wir ausgerüstet sein. MedKit mit Patches, Werkzeuge, Schneeschuhe, Rüstung, Waffe mit Mun. Sogar für vier Panzerabwehrraketen hatten wir Platz.
Nach einer Stunde waren wir alle bereit. Zweiundzwanzig Militärs und wir vier. Alle auf Bikes mit Anhängern.
Wir fahren zu den anderen und hören aus dem Pulk heraus so etwas wie "Ziegenfressen" und halten uns hinten. Diaz grunzt motzend vor sich hin. Am liebsten würde er ein paar der Soldaten verprügeln. Er schaut uns an und kommt langsam wieder runter. Als ich ihm über Komm durchgebe: "Sie werden alle sterben.", lächelt er sogar.
Als wir losfahren, wird es schon hell. Die Stunde hat sich noch etwas gezogen. Es war weit und breit kein Schnee mehr zu sehen. Vor uns die durchbrochene Mauer und dahinter der Thunersee. Vor uns ein schwarzer Streifen. Alles verbrannt. Keine Büsche oder Bäume, nur noch Stümpfe. Ringsum blüht es in tausend Farben. In de ersten beiden Stunde schaffen wir 20 km am See entlang. Zwischendurch halten wir an und ich nehme ich eine Probe von der Asche. Neo redet von komischen Störungen im Astralraum exakt da, wo die Erde verbrannt ist. Er kann nicht askennen. Neo geht aus dem Streifen raus und schaut von außerhalb. "Da draußen ist alles normal, aber hier ist alles tot. Kein Leben, keine Magie. Gar nix. Sogar der Astralraum scheint zerstört zu sein. Sowas habe ich noch nie gesehen."
Wir schließen wieder auf. Die Spur führt uns vom See weg in ein Tal. Dort finden wir einen ersten Lagerplatz. Spuren. Waren etwa 30 Leute. Omega hat Blut gefunden. Ich nehme zur Sicherheit wieder eine Probe. Anscheinend ist jemand blutend aus der Asche herausgerannt. Und jemand hat einen von außen wieder reingeschleppt. Eine größere Lache. Jemand hat mit dem Blut "Hilfe" geschrieben.
Ein paar Soldaten, die gerade Pause machen schauen Diaz an, tuscheln und lachen. Einer schaut zu Diaz und ruft: "Was guckst du so doof, Ziegenfresse?" Ich nehme sofort Kontakt zu Diaz auf und kann ihn beruhigen. Neo ging in der Zwischenzeit auf die Gruppe zu. Es fallen Begriffe wie "Langohr" und "Hase". Neo haut ihn um. K.O.
Der Oberleutnant kommt. "Leute wie ihr können sich natürlich nicht kontrollieren, aber halten Sie Ihre Leute besser im Zaum!"
"Hat dich der Papst dumm gefickt oder was?"
"Was willst du mit dem Papst...?"
"Darf ich vorstellen: der Papst." Dabei zeige ich auf Diaz. Der gibt gerade dem zurückkommenden Neo eine Kopfnuss. Er versucht es zumindest, aber Neo weicht aus.
"Halten Sie zukünftig 100 Meter Abstand von uns. War ja klar, dass Sie Ihre Leute nicht kontrollieren können."
"Grüß den Papst von mir, Ziegenfresse!" Ich werfe ihm noch einen Kussmund zu. Er stapft empört davon. Besser kann es kaum laufen!
"Ich geh mal kacken." Neo und Diaz schlossen sich an. Omega machte uns schon mal Feuer. Brav 100 Meter entfernt von den anderen. Wir nahmen uns den Luxus, auf unverbrannter Erde zu reisen und zu rasten.
Hinter einem Busch ließen wir unsere Hosen runter. Kurze Zeit darauf ghörte ich eine weibliche Stimme in Schitzerdütsch: "Feddn Oasch hust do."
"Gundula, ich muss einfach kacken, ok? Aber gut, dass du da bist."
Neo grinste mich an. "Die Hexe?" Ich nickte. Diaz griff mit runtergelassener Hose sein Sturmgewehr und sah sich verwirrt um, denn es war niemand zu sehen.
"Bemüh dich nicht, Diaz, sie ist unsichtbar. Die runtergelassene Hose war das Zeichen, dass ich sie sprechen will." Er schüttelte nur den Kopf.
"No, des Zeichn is nedä soa gued. Willst nedä des bloue Kleed uffhänga?"
"Ich habe kein blaues Kleid, Gundula." In der Luft erschien ein blaues Kleid und flog in unsere Richtung.
"Ich loss eich ämol Zeid zum scheißn und kumm glei widdäa."
"Das ist sehr nett von dir, Gundula."
Ich nahm den Helm meines Big Game Hunters ab und schaltete den Ultrasound an. Gundula, das ungezogene Mädchen, schaute uns die ganze Zeit ungeniert zu. Ich griff in meinen Rucksack. "Der größte Luxus im Feld." In meiner Hand hielt ich eine Rolle Klopapier. Die Lektion vom Müggelsee in Berlin saß tief... "Ich hab auch Feuchttücher und was zum desinfizieren."
Ich sage es einmal so. Zumindest 50% meiner Klogenossen wussten das zu schätzen. Und Gundula.
"Ok, Gundula. Was konntet ihr bisher rausfinden?" Ich wand mich ihr zu, was sie vermutlich etwas verwirrte. Es war vermutlich nicht alltäglich, dass ihre Unsichtbarkeit geknackt wurde.
"Olsou, des is kei Andimagie, sonan so ne Magie, die wo sou heftich di Magie ihsaucht und dmit olls kputt mochd. Unna Gista sterm sofurd."
"Keine Antimagie? Du meinst, die Maschine kann Magie aufsaugen und zerstört damit alles? Wow."
"Jo, d´san im nachstä Tol unn fahrä do scho länga Rundn. Mochn olls k´putt."
Haben die ein bestimmtes Ziel? Ist da was?"
"Näh, do is niggs."
"Ist dir sonst nochwas aufgefallen? Vielleicht da hinten? Da sind Blutspuren."
"Jo, do woa ä Desätöa. Is wech charennd. Homms ins Bee g´schoss´n un z´ruckg´schleifd."
"Weißt du, wie viele das sind?"
"Jo, sou zwanzgi, drißich."
"Kein Problem. Wir haben Verstärung. Die sterben gerne für uns."
"Übalaach däs guad." Sie zuckte mit den Achseln.
"Gut. Ist sonst noch etwas?"
"Vergaß d´s bloue Kleed nied."
Ich grinste. Sie sind im nächsten Tal. Dass wir aufschließen, war klar, aber wenn sie dort schon länger ihre Kreise fahren, verkürzt sich die Verfolgungsjagd immens. Mal nochmal Pauli anrufen. Ich baute das Sat-Kom auf.
"Habt ihr scho die Nachrichten gsehen? Irgendeine "Alpeninterdiktsbefreiungsfront" will, dass sich die Soldaten entfernen. Die Regierung hat diese "Befreiungsfront" verurteilt."
"Damit sind wir wohl die Alpeninterdiktsbefreiungsfrontbefreier."
"Äh, jo, des geaht jetzt scho den gonzn Tach so. Fast nix mea onderes inne Nachrichtn. Aber kei Bilder, weil die olle schnell kaputt gehn inner Zone. Also de Drohnen vonne Trideokanäle."
"Ich hoffe, das bleibt so, Pauli, ich hoffe, das bleibt so." Die Hexen schirmen weiter ab. Aber der Feind weiß, dass wir da sind. Weiß er auch, wo wir sind?
Am Lagerfeuer zurück besprechen wir die Lage als der Oberleutnant ein Sat-Kom aufbauen lässt. Ich krame mein Abhör-Set heraus und mache mich bereit. Natürlich kann ich ausschließlich ihn hören.
"Ja."
Lachend "Wäre schon schön, wenn die die zerstören, aber der Befehl ist eindeutig. An den halten wir uns."
"Vier Stunden vor uns. Im nächsten Tal. Verstanden."
"Welche Alpeninterdiktszonenbefreiungsfront?"
"Nein. Wir verstehen uns bestens mit den vieren. Die wollen nur unter sich bleiben."
Dann legte er auf. Wir schauen uns an und grinsen.
Wir fahren weiter und bleiben hundert Meter hinter den anderen. Einer der Soldaten setzt sich ab und lässt sich zu uns zurückfallen. "Der Oberleutnant will, dass ihr zu ihm kommt."
"Wenn der Oberleutnant zu uns kommen möchte, weiß er , wo er uns findet."
Der Soldat zog ab. Was er von meiner Antwort hielt, war seinem Gesicht deutlich zu entnehmen.
Nach einiger Zeit ließ sich ein weiteres Bike zurückfallen. Die Soldaten stoppten, um eine Pause zu machen. Es war tatsächlich der Oberleutnant. "Ich habe vor Kurzem telefoniert. Der Feind ist im nächsten Tal und hat sich da verschanzt."
"Heißt das, wir geben auf?"
"Nein, wir halten uns an den Befehl."
"Gibt es schon einen Plan?"
"Nein, wir werden improvisieren müssen." Er sah einmal langsam in die Runde. "Kommt doch wieder zu uns nach vorne. Ist sicherer für uns alle."
Wir lachten. "Nein danke. Wir können uns nicht beherrschen, ihr könnt euch nicht beherrschen, such dir was aus."
Wir fahren zwei weitere Stunden bergauf. Vorne wird Feuer eröffnet. Kanonenrohren von Panzern. Drei Soldaten erwischt es. Die anderen verstreuen sich links und rechts im Wald.
Diaz: "Deckung. Flankieren, flankieren, flankieren!"
Wir machen uns alle kampfbereit. Gut, dass wir hinter den anderen sind.
Omega: "Mal schaun, was der Chef für ne Taktik hat."
Neo: "Ich schätze mal, die haben uns erwartet."
Omega: "Natürlich sind wir verpfiffen worden. Bei denen ist sicher auch jemand bei denen dabei."
Der Oberleutnant ist in unserer Nähe und ruft in meine Richtung. "So, wie es aussieht, haben sich da drüben welche verschanzt. Haben Sie eine Idee, Dekan?"
"Du bist der Chef. Dein Job."
Ich schleiche mich nach vorne, um mir ein Bild von der Lage zu machen. Ein komplett verbranntes Tal. Dahinter ein Gletscher. Sie haben das ganze Tal verwüstet und hier richtig viel Zeit investiert und blockieren mit sechs Panzern den Zugang zum Gletscher. Vom Waldrand zu den Panzern sind es etwa vier Kilometer. Während der Oberleutnant einen Soldaten mit einer PAK vorschickt, der nach zweihundert Meter von einer Salve erwischt wird, schaue ich mir das Tal an. Rundherum steile Hänge. Nicht einfach zu klettern, vor allem mit schweren Waffen. Wenn die Soldaten hier eine Stellung graben, haben wir ein klassisches Patt, denn die Panzer müssen den gleichen Weg zurück. Warum haben die sich da reinmanövriert? Was ist ihr Ziel?"
Als ich wieder nach hinten gekrochen bin, erwartet mich schon Neo: "Kannst du mal die Hexen kontaktieren? Ich kann nicht bis zum Gletscher sehen."
Ich hänge also das blaue Kleid raus. "Wir sollten uns kletterfertig machen. Während sich hier das große Patt aufbaut, sollten wir die Ablenkung nutzen und auf den Höhenzug da drüben klettern. Dann können wir die Panzer von oben erledigen."
"Der Plan ist gut, aber nicht alle klettern so gut wie du und Neo." Diaz und Omega schauen die Wand ehrfurchtsvoll an. Wobei das bei Diaz so aussieht, als wolle er die ganze Wand einfach wegsprengen.
"Sied´r soweit fertich?" Eine weibliche Sttimme mit schweizer Akzent aus dem Nichts. Gundula.
"Ah, hallo."
Diaz schaute sich verwundert um und murmelte "Hexe."
"Gundula, was kannst du uns über die Panzer sagen."
"Da sind nicht mehr alle. Einige sind weitergegangen auf den Gletscher."
Wir sollten uns beeilen.
Wir setzten uns hinter den anderen zu Fuß zur Seite ab. Beim Laufen sehen wir immer wieder, wie die Soldaten immer wieder Teppiche von Rauch- und Nebelgranaten werfen. Anscheinend wollen sie nach vorne. Mich wundert, dass seitens der Panzer kein Streufeuer oder ähnliches kommt, aber vielleicht warten sie auf sichere Ziele, um Munition zu sparen. Dann immer wieder Salven und Kanonenfeuer. Als wir an der Felswand ankommen, explodiert einer der Panzer.
Neo übernimmt die Führung und macht den Kletterweg aus, während ich den Abschluss mache. Beim Aufstieg explodiert Panzer um Panzer. Zwischendurch müssen wir seitlich weiterklettern bis Neo eine neue Möglichkeit zum Aufstieg gefunden hat. Oben angekommen machen wir eine Pause.
Neo sieht nach unten auf die sechs brennenden Panzer. "Die haben nicht nur Luft im Sack."
"Befehl ist Befehl."
Die Soldaten richten einen Lagerplatz ein, um ihre Verwundeten zu versorgen. Einige sichern den Weg nach oben zum Gletscher.
Omega sah nachdenklich nach unten: "Was die jetzt wohl machen?"
"Die werden den Spuren der anderen folgen. Wir nutzen die Ablenkung und kommen von der Seite."
"Ich muss auf jeden Fall besser klettern lernen." Der Ork grinste mich an und drehte sich dann zu Diaz. "Und es ist wichtig, dass du hier keine Tiere tötest, es sei denn es sind irgendwelche Zombies oder so."
Diaz zuckte nur mit den Schultern. "Ich mag Tiere. Ich hasse nur Menschen."
Kurze Zeit darauf finden wir einen guten Lagerplatz.
"Können wir uns das überhaupt leisten?", gab Omega zu bedenken, "Vielleicht fragen wir nochmal die Hexe?"
Ich hing wieder das blaue Kleid auf, nur zeigte sich Gundula diesmal nicht. Auch nicht nach einer halben Stunde...
"Schlechtes Zeichen...", murmelte Omega vor sich hin.
"Neo, hast du eine magische Barriere gesehen auf dem Weg nach oben?"
"Nein, mal abgesehen von der schwarzen Schneise."
Dann sehen wir einen riesigen Adler, der in unsere Richtung fliegt. Neo legt sein Scharfschützengewehr an.
"Langsam, langsam."
"Ich schau nur durchs Fernrohr." Während er das Fernrohr nutzte, zoomte ich mit meiner Brille näher heran. Neo kam zu dem selben Schluss wie ich. "Wir bekommen Besuch."
"Von wem?", schreckte Omega hoch.
"Kann ich nicht sehen. Muss unsichtbar sein."
Ja, der Adler trug in seinen Krallen etwas Unsichtbares. "Wird die Hexe sein."
""Dann schießen wir nicht?", fragte Diaz ungeduldig.
"Nein!", kam es von Neo und mir gleichzeitig.
Der Adler schwebt kurz in der Luft, gibt etwas frei und fliegt davon. "Mann, warum musst ´r mich grad hie rufn?"
"Wegen der Aussicht.", scherzte Neo.
"Wo ist der Feind?"
"Die sing in ne Felsnhöhle. D´war i no nianiet."
"Wie weit?"
"Sou zwa, villicht dri Stundli."
"Kannst du dich vielleicht sichtbar machen?", bat Neo.
Diaz zuckte bei ihrem Anblick mit der Waffe nach oben. "Was zu Teufel ist das...?"
"Gundula. Die hilft uns."
Nachdem Gundula sich wieder von ihrem Adler abholen ließ, wollten wir am liebsten weiter. Allerdings hatte niemand letzte Nacht geschlafen. Mein Schlafregulator hatte mich vergessen lassen, was das für Auswirkungen hatte.... und so rasteten wir und würden mit den Resten der schweizer Armee zusammenarbeiten müssen... Keep your friends close, but your enemies closer.
"Einhornhorn, wolltest du das nicht verscheuern?"
"Sorry, vergessen. Was soll ich machen, verdammt?"
"Vermutlich hat das was mit den Hexen zu tun. Ich versuche mal, die zu erreichen."
Um 17.00 Uhr erreiche ich endlich Pauli, unseren damaligen Bergführer. "Kannst du Kontakt zu unserer gemeinsamen Freundin aufbauen?"
"Ich bin gerade in Bern. Ich kümmer mich morgen drum."
"Geht das nicht schneller?"
"Nein, das dauert ein bisschen. Und unsere Freundin ist etwas ...eigen."
Um 17.10 wieder Omega. "Hey, das Glühen ist vorbei. Aber kannst du mal diesen Sepp anrufen, von dem du erzählt hast? Der ist doch Magier, vielleicht weiß der was..."
Also gut. Um 17.15 also mit Zap / Sepp am Komm: "Naja, so genau kann ichs nicht sagen, aber an Hand der Auswirkungen tippe ich auf einen magischen Kanal."
"Soll ich Omega mal deine Nummer geben? Dann hörst du alles aus erster Hand." Und ich muss nicht dauernd Sekretärin spielen...
"Ne, der ist mir zu auffällig mit seinen ganzen Piercings und Tatoos im Gesicht."
"Kannst du vielleicht vorbei kommen?"
"Ne, bin gerade in Urlaub."
Um 17.20 gebe ich Omega Bescheid. Der ist einfach nur froh, dass das Leuchten vorbei ist, hat das Horn aber eingepackt und seine Wohnung verlassen. Der Sternschutz nimmt wohl die ganzen Unfälle auf und befragt wohl die ersten Zeugen...
Ich schaue Lokalnachrichten. Nichts auffälliges. Um 23.00 Uhr klingelt das Komm. Schon wieder. "Ist da Dekan?" Ein schweizer Dialekt.
"Hm."
"Hier Hermes. Wir hätten eine Dringlichkeitslieferung in die Schweiz und Sie wurden angefragt. Sie waren schon einmal dort und sollen dasselbe Team wieder mitbringen."
"Alles klar. Ich melde mich, sobald das Team steht." Ich war sofort hellwach. Eilig. Angefordert. Das klingt nach massiv Kohle.
Gruppenanruf zu Omega, Neo und Blue. Leider waren Blue und Vex nicht erreichbar. Neo wusste wegen des Leuchtens schon Bescheid, weil Omega ihn bereits kontaktiert hatte. Tatze war leider auch nicht erreichbar, aber Diaz kam noch hinzu. Mal von Diaz, der Vex ersetzte abgesehen, die gleiche Crew. Aber irgendwer sollte Blue ersetzen...Diesmal dann doch ohne Matrix...
"Ihr seid alle verfügbar?"
"Worum gehts?", fragte Diaz.
"Keine Ahnung, aber Hermes hat uns schon einmal gebucht."
"...und verdammt gut bezahlt...Ausrüstung bekamen wir auch gestellt...", fiel Omega ein.
"...oh ja, das war geil...", stimmte Neo zu.
"Außerdem wurden speziell wir angefordert und es ist eilig. Das treibt den Preis massiv nach oben."
"Preis nach oben klingt gut", murmelte Diaz zufrieden. Auch die anderen sagen zu.
Um 23.15 Uhr gab ich an Hermes die Koordinaten durch. Wir hatten uns wieder für den Parkplatz am Stadion geeinigt. Wie das letzte Mal. Mitternacht sollte das Treffen sein.
Es waren alle rechtzeitig da. Drei Hermes Transporter übernahmen unsere Fracht. Am wichtigsten war mir Monster. Mein Ruhrmetall SF20 hatte mir schon das letzte Mal in der Schweiz gute Dienste geleistet. Ansonsten meine Kletterausrüstung, Werkzeuge, Survival... was man eben so in den Alpen braucht. Wir hatten die Ausrüstung vom letzten mal parat.
"Hier haben Sie ihre Ausweise. Mit Arbeitserlaubnis. Nur für diesen Herrn hier müssen wir improvisieren." Der Fahrer deutete auf Diaz. "Wir benötigen tatsächlich nur ein Fahrzeug. Ihre Anforderung", er sah in meine Richtung, "klang nach mehr."
Ich zuckte die Schultern.
Wir fuhren zum Flughafen Frankfurt. Irgendwo in den Cargo-Bereich. Eine Maschine wartete mit offener Ladeklappe. Militärische Transportmaschine. Aha.
"Bitte bleiben Sie sitzen, bis das Fahrzeug gesichert ist", hörten wir es über Innenlautsprecher, "Danach dürfen Sie gerne aussteigen."
Um 0.45 Uhr hob die Maschine in Frankfurt ab.
Um 02.45 Uhr landeten wir auf einem kleinen Militärflughafen, das Fahrzeug wurde entsichert und wir fuhren nach Thun an die Grenze zur Alpeninterdiktszone.
An der Mauer angekommen empfing uns ein militärisches Zeltlager, gut ausgeleuchtet. In der Mauer ein großes Loch. Offenbar eine Sprengung von außen nach innen. Vermutlich eher mehrere. Schweizer Militär, Fahrräder mit Anhänger (was zur Hölle will man mit denen?), alles eher unfertig und militärisch fragwürdig.
In einem Zelt traf uns Herr Fellacci. Er war auch unser Schmidt beim letzten Auftrag von Hermes als wir zunächst ein Wettrennen von Frankfurt nach Basel gewinnen mussten. Er zeigte uns eine Trideo-Aufnahme und erläuterte dazu: "Gestern um 12.00Uhr brachen sechs gepanzerte Fahrzeuge durch die Mauer. Hinter der Mauer stoppten sie und kurz darauf sah man weißliches unnatürliches Leuchten, wie ich es noch nie gesehen hatte." Mir und meinen Mitrunnern ging es genauso. "Das schweizer Militär hat zweiundzwanzig Soldaten hier, um die sechs Fahrzeuge inklusive Insassen zu eliminieren. Allerdings...", hier stockte er kurz, "haben die Kräfte der Alpeninterdiktszone klar gemacht, dass die Soldaten nur unter eurer Führung hinein dürfen."
Die Hexen trauen uns seit der Sache mit dem Einhorn und den Monstern im Berg. "Eine Million pro Nase."
Er schluckte. "Das ist viel zu viel."
"500 Tausend."
"Nein.
"Was ist ihr Angebot?"
"125k."
"150."
"Ich rufe jemanden an." Nach dem Telefonat eröffnete er sein letztes Angebot, wie er sagte: 130k pro Nase. Wir nahmen an. "Nebenan erwarten Sie die Soldaten und Ihre Ausrüstung, die wir Ihnen stellen können."
Im Zelt nebenan warteten vier Leute. Als sie uns sahen, war sofort klar, wie wenig sie von uns hielten. Der Wortführer, den Lappen an seiner Jacke nach ein Oberleutnant, sah uns, die Trogs in Begleitung eines Elfen von oben bis unten an. "Das Kommando habe ich, damit das mal klar ist. Ich lass mir von so... dahergelaufenen ... Trollen nichts befehlen, klar?"
Ich lächelte und nickte nur. Über die DNI-Verbindung zwischen Riggersteuerung und Kommlink gab ich an die anderen durch: "Wir haben zweiundzwanzig Minions, die für uns stürmen bis wir herausgefunden haben, was dieses weiße Leuchten bedeutet und woher die Gefahr kommt. Schlimmstenfalls erledigen die alles und wir kassieren fürs Nichts-Tun. Ich kontaktiere Pauli nochmal."
Diaz: "Wer zur Hölle ist dieser Pauli?"
Neo: "War beim letzten Mal unser Bergführer. Hat uns verraten."
Diaz: "Und der lebt noch?"
"Ja, ich wundere mich auch. Ich sag mal, Neo hat ein gutes Wort für ihn eingelegt."
"...und du hast nachgegeben? Du Weichei!"
"Nun, sie hatten ihm mit seiner Familie gedroht. Er hat seinen Teil erfüllt, wir haben sie trotzdem alle kalt gemacht. Und jetzt ist er unsere Verbindung zu den Hexen."
"Hexen? Welche Hexen?"
"Die, die in der Alpeninterdiktszone das Sagen haben."
"Oh Mann, will ich das Wissen?"
Inzwischen meldete sich Pauli. War wohl jetzt in der Nacht wieder zu Hause.
"Wie gehts der Familie, Pauli?"
"Gut. Ich weiß, warum du anrufst. Gestern 12 Uhr Mittags sind sechs Panzer durch die Mauer gebrochen. Das leuchtende Feuer ist magisch oder anti-magisch oder so, ich hab das nicht ganz verstanden. Auf jeden Fall verbrennt das alles, wo sie durchfahren. Nicht nur körperlich, sondern auch magisch. Etwa in 50 Metern Umkreis, hat man mir gesagt. Achja, das mit dem Horn. Angeblich ist der Bruder von dem Einhorn gestorben, dessen Horn ihr hattet. Hat sich in Schutt und Asche aufgelöst, hat Gundula gesagt. Sie will auch unsichtbar mit euch mitkommen, falls ihr noch Fragen habt. Ihr müsst nur abseits vom Militär gehen. Hast du ein Zeichen, bei dem sie kommen soll?"
"Wenn sie meinen nackten Arsch sieht?"
Er zuckte die Achseln und bevor ich lachen konnte, sagte er "O.k." und legte auf.
"...also nehmt euch eure verdammte Ausrüstung. Eure Bikes stehen draußen. In einer Stunde gehts los." Der Oberleutnant war die ganze Zeit in irgendeiner Tirade, die mich nicht interessierte. Aber gut, wenn man ein paar lebende Leichen als Köder voran schicken kann.
Wir stellten unsere Ausrüstung zusammen. Omega freute sich über ein Sturmgewehr. Alle waren begeistert von panzerbrechender Munition. Ich auch. Die war nicht so leicht zu bekommen. Das Limit war 50 kg pro Bike. Aus den Erfahrungen des letzten Trips legte ich zunächst Kletter- und Survival-Ausrüstung rein. Mein Ogermagen wird uns zwar helfen, aber für eine Woche sollten wir ausgerüstet sein. MedKit mit Patches, Werkzeuge, Schneeschuhe, Rüstung, Waffe mit Mun. Sogar für vier Panzerabwehrraketen hatten wir Platz.
Nach einer Stunde waren wir alle bereit. Zweiundzwanzig Militärs und wir vier. Alle auf Bikes mit Anhängern.
Wir fahren zu den anderen und hören aus dem Pulk heraus so etwas wie "Ziegenfressen" und halten uns hinten. Diaz grunzt motzend vor sich hin. Am liebsten würde er ein paar der Soldaten verprügeln. Er schaut uns an und kommt langsam wieder runter. Als ich ihm über Komm durchgebe: "Sie werden alle sterben.", lächelt er sogar.
Als wir losfahren, wird es schon hell. Die Stunde hat sich noch etwas gezogen. Es war weit und breit kein Schnee mehr zu sehen. Vor uns die durchbrochene Mauer und dahinter der Thunersee. Vor uns ein schwarzer Streifen. Alles verbrannt. Keine Büsche oder Bäume, nur noch Stümpfe. Ringsum blüht es in tausend Farben. In de ersten beiden Stunde schaffen wir 20 km am See entlang. Zwischendurch halten wir an und ich nehme ich eine Probe von der Asche. Neo redet von komischen Störungen im Astralraum exakt da, wo die Erde verbrannt ist. Er kann nicht askennen. Neo geht aus dem Streifen raus und schaut von außerhalb. "Da draußen ist alles normal, aber hier ist alles tot. Kein Leben, keine Magie. Gar nix. Sogar der Astralraum scheint zerstört zu sein. Sowas habe ich noch nie gesehen."
Wir schließen wieder auf. Die Spur führt uns vom See weg in ein Tal. Dort finden wir einen ersten Lagerplatz. Spuren. Waren etwa 30 Leute. Omega hat Blut gefunden. Ich nehme zur Sicherheit wieder eine Probe. Anscheinend ist jemand blutend aus der Asche herausgerannt. Und jemand hat einen von außen wieder reingeschleppt. Eine größere Lache. Jemand hat mit dem Blut "Hilfe" geschrieben.
Ein paar Soldaten, die gerade Pause machen schauen Diaz an, tuscheln und lachen. Einer schaut zu Diaz und ruft: "Was guckst du so doof, Ziegenfresse?" Ich nehme sofort Kontakt zu Diaz auf und kann ihn beruhigen. Neo ging in der Zwischenzeit auf die Gruppe zu. Es fallen Begriffe wie "Langohr" und "Hase". Neo haut ihn um. K.O.
Der Oberleutnant kommt. "Leute wie ihr können sich natürlich nicht kontrollieren, aber halten Sie Ihre Leute besser im Zaum!"
"Hat dich der Papst dumm gefickt oder was?"
"Was willst du mit dem Papst...?"
"Darf ich vorstellen: der Papst." Dabei zeige ich auf Diaz. Der gibt gerade dem zurückkommenden Neo eine Kopfnuss. Er versucht es zumindest, aber Neo weicht aus.
"Halten Sie zukünftig 100 Meter Abstand von uns. War ja klar, dass Sie Ihre Leute nicht kontrollieren können."
"Grüß den Papst von mir, Ziegenfresse!" Ich werfe ihm noch einen Kussmund zu. Er stapft empört davon. Besser kann es kaum laufen!
"Ich geh mal kacken." Neo und Diaz schlossen sich an. Omega machte uns schon mal Feuer. Brav 100 Meter entfernt von den anderen. Wir nahmen uns den Luxus, auf unverbrannter Erde zu reisen und zu rasten.
Hinter einem Busch ließen wir unsere Hosen runter. Kurze Zeit darauf ghörte ich eine weibliche Stimme in Schitzerdütsch: "Feddn Oasch hust do."
"Gundula, ich muss einfach kacken, ok? Aber gut, dass du da bist."
Neo grinste mich an. "Die Hexe?" Ich nickte. Diaz griff mit runtergelassener Hose sein Sturmgewehr und sah sich verwirrt um, denn es war niemand zu sehen.
"Bemüh dich nicht, Diaz, sie ist unsichtbar. Die runtergelassene Hose war das Zeichen, dass ich sie sprechen will." Er schüttelte nur den Kopf.
"No, des Zeichn is nedä soa gued. Willst nedä des bloue Kleed uffhänga?"
"Ich habe kein blaues Kleid, Gundula." In der Luft erschien ein blaues Kleid und flog in unsere Richtung.
"Ich loss eich ämol Zeid zum scheißn und kumm glei widdäa."
"Das ist sehr nett von dir, Gundula."
Ich nahm den Helm meines Big Game Hunters ab und schaltete den Ultrasound an. Gundula, das ungezogene Mädchen, schaute uns die ganze Zeit ungeniert zu. Ich griff in meinen Rucksack. "Der größte Luxus im Feld." In meiner Hand hielt ich eine Rolle Klopapier. Die Lektion vom Müggelsee in Berlin saß tief... "Ich hab auch Feuchttücher und was zum desinfizieren."
Ich sage es einmal so. Zumindest 50% meiner Klogenossen wussten das zu schätzen. Und Gundula.
"Ok, Gundula. Was konntet ihr bisher rausfinden?" Ich wand mich ihr zu, was sie vermutlich etwas verwirrte. Es war vermutlich nicht alltäglich, dass ihre Unsichtbarkeit geknackt wurde.
"Olsou, des is kei Andimagie, sonan so ne Magie, die wo sou heftich di Magie ihsaucht und dmit olls kputt mochd. Unna Gista sterm sofurd."
"Keine Antimagie? Du meinst, die Maschine kann Magie aufsaugen und zerstört damit alles? Wow."
"Jo, d´san im nachstä Tol unn fahrä do scho länga Rundn. Mochn olls k´putt."
Haben die ein bestimmtes Ziel? Ist da was?"
"Näh, do is niggs."
"Ist dir sonst nochwas aufgefallen? Vielleicht da hinten? Da sind Blutspuren."
"Jo, do woa ä Desätöa. Is wech charennd. Homms ins Bee g´schoss´n un z´ruckg´schleifd."
"Weißt du, wie viele das sind?"
"Jo, sou zwanzgi, drißich."
"Kein Problem. Wir haben Verstärung. Die sterben gerne für uns."
"Übalaach däs guad." Sie zuckte mit den Achseln.
"Gut. Ist sonst noch etwas?"
"Vergaß d´s bloue Kleed nied."
Ich grinste. Sie sind im nächsten Tal. Dass wir aufschließen, war klar, aber wenn sie dort schon länger ihre Kreise fahren, verkürzt sich die Verfolgungsjagd immens. Mal nochmal Pauli anrufen. Ich baute das Sat-Kom auf.
"Habt ihr scho die Nachrichten gsehen? Irgendeine "Alpeninterdiktsbefreiungsfront" will, dass sich die Soldaten entfernen. Die Regierung hat diese "Befreiungsfront" verurteilt."
"Damit sind wir wohl die Alpeninterdiktsbefreiungsfrontbefreier."
"Äh, jo, des geaht jetzt scho den gonzn Tach so. Fast nix mea onderes inne Nachrichtn. Aber kei Bilder, weil die olle schnell kaputt gehn inner Zone. Also de Drohnen vonne Trideokanäle."
"Ich hoffe, das bleibt so, Pauli, ich hoffe, das bleibt so." Die Hexen schirmen weiter ab. Aber der Feind weiß, dass wir da sind. Weiß er auch, wo wir sind?
Am Lagerfeuer zurück besprechen wir die Lage als der Oberleutnant ein Sat-Kom aufbauen lässt. Ich krame mein Abhör-Set heraus und mache mich bereit. Natürlich kann ich ausschließlich ihn hören.
"Ja."
Lachend "Wäre schon schön, wenn die die zerstören, aber der Befehl ist eindeutig. An den halten wir uns."
"Vier Stunden vor uns. Im nächsten Tal. Verstanden."
"Welche Alpeninterdiktszonenbefreiungsfront?"
"Nein. Wir verstehen uns bestens mit den vieren. Die wollen nur unter sich bleiben."
Dann legte er auf. Wir schauen uns an und grinsen.
Wir fahren weiter und bleiben hundert Meter hinter den anderen. Einer der Soldaten setzt sich ab und lässt sich zu uns zurückfallen. "Der Oberleutnant will, dass ihr zu ihm kommt."
"Wenn der Oberleutnant zu uns kommen möchte, weiß er , wo er uns findet."
Der Soldat zog ab. Was er von meiner Antwort hielt, war seinem Gesicht deutlich zu entnehmen.
Nach einiger Zeit ließ sich ein weiteres Bike zurückfallen. Die Soldaten stoppten, um eine Pause zu machen. Es war tatsächlich der Oberleutnant. "Ich habe vor Kurzem telefoniert. Der Feind ist im nächsten Tal und hat sich da verschanzt."
"Heißt das, wir geben auf?"
"Nein, wir halten uns an den Befehl."
"Gibt es schon einen Plan?"
"Nein, wir werden improvisieren müssen." Er sah einmal langsam in die Runde. "Kommt doch wieder zu uns nach vorne. Ist sicherer für uns alle."
Wir lachten. "Nein danke. Wir können uns nicht beherrschen, ihr könnt euch nicht beherrschen, such dir was aus."
Wir fahren zwei weitere Stunden bergauf. Vorne wird Feuer eröffnet. Kanonenrohren von Panzern. Drei Soldaten erwischt es. Die anderen verstreuen sich links und rechts im Wald.
Diaz: "Deckung. Flankieren, flankieren, flankieren!"
Wir machen uns alle kampfbereit. Gut, dass wir hinter den anderen sind.
Omega: "Mal schaun, was der Chef für ne Taktik hat."
Neo: "Ich schätze mal, die haben uns erwartet."
Omega: "Natürlich sind wir verpfiffen worden. Bei denen ist sicher auch jemand bei denen dabei."
Der Oberleutnant ist in unserer Nähe und ruft in meine Richtung. "So, wie es aussieht, haben sich da drüben welche verschanzt. Haben Sie eine Idee, Dekan?"
"Du bist der Chef. Dein Job."
Ich schleiche mich nach vorne, um mir ein Bild von der Lage zu machen. Ein komplett verbranntes Tal. Dahinter ein Gletscher. Sie haben das ganze Tal verwüstet und hier richtig viel Zeit investiert und blockieren mit sechs Panzern den Zugang zum Gletscher. Vom Waldrand zu den Panzern sind es etwa vier Kilometer. Während der Oberleutnant einen Soldaten mit einer PAK vorschickt, der nach zweihundert Meter von einer Salve erwischt wird, schaue ich mir das Tal an. Rundherum steile Hänge. Nicht einfach zu klettern, vor allem mit schweren Waffen. Wenn die Soldaten hier eine Stellung graben, haben wir ein klassisches Patt, denn die Panzer müssen den gleichen Weg zurück. Warum haben die sich da reinmanövriert? Was ist ihr Ziel?"
Als ich wieder nach hinten gekrochen bin, erwartet mich schon Neo: "Kannst du mal die Hexen kontaktieren? Ich kann nicht bis zum Gletscher sehen."
Ich hänge also das blaue Kleid raus. "Wir sollten uns kletterfertig machen. Während sich hier das große Patt aufbaut, sollten wir die Ablenkung nutzen und auf den Höhenzug da drüben klettern. Dann können wir die Panzer von oben erledigen."
"Der Plan ist gut, aber nicht alle klettern so gut wie du und Neo." Diaz und Omega schauen die Wand ehrfurchtsvoll an. Wobei das bei Diaz so aussieht, als wolle er die ganze Wand einfach wegsprengen.
"Sied´r soweit fertich?" Eine weibliche Sttimme mit schweizer Akzent aus dem Nichts. Gundula.
"Ah, hallo."
Diaz schaute sich verwundert um und murmelte "Hexe."
"Gundula, was kannst du uns über die Panzer sagen."
"Da sind nicht mehr alle. Einige sind weitergegangen auf den Gletscher."
Wir sollten uns beeilen.
Wir setzten uns hinter den anderen zu Fuß zur Seite ab. Beim Laufen sehen wir immer wieder, wie die Soldaten immer wieder Teppiche von Rauch- und Nebelgranaten werfen. Anscheinend wollen sie nach vorne. Mich wundert, dass seitens der Panzer kein Streufeuer oder ähnliches kommt, aber vielleicht warten sie auf sichere Ziele, um Munition zu sparen. Dann immer wieder Salven und Kanonenfeuer. Als wir an der Felswand ankommen, explodiert einer der Panzer.
Neo übernimmt die Führung und macht den Kletterweg aus, während ich den Abschluss mache. Beim Aufstieg explodiert Panzer um Panzer. Zwischendurch müssen wir seitlich weiterklettern bis Neo eine neue Möglichkeit zum Aufstieg gefunden hat. Oben angekommen machen wir eine Pause.
Neo sieht nach unten auf die sechs brennenden Panzer. "Die haben nicht nur Luft im Sack."
"Befehl ist Befehl."
Die Soldaten richten einen Lagerplatz ein, um ihre Verwundeten zu versorgen. Einige sichern den Weg nach oben zum Gletscher.
Omega sah nachdenklich nach unten: "Was die jetzt wohl machen?"
"Die werden den Spuren der anderen folgen. Wir nutzen die Ablenkung und kommen von der Seite."
"Ich muss auf jeden Fall besser klettern lernen." Der Ork grinste mich an und drehte sich dann zu Diaz. "Und es ist wichtig, dass du hier keine Tiere tötest, es sei denn es sind irgendwelche Zombies oder so."
Diaz zuckte nur mit den Schultern. "Ich mag Tiere. Ich hasse nur Menschen."
Kurze Zeit darauf finden wir einen guten Lagerplatz.
"Können wir uns das überhaupt leisten?", gab Omega zu bedenken, "Vielleicht fragen wir nochmal die Hexe?"
Ich hing wieder das blaue Kleid auf, nur zeigte sich Gundula diesmal nicht. Auch nicht nach einer halben Stunde...
"Schlechtes Zeichen...", murmelte Omega vor sich hin.
"Neo, hast du eine magische Barriere gesehen auf dem Weg nach oben?"
"Nein, mal abgesehen von der schwarzen Schneise."
Dann sehen wir einen riesigen Adler, der in unsere Richtung fliegt. Neo legt sein Scharfschützengewehr an.
"Langsam, langsam."
"Ich schau nur durchs Fernrohr." Während er das Fernrohr nutzte, zoomte ich mit meiner Brille näher heran. Neo kam zu dem selben Schluss wie ich. "Wir bekommen Besuch."
"Von wem?", schreckte Omega hoch.
"Kann ich nicht sehen. Muss unsichtbar sein."
Ja, der Adler trug in seinen Krallen etwas Unsichtbares. "Wird die Hexe sein."
""Dann schießen wir nicht?", fragte Diaz ungeduldig.
"Nein!", kam es von Neo und mir gleichzeitig.
Der Adler schwebt kurz in der Luft, gibt etwas frei und fliegt davon. "Mann, warum musst ´r mich grad hie rufn?"
"Wegen der Aussicht.", scherzte Neo.
"Wo ist der Feind?"
"Die sing in ne Felsnhöhle. D´war i no nianiet."
"Wie weit?"
"Sou zwa, villicht dri Stundli."
"Kannst du dich vielleicht sichtbar machen?", bat Neo.
Diaz zuckte bei ihrem Anblick mit der Waffe nach oben. "Was zu Teufel ist das...?"
"Gundula. Die hilft uns."
Nachdem Gundula sich wieder von ihrem Adler abholen ließ, wollten wir am liebsten weiter. Allerdings hatte niemand letzte Nacht geschlafen. Mein Schlafregulator hatte mich vergessen lassen, was das für Auswirkungen hatte.... und so rasteten wir und würden mit den Resten der schweizer Armee zusammenarbeiten müssen... Keep your friends close, but your enemies closer.
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